Warum ich vor der Charismatik warne: eine Bedrohung für die Gläubigen

Von Pfarrer Winfried Pietrek

Ein Schwarmgeist ist ein Christ, für den Gefühlserfahrungen in seinem religiösen Leben an erster Stelle stehen. Es geht ihm – vielleicht unbewusst – zuerst um das Glaubens-Erlebnis, dann erst um die Glaubens-Lehre.

Christus hat zwar gefordert, Gott auch aus unserem ganzen Gemüt zu lieben, doch entscheidend im Glaubensleben sind Verstand und Willen – gemeinsam mit dem Herzen, dem innersten Kern jeder Person.

BILD: Pfr. Pietrek bei einer Predigt in seiner Kapelle

Im Alltag begegnet wohl jedem Priester auch die „Charismatischen Bewegung“: „Das habe ich doch selbst erlebt!“ heißt es dann. Oder: „Das spüre ich in meinem Innern!“

Welche Folgen das Schwärmertum hat, erlebe ich als Seelsorger fast täglich:

Da behaupten Katholiken, zu ihnen hätte ein Engel, Maria, Jesus oder der himmlische Vater ganz klar gesprochen – obwohl die angeblich geoffenbarten Worte der kirchlichen Glaubenslehre widersprechen, verführerisch sind oder der eigenen Eitelkeit schmeicheln.

Solche visionären Erlebnisse hat z.B. der charismatische Wunderheiler Alan Ames, ein Laien-Segner, der die Welt durchreist und seine Bücher verkauft.

Viele, die bei den „Segnungen“ von Ames  –  oder bei der Handauflegung anderer „Wunderheiler“  –  in Trance auf den Rücken gefallen sind („Ruhen im Geist“), bleiben oft lange körperlich oder seelisch belastet und erleben nach anfänglichen Hochgefühlen später Depressionen oder andere psychische Störungen, so dass sie Hilfe beim Psychiater oder Exorzisten suchen.

Manche aber schwören geradezu auf solche Erlebnisse, verteidigen sie hartnäckig, fast wie in einem Rausch, auch fanatisch. Ganz wesentlichen Einfluss auf die Verführten hat es, dass sie bei solchen Veranstaltungen in die Massensuggestion einer begeisterten Gemeinde eintauchen, suggestive Predigten hören und dass ihr ganzer Körper – z.B. durch Hochwerfen der Arme und Wackeln mit den Händen –  in das charismatische Segnungsfestival einbezogen ist.

BILD: Eines der zahlreichen Bücher von Pfr. Pietrek: „Wunder heute – Gott ist da“

Konkret wird in manchen „Heilungs-Gottesdiensten“ bekannt gegeben, wie viele Krebs-Erkrankungen, Migräneanfälle, Schmerzen oder Lähmungen angeblich geheilt wurden – ohne dass diese „Wunder“ den kirchlichen Autoritäten zur Überprüfung gemeldet werden – wie es der Vatikan doch fordert.

In meinem Archiv habe ich zahlreiche Berichte über charismatische „Heilungswunder“ gesammelt, die sich als ein durch Massensuggestion hervorgerufener Placebo-Effekt erklären lassen. Wie sorgfältig und vorsichtig die Kirche Heilungen überprüft, wird an Zahlen deutlich: In Lourdes z.B. sind von 7000 ärztlich festgestellten „unerklärbaren Heilungen“ nur 67 als  Wunder im kirchlichen Sinne anerkannt worden.

Es ist das Verdienst der Broschüre Wunderheilungen und ‚Ruhen im Geist’ (94 S., 3 €), die charismatische Heilungswunder und das so genannte „Ruhen im Geist“ (Umfallen nach charismatischen Segnungen) unter die Lupe nimmt, solche Heilungen zuerst als natürlich bewirkt vorzustellen, z.B. als Placebo-Effekte, Hypnose oder Trance. Sie legt darüber hinaus aber auch überzeugend dar, dass diese Phänomene bisweilen als okkult-dämonisch erklärt werden können.
 
Wer sich auf charismatische „Begnadete“ fixiert, überschätzt  –  so erlebe ich es in der Seelsorgepraxis  –  seine eigene Urteilsfähigkeit weit und ist oft argumentativ nicht mehr zu erreichen. Er hat sich festgelegt, ist nicht bereit, sich korrigieren zu lassen, selbst wenn Familienbande zerreißen.

BILD: Pfr. Pietrek als junger Priester im Einsatz gegen eine Abtreibungsklinik in Lindenfels

Jedes Wort prallt an seinem Herzen ab: „Ich habe doch diese pure Heiligkeit selbst erlebt. Sie können gar nicht mitreden. Sie kennen diese(n) Begnadete(n) ja gar nicht persönlich! Gott wirkt, wie und wo er will.“  –  „Sie sind ein Feind des Heiligen Geistes!“ wird mir dann vorgeworfen.

Die geistige Verblendung charismatisch Verführter ist geradezu erschreckend. Leichtgläubige und religiös wenig ausgebildete Personen werden nur zu oft durch Predigten und Bücher charismatischer Wunderheiler, z.B. von P. James Manjackal oder P. Joseph Vadakkel – in denen Irrlehren und Falschaussagen nachweisbar sind – in die Irre geführt. 

Da die „charismatischen“ Segnungen (Charisma = Gnadengabe) seit Mitte der 1960er Jahre über die protestantische Pfingstbewegung in die katholische Kirche eingedrungen sind und Millionen erfasst haben, werden in der Broschüre Wunderheilungen und ‚Ruhen im Geist’ auch freikirchliche „Segner“ mit ihren Praktiken namentlich vorgestellt. Besonders interessant sind die vielen „Fall“-Berichte von persönlich Betroffenen.

