Fronleichnam im Freien mit Blumenteppichen und kleinen Prozessionen

Von Felizitas Küble

Leider sind diesmal am Hochfest Fronleichnam die meisten Prozessionen in den katholischen Gemeinden ausgefallen – wie es scheint, hat sich der Trend vom Vorjahr damit noch verstärkt.

Interessanterweise läuft es in den USA genau anders herum: Dort nehmen die Prozessionen an „Corpus Christi“ (der dortige Fest-Name) zu. Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2021/06/03/fronleichnams-prozessionen-in-deutschland-ade-aber-in-den-usa-fangt-es-richtig-an/

Vielfach gab es hierzulande nicht einmal eine Festmesse unter freiem Himmel, obwohl das gerade in Coronazeiten weitaus sinnvoller wäre als in einem geschlossenen Kirchengebäude.

Noch verwunderlicher ist die vielfache Verringerung der hl. Messen ausgerechnet an diesem Feiertag.

Freilich haben wir auch von erfreulichen Ausnahmen erfahren.

So wurden z.B. in Hanau in der Pfarrei St. Elisabeth drei Festgottesdienste zelebriert.

Zudem gab es wenigstens eine Mini-Prozession mit Priester und Meßdiener durch einige Straßen der Gemeinde, wie unser Gast-Autor, der kath. Familienvater Hans-Michael Müller berichtet, der auch diese beiden Fotos beisteuerte.

Das erste Bild zeigt den erwähnten Umgang, das zweite die hl. Messe im Freien mit einem schönen Blumenteppich vor dem Altar.

In einer Vorort-Landgemeinde in Münster feierte der Priester das Fronleichnamsfest mit seiner Gemeinde im eigenen großen Pfarrgarten auf dem Rasen (siehe Foto).

Immerhin hatten etwa 60 Leute bei gutem Abstandhalten Platz gefunden. Leider fehlte auf dem Altar ein sichtbares Kreuz.

Unsere langjährige Autorin und Familienmutter Cordula Mohr begab sich am Donnerstag wieder nach Haus Assen in Ostwestfalen.

Das imposante Schloß im Lippetal liegt idyllisch in wunderbarer Landschaft und ist zugleich ein Exerzitienzentrum mit vielseitigen Angeboten, das die Geistlichen der SJM (Servi Jesu und Mariens) betreuen.

Hier wird die hl. Messe sowohl im alten wie auch im neuen Ritus jeweils sehr würdig gefeiert – und häufig wie hier auf dem weitläufigen Schloßplatz.

Wer uns von seinen eigenen Fronleichnams-Erfahrungen und Eindrücken berichten möchte, ist herzlich zu Leserkommentaren eingeladen – oder kann sich gerne direkt an mich wenden, vor allem mit Fronleichnams-Fotos: felizitas.kueble@web.de


BKA: Amoklauf von Hanau nicht rechtsextrem, sondern verschwörungsfixiert motiviert

Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) haben den Amoklauf von Hanau nicht als rechtsextreme Tat eingestuft. Vielmehr habe der 43 Jahre alte Tobias R. seine Opfer gezielt ausgewählt, um eine möglichst große Aufmerksamkeit für seine Verschwörungsphantasien zu erlangen, berichteten WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung am Wochenende. Rassismus sei aber nicht sein Hauptmotiv gewesen.

Tobias R. war Mitte Februar durch die hessische Stadt Hanau gezogen und hatte neun Personen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Später fanden Ermittler ihn und seine Mutter tot in ihrer Wohnung. 

Zahlreiche Politiker und Journalisten hatten die AfD und rechte Medien in inhaltliche Nähe zum Täter gerückt. Tobias R. hatte auf seiner Website mehrere Dokumente und Videos veröffentlicht. Darin schrieb er u.a., er werde von einem Geheimdienst überwacht, genauso wie Tausende andere Deutsche auch. Der Dienst mit US-amerikanischem Hintergrund oder Verbindungen in die Vereinigten Staaten habe die Fähigkeit, sich in die Gehirne von Menschen „einzuklinken“ und sie fernzusteuern

Wie der Rechercheverbund weiter berichtete, habe Rassismus in der Weltanschauung von Tobias R. keine dominierende Rolle gespielt. Zudem sei der Mann seinen Nachbarn nicht durch rassistische Äußerungen aufgefallen.

Er habe sich vor allem in Verschwörungsmythen rund um Geheimdienste hineingesteigert und habe an Verfolgungswahn gelitten.

Quelle und vollständige Meldung hier: https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2020/bundeskriminalamt-stuft-bluttat-von-hanau-nicht-als-rechtsextrem-ein/

KOMMENTAR von VERA LENGSFELD, ehem. Bürgerrechtlerin und CDU-Parlamentarierin: https://vera-lengsfeld.de/2020/03/30/attentaeter-von-hanau-war-kein-rechtsextremist-sagt-das-bka/

 


Israelischer Autor kritisiert „parteiische“ Reaktionen auf Verbrechen in Deutschland

Von Chaim Noll

Der Täter von Hanau war offensichtlich geisteskrank, wie sein vorher aufgezeichnetes Bekenner-Video belegt, ein konfuser, bösartiger, sinnloser Rundumschlag gegen Afrikaner, Juden, Frauen und andere dem 43-jährigen Bankkaufmann verhasste Gruppen.

Er bezichtigte die USA, ihre Bevölkerung durch Geheimdienste zu kontrollieren („mind control“), um ein „modernes System der Sklaverei“ zu errichten, was ihn eigentlich in die Nähe linker Ideologien rückt. Sein pathologischer Menschenhass ging so weit, dass er zum Schluss auch noch seine eigene Mutter erschoss.

Das hindert die Grabenkämpfer „gegen rechts“ nicht daran, seine komplexe Geistesstörung auf ein simples Muster von „Rechtsextremismus“ und „Rassismus“ zu reduzieren. Die Medien sind sich darin einig, er hätte (um pars pro toto die Frankfurter Allgemeine vom 21.2. zu zitieren), aus „rechtsradikalen und rassistischen Motiven neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen.“

Dagegen war am 29. Juli 2019, als auf dem Frankfurter Hauptbahnhof ein achtjähriger Junge vor den einfahrenden Zug gestoßen und getötet wurde, die „psychische Krankheit“ des aus Nordafrika stammenden Mörders sofort entschuldigend in aller Munde. Sie bestimmte schon am nächsten Tag die Berichterstattung der deutschen Medien.

Niemand hätte gewagt, dem Täter „Rassismus“ vorzuwerfen, obwohl er als Afrikaner gezielt ein weißes Kind tötete. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt weigerte sich (in ihrem öffentlichen Statement vom 28. November 2019), die Untat als „Mord“ einzustufen.

„Die Staatsanwaltschaft hat gegen den 40 Jahre alten Beschuldigten keine Anklage erhoben“, berichtete die Zeitschrift Focus. „Laut einem psychiatrischen Gutachten leidet der Mann an einer paranoiden Schizophrenie, die als krankhafte seelische Störung zu werten ist. Der Gutachter geht davon aus, dass der mutmaßliche Täter zur Tatzeit schuldunfähig war.“

Die parteiische Art, wie mit solchen Verbrechen umgegangen wird, offenbart nicht nur Deutschlands tiefe Spaltung in unversöhnliche, einander hassende politische Lager, die in Tagen heraufziehender Krisen lebensgefährlich für das ganze Land werden kann, sie zeigt auch einen unzivilen Mangel an Fairness und Anstand, der die heutige politisch-mediale Landschaft in Deutschland charakterisiert.

Während im einen Fall ängstlich vor einem „Generalverdacht“ gewarnt wird, ist er im anderen Fall nur allzu schnell bei der Hand. Während der eine Mord rasch mit einer psychischen Störung entschuldigt, der Mörder nicht einmal angeklagt wird, stuft man im anderen Fall einen Psychopathen als voll verantwortlich ein, als typischen Vertreter einer unliebsamen politischen Gesinnung.

Das wird gedreht, wie es gerade passt. Skrupellos, wie im Reflex, ohne Erbarmen.

FORTSETZUNG des Beitrags hier: https://www.achgut.com/artikel/variationen_des_wahnsinns

Wir danken dem deutschjüdischen Schriftsteller Chaim Noll aus Israel freundlich für seine Abdruckserlaubnis hier im CHRISTLICHEN FORUM


Dokumentation: Offener Brief der beiden Bundessprecher der AfD an alle Mitglieder

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Schreiben der AfD-Bundessprecher Prof. Dr. Jörg Meuthen (siehe Foto) und Tino Chrupalla an alle AfD-Mitglieder:

Liebe Mitglieder,

die Morde von Hanau sind ein entsetzliches Verbrechen. Wir alle trauern um die Opfer dieser schrecklichen Tat und fühlen mit den Angehörigen. Unter den zehn Getöteten ist auch die Mutter zweier Kinder, die in einem Kiosk neben der von dem Täter überfallenen Shisha-Bar arbeitete. Sie wurde nur 35 Jahre alt, ihre Kinder sind nun Halbwaisen.

Das Leid von Hanau ist kaum in Worte zu fassen. Es lastet schwer auf unserer Gesellschaft und droht sie weiter zu spalten, weil sich neben der stillen Trauer Wut und Hass Bahn brechen. Auch wir sind voller Trauer über das Geschehene und darüber, dass so etwas in unserem Land überhaupt möglich ist.

Um es ganz deutlich zu sagen: Die Tat von Hanau ist ein rassistisches Verbrechen. Ihr Motiv war Ausländerhass. Auch wenn Ärzte heute von einem psychisch schwer geschädigten Täter sprechen: Die Morde von Hanau sind wie der Mord an Walter Lübcke und die Morde von Halle eine Schande für Deutschland.

Und wir sind zutiefst betroffen, dass all diese Taten nicht verhindert werden konnten. Das heißt, wir müssen prüfen, ob es Versäumnisse bei den Sicherheitsbehörden oder anderen Einrichtungen gab.

Zugleich müssen jetzt alle demokratischen Kräfte in unserem Land gegen jede Form von Extremismus zusammenstehen. Wir als AfD dürfen und werden es nicht zulassen, dass extremistische Gewalttäter den gesellschaftlichen Frieden zerstören.

Ebenso wenig aber werden wir es zulassen, dass der politische Gegner und Teile der Medien uns in diesem Kampf für Freiheit, Demokratie und den Rechtsstaat ausgrenzen und in die Nähe des Rechtsextremismus rücken wollen.

Allerdings müssen wir uns auch fragen, warum es unserem politischen Gegnern gelingt, uns überhaupt mit solch einem Verbrechen in Verbindung zu bringen. Dieser Frage müssen wir uns stellen, auch wenn es schwerfällt.

Unsere Partei steht programmatisch fest auf dem Boden des Grundgesetzes. Wir bekennen uns zum Völkerrecht und erheben die Würde des Menschen zur Maxime unserer Politik. So steht es im Parteiprogramm. Und genau aus diesem Grund hat sich die AfD formiert: weil wir unsere eigenen Grund- und Menschenrechte bedroht sehen.

Das bedeutet im Umkehrschluss jedoch nicht, dass wir anderen Menschen oder Völkern das Existenzrecht absprechen, oder sie abschätzig behandeln. Derartige Sichtweisen lehnen wir im Gegenteil strikt ab. Sie gehören nicht zu den guten deutschen Traditionen, die wir bewahren wollen. Wer sich rassistisch und verächtlich über Ausländer und fremde Kulturen äußert, handelt ehrlos und unanständig und damit gegen Deutschland und gegen die AfD.

Wir verteidigen die Freiheit gegen alle Feinde der Demokratie. Gegen Rechtsextremisten ebenso wie gegen Linksextremisten. Wir machen Politik zum Wohle unseres Landes. Dabei waren wir in den vergangenen Jahren außerordentlich erfolgreich. Wir haben in Ostdeutschland Wahlergebnisse weit über zwanzig Prozent erzielt. Die Menschen vertrauen uns. Aber genau das ist der Grund, warum die anderen Parteien uns nun mit allen Mitteln angreifen, also auch mit unlauteren.

In den Kreisverbänden und Ortsvereinen wird euch die Arbeit deshalb, weiß Gott, nicht leicht gemacht. Ständig werden Anschläge auf unsere Parteibüros verübt. Ihr werdet als Nazis und Faschisten beschimpft, nicht wenige Repräsentanten der Partei erhalten Morddrohungen.

Doch von alldem dürfen wir uns nicht entmutigen lassen! Wir kämpfen für eine gerechte Sache.

Wir kämpfen für den Erhalt einer freien und lebenswerten Gesellschaft und den Fortbestand der Demokratie. Wer, wenn nicht wir, könnte den notwendigen politischen Wandel in Gang bringen?

Wir wünschen unserem Land die Kraft, die es braucht, diese aufgeheizten Zeiten unbeschadet zu überstehen. Wir wünschen unserem Land eine Rückkehr zu inneren Frieden. Und wir wünschen unserer Partei die Stärke und die Fantasie, ihren Teil dazu beizutragen.

Wir trauern mit den Angehörigen aller Opfer der Tragödie von Hanau. Und wir trauern für unser Land, dem diese schrecklichen Dinge derzeit widerfahren. Aber wir dürfen nicht verzagen! Denn obwohl es die Medien gerne anders darstellen: Die Bürger unseres Landes lassen sich nicht für dumm verkaufen. Viele Menschen stehen auf unserer Seite! Das haben wir an den Wahlergebnissen im Osten gesehen. AfD wirkt!

Es grüßen euch herzlichst
Eure Bundessprecher Tino Chrupalla und Prof. Dr. Jörg Meuthen

Quelle: https://de-de.facebook.com/Prof.Dr.Joerg.Meuthen/posts/1554025041412862?__tn__=K-R


Neue grüne Attacken gegen Maaßen

Der frühere Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen hat Vorwürfe gegen sich im Zusammenhang mit dem Anschlag im hessischen Hanau zurückgewiesen.

Der Grünen-Politiker Cem Özdemir hatte am Donnerstag gefordert: „Wir müssen über rechtsradikalen Terror reden und dann bitte auch darüber, daß an der Spitze des Verfassungsschutzes über Jahre ein Hans-Georg Maaßen saß.“

Zudem zweifelte er Maaßens Engagement als Verfassungsschutzpräsident gegen rechte Netzwerke und Strukturen an.

Özdemirs Äußerung sei eine „unverschämte Behauptung, um mich zu diskreditieren“, sagte Maaßen der JUNGEN FREIHEIT. Er habe etwa die Abteilung Rechtsextremismus neu aufgebaut und um zahlreiche Stellen vergrößert. „Wir erzielten erhebliche operative Erfolge“, ergänzte der CDU-Politiker.

Die Grünen hingegen hätten die Arbeit des Verfassungsschutzes immer bekämpft.

Quelle und Fortsetzung der Meldung hier: https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2020/attacke-auf-maassen-unverschaemte-behauptung-um-mich-zu-diskreditieren/

Foto: Michael Leh


AfD beklagt politische Instrumentalisierung des Verbrechens in Hanau

Zum Mehrfach-Mord in Hanau erklärt der Innenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Gottfried Curio:  

„Die Bluttat von Hanau ist ein verabscheuungswürdiges Verbrechen. Unsere Gedanken voll Trauer und Mitgefühl sind bei den Hinterbliebenen sowie den Verletzten und ihren Angehörigen.

Der mutmaßliche Täter hinterließ ein Video und ein Manifest, die hinsichtlich seiner geistig-psychischen Verfasstheit auf eine erhebliche paranoide Störung schließen lassen.

So will er mit unsichtbaren Menschen gesprochen und über telepathische Fähigkeiten verfügt haben, meinte, er werde seit seiner Geburt überwacht, hing wirren Verschwörungstheorien an, vermeinte, mit seinen Gedanken mit den Anschlägen vom 11. September 2001 in Zusammenhang zu stehen, und wollte eine Zeitschleife fliegen, um den Planeten zu zerstören, bevor Leben auf ihm entsteht; weiter geht es um telepathische Kontrolle, Fernsteuerung und rituellen Missbrauch in unterirdischen Basen.

Dieser mutmaßliche Täter war schon lange auf einer psychisch abschüssigen Bahn pathologischer Art. Er war auch jemand, der seine eigene Mutter erschoss.

Man kann Strukturen und Netzwerke gewaltbereiter Gruppierungen verstärkt unter die Lupe nehmen und gegebenenfalls verbieten; schlimmerweise ist gegen psychisch gestörte Einzeltäter geheimdienstlich und polizeilich meist kein Kraut gewachsen. Da helfen nur mehr psychologische Betreuung und Hilfsangebote.

Was an diesem Tag der Trauer nicht angezeigt ist, aber bereits durch Regierungskreise und linke Parteien geschieht: die unentschuldbare Gewalttat eines offensichtlich massiv psychisch  gestörten Einzeltäters zu instrumentalisieren, um zu versuchen, die nach wie vor grundsätzlich zu hinterfragende Regierungspolitik gegen legitime Kritik zu immunisieren, indem man zu den üblichen Verschleierungs-Framings greift und zur Verleumdung des politischen Gegners, die Opposition gar in diffuse Mitverantwortung für Wahnsinnstaten eines offensichtlich Verrückten hineinziehen will.

Der Wunsch nach politischen Veränderungen darf niemals zu irgendeiner Anwendung von Gewalt führen; ausschließlich der Weg der parlamentarischen Demokratie ist zu beschreiten. Genauso darf es umgekehrt nicht geschehen, dass die Tat in zynischer politischer Ausmünzung missbraucht wird, um ein politisches Fehl-Narrativ in Umlauf zu bringen: um Trauer, Entsetzen und Abscheu angesichts einer solchen furchtbaren Tat als Wasser auf die Mühlen einer seit langem verfehlten Regierungspolitik zu lenken.“


Hanau: Gedenkgottesdienst mit Würdigung von Pater Lothar Groppe SJ

Die katholische Pfarrgemeinde St. Josef in Hanau hat in einem weiteren Gedenkgottesdienst für den verstorbenen Jesuitenpater Lothar Groppe gebetet und sein Glaubensleben gewürdigt.

Von Hans-Michael Müller und Dr. Tobias Angert, zwei engagierten Katholiken und Freunden des Geistlichen, wurde ein Nachruf angefertigt, der in der Kirche zum Mitnehmen ausliegt.

Er geht vor allem auf die vielfältigen Beziehungen des Paters und seines Vaters  – Generalleutnant Theodor Groppe  –  zu Hanau ein.

General Groppe war ein mutiger Judenretter und Widerständler in der NS-Diktatur; sein Sohn Lothar Groppe (siehe Foto) ein einsatzfreudiger Seelsorger, Vortragsredner, Pädagoge und Autor.

Der Text dieses Nachrufs lautet:

Pater Lothar Groppe, jüngster Sohn des mit seiner Familie von 1936 bis 1954 in Hanau lebenden Widerstandskämpfers Generalleutnant Theodor Groppe, ist am 17. November 2019 in einem Altersheim des Jesuitenordens in Berlin-Kladow gestorben. Er wurde 92 Jahre alt.

Lothar Groppe war der St. Josefskirche sehr verbunden, wohnte er doch mit seinen Eltern viele Jahre in der Engelhardstraße. Gemeinsam mit den bereits verstorbenen Ge-meindemitgliedern Josef (Seppl) Fuchs und Paul Angert ministrierte er in der Kirche St. Josef.

Seine Verbindung zu Hanau und zu Hanauer Familien währte über viele Jahrzehnte. Immer wieder besuchte er „sein Hanau“ und übernahm – nach seiner Pensionierung – bereitwillig Urlaubsvertretungen in Hanau und Bruchköbel.

Von 1963 bis Ende 1971 war Pater Groppe als Dozent an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg tätig. Jahrzehntelang war er der Militärseelsorge in Deutschland und Österreich sehr verbunden.

BILD: Pater Lothar Groppe vor der im Jahre 2011 in Hanau errichteten Theodor-Groppe-Straße (Foto: H.-M. Müller)

Der Leitende Militärdekan Joachim Simon vom Katholischen Militärbischofsamt, der einige Jahre als Kaplan in Hanau wirkte, würdigte bei der Beisetzung in Berlin den engagierten Jesuiten als ein Vorbild für viele Soldaten und Offiziere, der ihnen eine christlich-ethische Orientierung gegeben habe.

Pater Lothar Groppe SJ leitete einige Jahre die Deutsche Sektion von Radio Vatikan in Rom.

Am 7.9.2018 konnte er seine 70jährige Zugehörigkeit zum Orden der Jesuiten und sein 60jähriges Priesterjubiläum feiern.

Groppes Vater, von den Nazis „Schwarzer General“, in dem damals „braunen“ Hanau gar „katholischer Hund“ genannt, ging in der NS-Zeit mit seiner Generalsuniform in die Kirche St. Josef. Das war ein starkes und mutiges Zeichen und sorgte dafür, dass er deswegen mehrfach angezeigt und von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) verhört wurde.

Die Gestapo holte auch den jungen Lothar Groppe zu Hause ab und brachte ihn zum Verhör in das „Braune Haus“ an der Nussallee, die Infanteriekaserne am Freiheitsplatz (heute Finanzamt) oder nach Darmstadt. Der Junge sollte nicht nur seinen Vater belasten, sondern hatte in der Schule einmal an eine Tafel geschrieben: „Hitler ist ein Verbrecher!“

BILD: General Groppe neben Stauffenberg auf dem Titelblatt der Berliner Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT

Als Junge musste Lothar Groppe auch miterleben, wie die Nazis seinen Vater am Freiheitsplatz in Generalsuniform Schützengräben ausheben ließen, um ihn zu demütigen. Später wurde Vater Groppe zeitweise als Luftschutzwart bei der Firma Heraeus eingesetzt.

Der „Schwarze General“ hat sich mehrfach sehr mutig nationalsozialistischen Befehlen widersetzt. Als Generalleutnant und Divisionskommandeur am Westwall verhinderte er durch seinen Schießbefehl gegen Judenverfolger eine von der NSDAP betriebene „spontane Volkskundgebung gegen die Juden“. Das ist eines der wenigen bekannten Beispiele dafür, dass hochrangige deutsche Soldaten mit Waffengewalt Juden vor Pogromen geschützt haben.

Generalleutnant Groppe wagte es auch, Himmlers Befehl, deutsche Frauen auch außerhalb der Ehe zu schwängern, um den zu erwartenden Blutzoll im Krieg abzumildern, scharf zu kritisieren. Das war einmalig!

Daraufhin wurde er umgehend unehrenhaft aus dem Heer entfernt und auf Befehl Himmlers 1944 mit dem Ziel der Liquidierung zunächst ins Gestapo-Gefängnis in Darmstadt, von dort Anfang 1945 in die Festungshaftanstalt nach Küstrin gebracht, wo er mit Zustimmung Hitlers umgebracht werden sollte.

BILD: Letztes Buch von P. Lothar Groppe über die Wiener Hilfsstelle für Judenchristen

Nur knapp entging Theodor Groppe Dank mutiger Hilfe von Nazigegnern der Hinrichtung und kam 1945 – von französischen und amerikanischen Militärs hoch geachtet – zurück in das zerbombte Hanau. 1954 zog es ihn dann in seine Geburtsstadt Trier, wo er sich intensiv der deutsch-französischen Aussöhnung widmete.

Seinem Sohn Lothar hat Vater Groppe mit auf den Weg gegeben: „Niemals aufgeben, sich nicht mit dem billigen Gerede: „Es hat ja doch keinen Zweck“ aus Auftrag und Verantwortung stehlen, sondern alles in der eigenen Kraft Stehende tun und fest auf Gott vertrauen!“

Das hat Pater Lothar Groppe immer befolgt und sich auch dann zu Wort gemeldet, wenn es galt, sich mutig, unbequem und deutlich bewusst gegen den Zeitgeist zu artikulieren. Folgerichtig verstand er sich sehr gut mit Erzbischof Johannes Dyba, über den er in dem Erinnerungsband „Der Löwe von Fulda“ entsprechend berichtete.

Groppes Vater wurde im Hanauer Lamboygebiet auf einstimmigen Beschluss der Hanauer Stadtverordnetenversammlung mit einer nach ihm benannten Straße geehrt (siehe 2. Foto).

Pater Lothar Groppe war ein weit über die Grenzen Deutschlands hinaus anerkannter Redner, Lehrer, Zeitzeuge und Autor. Er ist der deutsche Jesuit, der die meisten Veröffentlichungen zu religiösen, geschichtlichen und politischen Themen geschrieben hat.

Sein jüngstes Werk ist das 2016 erschienene Buch: „Kirchlicher Einsatz für verfolgte Juden im Dritten Reich – Die Erzbischöfliche Hilfsstelle für nichtarische Katholiken in Wien“.

Die Katholische Kirche in Hanau und in Deutschland verliert mit Lothar Groppe einen unerschrocken mutigen Bekenner und Verteidiger des Glaubens.

Er möge in Frieden ruhen!

HIER ergänzend unser eigener Nachruf auf Pater Groppe: https://charismatismus.wordpress.com/2019/11/17/wir-trauern-um-pater-lothar-groppe-sj/


1. Teil: BILDER über Pater Lothar Groppe SJ

Von Felizitas Küble

Wir veröffentlichen hier in Serie einige Bilder zur Erinnerung an den mit uns jahrzehntelang befreundeten Jesuitenpater Lothar Groppe, der frühmorgens am 17. November – einem Tag des HERRN und zugleich Volkstrauertag – in Berlin verstorben ist.   (Näheres dazu in unserem Nachruf: https://charismatismus.wordpress.com/2019/11/17/wir-trauern-um-pater-lothar-groppe-sj/)

Das erste Foto zeigt den noch recht jugendlichen Geistlichen bei einer seiner Missionsreisen in wüstenähnlicher Gegend unter Palmen.

Er freut sich über einen zutraulichen Esel und tätschelt ihn freundlich.

Pater Groppe hat mir dieses Foto und weitere ähnliche Bilder vor einigen Jahren zugeschickt mit der Erlaubnis, sie ggf.  zu veröffentlichen.

Das zweite Bild habe ich im Oktober 2002 selber fotografiert. Es zeigt den Priester in unseren Redaktionsräumen in Münster:

Er verabschiedet sich gerade von unserem Ferienhelfer Arno Langkals, der ihm zuvor in der hl. Messe als Ministrant gedient hatte:

Pater Groppe zelebrierte gemeinsam mit zwei weiteren Geistlichen das Sechswochen-Seelenamt für unseren verstorbenen Verlags- und Vereinsgründer Günter Stiff und eine dabei eine kraftvolle Predigt, die mit dem „Michaelsgebet“ endete.

Er würdigte seinen Mitstreiter Günter Stiff, den Gründer des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks, mit dem er viele Jahre in freundschaftlicher Verbundenheit stand und der zahlreiche Artikel von Pater Groppe im KOMM-MIT-Kalender und der KOMM-MIT-Zeitschrift veröffentlichte.

Das dritte Bild stammt ebenfalls von mir und zeigt den Pater bei einer Jubiläumsfeier in Köln, die im Kreise seiner Verwandten, Freunde und einiger Mitbrüder stattfand.

Das vierte Bild zeigt den Pater mit Klaus Remer, dem Kulturbeauftragen der Stadt Hanau, anläßlich der Errichtung einer Theodor-Groppe-Straße dort.

Der mutige General Theodor Groppe (ein Judenretter und Widerständler) war der Vater von Lothar Groppe und war einige Jahre in Hanau stationiert.

Dieses Foto erhielten wir von Hans-Michael Müller, einem guten Freund von Pater Groppe, der sich vor allem in den letzten Jahren viel um ihn gekümmert hat und mehrere Artikel über den tapferen General Groppe veröffentlichte, auch in unserem CHRISTLICHEN FORUM, z.B. hier:  https://charismatismus.wordpress.com/2018/09/06/pater-lothar-groppe-ist-seit-70-jahre-jesuit/

Der 2. Teil unserer Fotoserie folgt alsbald.

Das Requiem (Totenmesse, Seelenamt) für Pater Groppe findet am Donnerstag, dem 28. November 2019, um 11 Uhr in der Friedhofskapelle auf dem Domfriedhof St. Hedwig, (Ollenhauerstraße 24-28) in Berlin-Reinickendorf statt.


Pater Lothar Groppe ist seit 70 Jahren Jesuit

Von Hans-Michael Müller

Pater Lothar Groppe, 1927 in Münster / Westfalen geboren, ist der jüngste Sohn des Widerstandskämpfers Generalleutnant Theodor Groppe, der wegen seiner klar-katholischen Ausrichtung auch als der „Schwarze General“ bekannt war.  

Pater Groppe (siehe Foto) feiert am morgigen 7. September 2018 seine 70-jährige Zugehörigkeit zum Jesuitenorden. Aus diesem Anlass wird in der St. Elisabeth-Kirche in Hanau-Kesselstadt eine heilige Messe für den 91-jährigen Geistlichen zelebriert. Sein Vater, General Groppe, lebte mit seiner Familie von 1936 bis 1954 in Hanau am Main.

Pater Groppe ist jener deutsche Jesuit, der wohl die meisten Texte und Publikationen zu religiösen, geschichtlichen und politischen Themen geschrieben hat. Sein letztes Buch, das er mit 89 Jahren verfaßte, trägt den Titel: „Kirchlicher Einsatz für verfolgte Juden im Dritten Reich“.

Groppes mit dem Orden „Pour le Mérite“ ausgezeichneter Vater hat sich nationalsozialistischen Befehlen ständig sehr mutig widersetzt. So hat er z. B. durch einen Schießbefehl gegen Judenmörder viele Juden vor staatlich geplanten Pogromen geschützt. 

Der tapfere General kritisierte zudem scharf Himmlers „Befehl an Angehörige der SS und Polizei in der Heimat“, dass sie „zur Fortpflanzung des deutschen Blutes um zum Ausgleich des Blutzolls an der Front“ außerehelich „mit deutsche Frauen und Mädeln guten Blutes zum Wohl Deutschlands Kinder zeugen“ sollten. Einen solchen Protest hat sonst niemand gewagt.

BILD: Biographie über General Groppe, den Vater des Jesuitenpaters Lothar Groppe

Daraufhin wurde er umgehend unehrenhaft aus dem Heer entfernt und auf Befehl Himmlers 1944 mit dem Ziel der Liquidierung zunächst ins Gestapo-Gefängnis in Darmstadt, Anfang 1945 in Festungshaft in Küstrin gebracht, wo er auf mehrfache Anordnung und mit Zustimmung Hitlers (Himmler: „Was, die Hunde leben noch?!“) hingerichtet werden sollte.

Nur knapp entging Theodor Groppe Dank mutiger Hilfe von Nazigegnern, z. T. aber auch unerklärlicher Hilfe sogar von „gestandenen Nazis“ der Hinrichtung und kam nach abenteuerlicher Flucht vor der Gestapo und nach seiner Rettung durch französische Soldaten am Bodensee 1945 zurück in die zerbombte Stadt Hanau.

1954 zog es ihn dann in seine Geburtsstadt Trier, wo er sich bis zu seinem Tode u. a. intensiv der deutsch-französichen Aussöhnung widmete.

Seinem Sohn Lothar hat Vater Groppe mit auf den Weg gegeben: „Niemals aufgeben, sich nicht mit dem billigen Gerede `Es hat ja doch keinen Zweck´ aus Auftrag und Verantwortung stehlen, sondern alles in der eigenen Kraft Stehende tun und fest auf Gott vertrauen!“

Das hat Pater Lothar Groppe geradlinig befolgt und sich auch dann zu Wort gemeldet, wenn es galt, sich unbequem und deutlich gegen den Zeitgeist zu artikulieren. Sein Vater wurde in Hanau auf einstimmigen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung mit einer nach ihm benannten Straße geehrt.

Pater Lothar Groppe  ist weit über die Grenzen Deutschlands hinaus ein besonders in glaubenstreuen Kreisen hochgeschätzter Redner und Autor. Er lebt heute zurückgezogen in einem Jesuiten-Heim in Berlin-Kladow.

Weiterer Artikel zu P. Groppe: https://charismatismus.wordpress.com/2018/07/30/pater-lothar-groppe-wird-heute-91-jahre-alt/


Religionslehrerin Dr. Elisabeth Schmitz als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt: Feierliche Zeremonie in Hanau

„Von meiner Patentante habe ich gelernt, dass man seinen Worten auch Taten folgen lassen muss,“ sagte Peter Loewenberg.  Als die NS-Diktatur sie herausgefordert habe, sei sie ihren Überzeugungen treu geblieben und habe dementsprechend gehandelt: „Auf Jiddisch sagen wir: Sie war ein mentsch.“

Loewenberg war eigens aus den USA angereist, um bei einer feierlichen Zeremonie, die gestern in Schloss Philippsruhe in Hanau stattfand, an seine Patentante Dr. Elisabeth Schmitz zu erinnern, die von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem posthum (nach ihrem Tod) als „Gerechte unter den Völkern“ anerkannt wurde. BRD + Israel

Yad Vashem erinnert mit der Vergabe dieses Ehrentitels im Namen des Staates Israel und des jüdischen Volkes an die Nicht-Juden, die ihr Leben riskierten, um während des Holocaust Juden zu retten, ohne eine Gegenleistung dafür zu erhalten. Dies ist die höchste Auszeichnung, die der Staat Israel an Nicht-Juden vergibt.

Aus den Händen des Gesandten Emmanuel Nahshon nahm der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky die Yad Vashem-Medaille und die Urkunde stellvertretend entgegen. Eingerahmt wurden Nahshon und Kaminsky von Schülern der Hanauer Karl-Rehbein-Schule, in der Schmitz von 1946 bis 1958 unterrichtete. In deren „Elisabeth-Schmitz-Bibliothek“ werden die Medaille und Urkunde in Zukunft Teil der dortigen Dokumentation des Wirkens der Geehrten im Widerstand sein. 


Der Gesandte der Botschaft, Emmanuel Nahshon (rechts), überreicht die Medaille an OB Claus Kaminsky (Foto: Medienzentrum Hanau)  

An die Schülerinnen und Schüler gewandt sagte Nahshon: „Sie können stolz darauf sein, dass eine Frau mit einer solchen Vorbildfunktion Bürgerin Ihrer Stadt war. Es ist wichtig, dass Sie, die jungen Menschen, die Erinnerung an Elisabeth Schmitz weiter bewahren.“

Auch Oberbürgermeister Kaminsky betonte: „Für uns in Hanau ist Elisabeth Schmitz ein leuchtendes Beispiel für Zivilcourage.“


Yad Vashem-Urkunde von Elisabeth Schmitz(Foto: Medienzentrum Hanau)

In Yad Vashem sind einige Fälle dokumentiert, die zeigen, wie Elisabeth Schmitz während der NS-Zeit verfolgten Juden zu Hilfe kam. Der am ausführlichsten beschriebene Fall ist der von Liselotte Pereles.

Diese Rettungsgeschichte fand in Berlin statt. Hier unterrichtete Dr. Elisabeth Schmitz seit 1929 als Studienrätin für Deutsch, Geschichte und evangelische Religionslehre am Berliner Luisen-Oberlyzeum. Sie gehörte ab dem Frühjahr 1933 zu einer kleinen Gruppe von Lehrerinnen und Schülerinnen, die sich gegen die nationalsozialistischen Eingriffe in das Schulleben wehrten und sich schützend vor jüdische Schülerinnen stellten. Im Jahr 1935 wurde sie deshalb an eine andere Schule strafversetzt.

Nach der Pogromnacht im November 1938 traf sie die Entscheidung, ihre Tätigkeit als Lehrerin aufzugeben. In ihrem Entlassungsgesuch vom 31.12.1938 schrieb sie: „Es ist mir in steigendem Maße zweifelhaft geworden, ob ich den Unterricht bei meinen rein weltanschaulichen Fächern Religion, Geschichte und Deutsch so geben kann, wie ihn der nationalsozialistische Staat von mir erwartet und fordert. Nach immer wiederholter eingehender Prüfung bin ich schließlich zu der Überzeugung  gekommen, dass das nicht der Fall ist. Da dieser dauernde Gewissenskonflikt untragbar geworden ist, sehe ich mich genötigt, den obigen Antrag zu stellen.“

Am 1.4.1939 trat sie in den vorzeitigen Ruhestand. Seit 1934 war Elisabeth Schmitz aktives Mitglied der Bekennenden Kirche. In ihrer rund 20-seitigen Denkschrift „Zur Lage der deutschen Nichtarier“ von 1935/36 forderte sie die Bekennende Kirche auf, öffentlich gegen die Verfolgungen der Menschen jüdischer Herkunft einzutreten.

In einem Nachtrag, den sie nach der Verabschiedung der Nürnberger Rassegesetze 1935 verfasste, schrieb sie: „Es ist keine Übertreibung, wenn von dem Versuch der Ausrottung des Judentums in Deutschland gesprochen werden muss.“  – Ihre anonyme Schrift vervielfältigte sie und verteilte sie in 200 Kopien, doch sie blieb von den kirchlichen Leitungsgremien unbeachtet.

In Deutschland versuchten zwischen 10.000 bis 12.000 Juden, sich durch die Flucht in den Untergrund der Deportation zu entziehen, vermutlich mehr als die Hälfte davon in Berlin. Überlebt haben etwa 5000 Untergetauchte, davon rund 1700 in Berlin. Möglich war ein Leben in der Illegalität nur mit der Unterstützung vieler Helfer. Frau Dr. Elisabeth Schmitz agierte in einem Helfernetzwerk in Berlin, das für verfolgte Juden Verstecke in Berlin, Brandenburg, Ostpreußen und im Elsass organisierte.

Trotz der Gefahren, die ihr Handeln für sie selbst haben konnte, nahm  Elisabeth Schmitz die verfolgte Jüdin Liselotte Pereles im Jahr 1943 in ihrer Wohnung in Berlin auf. Über zwei Jahre lang  –  von Februar 1943 bis zur Befreiung im Mai 1945  –  musste Lieselotte Pereles im Untergrund leben und ihre illegalen Quartiere häufiger wechseln.

Nach dem Krieg gab Pereles folgende Erklärung ab:

„Fräulein Dr. Elisabeth Schmitz hatte mir während meiner Illegalität als jüdischer Flüchtling des öfteren Zuflucht in ihrer Wohnung in Berlin (…) gegeben. (…) Ich hatte im Mai/Juni und im Okt./Nov. 1943 bei ihr gewohnt. Auch zwischendurch an Wochenenden stand mir ihre Wohnung zur Verfügung. Als im Nov. 43 die Wohnung von Frl. Dr. Schmitz durch Bomben zerstört wurde, hatte sie mir weiter geholfen und zwar oft mit Geld und Lebensmittelmarken. Es ist mir bekannt, daß Frl. Dr. Schmitz noch anderen jüdischen Menschen in gleicher Weise wie mir geholfen hat.“


Ehrung für Elisabeth Schmitz (Foto: Medienzentrum Hanau)

Auch mit Hilfe von Elisabeth Schmitz gelang es Lieselotte Pereles zu überleben. Elisabeth Schmitz half auch anderen Verfolgten. So fand der Jugendliche Klaus Mühlfelder im Jahr 1943 für einige Zeit Unterschlupf bei ihr. Auch in ihrem Haus am Wandlitzsee, das sie einem befreundeten jüdischen Ehepaar vor dessen Auswanderung abgekauft hatte, brachte Schmitz während des Krieges verfolgte Juden unter, u.a.  im Jahr 1940 für einige Wochen Margarete Koch-Levy.

Im Frühjahr 1943 vermietete sie das Haus am See an das Ehepaar Dr. Peter und Irma Löwenberg, die als „Mischlinge ersten Grades“ Schwierigkeiten hatten, eine Wohnung zu finden. (Peter und Irma Löwenberg baten Elisabeth Schmitz nach dem Krieg, die Patentante ihres 1946 geborenen Sohnes Peter zu werden.) Im Jahr 1943 verbrachte das fünfjährige jüdische Mädchen Evelyn Goldstein einige Zeit im Haus am Wandlitzsee, bevor es  –  wohl auch mit der organisatorischen Hilfe von Elisabeth Schmitz  –  in ein Versteck in Ostpreußen gebracht werden konnte und dort überlebte.

Außer in Berlin und in Hanau wird an die „stille Heldin“ Elisabeth Schmitz auch in Jerusalem erinnert. Ihr Name wird auf der Erinnerungswand im „Garten der Gerechten unter den Völkern“ in Yad Vashem in Jerusalem verewigt.

Quelle (Text/Fotos): Israelische Botschaft in Bonn