Historiker Wolffsohn kritisiert Abhängung von Nolde-Gemälden als „Tugendhysterie“

Von Felizitas Küble

Zur Zeit wird in Medien viel über den führenden Maler des Expressionismus, Emil Nolde, diskutiert. Obwohl die Nazis seine Kunst als „entartet“ ablehnten, war Nolde ein überzeugter Antisemit und auch ansonsten ein Anhänger der NS-Ideologie.

Dies wird derzeit in einer Berliner Ausstellung breit dokumentiert, ist aber unter Fachleuten längst bekannt.

Bundeskanzlerin Merkel hat jetzt sogar Nolde-Bilder in ihrem amtlichen Büro abgehängt.

Der deutschjüdische Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn kritisiert die jüngste Debatte und Merkels Abhäng-Aktion als „ein bisschen viel Tugendhysterie“.

Für ausländische Gäste, die das Kanzleramt besuchen, seien Nolde-Bilder keine Zumutung gewesen, sondern ein Bekenntnis zur Gebrochenheit deutscher Geschichte:

„Geschichte ist nicht nur eindimensional. Mich stört ganz schrecklich, dass wir so etwas wie eine korrekte Einheitsmeinung Deutschlands haben. Das ist so antiintellektuell, wie es nur sein kann.“

Gegenüber dem Deutschlandradio stellt der Münchner Geschichtswissenschaftler und Bestseller-Autor gestern (12.4.) außerdem klar: „Auf jeden Fall sind Nolde-Bilder zeigbar“, https://www.deutschlandfunk.de/historiker-zu-antisemitischem-kuenstler-auf-jeden-fall-sind.694.de.html?dram:article_id=446139

Wolffsohn erklärt, die Erwartung sei weltfremd, große Persönlichkeiten müßten eine „vollkommen reine Weste“ haben.

BILD: In seinem Bestseller „Deutschjüdische Glückskinder“ schreibt Prof. Wolffsohn über das Schicksal seiner Familie

Sodann gäbe es zudem jene, „die ganz bewusst leugnen, ignorieren, den Kopf in den Sand stecken. Wir kennen das auch in Bezug auf Günter Grass, der für viele immer noch moralisch auf dem Denkmalsockel steht.“

Doch für den in Israel geborenen Historiker zählt die Kunst als solche – und dazu gehöre die Tatsache, „dass sie von Menschen gemacht wird“. Niemand entspreche aber „dem Idealbild vom perfekten Menschen.“

Wolffsohn erinnert hierbei an das Luther-Jahr: „Wir haben im Jahre 2017 das Luther-Jahr gefeiert. Luther war ein ganz schlimmer Antisemit, der bis hin zur Verbrennung von Juden plädiert hat. Soweit ist Herr Nolde nicht gegangen.“


Causa Grass: Jüdischer Autor Alfred Grosser kritisiert „kollektive Selbstanklage“

Verschweigen der Waffen-SS-Zugehörigkeit war „skandalös“

Der deutsch-französische Publizist Prof. Dr. Alfred Grosser beurteilt den verstorbenen Autor Günter Grass zwiespältig. Der jüdische Schriftsteller hält dessen häufig erhobene kollektive Selbstanklage der Deutschen für übertrieben. 019_15A

Der verstorbene Literaturnobelpreisträger Grass habe hinsichtlich des Nationalsozialismus und seiner Verbrechen stets von einer Kollektivschuld der Deutschen gesprochen.

BILD: Deutsche waren nicht nur Täter, sondern auch Opfer der NS-Diktatur und ihrer Auswirkungen (z. B. Vertreibung, Bombardierung deutscher Städte, Massenvergewaltigungen)

Dabei seien zahlreiche Deutsche nicht nur keine Täter gewesen, sondern Opfer des NS-Systems geworden und z.B. in KZs inhaftiert gewesen:

„Abertausende von Deutschen waren ab 1937 im Konzentrationslager, Kurt Schumacher war ab 1933 im KZ – dieses Deutschland: von dem hat Grass eigentlich nie gesprochen. Und ich mache ihm das zum Vorwurf.“

Der 1925 in Frankfurt geborene jüdische Professor Grosser fügt hinzu:

„Meine ganze Arbeit auf deutsch-französischem Gebiet war immer, zu sagen: Es gibt keine Kollektivschuld – und vor allem, wenn ich daran denke, wie viele meiner Freunde z.B. im KZ Buchenwald zusammen waren mit Deutschen, die ab 1937 dort waren.“

Günter Grass und die „Bitburg-Affäre“:

Der linksorientierte Schriftsteller Grass hatte jahrzehntelang seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS verschwiegen, zugleich aber Vorwürfe gegen andere erhoben, zumal gegen konservative Persönlichkeiten bzw. Politiker. Dies tat er lautstark vor allem im Zusammenhang mit dem sog. „Bitburg-Skandal“. images

Damals übte er scharfe Kritik am CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzler Helmut Kohl, weil sich auf dem von Kohl und US-Präsident Ronald Reagan (siehe Foto) besuchten Soldatenfriedhof in Bitburg auch Gräber von Angehörigen der Waffen-SS befanden.

