Mitglied von Amnesty International (AI) kritisiert Stellungnahmen seines Verbandes

Von Dennis RiehleRiehle, Dennis_5

Nicht nur intern haben in der jüngsten Vergangenheit zwei Positionierungen von „Amnesty International“ für großes Aufsehen gesorgt: Das oberste Sekretariat der Menschenrechtsorganisation hat eigenmächtig ein Dokument veröffentlicht, in welchem deutlich wird, dass Menschenrechte lediglich ab dem Zeitpunkt der Geburt gelten.

Schon seit längerem hatte die oberste Führungsebene der Organisation deutlich gemacht, dass Rechte für einen Fötus nicht mit dem Selbstbestimmungsrecht der Frau vereinbar seien. Nun wurde diese Argumentation über die Köpfe der Mitglieder hinweg in Stein gemeißelt: Das Recht auf Abtreibung überwiege das Recht auf Leben für Ungeborene.

Inhaltlich kann ich dieser Darlegung nicht folgen, vor allem ist es aber die fehlende Auseinandersetzung in einem Verband mit weltweit Millionen von Mitgliedern, die mich an demokratischen Strukturen innerhalb von „Amnesty“ erheblich zweifeln lässt. Unter anderem war ich „Amnesty“ beigetreten, weil man dort den Einsatz für das Leben als unverrückbare Prämisse über alle Entscheidungen stellen wollte. Nicht nur gegen die Todesstrafe bei „Geborenen“ wandte man sich ursprünglich, sondern auch gegen das Einwirken auf entstehendes Leben.

Ich weiß, dass auch in der Organisation vielfach kritisiert wurde, dass solch ein Standpunkt von religiösen Überzeugungen geprägt sei und mit dem Gedanken der Emanzipation und der Aufklärung, wonach die Frau eigenständig berechtigt sei, über ihren Körper – und damit über ein heranwachsendes Kind im Mutterleib – zu richten, nicht vereinbar sei. Doch gerade nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshof über die Definition vom Beginn des menschlichen Lebens hatte man eigentlich damit gerechnet, dass sich „Amnesty“ der von den Richtern festgestellten Übereinkunft anschließt.

AI äußert sich pro Abtreibungsrecht und „Sexarbeit“

images (2)Nun kam es aber ganz anders. Und für mich ist es als „Amnesty“-Mitglied nicht nur die sachliche Feststellung des Internationalen Sekretariats, die mich irritiert. Insbesondere ärgere ich mich darüber, dass in solch einer fundamentalen Fragestellung die Anhänger der Organisation nicht einbezogen wurden.

Es fand kein Ringen statt, das ich mir von einem demokratisch strukturierten Verein erwarte. Keine Abwägung, bei der möglicherweise hätte klargestellt werden müssen, dass die ursprüngliche Eigenverpflichtung von „Amnesty“, sich für das Leben einzusetzen, dem Recht auf Abtreibung doch überwiegen könnte.

Zahlreiche Gruppen, die öffentlich gegen die Alleingänge des Sekretariats protestierten, wurden entweder überhört oder mit pauschalen Erklärungen abgespeist. Man zeigte zwar Verständnis für anderslautende Meinungen. Das reichte aber offenbar nicht, um diese auch in die Leitlinienarbeit der Organisation zu integrieren.

Auch die eingenommene Haltung in der Bewertung der Prostitution musste empören. So machte „Amnesty“ deutlich, dass Sexarbeit nicht grundsätzlich als Menschenrechtsverletzung anzusehen sei. Viel eher sehe man die freie berufliche Entwicklung von Männern und Frauen in der Prostitution als eine nur in Ausnahmen moralisch anstößige Arbeit an, wie aus den Aussagen der Führungsriegen der Organisation zu interpretieren ist.

Dass aber überwiegend Unterdrückung, Zwang und Freiheitsberaubung als selbstverständliche Begleiterscheinung der Prostitution eine gravierende Menschenrechtsverletzung an den Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern definitiv und unmissverständlich darstellt, wird aus den Erklärungen vom Internationalen Sekretariat von „Amnesty“ kaum deutlich.  prolifeusa

Nicht nur Frauenrechtsgruppierungen waren deshalb auf die Barrikaden gegangen, als die Haltung des Vereins in den Medien publik wurde. Und sogar die weltweiten Presseagenturen sahen sich genötigt, zu dieser Haltung der Organisation mit eindeutiger Kritik zu reagieren. Das Image von „Amnesty“ litt unzweifelhaft unter der narzisstischen „Basta“-Politik des Generalsekretariats. Da half auch nicht, dass man in der Zentrale versuchte, mit dem Engagement für Flüchtlinge von den internen Querelen abzulenken…

Mit seinen eigenmächtigen Verdikten innerhalb des Internationalen Sekretariats, die auch immer öfter die nationalen Sektionen von „Amnesty“ überraschen, zementiert sich ein Eindruck, wonach die Organisation zunehmend von elitären Kreisen statt von seiner Mitgliederschaft gelenkt wird. Regelungen, wonach sich Neumitglieder zunächst über Jahre bewähren müssen, ehe sie in den thematischen Arbeitsgruppen mitwirken dürfen, untermauern diese Vermutung.

Ich hätte wohl kaum ein Problem damit, einen Entschluss (wie die oben genannten Beispiele) mitzutragen, der von der Mehrheit der „Amnesty“-Mitglieder gefasst wurde – auch wenn ich inhaltlich damit nicht übereinstimmen könnte. Immerhin wüsste ich dann aber, dass die Partizipation innerhalb des Vereins funktioniert. Durch zirkulär getroffene Verlautbarungen, die nicht mehr die Menschenrechte aller schützen, verliert „Amnesty“ den Anspruch, sich als Instanz zu erheben.

Wenn Menschenrechte danach ausgerichtet werden, nur noch als sich speziellem Klientel anbiedernde Freifahrtsscheine daherzukommen und partikulär ausgewählten Personengruppen die Vorfahrt zu lassen, hat die wohl bekannteste Menschenrechtsorganisation ihre Grundwerte verlassen.  Dann ist „Amnesty“ nicht mehr der Anwalt von Menschen, sondern Lobbyist von Einzelinteressen – und hat die Fähigkeit, als unabhängiges und mahnendes Gewissen zu erscheinen, verwirkt.

Dennis Riehle, Sprecher
Humanistische Alternative Bodensee (HABO)
Martin-Schleyer-Str. 27 in 78465 Konstanz

www.humanisten-bodensee.de
sprecher@humanisten-bodensee.de 

 


Baden-Württemberg: Kretschmann hält an der „Homo-Ehe“ und seinem Aktionsplan fest

Homosexueller Dennis Riehle verteidigt klassische Ehe

Die Kritik des Konstanzer Homosexuellen Dennis Riehle, Sprecher der Humanistischen Alternative Bodensee (HABO), ist von Ministerpräsident Kretschmann zurückgewiesen worden. Riehle (siehe Foto) hatte sich an die Landesregierung von Baden-Württemberg gewandt und die einseitige Interessenpolitik zugunsten von Lesben und Schwulen bemängelt. Riehle, Dennis_5

In einem Antwortschreiben hält der Regierungschef weiter fest an seiner Unterstützung für die sog. „Homo-Ehe“ und dem „Aktionsplan des Landes für Akzeptanz und gleiche Rechte“, welcher unter anderem im Bildungsbereich zu neuen Leitlinien führt.

Riehle hatte in seinem Brief herausgestellt, wonach der Fokus des Kabinetts auf die Belange der LSBTTIQ-Bewegung in der Amtsperiode von Grün-Rot dazu geführt habe, dass sich andere Minderheiten benachteiligt fühlen könnten.

In Bezug auf die Homo-Ehe hieß es im Schreiben von Riehle u.a.:

„Die Bindung zwischen Mann und Frau scheint mir nicht nur aus sexueller (und damit gleichsam natürlicher) Sicht als eine einzigartige und hervorgehobene Harmonie privilegiert, sondern bleibt wohl auch die mehrheitliche Form des Zusammenlebens. […] Das ist zwar […] kein Grund, das gleichgeschlechtliche Miteinander abzuwerten – aber nicht jede Würdigung einer bestimmten Konstellation bedeutet gleichzeitig auch eine Diskriminierung anderer“. 

Homosexuelle Funktionäre: interne Intoleranz

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Dem HABO-Sprecher war es nach eigenen Worten wichtig, als Homosexueller eine andere Sicht auf die Debatte zu richten als die selbsternannten schwul-lesbischen Interessenvertreter. Denn nach eigenen Erfahrungen seien sie es, die am vehementesten nach mehr Anerkennung riefen, letztlich aber in den eigenen Reihen die intoleranteste Haltung gegenüber ihresgleichen vertreten.

In der Erwiderung des Ministerpräsidenten heißt es, dass er „der festen Überzeugung [sei], dass es dem liberalen Verfassungsstaat nicht zusteht, sich in die persönliche Lebensführung von anderen einzumischen oder diese zu beschränken“.

Zwar „verdient Ihre (Riehles) Entscheidung bzw. Ihr Plädoyer für die klassische Ehe von Mann und Frau staatlicherseits denselben Respekt wie die Entscheidung zweier Menschen für eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft“; aber „das private Lebensmodell einer Bevölkerungsmehrheit [darf weder] aufoktroyiert […] noch andersherum die Minderheitenposition für die persönliche Lebensführung aller Menschen vorgeschrieben werden“.

Kretschmann weist Riehles Kritik zurück

Kretschmann führt die Bedenken aus der Bevölkerung gegenüber der „Homo-Ehe“ schlussendlich darauf zurück, dass „für viele Menschen, die in einer Zeit aufgewachsen sind, als Homosexualität noch sehr tabuisiert war, die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Ehen sicherlich zunächst eine gewöhnungsbedürftige Vorstellung“ sei. Es treffe aber „keineswegs“ zu,  „dass durch die Öffnung der Ehe der grundgesetzliche Schutz von Ehe und Familie gefährdet [ist] oder gar eine ‚Auflösung‘ der klassischen Familie […] betrieben“ werde. PICT0131

Zum Aktionsplan erklärt Kretschmann, „dass in den vergangenen Monaten in der öffentlichen Debatte und auch in den Medien – teilweise bewusst – immer wieder eine Vermengung bzw. Gleichsetzung staatlicher Antidiskriminierungsmaßnahmen mit Extrempositionen zu beobachten war“.

BILD: Elternproteste gegen grün-rote „Bildungspläne“ in Stuttgart

Es sei nochmals klarzustellen, „dass es bei dem Aktionsplan nicht um sexuelle Praktiken, sondern um die Akzeptanz der Vielfalt geht […]“. Dabei bleibe das „Ziel der Verankerung der Thematik in den Bildungsplan […], Schülerinnen und Schüler noch deutlicher als bisher mit Wertschätzung, Toleranz und Weltoffenheit zu vermitteln […]. Dass sich der Bildungsplan dabei am christlichen Menschenbild in Landesverfassung und Schulgesetz orientiert, ist selbstverständlich. Der großen Bedeutung der Institution Familie und Ehe wird durch die neuen Bildungspläne weiterhin Rechnung getragen“.

Riehle zeigt sich unzufrieden mit der Antwort aus Stuttgart:

„Eine wirkliche Gegenargumentation konnte Kretschmann nicht liefern. Viel eher blieben seine Aussagen floskelhaft und ohne klar erkenntliche Richtschnur. Seine Überzeugungen konnte der Ministerpräsident nicht mit tragendem Fundament untermauern, weshalb ich einen eindeutigen Schlingerkurs in seinen Formulierungen entdecke. Besonders ärgert mich, dass mir Kritikpunkte unterstellt werden, die ich in dieser Weise gar nicht vorgebracht habe.

Meinen ausführlichen Darlegungen erwiderte Kretschmann kaum eine Würdigung. Viel eher werde ich mit Vorhaltungen konfrontiert, die ich als sachlich höchst fragwürdig erachte. Den Respekt, den der Ministerpräsident einfordert, kann er gegenüber seinen Kritikern offenbar selbst nicht aufrechthalten.“

 


Zum Berliner „Marsch für das Leben“: Humanistenverband kritisiert Proteste

Fairer Dialog statt pöbelnder Gegendemonstrationen

Anlässlich des „Marsches für das Leben“ in Berlin haben zahlreiche säkulare Verbände, aber auch Gewerkschaften und Verbände zum Protest aufgerufen. In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Zwischenfälle gegeben, weil vor allem linke Demonstranten übergriffig wurden und die Veranstaltung vornehmlich christlich orientierter Organisatoren störten.
Riehle, Dennis_5

Auch 2015 kursierten bereits im Vorfeld Aufrufe in sozialen Netzwerken und in Veröffentlichungen, die eine Blockade des Marsches forderten.

Der Sprecher der „Humanistischen Alternative Bodensee“ (HABO), Dennis Riehle (siehe Foto), verurteilt diese Aufforderungen:

„Es ist legitim, eine andere Meinung als die der Teilnehmenden des ‚Marsches für das Leben‘ zu haben – und diesen auch auf die Straße zu tragen. Die Erfahrungen zeigen aber, dass die geplanten Aktionen gegen die Kundgebung von aufgehetzten Stimmungen getrieben sind, aus denen leicht auch Aggression werden kann. Das ist nicht zu tolerieren.

Im Übrigen ist die Zuschreibung des ‚Fundamentalismus‘ an die Mitwirkenden am Demonstrationszug, an dem gegen Sterbehilfe und Abtreibung protestiert wird, völlig haltlos. Wer seine Werte friedlich verteidigt, hat das Anrecht hierzu – und es gibt keinen Grund dafür, diesen Anspruch in Frage zu stellen“.

Riehle erklärt weiter:
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„Wer eine humanistische Denkweise vertritt, muss nach meinem Verständnis für eine demokratische Gesinnung stehen. Das bedeutet auch, sich mit anderen Positionen kritisch, aber gewaltlos auseinanderzusetzen und jedem Mitbürger dieselben Freiheiten zuzugestehen.

Überdies irritiert mich ohnehin, wie unreflektiert die Mitwirkenden an der Gegendemonstration ihre eigene Überzeugung offenbaren: Genauso radikal, wie es linke Gruppierungen dem ‚Marsch für das Leben‘ anlasten wollen, ist deren eigene Sicht.

Das Recht auf Leben für Sterbenskranke oder Ungeborene steht dem der Selbstbestimmung gegenüber. Beide Seiten haben für ihre Position Argumente. Ich persönlich kann mit der als ‚säkular‘ verkauften Haltung nicht konform gehen: Es braucht nicht den Glauben an einen Gott, um der Schönheit, aber auch den Krisen, Herausforderungen und Tiefen des Lebens etwas abzugewinnen.

Gerade als Humanist ist es mir wichtig, die Würde des Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Für mich bedeutet das auch, ihn manches Mal vor eigenen Entscheidungen schützen zu müssen“.

Der HABO-Sprecher zeigt sich zudem besorgt, dass Anlässe wie der jetzige zeigten, wonach es zwischen Christen und Religionsfreien neue Gräben gebe: „Diese Entwicklung ist bedenklich. Glaubensfreiheit bedeutet in jedem Fall, den Dialog zu suchen – statt zu pöbeln“.

VIDEO der Lebensrechts-Kundgebung in Berlin: http://kathtube.com/player.php?id=38517


„Humanistische Alternative“ beanstandet Bevorzugung des homosexuellen Spektrums

Dennis Riehle kritisiert grün-rote Koalition in Baden-Württemberg

Das Sozialministerium Baden-Württemberg hat in einem Antwortschreiben an den Vorsitzenden der HumanistiscRiehle, Dennis_5hen Alternative Bodensee (HABO), Dennis Riehle (siehe Foto), im Zusammenhang mit der Politik der grün-roten Landesregierung gegenüber der LSBTTIQ-Bewegung eingeräumt, „dass subjektiv durchaus der Eindruck entstehen“ könne, wonach „eine Interessengruppe stärker gehört wird als eine andere“.

Der Referatsleiter bezog sich damit auf die Kritik Riehles, der nach der Verabschiedung des „Aktionsplans für Akzeptanz und gleiche Rechte“ bemängelt hatte, dass die Koalition seit ihrem Amtsantritt einen besonderen Fokus auf die Ansinnen der lesbisch-schwulen Bewegung gelegt habe.

Riehle, der sich selbst in seinem Brief als homosexuell „geoutet“ hatte, mahnte an, dass andere Minderheiten nicht vergessen werden dürften. Ihm sei es unangenehm, dass Lobbyverbände immer neue Forderungen aufstellen, wenn es um die Rechte von Homo-, Bi- oder Transsexuellen gehe  –  und damit die Anliegen anderer Gruppierungen aus dem politischen Alltag verdrängen würden:t_go.php

Der HABO-Vorsitzende betont, daß er sich auch im Bereich der Selbsthilfe, für psychisch Kranke und behinderte Menschen engagiert:

„Doch ich habe in der Legislaturperiode von Ministerpräsident Kretschmann bisher kaum etwas davon wahrgenommen, dass sich die Landesregierung auch um die Stellung dieser Minoritäten bemüht“.

BILDER: Eltern-Proteste in Stuttgart gegen den grün-roten „Bildungsplan“ in Baden-Württemberg

Das Ministerium versicherte: „Insbesondere ist eine überproportionale Berücksichtigung der LSBTTIQ-Menschen fachlich nicht beabsichtigt“.

Man verweist darauf, dass sich die Landesregierung auch an der Umsetzung der UN-Behindertenkonvention beteilige oder einen „Aktionsplan Gegen Gewalt gegen Frauen“ auf den Weg gebracht habe.

Das Ministerium  betont gleichsam, dass die Thematik um die Gleichstellung Homosexueller durch die Medien in den Fokus gerückt wurde, ebenso wie durch die Debatte auf Bundesebene. Allerdings:stuttgart 005a

„Die Landesregierung sieht sich verpflichtet dafür Sorge zu tragen, dass alle Bürgerinnen und Bürger vor Benachteiligungen […] geschützt werden“.

Riehle will aufgrund des Briefes nochmals das Gespräch mit dem Ministerium suchen:

„Ein wesentlicher Aspekt, weshalb die Wahrnehmung derart einseitig geworden ist, ist der Frage zuzuschreiben, wie subsidiär die Beteiligung der einzelnen Minderheiten ausgerichtet ist.

Ich sehe immer wieder, wie LSBTTIQ-Gruppen bis hin zur Basis von den Ministerien hofiert werden – während man sich bei anderen Randgruppen mit dem Dialog über die Dachverbände zufrieden gibt. Von einer Landesregierung, die sich der Partizipation verschrieben hat, sollte man erwarten können, dass sie sich der Bedeutung der Engagierten, Aktiven und Betroffenen vor Ort bewusst ist.“

Außerdem schreibt Riehle weiter:

„Hier lassen sowohl die Gesetzeslage, aber auch die bestehenden Strukturen noch zu viele Freiräume, wenn es um das viel beschworene ‚Gehörtwerden‘ geht. Es reicht nicht aus, das ‚Ohr‘ bei Interessenvertretern zu haben – sondern bei denen, die im Alltag ganz praktisch mit Hürden, Herausforderung und Ausgrenzungen konfrontiert sind“, erklärt der HABO-Vorsitzende abschließend.


Humanistische Initiative unterstützt Lebensrechtler gegen vorgeburtlichen Test

Menschenrechte gelten auch für Ungeborene

Vor der Firma „LifeCodexx“ in Konstanz haben zahlreiche Lebensrechtler, darunter die CDL (Christdemokraten für das Leben), gegen einen Test demonstriert, den das Unternehmen zur vorgeburtlichen Prüfung auf das „Down-Syndrom“ herstellt.

Unterstützung für ihren Protest erhalten sie vom Sprecher der „Humanistischen Alternative Bodensee“ (HABO), Dennis Riehle  aus Konstanz: imagesCA4JYFAC

„Ich habe großes Verständnis für die Aktion der Christdemokraten, die sich für das Leben einsetzen“, erklärt der 30-Jährige, der besonders die berechtigte Sorge teilt, wonach mit solchen Tests die Tore für die Schaffung des „perfekten“ und „ausgewählten“ Menschen geöffnet werden.

„Heute fängt es damit an, vor der Geburt auf Trisomie 21 zu untersuchen. Morgen kann es dann bereits die Haarfarbe sein“, ist der selbst von einer genetischen Erkrankung betroffene Sprecher der Humanisten am Bodensee sicher.

Humanismus ist allgemeingültig und nicht selektiv

Er erklärt dazu weiter: „Ich verstehe den Humanismus als Weltanschauung, die jedem Menschen Integrität garantiert – und das mit Beginn der Zeugung. Leider sind viele meiner Kollegen aus dem säkularen Spektrum hier anderer Meinung. Sie werten die Menschenrechte der Eltern höher als die des ungeborenen Kindes. Humanismus gilt für mich allerdings universell – und nicht selektiv“.pro-life

Riehle kann auch der Haltung nichts abgewinnen, man tue „etwas Gutes“ für das Kind und die Eltern, wenn man teste:

„Bei solch einem Standpunkt dürfen wir uns nicht wundern, warum auch heute Diskriminierung noch immer alltäglich ist. Die Vorstellung, Behinderung bedeute Last, Traurigkeit und ständige Sorge, ist eine ungeheure Anmaßung. Nicht nur, dass wir den Dammbruch später nicht mehr aufhalten und unsere Ansprüche an ein ethisches Denken und Handeln der Beliebigkeit offenbaren – wer bestimmt letztlich über den Wert des Lebens?

Schon jetzt habe ich große Zweifel daran, ob Unternehmen, die Tests wie den genannten in Umlauf bringen, tatsächlich allein nur das Beste für die Menschheit wollen. Zumindest kann den bitteren Beigeschmack von Wirtschaftlichkeit, Gewinn und Profit niemand wirklich ausräumen“.

Entsprechend hätten die Veranstalter von Demonstrationen wie der aktuellen bei „LifeCodexx“ seinen gänzlichen Rückhalt, unterstreicht der HABO-Sprecher – und fügt abschließend hinzu:

„Nur weil Christen sich für den Lebensschutz einbringen, bedeutet das nicht, dass ich als Konfessionsloser aus Prinzip schon anderer Meinung sein müsse. Dort, wo es um Interessen für jene geht, die sich noch nicht ausdrücken können, trennt mich keine ideologische Grenze von Menschen, die aus ihrem Glauben für die Sache eintreten“.

Kontaktdaten:


Humanisten-Initiative kritisiert den baden-württembergischen Petitionsausschuß

Pressemitteilung der Humanistischen Alternative Bodenseee  (HABO):

Der Petitionsausschuss des Landtages von Baden-Württemberg hat eine Eingabe von Gegnern des Regierungsentwurfes zur Etablierung sexueller Vielfalt im Unterricht zurückgewiesen. Riehle, Dennis_5

Etwa 200 000 Menschen hatten die Petition unterzeichnet, die sich dagegen wendete, mit verschiedenen Lebensformen in der Schule gleichwertig umzugehen. Der Sprecher der Humanistischen Alternative Bodensee (HABO), Dennis Riehle (siehe Foto), bewertet den Umgang des Gremiums mit der Eingabe kritisch

„Auch wenn ich die Petition in der Sache ablehne, ist das Vorgehen des Ausschusses falsch!“, erklärt Riehle in einer ersten Stellungnahme. „Von meinem Weltbild und aus eigener homosexueller Empfindung heraus kann ich den Unterzeichnern der Eingabe inhaltlich natürlich nur entgegentreten. Allerdings halte ich es für ein bedenkliches Zeichen, wenn ein Parlamentsausschuss mit solch einer großen Zahl an Kritikern nicht intensiver ins Gespräch kommt“.

„Zurückweisung demokratisch gesehen ein Unding“

Der Sprecher der HABO zeigt Verständnis für die entsetzten Reaktionen der Petitionsunterzeichner:

„Demokratisch gesehen ist es tatsächlich ein Unding, dass man die Eingabe ohne einen breiteren Diskurs mit der Öffentlichkeit lapidar zurückweist. Mit einer einfachen Begründung werden die Sorgen, die viele Unterstützer der Petition offenbar gegenüber dem Papier hegen, nicht ausgeräumt.

Viel eher zeigen die zehntausenden Unterschriften, dass eine gewisse Angst vor unterschiedlichen Lebensmodellen herrscht. Mit einer populistischen Einklassifizierung als ‚homophobe‘ Haltungen wird man diesen Befürchtungen aber nicht gerecht“

Riehle appelliert an die Politik und Befürworter des Bildungsplanes, Transparenz walten zu lassen und die Begegnung zu fördern:

„Tatsächlich ist im Umfeld dieses Entwurfes für sexuelle Vielfalt als Thema im schulischen Alltag nicht alles bestens gelaufen. Der Vorstoß aus dem Kultusministerium kam unerwartet, lange Zeit bleiben kritische Fragen unbeantwortet. Statt einer Rückweisung wäre das Zugehen auf die Petenten nun der richtige Weg, um die ideologischen Gräben nicht weiter zu vertiefen. Die Erfahrung lehrt, dass sexueller Vielfalt besonders dann große Akzeptanz zuteilwird, wenn diese nicht verordnet, sondern in ihrer Normalität gelebt wird. Die Landesregierung täte also gut daran, Toleranz nicht zu oktroyieren, sondern Information und Aufklärung zu fördern“.

Dennis Riehle, Sprecher
Humanistische Alternative Bodensee (HABO)
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Humanistische Kritik an Äußerungen des Evolutionsbiologen Richard Dawkins

Von Dennis Riehle

Die Humanistische Alternative Bodensee (HABO) hat empört auf den Aufruf des Atheisten Richard Dawkins reagiert, der sich in einer Diskussion im Nachrichtendienst „Twitter“ dafür ausgesprochen hat, ungeborene Kinder mit „Trisomie 21“ („Down-Syndrom“) abzutreibenRiehle, Dennis_5.

Nach Ansicht des Professors könnten von diesen Kindern „keine gesteigerten Fähigkeiten“ erwartet werden.

„Treiben Sie ab und machen Sie einen neuen Versuch. Es wäre unmoralisch, es zur Welt zu bringen, wenn Sie die Wahl haben“, wird Dawkins zitiert.

Der Sprecher der HABO, Dennis Riehle, kritisiert diese Aussage massiv:

„Bei viel Verständnis für so manch kluge Forderung und weise Position des Richard Dawkins, diese Ausführungen sind für mich inakzeptabel – und diese Definition von ‚Moral‘ oder ‚Ethik‘ kann und darf kein Konsens werden“, appelliert Riehle auch an andere säkulare Kreise.

„Derartige Meinungen entsprechen nicht dem humanistischen Weltbild, das ich als zweifelnder oder gar atheistischer Mensch vertrete. Und ich bin überzeugt, dass ich damit auch unter Kollegen nicht alleine bin“.  

Der Evolutionsbiologe Dawkins sieht in seiner „Forderung“, wie er sie bezeichnet, keine Ausnahme, sondern „die Norm“.

Immerhin würden bereits die meisten Föten in Europa und Amerika abgetrieben, wenn ein „Down-Syndrom‘ festgestellt werde.

Dawkins beharrt in diesem Zusammenhang darauf, dass er mit seiner Wortwahl den „Fötus“ anspreche. Er wende sich hingegen ab von einem Standpunkt, wonach „ein Mensch“ mit diesem Syndrom „vor Jahren hätte abgetrieben werden sollen“. baby

Dawkins erinnerte auch an die Möglichkeit, mit diversen Tests heutzutage bereits in der frühen Schwangerschaft das Vorliegen der Behinderung „Trisomie 21“ feststellen zu können.

Zuletzt hatte in Deutschland die Konstanzer Firma „LifeCodexx“ für Aufsehen gesorgt, deren neuartiges Untersuchungsverfahren genau dieses „Down-Syndrom“ pränatal erkennen kann.

„Ansichten jenseits des Humanismus“

Für Riehle spielt die Frage nach der Formulierung keine Rolle:

„Ich verstehe, dass Dawkins den Fötus noch nicht als lebensfähiges Individuum anerkennen will. Mit seiner Forderung urteilt er aber in besonderer Weise über die Position der Behinderung. Sie ist für ihn offenkundig ausreichend, um über Wertigkeit von Leben zu urteilen.

Und natürlich kommt er dabei dann auch nicht umhin, die Folgerung zuzulassen, wonach für ihn Menschen mit ‚Down-Syndrom‘ nicht ‚gesteigert fähig‘ sind. Mit Humanismus hat solch eine Ansicht für mich überhaupt nichts zu tun“.

Der HABO-Sprecher, der selbst an einer genetisch bedingten Erkrankung leidet, schreibt weiter: media-389705-4

„Selbst wenn Dawkins das nicht hören möchte, aber aus seiner Haltung wird für mich unweigerlich klar, dass er behinderte Menschen nicht als lebenswert anerkennt.

Denn selbstverständlich ist es keine hypothetische Frage, was mit denjenigen Behinderten wäre, die heute auf der Welt sind, wenn man schon vor Jahrzehnten das ‚Down-Syndrom‘ oder Anderes hätte vorgeburtlich diagnostizieren können  –  und die Eltern auf Aussagen wie die von Dawkins eingegangen wären. Es ist eine Frage, die heute wohl gleich beantwortet würde, wie damals auch – und sie führt letztlich zur Selektion“.

„Abtreibung behinderter Kinder inakzeptabel“

Der Evolutionsbiologe könne nach Riehles Einschätzung nicht erwarten, dass Eltern oder ihre behinderten Kinder die komplexe philosophische Abstraktion verstehen könnten, die der Professor mit seinen feinsinnigen Differenzierungen in der Formulierung bezwecke.

„Dawkins darf selbstredend seine Überzeugung kundtun. Es ist für mich aber unverantwortlich, Eltern derart ins Gewissen zu reden. Für sie muss es ein Schlag ins Gesicht sein, das Absprechen von jeglicher Würde“. PICT0133

Nach Einschätzung des HABO-Sprechers ist das schon länger bekannte, aber selten so deutlich wie jetzt zutage getretene Verständnis der Evolution nach Dawkins in sich nur schwer nachvollziehbar:

„Bedeutet Evolution für den Forscher, dass er in die Machenschaften der Natur  –  wenn es schon kein Gott ist, der erschafft und lenkt  –  nach Belieben eingreifen kann? Und sind Behinderungen damit lediglich ein ‚Unfall‘, dessen Folgen der Mensch mittlerweile zu verhindern imstande ist?.

Mit seinen Einlassungen bedient Dawkins in wunderbarer Weise Vorurteile, mit denen Lebensrechtler die Ideologie verschiedener Atheisten, die in den letzten Jahren auf sich aufmerksam gemacht haben, verurteilen. Ich weiß nicht, ob er seiner eigenen Klientel damit einen Gefallen getan hat.

Denn das Leben allein im Hinblick auf ‚gesteigerte Fähigkeiten‘ zu bewerten, mag evolutionsbiologisch richtig sein. Letztendlich führt eine solche Argumentation aber direkt zur gefürchteten Perfektion des Menschen, die zumindest ist nicht will“, erklärt Riehle.

„Denn während viele der Ideen Dawkins‘ mittlerweile mehrheitsfähig sind, dürfte es solch eine Forderung hoffentlich nie werden“, so der HABO-Sprecher abschließend.

Dennis Riehle, Sprecher
Humanistische Alternative Bodensee (HABO)
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