Warum der Rosenkranz ein biblisches Gebet ist

Von Felizitas Küble

Der Oktober gilt in der katholischen Kirche als „Rosenkranz-Monat“, der 7. Oktober wird schon seit Jahrhunderten als Rosenkranz-Fest begangen. 

Aus diesem Anlaß wird der Rosenkranz heute weltweit von den Gläubigen um 15 Uhr gebetet, wobei direkt aus Rom eine Andacht aus der Kirche „Santa Maria Maggiore“ mit Kardinal Fernando Filoni übertragen wird. (Livesendung dieses Rosenkranzes hier: https://www.ewtn.de/liveuebertragungen_und_sondersendungen)

Viele Protestanten, aber auch katholische Christen fragen nach dem Sinn des Rosenkranzes: Stellt dieses Gebet nicht zu sehr die selige Jungfrau in den Vordergrund? Wird Christus hierdurch nicht gleichsam an den Rand gedrängt?

Wer so fragt, scheint den Rosenkranz kaum zu kennen, denn gerade dieses Gebet ist ganz aus den „Fäden“ des Neuen Testamentes gewoben: Mehr als 3/4 der Sätze des Rosenkranzes stammen wortwörtlich aus der Heiligen Schrift.

Der Rosenkranz besteht hauptsächlich aus dem Vaterunser und dem Ave Maria (Gegrüßet seist Du, Maria). Diese Anrufung wiederum enthält zunächst den Gruß des Engels Gabriels an Maria, danach folgen die Worte der hl. Elisabeth, die sie – „vom Heiligen Geist erfüllt“ (so das Lukasevangelium)  – einst zu ihrer Verwandten sprach. 

Nach diesen beiden biblischen Abschnitten folgt das zu betrachtende Geheimnis („Gesätz“), das sich auf die Heilsgeschichte Gottes bezieht, größtenteils auf das Leben unseres Erlösers:

Beim freudenreichen Rosenkranz steht die Verkündigung und Geburt Christi im Mittelpunkt, beim schmerzhaften Rosenkranz sein Leiden und Sterben, beim glorreichen Rosenkranz seine Auferstehung und Himmelfahrt.

Diese innere Konzentration auf das Heilswerk Gottes wird sodann ergänzt durch die Anrufung: „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.“

Daß Maria heilig und die „Mutter Gottes“ ist, ergibt sich sowohl aus der Botschaft des Engels Gabriel wie auch aus dem erstaunten Ruf Elisabeths bei der Begegnung mit Maria: „Wie wird mir die Gnade zuteil, daß die Mutter meines HERRN zu mir kommt?“  – Der Titel „HERR“ bezieht sich sowohl im AT wie im NT stets auf Gott selbst. Um den „geschützten“ Jahwe-Namen zu vermeiden, haben Juden ihn durch andere Titel wie „der Ewige“, „der Allmächtige“ oder „der HERR“ ersetzt.

Zudem ergibt sich die Gottesmutterschaft Mariens allein schon aus dem Bekenntnis zur Gottheit Christi, denn Jesus ist Gott und Mensch zugleich – und Maria hat IHN als Gottmenschen geboren.

Es ist zudem nur gut, daß uns jedes Ave Maria daran erinnert, daß wir Sünder sind und daß uns der Tod bevorsteht. Genau diese  beiden Grundbefindlichkeiten unseres Daseins werden leicht verdrängt, da sie dem Menschen unangenehm erscheinen und ihn ständig an die nötige Umkehr zu Gott erinnern.

So weist uns der Rosenkranz auf die Heilsgeschichte hin, die gleichsam „an der Hand Mariens“ betrachtet wird. Im Zentrum steht das Erlöserwirken Christi und die vom Heiligen Geist inspirierten Worte des Gabriels und Elisabeths an Maria.

Somit wird deutlich, wie stark dieses Gebet aus dem Geiste und Buchstaben des Neuen Testaments geprägt ist.


Kann eine Erlöste zugleich Miterlöserin sein?

Von Felizitas Küble

Die traditionalistische Internetseite „Katholisches.info“ veröffentlichte bzw. übersetzte am 16. August dieses Jahres ein Interview mit dem angesehenen Mariologen und Dogmatiker P. Salvatore Maria Perrella OSM, der als Rektor der Päpstlichen Theologischen Fakultät Marianum tätig ist.