Hier einige Beispiele aus meiner Seelsorgspraxis:

Ein Priester, der das Evangelisations- Zentrum in Bad Soden aufsuchte, berichtet mir: „Als ich nun partout nicht umfallen wollte, wurde vom Segnenden mit einem kräftigen Stoß nachgeholfen.“

Eine Frau berichtet von dort: „Nach dem charismatischen Segen durch Handauflegung dachte ich: ‚Ich werde bekloppt im Kopf.’  – Ich konnte die Sünden hören, die mein Mann im Nebenraum dem Priester zuflüsterte.“

Eine andere Frau sagte: „Während ich am Boden lag, hatte ich schöne Gefühle. Diese waren allerdings nicht von Dauer. Einigen anderen ging es wie mir.“

Ein junger Mann schildert: „Beim zweiten Segen fiel ich wieder nach hinten, aber dieses Mal spürte ich keinen Frieden, sondern große Angst. Die negativen Gefühle steigerten sich. Total erschöpft stand ich auf… Als sich noch Depressionen einstellten und ich nahe daran war, mir das Leben zu nehmen, habe ich mich einem Priester anvertraut… Ich erholte mich langsam. Ich kann nur alle dringend warnen.“

Ein Priester schreibt mir: „Nach einem Besuch von Medjugorje bin ich in großer Gewissensnot… Zu meiner Überraschung sah ich (dort) viele von den Gläubigen umfallen… Manche fielen auf den Rücken mit lautem Schreien und wilden Gebärden.“

Ein Briefauszug: „Seitdem ich mir von Schwester Margaritha Valappila die Hände auflegen ließ, fühle ich mich wie tot und meine linke Hand zittert. Vor allem beim Gebet erlebe ich dieses Zittern.“

Aus persönlichen Gesprächen mit Katholiken, die jahrelang an Sr. Valappilas Veranstaltungen teilgenommen haben, weiß ich, dass ganze Familien dadurch Belastungen und Ängste erfahren haben.

Betroffene verteidigen sich mit Bekehrungs-Erlebnissen. Doch es gehört zur Strategie des Bösen, mit „Erfolgen“ zu pokern.

Wer aber erlebt, dass Gläubige, die aus charismatischen Veranstaltungen zurückkehren, enthusiastisch jubeln: „Wir haben jetzt den Heiligen Geist!“, der wundert sich, mit welcher Selbstsicherheit und Heilsgewissheit von solchen Priestern und Laien das Sakrament der Firmung durch die sog. Geisttaufe verdrängt wird. Schon der Ausdruck „Geisttaufe“ zeigt, dass es dabei nicht um die Erneuerung der Firm-Gnade geht.

Bei solchen „Segnungen“ wird zugleich das Zeichen der Handauflegung missbraucht, das biblisch eindeutig der Spendung der Sakramente zugeordnet ist. Selbst der Weltkatechismus stellt fest: Je mehr aber „eine Segnung das kirchliche und sakramentale Leben betrifft, desto mehr ist ihr Vollzug dem geweihten Amt vorbehalten.“

Bücher und Broschüren von Pfr. Pietrek können hier online bestellt werden: http://www.christliche-mitte.de/index.php/publikationen/

 


Wie das Prinzip „Zuckerbrot und Peitsche“ in den Schio-Botschaften funktioniert

Von Felizitas Küble

Es gibt bestimmte Kennzeichen, die sich durch fast alle falschmystischen Erscheinungen ziehen, die gleichsam den „roten Faden“ jener irrgeistigen Phänomene darstellen. Dazu gehört das Prinzip „Zuckerbrot und Peitsche“.

Es bedeutet in diesem Zusammenhang, daß in den angeblichen Botschaften des Himmels die Erscheinungsgläubigen besonders gelobt und ihnen große Verheißungen in Aussicht gestellt werden, hingegen die Skeptiker quasi in den Boden gestampft und als Bösewichter herabgesetzt werden.

Auf diese Unart und Weise sichern sich die „Erscheinungsmacher“ (wer immer es sei) vor jedweder Kritik ab, denn diese ist ja sowieso des Teufels, sie selber hingegen stehen im Lichte….

Dieses Merkmal erkennen wir auch in den Botschaften der  – kirchlich nicht anerkannten  –  Marienerscheinungen von Schio.

Dem bereits verstorbenen italienische Seher Renato Baron hatte sich die „Madonna“ als „Königin der Welt und der Liebe“ vorgestellt. Die Schio-Welle ist längst nach Deutschland übergeschwappt, es gibt sogar eine regelmäßige Zeitschrift in deutscher Sprache mit dem Titel „Königin der Liebe“. (Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2018/08/03/warum-die-marienbotschaften-von-schio-nicht-vom-himmel-stammen-koennen/)

Auch in diesen Botschaften wird dem Visionär zu verstehen gegeben, was die fromme Schar hören will: Sie selber steht auf der „richtigen“ Seite, die Kritiker sind üble Gottesfeinde, zudem werden die Erscheinungsgläubigen vor dem künftigen Strafgericht verschont  – ja, was will man mehr?!

So schreibt Herausgeber André Castella in der Einleitung zum Buch „die Botschaften der Königin der Liebe“ (siehe Foto): „Maria will ihren Kindern die Schrecken der drohenden Reinigung ersparen.“

Hier wirken „Zuckerbrot und Peitsche“ in einem Wort: Dem Rest der Welt droht das Strafgericht, die Botschaftsgläubigen bleiben davor bewahrt.

Schon im ersten Jahr der Erscheinungen winkt die „Madonna“ mit besonderen Segnungen für ihre Anhänger, indem sie ihnen versichert, daß sie „allezeit die gewaltigen Wunder erleben und die Freude kosten werden, die der Vater euch allen bereitet hat“. (20.9.1985)

Weitere Beispiele verdeutlichen dieses Schema:

„Man bete, damit der Vater das, was einzufallen droht, aufhalte. Und euch sage ich: ich werde euch retten, weil ihr an der Rettung teilnehmt und Maria liebt euch.“ (8.12.85)

Kurz vor Weihnachten heißt es kryptisch (verborgen-untergründig): „Aber ihr, meine Lieblinge, müht euch damit ab, den Unrat zu stoppen, den Weihnachten in der Welt verbreitet. Es könnte eine der letzten Weihnachten sein, die der Vater euch zum Leben schenkt.“ (22.12.85) –  Man beachte das Wörtchen „könnte“, so daß sich der Text nicht wirklich festlegt, aber doch bedrohlich-spannend erscheint. Zudem hätte man gerne gewußt, welchen Unrat denn ausgerechnet „Weihnachten“ in der Welt verbreitet…

Ende des Jahres gibts weitere Zuckerstücke für den Seher und seinen Fanclub: „Deine Gebete und alle Gebete deiner Brüder und Schwestern sollen die Welt retten. Der Vater will euch sein Ohr leihen…Alle, die mit dir arbeiten, werden dafür belohnt werden.“ (29.12.85)

Das neue Jahr läßt die Erscheinungsbewegten wissen, daß sie es sind (das „Gottesvolk“), welche die Kirche (das „Volk Gottes“) überhaupt erst einmal bekehren: „Eure Zeit ist gekommen. Das Gottesvolk wird das Volk Gottes bekehren. Die Überheblichkeit des Menschen wird untergehen….Gottes Reich wird kommen, aber es kommt durch euch.“ (16.1.86)

Die Welt wird gerettet, so heißt es weiter, wenn die Botschaftsgläubigen von Maria erzählen: „In der Tat werdet ihr mit Maria den Großteil der Menschen für eure Sache gewinnen; gemeinsam werdet ihr der Welt von Maria erzählen und so die Welt retten.“ (5.2.86)

Dem Seher wird erklärt, daß die Seinen auf dem rechten Weg sind, die „Stolzen“ werden es noch bereuen:

„Die ein zartes Herz haben, sind dir gefolgt. Die harten Herzen, die stolzen, sie sehen zu, aber sie werden es bereuen. Gemeinsam mit deinen engsten Freunden werdet ihr die Heiligkeit suchen und finden“ (29.8.86). – Hier wird ebenfalls ein häufiges Kennzeichen falschprophetischer Kundgaben erkennbar, nämlich die sichere Zusage des ewigen Heils (was dem katholischen Dogma widerspricht), hier sogar einer Heiligkeits-Gewißheit für den Visionär und seine Getreuen. 

Ähnlich heißt es am 1.12.1986: „Selig seid ihr, meine Kinder, denn ihr seid demütig geworden und habt euch mit dem Guten erfüllt. Ihr werdet euren Platz im Licht finden, wo euch der Vater belohnen wird.“ – Auch das „reine Herz“ befindet sich natürlich in der Schar der Erscheinungsbewegten: „Hier an diesem Ort, der euch lieb ist, bringe ich den Heiligen Geist…Mit reinem Herzen werdet ihr das Licht des Vaters sehen.“ (31.1.87)

Neben reichlich Zuckerbrot kommt auch ab und zu die Peitsche, wobei die „Madonna“ meist von sich selbst in dritter Person spricht: „Arbeitet mit Maria, jetzt, um dem Bösen und seinen Werken Einhalt zu gebieten, denn er mäht einen großen Teil der Menschheit nieder.“ (28.2.87)  – Auch ein paar Monate später klingt die Botschaft wieder sehr dramatisch: „Reicher Segen in der Zeit dieser Gnade, die aber auch zugleich die schwerste Zeit seit der Gründung der Kirche ist. Hört meinen Aufschrei, Kinder!“ (29.6.87)

Schlimm steht es freilich mit der Kirche, da sie doch nicht auf die Marienerscheinungen zu Schio hört, wie die Erscheinung bitter beklagt. Wie gut, daß es noch die Treuen aus der Schio-Szene gibt: „Ihr sollt lebendige Kirche sein, wahre Kirche. Meine Kirche, die zu mir rief und mich als Mutter und Königin im Triumph trug, sie nimmt jetzt meine Rufe nicht an, hört nicht mehr auf meine Stimme….Meine Kinder, niemals habe ich so viele Tränen vergossen wie in diesen Zeiten…“ (6.7.87)

Erstens kann zwar Christus den Ausdruck „Meine Kirche“ verwenden, denn ER ist das Haupt der Kirche, sie ist sein Werk. Aber Maria kann nicht rechtmäßig von „ihrer“ Kirche reden; sie ist selbst ein Teil der Kirche (das edelste Glied des Gottesvolkes).

Zweitens befindet sich die wahre Gottesmutter in der himmlischen Vollendung, wo es bekanntlich keine Tränen und kein Leid gibt, sondern ewige Glückseligkeit. Von daher ist auch die Tränendrüse theologisch unsinnig, aber typisch für den mitleidserweckenden Sermon vieler Botschaften.

