Vergleich von „Ruhen im Geist“ und Shaktipat: eine „Geisttaufe“ auf hinduistisch

Von Felizitas Küble

Seit gut dreißig Jahren befasse ich mich kritisch mit charismatischen Ansichten und Phänomenen, vor allem mit dem weit verbreiteten „Ruhen im Geist“, das im amerikanischen Raum als „Slain in the Spirit“ bezeichnet wird: Erschlagen(sein) im Geist. 

Dieser Ausdruck trifft den Sachverhalt besser als die deutsche Übersetzung „Ruhen im Geist“, denn die Betreffenden fallen bei diesem Geschehnis meist „wie erschlagen“ in Trance nach hinten, manchmal auch vorwärts oder seitlich bzw. sie sacken in sich zusammen. Deshalb bezeichne ich diesen Vorgang anschaulicher als „Hammersegen“.

Jedenfalls können sich die Betroffenen gleichsam wie ohnmächtig eine Zeitlang nicht mehr bewegen oder sie geraten in Ekstase, sprechen mit unverständlichen Lauten und es kommt zum „Toronto-Segen“, also solchen Manifestationen wie dem „Lachen im Geist“ (zwanghaftes Gelächter), Weinen oder Zittern im Geist, sie schütteln sich ständig usw.

Dieser Vorgang geschieht in der Regel direkt nach der Handauflegung oder sonstigen Segenshandlung eines charismatischen „Heilungspredigers“, Star-Evangelisten usw.

„Geist-Ausgießung“ oder Energie-Übertragung?

Von pfingstlerischer Seite wird das „Ruhen im Geist“ als eine Geisttaufe bzw. Ausgießung des Hl. Geistes gedeutet und als Zeichen dafür verstanden, daß der Gläubige nun einen spirituellen „Durchbruch“ erlebt hat, der ihn für die außergewöhnlichen „Geistesgaben“ öffnet und mit Geist-Erfahrungen erfüllt.

Das Interessante ist freilich, daß es genau diese körperlich-seelischen Erscheinungsformen auch in fremden Religionen gibt, z.B. im Schamanismus, im Spiritismus, im Voodoo-Kult und vor allem im Hinduismus. Damit wollen wir uns nun etwas näher befassen:

In der Yoga-Tradition wird dabei von Shaktipat gesprochen, was übersetzt in etwa „Kraftladung“ bedeutet – und gemeint ist damit „das Herabsteigen göttlicher Energie“ – so schreibt es z.B. diese hinduistische Webseite: https://wiki.yoga-vidya.de/Shaktipata

Weiter heißt es: „Beispielsweise durch den Segen eines Meisters kann die göttliche Energie, die Shakti im Schüler aktiv werden.“

Diese kosmische Energie wird auch Kundalini genannt und gerne als Schlange (auf dem Rücken bzw. der Wirbelsäule) dargestellt. Das Wort Kundalini kommt aus dem Sanskrit und bedeutet „gewunden, gerollt“.

Angeblich ruht diese Energie nach alter Hindu-Lehre wie eine zusammengerollte Schlange im Kreuzbein eines jeden Menschen; sie kann durch Yoga-Erfahrungen, Mantras, Visionen oder enthusiastische Glücksgefühle nach oben erwachen.

Durch die Segnung eines Guru wird nun seine „spirituelle“ Kundalini-Erfahrung auf den Schüler übertragen bzw. in diesem selbst erweckt und verstärkt.

Dazu schreibt die erwähnte Yoga-Webseite: „Oft wird Shaktipat auch als Übertragen der Energie vom Guru auf den Schüler bezeichnet…Wichtig für Shaktipat ist es, sich voll auf die Energie eines Meisters einzustimmen. Dies kann durch Opfergaben, Meditation oder auch Seva passiern.“

Auf diesem Blog eines Yoga-Lehrers  – http://www.tantra-tradition.de/10.html  – heißt es dazu:

„Nicht zuletzt besitzt ein tantrischer Guru die Fähigkeit, bestimmte Energien direkt zu übertragen und die Kanäle des Schülers für bestimmte Energiephänomene zu öffnen, wenn dieser dazu bereit ist…Dieses Phänomen nennt man Shaktipat“.

In der aufschlußreichen Biographie „Der Tod eines Guru“ (siehe Foto) berichtet ein hoher Hindu-Meister über seine Bekehrung zum Christentum.

Rabindranath R. Maharaj beschreibt darin aus seiner eigenen Erfahrungswelt, wie die Anhänger eines „erleuchteten“ Meisters in Trance auf den Rücken hingeworfen werden bzw. umsinken, wenn dieser ihnen die Hände auflegt, ihre Stirn berührt oder durch sonstige Gesten seine „Energie“ überträgt.

Unter dem Wort „Shakti-Pat“ wird in dem Buch erklärt: „Bezeichnet die Berührung des Guru, gewöhnlich seiner rechten Hand an der Stirn des Anbetenden, die übernatürliche Wirkungen hat…Durch Verabreichung des Shakti Pat wird der Guru zum Kanal der Urkraft, der kosmischen Kraft, welcher das ganze Universum zugrunde liegt…Die übernatürliche Wirkung des Shakti durch die Berührung des Guru kann den Anbetenden zu Boden werfen, oder er kann ein helles Licht wahrnehmen und eine innere Erleuchtung oder eine sonstige mystische oder psychische Erfahrung machen.“

Der evangelische Autor Dr. Kurt Koch berichtet, daß dieser Ex-Guru Maharaj nach seiner Bekehrung an einer charismatischen Veranstaltung in London teilnahm: Alle ca. zweihundert Presonen fielen nach der „Segnung“ um, nur einer blieb stehen – er selber!  (Quelle siehe letzter Abschnitt hier: http://www.schriftenmission.de/index.php?id=436)

Es mag für manche verblüffend sein, wie zum Verwechseln ähnlich diese beiden Phänome aussehen und wirken:

Sei es im Hinduismus das spiritistisch anmutende Shaktipat oder in der Charismatischen Bewegung das Ruhen im Geist, der „Hammersegen“, das „Erschlagenwerden im Geist“ – angeblich eine spirituelle Erfahrung.

Wer den Vergleich auch rein praktisch beoachten will, der kann unter diesem Stichwort googeln: DE 0:00 / 0:14 Live recording of INTENSE SHAKTIPAT TRANSMISSION

So gelangt man zu diversen Shaktipat-Videos: Schon das erste Youtube-Beispiel zeigt „Fälle“ von Guru-Anhängern, die bei einer Handauflegung bzw. „Segnung“ ihres Meisters umfallen, in Trance geraten, vor Ekstase zittern und beben, teils liegend, teils sitzend, teils in merkwürdigen Verrenkungen.

Der Toronto-Segen: Shaktipat auf charismatisch

Gleichartiges geschieht beim charismatischen Rückwärtsfallen bzw. dem „Toronto-Segen“ (der Name bezieht sich auf Toronto in Kanada, weil es dort bei einer charismatischen „Erweckung“ zu schwarmgeistigen Manifestionen kam).

Zum Thema Toronto-Segen heißt es auf Wikipedia hinsichtlich der „beobachteten Reaktionen“, es seien u.a. „folgende Phänomene“ verstärkt aufgetreten:

„Umfallen, was als Ruhen im Geist gedeutet wird  –  Lachen oder Weinen, das dem Heiligen Geist zugeschrieben wird; euphorische Zustände  – Zungenreden – Zittern – Schütteln  – außergewöhnliche Bewegungen und Laute unterschiedlicher Art, z. B. Tierlaute  –  lautes Schreien, das als Ausfahren böser Geister gedeutet wird – Ohnmachten –  lähmungsähnliche Erscheinungen.“

Weitere hilfreiche Infos lesen Sie hier  – verfaßt von einer evangelische Anti-Sekten-Stelle: http://www.relinfo.ch/toronto/info.html

Schon bei den ersten kollektiv-charismatischen Erfahrungen in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts (beginnend in evangelischen Gemeinschaften in Kassel) wurden genau diese Phänomene beschrieben; die Tumulte damals führten dazu, daß sogar die Polizei eingreifen und für Ruhe sorgen mußte.

Dies war der Startschuß für die hiesige Pfingstbewegung, die sich dann immer weiter ausbreitete und heute weltweit viele hundert Millionen Menschen erfaßt. 

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Wie eine Charismatikerin die „Geisttaufe“ bei Alan Ames und „Totus tuus“ erlebte

Von Felizitas Küble

Seit gut dreißig Jahren schreibe ich kritisch über das sogenannte „Ruhen im Geist“; es handelt sich hierbei um eine Sonder-Erfahrung bzw. angebliche „Geisttaufe“ aus der protestantisch-pfingtlerischen Bewegung, die seit sich 1968 auch in der katholischen „Charismatischen Erneuerung“ ausbreitet.

Diese Entwicklung wurde seit 1981 verstärkt durch die umstrittene „Erscheinungsstätte“ Medjugorje und indische Heilungsprediger, die in Deutschland landauf-landab ihre Exerzitien durchführen.

Fotos (1,3): Pattayablatt

Auf der Webseite „Gott lebt“ finden sich einige persönlicher Zeugnisse aus der Charismatik, darunter auch diese folgende Geschichte über eine „Geisttaufe“: http://gott-lebt.de/eine-geisttaufe/
Die Autorin hat zweimal den  – wie ich ihn nenne  –  „Hammersegen“ erlebt, also das Rückwärtsfallen in Trance – und zwar erst bei dem australischen „Seher“ Alan Ames und später bei der Medjugorje-Gruppe Totus tuus.
.
BILD: Bei einem „Heilungsgottesdienst“ sind Frauen und Männer per Hammersegen nach rückwärts gefallen
.
In charismatischen Kreisen wird gerne behauptet, dieser Vorgang habe überhaupt nichts mit „Bewußtlosigkeit“ zu tun, die Betreffenden „Geisterfüllten“ seien vielmehr im Geiste hellwach, lediglich ihr Körper sei rücklings auf den Boden gekippt.
.
Nun habe ich allerdings seit Jahrzehnten zahlreiche Gespräche mit Menschen geführt, die mit diesen Phänomen selber konfrontiert wurden. Noch gestern rief eine Betroffene bei mir an, die vor einigen Jahren bei dem Heilungsprediger Alan Ames nach dessen „Segnung“ nach hinten fiel und „im Geiste ruhte“. Doch war ihr Geist im Sinne des Verstandes wie vernebelt, denn sie fühlte sich nach dieser Erfahrung „wie berauscht“.
.
Zunächst ging es ihr tagelang großartig nach diesem „Hammersegen“, sie fühlte sich wie auf einer Wolke und schien emotional zu „schweben“ – doch dann kam die Ernüchterung, sie fiel in ein seelisches Loch, psychosomatische Beschwerden und Depressionen stellten sich ein, die bis heute anhalten – und dies nach vielen Jahren. Heute warnt sie ihren Bekanntenkreis vor allem Schwarmgeistigen, schließlich mußte sie teures Lehrgeld bezahlen.
.
Leider ist diese Frau nicht das einzige Opfer des „Hammersegens“; diese melden sich bei mir schon seit Jahrzehnten. Ein Bekannter fühlte sich nach diesem Ereignis allerdings nicht im „7. Himmel“, sondern wurde von dauerhaften Panikattacken geplagt.
(Weitere Infos über das Wirken von Alan Ames hier: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/alan-ames-die-charismatische-bewegung/)
Vor einer Woche erhielt ich ebenfalls einen Anruf einer Familienmutter, die ähnliche  – noch schlimmere – Erfahrungen aus der protestantisch-pfingstlerischen Szene mitteilte; gottlob hat sie danach den „Ausstieg“ geschafft.
.
BILD: Der Charismatiker Alan Ames verteidigt das „Ruhen im Geist“ in seiner Publikation
.
.
„Als Alan Ames mir die Hand auflegte, verlor ich augenblicklich die Besinnung. Es war wie bei einer Vollnarkose, von einer Sekunde auf die andere war ich völlig weg; ich kam erst einige Minuten später wieder zu mir, als ich auf dem Boden lag.
Meine Tochter sagte mir später, dass es etwa 8 bis 10 Minuten gedauert hat. Sie sagte: Mama,du hast vielleicht gestrahlt! Und deine Augen waren weit aufgerissen.

In diesen Minuten hatte ich ein mystisches Erlebnis.

Ich kann wirklich sagen: GOTT EXISTIERT – ICH BIN IHM BEGEGNET!

 Zuerst dachte ich, so ist es, wenn man stirbt; denn ich hatte anfangs nicht mehr das Gefühl in meinem Körper zu sein – der Körper war total bewegungslos, die Beine wie gelähmt.

Dann erfüllte mich die GEGENWART GOTTES TOTAL; ich fühlte SEINE UNBEGREIFLICHE LIEBE, eine nie erlebte GLÜCKSELIGKEIT und FREUDE durchströmte mich.

Ich spürte die GEGENWART GOTTES in meinem Herzen; mein Herz klopfte so stark, dass ich dachte, es springt mir aus der Brust. Dann ging ein warmer STROM durch meinen ganzen Körper: vom Herz in die Arme und in die Hände bis in die Fingerspitzen – die Hände brannten und kribbelten; dann durch den ganzen Körper bis in die Beine, in die Füße bis in die Fußzehen.

Auch die Füße kribbelten und brannten. Es waren Minuten TOTALER GLÜCKSELIGKEIT – HALLELUJA !!!

Zunächst lachte ich vor Freude und Glück – dann aber musste ich weinen angesichts meiner eigenen Armseligkeit. Wie konnte es geschehen, dass GOTT einem armseligen Menschen so direkt begegnen konnte?

Erst nach einigen Minuten kam ich wieder richtig zu Bewusstsein. Man musste mir aufhelfen und mich an den Platz zurückführen. Es war mir, als käme ich aus einer anderen Welt.“

Leider hat diese Betroffene den Unterschied zwischen einem religiösen Gefühlsrausch (den auch jemand bei einem Drogen-Trip erleben kann – oder etwa im Spiritismus oder Schamanismus) verwechselt mit einer wirklichen Gotteserfahrung.

Der allmächtige Gott ist nicht „von Sinnen“, der Heilige Geist wirkt nicht gegen den Verstand und ER lähmt nicht unser Bewußtsein. Wir sollen Gott – wie die Bibel ermahnt – im „Geist und in der Wahrheit“ anbeten, nicht in Trance bzw. einer emotionalen Sinnlichkeit und Berauschtheit.

Die Dame gelangte sodann zu einem Treffen der Medjugorje-Bewegung „Totus tuus“. (Näheres über diese Gemeinschaft hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/05/29/spiritueller-missbrauch-in-der-charismatischen-jugend-gemeinschaft-totus-tuus/)

Nun schildert sie ihr weiteres charismatisches Erleben:

„So war ich mit einer Wallfahrtsgruppe in einem Gebetszentrum. Es war dort zufällig ein indischer Priester, Pater Josef. Er war mit der Jugendgruppe „TOTUS TUUS“ dort und es fand ein Lobpreisgottesdienst statt…

Als ich dann am Schluss zum Einzelsegen ging, passierte das Gleiche wie bei Alan Ames: ich sank wieder nieder, erlebte wieder diese Glückseligkeit und Freude, dieses Strömen durch den ganzen Körper. Inzwischen weiß ich, dass man dies „Ruhen im HL. Geist“ nennt und dass es eine Erfahrung des Heiligen Geistes ist.“

Nachdem die Autorin zweimal den Hammersegen erlebte, ging es entsprechend weiter auf der charismatischen Erfahrungs-Treppe:

„Eines Tages – im September 2003  –  betete ich um die „Gabe des Lobpreises“ ; ohne zu wissen, was das eigentlich ist. Da geschah es, dass plötzlich aus meinem Mund fremdartige, mir unverständliche Laute flossen.

Es entwickelte sich daraus ein Art Sprechgesang, ähnlich wie ein Psalm. Obwohl ich keine Silbe davon verstand, erbaute sich meine Seele sehr daran. Es war etwas Wunderbares geschehen: ich hatte die Gabe des Sprachengebetes erhalten.“

Die Seele „erbaut“ sich wohlgemerkt „sehr“ an etwas, das die Frau „mit keiner Silbe“ versteht, Hauptsache, es ist „etwas Wunderbares geschehen“.

Zudem ist die Verfasserin offenbar nicht darüber informiert, daß Paulus ausdrücklich schreibt, die Zungenrede diene nicht nur der persönlichen Erbauung, weshalb sie durch jemanden in der Gemeinde ausgelegt werden solle.

Daher wolle er in der christlichen Gemeinschaft „lieber fünf Worte mit meinem Verstand reden – damit ich auch andere unterweise – als zehntausend Worte in Zungen“ (1 Kor 14,19).

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Medjugorje und „katholische“ Charismatik am Beispiel von Sr. Margaritha Valappila

Von Felizitas Küble

In den 70er Jahren bis Anfang der 80er Jahre gingen die erscheinungsbewegte Szene und das charismatische Lager fast durchgängig getrennte Wege – und tatsächlich paßten sie sowohl theologisch wie vom „Lebensgefühl“ her kaum zusammen:

Während die Anhänger von Visionen und Marienerscheinungen meist aus dem (erz)konservativen bis traditionalisten Spektrum kamen und sich um neueste „Botschaften“ (oft waren es Panikbotschaften) und angesagte Weltuntergänge kümmerten, stammten die katholischen Charismatiker vielfach aus bildungsbürgerlichen Schichten mit liberal-konservativen Ansichten. Geleitet wurde die „Charismatische Erneuerung“ damals von Prof. H. Mühlen aus Paderborn – wobei der katholische Theologe immerhin dafür sorgte, daß allzu große Entgleisungen in seiner Bewegung sich in Grenzen hielten.

Diese Situation änderte sich ganz wesentlich Mitte der 8oer Jahre:

Medjugorje war dabei der Brückenkopf, gleichsam eine Art Schmelztiegel, der die bislang getrennten Strömungen zusammenführte: Zunehmend pilgerten nicht nur Erscheinungsbewegte dorthin, um sich die neuesten „Marienbotschaften“ anzuhören, sondern auch Leute aus dem charismatischen Lager zog es in diese von kroatischen Katholiken geprägte Pfarrei in Bosnien-Herzegowina, obgleich die Erscheinungsstätte kirchlich nicht anerkannt war und ist.

Hintergrund dieser  – auf den ersten Blick – überraschenden Annäherung, ja weitgehenden Verschmelzung zweier verschiedener Strömungen ist die Tatsache, daß die dortigen Franziskanerpatres, welche Pfarrei und „Seherkinder“ leiteten, fast alle zur charismatischen Szene gehör(t)en. 

Vicka, eine der Medjugorje-Seherinen beim Austeilen des Toronto-SegensSo fand zusammen, was im Grunde teilweise auch zusammengehört, denn es gibt neben etlichen Unterschieden durchaus geistig-spirituelle Überschneidungen in beiden Richtungen, vor allem hinsichtlich der Wundersucht und Sensationsgier. (Näheres dazu in unserer Broschüre „Botschaften des Himmels?“).

Das kleine Foto hier zeigt die „Seherin“ Vicka bei einer charismatischen Handauflegung.

Ein typisches Beispiel für diesen Zusammenklang beider Bewegungen bietet uns die charismatische und zugleich erscheinungsbewegte Nonne Sr. Margarita Valappila, die das Exerzitienhaus St. Raphael im hessischen Bad Soden-Salmünster leitet. (Das Bistum Fulda hat sich seit langem ausdrücklich von ihrer Tätigkeit distanziert; sie darf ihre Tagungsstätte daher nicht als „katholisch“ bezeichnen.)

Wo führt diese schwarmgeistig geprägte Ordensfrau im April dieses Jahres ihre Exerzitien durch? – Genau: In Medjugorje – und zwar gemeinsam mit ihrem Hausgeistlichen Manfred Huber. (Quelle: https://www.haus-raphael.de/news-einzelansicht/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=14&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=b0792985969322cbc10e401ba45a0e90)    

In ihrem enthusiastischen und wundersüchtigen Buch „Jesus lebt heute“ berichtet sie auf S. 28 von ihren Exerzitien in Medjugorje aus dem Jahre 1999 (natürlich schildert sie dabei gleich wieder ein wundersames Ereignis, das von ihr ausging). Eingeladen hatte sie damals der in Medjugorje tätige Franziskanerpater Slavko Barbaric.

Ein Dauerbrenner bei Charismatikern ist die sog. „Innere Heilung“, welche die angeblich Geistbegabten bei belasteten Menschen bewirken. Auch hiervon schildert Valappila entsprechende Episoden in ihrem weiteren Buch „Unterwegs mit Jesus“ (siehe Foto) – zugetragen  haben sich die Vorgänge in Medjugorje (S. 115).

Zudem hielt sie dort „Exerzitien für Franzosen“ (S. 108), wobei es natürlich gleich zu einer Heilung von Nervenschmerzen kam – und die betreffende Frau   – typisch charismatisch den Hammersegen erhielt bzw.  „im Heiligen Geiste ruhte“ (in Trance nach rückwärts kippte).

Umgekehrt hielten auch Geistliche aus Medjugorje ihre Seminare im Haus Raphael ab, so daß es sich um einen beiderseitigen Austausch handelt: Auf S. 197 berichtet Valappila, daß der bekannte Pater Slavko in ihrem Haus St. Raphael seine Exerzitien durchführte.

Zugleich werben Medju-Blätter für die Tagungen von Sr. Valappila in Bad Soden – Salmünster – zB. bei den Terminen hier: https://www.medjugorje.de/files/downloads/Zeitschriften/Echo/Nr.%20313%20-%20Juli.pdf

Die Connection „Haus Raphael“ und Medju ist natürlich nicht die einzige, in der sich beide Strömungen vereinigen. Es gibt charismatische Gruppen, die sich sehr stark für Medjugorje öffneten (z.B. die Gemeinschaft der Seligpreisungen) – und zugleich erscheinungsbewegte, von Medjugorje geprägte Initiativen (z.B. Fatima-Aktion) und Verlage (Mediatrix-Verlag, Miriam-Verlag, Fe-Verlag), die zugleich charismatische Bücher verbreiten.

Dergleichen kam noch bis Anfang der 80er Jahre allenfalls bei Einzelpersonen vor, nicht jedoch bei ganzen Gruppen und Verlagen. Erst durch Medjugorje erfolgte ein allmähliches Zusammenströmen dieser Bewegungen.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Zuletzt erschien bei uns dieser Erfahrungsbericht eines Seminarteilnehmers im Haus Raphael: https://charismatismus.wordpress.com/2018/01/13/merkwuerdige-erfahrungen-bei-exerzitien-von-sr-margaritha-valappila/


Ruhen im Geist? – Phänomen jenseits des Verstandes wirkt wie „elektrischer Strom“

Slain in the Spirit = Erschlagen „im Geist“

Seit über hundert Jahren hat sich weltweit, aber auch in Deutschland, das sogenannte „Ruhen im Geist“ ausgebreitet (vereinzelt gab es diesen Vorgang auch bereits vorher in enthusiastischen Strömungen, „Erweckungsbewegungen“ etc.).  

Dieses Phänomen, wonach Menschen wie in einer Art Trance –  fast wie ohnmächtig – plötzlich umfallen (meist auf ihren Rücken), zeigte sich zunächst vermehrt in der protestantisch-freikirchlichen Pfingstbewegung, fand dann aber seit 1967 (damals begann die kath. „Charismatische Erneuerung“) auch Eingang in die katholische Christenheit.

BILD: Flachliegende Personen beim „Ruhen im Geist“ nach dem „Segen“ eines Heilungspredigers auf den Philippinen

Von schwarmgeistiger Seite wird dieses  –  auf neutrale Beobachter meist befremdlich wirkende  –  Geschehen als „Geisttaufe“ angesehen, mindestens aber als besondere „Glaubenserfahrung“ oder gar als ein sanftes „Hineinfallen in den Schoß Jesu“ (so z.B. Sr. Margaritha Valappila in ihren Ansprachen).

Meist kommt es zu diesem plötzlichen Umkippen, wenn „geistbegabte“ Charismatiker bzw. euphorische Starprediger den herbeiströmenden Christen die Hände auflegen und einen Einzelsegen verteilen.

Dieser „Hammersegen“ wird im englischsprachigen Raum treffend als „Slain in the Spirit“, als Erschlagen(werden) im Geist bezeichnet.

Viele Verteidiger dieses Phänomens machen durchaus kein Geheimnis daraus, daß der Vorgang den menschlichen Verstand bzw. das Wachbewußtsein gleichsam ausschaltet, lahmlegt, zeitweilig außer Kraft setzt.

Nun wirkt der wirkliche Heilige Geist aber nicht gegen die menschliche Vernunft (auch nicht ohne sie); vielmehr baut die Gnade auf der Vernunft auf und vollendet sie.

Zudem gehört der Verstand nicht nur zur natürlichen Schöpfungsordnung Gottes (er ist also gleichsam ein Geschenk des Himmels), sondern sogar zur Erlösungsordnung; immerhin lehrt die katholische Kirche, daß durch das Sakrament der Firmung die Sieben Gaben des Hl. Geistes vermittelt werden – und eine dieser sieben Gaben ist der Verstand (eine weitere Gabe ist übrigens die Wissenschaft bzw. Erkenntnis).

Daher ist seit zweitausend Jahren noch nie beobachtet worden, daß bei einer Taufe (Einwohnung Gottes, somit auch des Hl. Geistes, in der menschlichen Seele), einer Firmung, einer Priester- oder Bischofsweihe jemals ein „Ruhen im Geist“ stattgefunden hätte. Dabei steht laut katholischem Glauben fest, daß der Geist Gottes in diesen von Christus selbst gestifteten Sakramenten heilsmächtig wirksam ist.

Zu den begeisterten Anhängern der Charismatischen Bewegung gehört auch der Vatikanprediger Pater R. Cantalamessa. In seinem Buch „Komm, Schöpfer Geist“ heißt es über den Hammersegen:

„Die vom Geist ‚berührte‘ Person fällt zu Boden, aber weich, als ob jemand sie auf dem Fußboden ausstrecken würde; jede geistige Aktivität hört auf, und wenn die betroffene Person danach anderen beschreiben will, was sie in jenen Momenten erlebt hat, findet sie dafür nur ein Wort: Frieden, Frieden, soviel Frieden.“

Wohlgemerkt: „Jede geistige Aktivität hört auf.“

Eine eifrige Aktivistin des Flachlegens von Gläubigen ist beispielsweise Sr. Margaritha Valappila vom „Haus Raphael“ in Bad Soden-Salmünster (es handelt sich dabei um ein kirchlich nicht anerkanntes „Evangelisationszentrum“).

Die charismatische Nonne erklärte in einer Ansprache vom 15.2.2008 mehrfach: Um die Gaben des Hl. Geistes zu erhalten, müsse man die „Intelligenz abschalten“. Daher sei es für „studierte Leute“ schwerer, die Geistesgaben zu erhalten.

Schon kleine Kinder kippen bei ihr nach hinten um: In ihrem Buch „Unterwegs mit Jesus“ sieht man auf  S. 94 das Foto eines Mädchens im Grundschulalter: Jene Miriam erlebte das sogenannte „Weinen im Geist“ und „Lachen im Geist“:  Nach dem Einzelsegen von Sr. Valappila lag sie sofort flach, mußte jedesmal bis zu einer Viertelstunde weinen; im September 2009 habe sie – so heißt es dort  –  „fröhlich gelacht, als ob Gott mich kitzeln würde“.

Ein solch gleichsam zwanghaftes und quasi-ohnmächtiges Weinen und Lachen „im Geist“ stammt aber nicht vom Geist des HERRN, der die menschliche Freiheit (die ER selbst erschaffen hat), grundsätzlich nicht vergewaltigt und erst den Verstand nicht „flachlegt“.

Auf  S. 182 ist die  Rede von einem dreijährigen (!), zudem behinderten (!) Knaben, der nach nach ihrer Handauflegung über eine Stunde flachlag, das nächste Mal sogar zwei Stunden. (Das scheint noch lange nicht die Obergrenze zu sein: Der bekannte charism. Starprediger John Wimber schreibt in seinem Buch „Powerhealing“ dazu: „Gelegentlich kann dieser Zustand 12 bis 48 Stunden anhalten.“)

BILD: Buchtitel von Sr. Valappila: „Jesus lebt heute“

Man fragt sich als nüchterner Christ überdies, was denn der himmlische Gott mit dem elektrischen Strom zu tun hat – oder ist ein gefühlter „Stromschlag“ neuerdings ein Gnadenmittel von oben?

In ihrem Buch  „Jesus lebt heute“ schreibt die schwarmgeistige Ordensfrau auf S. 38, sie habe in Indien an einem charismatischen Großtreffen teilgenommen; als sie dort im Geist ruhte,  gewann sie  –  eigenen Angaben zufolge  –  „den Eindruck, als würde elektrischer Strom durch meinen Körper fließen“  –  In ihrem Buch „Unterwegs mit Jesus“ heißt es S. 11 hierüber: „Ich durfte das Wirken des Hl. Geistes erfahren, den ich spürte, als würde elektrischer Strom durch mich fließen.“

Dieses „elektrische“ Durchströmen des Körpers erlebte bereits der britische Erweckungsprediger John Wesley (Gründer der methodistischen Freikirche) im 18. Jahrhundert als Empfang einer „Geisttaufe“.

Bei charismatischen Heilungspatres ist diese Erfahrung ohnehin gang und gäbe, z.B. bei Dr. Joseph Vadakkal, der sein besonderes Geisterlebnis wie folgt schildert: „Ich hatte das Gefühl, als ob mein ganzer Körper unter Strom stand. Ich spürte Stromschläge, die durch meinen Körper fuhren.“ (Aus seinem Buch: „Jesus wischt deine Tränen ab“, S. 21)

Auch von Betroffenen, die aus der Schwärmerszene aussteigen, wurde mir dieses Phänomen („als würde mich elektrischer Strom durchrieseln“) mehrfach berichtet; manchmal begann dieses Gefühl sogar schon vor dem Umkippen bzw. hat es eingeleitet.

Diesen Hammersegen beschreibt Sr. Valappila, die Ordensfrau aus Kerala (Südindien), die seit Jahrzehnten im hessischen Bad Soden-Salmünster wirkt, als echtes Superwunder des Hl. Geistes.

In ihrer Publikation „Unterwegs mit Jesus“ rühmt sie auf S. 150, sie habe „nie so viele Wunder erlebt wie in Japan“, als sie dort mit ihrem Team „evangelisiert“ habe. Dabei habe sie und ihre Mitarbeiter erlebt, „daß Lahme wieder gehen, Blinde wieder sehen, Tauben hören und vieles mehr.“ 

Wirklich „erstaunlich“, aber jetzt kommts: „Das größte Wunder war, daß bei der Handauflegung fast alle im Hl. Geist ruhten, obwohl die meisten das erste Mal an Exerzitien teilnahmen und die Gnadengabe des Ruhens im Geist nicht kannten.“

Interessanterweise beschreibt sie in all ihrer euphorischen „Naivität“ in ihrem Buch „Jesus lebt heute“ auf S. 28, wie eine ungetaufte (!) junge Frau aus bloßer Neugier zu ihren Exerzitien kam: „Bei der Handauflegung bekam sie die Gnade, im Heiligen Geist zu ruhen.“

Folglich gibt Sr. Valappila damit selber zu, daß dieses ohnehin bedenkliche Phänomen auch außerhalb der Christenheit wirksam ist.

Tatsächlich kennt man Trance-Erlebnisse oder ekstatische Begleiterscheinungen auch in anderen Religionen, vor allem in der fernöstlichen Yoga-Meditation (worauf diese enthusiastische Nonne doch sonst so allergisch reagiert).

Dort wird der Hammersegen als „Shakti pat“ bezeichnet: meist geschieht dies, wenn Hindu-Gläubige einem Guru ihre Verehrung erweisen, sich z.B. vor einem erfahrenen Yogi verneigen bzw. wenn dieser seine „Energie-Kraft“ per Handauflegung an Schüler weitervermittelt.

Hierüber berichtet z.B. Rabindranath R. Maharaj  –  er ist Nachkomme einer langen Linie hochrangiger Brahmanen  –  in seinem aufschlußreichen Buch „Der Tod eines Guru“ (siehe Foto).

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den Jugendverlag KOMM-MIT und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Foto (Nr. 1): Pattayablatt


WARNUNG vor Exerzitien und „Heilungen“ von Pater James Mariakumar

Von Felizitas Küble

Kürzlich erhielt ich  – wie schon oft in den letzten Jahren  –  den Anruf einer Katholikin, die durch schwarmgeistige Praktiken und geistlichen Missbrauch psychisch geschädigt worden ist.

Seitdem sie bei einem Auftritt des australischen Heilungspredigers Alan Ames den charismatischen „Hammersegen“ (Rückwärtskippen in Trance, angebliches „Ruhen im Geist“) erlebte, ging es mit ihr seelisch und gesundheitlich rapide bergab.

Als weitere Kontakte in die katholische Schwärmerszene folgten, wurde alles noch schlimmer.

Vor zwei Wochen hielt der indische Wanderprediger Prof. James Mariakumar SVD seine Exerzitien im fränkischen Heroldsbach (einer diözesanen Gebetsstätte im Erzbistum Bamberg).

Jene Betroffene nutzte die Chance, um ihn anzusprechen. Der Steyler Pater sagte, wer ein Gespräch mit ihm wünsche, solle seine gesamten Exerzitien (in diesem Fall immerhin sieben Tage) mitmachen. Die Frau erklärte, das sei ihr nicht möglich – und stellte sogleich ihre einzige Frage: Seitdem ich bei den Charismatikern war, geht es mir viel schlechter  –  wie kommt das?

Die Antwort des indischen Geistlichen: Sie haben keinen christlichen Glauben!  –  Gehen  Sie zu Schwester Margaritha Valappila, damit Ihnen geholfen wird.

Jene Frau fragte mich nun, was ich von dieser Empfehlung halte. Ich habe ihr dringend von jedweder „Heilung“ durch diese  –  ebenfalls aus Indien stammende  –  Nonne abgeraten, zumal auch Sr. Valappila seit Jahrzehnten eifrig den charismatischen „Hammersegen“ erteilt und dabei reihenweise Seminarteilnehmer „flachlegt“ (das beginnt schon mit dreijährigen Kindern!).

Zudem wies ich darauf hin, daß Valappilas Evangelisationszentrum „Haus Raphael“ im hessischen Bad Soden-Salmünster sich nicht „katholisch“ nennen darf, wie im kirchlichen Amtsblatt des Bistums Fulda bereits vor 13 Jahren erklärt wurde. (Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/haus-st-raphael/

Natürlich widerspricht es sowieso jeder Fairneß (von Nächstenliebe ganz zu schweigen), einer Betroffenen glattweg den „christlichen Glauben“ abzusprechen, nur weil sie eine kritische Rückfrage zur Charismatik stellte – noch dazu aus ihrer eigenen bitteren Erfahrung heraus.

Jene Dame hat mir ausdrücklich erlaubt, von diesem Vorgang zu berichten. (Aus Gründen des Personenschutzes wird auf Namensnennung verzichtet, um sie vor weiteren verbalen Entgleisungen zu verschonen.)

Zur Problematik von „Befreiungsgebeten“

Im Exerzitienprogramm von Pater Mariakumar (siehe hier: http://www.gebetsstaette-heroldsbach.de/pdf/2017_Kumar.pdf) ist ausdrücklich die Rede von „Heilungs- und Befreiungsgebeten.“  

Hierbei gibt es grundsätzlich folgenden Hintergrund zu bedenken: Heilung und Befreiung, Zeichen und Wunder sind die vier wichtigsten Zauberworte im Enthusiastenspektrum.

Jene „Befreiungsgebete“ sind dort tendenziell im Grunde nichts anderes als ein verkappter Exorzismus, vor allem hinsichtlich der suggestiv-verhängnisvollen Wirkung für die Betroffenen. (Denn wenn jemand vom Teufel „befreit“ werden muß, setzt das voraus, daß jener Mensch von ihm umsessen/besessen/belastet ist.)

Ich erhalte seit ca. 15 Jahren Berichte von Opfern, die sich an mich wenden, weil ich mich kritisch mit der Charismatischen Szene befasse. Daher sind mir viele erschütternde Internas und Schicksale bekannt.

Charismatisch induzierte „Besessenheit“

Dabei fällt das folgende, häufig auftretende „Schema“ auf:

Erst werden die Gläubigen vielfach „umsessen“ oder gar „besessen“ geredet (mindestens als „okkult belastet“ definiert). Dann bietet sich der Heilungsprediger als vollmächtiger, geisterfüllter „Befreier“ an (der also von einem „Problem“ befreit, das er durch seine Panikmache überhaupt erst induziert bzw. erzeugt hat!)  –  wobei aber von wirklicher „Befreiung“ keine Rede sein kann; vielmehr dreht sich das fanatisch-irrgeistige Karussel auf diesem Wege ständig weiter  –  zu Lasten der Betroffenen!

Dem erztraditionellen Lager sei noch ins Stammbuch geschrieben, daß auch der sog. „Kleine Exorzismus“, der Papst Leo XIII. zugeschrieben wird, seit 1985 kirchlich rundweg verboten ist  – und zwar sowohl für Kleriker wie für Laien (es sei denn, es läge eine ausdrückliche bischöfliche Erlaubnis für einen bestimmten Priester vor).

Weiter auf Tour mit „Heilungsgebeten“

Zurück zu James Mariakumar: Der Pater ist derzeit weiter unterwegs auf Tour – in diesen Tagen hält er in Frankfurt am Main seine abendlichen Vorträge samt „Heilungsgebeten“ (siehe Foto oben: Werbeplakat dort).

Man kann sich nicht genug wundern, daß er vier Tage lang sogar im Dom St. Bartholomäus auftreten kann, wobei die zuständigen Kapuziner wohl das ABC einer soliden „Unterscheidung der Geister“ nicht kennen, geschweige angemessen handhaben.

Dieser Star-Charismatiker ist außerhalb Europas direkt als Exorzist zugange (das berichtet er selber im Vorwort seines Buches), innerhalb Europas wirkt er – aufgrund kirchlicher Schranken – freilich „nur“ als Befreiungsbeter. Manchmal wird dieser indirekte Quasi-Exorzismus auch als „besonders starkes Gebet“ umschrieben…

Dieser Geistliche aus Kerala (einem südindischen Bundesstaat) hat ein Buch mit dem Titel „Okkultismus und geistiger Kampf“ verfaßt, das wir vor über fünf Jahren bereits durchleuchtet haben: https://charismatismus.wordpress.com/2012/08/22/pater-james-mariakumar-und-sein-charismatisches-befreiungsgebet/

Wenig erstaunlich, daß in dem erscheinungsbewegten Portal „Kath.net“ das Vorwort Mariakumars begeistert veröffentlicht wurde: http://kath.net/news/27234

Das charismatisch geprägte, aber angeblich noch „gemäßigte“ Seminarhaus St. Ulrich in Hochaltingen (Bistum Augsburg) zählt P. Mariakumar sogar zu seinen neun Referenten –  siehe hier (links unter der Rubrik „Informationen“ auf „Referenten“ klicken): http://www.stulrichhochaltingen.de/

Auch der Pallottinerorden in München-Freising hat die Exerzitien Mariakumars empfohlen: https://www.pallottiner.org/veranstaltung/wachstumsexerzitien-innere-heilung-und-heiligkeit/

Wohlgemerkt: Es geht hier nicht um den kirchenrechtlich geregelten Exorzismus (der völlig zu Recht engen Grenzen unterliegt), sondern um willkürliches, suggestives „Dämonisieren“ und Verbreiten von Panikmache unter den Gläubigen – mit nicht selten erschütternden Langzeitfolgen!

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das gemeinnützige Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Spiritueller MISSBRAUCH durch Alan Ames und seinen „Hammersegen“

Von Felizitas Küble

Seit Jahrzehnten reist der australische Starprediger Alan Ames durch die Lande, auch durch die deutschen  –  und er „spendet“ bei seinen Veranstaltungen, die leider sogar öfter in katholischen Kirchen stattfinden, fleißig den „Hammersegen“  –  gemeint ist damit ein ohnmächtiges Rückwärtskippen in einer Art Trance, von Charismatikern als „Ruhen im Geist“ verherrlicht. (In den USA spricht man dabei passender von „Slain in the spirit“ = Erschlagenwerden im Geist.)

Im Laufe der letzten zwanzig Jahre haben sich bei mir reihenweise  Geschädigte gemeldet, die von Alan Ames, der indisch-deutschen Nonne Sr. Margarita Valappila (Haus St. Raphael in Bad Soden-Salmünster) oder anderen Schwarmgeistern „flachgelegt“ wurden  –  seien sie katholisch-charismatisch oder evangelisch-pfingstlerisch. Die belastenden Folgen für die Betroffenen halten teilweise jahrelang an.

BILD: In diesem Buch propagiert Ames den Hammersegen

Noch heute erhielt ich den Anruf einer Dame, die vor einigen Jahren diesen charismatischen Hammersegen bei einem Auftritt von Ames in Heroldsbach erhielt. Als sie dann wieder aufstand, fühlte sie sich wie „beschwipst“, das war aber noch das wenigste: Danach machten sich bei ihr nämlich keine wunderbaren „Geistesgaben“ bemerkbar, sondern zahlreiche seelische und sprituelle Probleme.

Leider ist sie nicht das einzige Opfer dieser irrgeistigen Praktik; allein in diesem Jahr haben sich wieder mehrere Betroffene bei mir gemeldet.

„Wundervolle Dinge: Die Leute fallen um…“

Daß Alan Ames die Gläubigen, die von ihm einen „Einzelsegen“ erhalten, reihenweise flachlegt, wurde in vielen Zeitungsberichten vermerkt, manchmal mit Erstaunen, selten in Sorge, oft leider sogar in naiver Zustimmung.

Ein Beispiel hierfür ist dieser Artikel aus der „erneuerungsbewegten“ kath. Szene: http://www.goodnews-wien.at/2014/09/hoppala-ist-denn-da-los-heilungsgebet-mit-alan-ames/

Darin heißt es über einen Auftritt von Alan Ames:

„Ein Abend voller wundervoller Dinge, die Leute fallen um, als sie von Alan Ames gesegnet wurden. Was ist da los?

Außenseiter mögen sich das fragen. Insider erfahren es. Gottes Geist ist lebendig, unberechenbar und wirkt auch heute. Und das mitten in der konservativen Katholischen Kirche.

Tja, da ist was los! Übrigens, die da am Boden liegen, ruhen im Geiste.

Niemand ist verletzt, im Gegenteil, all jene stehen erfrischt und oft geheilt bald wieder auf ihren Beinen.“

So wird den Gläubigen dieses irrgeistige Vorgehen schmackhaft gemacht und wie eine wertvolle Perle serviert, statt vor dieser Sumpfblüte, diesem Zerrbild des Glaubens zu warnen.

Wirkt der Heilige Geist etwa ohne oder gar gegen den Verstand und das menschliche Bewußtsein? Erleuchtet Gottes Geist nicht vielmehr unsere Erkenntnis und unsere Vernunft mit dem Licht des Glaubens?

GOTT ist ein Freund der menschlichen Freiheit

Die Gnade baut auf der Natur auf –  und Gott überwältigt sie nicht, er „wirft sie nicht um“, denn Gott ist ein Freund der menschlichen Freiheit, die ER selber uns verliehen hat.

Als Katholiken sind wir überzeugt, daß uns durch das Sakrament der Firmung die Sieben Gaben des Heiligen Geistes geschenkt werden, wobei wir diese Gnadengaben in unserem Leben fruchtbar machen sollen.

Zu den „7 Gaben“ gehören interessanterweise auch die Gabe des Verstandes und der Wissenschaft (Erkenntnis) sowie der Stärke und Weisheit.

BILD: Durch den Hammersegen flachgelegte Teilnehmer eines Charismatiker-Seminars auf den Philippinen

Soll man wirklich davon ausgehen, beim quasi-ohnmächtigem Umkippen seien Verstand, Weisheit, Stärke und Wissenschaft wirksam?

Es ist in zweitausend Jahren in keinem einzigen Fall bezeugt worden, daß bei einem Sakrament, das speziell den Heiligen Geist bzw. seine Gaben vermittelt (Taufe, Firmung, Priesterweihe) jemals ein Mensch „im Geist geruht“ hat.

Nun wissen wir aber im Glauben, daß bei der sakramentalen Begegnung mit Gott tatsächlich auch seine wirksame Gnaden verliehen werden. Freilich kommt es hierbei keineswegs zu charismatischen Manifestationen wie dem Toronto-Segen, „Heiligem Lachen“, „Heiligem Weinen“, Zungenreden, „Prophetengabe“ usw.

Unser Glaube beruht nicht in erster Linie auf dem Gefühl, schon gar nicht auf ekstatischen, außer Kontrolle geratenen Emotionen oder Trance-Erfahrungen ähnlich wie bei Zen oder Yoga, also gerade jenen fernöstlichen Praktiken, welche doch von Charismatikerseite so eifrig bekämpft werden (dabei sind die strukturellen und mentalen Ähnlichkeiten unübersehbar).

Auch und gerade der Heilige Geist ist ein Gott der Ordnung, Besonnenheit und Nüchternheit, der Apostel Paulus die damaligen Gemeinden in seinen Briefen häufig ermahnt.


Die MEHR-Konferenz und der „Hammersegen“

Von Felizitas Küble

Allenthalben wird auf katholischen Webseiten   –  von der konservativen bis hin zur traditionellen Richtung  –  positiv bis begeistert über die charismatisch-ökumenische MEHR-Konferenz berichtet.

Personen und Gruppen, die sonst mit einem überschäumenden Ökumenismus eher wenig am Hut haben und überdies Wert auf eine gediegende liturgische „Form“ legen oder direkt der alten Messe anhängen,  lassen sich seit einiger Zeit in zunehmendem Maße von schwarmgeistigen Tendenzen beeindrucken. Charismatische Großveranstaltung

Ich frage mich, ob nicht einmal die Tatsache, daß im Gebetshaus Augsburg  –  dem Träger der MEHR-Konferenz  –  fleißig der Hammersegen propagiert und praktiziert wird, zum kritischen Nachdenken anregt.

Oder hält man etwa das sogenannte „Ruhen im Geist“ ernsthaft für eine Manifestation des Heiligen Geistes?

Handelt es sich bei diesem plötzlichen und tranceartigen Umkippen, wie MEHR-Leiter Dr. Johannes Hartl behauptet, um eine „Kraftbezeugung Gottes“? Vermittelt dieser „Toronto-Segen“ (wie er in protestantischen Kreisen genannt wird) neuerdings eine besondere Gotteserfahrung?

Wirkt unser HERR in solchen enthusiastischen Stimmungsmomenten auf ganz ungewöhnliche Weise? Zeigt er in der „Ohnmacht“ der Rückwärtskippenden seine außerordentliche „Macht“?

Mehr-Konferenz mit „Fallen im Geist“ inklusive

Daß auch in diesem Jahr auf der MEHR-Konferenz wieder  – wie dort üblich  –  munter der „Hammersegen“ erteilt wurde, wird von Fan-Seite selber geschildert, zB. hier unter dem bezeichnenden Motto Viel Spass und viel Segenhttp://mightymightykingbear.blogspot.de/2017/01/viel-spa-und-viel-segen-teil-1.html038_35

Daß es sich hierbei aber nicht um Ausrutscher oder Auswüchse am Rande dieser Mega-Veranstaltung handelt, ist für jeden klar, sich der sich der charismatischen Szenerie auskennt  –  einmal abgesehen davon, daß der katholische Theologe Dr. Johannes Hartl selber kein Geheimnis daraus macht, wie großartig er dieses Phänomen findet, das man aus der pfingstlerisch-protestantischen Bewegung seit über 100 Jahren kennt, seit einigen Jahrzehnten aber auch in katholisch-charismatischen Kreisen.

Dr. Hartl: „Meine aufregende Reise ins Gebet“

Dr. Hartl schreibt in seinem Buch „In meinem Herzen Feuer   –  Meine aufregende Reise ins Gebet“ im Kapitel „Heiliges Chaos“ (!), bei dem Fallen „im Geist“ handle es sich um eine „Kraftbezeugung Gottes“, die er bereits 1999 bei einem von ihm geleiteten Jugendwochenende beobachtet habe.

Während der üblichen Lobpreismusik ging es dort richtig rund – und dann kam ER (gemeint ist Gott): hartl-buch

„Doch während des 2. Liedes kommt er. Und übernimmt die Kontrolle…Ohne dass jemand sie berührt, beginnen Einzelne, umzufallen. Bum!…Die Betroffenen berichten, sie seien von der Kraft Gottes überwältigt worden….Im ganzen Raum fallen Jugendliche um und bleiben liegen….Einige liegen ganz ruhig am Boden und berichten hinterher, den Frieden und die Liebe Gottes auf tiefe Weise erfahren zu haben.

Andere beginnen laut zu weinen, weil Gott Bereiche intensiven Schmerzes in ihnen berührt. Andere lachen, weil sie Gottes Freude in sich spüren, andere haben Visionen der geistlichen Realität, einige sogar über lange Zeit hinweg.“

Dr. Hartl wird nun klar: „Jemand hat mir die Leitung aus der Hand genommen. In alledem jedoch die überwältigende Präsenz von etwas Heiligem. Von jemand Heiligem.“

Wirkt der Heilige Geist gegen Verstand und Bewußtsein?

Hierzu stellen wir fest:

  1. Der Heilige Geist wirkt grundsätzlich nicht gegen oder völlig ohne Verstand und Bewußtsein, sondern erleuchtet unsere Erkenntnis und unsere Vernunft mit dem Licht des Glaubens. Die Gnade baut auf der Natur auf –  aber er überwältigt sie nicht, er „wirft sie nicht um“, denn Gott ist ein Freund der menschlichen Freiheit, die ER selber uns verliehen hat. Herz-Jesu_01
  2. Als Katholiken sind wir überzeugt, daß uns durch das Sakrament der Firmung die Sieben Gaben des Heiligen Geistes (die zudem auch ausdrücklich biblisch bezeugt sind) schenkt, wobei wir diese Gnadengabe Gottes in unserem Leben fruchtbar machen sollen. Zu den „7 Gaben“ gehören interessanterweise auch die Gabe des VERSTANDES und der WISSENSCHAFT (Erkenntnis) sowie der WEISHEIT. Will jemand ernsthaft behaupten, beim quasi-ohnmächtigem Umkippen seien Verstand, Weisheit und Wissenschaft wirksam?
  3. Es ist in zweitausend Jahren nicht in einem einzigen Fall bezeugt worden, daß bei einem Sakrament, welches besonders den Heiligen Geist und seine Gaben vermittelt (Taufe, Firmung, Priesterweihe) jemals jemand „im Geiste geruht“ hat. Nun wissen wir aber im Glauben, daß bei der sakramentalen Begegnung mit Gott tatsächlich auch seine Gaben und wirksame Gnaden verliehen werden. Freilich kommt es hierbei aber keineswegs zu charismatischen Manifestationen wie dem Hammersegen, „Heiliges Lachen“, „Heiliges Weinen“, Zungenreden usw.
  4. Unser Glaube beruht nicht in erster Linie auf dem Gefühl, schon gar nicht auf ekstatischen, außer Kontrolle geratenen Emotionen oder Trance-Erfahrungen ähnlich wie bei Zen oder Yoga. Auch und gerade der Heilige Geist ist ein Gott der Ordnung, Besonnenheit und Nüchternheit, wozu beispielsweise der Apostel Paulus die damaligen Gemeinden in seinen Briefen häufig ermahnt.

Weitere Artikel von uns zur „Hammersegen“-Problematik:

https://charismatismus.wordpress.com/2012/08/22/charismatik-pur-pater-ivo-pavic-und-der-hammersegen/
https://charismatismus.wordpress.com/2013/02/18/warnung-vor-dem-philippinischen-heiler-und-charismatiker-corsie-legaspi/
https://charismatismus.wordpress.com/2016/10/04/warnung-vor-dem-ruhen-im-geist-warum-der-hammersegen-nicht-von-oben-kommt/
https://charismatismus.wordpress.com/2014/10/05/der-hammersegen-ist-keine-taufe-im-geist/
https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/03/warnung-vor-medjugorje-2/

Kritische evangelische Information über diesen Toronto-Segen: http://www.relinfo.ch/toronto/kurz.html

HIER sechs weitere Artikel über die MEHR-Konferenz und das Gebetshaus Augsburg: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/gebetshaus-augsburg-j-hartl/