Nur Heilung statt Heiligung in Coronazeiten?

Von Prof. Dr. Wolfgang Ockenfels

Metaphysisch fest steht der Satz: Alle Menschen sind sterblich. Sterben muß jeder, doch nur wann? In dieser Frage haben mutatis mutandis Mediziner, Politiker und Medien einen großen Vorsprung vor den Theologen und den kirchlichen Seelsorgern.

Diese leben in Abhängigkeit von jenen, welche die virulente Macht des Schicksals so wirksam verwalten. daß nicht einmal deren Widersprüche von Kirchenleuten bemerkt werden. Diese sind schließlich keine Gesundheitsexperten und unterwerfen sich allzu schnell den wissenschaftlichen Hypothesen, den politischen Entscheidungen und den medialen Meinungen, die nicht selten dogmatisch angenommen werden wie göttliche Offenbarungen.

„Gesundheit ist das höchste Gut“ – anstelle Gottes, der früher einmal als summum bonum verherrlicht wurde. Heute muß Gott, um anerkannt zu werden, der Gesundheit dienen und die Religion therapeutischen Zwecken. Heilung statt Heiligung steht auf dem modernen theologischen Programm, das sich vom Kreuzes- und Opfertod Christi gelöst hat und sich vor allem der Leidensüberwindung widmet.

Sinnfragen nach dem Woher und Wohin des Lebens oder nach dem Einklang mit Gott und Gewissen gelten als rein privat und indiskret, also als höchst verdächtig.

Die überzogene Sorge um die eigene Gesundheit macht einen ganz krank, so sehr, daß die Ärmsten der Armen ihrem natürlichen Tod durch Selbsttötung zuvorkommen möchten. Oder daß sie den Tod anderer, angeblich „lebensunwerter“ Menschen durch Euthanasie billigend in Kauf nehmen oder beschleunigen wollen. Auch das gehört zu den unbeachteten Folgen der Corona-Pest.

Die Zehn Gebote enthalten die Verheißung: Auf daß es Dir wohlergehe und Du lange lebst auf Erden. Aber wozu ein langes Leben, wenn es keinen transzendenten Sinn mehr hat? Es willkürlich zu beenden, wenn es nicht mehr als „lebens-wert“ gilt, ist die Kehrseite jener fixen Idee, die das ewige Leben schon im Diesseits finden will.

Diesem Geschäftsmodell waren schon im 19. Jahrhundert etli-che Scharlatane und Quacksalber verpflichtet, vor allem der sagenhafte Graf von St. Germain, der mit seinem „aqua benedetta“ eine endlose Lebensverlängerung verhieß.

„Das Leben ist kurz und unwiederbringlich“, meinte dagegen Hans M. Enzensberger. Einer anderen Geistesgröße, nämlich dem Philosophen Ludwig Wittgenstein, kann man das klassische Wort – etwas abgewandelt – unterstellen: „Worüber man nicht schweigen kann, darüber muß man reden.“

Was die Kirchen, speziell die katholische, zu Corona zu reden und zu sagen haben, ist eher dürftig, manchmal auch peinlich und zudem wenig trostreich. Sie werden ohnehin meist als „alte Damen und Herren“ wahrgenommen, also als bevorzugte Opfer der Corona-Seuche markiert, auf die man auf „soziale“ Distanz geht, um sich nicht anzustecken zu lassen oder ansteckend zu wirken.

Sie gehören zu den üblichen Kontaktgesperrten, deren mangelnde „Systemrelevanz“ nicht selten zu einer Überkompensation eben dieses Mangels führt, indem sie sich besonders eifrig den stets neuen und oft paradoxen Regulierungen des „Systems“ gehorsamst unterwerfen. Und zwar ohne diese „kritisch zu hinterfragen“.

Jetzt sind diese vormals „linken“ Protagonisten der Sozialtheologie plötzlich sehr systemfromm geworden, befinden sich aber in einem Dilemma: Sollen sie nun den politisch-autoritären, rechtlich zwingenden Befehlen folgen – oder orientieren sie sich an „alternativen“ Vorschlägen, deren naturwissenschaftlichen Wahrheitsanspruch sie nicht zu erfassen vermögen.

Was haben die Prälaten und ihre Ratgeber eine Ahnung oder gar Kompetenz, über Naturwissenschaften zu urteilen? Gilt hier etwa das Mehrheitsprinzip als Wahrheitskriterium? Mir scheint, sie glauben einfach zuviel und können dies nicht rational rechtfertigen.

Deshalb gehorcht man besser der staatlichen Obrigkeit, wenigstens einstweilen. Abgerechnet wird später, wenn objektiv vergleichbare Daten halbwegs verfügbar sind.

Man habe bitte Verständnis für die momentan desolate Lage der Kirche(n). Sie haben erhebliche finanzielle Einbußen zu erleiden, leiden an Mitglieder- und Glaubensschwund, leisten sich innerkirchliche Reformdebatten über den „synodalen Weg“, der sie „Los von Rom“ bewegt – und wissen sich kaum noch jenseits der medial neu skandalisierten Mißbrauchsdebatten zu artikulieren.

Das alles wird die Kirche, die sowas bisher kaum erlebt hat, auch nach Corona überleben, wenn auch ziemlich geschwächt. Und sogar dann, wenn das Virus permanent mutieren sollte und man mit Impfungen nicht mehr nachkommt.

Die Pandemie und die Maßnahmen gegen sie werden wohl auch in der staatlichen und ökonomischen Ordnung tiefgreifende Änderungen und hohe Defizite hinterlassen. Plötzlich lassen sich nationale Grenzen abriegeln, sogar gegenüber Migranten und Touristen. Die modernen Fortschritts- und Wohlstandserwartungen werden massenhaft enttäuscht.

Und die Staatseingriffe sind mit den bisherigen freiheitlichen Ordnungsvorstellungen von Rechtsstaat, Demokratie und sozialer Marktwirtschaft kaum mehr vereinbar. Wo ist die Susidiarität geblieben?

Alles könnte sich noch autoritärer und zentralistischer aufspielen als bisher. Das würde auch die traditionelle katholische Soziallehre verändern. Natürlich gehört die personale Selbsterhaltung zu den inclinationes naturales, die Thomas von Aquin rechtfertigte. Aber legitimiert sie auch obrigkeitliche Eingriffe der einschneidenden Art, wie wir sie derzeit erleben?

Wer hätte das gedacht, daß solche Einschränkungen der Freiheitsrechte so schnell und lautlos über die Bühne gehen können? Nicht einmal die öffentlich-rechtlichen Repräsentanten christlicher Gemeinschaften haben gegen die problematischen Einschränkungen der Freiheitsrechte, insbesondere der Religionsfreiheit, hörbar protestiert. Aber wogegen?

Die Natur, oft verklärt als göttliche Schöpfung, die es unbedingt zu „bewahren“ gilt, sorgt zuweilen für Katastrophen, die keiner gewollt hat. Auch nicht die Fortschrittsakteure und Verteidiger einer naturnotwendigen Evolution von Mutation und Selektion, die jetzt das Schicksal für sich reklamieren.

Auf ungeplante Ereignisse und Entwicklungen der göttlichen Art kann man nur noch hoffen. Am Ende sind wir alle am Ende – oder an einem neuen Anfang.

Wir danken dem Autor für seine freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung dieses Editorials seiner Zeitschrift „Die neue Ordnung“ (aktuelle April-Ausgabe) siehe hier: http://www.die-neue-ordnung.de/


Teuflischer Kreislauf und (un)geistlicher Missbrauch durch „Heilung und Befreiung“

Von Felizitas Küble

Es ist schon einige Zeit her, als ich mit einer jungen Frau, die durch Exerzitien im charismatischen „Haus Raphael“ in Hessen (Bad Soden-S.) psychisch und gesundheitlich erheblich geschädigt wurde, ein längeres Gespräch führte.

Die gläubige Katholikin war wegen dieser schlechten Erfahrungen mit einem Fuß aus der charismatischen Szene ausgestiegen – und mit dem anderen Fuß stand sie beharrlich weiter mittendrin. Man könnte auch sagen: sie hinkte auf beiden Beinen.

Obwohl sie nach dem sog. „Ruhen im Geist“ (Rückwärtskippen in Trance), das in schwarmgeistigen Kreisen weit verbreitet ist, seelisch schwer zu leiden hatte und sich gar dämonisch attackiert fühlte, wandte sie sich zwar gegen diesen „Hammersegen“ (wie ich ihn nenne), verteidigte aber ansonsten nach wie vor die charismatischen Seminare, weil dort ja „nicht alles schlecht“ sei.

Nun ist wohl klar, daß es auf dem weiten Erdenrund selten etwas gibt, das 100% negativ wäre – meist handelt es sich um eine Mischung aus gut und schlecht. Allerdings kommt es darauf an, so erklärte ich der Geschädigten, wie die Wurzel beschaffen ist.

Sie erzählte mir dazu ihre Geschichte:

Ihre Mutter besuchte das charismatische Evangelisationszentrum Maihingen im Schwarzwald, das seit Jahrzehnten in den entsprechenden Kreisen sehr bekannt ist. Von dort wurde sie und auch die Tochter – meine Gesprächspartnerin also – weitergeschickt nach Bad Soden-Salmünster zu den dortigen „Heilungs“-Seminaren in Haus Raphael (das freilich kirchlich nicht anerkannt ist).

Soweit – so ungut, denn was dort geschah, kann aus meiner Sicht nur als geistlicher Missbrauch bezeichnet werden.

Nun argumentierte die Betroffene folgendermaßen:

Es sei zwar schlimm, daß in Maihingen auch viele Leute „umkippen“, aber gut sei es doch, daß indische Heiler die „Belasteten“ durch einen Exorzismus wieder befreien.

Ich widersprach: Das sei ein teuflischer Kreislauf, sie habe es doch selbst erlebt: Mit dem vermeintlichen „Ruhen im Geist“, das dort als Glaubenserlebnis gepriesen wird, hätte sie äußerst bedrückende Erfahrungen gemacht, die sie dann mit einem pseudo-exorzistischen „Befreiungsgebet“ wieder loswerden wolle.

Also werde doch unter einem Dach ein buchstäblicher „Teufelskreis“ praktiziert und die Ratsuchenden in eine Achterbahn der Gefühle geworfen: Erst sollen sie in Zimmer 1 gleichsam auf der Wolke schweben (im „Geiste“ ruhen), hinterher – wenn ihnen „das“ nicht bekommt – sollen sie in Zimmer 2 von „Dämonen“ exorziert werden.

Damit werde zuerst ein Problem geschaffen, um es dann vermeintlich zu „lösen“, in Wirklichkeit werden Gläubige gleich mehrfach in irrgeistiger Weise verwirrt und auf spirituelle Abwege gebracht, die mit einer bodenständigen und besonnenen Frömmigkeit nichts mehr zu tun haben.

Hier sei die Wurzel schon hochproblematisch, somit das Weitere auch entsprechend abzulehnen.

Die junge Frau brachte den Einwand: Es kann keineswegs die ganze Wurzel schlecht sein: „Der Teufel würde doch nicht wünschen, daß Dämonen ausgetrieben werden, der ist doch nicht saublöd!“

Ich entgegnete: „Der Kellergeist ist nicht nur keineswegs saublöd, er ist sogar sauschlau!“

Sie: „Das sage ich doch!“

Ich: „Aber durch solche Schein-Erfolge wie eine vermeintliche Dämonenaustreibung verführt er die Gläubigen noch tiefer hinein in diesen Teufelskreis einer angeblichen „Heilung“ durch den Hammersegen – und wenn das nicht klappt, sondern zur Belastung wird, dann schreitet man zur exorzistischen „Befreiung“ – was das Problem aber nicht löst, sondern verschärft.“

Sie meinte, ich könne solche schlechten Erfahrungen, wie sie diese selber erlebt habe, nicht verallgemeinern.

Ich erklärte, das wolle ich auch gar nicht: „Auch ein charismatisches Huhn findet mal ein Korn“ – aber es komme auf den Ansatz, auf die Grundlage an – und die sei grundsätzlich problematisch, selbst wenn es vereinzelt zu Erfahrungen käme, die von den Betreffenden als positiv empfunden werden.

Immerhin könne Gott auch auf krummen Zeilen gerade schreiben, was aber nichts an der Krummheit der Zeilen ändere, sondern auf Gottes Barmherzigkeit und Langmut zurückzuführen sei.

Sie erinnerte an das bekannte Bibelwort: „Der Geist weht, wo er will.“

Ich: „Ja, der Geist weht, wo ER will – denn Gottes Geist ist für uns nicht verfügbar, kann nicht eigenmächtig herbeizitiert und von uns vereinnahmt werden, ER ist eine göttliche Person und keine emotionale Energie oder Kraft.“

Zudem erinnere ich sie daran, daß Christus selbst verkündet hat, keineswegs alle Teufelsaustreiber würden sich gleichsam automatisch im Stande seiner Gnade befinden, nur weil sie mit gerade dieser Aufgabe zugange sind.

Bei seiner Warnung geht es wohlgemerkt um christliche Exorzisten, wie sich aus dem Zusammenhang und Wortlaut („…in deinem Namen…!) eindeutig ergibt:

Mt 7,21 ff:

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Nicht jeder, der HERR, HERR zu mir sagt, wird in das Himmelreich gelangen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt.
Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: HERR, HERR, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten, haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Wunder vollbracht?
Dann werde ich ihnen antworten: Ich habe euch nie gekannt. Hinweg von mir, ihr Übeltäter!

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Groll und Zorn sind abscheulich, nur der Sünder hält daran fest

Heutige liturgische Sonntagslesung der kath. Kirche:
Jesus Sirach 27,30.28,1-7.

Groll und Zorn, auch diese sind abscheulich,
nur der Sünder hält daran fest.
Wer sich rächt, an dem rächt sich der HERR;
dessen Sünden behält ER im Gedächtnis.
.
Vergib deinem Nächsten das Unrecht,
dann werden dir, wenn du betest, auch deine Sünden vergeben.
Der Mensch verharrt im Zorn gegen den andern,
vom HERRN
aber sucht er Heilung zu erlangen?
.
Mit seinesgleichen hat er kein Erbarmen,
aber wegen seiner eigenen Sünden bittet er um Gnade?
Obwohl er nur ein Wesen aus Fleisch ist,
verharrt er im Groll, wer wird da seine Sünden vergeben?
.
Denk an das Ende, lass ab von der Feindschaft,
denk an Untergang und Tod, und bleib den Geboten treu!
Denk an die Gebote, und grolle dem Nächsten nicht,
denk an den Bund des Höchsten, und verzeih die Schuld!
.

P. Bernhard Vosicky und die Charismatik: Warum das Heil wichtiger als die Heilung ist

Von Felizitas Küble

Im ersten Teil unserer Berichterstattung über das seelsorgliche Wirken des Zisterzienserpaters Bernhard Vosicky haben wir uns mit seiner Nähe zur erscheinungsbewegten (vgl. Medjugorje) und zur charismatischen Szene befaßt, z.B. seiner Zusammenarbeit mit der schwarmgeistigen, deutsch-indischen Nonne Sr. Margaritha Valappila.

Der österreichische Mönch, der von seinem Orden selbst „vor allem als Heiler“ angesehen wird, äußert sich in der 2015 erschienenen Biographie „Nur die Liebe heilt“ auch zum Exorzismus und dem sog. „Befreiungsdienst“.

Diesen Punkt wollen wir im 2. Teil weiter vertiefen.

Dabei erwähnte ich bereits die Problematik des charismatischen „Befreiungsgebets“, das zwar formal nicht identisch mit einem Exorzismus ist, jedoch ebenso wie dieser von der Voraussetzung ausgeht, der betreffende Person sei besessen  –  oder zumindest dämonisch „belastet“, so daß unreine Geister ausgetrieben bzw. „okkulte Bindungen“ durch Formelsprüche („Befreiungsgebete“) weggetrennt werden müßten.

Für die auf diese Weise „therapierten“ Gläubigen führt dies nicht selten zu großer Verunsicherung, Verängstigung und innerer Zerrissenheit, bisweilen auch zu psychosomatischen Störungen. Statt „Befreiung“ erfolgt somit das genaue Gegenteil.

Wovon sollen die Betroffenen denn „befreit“ werden, wenn sie (so der Regelfall) gar nicht besessen waren?!

Eine solche wird ihnen in charismatischen und pfingstlerischen Kreisen vielmehr eingeredet, wie ich aus zahlreichen Kontakten mit Aussteigern weiß. Auch „esoterische“ Sünden und Irrtümer  – so traurig sie sind –  führen keineswegs automatisch zu okkulter „Belastung“, wie dies leider ständig in fanatischen Schwärmerkreisen behauptet wird.

In seinem Buch „Nur die Liebe heilt“ schreibt Pater Vosicky, es sei wohl der Beruf seines Vaters (der erfolgreicher Arzt war) gewesen, „der in mir die Liebe zum Heilen wachsen ließ“ (S. 29).

Doch gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.

Für den Dienst des Priesters steht nämlich nicht die „Heilung“ im Vordergrund (weder die körperliche noch die psychische), sondern das Heil in Christus durch Wort und Sakrament. Dies kann bisweilen zu dieser oder jener Heilung führen, muß aber nicht, denn es gibt hier keinen gleichsam magischen Automatismus.

Daß Pater Bernhard viel zu schnell und leichtgläubig von einer dämonischen Umsessenheit (circumsessio) ausgeht, wenn er bei Menschen bestimmte Phänomene vorfindet, zeigt der Abschnitt „Das hässliche Wesen des Fluches“ (S. 85 ff):

Folgende „seltsame Symptome“ benennt der Mönch: „Sie erleiden unerklärliche seelische, geistige oder körperliche Schmerzen, manchmal mit Versuchungen zum Selbstmord, manche erleben nächtliche Albträume, diffuse Störungen wie Schattensehen, Fratzen, Kältegefühle oder mentale Blockaden“.

Hierbei handle es sich um eine „dämonische Störung“, so der Pater, wobei er sich auf den Pallotiner Jörg Müller (Psychologe und ebenfalls Medjugorje-Anhänger) beruft – genau gesagt auf dessen Buch „Verwünscht, verhext….“, das wir bereits vor vielen Jahren kritisch beleuchtet haben:

Warum sollen nun die genannten Symptome  – mögen sie auch wirklich mehr oder weniger „seltsam“ sein –  eine „dämonische“ Belastung darstellen? Mit dieser „Logik“ könnte man wohl ein Viertel des Volkes – zumindest zeitweise  – als Fall für den Exorzisten zusammenspinnen.

Doch Pater Bernhard, der diese Phänomene als häufige Folge von „Verfluchungen“ ansieht, weiß Abhilfe dagegen im sog. „Kampf gegen die Dämonen“:

„Der Erfolg des Befreiungsdienstes bei dämonischen Störungen hängt allerdings ganz wesentlich vom Charisma des jeweiligen Priesters, von seiner seelischen Verfassung, Glaubenskraft und Demut ab“ (S. 89).

Sicherlich wird der zuständige Bischof für den eher seltenen Fall eines Exorzismus einen bewährten, erfahrenen und soliden Geistlichen beauftragen, nicht etwa einen Junggeweihten oder Alkoholkranken etc. – Dennoch ist das Wort Christi und das kirchliche Ritual mindestens genauso wichtig wie die persönliche Verfassung des Exorzisten.

Aber der Autor stiftet allein schon damit Verwirrung beim ungeübten Leser, indem er mal vom kirchlichen Exorzismus und dann wieder vom charismatischen „Befreiungsdienst“ schreibt, womit diese unkirchliche Schwärmerpraxis aufgewertet wird, zumal keine klare Abgrenzung stattfindet.

Aufschlußreich erscheint auch das Kapitel „Was tun bei okkulten Phänomenen?“ (S. 164 ff):

Er beschreibt den „Fall eines jungen Mannes“, der im Beisein einer Gruppe „von uns Priestern“ regelrecht tobte:

„Der Dämon sprach in einer dem Besessenen nicht vertrauten Sprache mit uns Priestern….Plötzlich fing der Dämon an, der durch den Mund des jungen Mannes sprach, die Sünden der anwesenden Priester detailliert aufzuzählen. Schockierte Blässe oder tiefe Schamesröte breiteten sich auf den Gesichtern der Geistlichen aus.

Daher suchte ich mir ein stilles Eck und stellte mich sofort für Beichtmöglichkeit zur Verfügung.“

Zunächst ist ausdrücklich von „uns“ Priestern die Rede, doch beim Sündenaufzählen fehlt dieses solidarische Wort plötzlich, jetzt sind es die Sünden „der“ anwesenden Priester, auf deren Gesichtern sich Schamesröte ausbreitet etc.

War also demzufolge Pater Bernhards Sündenregister nicht von dem (angeblichen oder tatsächlichen) unreinen Geist ausgeplaudert worden? Oder hatte er schlicht keines aufzuweisen? Immerhin hat der Mönch sich für die anderen (!) Geistlichen gleich als Beichtvater „zur Verfügung gestellt“.

Abschließend  heißt es, dieses Beispiel zeige, wie ernst man die Dämonen nehmen müsse und daß Gott in diesem Dienst Priester benötigt, „die reinen Herzens sind und nach dem Willen Gottes leben“.

Also solche begnadeten Geistlichen wie Pater Bernhard?

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Pater Bernhard Vosicky: Exorzist und „Heiler“?

Von Felizitas Küble

Das Erzbistum Wien wird seit Jahrzehnten von Kardinal Christoph  Schönborn (siehe Foto) geleitet, der außerhalb seiner Diözese in „frommen“ Kreisen vor allem als begeisterter Anhänger der „Marienerscheinungen“ von Medjugorje bekannt ist, die seit fast vierzig Jahren andauern, wobei drei der sechs Seher/innen  – eigenen Angaben zufolge –  immer noch tägliche (!) Botschaften der Madonna erhalten.

Jährlich veranstaltet Erzbischof Schönborn im Herbst eine große Medjugorje-Jubelfeier im Wiener Stephansdom, meist mit Live-Auftritt einer Person aus der Medju-Seherschar, wobei es bisweilen direkt an Ort und Stelle zu einer „Erscheinung“ kommt.

Kein Wunder bei solch „aufregenden“ Vorgängen, daß neugierige oder auch visionsbewegte Schäflein gleich in Scharen kommen, voriges Jahr immerhin über 3000 Gläubige (und Abergläubige).

Laut Kathpress-Medienbericht befand sich unter den Gästen auch Maximilian Heim, Abt des namhaften Ziensterzienser-Stift Heiligenkreuz im Wienerwald (Niederösterreich).

Mehrere Mönche des dortigen Klosters treten seit langem für Medjugorje ein, darunter der bekannte Pater und Professor Karl Wallner OCist (siehe hierzu unser Bericht von 2012: https://charismatismus.wordpress.com/2012/02/12/pater-karl-wallner-und-die-fruchte-von-medjugorje/).

Zur Medjugorje-Veranstaltung im Stephansdom am 19. September 2019 kam zudem sein Mitbruder Bernhard Vošicky, der dort vor den Besuchern über seine eigene Tumorheilung gesprochen hat

Der vielgereiste Ordensmann ist im charismatischen Spektrum  kein Unbekannter. 

In ihrem Buch „Unterwegs mit Jesus“ berichtet die deutsch-indische Nonne Margaritha Valappila, daß Pater Vosicky gemeinsam mit ihr Exerzitien im Seminarzentrum von Bad Soden-Salmünster hielt, wobei dieses ihr schwarmgeistig geprägtes „Haus Raphael“ kirchlich nicht anerkannt ist: Das Bistum Fulda hat sich im Amtsblatt längst ausdrücklich davon distanziert, weshalb das Exerzitienhaus sich nicht als „katholisch“ bezeichnen darf.

Aber dabei wächst offenbar zusammen, was zusammengehört, denn beide – die Ordensschwester in Hessen und der Ordensbruder im Wienerwald – verstehen sich gleichsam als „Heiler“, natürlich nicht im spiritistischen bzw. esoterischen Sinne, sondern im Auftrag des Himmels und mithilfe des Heiligen Geistes, wie dabei treuherzig versichert wird.

Vor fünf Jahren brachte der Kloster-eigene Be&Be-Verlag eine begeisterte Lebensbeschreibung von und über Pater Bernhard Vosicky heraus.

Das Buch mit dem TitelNur die Liebe heilt: Erzählungen über das Wirken Gottes in meinem Leben“ beruht auf Interviews, die der Konvertit und Theologe Hinrich E. Bues mit dem „Heilungspriester“ geführt hat. Auch Dr. Bues steht der katholischen Charismatischen Erneuerung nahe.

Schon das Vorwort von Pater Karl Wallner liest sich teils wie eine vorzeitige Heiligsprechung.

Immerhin fehlt Pater Bernhard nicht an der hierfür erforderlichen „Demut“, denn das Editorial verrät uns über das Zustandekommen der Biographie: „Natürlich hat sich Pater Bernhard geziert wie eine Primadonna  – nein, wie ein demütiger Mönch.“

Daß Pater Bernhard „gescheit ist“ und aus einem „weiten Schatz des Wissens schöpft“, wollen wir dem Autor gerne glauben, zumal der Angepriesene auch als Professor für Liturgie in Heiligenkreuz tätig ist.

Merkwürdiger klingt es freilich, wenn es auf S. 11 weiter heißt, P. Bernhard sei „vor allem ein Heiler“.

Ein Heiler also? – „Das ist seine Berufung. Er hat die Gabe des Lösens….Er lebt in einer Aura der Heilung“, bekräftigt Pater Wallner, früher ebenfalls Dozent in der Heiligenkreuzer Hochschule, inzwischen Direktor von „Missio“ in Österreich.

Nach zwei weiteren Seiten des Lobens versichert der Verfasser: „Nein, dieses Buch wird keine Heiligsprechung von Pater Bernhard.“

Es ist aber von einer Seligsprechung nicht weit entfernt:

Auf S. 14 schreibt Pater Wallner weiter, auch Dr. Bues sei in den „Bannkreis“ (!) der „Faszinationskraft“ von Pater Bernhard geraten.

Abschließend bezeichnet Wallner ihn als „phänomenalen Mitbruder“. Das Buch erzähle davon, daß Gott durch Pater Bernhard „heilend und heiligend“ in diese Welt ausstrahlen wolle.

Was mag es nun bedeuten, wenn ein Priester „vor allem ein Heiler“ ist?

Typisch charismatisch steht hier nicht das Heil im Vordergrund, sondern die sog. Heilung, zumal „Heilung und Befreiung“ sich als Lieblingsvokabeln in dieser Szene etabliert haben.

Noch merkwürdiger erscheint Wallners Erklärung: „Er hat die Gabe des Lösens.“ – Damit ist natürlich nicht die sakramentale Lossprechung bei der Beichte gemeint, weil diese Vollmacht schon durch die Priesterweihe verliehen wird.

Es geht vielmehr um das in der Schwärmerszene vielgepriesene „Binden und Lösen“ von angeblich okkulten Belastungen und Bindungen etc, die mit einer Spruchformel „abgetrennt“ (!) werden.

Womit wir bereits beim springenden Punkt wären – dem Exorzismus nämlich.

Auf S. 160 schreibt Pater Bernhard über dazu: „Mit diesem Sakrament der Heiligen Weihe ist dann auch die exorzistische Weihe gegeben. Dies bedeutet, daß jeder Priester auch den Exorzismus beten darf.“

Das darf er damit noch keineswegs, weshalb sein nächster Satz dem vorhergehenden widerspricht:

„Das Gebet über Personen, von denen angenommen wird, dass sie besessen sind, bedarf allerdings einer bischöflichen Erlaubnis“ – und zwar einer schriftlichen, wie er hätte präzisieren sollen. Zudem muß es der für ihn zuständige Ortsbischof (nicht irgendein Bischof) sein.

Ihm selber sei, so heißt es weiter, diese „Erlaubnis erteilt“ worden, also hat Pater Bernhard sie von Erzbischof Schönborn erhalten.

Kritisch wird es freilich, wenn der amtliche kirchliche Exorzismus (der nur unter strengen Auflagen erteilt werden darf) mit jenem „Befreiungsdienst“ verwechselt oder vermengt wird, wie er in charismatischen Kreisen ausgeübt wird, teils auch von Laien. 

Selbst wenn Priester sich diesem „Befreiungsdienst“ verschrieben haben, um die hohen Hürden eines bischöflich gestatteten Exorzismus zu umgehen, begeben sie sich auf eine höchst problematische Ebene.

Pater Bernhard Vosicky empfiehlt für exorzierenden Geistlichen gewisse „Schulungen“ mit solchen Priestern, die schon länger in diesem „Befreiungsdienst“ stehen. Glücklicherweise sei in den letzten Jahrzehnten die Zahl der „gut ausgebildeten Geistlichen“ gestiegen, so daß sich in Deutschland und Österreich inzwischen ein „großes Team für den Heilungs- und Befreiungsdienst entfaltet“ habe (S. 163).

Die Zahl bischöflich ernannter Exorzisten hält sich zumindest hierzulande in sehr engen Grenzen.

Das „große Team“ der Heiler und Befreier bezieht sich auf den charismatischen „Befreiungsdienst“, der jedoch eine äußerst problematische Angelegenheit darstellt:

1. Da es sich dabei nicht um einen amtlichen und formalen Exorzismus handelt, ist eine bischöfliche Erlaubnis nicht erforderlich. Somit entfällt auch die dort integrierte Bedingung, vor einem Exorzismus erst einen Arzt bzw. Psychologen zu kontaktieren, um abzuklären, ob eine Besessenheit oder vielmehr eine psychische Erkrankung vorliegt (es kann auch beides zugleich der Fall sein).  

2. Bei den Betroffenen, dem in der Charismatikerszene ein „Befreiungsgebet“ angeraten oder gar aufgedrängt wird, entsteht so oder so der Eindruck, er sei vom Teufel besessen oder zumindest „umsessen“, ob nun ein Exorzismus oder ein „Befreiungsgebet“ stattfindet (wenngleich vom Ablauf/Ritus her einige Unterschiede vorhanden sind). Das kann zu erheblichen seelischen und geistlichen Schäden und Verunsicherungen führen, zumal gerade in Schwärmerkreisen schnell eine „dämonische Belastung“ herbeigeredet wird – manchmal sogar im Kontext einer sog. „Vorfahrensschuld“, von der man sich „lossagen“ müsse etc.

Bei mir melden sich seit Jahrzehnten immer mehr Menschen (darunter auch Personen aus der „Seelsorge“ von Pater Vosicky), die sich durch derartige Praktiken – wozu auch eine angebliche „Seelenschau“ gehört –  psychisch und teils auch psychosomatisch beeinträchtigt fühlen.

Vielfach werden Gläubige in diesem Spektrum mit sogenannten „besonders starken“ (!) Gebeten überrascht und überrannt, wobei sie nicht so recht wissen, wie ihnen geschieht, wenn sie nur „normale Fürbittgebete“ wünschten.

Die Situation wird gewiß nicht dadurch besser, daß man sie z.B. mit lateinischen Formeln konfrontiert, von denen die Betreffenden nicht wissen, ob es sich um eine Art Fern-Exorzismus, ein eigenwilliges „Heilungsgebet“ oder nur um einen üblichen kirchlichen Segen gehandelt hat. Von Aussteigerseite erfuhr ich, Priester hätten ihnen auf ihre Rückfrage hin die Auskunft darüber verweigert, was ihre Verunsicherung noch erhöhte.

Es existiert in der charismatischen Bewegung ein breites Feld seelsorglicher Übergriffe, man kann teils sogar von geistlichem Missbrauch sprechen. 

Leider ist die Biographie von und über Pater Bernhard Vosicky nicht geeignet, die gerade heutzutage so notwendige „Unterscheidung der Geister“ zu erleichtern, sie biblisch und kirchlich zu begründen und zu vertiefen. Vielmehr begünstigt es schwarmgeistige und irreführender Tendenzen innerhalb der Kirche.

HIER der zweite Teil der Rezension dieses Buches: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/05/kardinal-schonborn-entschuldigt-sich-bei-bischof-peric/

Zum Thema charismatisches „Binden und Lösen“ siehe auch hier: https://charismatismus.wordpress.com/2020/07/24/seelsorge-auf-abwegen-pfr-franck-und-das-charismatische-binden-und-loesen/

 


Der Prophet Jeremias beklagt unter Tränen das Unglück seines Volkes Israel

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:
Jer 14,17b-22.

Meine Augen fließen über von Tränen bei Tag und bei Nacht
und finden keine Ruhe.
Denn großes Verderben brach herein
über die Jungfrau, die Tochter, mein Volk,
eine unheilbare Wunde.
.
Gehe ich aufs Feld hinaus – seht: vom Schwert Durchbohrte!
Komme ich in die Stadt – seht: vom Hunger Gequälte!
Ja, auch Propheten und Priester werden verschleppt
in ein Land, das sie nicht kennen.
.
Hast du HERR denn Juda ganz verworfen,
wurde dir Zion zum Abscheu?
Warum hast du uns so geschlagen,
dass es für uns keine Heilung mehr gibt?
Wir hofften auf Heil, doch kommt nichts Gutes,
auf die Zeit der Heilung, doch ach, nur Schrecken!
.
Wir erkennen, HERR, unser Unrecht
und die Schuld unsrer Väter:
Ja, wir haben gegen dich gesündigt.
Um deines Namens willen verschmäh nicht,
verstoß nicht den Thron deiner Herrlichkeit!
Gedenke deines Bundes mit uns, und löse ihn nicht!
.
Gibt es etwa Regenspender unter den Götzen der Völker?
Oder ist es der Himmel, der von selbst regnen lässt?
Bist nicht du es, HERR, unser Gott?
Wir setzen unsre Hoffnung auf dich;
denn du hast dies alles erschaffen.
.
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Ursachen von Verhaltensstörungen bei Kindern und ihre Heilung

Von Christa Meves

Wir Kinderpsychotherapeuten haben in unserem Verzeichnis eine sehr gewichtige Kategorie. Das sind die sogenannten Primordialsymptome. Diese Bezeichnung ist vor ca. 80 Jahren im damals existierenden tiefenpsychologischen Institut in Berlin so benannt worden.

Die sehr nachdenklichen Fachleute damals hatten damit umschrieben, dass die Verhaltensstörungen, die in dieser Weise bei kleinen Kindern auftreten, Kennzeichen von Misslichkeiten sind, die Abgewöhnungsversuchen – oft hartnäckig sogar lebenslänglich – trotzen.

Einige schwinden zwar mit dem Beginn der Pubertät. Aber bei genauem Hinsehen zeigt sich, dass sie sich lediglich in ein anderes Erscheinungsbild umgewandelt haben.

Als Erstsymptome im Kindesalter treten sie in Gestalt von kleinen Selbstverletzungen auf –  wie z. B. Nägelknabbern und Nagelhautreißen,  Schorfaufkratzen, Kopfkratzen, meist mit Essen der Schuppen, Haarereißen, oft auch Augenbrauen und Wimpern, Daumenlutschen bis ins Schulalter hinein – oder auch in Gestalt von psychosomatischen Symptomen wie Bettnässen bis zur Präpubertät, Tics, Einkoten und Stuhlverhalten, Körper- und Kopfschaukeln, nächtlichem Aufschreien und Essstörungen.

Heute wissen wir, dass die kinderärztliche Auskunft „Das brauchen Sie nicht zu beachten, das wächst sich aus“ eine nur selten richtige, auf jeden Fall aber oberflächliche Auskunft ist.

In der Pubertät baut sich dann nach Verschwinden des Nägelkauens das Ritzen in die Arme auf oder statt Bettnässen eine unbezwingbare Nasch- oder Rauchsucht oder der ehemalige Haarereißer entwickelt einen Ordnungszwang. Das geschieht natürlich nicht bei allen. Oft wird lediglich im Schulalter eine allgemeine unkonzentrierte Unruhe sichtbar.

Warum können sich die Kinder solchem allemal anstößigen Verhalten nicht entziehen?

Heute hat lange Erfahrung in der Kinderpsychotherapie zu der Erkenntnis geführt, dass dem Ausreifungsprozess des Kindes Einschränkungen entgegenstehen, die das seelische Wachstumsgeschehen offenbar nicht ohne inneren Protest hinnimmt. Allerdings fehlt dem davon befallenen Kind über solche Zusammenhänge das Bewusstsein. Das ist ohnehin noch nicht ausgereift. Deshalb ist es absolut kontraproduktiv, dem Symptom mit Verbot und quälenden Strafmaßnahmen zu begegnen.

Manchmal ermöglichen glückliche Umstände  während des Aufwachsens aber auch eine Heilung. Worauf beruht sie?

Ihr geht voraus, dass das Kind ein sicheres Selbstbewusstsein entwickelt hat, dass es sich angenommen und geliebt fühlt, dass es sich selbst als junger Mensch für wert hält.

Die Voraussetzung dazu ist jeweils ein geheimnisvolles Wunder: Meist hat sich eine Freundschaft zu einer anderen einfühlsamen Person ergeben oder der junge Mensch hat eine Tätigkeit entdeckt, die konstruktiv ist und ihn absolut ausfüllt.

Das heißt: Der der Pubertät entwachsene Mensch hat zu der Bestimmung gefunden, für die er im Grunde schon als ungeborenes Kind als besonders begabt angelegt war. Diese kann bereits z. T. in den Genen vorhanden gewesen sein, sie kann aber auch plötzlich mit Anregungen aus dem Umfeld zur Verwirklichung gekommen sein. Bei den Biografien von Künstlern oder auch bei großen Priestern und Propheten lässt sich dergleichen erahnen.

Jedenfalls lohnt es sich, den genannten Erstsymptomen Beachtung zu schenken, statt dass man Kinder fortgesetzt mit der Frage nervt, warum sie dieses merkwürdige Verhalten trotz all des Bittens der Eltern nicht aufgeben. Aber das können sie eben nicht.

Und die Ursachen dafür sind im allgemeinen den Betroffenen, den Eltern und meist auch anderen Laien im Umfeld unbekannt. Es wäre hingegen für die Erziehenden nötig, das Kind nachdenklich in seiner Gesamtheit zu beobachten. Kinder geben meist unbewusst heraus, was sie bedrückt. Sie zeigen das mit der Art der Wutanfälle, sie bekunden das mit unbewussten Symbolen in ihren Zeichnungen, Träumen und Fantasien.

Man braucht dann nur einen Kindertherapeuten, der in der Lage ist, diese  Äußerungen richtig zu deuten, um herauszufinden, was dem Kind fehlt, um sich seelisch störungsfrei zu entfalten.

Diese Erkenntnisse können uns nicht nur als Erzieher klüger machen. Sie können uns belehren, dass wir  allesamt so frei, wie wir uns törichterweise wähnen, gar nicht sind.

Wir befinden uns vielmehr an der Longe des Künstlers, der jedes einzelne Genom mit einer geplanten Bestimmung individuell versehen  hat. Und das ist unser wundermächtiger Kreator, Gott Vater, der mit jedem von uns ein Ziel hat – das Ziel, dass sich der Mensch bis zu seinem Lebensende seiner geheimen Anbindung an IHN, den allmächtigen Himmelsfürsten, bewusst wird oder sich im Bestfall sogar in eine bewusste Beziehung zu ihm und seiner Dreifaltigkeit setzt – zumal wir seit 2000 Jahren nun einen barmherzigen Hirten haben, der uns die Durchschlagskraft seiner Wunder an einzelnen Kranken darlegte.

Sich einer solchen Sichtweise zuzuwenden, lässt die Erziehenden im Hinblick auf die Erstsymptome einer seelischen Unausgewogenheit ihres kleinen Kindes aufmerksam, nachdenklich und hellhörig werden.

Ein kleines Beispiel soll diese Zusammenhänge erläutern:

Ein nägelknabbernder achtjähriger Junge z. B. stellt in seinen Zeichnungen von Menschen die Arme als Stümpfe, offen und ohne Hände dar. Genaue Beobachtung zeigt, dass in das Verhalten des Kindes bei seiner Eigenentfaltung zu viel, zu oft in einer ihm  unbekömmlichen Weise eingegriffen worden ist.

Wenn dem einzelnen Haupterziehenden nun in behutsamer Weise von einem Therapeuten deutlich gemacht wird, dass seine Erziehungsform das Kind hindert, sich seinen Anlagen entsprechend gradlinig zu entfalten, so kann eine solche positiv aufgenommene Einsicht manchmal spontan sogar ein Wunder zur Folge haben: Ohne dass ein Wort darüber gesprochen worden ist, ändert das Kind unversehens sein Verhalten.

Dass das dann möglich wird, liegt daran, dass der unbewusste Widerstand aufgegeben werden kann, weil die Notwendigkeit dazu nicht mehr vorhanden ist. Im fortgeschrittenen Grundschulalter  (aber nicht früher!) darf in einigen Fällen auch der Widerstand als berechtigt sogar von der vertrauten erziehenden Person im Gespräch mit dem Kind angesprochen und damit bewusst gemacht werden.

Dann kann in harmonischer Gemeinsamkeit vom Kind verstanden werden, was da in ihm versteckt meutert. Und so kann vom Kind im nun wirksamen Entschluss die kleine ärgerliche Störung wirklich hinter sich gelassen werden. Denn die Eltern haben aufgehört, ihr Kind deswegen zu tadeln, weil sie verstanden haben, dass das Fehlverhalten ein unbewusster Selbstheilungsversuch des Kindes ist.

Speziell ausgebildete und erfahrene Kinderpsychotherapeuten sind darin heute auch befähigt. Aber – wie gesagt – manchmal ist dergleichen gar nicht nötig. Mit der Veränderung der Einstellung zu dem Kind und mit einer unbefangenen Gläubigkeit im Umfeld löst sich des Kindes Notprogramm auf und weicht einer ausgeglichenen Fröhlichkeit.

Christa Meves ist Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche sowie Bestseller-Autorin; sie leitet den Verein „Verantwortung für die Familie“, bei dem sich online weitere Infos und Artikel finden: http://www.vfa-ev.de/newsl.htm


Hilft ein Zelltherapieprodukt gegen Corona?

Die israelische „Jerusalem-Post“ berichtet:

Sechs israelische Coronavirus-Patienten in kritischem Zustand, die zur Hochrisikogruppe zählen, wurden mit einem auf der Plazenta basierenden Zelltherapieprodukt der Firma „Pluristem“ behandelt und überlebten, wie vorläufige Daten zeigen, die das in Haifa ansässige Unternehmen veröffentlicht hat.

Die Patienten litten an akutem Lungenversagen sowie entzündlichen Komplikationen im Zusammenhang mit COVID-19. Vier der Patienten zeigten darüber hinaus auch ein Versagen anderer Organsysteme, darunter Herz-Kreislauf- und Nierenversagen.

Pluristem zufolge haben nicht nur alle Patienten überlebt, sondern vier von ihnen zeigen eine Verbesserung der respiratorischen Parameter.

Quelle (auf englisch): https://www.jpost.com/health-science/israeli-covid-19-treatment-shows-100-percent-survival-rate-preliminary-data-624058


Bistum Augsburg: Kritische Prüfung von Pfarrer Anthony Pullokaran und „Team“

Von Felizitas Küble

Der Kirchort St. Martin in Illerberg gehört zur Gesamtpfarrei Vöhringen im bayerischen Bistum Augsburg. Nun wird mancher denken: Wer kennt schon Illerberg? 

Weit gefehlt, denn in katholisch-charismatischen Kreisen ist diese Gemeinde überaus bekannt, schließlich wirkt dort seit Jahrzehnten ein „Heilungspriester“, wie man solche Geistliche gerne verheißungsvoll nennt.

Immerhin sind „Heilung“ und „Befreiung“ seit jeher zwei typische Zauberworte im schwärmerischen Spektrum.

Am „schönsten“ ist es doch, wenn zum Charismatischen das erscheinungsbewegte Element dazukommt – so auch bei Pfarrer Anthony Pullokaran aus Illerberg, denn er ist ein eifriger Anhänger von Medjugorje, weshalb seine Seminare gerne in Medjugorje-Zeitschriften beworben werden.

Aber auch das selbsternannte (kirchlich nicht anerkannte!) Exerzitienzentrum „Haus Raphael“ in Bad Soden-Salmünster arbeitet seit Jahrzehnten gut und gerne mit Pfr. Pullokaran zusammen.

Wen wunderts? Die Leiterin dieses charismatischen Hauses, eine Nonne namens Margaritha Valappila, stammt ebenso aus Kerala in Süd-Indien wie Pfr. Pullokaran, der bereits seit 1993 in Illerberg als Pfarrer tätig ist.

BILD: Buch „Jesus lebt heute“ von Sr. Valappila mit Kitsch-Titelbild

Die indische Region Kerala ist bereits seit den 70er Jahren stark von Pfingstbewegten aus den USA „heimgesucht“ worden; meist waren es zwar protestantische Freikirchler, die aber mit ihrer Charismatik vermehrt und verkehrt in katholische Gemeinden und Ordensgemeinschaften eindringen konnten.

Seit über 20 Jahren erhalte ich in zunehmendem Ausmaß Besuche und Anrufe von Geschädigten aus der charismatischen und esoterischen Szene. Auch heute sprach ich mit zwei Aussteigerinnen (einer katholischen und einer evangelischen Frau).

Durch diese Insider-Kontakte erhalte ich öfter konkrete Auskunft aus dem Innenleben der „Charismatischen Erneuerung“, darunter Hinweise über psychischen Druck und geistlichen Missbrauch in sog. „Heilungsseminaren“.

Kürzlich wies mich eine Betroffene darauf hin, daß es seitens des Bistums Augsburg eine kritische Überprüfung der Pullokaran-Exerzitien gäbe. Ich bin der Sache nachgegangen, wobei die Information  bestätigt wurde – siehe hier: https://www.pg-voehringen.de/pfarreien/st-martin-illerberg/exerzitien

Auf dieser Homepage der Pfarrgemeinde Vöhringen-Illerberg wird sogar von Pfarrer Pullokaran selbst erklärt, die „Verantwortlichen des Bistums Augsburg“ hätten seit Mitte November 2019 „Kontakt“ mit ihm und „seinem Team“ aufgenommen.

Man wolle „einige offene Fragen klären“, heißt es weiter. Wer die kirchlich-diplomatische Sprachwelt versteht (zumal hier „in eigener Sache“), der weiß, was dieser Satz zu bedeuten hat. Vermutlich handelt es sich um eine Art Visitation oder einen ähnlichen Überprüfungsvorgang.

Er und sein ehrenamtlicher Mitarbeiteranhang – von ihm“Team“ genannt – werden von Seiten des bischöflichen Ordinariats auf eine „Fortbildung“ geschickt, wobei während dieser Zeit  – außer für Ende Januar 2020 –  keine Exerzitien in Illerberg stattfinden dürfen.

Weiter unten heißt es, bei den von Pfr. Pullokaran und seinem Laienkreis angebotenen Exerzitien gehe es „insbesondere um lebensgeschichtliche Verletzungen“, die in das „Licht der Liebe Gottes gestellt“ würden. Ach wie schön!

Leider wird nicht verraten, ob dazu auch die sogenannte, in charismatischen Kreisen so beliebte „Heilung der Vorfahrensschuld“ gehört. Nachdem kirchliche Amtsträger auf das Wort „Vorfahrensschuld“ mit Recht allergisch reagieren, haben sich Schwärmerbewegte einen anderen Ausdruck einfallen lassen , so daß man mittlerweile meist vertuschend von der „Heilung des Stammbaums“ oder einer „Familienheilung“ spricht….

Immer wieder aufschlußreich ist die Tatsache, daß zwar ständig von „Heilung“ und „Befreiung“ die Rede ist, doch mit den wirklich psychisch Kranken will man durchaus nichts zu tun haben. Sollen also die Gesunden „geheilt“ werden?

Ähnlich wie bei „Haus Raphael“ heißt es auch in Illerberg (siehe obigen Link):
„Bitte beachten sie, dass Exerzitien nicht besucht werden können von Menschen mit Psychosen, Suchterkrankungen, schweren Depressionen, Suizidabsichten.“ 
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Von einem Valappila-Geschädigten (Haus Raphael in Hessen) weiß ich, daß er von dieser Ordensfrau schwer kritisiert wurde, weil er an ihrem Einkehrtag teilnahm, obwohl er depressiv war. Er hatte doch tatsächlich das wohlklingende Wort von der „Heilung“ für voll genommen….
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Zurück zu Pfarrer Anthony Pullokaran, den manche aus der Enthusiastenbewegung auch einfach (aber nicht ganz korrekt) „Pater Anthony“ nennen. Er reist mit seiner Laienschar aus 12 bis 15 Personen oft weite Strecken zu Seminaren, wobei sein weder theologisch noch psychologisch qualifizierten „Team“ Referate hält und „Seelsorgsgespräche“ anbietet.
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Auch im fernen Tirol hat die „Charismatische Erneuerung“ – kurz CE genannt  – für Pullokaran-Einkehrtage geworben: https://www.cetirol.org/veranstaltungen/archiv/

Passenderweise hielt er dort in Weissenbach mit seinem Team „Exerzitien für innere Heilung„.

Die Tiroler CE empfiehlt außerdem auf ihrer Webseite die so beliebten Seminare für die „Heilung des Stammbaums„, womit die charismatische Welt wieder einmal rund ist!

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Christus betont seine Treue gegenüber Moses und dem jüdischen Gesetz

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Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Mk 1,40:
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In jener Zeit kam ein Aussätziger zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde.
Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sprach: Ich will es – werde rein!
Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz, und der Mann war rein.
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Jesus schickte ihn weg und schärfte ihm ein:
Nimm dich in acht! Erzähl niemand etwas davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Reinigungsopfer dar, das Moses angeordnet hat. Das soll für sie ein Beweis meiner Gesetzestreue sein.
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Der Mann aber ging weg und erzählte bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die ganze Geschichte, so dass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte; er hielt sich nur noch außerhalb der Städte an einsamen Orten auf. Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.
Foto: Felizitas Küble