Bald darauf kommt freilich wieder die obligatorische Drohkeule dazu: „Rasch wird die Zeit der Bestrafung kommen, die auf die Stolzen und Gleichgültigen herabstürzen wird. Sie wird die Diener Satans treffen, die frechen Betrüger des Volkes Gottes.“ (26.7.87)

Kurz und (un)gut: In der ganzen Kette hunderter von Botschaften wird das Prinzip von „Zuckerbrot und Peitsche“ sichtbar, Kitsch wechselt mit Panik, Sentimentales wird mit Dramatischem verknüpft, alles klingt ganz prima im Ohr der einfältigen bis sensationsgierigen Anhängerschar.

Damit kein „Mistverständnis“ entsteht: Natürlich gibt es auch ein berechtigtes Lohn- und Straf-Prinzip des Himmels, nämlich der biblisch bezeugte klarsichtige Grundsatz: Gott belohnt den Glauben und das Gute, er bestraft den Unglauben und das Böse. – Dies ist aber eine andere Ebene als  Aberglaube und Schwarmglaube, es hat nichts zu tun mit Süßholzraspeln einerseits, Panikmache und Drohkulissen andererseits. 

 


Die „Erscheinungen“ von Schio enthalten viele irreführende Botschaften

Von Felizitas Küble

Heute ist für die Anhänger der  – kirchlich nicht anerkannten –  Erscheinungen von San Martino de Schio ein wichtiger Tag, denn am Palmsonntag fand in diesem norditalienischen „Gnadenort“ um 15 Uhr die „Weihe Europas an das Unbefleckte Herz Mariens“ statt, dem sich möglichst viele Menschen „geistig anschließen“ sollten.
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Der am 2.9.2004 verstorbene „Seher“ Renato Baron will seit 1985 hunderte von Christus- und Marien-Visionen erlebt haben; jene angeblichen Botschaften des Himmels werden vierteljährlich in der Zeitschrift „Königin der Liebe“ wiederholt und ausgelegt.
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Zudem wird dabei über allerlei wundersame Ereignisse berichtet, die sich in Shio ereignet haben sollen, z. B. „übernatürlicher“ Rosenduft am „Gnadenbrunnen“, eine atmende, gleichsam lebendige Jesuskind-Statue und dergleichen Mirakel mehr.
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Die von Renato Baron gegründete „Marianische Bewegung Königin der Liebe“ hat  – wie bereits erwähnt – keine kirchliche Approbation (Erlaubnis, Gutheißung, Anerkennung) erhalten. Das scheint die leichtgläubigen Anhänger nicht weiter zu stören; anscheinend ist diese Privatoffenbarung für sie eine Art „fünftes Evangelium“, wie man das bei den Apparationisten (Erscheinungsbewegten) öfter erlebt.
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Nehmen wir als Beispiel für die inhaltlich teils banalen, teils theologischen unsinnigen Aussagen eine x-beliebige Ausgabe der Zeitschrift „Königin der Liebe“, nämlich das Heft Nr 99: http://www.reginadellamore.org/wp-content/uploads/2016/12/99-Ko%CC%88nigin-der-Liebe.pdf
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Auf S. 6 wird eine Marienbotschaft an Renato Baron vom 13. Juli 1991 zitiert, worin es u.a. heißt:
 „Meine Kinder, ihr seid die Werkzeuge für meinen mütterlichen Heilsplan. Danke, weil ihr mich tröstet und bereit seid, mit mir zu arbeiten. Gemeinsam werden wir das Schöpfungswerk zu seinem ursprünglichen Glanz zurückführen, indem wir jeden Menschen zur Heiligung führen.
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Christus ist offenbar überflüssig, der göttliche Heilsplan wird durch einen „mütterlichen“ ersetzt. Die Botschafts-Anhänger werden also gemeinsam mit der „Madonna“ das Schöpfungswerk „zu seinem ursprünglichen Glanz zurückführen“ – und dabei nichts weniger als „jeden (!) Menschen zur Heiligung führen“.
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Diese Aussagen sind von satanischem Hochmut geprägt, weil sich hier Geschöpfe anmaßen, Gottes Heilswerk ausführen zu können – und zudem wird indirekt die Allerlösung gelehrt, denn der erscheinungsbewegte Fanclub mit der angeblichen Himmelsmutter an der Spitze führt ja immerhin „jeden“ Menschen zur „Heiligung“ – und damit logischerweise auch zum Heil. Die Hölle hat offenbar ausgedient!
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Auf derselben Seite 6 wird eine weitere Marien-Botschaft  – jene vom 17. Juli 1991 –  zitiert:
„Ich erlange euch die Gabe des Heiligen Geistes, die es euch erleichtert, das Wort Gottes aufzunehmen, das euch leben lassen wird, damit sich durch euch die ganze Erde erhelle und sich der große Wunsch Jesu verwirkliche: Seine Liebe in jedem Menschen wachsen zu lassen.“
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Tatsache ist hingegen, daß wir die „Gabe des Heiligen Geistes“ bereits durch die Taufe erhalten; zudem die Sieben Gaben des Hl. Geistes durch das Sakrament der Firmung – und nicht durch eine Marienerscheinung oder den (Irr-)Glauben daran.