Dem hochrangigen Theologen wurde folgende Frage gestellt: „Die jüngsten Pontifikate waren alle marianisch wegen der großen Marienverehrung der Päpste. Sind Sie der Meinung, daß sie früher oder später zur Miterlöserin der Menschheit proklamiert wird, wie es Johannes Paul II. vorhatte?“

Die Frage enthält bereits eine Falschbehauptung, denn von einem solchen Plan des Papstes Johannes Paul II. kann keine Rede sein. Das bestätigt auch Pater Perella, indem er sagt: „Nein, das ist nicht wahr.“

Er fügt hinzu:

„Aufgrund meiner Arbeitserfahrung im Vatikan kann ich sagen, daß die Kirche ein Dogma der Corredemptrix, von Maria Miterlöserin, Mediatrix oder Fürsprecherin nicht befürwortet.“

Wobei diese Aussage nicht bedeutet, die Kirche lehne alle drei Titel inhaltlich ab, sondern lediglich, daß sie diese Titel nicht dogmatisieren  – also für „unfehlbar“ erklären – will.

Die Würdigung „Fürsprecherin“ (oder „Anwältin, Beistand“) für Maria ist schon in der alten Kirche  – sei es in Gebeten oder Predigten der Kirchenväter – eine Selbstverständlichkeit gewesen. Aber nicht jede Richtigkeit muß als Dogma verkündet werden, sonst würden solche Lehrverkündigungen überhandnehmen. Weniger ist hier eben mehr!

Zum Titel „Mediatrix“ (Mittlerin) ist zu sagen, daß dieser – richtig verstanden – in amtlichen Dokumenten der Kirche vorkommt, wobei aber fast immer erwähnt wird, daß allein Christus unser eigentlicher Mittler (zum Vater) ist, Maria hingegen ihre fürsprechende Mittlerschaft ganz in Abhängigkeit von Christus ausübt und IHM dient.

Maria wird in manchen päpstlichen Lehrschreiben der neueren Zeit als „Mittlerin der Gnaden“ bezeichnet, jedoch zugleich betont, daß Christus die Quelle aller Gnaden ist.

Was nun aber den Ausdruck „Miterlöserin“ angeht, so hat sich die Kirche seit 2000 Jahren nicht ohne Grund einer starken Zurückhaltung befleißigt, weil dieser Begriff zu den größten Mißverständnissen führen kann.

Auch Papst Benedikt bezeichnet ihn als „irreführend“: https://charismatismus.wordpress.com/2012/02/11/papst-titel-miterloserin-fur-maria-verdunkelt-den-wesentlichen-vorrang-christi/

Der Dreiklang Fürsprecherin/Mittlerin/Miterlöserin geht auf die „Marienerscheinungen“ von Amsterdam zurück, in welchem eine Dogmatisierung dieser Titel gefordert und angekündigt wird.

Zurück zum Interview mit Prof. Perella. Dieser stellt klar: 

„Johannes Paul II. hat uns in „Redemptoris Mater“ (Nr. 38–41) seine Theologie nicht über die Miterlösung, sondern über die mütterliche Vermittlung Mariens in Christus, mit Christus und durch Christus hinterlassen.

Johannes Paul II. hat in seinem maßgeblichen Lehramt niemals den Ausdruck Miterlöserin verwendet, der an sich nicht falsch ist, aber, losgelöst gebraucht, die Vorstellung befördern könnte, daß Maria als Gefährtin des Erlösers notwendig sei.

„Lumen Gentium“ (2. Vatikanum) lehrt in der Nr. 60 aber eindeutig, daß das Mitwirken Mariens für das Heil nicht notwendig ist, da dieses allein dem Willen Gottes entspringt. Es ist wichtig, wenn zu diesen Dingen Klarheit herrscht.

Die beste Form der Marienverehrung, die ich mehr als mein Leben liebe, ist es, die wirkliche Glaubenslehre weiterzugeben, wie sie von der Kirche beglaubigt ist, und nicht persönliche Meinungen.“

Abschließend möge auch Folgendes bedacht werden:

Es gibt bereits das Dogma von der Immaculata, also der makellos empfangenen Gottesgebärerin Maria.

In diesem Glaubenssatz heißt es ausdrücklich, daß die Madonna vom ersten Augenblick ihrer Existenz vor jedem Makel der Erbsünde bewahrt blieb – und zwar durch die Gnade Gottes und „im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erlösers des Menschengeschlechts“.

Das  bedeutet: Maria ist  d i e  Erst-Erlöste und Voll-Erlöste des Neuen Bundes, die als erlösungsbedürftiges (!) Mitglied der Menschheit gnadenhaft vor der Erbsünde bewahrt blieb, um ihrem göttlichen Sohn als Mutter einen würdigen Tempel zu bereiten.

Da Marias Erlösung also gerade  d u r c h  das Immacula-Dogma bekräftigt wird (aber auch vorher kirchlich nie umstritten war), stellt sich an die „Super-Marianischen“ schon die (theo-)logische Frage, wie denn eine Erlöste zugleich „Miterlöserin“ sein könnte.

