Vom religiösen Unfug der „Teufelspredigten“

Von Felizitas Küble

Seit rund 200 Jahren schon geistert (!) eine sogenannte Teufelspredigt im katholischen Volke herum, die in Büchern und Broschüren vielfach verbreitet wird. Auch in erscheinungsbewegten und wundersüchtigen Webseiten wie Gloria-TV oder „Zeugen der Wahrheit“ darf diese angebliche Ansprache aus der Finsternis nicht fehlen.

Ob in Büchlein des Ruhland-Verlags aus Altötting oder in einer „Gemeinschaft aktiver Katholiken“ aus Stettfeld – erst recht in den zahlreichen Biographien des Niklaus Wolf von Rippertschwand – für den übrigens im Vatikan ein Seligsprechungsverfahren läuft – fast überall taucht diese „Teufelspredigt“ auf.

Der katholische Bauer, Politiker, Exorzist und „Heiler“ Niklaus Wolf von Rippertschwand wirkte vor rund 200 Jahren im Kanton Luzern. Obwohl kein Priester, sondern Laie, betrieb er häufig Teufelsaustreibungen und Krankenheilungen „im Namen Jesu„, was ihm große Bekanntheit im Volk verschaffte.

Kirchlicherseits war die Meinung über ihn nicht einheitlich. Wenn er in seinem „Eifer“ von Bischöfen zu bremsen versucht wurde, gab es eine Menge Fürsprecher zu seinen Gunsten, so daß manche einschränkende Maßnahme recht bald wieder zurückgenommen wurde.

Der Titel „Erleuchteter Laie“ (siehe Foto) in der Biographie von Ida Lüthold-Minder ist typisch für diese Volksreligiösität, die sich nicht selten mit (mindestens) einem Fuß auf dem Boden des Aberglaubens befindet.

So hat der „erleuchtete“ Bauer von Rippertschwand am 26. August 1811 eine „Besessene“ beherbergt, die von einer Pilgerreise zu Bruder Klaus von der Flüe zurückkehrte.

Dabei forderte er den „Teufel“, der in dieser aus dem Schwarzwald stammenden Frau gewirkt haben soll, dazu auf: „Sprich, was dir Gott zu sagen befohlen hat; was er dir nicht zu sagen befohlen hat, darüber schweige.“ Darauf folgte eine stundenlange „Predigt“ gleichsam aus der Hölle damit nicht genug: Am Abend verlangte der Bauer eine Wiederholung des Vorgangs, wobei er sein Hofgesinde einlud, so daß 17 Personen zugegen waren, die dieser „Rede zuhörten“, wie Niklaus Wolf zu Rippertschwand in seinem Protokoll berichtet, das u.a. von einem Kaplan Geißhüsler unterzeichnet wurde.

Die seitenlange „Teufelspredigt“ klingt streckenweise ebenso primitiv im Stil wie scheinbar fromm in der Sache, denn angeblich „mußte“ der Dämon, der aus der besessenen Frau sprach, widerwillig auf Befehl des Höchsten eine theologische Ansprache auf Kindergarten-Niveau halten, sozusagen eine Art „Verkündigung von unten“ bzw. Kellergeist-Katechese.

Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man lachen über dieses Ausmaß an schaurigem Unfug, der hier im Gewande katholischer und „marianischer“ Frömmigkeit einhergeht.

Grundsätzlich sollte in diesen Zusammenhängen Folgendes klar sein:

  1. Laien wie jener Bauer haben keine Vollmacht zum Exorzismus, selbst Priestern ist diese Tätigkeit nur erlaubt mit einer schriftlichen Erlaubnis ihres zuständigen Bischofs.
  2. Christus hat in keinem einzigen Fall bei einer Teufelsaustreibung mit den Dämonen diskutiert oder ihnen gar ellenlang zugehört, geschweige sie zu einer „Predigt“ ans Volk aufgefordert – er hat ihnen vielmehr energisch das komplette Schweigen befohlen.
  3. Es ist überdies geistlicher Mißbrauch, wenn eine (angeblich oder tatsächlich) besessene Frau von über einem dutzend Zuschauer behelligt wird, so daß sie geradezu umringt ist von Schaulustigen – wo bleibt hier das Seelsorgsgeheimnis, das sehr wohl ein Bestandteil des Exorzismus ist, der schließlich keine Volksbelustigung darstellt
  4. Warum sollte Gott denn die Teufel dazu zwingen (!), gegen deren Willen eine Art „Predigt“ zu halten?! Die Hölle existiert doch gerade deshalb, weil Gott den freien Willen seiner Geschöpfe respektiert – und somit auch ein NEIN gegen ihn – und zwar in alle Ewigkeit! Die Hölle ist daher gleichsam von innen verschlossen, nicht von außen.
  5. Es ist geradezu absurd, wenn Gläubige noch Jahrhunderte später in Broschüren, Webseiten und Büchern zur Lektüre dieser „Teufelspredigt“ angehalten werden, so daß sie gleichsam „andächtig“ einer Dämonenrede lauschen, womit der Erzfeind des Menschen zum Verkündiger des Glaubens aufgewertet wird.

Natürlich erzählt der „Kellergeist“ der geneigten Leserschar genau das, was sie hören will, z.B: „Der Rosenkranz ist das vornehmste Gebet“. – Zweifellos ist er gut und sehr zu empfehlen, aber das vornehmste Gebet ist eindeutig das Vaterunser, zumal es von Christus selbst gelehrt wurde.