Falschmystisches Verdrängungs-Prinzip

Hier zeigt sich beides Mal deutlich das für die Falschmystik typische Verdrängungs-Prinzip: Bewährte Glaubenswahrheiten werden durch irreführende, aber fromm klingende Aussagen verdeckt und an den Rand gedrängt – genauer gesagt: ersetzt.
Auf S. 12 ist ein weiteres typisches Merkmal der Falschmystik deutlich erkennbar, nämlich ein falsches Sendungsbewußtsein. Am 6.1.1996 soll Jesus dem Seher Baron folgendes geoffenbart haben:

„Ich habe euch in das größte Werk eingefügt, das Gott der Kirche schenken will. Es ist der Weg der göttlichen und menschlichen Liebe, der den Namen Maria trägt. Die wahre Offenbarerin meines Werkes der Liebe, die Unbefleckte des Heiligen Geistes, wird mit ihrem brennenden Herzen das ganze Feuer der göttlichen Liebe schenken. Das Werk wird die Kirche retten…Das kleine Heer muss alle Heiligkeit der Geschichte in sich zusammenfassen. Jedes Mitglied wird auf seinen Schultern die Kreuze aller jener tragen, die das Heil zurückweisen. Darum wird, wer dies annimmt, heilig sein.

Alles klar: Die Anhängerschaft von Schio „wird die Kirche retten“, ist dies doch „das größte Werk, das Gott der Kirche schenken will“. – Natürlich soll die fromme Schar bzw. das „kleine Heer“ nichts weniger als „alle Heiligkeit der Geschichte in sich zusammenfassen“   –  und sie bewähren sich (wie in diesen Kreisen üblich) als besonders großartige Opferseelen  –  und wer zur getreuen Schar dieser Sühneseelen gehört, „wird heilig sein“  –  aber sicher doch!

So wird zu all den Irrtümern noch dazu eine gefährliche, vermessentliche Heilssicherheit gelehrt – ja sogar eine Heiligkeitsgewißheit. Damit wird ein verhängnisvoller Sumpfboden für geistlichen Hochmut und für Verblendung gelegt.

Doch das ist bei derlei „Botschaften“ bekanntlich nichts Neues unter der Sonne.


HEEDE: Marienerscheinungen im Emsland?

Von Felizitas Küble

Am 1. November 2017 erinnerte der katholische Schriftsteller Michael Hesemann auf dem erscheinungsbewegten Portal „Kath.net“ an die wundersamen Ereignisse in der emsländischen Dorfgemeinde Heede am Allerheiligenfest 1937, also mitten in der Nazizeit: http://www.kath.net/news/61509

Unter dem Titel „Ein deutsches Fatima?“ würdigt der Autor die über hundert Marienerscheinungen auf dem dortigen Friedhof und den umliegenden Grundstücken; er erwähnt, daß Heede vom zuständigen Osnabrücker Bischof Bode als Gebetsstätte anerkannt sei. 

Allerdings ist dies sogar in Heroldsbach der Fall, der kirchlich am meisten abgelehnten Privatoffenbarung aller Zeiten.

Auch hier wurde vom Bistum Bamberg – bei bleibendem NEIN zu den angeblichen Erscheinungen  – eine Gebetsstätte eingerichtet, was zwar ein gewisses „pastorales“ Zugeständnis an die anhaltenden Pilgerscharen darstellt, aber gleichwohl nicht mit einem kirchlich anerkannten Wallfahrtsort bzw. einer gebilligten Erscheinungsstätte vergleichbar ist. 

So ist auch Heede kirchlich keineswegs approbiert (genehmigt, gutgeheißen), sondern wird lediglich – wie in ähnlichen Fällen auch –  sozusagen toleriert.

Allerdings wird die feinsinnige Unterscheidung zwischen „Gebetsstätte“ und „Wallfahrtsstätte“ von den Gläubigen oftmals nicht beachtet, weshalb diese diplomatisch sein sollende „Regelung“ in der Praxis mißverständlich bis irreführend ist. 

Zurück zu Heede, wo vor über 80 Jahren die Gottesmutter erschienen sein soll, wobei sie sich als „Königin des Weltalls“ und „Königin der Armen Seelen“ präsentierte und zukünftig unter diesen Titeln verehrt werden wollte. 

Hier stellt sich die z.B. die Frage, ob „Königin“ der Armen Seelen denn eine theologisch sinnvolle Formulierung darstellt.

Die Gottesmutter ist Helferin und Fürsprecherin der Christgläubigen, also sicherlich auch der Seelen im jenseitigen Läuterungszustand. Den Ausdruck „Königin“ könnte man landläufig aber auch so verstehen, als ob sie die „Erste unter Gleichen“ wäre. Die Madonna ist gewiß nicht die oberste „Arme Seele“, sondern lebt in der himmlischen Herrlichkeit.

Außerdem ist dieser Titel in der kirchlichen Tradition nicht präsent; weder findet er sich in der Lauretanischen Litanei noch in amtlichen Dokumenten. 

Ähnliches gilt für die Bezeichnung „Königin des Weltalls“, mag sie auch von Pius XII. einige Male verwendet worden sein. Eine fundierte Überlieferungsgeschichte existiert für einen solchen marianischen Ehrentitel jedenfalls nicht.

Es gibt eine Reihe von Büchern über Heede, darunter jenes von Heinrich Eizereif (siehe Foto), das aber – wie die meisten Publikationen dazu – unkritisch berichtet. Die Marienstatue auf dem Titelbild ist nach den Aussagen der vier jugendlichen Visionärinnen entstanden (zunächst waren es fünf Sehermädchen, aber eine von ihnen ist schon früh „abgesprungen“).

Was an dieser Darstellung etwas verwundert, ist die Tatsache, daß die „Madonna“ ihre linke Hand (vom Betrachter aus gesehen) auf die Erdkugel hält  – über dem Globus befindet sich aber ein Kreuz. So stellt sich die Frage, warum diese „Maria“ die Erde und das Kreuz Christ gleichsam mit ihrer Handfäche „trennt“.

Bei der letzten Heede-Vision am 3. November 1940 verabschiedete sich die angebliche Gottesmutter von den Sehermädchen folgendermaßen: „Nun, liebe Kinder, zum Abschied noch den Segen! Bleibt Gott ergeben und brav! Betet oft und gern den Rosenkranz! Nun ade, liebe Kinder. Auf Wiedersehen im Himmel!“ 

Abgesehen von der bieder-naiven Sprache (z.B.“brav“) fällt auf, daß von Christus nicht die Rede ist. Zudem entsteht der Eindruck, als habe die Erscheinung den Kindern eine „unschlagbare“ Heilsgewißheit vermitteln wollen: „Auf Wiedersehen im Himmel!“  

Als Christen dürfen wir, wenn wir uns um die Nachfolge Christ ernsthaft bemühen, gewiß von Zuversicht und Heils-Hoffnung getragen sein, aber nicht von einer verstiegenen Heils-Sicherheit. Schließlich können wir nicht im vorhinein wissen, ob wir bis zuletzt dem Glauben treu bleiben und ob wir wirklich einst im Frieden Christi sterben.

Zum Phänomen Heede möchte ich mich gelegentlich in weiteren Beiträgen äußern und zusätzliche kritische Punkte ansprechen. Dieser Artikel soll lediglich als „Einleitung“ dazu dienen.

 


Der polnische Pater Dominik Chmielewski zwischen Charismatik, Fatima und Medjugorje

Von Felizitas Küble

Er ist jung, sportlich, fromm, erscheinungsbewegt und charismatisch: Der polnische Salesianerpater Dominik Chmielweski. 

Wie nicht selten im „konservativen“ Spektrum, ist auch dieser Priester von dem (kirchlich nicht anerkannten) Erscheinungsort Medjugorje hell begeistert, pilgert dorthin und wirbt auch für Fahrten in diese Pfarrei in Bosnien-Herzegewina (siehe Plakat-Auszug), in welcher sich angeblich die Madonna seit über 35 Jahren ein Stelldichein gibt und tägliche Botschaften an die „lieben Kinder“ übermittelt (gemeint sind damit vor allem die Seher/innen – freilich längst erwachsene Leute).medziu-od-ks-dominika

Zugleich ist der Ordensgeistliche sehr aktiv im schwarmgeistigen Milieu tätig. Auch in Deutschland hält er tagelange Exerzitien, so auch am vergangenen Wochenende bei einem charismatischen Treffen in Geseke, an dem über 600 Leute teilgenommen haben.

Da sich daran neben vielen hierzulande lebenden Polen auch deutsche Katholiken beteiligten, wurden seine Predigten auf deutsch übersetzt. Auch bei dieser Gelegenheit lud er die Gläubigen zu einer Medju-Wallfahrt ein, worauf sich viele von ihnen sofort interessiert zeigten.

Bezeichnenderweise lautet der Titel seines neuesten Buches (Jego milosc cie vleczy) übersetzt: „Seine Liebe wird Dich heilen.“  – Die Zauberworte „Heilung und Befreiung“ stehen in charismatischen Kreisen  – ob katholisch oder protestantisch  – seit jeher besonders hoch im Kurs.

Mit „Heilung“ ist dabei nicht etwa „nur“ das Heil der Seele, sondern ausdrücklich auch eine plötzliche körperliche Genesung gemeint. „Befreiung“ bezieht sich weniger auf die Beichte, sondern vor allem auf Exorzismen (sog. „Befreiungsgebete“), welche eine vermeintliche Besessenheit beenden sollen.

Allerdings ist man in schwarmgeistigen Kreisen schnell damit bei der Hand, Gläubigen eine angebliche Umsessenheit, Besessenheit, Verfluchung bzw. dämonische „Belastung“ einzureden, um sie dann hinterher davon  zu „befreien“…chmielewski

Angeblich hat der Pater  – eigenen Angaben zufolge – früher selber schon satanische Attacken erlebt. Vielleicht hält er sich deshalb für einen besonders „vollmächtigen“ Exorzisten.

Ebenfalls in typisch charismatischer Manier pflegt er gerne das „Zungenreden“ – und dies nicht nur bei seinen eigenen Gebetsgruppen, sondern auch während des Ablaufs einer heiligen Messe.

In Geseke beteiligten sich viele Katholiken an dieser angeblich vom Heiligen Geist verursachten „Sprachengabe“ (in einer Sprache, die keiner versteht, die eher wie ein unartikuliertes Gelalle und Gemurmel wirkt).

Zudem führt er „Heilungsgebete“ und „Heilungen“ auch während der Meßfeier durch, obwohl der Vatikan bereits unter dem Glaubenspräfekten Joseph Ratzinger strikt erklärt hat, daß dergleichen untersagt ist, um den stets gleichbleibenden Sinn des Gottesdienstes nicht zu verfremden oder für andere Zwecke zu vereinnahmen.  –  Näheres siehe hier (vor allem unter „Disziplinären Bestimmungen“ § 5,2 ff): https://charismatismus.wordpress.com/2013/02/18/instruktion-der-papstlichen-glaubenskongregation-vom-14-9-2000-uber-leiden-heilung-krankensalbung-und-heilungs-charisma/

An übertriebener Bescheidenheit scheint der Geistliche ohnehin nicht zu leiden. Wie dieses von ihm selbst gewählte Plakat bzw. Logo mit dem Titel „The Dominator“ (Der Herrscher/Beherrscher) zeigt, gibt er sich gerne sendungsbewußt und kriegerisch.