Natürlich sind wir alle dazu berufen, am Heilswerk Christi auf geschöpflicher Ebene mitzuwirken, uns in der Nachfolge Christi zu bewähren und so schon auf Erden etwas vom Reiche Gottes aufleuchten zu lassen.

Es besteht kein Zweifel, daß Maria als die Hochbegnadete des Neuen Bundes hierbei eine herausragende Rolle spielt, daß sie   d i e  Gesegnete unter allen Menschen ist, das höchste Geschöpf Gottes – aber eben gleichwohl ein GESCHÖPF, wohingegen Christus unser aller Erlöser ist, auch der Erlöser seiner auserwählten Mutter.

Nicht ohne Grund bekennt Maria in ihrem Magnificat: „Mein Geist jubelt über Gott, meinen RETTER.“


Valtortas blühende Phantasie: Christi letztes Wort am Kreuz lautete „Mama“…

8. Teil unserer Serie über „Valtortas Irrtümer“

Die 12 Bände mit dem Titel „Der Gottmensch“ von Maria Valtorta geistern seit Jahrzehnten durch fromme katholische Kreise. Ich kenne sogar evangelische Christen, die alle Bände sammeln und die Visionen und Einsprechungen der „Seherin“ ernst nehmen.

Dabei standen die Valtorta-Bücher mit Recht auf dem vatikanischen Index, also der Auflistung „verbotener Bücher“. Der Index wurde durch das 2. Vatikanum abgeschafft; freilich ist er moralisch nach wie vor bedeutsam, denn die jeweiligen Werke kamen ja nicht ohne Grund auf eben diesen Index.

Valtortas grenzenloser Kitsch  – Jesus und Maria sind ständig mit dem „Liebkosen“ und „Küssen“ ihnen nahestehender Personen beschäftigt –  ist allein schon Grund genug, um zu wissen, daß dieser sentimentale Sermon nicht von „oben“ diktiert sein kann.

Zudem stellt sich die Frage, warum der Himmel sich nach fast zweitausend Jahren Wartezeit plötzlich „durchringen“ sollte, die schmalen Evangelien-Berichte durch Endlos-Erzählungen auszuschmücken, die sich über 12 dicke Bände hinziehen.

Im übrigen ist nicht nur der Stil dieser Visionärin mehr als blumig und von einem unentwegten Karussell der Gefühle geprägt, auch inhaltlich liegt eine ganze Menge im Argen. Wir haben dies in den bisherigen sieben Artikeln aus unserer Serie bereits genau nachgewiesen.

Hier ein weiteres Beispiel:

Es gibt bekanntlich sieben Worte Jesu am Kreuz, die biblisch überliefert sind. Aber Valtorta weiß es natürlich besser; ihr soll der HERR durch übernatürliche Einsprechungen geoffenbart haben, daß sein letztes Wort in Wirklichkeit……

……aber klar doch: MAMA….

lautete. So wünscht sich das vielleicht eine italienische „Seherin“, so stellt sie sich das Heilswerk Christi vor: mehr natürlich als übernatürlich!

Aber Christus hat als Gott-Mensch am Kreuz in freier Entscheidung ein Erlösungsgeschehen vollzogen – und selbstverständlich galt sein letztes Wort dem himmlischen Vater, mit dem er „eines Wesens“ ist – und nicht seiner irdischen Mutter, so nahe ihm Maria sicherlich menschlich und geistlich verbunden war.

Im 11. Band kann  man auf S. 281 nachlesen, der letzte große Ruf Christi am Kreuzesstamm sei das Wort „Mama“ gewesen. Dieser „gewaltige Schrei“ habe die Stille zerrissen, danach sei Jesus verstorben.

Danach folgen „dramatisch“ erscheinende Szene, in denen sich Maria wie eine Hysterische benimmt, sich bis zum Boden krümmt und wild herumschreit: „Ich habe keinen Sohn mehr“.

Auch das ist theologisch unsinnig, denn die wahre Gottesmutter war eine gläubige Frau, die keineswegs davon ausging, mit dem Tod sei alles aus.

Fotos: Archiv, Petrusbruderschaft

 


Soll der Papst die Gottesmutter demnächst in Fatima als „Miterlöserin“ definieren?

Von Felizitas Küble

Die „Internationale Marianische Gesellschaft“ (International Marian Association) veröffentlichte zu Neujahr 2017 eine Abhandlung unter dem Titel „Die Rolle Mariens im Erlösungswerk“. Darin wird Papst Franziskus gebeten, er möge bei seinem Besuch in Fatima am 13. Mai 2017 die selige Jungfrau Maria als „Miterlöserin mit Jesus, dem Erlöser“ würdigen.

Wer nun etwa meint, ein solcher Ehrentitel würde allein in der evangelischen Christenheit für Erstaunen sorgen, irrt sich. Dieser Begriff findet sich bei keinem einzigen katholischen Kirchenlehrer der christlichen Antike und des Mittelalters, geschweige hat ihn je ein Konzil verwendet.

Dabei gäbe es durchaus – um einige Windungen und Wendungen herum – eine zutreffende theologische Deutung dieses Ausdrucks, der aber gleichwohl insgesamt mißverständlich bis irreführend bleibt. Daher sollte der Papst auf eine solche Titulierung für die Madonna aus meiner Sicht verzichten.

Der richtige Teil-Gedanke in dem Wort „Miterlöserin“ besteht darin, daß wir Christen alle in einer gewissen Weise MITarbeiter am Heilswerk Christi sind und sein dürfen – durch Gottes Gnade wohlgemerkt.

Der heilige Paulus schreibt, daß wir mit unseren „Leiden ergänzen, was an den Leiden Christi noch fehlt“  –  nämlich für seinen Leib, die Kirche (vgl. Kol 1, 24). Zudem erklärt der Völkerapostel: „Wir sind Mitarbeiter Gottes“ (1 Kor 3, 9).

Natürlich ist die Mutter des HERRN in besonderer, ja in einzigartiger Weise MITarbeiterin ihres göttlichen Sohnes, die größte Fürsprecherin im Himmel und Königin der Engel und Heiligen; man kann die selige Jungfrau wegen ihrer herausragenden Stellung im Erlösungswerk gleichsam als „Gefährtin“ Christi bezeichnen, zumal sie fest stand im Glaubensgehorsam und in der liebevollen Treue bis unter das Kreuz. 

Der Begriff „Miterlöserin“ birgt jedoch zahlreiche Irritationen und Mißverständnisse, zumal Maria selber eine Erlöste ist, wie gerade die kirchliche Lehre von ihrer makellosen Empfängnis belegt, denn diese Begnadigung bestand schließlich in einem Akt der Voraus-Erlösung im Hinblick auf das Heilswerk Christi (Bewahrung vor der Erbsünde).

Die Immaculata (unbefleckt Empfangene) ist das vom Schöpfergott hochbegnadete Geschöpf, weil es das Erlösungswerk Christi gibt, das bei Maria schon vorweg und vollständig wirksam werden konnte. Sie ist daher die Erst-Erlöste des Neuen Bundes  –  und zugleich die Voll-Erlöste, auch wegen ihrer Aufnahme in den Himmel mit Leib und Seele.

Aber auch eine vollendet Erlöste wird dadurch nicht zur „Miterlöserin“, vielmehr gehörte auch sie zur erlösungsbedürftigen Menschheit und lebte aus der Gnade Gottes (sie ist die Jungfrau „von Gottes Gnaden“)  –  und sie schöpfte ihre Verdienste und „Privilegien“ aus dem Heilswerk Christi; sie sagte in Freiheit JA zum Höchsten und handelte danach, denn Gott wünscht sich die Menschen nicht als Marionetten, sondern als freie Geschöpfe.

Maria ist also selber eine Erlöste, keine Erlöserin, auch keine „Miterlöserin“. Ihre Vor-Erlösung geschah im Hinblick auf die Verdienste ihres göttlichen Sohnes. Wäre sie an seinem Heilswerk in einem wesentlichen, eigentlichen Sinne mitbeteiligt, dann hätte sie sich gleichsam selber „miterlöst“, was ein Widerspruch in sich selber wäre.

Auch Papst Benedikt hat den Titel „Miterlöserin“ für die Madonna eindeutig abgelehnt und mehrfach seine theologischen Bedenken geäußert, die sich nicht etwa in ökumenischer Rücksichtnahme erschöpfen. (Näheres dazu siehe hier:  https://charismatismus.wordpress.com/2012/02/11/papst-titel-miterloserin-fur-maria-verdunkelt-den-wesentlichen-vorrang-christi/)

Es geht keineswegs in erster Linie darum, Protestanten nicht „vor den Kopf zu stoßen“; vielmehr soll die katholische Lehre über Maria und ihre einzigartige Stellung im Heilsgeschehen verdeutlicht werden, ohne sie zu überspannen oder die Schwerpunkte unausgewogen zu verlagern.

Gerade wenn man die kirchliche Tradition (die nicht erst im 17. oder 19. Jahrhundert beginnt!) ernst nimmt, wird man mit  „Neuerungen“ dieser Art vorsichtig sein.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Jugend-Verlag in Münster und das Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt