Zurück zur D-Mark: „Deutschland braucht den Teuro nicht!“

Von Hans Martin Schmidt

Ja, was ist denn nun, Herr Professor Lucke?  – Was soll aus dem Euro werden?  – Sie führten doch im Schilde, ihn abzuschaffen.

Jetzt heißt es plötzlich, die „Alternative für Deutschland“ (AfD), die Sie anführen, „wolle nicht zurück zur D-Mark“. Die „Südländer“ sollten die „Eurozone“ verlassen. Einen Teufel werden die tun! Warum soll eine Kuh davongejagt werden, die noch kräftig gemolken werden kann? pc_pi

Ich verstehe Sie nicht, Herr Professor Lucke, was hat Sie plötzlich zu Ihrem Richtungsschwenk bewogen? Waren es die schlechten Umfragewerte für die AfD?  – Sind Sie persönlich, auf dem Rückzug?  – Auf die Demoskopen sollten Sie nichts geben.

Und die AfD sollte beim beschlossenen Parteiprogramm bleiben. Da heißt es doch: „Deutschland braucht den Euro nicht.“  –  Und das gilt, Herr Professor! Aber nicht: Heute so, morgen so …

Zurück zur D-Mark! –  Das wäre der Weg zu einer stabilen, starken Währung. Die Welt wird deshalb nicht untergehen. Sicher, manches wird (möglicherweise) teurer. Aber auch der Euro war und ist ein schlimmer Teuro! –  Denken wir an seine Einführung. Wer danach in ein Restaurant ging, sah mit Erstaunen: Das Kalbsschnitzel, das zuvor 22 DM gekostet hatte, stand nun mit 22 Euro auf der Speisekarte.

Aber das war nicht die einzige Besonderheit, die Unbehagen aufkommen ließ: Auch der europäische Binnenmarkt litt. In der Eurozone blieben die großen (und auch die kleinen) Gewinne aus. Im Handel mit Ländern außerhalb der europäischen Wirtschaftsunion ging’s jedoch mächtig bergauf… Die Zinsen für die Bankguthaben der deutschen Sparer allerdings schrumpften weiter. Die Banken bunkern.

Bleibt das Fazit: Der Euro war von Anfang an eine Fehlkonstruktion. Zum Nachteil Deutschlands. Nur die Rückkehr zur D-Mark garantiert uns unsere Ersparnisse, unsere Renten, unseren Wohlstand. Garantiert Europa. Und den Frieden.

Quelle: http://www.ffmdirekt.de/


Faszination Jugendbewegung: „Zelte sah ich, Pferde, Fahnen, roten Rauch am Horizont…“

Von Hans Martin Schmidt

Nach einem regenreichen Tag ist der Abend überraschend mild und lädt zu einem Spaziergang ein. Ich bin am Hohen Meißner, dem höchsten Berg Nordhessens.

Von irgendwo höre ich Stimmen, Klampfenklang, ein leises Lied: „Wir wollen zu Land ausfahren …“  –  Auf einer Waldlichtung zeltet eine Jugendgruppe. Sie tragen Kluft, haben schwarze Jurten aufgebaut, ihre Heimat auf Zeit.

Ich komme mit den jungen Leuten ins Gespräch. Es sind Pfadfinder, bündisch geprägt, eine kleine, muntere Schar.

Foto: H.M.Schmidt

Foto: H.M.Schmidt

Sie verbindet der Geist der deutschen Jugendbewegung. Das wissen sie, darauf sind sie stolz. Trotz aller Tragik, die sich mit der Geschichte der Wandervögel, Burschenschaftler und Pfadfinder verbindet.

Um 1900: In Deutschland schreitet die Industrialisierung in Windeseile voran. Fabrikschlote wachsen in den Himmel und machen den Kirchtürmen Konkurrenz, in den Randbezirken der Städte, unweit mächtiger Fabrikanlagen, werden spartanische Arbeitersiedlungen gebaut.

Teile der „bürgerlichen Jugend“ (die meist weder religiös noch sozialistisch ist und auch über keine eigenen Werte verfügt) zeigen sich verstört. Die Enge des Großbürgertums, die keine persönliche Empfindungen, keine Eigenentwicklung zulässt, und die Brachialgewalt, mit der nun das technische Zeitalter über sie hineinbricht, lässt sie in die Natur entfliehen.

Romantische Alternative WANDERVOGEL

Der Wandervogel wird zu einer romantischen Alternative, die anscheinend alle Sinne beansprucht und ein erfülltes Leben erwarten lässt. Der Wandervogel raucht nicht, meidet den Alkohol (nicht immer werden diese Regeln konsequent befolgt). Er ist ein Freund der schönen Künste und er schließt Freundschaften, die mitunter von inniger Zuneigung bestimmt sind.

Nächtliche Streifzüge durch Wald und Feld sind ebenso beliebt wie Tänze im Mondenschein und das Singen verschollen geglaubter Volkslieder.

Eine politische Gegenfront entsteht daraus aber nicht nicht, doch die Jugend will ein Zeichen setzen. Während das kaiserliche Deutschland Säbelrasselnd die 100-Jahr-Feier der Leipziger Völkerschlacht angeht, setzen sich zur gleichen Zeit, am 13. Oktober 1913, Jugendführer auf dem Hanstein im Werraland zusammen, um das „Freideutsche Bekenntnis“ zu formulieren, die sogenannte „Meißner-Formel“.

Meißner-Formel: JA zur inneren FREIHEIT

Einen Tag später wird sie beim „Ersten Freideutschen Jugendtag“ auf dem Hohen Meißner (siehe Foto) offiziell verkündet:

„Die Freideutsche Jugend will nach eigener Bestimmung,
vor eigener Verantwortung, image
in innerer Wahrhaftigkeit ihr Leben gestalten.
Für diese innere Freiheit
tritt sie unter allen Umständen geschlossen ein.“

Einer der Verfasser ist der Arzt Dr. Knud Ahlborn, der später auf Sylt wirkt (1919, mit Mitteln des Hamburger Staates: Gründung des Nordseelagers Ouan Klent und des Jugendlagers Klappholtal, heute „Akademie am Meer“).

Doch der 1. Weltkrieg zerstört alle Träume von einem selbstbestimmten „Jugendreich“. Von 15.000 Wandervögeln ließen 9000 auf den Schlachtfeldern ihr junges Leben. Eine bittere Zäsur, von der sich der Wandervogel nicht wieder erholte.

Die alten Wandervogel-Ideale erlebten, in einem eng begrenzten Rahmen, eine Renaissance, als die Zwillingsbrüder Robert (starb im KZ) und Karl Oelbermann, die aus dem Bonner „Bibelkränzchen“ (BK) kamen, 1921 den „Nerother Wandervogel  –  Bund zur Errichtung der Rheinischen Jugendburg e.V.“ ins Leben riefen  –  die Nerother gibt es heute noch.

Auch Pfadfinder und bündische Jugendgruppen sehen sich in der Tradition der „Freideutschen Jugend“ und wollen den Meißnertag 2013, das Jubiläum, mit einem Lager (1. bis 6. Oktober am Hohen Meißner) und einer Gedenkfeier würdig begehen.

Doch eine Welle der Begeisterung, an vergangene gute Zeiten zu erinnern, gibt es wohl eher nicht. Und jene eigenartige Atmosphäre, in der die jungen Menschen um 1900 gelebt haben, wird wohl kaum mehr einzufangen sein…

Der Autor ist Journalist in Frankfurt und betreibt die Webseite FFM-direkt: http://www.ffmdirekt.de/


„Deutsche Schlampe!“ – der verschwiegene Alltags-Sexismus in Deutschland

Eine Stadt in Hessen. Schöne, alte Fachwerkhäuser. Deutsche Idylle, deutsche Gemütlichkeit. Durch eine der schmucken Fachwerkgassen marschieren breitbeinig vier junge Männer; sie nehmen fast die gesamte Straße ein.

Zwei Mädchen, vielleicht 13, 14 oder 15, werden an den Rand gedrängt. Plötzlich sagt einer der Männer einen schlimmen Satz. Wir wollen ihn hier nicht wiederholen. Er ist zu krass.

Die Mädchen wirken, als wären sie von einem Peitschenhieb getroffen worden. Verängstigt drücken sie sich gegen eine Hauswand, gucken zu Boden. Die Männer lachen.

Einer sagt: „Deutsche Schlampen.“  – Dann fallen noch mehr Schimpfworte: Der alltägliche Sexismus in Deutschland, über den wir in „Emma“ oder im „Stern“ sicher nie etwas lesen werden.

Autor: Hans Martin Schmidt
Quelle: http://www.ffmdirekt.de/