Natürlich geht es dabei „nur“ um einen Kampf gegen Sünde und Teufel. Immerhin war er vor seiner priesterlichen Zeit begeisterter Karate-Kämpfer. Nun führt er eben einen „Kampfsport“ gegen den Satan, wie er seinen Wirkungskreis gerne beschreibt. 2732900420_68d28f8a20

Vermessentliche Heilsgewißheit  –  auf Abwegen!

Besonders wichtig sind dem Salesianer zudem die Erscheinungen von Fatima; vor allem das Einhalten der dort favorisierten fünf Herz-Mariens-Sühne-Samstage empfiehlt er den Gläubigen immer wieder unverdrossen. (In der Fatima-Literatur heißt es hinsichtlich der damit verbundenen Verheißung: „Jenen, die diese Übung von fünf ersten Samstagen wenigstens einmal im Leben einhalten, verspricht Maria, ihnen in der Todesstunde mit jenen Gnaden ihres Sohnes beizustehen, die zu ihrem ewigen Heil erforderlich sind.“)

Dabei verbindet der erscheinungsbewegte Pater diese Fatima-Samstage mit erstaunlichen Heilszusagen:

So erzählte er seinen Zuhörern in Geseke, wenn jemand wenigstens diese fromme Übung praktiziere, aber ansonsten ein liederliches Leben führe, den Glauben und die Gebote nicht praktiziere, also folglich zur Hölle verurteilt sei, dann werde die Madonna bei ihrem göttlichen Sohne vorstellig für diesen Todsünder, weil er ja trotz alledem ein Marienverehrer gewesen sei. Die selige Jungfrau bewahre ihn durch ihre Fürsprache vor der sonst sicheren Hölle, so daß der unbußfertige Sünder nur ins Fegefeuer komme und so schlußendlich glücklich in den Himmel eingehen könne.

Damit treibt der Geistliche die (ohnehin schon mißverständliche) Fatima-Verheißung hinsichtlich der fünf Sühne-Samstage noch weiter auf die Spitze – in einer geradezu vermessenen und heilsgefährlichen (Un-)Art.Von Julia Kesenheimer geschickt

Die katholische Kirche lehrt ausdrücklich (vor allem auf dem Konzil von Trient), daß weder der Glaube ohne gute Werke noch irgendeine spezielle Andacht für sich allein genommen bereits selig macht – daß vielmehr auch die Einhaltung der Gebote Gottes notwendig ist, um durch die Gnade Gottes das ewige Heil zu erlangen.

Außerdem verkündete das Tridentinum, daß es für rechtschaffene Gläubige auf Erden zwar eine Heilszuversicht gibt, aber  – im Unterschied zur protestantischen Auffassung – durchaus keine absolute Heilsgewißheit. Somit leben die Katholiken hienieden in einer gewissen „Spannung“, aus der manche von ihnen gerne in eine vermeintliche Heilssicherheit flüchten.

Wer anderes behauptet als diese beiden erwähnten kirchlichen Dogmen, vertritt im Grunde einen protestantischen Standpunkt (wonach nämlich der Glaube allein schon zur Seligkeit führe)  – nur garniert mit einem katholischen bzw. marianischen Mäntelchen.

Dieses Angebot (wonach diese oder jene Sonder-Andacht zielsicher zur Seligkeit führe) wirkt auf manche Katholiken durchaus verlockend. Das erstaunt wenig  – wer möchte sich nicht gerne in einer bequemen Heilsgewißheit wiegen?

Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag und zudem ehrenamtlich das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Kirchliches Ablaßbuch: „Abenteuerliche Sonderbarkeiten und Versprechungen“

Zu den „Brigitta-Gebeten“ (7-er und 15-er Reihe) und ähnlichen Andachten mit „Verheißungen“

Seit Jahrhunderten sind sogenannte „Gebete nach der hl. Brigitta“ im Umlauf, die angeblich „große Verheißungen“ mit sich bringen, wobei zugleich damit geworben wird, diese Sonderandachtsformen seien kirchlich anerkannt, ja sogar empfohlen  – so etwa hier:

http://www.betet.info/Brigittagebete.html#Leiden_Jesu_Christi

Diese Behauptungen sind allerdings unzutreffend und irreführend. Hierzu wollen wir gerne Folgendes festhalten:

1. Bereits im alten offiziellen kirchlichen „Ablaßbuch“ (z.B. der Ausgabe von 1939), in dem  eine Auflistung aller (!) gültigen (!) Ablaß-Gebete enthalten ist, fehlen diese Birgittengebete, folglich gehören sie nicht zu den amtlichen Ablaßgebeten. pic_526a50cce0863

Dies ist an sich ohnehin klar wegen der geradezu abenteuerlichen Versprechungen hinsichtlich der Befreiung von Seelen aus dem Fegefeuer bzw. diversen konkreten Heilsverheißungen.

Solche präzisen Zusagen sind schon deshalb unseriös, weil die Kirche über das Purgatorium (Fegefeuer, jenseitiger Läuterungszustand) keine direkte „Amtsgewalt“ ausüben kann, weshalb Ablässe für Verstorbene lediglich fürbitthalber wirken (können). Das hat die Kirche immer so gelehrt.

„Das Gepräge der Falschheit“

Näheres hierzu findet sich in dem altbewährten Buch „Die katholische Lehre von den Ablässen„, verfaßt von Jesuitenpater Josef Hilgers, erschienen in Paderborn 1914.

Dort heißt es auf S. 128 im Kapitel „Über echte und unechte Ablässe“:
„Viele der von den römischen Kongregationen als unecht bezeichneten Ablässe tragen schon durch ihre abenteuerlichen Sonderbarkeiten und überspannten Versprechungen das Geprägte der Falschheit an sich.“ kleines-rituale

Sodann wird dort auf  Seite 130 aus einer amtlichen, damals vom Papst bestätigten Erklärung der Ablaßkongregation von 1899 zitiert:

Als unecht„, so sagt die siebte Regel,sind die Ablässe zu verwerfen, die man in Büchlein (…) verbreitet, in welchen aus nichtssagenden oder sogar abergläubischen Ursachen und aus unsicheren Offenbarungen oder unter trügerischen Bedingungen Ablässe und Gnaden versprochen werden, welche dem kirchlichen Gebrauche zuwiderlaufen und das gewöhnliche Maß überschreiten.“

Kurz darauf heißt es:

„Aus den vielen möge es genügen, auf ein Gebet hinzuweisen, von dem man behauptete, es sei im Grabe unseres Heilandes gefunden und ehedem der hl. Elisabeth von Ungarn, der hl. Mechthildis und Birgitta geoffenbart worden. Dasselbe ist mit all seinen überspannten Versprechungen schon im Jahre 1678 und erst kürzlich wieder durch das Dekret vom 26. Mai 1898 von dieser hl. Kongregation als unecht verworfen worden.“

„Diese Ablässe sind für unecht zu halten“

Das Lehrbuch zitiert außerdem Folgendes aus den kirchenamtlichen Verfügungen:

„In der achten Regel heißt es: „Als erdichtet sind die Versprechungen in Blättern und Büchlein zurückzuweisen, wonach für das eine oder andere Gebet, das die Gläubigen verrichten sollen, eine oder mehrere Seelen aus dem Fegefeuer befreit würden, und die Ablässe, welche diesen Versprechungen noch beigefügt zu werden pflegen, sind für unecht zu halten.“

Auf S. 131 heißt es:
„Wie demnach derlei Behauptungen als unbegründet angesehen werden müssen, so sind auch die Ablässe, die man solchen Versprechungen beifügt, als unecht und völlig wertlos zurückzuweisen, umso mehr, da sie meistens zu den ungebräuchlichen und alles Maß überschreitenden Ablässen gehören.“

Auf der nächsten Seite  wird konkreter auf die Brigitta-Gebete mit „Verheißungen“ eingegangen –  und zwar im Rahmen einer Aufzählung unechter Ablaßgebete:

„Die Ablässe und extravaganten Verheißungen für das Gebet, welches   – wie man sagt – nach der Offenbarung der hl. Birgitta, der hl. Mechthildis und der hl. Elisabeth in dem Grabe unseres Herrn gefunden worden sei.“

Bei der Fußnote zu dieser Zeile heißt es:

Dieses Gebet, welches auch den Titel trägt „Brief Jesu Christi über die Blutstropfen, welche er auf seinem Gang zum Kalvarienberg vergoß,“ besteht in 7 Vaterunser,  Gegrüßet-seist-Du und Ehre-sei, die man 15 Jahre lang beten soll zu Ehren dieser 28.430 Blutstropfen, aufs neue als Fälschung verworfen durch das Dekret vom 26.5.1898.“

„Die größte Torheit“

Sodann heißt es auf dieser Seite weiter bei der Aufzählung unechter Ablässe:
„…die Ablässe, welche mit den fünfzehn Gebeten verbunden seien, die der Herr der hl. Birgitta von Schweden soll geoffenbart haben; die Versprechen, welche jedem gemacht sind, der während eines Jahres diese Gebete verrichtet, enthalten die größte Torheit und widersprechen den Grundsätzen des Glaubens.“

Rein grundsätzlich ist zu beachten, daß die katholische Kirche ausdrücklich lehrt (und dies auf dem Konzil von Trient bestätigte), daß auch fromme Gläubige keine absolute Heilsgewißheit besitzen. Diese „Gewißheit“ steht nämlich dem allwissenden Gott allein zu.

Nicht ohne Grund schrieb der Völkerapostel Paulus: „Bewirket Euer Heil mit Furcht und Zittern“  (Phil. 2,12).   – Damit wollte der hl. Paulus den damaligen Gläubige zu Philippi sicher keine panische Angst einjagen (gerade Paulus wäre hier der Letzte!), sondern vielmehr nüchtern an die „Furcht Gottes“ erinnern, also an die Ehrfurcht vor dem erhabenen  Gott, der sich nicht vor unseren Karren spannen läßt, auch nicht vor einen vermeintlich „frommen“ Karren.

Wir können unsen Seelenzustand letztlich nicht selbst vollgültig beurteilen, sondern GOTT ist unser Richter.

Deshalb schreibt Paulus an die Korinther: – Wenn sich schon ein Apostel Paulus zwar „nichts bewußt ist“ (keiner schweren Sünde), aber sich gleichwohl seiner „Rechtfertigung“ (Gnadenzustand) nicht gewiß ist, weil er diese Beurteilung GOTT überläßt, dann gilt das erst recht für alle Gläubigen.

Wer sich aufrichtig und ernsthaft bemüht, nach den göttlichen Geboten zu leben, die Sakramente gültig empfängt, Werke der Nächstenliebe vollbringt usw., der darf natürlich eine  hoffnungsfrohe „Heilszuversicht“ haben, aber eben durchaus keine vermessene Heilssicherheit für sich beanspruchen.

Eine absolute Heilsgewißheit kann man auch nicht über den „Umweg“ durch bestimmte Andachtsformen oder Gebete erwerben. Auch hinsichtlich kirchlich genehmigter Andachten (etwa den diversen Skapulieren) hat die Kirche stets vor leichtfertiger Gesinnung bzw.  vor einer „vermessentlichen Heilsgewißheit“ gewarnt.

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster