Warum unterstützen katholische Geistliche das charismatische Haus Raphael?

Von Felizitas Küble

Seit fast zwanzig Jahren gibt es im hessischen Bad Soden-Salmünster Seminare und Gebetstage im Haus Raphael, das von charismatischen Nonnen aus Indien betreut wird, besonders von Sr. Margaritha Valappila, zugleich Autorin mehrerer Bücher (z.B. „Jesus lebt heute“) mit diversen „Heilungszeugnissen“ und schwarmgeistigen Visionen.

Sr. Valappila tritt bisweilen im Gottesdienst mit einem langen weißen Schal über ihrer Nonnentracht auf, wobei der Schal in seiner Art und Form einer priesterlichen Stola ähnelt bzw. an sie erinnert – siehe z.B. hier: https://www.youtube.com/watch?v=94w6RF_b4JE

Das Amtsblatt des Bistums Fulda hat bereits im Jahre 2004 ausdrücklich erklärt, dieses private „Evangelisationszentrum“ sei kirchlich nicht anerkannt:

„Verschiedene Anfragen veranlassen uns, auf folgendes hinzuweisen: Das Haus St. Raphael in Bad Soden-Salmünster ist aus einer privaten Initiative entstanden. Die Verantwortung für diese Einrichtung liegt bei ihrem nach weltlichem Recht begründeten Trägerverein. Eine Anerkennung der zuständigen kirchlichen Autorität liegt nicht vor.“
(Quelle: https://www.swr.de/-/id=20250490/property=download/nid=659102/i8gnp7/swr2-glauben-20171101.pdf)

Dennoch werden die dortigen Gebetstage immer wieder von katholischen Priestern, die sich in Amt und Würden befinden, unterstützt, indem sie z.B. Exerzitien halten oder dort bei großen Veranstaltungen predigen.

So fragt man sich: Welchen praktischen Wert hat die Distanzierung der Bistumsleitung, wenn Priester sich gleichzeitig vor den Karren dieses selbsternannten „Evangelisationszentrums“ spannen lassen, das sich auf vermeintliche „Wunderheilungen“, außergewöhnliche Phänomene und Mirakel fixiert?

Wie sollen sich Gläubige bei einem solchen Durcheinander noch auskennen und orientieren können?

Zu jenen Geistlichen, die in Bad Soden bei Lobpreis-Gottesdiensten und Segnungsfeiern mehrfach als Prediger auftraten, gehört z.B. der Geistliche Rat Bernhard Axt. Er war früher als Pfarrer in Neuhof bei Fulda tätig, heute lebt er in Rommerz im Ruhestand.

Bereits 2007 – und auch danach – trat er bei Sr. Valappila auf (siehe hier: https://www.youtube.com/watch?v=4xmbWa3fFnA). Wenig erstaunlich freilich, denn er gehört zum Leitungskreis der CE (Charismatischen Erneuerung) im Bistum Fulda.

Auch aus weiter Ferne kommen Geistliche zur Unterstützung von Gebetstagen nach Bad Soden, darunter Patres aus dem (kirchlich ebenfalls nicht anerkannten) „Marienerscheinungsort“ Medjugorje, so etwa zu seinen Lebzeiten der bekannte Pater Slavko. Umgekehrt hielt Sr. Valappila ihre Seminare in Medjugorje.

Der fromme Privatsender KIT ist ebenfalls stark auf Medjugorje fixiert und sendet zugleich Valappila-Vorträge aus dem Haus Raphael (z.B. hier: http://www.kit-tv.at/KIT-Monatsprogramm%20Juli-August%20%202017.pdf). So wächst zusammen, was zusammengehört – kein Wunder: sowohl Medjugorje wie die indische Heilungsszene ist charismatisch geprägt.

Näheres über diese Zusammenhänger hier: https://charismatismus.wordpress.com/2018/01/14/medjugorje-und-katholische-charismatik-am-beispiel-von-sr-margaritha-valappila/ 

Zur Anhängerschar zählt sodann der österreichische „Heilungspriester“ Bernhard Vosicky vom Stift Heiligenkreuz. Wie in Sr. Valappilas Buch „Unterwegs mit Jesus“ berichtet wird, hat der Zisterziensermönch mehrfach im Haus Raphael Exerzitien gegeben.

Auch der indische „Heilungsprediger“ Pater James Mariakumar empfiehlt die Arbeit von Sr. Valappila. (Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2017/09/06/warnung-vor-exerzitien-und-heilungen-von-pater-mariakumar/)

Obwohl das bischöfliche Ordinariat amtlich feststellte, daß das Haus Raphael nicht kirchlich anerkannt ist, wird der dortige charismatische Betrieb ungeniert von katholischen Priestern aus nah und fern unterstützt.

Wie soll das Kirchenvolk unter solchen Umständen noch Klarheit und Orientierung finden?

 


Indien: Kerala als „Wiege“ der Charismatik

Von Felizitas Küble

In Indien sind die Christen eine minimale Minderheit von nur 2%; die Mehrheit davon ist katholisch. Lediglich in Kerala – einem süd-indischen Bundesstaat – gehen die Uhren anders, denn dort beträgt der christliche Anteil an der Bevölkerung das Zehnfache, nämlich 20%.

Die Katholiken dort bezeichnen sich auch als „Thomas-Christen“, denn sie berufen sich auf den Apostel Thomas, der ihnen das Evangelium verkündet haben soll. Die meisten Inder sind Hindus, sodann gibt es eine buddhistische und islamische Minderheit.

Allerdings ist gerade die Provinz Kerala besonders stark von der protestantischen Pfingstbewegung und der katholischen Charismatik geprägt; von dort aus verbreiten sich zahlreiche „Heilungsprediger“ über Indien und vor allem über Europa.

Anfang der 70er Jahre begann die Ausbreitung der pentekostalen Bewegung in Südindien – und zwar meist durch Katholiken, die in den USA an protestantischen Pfingstler-Seminaren teilnahmen, dort die „Geisttaufe“ empfingen und nun ihre Euphorie weitertrugen. Am bekanntesten ist hierbei Pater Rufus Pereira, der die Charismatik von Bombay aus verbreitete.

In den 80er Jahren wurden die ersten großen Seminarhäuser für charismatische Exerzitien gebaut, wofür sich Pater Mathew Naikomparambil besonders einsetzte. Inzwischen gibt es über dreißig solcher Exerzitienzentren in Kerala.

Ab Mitte der 90er Jahre zog es schwarmgeistige Heilungsprediger vermehrt nach Europa, besonders in die deutschsprachigen Länder. 

Zu den bekanntesten Ordenspriestern dieser Art zählen James Manjackal, Joseph Vaddakel, James Mariakumar, Josef Bill (+), Zacharias Thudippara; sodann die indisch-deutschen Nonnen Margaritha Valappila (Bad Soden-Salmünster) und ihre Kollegin Schwester Usha.

Während die protestantische Pfingstbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA entstand, dauerte es bei der katholischen Kirche 60 Jahre länger und war erst nach dem 2. Vatikanischen Konzil möglich, von dem viele Leute als einem „zweiten Pfingsten“ schwärmten.

Am 17. Februar 1967 nahm die katholische Charismatik ihren Anfang an der Duquesne-University in Pittsburgh, wo kath. Studenten einige Pfingst-Protestanten darum gebeten hatten, ihnen die Hände aufzulegen und sie dann von der Kraft des Heiligen Geistes erfüllt wurden, z. T. in Zungen redeten und sangen oder „im Geiste ruhten“ (Rückwärtskippen in Trance, Hammersegen).

Danach gab es mehrere Konferenzen der Charismatischen Erneuerung; der 3. Internationale Kongreß wurde sogar in Rom abgehalten, wobei der belgische Kardinal Suenens die hl. Messe im Petersdom zelebrierte. Auch in Deutschland fand die Bewegung unter Katholiken seit 1972 eine gewisse Basis, blieb aber zunächst ohne größere Bedeutung.

Erst durch den – kirchlich nicht anerkannten –  Erscheinungsort Medjugorje und durch das verstärkte Eindringen indischer Heilungsprediger gewann die Charismatik unter Katholiken hierzulande erheblich an Boden.


Ein Irrweg vom Regen in die Traufe: Wenn ehem. Esoteriker zur Charismatik überlaufen

Von Felizitas Küble

Seit Jahrzehnten melden sich bei mir Betroffene aus der Charismatischen Bewegung, die allmählich diese schwarmgeistige Problematik erkannt haben und aus dieser Szene aussteigen wollen oder es bereits geschafft haben, aber in ihrem schweren Schritt gerne noch ermutigt und bestärkt werden möchten.
.
Nicht wenige dieser Gläubigen waren zunächst in die Esoterik bzw. in okkulte Praktiken verstrickt. Doch als sie diesen Irrweg erkannten, fanden sie leider nicht  – wie es wünschenswert wäre – den Weg in eine bodenständige, kirchlich-nüchterne Frömmigkeit, sondern landeten erst einmal in der Charismatik – und damit kamen sie vom Regen in die Traufe.
.
Warum?
Weil bei der Esoterik doch in der Regel einigermaßen klar sein dürfte, daß es sich nicht um eine christliche Lösung für Lebensprobleme handeln kann.
Hingegen präsentiert sich der charismatische Enthusiasmus als ganz besonders fromme, vom Heiligen Geist erfüllte und geprägte Bewegung. Von daher ist die Gefahr der Selbsttäuschung und der „spirituellen“ Verblendung noch viel größer als innerhalb der (nicht-christlichen!) Esoterik.
.
Dazu kommt, daß sich diese „charismatischen“ Personen oft für ganz besonders geistbegabt halten, was häufig zur Folge hat, daß sie für (selbst)kritische Gedanken nicht mehr aufgeschlossen sind.
.
Zu diesem Spektrum gehören auch die Anti-Esoterik-Bücher von Pater Clemens Pilar aus Wien.
Wohlgemerkt: Mir muß keiner erzählen, wie problematisch Yoga, Reiki, sonstige fernöstliche Praktiken, New Age oder okkulte Vorgänge sind. Darüber schreibe ich selber seit Jahrzehnten kritische Texte, z.B. bereits in den 80er Jahren im Jugendkalender KOMM-MIT.
.
Aber ich sehe die Lösung aus solchen Irrwegen eben nicht im Schwarmglauben, sondern in einer besonnenen, nüchternen Frömmigkeit, die sich an der Heiligen Schrift, den hl. Sakramenten und dem dogmatischen Glauben der Kirche orientiert – und nicht etwa an angeblichen Marienerscheinungen (noch dazu kirchlich nicht anerkannten!), diesen oder jenen Visionen oder „Sehern“ oder an vermeintlichen „Heilungspriestern“, „Befreiungsgebetlern“, charismatischen Wundertätern und-so-weiter.
.
Auch Pater Pilar gehört zu jenen, die zwar in ihren Büchern – mit Recht – vor der Esoterik warnen, zugleich aber z.B. den Unfug von Medjugorje gutheißen und zudem (was noch bedenklicher ist!) ihre Leser in schwarmgeistige Gefilde führen, so etwa erkennbar in seinem Buch „Esoterik und christlicher Glaube“ (siehe Foto).
Hier meine schon im Jahr 2011 veröffentlichte Kritik an Pater Pilars diesbezüglichen Schriften: https://charismatismus.wordpress.com/2011/07/10/pater-clemens-pilar-und-seine-anti-esoterischen-bucher/
.
Zu diesem irrgeistigen Weg, der vom Regen in die Traufe führt, gehört zum Beispiel auch das Buch von Margarete Armstorfer „Der Weg meiner Bekehrung“.
(Hier gibt es online eine Kurzfassung: .http://www.theologisches.info/BekehrtvonReiki_Armstorfer.pdf)
.
Die Verfasserin warnt zwar sehr eindringlich vor den esoterischen Abgründen – und dies aus eigener leidvoller Erfahrung. Dabei beruft sie sich auch auf den erwähnten Pater Pilar, bei dem sie in die Seelsorge ging.
Leider ist auch sie  – wie so viele –   über Medjugorje in der Charismatik gelandet, empfiehlt schwarmgeistige indische und sonstige „Heilungsprediger“, ist aber gleichwohl (und auch das ist typisch) davon überzeugt, selber über die „Unterscheidung der Geister“ zu verfügen, weshalb sie schreibt:
„Sehr dankbar bin ich auch für das Gnadengeschenk der Unterscheidung der Geister. In den letzten Jahren besuchten mein Mann und ich regelmäßig Exerzitien. Gemeinsam für Ehepaare oder auch getrennt voneinander, mit Priestern von uns, mit Pfarrer Albert Frank aus Luxemburg und mit Pater James Manjackal aus Indien.“
.
Ausgerechnet Pater Manjackal, vor dessen charismatischer Tätigkeit hier im CF schon längst gewarnt wurde: https://charismatismus.wordpress.com/2012/06/08/pater-james-manjackal-und-seine-pfingstlichen-erleuchtungen/
.
Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.