Ebenso unsinnig ist diese Teufelsweisheit: „Schon viele haben Gnade gefunden, nur weil sie das Skapulier getragen haben.“ – In Wirklichkeit macht eine noch so fromme Andachtsform „allein“ noch lange nicht selig, wenn die sonstigen Voraussetzungen (z.B. Einhaltung der Gottesgebote, gute Werke) fehlen.

Oder der folgende Unfug über die Kreuzigung Christi: „Wir sind in die Juden gefahren und haben einen Haß an ihm ausüben können.“ – In Wirklichkeit haben römische Schergen den Erlöser getötet, nicht „die Juden“ (wenngleich ein großer Teil der jüdischen Elite darauf hinwirkte).

Zudem erklärt der höllische Geist: „Ich hätte schon Hoffnung zur Reue, für mich ist aber ewig keine Hoffnung mehr.“ – Das ist theologisch völlig falsch, die bösen Geister lehnen Gott und damit jedwede Reue von sich aus kategorisch ab. Hier wird aber so getan, als würde der Teufel eigentlich gerne bereuen, wenn er nur „dürfte“.

Zwischendurch sagt der (angebliche oder tatsächliche) Dämon ironisch: „Der Teufel muß euch die Wahrheit predigen. Welch ein Wunderding.“

Allerdings – gar wunderlich geht es zu, wenn der Erzfeind sich zum Prediger mausern darf, dem das besonders „fromme“ Kirchenvolk auch noch aufmerksam lauscht…


Pater Bernhard Vosicky: Exorzist und „Heiler“?

Von Felizitas Küble

Das Erzbistum Wien wird seit Jahrzehnten von Kardinal Christoph  Schönborn (siehe Foto) geleitet, der außerhalb seiner Diözese in „frommen“ Kreisen vor allem als begeisterter Anhänger der „Marienerscheinungen“ von Medjugorje bekannt ist, die seit fast vierzig Jahren andauern, wobei drei der sechs Seher/innen  – eigenen Angaben zufolge –  immer noch tägliche (!) Botschaften der Madonna erhalten.

Jährlich veranstaltet Erzbischof Schönborn im Herbst eine große Medjugorje-Jubelfeier im Wiener Stephansdom, meist mit Live-Auftritt einer Person aus der Medju-Seherschar, wobei es bisweilen direkt an Ort und Stelle zu einer „Erscheinung“ kommt.

Kein Wunder bei solch „aufregenden“ Vorgängen, daß neugierige oder auch visionsbewegte Schäflein gleich in Scharen kommen, voriges Jahr immerhin über 3000 Gläubige (und Abergläubige).

Laut Kathpress-Medienbericht befand sich unter den Gästen auch Maximilian Heim, Abt des namhaften Ziensterzienser-Stift Heiligenkreuz im Wienerwald (Niederösterreich).

Mehrere Mönche des dortigen Klosters treten seit langem für Medjugorje ein, darunter der bekannte Pater und Professor Karl Wallner OCist (siehe hierzu unser Bericht von 2012: https://charismatismus.wordpress.com/2012/02/12/pater-karl-wallner-und-die-fruchte-von-medjugorje/).

Zur Medjugorje-Veranstaltung im Stephansdom am 19. September 2019 kam zudem sein Mitbruder Bernhard Vošicky, der dort vor den Besuchern über seine eigene Tumorheilung gesprochen hat

Der vielgereiste Ordensmann ist im charismatischen Spektrum  kein Unbekannter. 

In ihrem Buch „Unterwegs mit Jesus“ berichtet die deutsch-indische Nonne Margaritha Valappila, daß Pater Vosicky gemeinsam mit ihr Exerzitien im Seminarzentrum von Bad Soden-Salmünster hielt, wobei dieses ihr schwarmgeistig geprägtes „Haus Raphael“ kirchlich nicht anerkannt ist: Das Bistum Fulda hat sich im Amtsblatt längst ausdrücklich davon distanziert, weshalb das Exerzitienhaus sich nicht als „katholisch“ bezeichnen darf.

Aber dabei wächst offenbar zusammen, was zusammengehört, denn beide – die Ordensschwester in Hessen und der Ordensbruder im Wienerwald – verstehen sich gleichsam als „Heiler“, natürlich nicht im spiritistischen bzw. esoterischen Sinne, sondern im Auftrag des Himmels und mithilfe des Heiligen Geistes, wie dabei treuherzig versichert wird.

Vor fünf Jahren brachte der Kloster-eigene Be&Be-Verlag eine begeisterte Lebensbeschreibung von und über Pater Bernhard Vosicky heraus.

Das Buch mit dem TitelNur die Liebe heilt: Erzählungen über das Wirken Gottes in meinem Leben“ beruht auf Interviews, die der Konvertit und Theologe Hinrich E. Bues mit dem „Heilungspriester“ geführt hat. Auch Dr. Bues steht der katholischen Charismatischen Erneuerung nahe.

Schon das Vorwort von Pater Karl Wallner liest sich teils wie eine vorzeitige Heiligsprechung.

Immerhin fehlt Pater Bernhard nicht an der hierfür erforderlichen „Demut“, denn das Editorial verrät uns über das Zustandekommen der Biographie: „Natürlich hat sich Pater Bernhard geziert wie eine Primadonna  – nein, wie ein demütiger Mönch.“

Daß Pater Bernhard „gescheit ist“ und aus einem „weiten Schatz des Wissens schöpft“, wollen wir dem Autor gerne glauben, zumal der Angepriesene auch als Professor für Liturgie in Heiligenkreuz tätig ist.

Merkwürdiger klingt es freilich, wenn es auf S. 11 weiter heißt, P. Bernhard sei „vor allem ein Heiler“.

Ein Heiler also? – „Das ist seine Berufung. Er hat die Gabe des Lösens….Er lebt in einer Aura der Heilung“, bekräftigt Pater Wallner, früher ebenfalls Dozent in der Heiligenkreuzer Hochschule, inzwischen Direktor von „Missio“ in Österreich.

Nach zwei weiteren Seiten des Lobens versichert der Verfasser: „Nein, dieses Buch wird keine Heiligsprechung von Pater Bernhard.“

Es ist aber von einer Seligsprechung nicht weit entfernt:

Auf S. 14 schreibt Pater Wallner weiter, auch Dr. Bues sei in den „Bannkreis“ (!) der „Faszinationskraft“ von Pater Bernhard geraten.

Abschließend bezeichnet Wallner ihn als „phänomenalen Mitbruder“. Das Buch erzähle davon, daß Gott durch Pater Bernhard „heilend und heiligend“ in diese Welt ausstrahlen wolle.

Was mag es nun bedeuten, wenn ein Priester „vor allem ein Heiler“ ist?

Typisch charismatisch steht hier nicht das Heil im Vordergrund, sondern die sog. Heilung, zumal „Heilung und Befreiung“ sich als Lieblingsvokabeln in dieser Szene etabliert haben.

Noch merkwürdiger erscheint Wallners Erklärung: „Er hat die Gabe des Lösens.“ – Damit ist natürlich nicht die sakramentale Lossprechung bei der Beichte gemeint, weil diese Vollmacht schon durch die Priesterweihe verliehen wird.

Es geht vielmehr um das in der Schwärmerszene vielgepriesene „Binden und Lösen“ von angeblich okkulten Belastungen und Bindungen etc, die mit einer Spruchformel „abgetrennt“ (!) werden.

Womit wir bereits beim springenden Punkt wären – dem Exorzismus nämlich.

Auf S. 160 schreibt Pater Bernhard über dazu: „Mit diesem Sakrament der Heiligen Weihe ist dann auch die exorzistische Weihe gegeben. Dies bedeutet, daß jeder Priester auch den Exorzismus beten darf.“

Das darf er damit noch keineswegs, weshalb sein nächster Satz dem vorhergehenden widerspricht:

„Das Gebet über Personen, von denen angenommen wird, dass sie besessen sind, bedarf allerdings einer bischöflichen Erlaubnis“ – und zwar einer schriftlichen, wie er hätte präzisieren sollen. Zudem muß es der für ihn zuständige Ortsbischof (nicht irgendein Bischof) sein.

Ihm selber sei, so heißt es weiter, diese „Erlaubnis erteilt“ worden, also hat Pater Bernhard sie von Erzbischof Schönborn erhalten.

Kritisch wird es freilich, wenn der amtliche kirchliche Exorzismus (der nur unter strengen Auflagen erteilt werden darf) mit jenem „Befreiungsdienst“ verwechselt oder vermengt wird, wie er in charismatischen Kreisen ausgeübt wird, teils auch von Laien. 

Selbst wenn Priester sich diesem „Befreiungsdienst“ verschrieben haben, um die hohen Hürden eines bischöflich gestatteten Exorzismus zu umgehen, begeben sie sich auf eine höchst problematische Ebene.

Pater Bernhard Vosicky empfiehlt für exorzierenden Geistlichen gewisse „Schulungen“ mit solchen Priestern, die schon länger in diesem „Befreiungsdienst“ stehen. Glücklicherweise sei in den letzten Jahrzehnten die Zahl der „gut ausgebildeten Geistlichen“ gestiegen, so daß sich in Deutschland und Österreich inzwischen ein „großes Team für den Heilungs- und Befreiungsdienst entfaltet“ habe (S. 163).

Die Zahl bischöflich ernannter Exorzisten hält sich zumindest hierzulande in sehr engen Grenzen.

Das „große Team“ der Heiler und Befreier bezieht sich auf den charismatischen „Befreiungsdienst“, der jedoch eine äußerst problematische Angelegenheit darstellt:

1. Da es sich dabei nicht um einen amtlichen und formalen Exorzismus handelt, ist eine bischöfliche Erlaubnis nicht erforderlich. Somit entfällt auch die dort integrierte Bedingung, vor einem Exorzismus erst einen Arzt bzw. Psychologen zu kontaktieren, um abzuklären, ob eine Besessenheit oder vielmehr eine psychische Erkrankung vorliegt (es kann auch beides zugleich der Fall sein).  

2. Bei den Betroffenen, dem in der Charismatikerszene ein „Befreiungsgebet“ angeraten oder gar aufgedrängt wird, entsteht so oder so der Eindruck, er sei vom Teufel besessen oder zumindest „umsessen“, ob nun ein Exorzismus oder ein „Befreiungsgebet“ stattfindet (wenngleich vom Ablauf/Ritus her einige Unterschiede vorhanden sind). Das kann zu erheblichen seelischen und geistlichen Schäden und Verunsicherungen führen, zumal gerade in Schwärmerkreisen schnell eine „dämonische Belastung“ herbeigeredet wird – manchmal sogar im Kontext einer sog. „Vorfahrensschuld“, von der man sich „lossagen“ müsse etc.

Bei mir melden sich seit Jahrzehnten immer mehr Menschen (darunter auch Personen aus der „Seelsorge“ von Pater Vosicky), die sich durch derartige Praktiken – wozu auch eine angebliche „Seelenschau“ gehört –  psychisch und teils auch psychosomatisch beeinträchtigt fühlen.

Vielfach werden Gläubige in diesem Spektrum mit sogenannten „besonders starken“ (!) Gebeten überrascht und überrannt, wobei sie nicht so recht wissen, wie ihnen geschieht, wenn sie nur „normale Fürbittgebete“ wünschten.

Die Situation wird gewiß nicht dadurch besser, daß man sie z.B. mit lateinischen Formeln konfrontiert, von denen die Betreffenden nicht wissen, ob es sich um eine Art Fern-Exorzismus, ein eigenwilliges „Heilungsgebet“ oder nur um einen üblichen kirchlichen Segen gehandelt hat. Von Aussteigerseite erfuhr ich, Priester hätten ihnen auf ihre Rückfrage hin die Auskunft darüber verweigert, was ihre Verunsicherung noch erhöhte.

Es existiert in der charismatischen Bewegung ein breites Feld seelsorglicher Übergriffe, man kann teils sogar von geistlichem Missbrauch sprechen. 

Leider ist die Biographie von und über Pater Bernhard Vosicky nicht geeignet, die gerade heutzutage so notwendige „Unterscheidung der Geister“ zu erleichtern, sie biblisch und kirchlich zu begründen und zu vertiefen. Vielmehr begünstigt es schwarmgeistige und irreführender Tendenzen innerhalb der Kirche.

HIER der zweite Teil der Rezension dieses Buches: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/05/kardinal-schonborn-entschuldigt-sich-bei-bischof-peric/

Zum Thema charismatisches „Binden und Lösen“ siehe auch hier: https://charismatismus.wordpress.com/2020/07/24/seelsorge-auf-abwegen-pfr-franck-und-das-charismatische-binden-und-loesen/

 


Der Arzt als Heiler damals und heute

Von Dr. med. Edith Breburda

Wird im Jahre 2016 die „Sterbehilfe“ in der gesamten USA legalisiert? In Amerika wird darüber heftig diskutiert. Anstoß dazu gab die Legalisierung im Bundestaat Kalifornien. dr-breburda1

Viele Organisationen, unter ihnen die „Gesellschaf für Behinderte“, Pro-Life und andere Glaubensgemeinschaften, sprechen sich gegen ein „Recht zu Sterben“ aus.

Am einflussreichsten ist die Amerikanische Medizinische Gesellschaft (AMA), die strikt gegen Euthanasie und „Sterbehilfe“ ist. Ein derartiges Handeln hat schwerwiegende Folgen für die Gesellschaft und widerspricht der Rolle des Arztes als Heiler.

Vom 7. bis 9. Januar 2016 veranstaltete die AMA in Tucson, Bundesstaat Arizona, eine Tagung, in der Gesetzgeber mit führenden Ärzten der USA über Strategien und Innovationen in der Medizin debattierten. Das Thema: die heutigen Interessen in die Realität von Morgen umzusetzen. Die Amerikanische Medizinische Gesellschaft betont den Schutz des Arzt-Patienten Verhältnisses.

Hauptsprecher war der Standford-Bestsellerautor und Infektiologe Prof. Dr. Abraham Verghese (siehe Foto). Er hob die längst vergessene Rolle des Arztes als Heiler hervor.

Heute im Zeitalter der Bigdata verliert man den Blick auf den Patienten. Während sich früher der Arzt, seine Kollegen und Studenten am Krankenbett versammelten und Smalldata registrierten, trifft man sich heute im Konferenzraum.Dr. VEgese

Ein Kinderarzt, der in die Amerikanische Gesellschaft für Pädiater aufgenommen werden will, muss acht kleine Patienten in der Stunde sehen. Im Durchschnitt darf der Kranke nur 14 Sekunden über seine Beschwerden reden, bis er vom Arzt unterbrochen wird. Für eine richtige Anamnese fehlt also die Zeit.

Patienten müssen sofort allerlei Tests, inklusive CT, Röntgen durchlaufen, bevor man sie manuell untersucht. Vielleicht leidet der Kranke nur an Windpocken, aber das sieht man erst, nachdem die Testresultate vorliegen, wobei man es mit einem Blick hätte diagnostizieren können.

Viele Mediziner sind sich nicht mehr bewusst, dass der Patient auch einen Rücken hat. Einfache Anamnese-Geräte, wie z.B. ein Reflexhammer, hat heute kein Arzt mehr in der Kitteltasche. In der Abrechnung erscheint jedoch, dass alle Reflexe geprüft wurden.

In einem hyperdigitalen computerisierten Zeitalter vergisst man, dem Patienten seine Aufmerksamkeit zu schenken. Der Durchschnittsarzt verbringt seinen Tag mit 4000 Computerklicks. Er kämpft sich durch elektronische Daten und sieht den Patienten fast überhaupt nicht mehr. Ein Computerscreen lenkt ihn ab und ist nicht selten schuld an einer Fehldiagnose.

Für einen Patienten ist es nicht wichtig, wie viele Titel der Arzt erworben hat, sondern wie mitfühlend und geübt er mit ihm interagiert. Das Geheimnis, welches einen guten Arzt ausmacht, besteht darin, wie sehr er sich seiner Patienten annimmt.

Früher, als die Medizin längst noch nicht so fortgeschritten war, sah man Ärzte als Helden der Menschheit an. Obwohl man kaum Krankheiten heilen konnte, gaben sie dem Patienten Hoffnung. Man war nicht mehr machtlos gegenüber einem Gebrechen, weil der Arzt als Heiler auftrat. Man fühlte sich dem Arzt verbunden und hatte eine besondere Beziehung zu ihm.

Seine Tätigkeit wurde zu einem Ritual, die einen transformierte und zur Heilung beitrug. Der Patient wurde akzeptiert und ernstgenommen. Auch wenn der Arzt nicht viel mehr machte, als eine ordentliche Anamnese durchzuführen, und dem Patienten zuzuhören. Gerade Geschichten geben uns Anleitungen für das Leben.

Das 1887 entstandene Gemälde „The Doctor“ (The Tate, Britain) von Sir Luke Fildes zeigt uns recht beeindruckend den idealen, hingebungsvollen Arzt der damaligen Zeit.

Die zentrale Figur ist der sich konzentrierende Arzt, der seine Blicke auf den kleinen Patienten richtet, der sein Krankenlager auf zwei Stühlen errichtet hat. Im Hintergrund steht der hilflose Vater, der seine Hand auf die Schulter seiner betenden Frau legt. Das Britische Medizinische Journal schreibt 1892 über das Gemälde:

„Das Bild zeigt den typischen Arzt. Einen ehrlichen Gentleman, der sein Bestes tut, um unser Leiden zu erleichtern. Eine ganze Bibliothek voller Bücher würde nicht reichen, den Berufsethos des Arztes besser zu beschreiben. Durch Mr. Fildes sehen wir den Arzt als einen hingebungsvollen, vertrauensvollen Mann der sich voller Zuneigung seiner Patienten annimmt.

Auch wenn er in der prae-Antibiotischen Zeit selber hilflos war, Infektionen zu heilen, leistete er doch Beistand. Im Grunde ist er fast genauso hilflos wie die Eltern, die nur drei Meter von ihm weg und vier Gesellschaftsklassen unter ihm sind. Die Standesunterschiede verschwimmen in dem Bild, in dem sehr viel Mitgefühl und eine humanitäre Bindung dargestellt werden.“ (1)

Offen bleibt die Frage, wann ein Arzt heute noch am Bett des Patienten sitzt? Man hat nicht mal mehr die Zeit, den Kranken zu berühren. Für den Bestsellerautor der New York Times und Arzt Professor Abraham Verghese ist es ein großes Anliegen, eine Balance zwischen Tradition und Technologie in der Medizin zu finden.

Die Arzt-Patienten-Beziehung muss beschützt werden. Weder die Klinik-Verwaltung noch der Gesetzgeber sollten dem Arzt vorschreiben, wie er mit dem Patienten interagieren muss. Das trifft besonders zu, wenn man dem Arzt den Auftrag erteilt, mit seinem Patienten eine Sterbe- und Palliativ-Diskussion zu führen und dies per Unterschrift nachweisen muss. Gesetzgeber sollten nicht ultimativ in Fragen wie Abtreibung oder „Sterbehilfe“ das letzte Wort haben.

Die Amerikanische Medizinische Gesellschaft ist davon überzeugt, dass man es dem Arzt überlassen muss, die optimale und angebrachte Behandlung anzuwenden. Er muss weiterhin fähig sein, diese Dinge mit seinem Patienten ehrlich zu diskutieren. Alles andere gefährdet das Patienten Arzt Verhältnis (2).

Literatur:
Moore J: What Sir Luke Fildes 1887 painting The Doctor can teach us about the practice of medicine today. The Britisch Journal of General Practice, 1. March 2008,
State Legislative Strategy Conference. Propelling Today’s advocacy into tomorrow’s reality. Tucson, AZ. Jan. 7-9 2016BookCoverImage

Unsere Autorin Dr. med. Edith Breburda ist Bioethik-Expertin und Veterinär-Medizinerin (Tierärztin); sie lebt in den USA (Bundesstaat Wisconsin).

Weiterführende Literatur, Artikel und Bücher von Dr. Edith Breburda: http://scivias-publisher.blogspot.com/p/blog-page.html

Ediths Buch-Neuerscheinung REPRODUKTIVE FREIHEIT vom Juni 2015: https://charismatismus.wordpress.com/2015/06/20/neuerscheinungbuch-empfehlung-reproduktive-freiheit-von-dr-edith-breburda/

Dieses sachkundige und zugleich verständliche Buch “Reproduktive Freiheit” (viele bioethische und aktuelle Themen) kann portofrei für 22,30 Euro bei uns bezogen werden: felizitas.kueble@web.de (Tel. 0251-616768)

Fotos: Dr. Edith Breburda


Bundesgerichtshof bestätigt Haftstrafe für esoterisches „Heiler“-Paar

„Guru von Lonnerstadt“: drei Jahre Gefängnis

Weil sie ihrem schwerkranken Sohn die medizinische Behandlung verwehrten, müssen eine 49-jährige Mutter und ihr Lebensgefährte für drei Jahre ins Gefängnis. Dieses bereits von einem Landgericht verhängte Urteil hat nun der Bundesgerichtshof in Karlsruhe bestätigt. 038_35

Weil der sog. „Guru von Lonnerstadt“ und seine Lebensgefährtin deren Sohn nicht die notwendige medizinische Behandlung haben zukommen lassen, ist die vom Landgericht Nürnberg-Fürth verhängte dreijährige Freiheitsstrafe nicht zu beanstanden, urteilte nun der Bundesgerichtshof (BGH). Die Verurteilung wegen schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen sei rechtsfehlerfrei.

Nach den Feststellungen des Landgerichts war die 49-jährige und allein sorgeberechtigte Angeklagte 1999 mit ihrem damals zwölfjährigen, an Mukoviszidose erkrankten Sohn und zwei weiteren Geschwistern zu Gerhard L. gezogen, in den Medien als „Guru von Lonnerstadt“ bekannt. Pillen-568x378

Der 55-Jährige sieht sich selbst als „Lehrer der zeitlosen Weisheit“. Den Kontakt des Sohnes zum leiblichen Vater hatte das Paar strikt unterbunden.

Trotz der Mukoviszidose-Erkrankung des Jungen hat das Paar ihm drei Jahre lang die notwendigen Medikamente und Behandlungen vorenthalten. (…) Gerhard L. stellte dem Kind in Aussicht, dass es bis zum 18. Geburtstag geheilt werde: es müsse dazu mehrmals täglich meditieren und fasten.

Eine Folge der fehlenden medizinischen Behandlung war eine massive Unterernährung und teilweise ein irreversibler Funktionsverlust der Lunge.

Hätte sein leiblicher Vater ihn nicht aus der esoterischen Gemeinschaft herausgeholt, wäre der Schüler bei weiterer Nichtbehandlung innerhalb weniger Wochen gestorben.  

Quelle und vollständiger Text hier: http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/recht/article/891444/vernachlaessigung-bgh-bestaetigt-haftstrafe-esoteriker-paar.html


Polen: Bischof läßt umstrittenen „Heiler“ und „Exorzisten“ vor 58.000 Menschen im Warschauer Stadion predigen

Star-Charismatiker aus Uganda zieht Massen an

In dem sonst für Fußballspiele genutzten Nationalstadion in Warschau wurde dem katholischen Priester Jean-Baptiste Bashobora eine spektakuläre Bühne mit einem 15 Meter hohem Kreuz und herzförmigem Altar gebaut.

Von dort aus präsentierte sich der schwarzafrikanische „Wunderheiler“ aus Uganda  am vergangenen Samstag vor einem Massenpublikum von 58.000 Teilnehmern als vermeintlich begnadeter Teufelsaustreiber und Starprediger. charismatiker_allg_606_pr13_02_ab36d7785e

Organisiert wurde der schwarmgeistige Kongreß vom Oberhirten des Warschauer Bistums, Bischof Henryk Hoser.

An der Großveranstaltung nahmen zahlreiche Behinderte in Rollstühlen teil, die auf Heilung hofften. Wer meinte, er sei von „satanischen Offenbarungen“ betroffen,  konnte sich an Ort und Stelle in einer „Spezialzone“ von angeblichen Hilfs-“Exorzisten“ betreuen lassen.

Bashobora wurde in Bushenyi in Uganda am 5. Dezember 1946 als Kind katholischer Eltern geboren, wobei der Vater sich jedoch mehrere Frauen gleichzeitig hielt.

Schon früh lernte der Theologiestudent die Charismatische Bewegung kennen, auch bei einem Aufenthalt in Indien.  1972 wurde er zum Priester geweiht, studierte in Rom an der Gregoriana und schrieb seine Doktorarbeit ausgerechnet über das Thema „Die Unterscheidung der Geister im Leben der Christen Ugandas“.

In Rom war der Geistliche erneut in der schwarmgeistigen Szene aktiv.  Er ist derzeit Koordinator der diözesanen „Katholischen Charismatischen Erneuerung „in der Erzdiözese Mbarara in Uganda. In Polen ist er bereits mehrfach aufgetreten.

Exorzist will Kindertaufe „aufspalten“

Bashobora setzt sich dafür ein, künftig die Taufe bei Kindern in zwei Teile zu trennen:  in ein einfaches Aufnahmeritual und in einen späteren „Exorzismus“.

Während die Taufe (ohne Exorzismus) bald nach der Geburt gespendet werden soll,  soll eine exorzistische “Sündenbefreiung” hinausgeschoben werden, bis die Kleinkinder antworten können.

Die Kinder sollen dann auf die Frage “Widersagst Du dem Teufel?” mit einem klaren “Ja, ich widersage!” antworten. Im Falle einer Antwortverweigerung sollen alle Stufen des sechsteiligen Exorzismus zum Tragen kommen…

Jean-Baptiste Bashobora erklärt zu dieser in der katholischen Kirche noch nie dagewesenen Neuerung: “Wir müssen früh anfangen, damit die Dämonen in unserer Kirche gar nicht erst Fuß fassen!”

Quellen: Mittelbayerische Zeitung, Schweizer „Tagesanzeiger“, Wikipedia (polnisch), Quelle betr. Tauf-Exorzismus: http://gladblog.de/tag/jean-baptiste-bashobora/


Auch in der Schweiz werden esoterische „Heiler“ immer beliebter

Kommt eine „stille spirituelle Revolution“?

Wer meint, die Esoterikbranche sei ein Tummelbecken für bewußte Betrüger, liegt weitgehend falsch. Religionsspezialist Hugo Stamm vom „Tagesanzeiger“ sagt: „Die Anbieter glauben selber an ihre Heilkräfte und die damit verbundenen esoterischen Lehren.“

Um das schnelle Geld zu machen, sei die Sache viel zu mühsam, erläutert er:  Es dauere zu lange, sich einen genügend großen Kundenstamm aufzubauen: „Reich werden in der Esoterikbranche nur die Stars der Szene, deren Anzahl liegt, gemessen an der Gesamtsumme, im einstelligen Prozentbereich“, so Stamm.  0022  

Einige der großen Pharmakonzerne haben ihren Sitz in der Schweiz und vertreiben von dort aus ihre Medikamente in der ganzen Welt. Doch viele Eidgenossen haben genug von Pillen und Schulmedizin. Sie vertrauen sich mit ihren Leiden lieber vermeintlich übersinnlichen „Heilern“ an.

Der Zulauf zu ihnen ist in der französischsprachigen Schweiz ist derart groß, daß das Buch der Ethnologin (Volkskundlerin) Magali Jenny zum Thema 50.000 Mal verkauft wurde  –  ein Bestseller in einer Region, in der eine verkaufte Auflage von 5.000 Exemplaren bereits als Erfolg gilt.

Jenny schätzt die Zahl der Heiler in der Schweiz auf mehr als 500 Personen. Daß sich darunter auch gefährliche Täter tummeln, zeigte ein Gerichtsurteil Ende März. Darin wurde ein selbsternannter „Heiler“ zu zwölf Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt, weil er 16 Menschen absichtlich mit dem Aids-Virus HIV infizierte.

Auch in Deutschland boomt die Esoterikbranche:  Die Forscherin Sabine Doering-Manteuffel sieht eine „stille spirituelle Revolution“ voraus, die sich über Europa ausbreiten werde: „Hier werden Weltbilder verändert wie in keiner Missionsphase der europäischen Geschichte zuvor“, fügt die Präsidentin der Universität Augsburg hinzu.  

Quelle: evangelische Nachrichtenseite http://www.jesus.ch


Warnung vor dem philippinischen „Wunderheiler“ und kath. Charismatiker Corsie Legaspi

„Vater Corsi“ verteilt Taschentücher mit „Heil-Energie“

Es ist fast immer dasselbe in der schwarmgeistigen Szene:  Sogenannte Heiler  –  das können mitunter auch katholische Geistliche sein  – praktizieren den „Hammersegen“, also eine vermeintliche „Geistausschüttung“, ein sinnliches bzw. emotionales Erleben des „Hl. Geistes“, das in charismatischen Kreisen gerne als „Ruhen im Geist“ bezeichnet bzw. schöngeredet wird.

Meist läuft dieses merkwürdig erscheinende „Ritual“ so ab, daß der angebliche Heiler seinen Anhängern beide Hände auflegt oder sie etwas an die Stirne tippt und dabei einen „Segensspruch“ murmelt,  worauf diejenigen quasi-ohnmächtig  –  genauer: in einer Art Trance   –  nach hinten sinken und von Helfern aufgefangen werden, damit sie nicht gefährlich auf den Hinterkopf fallen. 

Foto: Pattayablatt

Foto: Pattayablatt

Die Betreffenden liegen dann einige Minuten  – manche auch länger  –  regungslos auf dem Boden, wobei mitunter auch baumstarke Männer umkippen, nicht etwa nur zartbesaitete Damen oder ohnehin als hysterisch bekannte Personen.

Der katholische Geistliche C. Legaspi  – auch „Vater Corsie“ genannt   –   gilt als einer der bekanntesten „Wunderheiler“ in der ostasiatischen Inselgruppe der Philippinen, die seit eh und je stark von spiritistischen „Geistheilern“ geprägt ist, wobei Heidnisches und „Christliches“ oftmals in täuschender Weise vermischt wird.

Anhängerin Elfi Seitz weiß im Internet zu berichten, der wunderwirkende Pfarrer Legaspi leite die „göttliche Heilkraft“ seiner Hände an die Kranken weiter, was freilich „umwerfende“ Folgen nach sich zieht (siehe Foto)…

Durch Zufall habe Legaspi von seiner „besonderen Begabung“ erfahren  – und zwar wie folgt:

„Er merkte, dass seine Schüler jedes Mal, wenn er für einzelne betete und segnend ihren Kopf berührte, umfielen und wie erstarrt dalagen. Jeder aber sagte, es sei wie ein Stromschlag gewesen, der sie durchfuhr, und dieses Gefühl sei überirdisch schön gewesen. Anfangs war er geschockt, aber dann erkannte er die große Gnade Gottes darin, anderen Menschen helfen zu können.“

Dieselbe Autorin schreibt am 1. Mai 2012 im Pattayablatt (2. Bericht dort) über eine „Heilungsmesse“ vom 10. April mit Pfr. Legaspi in Pattaya (Thailand).   –  Unter einem Foto mit umgekippten Leuten heißt es wörtlich, diese Menschen seien „halb betäubt“ durch ihre „Berührung“ mit Legaspi.  

Sehr praktisch ist natürlich auch, daß dieser charismatische Priester sogar „Fernheilungen“ praktiziert, wie Frau Seitz an anderer Stelle im selben Blatt bestätigt: „Sollte jemand zu krank sein, um zum Platz der Heilung zu kommen, kann eine vertraute Person (Fernheilung) für diesen Kranken einspringen. Auch hierzu gibt es genügend Beispiele.“

„Schweben in höheren Sphären“

Zudem schildert Frau Seitz Folgendes:

„Wieder begann er damit, Krebskranke und Menschen mit schweren anderen Krankheiten zu sich zu rufen, und berührte unter Gebeten ihre Stirne, worauf die meisten davon sanft umsanken, von den Händen geschickter Fänger aufgefangen und niedergelegt. Dieses Umsinken ist keinesfalls eine Ohnmacht, derjenige, dem das passiert, ist bei vollem Bewusstsein, aber er schwebt sozusagen in höheren Sphären.

Drogensüchtige glauben  freilich ebenfalls, in „höheren Sphären“ zu schweben, wenn sie auf ihrem „Trip“ sind und dabei „himmlische“ Musik hören,  „übernatürliche“ Farben schauen, „kosmische“ Gefühle empfinden usw… 

Auch dieses FOTO aus der deutsch-thailändischen Zeitung „Pattayablatt“ zeigt Menschen nach Empfang des „Hammersegens“; unter der Abbildung heißt es wörtlich: Die Menschen fallen nach der Berührung  von Vater Corsie um, so stark ist die gute Energie.“

Foto: Pattayablatt

Foto: Pattayablatt

Wirklich eine „gute“ Energie?  –  Jedenfalls eine „umwerfende“: eine,  die Menschen buchstäblich umwirft.  –  Offenbar verfügt Vater Corsie  aber nicht nur über „heilende Hände“, selbst seine Kleidung ist von einer „höheren“ Energie durchströmt, schwärmt die Autorin:
 
„Am Ende des langen Nachmittages durften dann alle, die ein Leiden hatten zu ihm kommen, durften seine Finger, seine Hände oder seine Kleidung berühren, während er in tiefer Gebetsmeditation dasaß. Vater Corsie Legaspi berührt mit seinen Händen, die durch Gottes Kraft heilen können, nicht nur die Leiber der Menschen, sondern ganz sicher auch ihre Seelen.“

Gewiß doch, fragt sich nur, in welcher Weise!

Interessanterweise gewinnt der „Wunderheiler“ auch massenhaft Anhänger in anderen Religionen, bei Muslimen und Buddhisten. Häufig hält er sich in Thailand auf, bekanntlich ein buddhistisch geprägtes Land.

Auch bei diversen Esoterikern und in Rudolf-Steiner-Kreisen ist er oftmals sehr beliebt. In einer Waldorfschul-Zeitung heißt es hierzu in einem Erlebnisbericht über Legaspi (vgl. S. 42):

„Unsere Familie kennt ihn persönlich, weil wir manchmal Sponsoren sind. (…) Er missioniert nicht. Er ist gegenüber allen Religionen in seiner Haltung sehr offen. Buddhistische Mönche werden genauso geheilt wie Moslems.“  

Natürlich erzählt der seit drei Jahrzehnten weltweit herumreisende Charismatiker seiner frommen Schar in treuherziger Manier, gewisse gewöhnungsgedürftige Phänomene dienten allein der Ehre Gottes und dem Heil der Menschen, zumal es etwa beim „Ruhen im Geist“ schon oft zu Krankenheilungen gekommen sei.

Auf die Idee, daß der Zweck die Mittel nicht heiligt, kommen „wunder“-bar erstaunte Anhänger in ihrem Kurzschluß-Denken leider nicht, zumal die falsche Idee „Wer heilt, hat recht“ in vielen Köpfen herumspukt.

So verkündet auch Legaspi seinen Fans, die von ihm bewirkten Heilungen seien „Gottes Energie“,  die er in seinen wundertätigen Händen habe, deren „Heil-Energie“ er in seiner hilfsbereiten Art weitergebe.

In Wirklichkeit führt der Heilige Geist die Menschen zur Wachheit und geistigen Klarheit  –  und nicht etwa zu trance-artigen „Bewußtseinsveränderungen“ bzw. übersinnlich-esoterischen Gefühlserlebnissen mit „elektrischen“ Empfindungen, wie man sie ähnlich auch aus Drogenrausch-Berichten zuhauf kennt.

Der Hl. Geist steht über der Vernunft, wirkt aber nicht gegen sie

Gottes Geist steht gewiß weit über der menschlichen Vernunft, aber er wirkt nicht gegen die Vernunft   –  ER schaltet den Verstand nicht aus, sondern ein, zumal die Gabe des Verstandes zu den biblisch bezeugten und kirchlich verkündeten „Sieben Gaben des Heiligen Geistes“ zählt. Dazu gehören zudem die Gabe der Weisheit und der Erkenntnis, also durchaus vernunftgeprägte Tugenden, ähnlich wie die Gabe des „Rates“.

Das glaubensgeprägte Denken und das ganze Pontifikat unseres Papstes steht ebenfalls unter dem Zusammenhang von „Glaube und Vernunft“. Von Papst Benedikt stammt auch der Ausspruch: „Katholisch sein heißt nüchtern sein“  –  ganz im Sinne biblischer Ermahnungen, die immer wieder zu geistiger Wachsamkeit, Nüchternheit und Besonnenheit auffordern. Der Apostel Paulus betont in 2 Kor 5,7, daß wir hier auf Erden im Glauben leben, nicht im Schauen!

Leider gehen selbst kirchliche Amtspersonen diversen Geistheilern und charismatischen Schwarmgeistern auf den Leim und empfehlen sie weiter   –  unter diesen Leichtgläubigen befinden sich sogar Bischöfe und Kardinäle. Das macht die Sache aber nicht besser, sondern weitaus gefährlicher und  für naive Gläubige noch verwirrender.

Man kann sich leicht vorstellen, daß Kirchen und Versammlungsräume „brechend voll“ sind, wenn solch ein vielgerühmter Heiler auftritt und mit seinen erstaunlich erscheinenden Erfolgen aufwarten kann. Oft wird eingangs ein Film gezeigt, der das weltweite Wunderwirken von „Vater Corsie“ aufzeigt, so daß allein dadurch schon eine entsprechend „gläubige“ Erwartungshaltung bei den Besuchern geweckt wird.

Am 15.11.2011 schrieb das „Pattayablatt“ in ihrem Jubel-Bericht über eine Legaspi-Heilungsversammlung abschließend:

„Ganz am Ende durften dann die Menschen in Trauben an ihm hängen und sich Energie, Kraft und Heilung holen. Vater Corsie verteilte auch wieder Taschentücher, die er mit Heilung versehen hatte und die Menschen durften sie mit nach Hause nehmen.“

Auch die bereits mehrfach zitierte Frau Seitz bestätigt dies wundersame Taschentuch-Phänomen:

Ich selbst habe, wie viele andere auch, ein Taschentuch von Vater Corsie berühren lassen, denn auch durch das ständige Auflegen desselben kann Heilung übertragen werden.“

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Hier ein HINWEIS auf die –  für Katholiken verbindlichen  –  päpstlichen Bestimmungen zu Heilungsversammlungen, die in den meisten Fällen leider unbeachtet bleiben:

https://charismatismus.wordpress.com/2013/02/17/kirchliche-rechtsvorschriften-fur-heilungsgebete-charismatische-heilungsgottesdienste-etc/