In der erregten Debatte von 1985 wurde in den Medien oft nicht zwischen der eigentlichen („schwarzen“) SS und der feldgrauen Waffen-SS unterschieden; zudem wurde nicht berücksichtigt, daß viele Soldaten zwangsweise in die Waffen-SS versetzt wurden.

Auch darauf weist Grosser eindeutig hin: „Die Waffen-SS war nicht die SS.“  – Und er ergänzt: „900.000 junge Deutsche waren zwangsverpflichtet bei der Waffen-SS.“

(Näheres dazu siehe hier in unserem –  vor drei Jahren veröffentlichten  –  Bericht: https://charismatismus.wordpress.com/2012/04/12/bitburg-1985-gunter-grass-und-der-gipfel-der-linken-heuchelei/)

Dass Grass jahrzehntelang seine Zugehörigkeit zur Waffen-SS verschwieg  – und dies bei gleichzeitiger Anklage gegen andere  –  bezeichnet Grosser in einem heute veröffentlichten Interview mit dem Deutschlandradio als „skandalös“.

Die lange gepflegte Würdigung des Schriftstellers als „moralisches Gewissen der Bundesrepublik“ nennt der deutsch-französische Publizist ebenfalls „sehr fragwürdig“.

Positiv äußerte sich Grosser über das Buch „Die Blechtrommel“ von Grass, ebenso über seine Begabung als Zeichner und Bildhauer.

Unsere Redakteurin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das diese Webseite betreibt.

Zum Thema GRASS haben wir bislang 12 Artikel veröffentlicht: https://charismatismus.wordpress.com/category/causa-gunter-grass/

HIER ein Nachruf auf Grass von Bettina Röhl: http://www.rolandtichy.de/daili-es-sentials/guenter-grass-ist-tot/


Michael Wolffsohn über Theo Sommer: „Wieder ein unmoralischer Moralist“

Steuersache Hoeneß und Sommer: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Prof. Dr. Michael Wolffsohn, prominenter Historiker und Buchautor aus München, befaßte sich am 27. Januar 2014 in einem Artikel auf FOCUS-online mit der Steuerhinterziehung von Theo Sommer, dem ehem. Herausgeber der linksliberalen Wochenzeitung „Die Zeit“.

Foto: http://www.wolffsohn.de/

Keine Frage, beide Personen des öffentlichen Lebens haben Steuern hinterzogen, der Bayern-Präsident ebenso wie der Publizist Sommer, „Edelfeder und Moralprediger“, wie Wolffsohn ihn leicht ironisch benennt.

Zunächst erwähnt der deutschjüdische Geschichtswissenschaftler den Unterschied zwischen dem wochenlang in Medien und Politik breitgetretenen „Fall Hoeneß“ und der weitaus weniger diskutierten Causa Sommer:

„Was unterscheidet sie? Uli Hoeneß hat sich selbst angezeigt, Sommer nicht. Er hat Einnahmen von rund 650.000 Euro nicht versteuert, wie das Finanzamt feststellte. Nun wurde Theo Sommer verurteilt. Einer unserer Top-Moralisten ist also vorbestraft.“

BILD: Prof. Dr. Michael Wolffsohn (Foto: http://www.wolffsohn.de)

Der Autor stellt sodann zutreffend fest: „Keiner regt sich wirklich auf. Ganz anders bei Uli Hoeneß. Über den regte sich die Republik wochenlang auf.“

Zudem weist der Historiker darauf hin, daß Hoeneß  –  anders als Theo Sommer  –  „ungeheuer hohe Beträge für wohltätige Zwecke gespendet und auch von sich aus viel kreativ Gutes für Benachteiligte auf den Weg gebracht“ habe.

„Das Muster ist beklemmend“

Prof. Wolffsohn bezieht grundsätzlich Stellung zu den vielgerühmten Moralisten und vermeintlichen „Edelfedern“ hierzulande:

„Ich habe zunehmend Probleme mit vielen Moralisten unserer Republik. Natürlich kann man nicht alle gleichsetzen. Aber das Muster ist beklemmend. Nehmen wir die Moralisten der Vergangenheitsbewältigung. Was, wie und wie oft haben Günter Grass und viele andere Moral-Superstars „den Deutschen“ vorgeworfen, sich nicht mit ihrer NS-Vergangenheit auseinandergesetzt zu haben. Ja, und dann? Dann der Schock. Nach Jahrzehnten der Beschimpfungen anderer…“

Kein Wunder also, wenn der Blick aufs einfache Volk im Vergleich zu dieser Pseudo-Elite geradezu wohltuend wirkt, wie der Münchner Historiker schildert: 

„Je mehr Fälle ich kenne, desto mehr bewundere ich den „Kleinen Mann“ und die „Kleine Frau“. Ohne viel Tamtam,  leise und fleißig, vollbringen sie ihre Arbeit… Ihre Moral predigen sie in den eigenen vier Wänden oder an Stammtischen. Wahrscheinlich sind sie nicht besser (und auch nicht schlechter) als Millionen andere. Sie haben ihre Stärken und Schwächen, es sind „Menschen wie du und ich“. Sie blasen sich nicht als Helden, gar zu Vorbildern der Nation auf.“

Theo Sommer verharmloste die „DDR“-Diktatur

Der Journalist Michael Leh aus Berlin hat sich sodann auf FOCUS-online unter dem Wolffsohn-Artikel mit dem folgenden informativen Leserkommentar zu Wort gemeldet:imagesCAQES0N8

„Wolffsohn hat völlig recht. Besonders genannt werden muss aber noch, dass Theo Sommer auf üble Weise in der ZEIT die DDR selbst noch kurz vor ihrem Zusammenbruch schöngeschrieben und den Kommunismus verharmlost hat.

Ich zitiere aus Sommers Texten aus dem Jahr 1986 über die DDR nur z.B.: „Das Verhältnis zwischen Volk und Obrigkeit ist enstpannter als je zuvor. Die Bürger sehen, dass es vorangeht.“

Und über Honecker: „Die Bürger des anderen Staates bringen ihm fast so etwas wie stille Verehrung entgegen.“ 

Ich habe Sommer schon damals wegen dieser grässlichen Desinformation und Fehlurteile verabscheut und verachtet. Nach der „Wende“ konnte er munter an führender Stelle weiterschreiben. Die Steuerhinterziehung ist für mich nur das Tüpfelchen auf dem i. –  Politisch waren seine Texte schlimmer.“

 

Antisemitismus von links ist nichts Neues: Schon Karl Marx verbreitete Judenhaß

In deutschen Medien wird Judenhaß meist im Zusammenhang mit rechtsextremen Gruppen erwähnt. Dabei wird der Antisemitismus von links ausgeblendet oder von der jeweiligen Zeitung selber vertreten, nicht selten unter dem Deckmantel der Israelfeindlichkeit.

Sachkritik am jüdischen Staat  ist unbenommen, doch nicht selten steckt eine grundsätzliche Ablehnung hinter ständiger Berichterstattung gegen Israel oder einer permanenten Schönfärberei der Palästinenser bzw. der arabischen Seite.

Dies gilt auch für linke Blätter, man denke etwa an die „Süddeutsche Zeitung“ mit ihrer gewohnt einseitigen „Israelkritik“  – oder an die anti-israelischen Entgleisungen des Literaturnobelpreisträgers Günter Grass, bekannt als SPD-orientierter Schriftsteller, in seinem sog. „Gedicht“, in dem er den Judenstaat anprangert. (Näheres in unserer Artikelfolge hier.) IMG_1093

Linke Vorurteile gegen Israel sind allerdings durch keine Ausrutscher, sondern befinden sich durchaus im Trend sozialistischer Tradition von jeher:

Man erinnere sich, daß die Hausbesetzer-Szene der Hamburger Hafenstraße in den 80er Jahren ständig antisemitische Parolen an die Wände schmierte, zB. „Tod dem Zionismus“  –  oder an das weit verbreitete, schwarz-violette Palästinensertuch auf damaligen Parteitagen der Grünen sowie deren Jubel für Terroristenchef Arafat etc.

Bereits der Ahnherr der kommunistischen Ideologie, Karl Marx, verunglimpfte die Juden trotz seiner eigenen jüdischen Herkunft in pauschaler (Un-)Art. In seinem Pamphlet „Zur Judenfrage“ (!) von 1844 setzt er z.B. den kapitalistischen Ungeist mit dem Geist des Judentums identisch: „Die chimärische Nationalität des Juden ist die Nationalität des Kaufmanns, überhaupt des Geldmenschen.“

Der bekannte Judenhaß des sowjetischen Tyrannen Stalin und seine Verfolgung russischer Juden ist historisch allgemein bekannt. Aber auch seine Nachfahren sind hier durchaus „linientreu“:

Im Juni 1999, 10 Jahre nach dem Ende des „Eisernen Vorhangs“, gab es zB. in Nowosibirks (Westsibirien) eine von Kommunisten organisierte Massenkundgebung, auf der es von antijüdischen Parolen nur so wimmelte: „Zur ewigen Hölle mit dem Zionismus!“ – „Jüdischer Faschismus“ etc.

In der fundierten Studie „Sozialisten zur Judenfrage“ von E. Silberner, die auf gründlicher Quellenforschung beruht, wird nachgewiesen, daß sich der Antisemitismus wie ein roter (!) Faden durch die sozialistische Theorie des 19. Jahrhunderts zieht, vor allem hinsichtlich der Werke französischer Utopisten und Frühsozialisten. So sind die Juden z.B. aus der Sicht von Proudhon die Komplizen der Monarchen und die „Verkörperung des kapitalistischen Ausbeutungssystems“.

Hans Habe, der liberal-konservative jüdische Schriftsteller, schreibt hierzu in seinem vierbändigen Werk „Leben für den Journalismus“:

„Der Antisemitismus ist in der Maske des Antizionismus so lebendig wie eh und je. Er führt Linksradikale und Rechtsradikale zusammen im Kampf gegen den winzigen Staat der verfolgten und überlebenden Juden.“ (3. Band, S. 250)

Im 4. Band schreibt der Autor (S.64) Folgendes:

„So manche Intellektuelle machen es sich leicht und weichen in die Vergangenheit aus. Viele verdoppeln ihr Bekenntnis zu den von Hitler ermordeten Juden. Autoren etwa wie Günter Grass und Heinrich Böll; sie stehen gesenkten Hauptes an den Gräbern, weil sie erhobenen Hauptes auf dem Schlachthof nicht stehen wollen; sie verdammen den Antisemitismus von gestern…Doch Israel veranlaßte sie zur Stellungnahme. Ihre Krise ist Ratlosigkeit….Israel hat eine Krise der Intellektuellen heraufbeschworen.“

Gleichzeitig mahnt Hans Habe die Israelis:

„Israel muß sich hüten vor jenen Gedanken einer Kollektivschuld, unter denen doch gerade das jüdische Volk seit mehr als 4000 Jahren leidet. Das Land des Moses ist dann am größten, wenn es gerecht ist.“

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


SPD Mecklenburg-Vorpommern lädt Günter Grass als Festredner ein

Die SPD-Fraktion des Schweriner Landtages hat jetzt ausgerechnet Günter Grass dazu eingeladen, die Festrede anläßlich der Verleihung ihres diesjährigen Johannes-Stelling-Preises zu halten, den sie auch als „Anti-Extremismus-Preis“ bezeichnet.

Der links orientierte Literaturnobelpreisträger stand der SPD bereits in den 60er Jahren – und in den folgenden Jahrzehnten – stets als Wahlhelfer zur Verfügung. 1974 trat er aus der katholischen Kirche aus, weil er ein „Recht auf Abtreibung“ befürwortet.

Der mit 2000 Euro dotierte Preis wird von der mecklenburg-vorpommerschen SPD-Fraktion bereits zum siebten Mal an Personen vergeben, die sich „gegen rechtsextremistische Gewalt, Intoleranz und Diskriminierung“ einsetzen.  (Einsatz gegen linksextremistische Gewalt ist aus SPD-Sicht offenbar nicht preiswürdig!)

In dem kontrovers diskutierten Text „Was gesagt werden muss“ behauptete Grass unlängst, daß der Staat Israel  den Weltfrieden gefährde, womit sich der Schriftsteller als Vertreter eines rabiaten linken Antizionismus zu erkennen gab.


Was Najem Wali mit Günter Grass im Jemen erlebte

Der irakische Exilschriftsteller Najem Wali berichtet in der heutigen Ausgabe der linksalternativen Berliner „taz“ ausführlich von seinen Erlebnissen mit Günter Grass, den er 2002 bei einer Reise in den Jemen begleitete.

Dabei machte Najem Wali eine Reihe von Erfahrungen mit dem Literatur-Nobelpreisträger, die ihn enttäuschten und irritierten  – vor allem im nachhinein.

Damals hatte Grass beispielsweise gegenüber einem jungen Mann auf dessen Frage hin energisch bestritten, er habe je irgendetwas mit Nazis zu tun gehabt. Vier Jahre später erst gab Grass zu, 1944 freiwillig in die Waffen-SS eingetreten zu sein.

Welch peinliches und ordinäres  Benehmen der  –  vor allem von linker Seite gern aufs Podest gehobene   –  Nobelpreisträger zum Besten bzw. Schlechten gab, kann man dem folgenden oberschrägen Vorgang entnehmen, von dem Najem Wali berichtet:

„Mich überkommt auch ein Schaudern, wenn ich an die empörte Reaktion eines jemenitischen Scheichs und seiner Anhänger denke, als ich ihnen Grass‘ Bemerkungen zu seiner Novelle „Katz und Maus“ übersetzte. Grass hatte mich ausdrücklich gebeten, seine Frage dem Scheich (…)zu übersetzen. Grass‘ Frage lautete, ob der Scheich in den letzten Jahren trotz seines hohen Alters onaniert habe.

Grass wollte damit die moralische Heuchelei herausstellen, die darin bestehe, eine Sache anderen zu verbieten, aber sie selbst zu tun. Ganz besonders ging es ihm dabei um die Heuchelei der Kleriker.(…) Dem Scheich und seinen Begleitern missfiel diese Frage sichtlich, und sie erwiderten, es sei doch wohl nicht möglich, dass ein ehrenwerter älterer Herr, noch dazu Nobelpreisträger, derartige Ungeheuerlichkeiten von sich gebe! Daher müsse es sich wohl um einen der üblen Scherze von Najem Wali handeln, „dem irakischen Autor, der ja für seine Zotigkeiten und Tabubrüche bekannt ist“.

Am folgenden Tag verwünschten mich die jemenitischen Zeitungen, womit ich quasi für vogelfrei erklärt wurde. Ich begab mich zu Grass und bat ihn, er möge die Sache klarstellen. Da hieß es dann „Wie edelmütig von Grass, sich für seinen Freund einzusetzen!“  – Dessen ungeachtet blieb die offizielle Position: Grass, der „Freund der Araber“, konnte nicht eine solche Ungeheuerlichkeit gesagt haben!“

Hat er aber!

Quelle und vollständiger Text hier:
http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=hi&dig=2012%2F04%2F14%2Fa0248&cHash=ead515ac0f
 

Günter Grass und das Schweigen von links – auch in Israel

Gestern erschien in der eher linksorientierten israelischen Tageszeitung „Haaretz“ ein Kommentar von Von Ari Shavit, worin dieser sich über das „Schweigen der Linken“ zum Grass-„Gedicht“ beklagt. Damit meint er ausdrücklich auch die jüdischen Linksorientierten und Friedensbewegten (z.B. Peace Now, Meretz-Partei) im eigenen Land.

Hier folgen einige Abschnitte aus dieser Selbstkritik:

„Günter Grass hat uns alle auf die Probe gestellt. Der merkwürdige Text, den er vor einer Woche in der „Süddeutschen Zeitung“ veröffentlicht hat, enthält zwar keinen Antisemitismus der alten Schule und auch keine Goebbelssche Propaganda, doch liegen unter den peinlichen Zeilen drei Aussagen verborgen, die man näher betrachten sollte.
In der ihm eigenen Art sagt Günter Grass in etwa folgendes: Ich bin nicht bereit, weiterhin meinen Abscheu vor Israel wegen meiner Nazi-Vergangenheit zu unterdrücken; ich denke, dass eine Atommacht Israel den Weltfrieden gefährdet; die Tatsache, dass mein Volk 1942 die Juden ermordet hat, rechtfertigt nicht, dass Israel 2012 über Atomwaffen verfügt.
Mit den sensiblen Instinkten eines großen Schriftstellers hat Günter Grass auf radikale Art und Weise einer tiefsitzenden Auffassung Ausdruck verliehen, die sich heute in den dunklen Kellern des neuen Deutschlands, des neuen Europas und der neuen Linken ausbreitet.
Dieser Auffassung zufolge ist nicht der Iran, sondern Israel heute der Aggressor im Nahen Osten. Und nicht die radikalen Schiiten, sondern die radikalen Israelis sind die neuen Nazis…
Für Grass geht von amerikanischen, russischen, britischen, französischen, chinesischen, indischen und pakistanischen Atombomben keine Gefahr aus. Und auch eine iranische Atombombe stellt nicht wirklich eine Bedrohung dar. Was unsere Welt wirklich an den Rand der Zerstörung bringen könnte, sind (laut Grass) die Atomwaffen, die Israel zugeschrieben werden.
Die Fähigkeit der Juden, sich selbst zu verteidigen und damit ihre Vernichtung zu verhindern, raubt dem Moral-Guru aus Lübeck den Schlaf.
Grass stellt uns vor eine ernsthafte Herausforderung…Der Vorkämpfer der europäischen Linken versucht jetzt, Israel die Macht der Abschreckung abzusprechen, auf der seine Sicherheit beruht.
Binyamin Netanyahu und Avigdor Lieberman haben sehr gute Antworten auf Grass gegeben, doch niemand in der Welt hört ihnen zu. Innenminister Eli Yishai hat aggressiv auf Grass reagiert und damit Israel schweren politischen und moralischen Schaden zugefügt.
Doch wer überhaupt nicht reagiert hat, ist die zionistische Linke. Kein Schriftsteller hat in fließendem Englisch eine feurige Rede gehalten. Kein Intellektueller hat einen profunden Artikel in der „New York Times“ geschrieben. Meretz und „Peace now“ haben geschwiegen.
Die Moralisten sind schnell dabei, jeden verwirrten Rabbi aus der Siedlung Yitzhar zu verurteilen  –  aber angesichts der beängstigenden Worte eines Nobelpreisträgers haben sie geschwiegen. Während das offizielle Deutschland seinen obersten Schriftsteller lautstark verurteilt hat, blieb das aufgeklärte Israel stumm.
Im Moment sieht es so aus, als sei der Sturm vorüber. Doch das schwere moralische Scheitern Grass‘ und die ausbleibende Reaktion seitens der zionistischen Linken verheißen nichts Gutes.
Sie zeigen auch, dass die leitenden Intellektuellen im Westen und in Israel nicht mehr fähig sind, zur Verteidigung des Staates Israel auszuziehen. Was Grass gesagt hat und was nicht gegen ihn gesagt wurde, zeigt, dass der Samen der Delegitimation langsam Früchte trägt.“
Quelle: Botschaft des Staates Israel in Berlin

Bitburg-Skandal 1985: Günter Grass, die Waffen-SS und der Gipfel linker Heuchelei

„Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche“

1985 hieß der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl und die CDU regierte gemeinsam mit der FDP in einer Koalition. Als der amerikanische Präsidenten Ronald Reagan bei seinem Deutschlandbesuch auch zum Soldatenfriedhof Bitburg in der Eifel reiste, war dies wochenlang ein heißes Thema in deutschen Medien. be2004_38_551

Weil dort sage und schreibe 43 Angehörige der Waffen-SS begraben lagen (die meisten von ihnen waren wehrpflichtig und ca 18 Jahre alt), gab es schon im Vorfeld scharfe Attacken gegen den konservativen US-Präsidenten Reagan und Kanzler Kohl.

Dabei wurde nur selten berücksichtigt, daß in den letzten beiden Kriegsjahren viele Wehrmachtseinheiten pauschal und zwangsweise in die Waffen-SS überführt wurden. Zudem sollte man zwischen der eigentlichen, der „schwarzen“ SS einerseits und der „feldgrauen“ Waffen-SS andererseits durchaus unterscheiden. (Die schwarze SS war insgesamt noch weitaus schlimmer).

Günter Grass, der jahrzehntelang gefeierte Links-Literat und seit den 60er Jahren Wahlkampfhelfer der SPD, war selber in der Waffen-SS, allerdings freiwillig  – und hat dies 60 Jahre lang verschwiegen.

Nun könnte man über derlei  „Jugendsünden“ Gras wachsen lassen, wäre es nicht ausgerechnet GraSS gewesen, der damals in der „Bitburg-Affäre“ den CDU-Kanzler massiv attackiert hätte. Damals wußte man freilich noch nicht, daß der Ankläger selber bis über beide Ohren im Glashaus sitzt.

Heuchlerische Rede gegen Kanzler Kohl

Am 10. Mai 1985 dokumentierte die Wochenzeitung „Die Zeit“ eine krasse Rede von Grass unter dem Titel:  „Geschenkte Freiheit – Versagen, Schuld, vertane Chancen“.  – Wir zitieren einige Abschnitte daraus:

„Ich weiß, daß bis in die Leitartikel dieser Tage Unschuldszeugnisse ausgestellt werden. Wir leisten uns gegenwärtig einen Bundeskanzler, dem die Unschuld, wenn nicht eingefleischt, so doch eingeboren ist.

Fix sind abermals die Persilscheine der Fünfzigerjahre zur Hand. Doch was sagen die wiederholten Beteuerungen, es habe die überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes von Gaskammern, Massenvernichtungen, vom Völkermord nichts gewusst?

Diese Unwissenheit spricht nicht frei. Sie ist selbst verschuldet, zumal die besagte Mehrheit wohl wusste, dass es Konzentrationslager gab und wer alles in sie hineingehörte: zum Beispiel die Roten und die Juden natürlich. Diesem Wissen ist nachträglich nicht abzuhelfen. Kein selbstgefälliger Freispruch hebt dieses Wissen auf. Alle wussten, konnten wissen, hätten wissen müssen.“

Sodann heißt es dreist: „Als hätten wir nicht Bürde genug, erweist sich Kohl als zusätzliche Belastung der deutschen Geschichte; doch auch diesen Ballast haben wir uns verdient.“

Noch weniger haben die Deutschen die linke Doppelmoral des Herrn GraSS verdient. Sein Treiben erinnert an die alte Redensart: „Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche.“

Felizitas Küble, Leiterin des gemeinnützigen Christoferuswerks in Münster, das diese Webseite betreibt.

 


Doppelmoral läßt grüßen: Die SPD, Wolfgang Thierse und Günter Grass

Nachdem einige Sozialdemokraten laut darüber nachdachten, beim nächsten Bundestagswahlkampf auf die seit Jahrzehnten übliche Hilfe von Günter Grass zu verzichten, meldete sich Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse als Beschwichtiger zu Wort nach der Devise: Nun aber mal halblang!

Ausgerechnet Thierse, der beim sog. „Kampf gegen rechts“ (oder was er dafür hält) gerne den Übereifrigen markiert, ist jetzt auf der weichen Welle, wenn es um den SPD-Lieblingsliteraten Grass geht.

Jedenfalls hält der SPD-Politiker einen vorzeitigen Ausschluß von Günter Grass aus dem Wahlkampf für überhaupt nicht angesagt: „Ich halte nichts davon, dass die SPD nun gewissermaßen wie der Staat Israel Günter Grass zur Persona non grata erklärt“, sagte er am heutigen Dienstag im Deutschlandfunk.

Zugleich warnte Thierse davor, Grass zum Antisemiten zu erklären: „Wenn man Günter Grass wegen dieser einseitigen kritischen Position zum Antisemiten macht, dann ist das fatal.“  –  Dadurch entstehe der Eindruck, „Deutsche höheren oder mittleren Alters könnten dem Antisemitismus niemals entrinnen“. Zudem werde das Vorurteil bestätigt, „dass Kritik an Israel ganz schnell des Antisemitismus verdächtig ist“.

Da verwechselt der  –  sonst in puncto Antisemitismus doch so hellhörige  – Sozialdemokrat aber einiges, nämlich Folgendes:

1.  Kritik, auch scharfe Sachkritik an Israel hat natürlich nichts mit Judenfeindlichkeit oder Israelhaß zu tun – das versteht sich am Rande.  Aber Grass hat nicht etwa „Kritik“ geübt, sondern dem jüdischen Staat unterstellt, es wolle den Iran per atomarem Erstschlag auslöschen und sei ohnehin eine Gefahr für den Weltfrieden. „Kritik“ sieht anders aus!

2. Was hat das hohe Alter von Grass damit zu tun, es könne der Eindruck entstehen, ältere oder mittlere Semester könnten „dem Antisemitismus niemals entrinnen“?  –  Als ob je ein Vernünftiger den Judenhaß in Altersklassen eingeteilt hätte.  – Herr Thierse braucht keine „Vorurteile“ bekämpfen, die überhaupt nicht existieren.

3. Zudem ist der Vizepräsident des Bundestags besorgt darüber, daß Israelkritik „ganz schnell“ als Antisemitismus verdächtigt wird. Abgesehen davon, daß fast das gesamte linke Lager von tief-rot bis grün seit Jahrzehnten von anti-israelischer Dauer-Allergie geprägt ist, äußert Thierse gerade jetzt seine Befürchtungen, wo es aktuell um den SPD-nahen Literaten Grass geht.

Wo bleiben denn seine feinfühligen  Differenzierungen und Bedenken, wenn Christlich- Konservative (man erinnere sich z.B. an den „Fall Hohmann“ oder vorher an die „Causa Heitmann“) wegen vergleichsweise geringfügiger Kritik an Juden sofort in die rechtsradikale Schmuddelecke verfrachtet wurden und werden?!

Warum gibt sich Thierse nur dann so bedenkenträgerisch und rücksichtsvoll, wenn es um einen Alt-68er und sozialistischen Literaten geht, um jemanden wie Grass, der schon in den 60er Jahren die (Wahlkampf-)Trommel für die SPD rührte.

Felizitas Küble


Echt krass: Wenn Israelhaß grassiert – wie bei Günter Grass

Im christlichen Web-Magazin „Israel-Netz“ wurde am 5.4.2012 ein Artikel unter dem Titel „Wenn Israelhass grassiert“ veröffentlicht, der darauf hinweist, daß der linke Antizionismus nicht zu unterschätzen ist  –  wie der aktuelle Grassismus (Grass und sein Fanclub von rechts- bis linksaußen) wieder einmal dokumentiert.

Autor E. Prill schreibt unter anderem:

„Grass kritisiert nicht. Er stigmatisiert. Und das geht nicht. Nirgendwo in der Welt und in Deutschland schon gar nicht. Stammt nicht von hier die vernichtende Kurzformel „Juden sind unser Unglück“, die zur Massenvernichtung führte? „Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden“, lesen wir bei Grass. Heißt das: Israel ist die größte Gefahr für die Menschheit, gefährlicher als alle „Maulhelden“ wie Hitler und Ahmadinedschad?“

Genau darauf läuft das irrgeistige „Gedicht“ (das schon seiner Form und Struktur nach gar kein Gedicht  ist) unterm Strich hinaus: Früher hieß es: „Die Juden sind unser Unglück!“ –  Heute heißt es eben: „Die Israelis sind unser Unglück“.

Das hat mit Sachkritik, auch harter Sachkritik  (die natürlich auch am jüdischen Staat geübt werden kann) nicht die Bohne zu tun; der Rundumschlag  von Günter Grass ist Hetze und Verleumdung  –  unter dem Deckmantel vermeintlicher Kunst („Gedicht“), um sich schön (raffiniert) auf die Kunstfreiheit berufen zu können, falls es juristischen Ärger gibt.  Der Grass-Text ist aber kein Kunstwerk, sondern ein Machwerk.

Der Autor von „Israel-Netz“ stellt zudem richtig fest:

„Der Antisemitismus heute kommt aus anderen Ecken: dem islamischen Dschihadismus unter der grünen Fahne Mohammeds und dem alt- und neulinken Judenhass unter der roten Fahne der Sozialisten, der nationalen und der realen. Das „Weltjudentum“, die „jüdische „Hochfinanz“, voran die „jüdischen Spekulanten“ und schließlich die „Zionisten“ sind Zielscheibe linker Reichenhasser, Kapitalismuskritiker und Gutmenschen. Die meist hinzufügen, wie Grass auch, dass sie „Israel verbunden“ seien.“

Außerdem erfährt man hier, daß  Schriftsteller Günter Grass bereits vor 11 Jahren in einem „Spiegel“-Interview Folgendes zum Besten bzw Schlechten gab:

 „Israel muss nicht nur besetzte Gebiete räumen. Auch die Besitznahme palästinensischen Bodens und seine israelische Besiedlung ist eine kriminelle Handlung. Das muss nicht nur aufhören, sondern rückgängig gemacht werden. Sonst kehrt dort kein Frieden ein.“

Mit anderen Worten: Der Staat Israel muß „rückgängig gemacht“ werden, er ist in sich eine „kriminelle Handlung“  – vielleicht verrät uns der Herr Literaturnobelpreisträger noch, ob Millionen von jüdischen Israelis ins Meer springen oder sich vielleicht in Luft auflösen sollen?! (Um nicht deutlicher zu werden!)

Zudem fragt man sich, wo denn die Stellungnahme von Angela Merkel zu den Entgleisungen von Grass bleibt? Scheut sie eine klare Position? Will sie sich nicht eindeutig vom Grassismus distanzieren?

Weniger zimperlich war die CDU-Chefin  freilich, als sie Papst Benedikt in der Causa Willamson öffentlich kritisierte. War es zudem nicht unsere Bundeskanzlerin, die das Sarrazin-Buch (ohne es gelesen zu haben!) als „wenig hilfreich“ vom Tisch zu fegen gedachte?!  Hat es ihr jetzt plötzlich die Sprache verschlagen?

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster