Der bekannteste Hauptmann der Welt

Von Felizitas Küble

Am heutigen Sonntag hörten wir in der katholischen Messe das Evangelium nach Lukas 7,1-10, in welchem der Hauptmann von Kafarnaum erlebt, wie Christus seinen schwerkranken Knecht heilt.  Herz-Jesu_01

Sein bescheidenes Wort  –  für einen römischen Militär nicht selbstverständlich  –  wird milliardenfach von Christen aus aller Welt im Gottesdienst nachgesprochen, sei es vor der hl. Kommunion oder vor dem Abendmahl bei den Protestanten: „HERR, ich bin nicht würdig, daß Du eingehst unter mein Dach, aber spricht nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“  – Beim Hauptmann hieß es entsprechend: „So wird mein Knecht gesund.“

Was an diesem heidnischen Mann neben seiner Demut beeindruckt, ist nicht allein sein riesengroßes Vertrauen in Christus, sondern auch seine Nächstenliebe, denn er setzt sich für seinen Diener ein, obwohl er diesen jederzeit locker durch einen anderen ersetzen könnte. Aber offenbar hat er für seinen Knecht geradezu freundschaftliche, zumindest aber väterlich-fürsorgliche Empfindungen entwickelt.

Der römische Hauptmann ist ein Exempel an Bescheidenheit

Und obwohl er es in seiner Stellung gewohnt ist, zu kommandieren und zu bestimmen, tritt er gegenüber Jesus sehr bescheiden auf und ist von tiefer Hochachtung erfüllt, so daß er es nicht einmal wagt, ihm seine Bitte selber vorzutragen. Stattdessen schickt er einen jüdischen Ältesten vor, damit dieser das Anliegen bei Christus vorträgt. Der jüdische Religionsdiener erklärt dem HERRN zugleich, daß dieser Römer seine Hilfe wohl verdient hat, „denn er liebt unser Volk und hat uns die Synagoge gebaut“.

Unser Heiland geht auf das Haus des Hauptmanns zu, doch dieser schickt seine Freunde vor und läßt ihm ausrichten: „HERR, bemüh dich nicht! Denn ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst. Deshalb habe ich mich auch nicht für würdig gehalten, selbst zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, dann muss mein Diener gesund werden.“

Was für ein Mann! Welche Demut! Welche Seelengröße! Welche Nächstenliebe! Welcher Einsatz! Welcher Glaube! Welches Vertrauen! Welche Großherzigkeit!

Entsprechend reagiert der HERR: „Jesus war erstaunt über ihn, als er das hörte. Und er wandte sich um und sagte zu den Leuten, die ihm folgten: Nicht einmal in Israel habe ich einen solchen Glauben gefunden.“

Mit Recht ist er daher der berühmteste Hauptmann der Weltgeschichte, dessen demutsvollen Worte milliardenfach wiederholt werden.

Aufschlußreich ist auch, daß Christus den Hauptmann nicht etwa auffordert, seinen Beruf als Soldat aufzugeben, obwohl das römische Weltreich gewiß keine Vereinigung frommer Chorsänger war. Ähnlich reagierte auch Johannes der Täufer, als Soldaten von ihm die Bußtaufe empfingen. Das Christentum lehnt den Beruf des Soldaten nicht grundsätzlich ab, auch wenn dies manche pazifistische Sekten in Vergangenheit und Gegenwart anders beurteilen.