Brauchen wir eine modernistische Kirche?

Von Peter Helmespeter-helmes-227x300

Wundert sich noch jemand, daß der Einfluß der katholischen Kirche in unserem Land immer mehr schwindet?  – Viele Protestanten, die wahrlich am Hungertuch des Glaubens nagen, reiben sich die Hände: Die Stärke der Protestanten in der Politik könnte nicht zuletzt in der Schwäche der Katholiken liegen. 

Katholische Politiker tun sich jedenfalls schwer damit, ihren Glauben zum Thema zu machen und sich in der Kirche zu engagieren. Der Katholizismus habe es – vor allem in den Pontifikaten von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. – versäumt, sich zu modernisieren, sagt der Katholik und ehem. CDU-Generalsekretär Heiner Geißler. 

Für viele Menschen sei die Haltung der katholischen Kirche kaum hinnehmbar, der Protestantismus sei einfach moderner. Jeder intelligente Katholik sei deshalb „im Innern ein Protestant“, behauptet Geißler.

Viele Katholiken litten an ihrer Kirche, sagt auch Barbara Hendricks. Doch die Umweltministerin, die mit einer Lebenspartnerin zusammenlebt, weiß auch, wie man damit umgehen kann: „Wir rheinischen Katholiken machen uns unseren Katholizismus ohnehin selbst“, sagt sie. DSC_0568

Mit einer explizit katholischen CDU, das weiß Merkel, ist heute kein Staat mehr zu machen, geschweige denn eine Wahl zu gewinnen. Die CDU weg von den alten „katholischen“ Positionen hin zu den modernen „protestantischen“ Positionen zu bewegen, hat sich ausgezahlt.

Auch für linksliberal gesinnte Protestanten ist es heute kein Problem mehr, CDU zu wählen. Für den politischen Katholizismus ist hingegen Besserung nicht in Sicht.

Wie auch? Der tiefere Grund für die Entwicklung der Gesellschaft und besonders der katholischen Kirche in den letzten Jahrzehnten liegt auf der Hand – und er ist hausgemacht, weil schon seit langem alles aus dem Ruder läuft. Das vielleicht Schlimmste an dieser Entwicklung ist, daß die Vertreter der Kirche Christi mehrheitlich dabei mitmachen.

Die traditionsorientierte Webseite „Civitas“ schreibt in einem tiefsinnigen Artikel bzw. „philosophischen Kommentar“ vom 7. November 2014 u. a.: P1020947

 „Männer der Kirche, scholastische Philosophen und ebensolche Theologen sowie die, die in scholastischer Philosophie und Theologie gebildet waren, konnten früher klar, präzise, ohne Umschweife und Zweideutigkeiten formulieren. Sie wußten, wie man für oder gegen eine Position argumentiert.

Wer den  –  entschuldigen Sie den Ausdruck  –  Schwachsinn von Kardinal Kasper und seinen Gefolgsleuten heute liest und dies mit der Scholastik vergleicht, kann nicht glauben, daß es sich um ein und dieselbe Kirche handelt.

Künstlich werden Gegensätze zwischen Barmherzigkeit und Dogma, zwischen Pastoral und Glaubenslehre konstruiert, und die Freiheit des Einzelnen, seine Autonomie, gilt als das höchste Gut des Menschen, als das, was den Menschen erst zum Menschen macht. (…)

Tief reingefallen ist auch die Kirche beim Stichwort „Liberalismus“; denn wer wöllte heute nicht „liberal“ sein. „Liberal“ gleich „offen“ – sind wir doch alle, gell! Wir wollen doch keine vermufften konservativen Bremser sein. Daß „Liberalismus“ bedeutet, sich dem Zeitgeist unterzuordnen – Schwamm drüber! 131223-stern-von-bethlehem_b87bfae72c

Der Liberalismus beherrscht heute die gesamte westliche Welt, er bestimmt das Denken in allen Bereichen von Politik, Gesellschaft, Kultur und Staat und leider – Gott sei es geklagt – auch in der Kirche. (…) Der Liberalismus ist eine geistige Grundhaltung, die ihren Ursprung in der Philosophie hat. (…) Er geht zurück auf Philosophen wie Hobbes, Locke, in Deutschland Kant oder in neuerer Zeit Rawls. (…)

Die „Freiheit“ die der Liberalismus erstrebt bzw. verteidigt, ist die Freiheit von allen Bindungen, seien diese politisch, gesellschaftlich, kulturell, moralisch, religiös oder was auch immer.

Das Individuum allein und sein Wille ist der letzte Grund von all dem. Es darf nichts geben, was dem Individuum vorhergeht, kein moralisches, sittliches Gesetz, keine vorgegebene gesellschaftliche Ordnung, keine Wesenheit der Familie, der Ehe oder was auch immer. (…)

Heute wird der Wille über den Verstand gestellt – statt umgekehrt. Der Wille soll sich den Verstand unterordnen und diesen als Mittel verwenden, um seine Ziele zu erreichen. Hier liegt auch der tiefere Grund, dass sich Liberalismus, Kommunismus und nationaler Sozialismus nicht in ihren Fundamenten unterscheiden: Alle stellen den Willen ins Zentrum.

„Ich will“ lautet der neue politische Imperativ. Da stört der Verstand nur.

Die aristotelisch-thomistische Philosophie hat demgegenüber immer daran festgehalten, daß der Wille dem Verstand untergeordnet ist, daß der Verstand die Wesenheiten und die Ordnung der Natur, der Gesellschaft, der Moral und des Staates objektiv zu erfassen vermag und nach dieser Ordnung und Gesetzmäßigkeit handeln soll. Wir müssen wieder zu dieser wahren Philosophie zurückkehren.“

Unser Autor Peter Helmes hat zahlreiche politische Publikationen veröffentlicht und war Bundesgeschäftsführer der JU (Jungen Union, CDU-Jugend); er betreibt die freiheitlich-konservative Webseite https://conservo.wordpress.com/


Geißlers geschichtsblinde Forderung nach Abriß der „Goldelse“ in Berlin wird neu aufgewärmt

Der frühere CDU-Generalsekretär und ehem. Familienminister Heiner Geißler bezeichnete die berühmte Siegessäule inmitten Berlins  bereits vor Monaten dreist als das „dümmste Denkmal Deutschlands“ und forderte den Abriß der „Goldelse“, wie sie in Berlin scherzhaft genannt wird. 

Später fügte der  – offenbar auf Medien-Aufmerksamkeit erpichte  – ehem. CDU-Politiker noch den Wunsch nach Abschaffung aller preußischen Prunkdenkmäler an.

Soviel Geschichtsvergessenheit und manischer deutscher Selbsthaß ist selbst unter Zeitgeisthörigen selten anzutreffen  – und eine derart rabiate Preußenfeindlichkeit sucht man selbst in Bayern vergeblich.

Bei der jetzt von verschiedenen Medien (etwa FAZ und Westfälische Nachrichten) entfachten Debatte handelt es sich allerdings um eine aufgewärmte Story, denn diese abstruse Forderung Geißlers ist nicht neu  –  unser Christoferuswerk hat ihr schon am 3. Februar dieses Jahres in einer Pressemitteilung argumentativ widersprochen:

http://www.news4press.com/Streit-in-der-CDU—-Heiner-Geißler-gegen-Siegessaeule-Das-duemmste-Monument-der-RepublikN_636004.html


Geißler gegen Siegessäule in Berlin – CDU-Politiker verteidigen die „Gold-Else“

Heiner Geißler: „Das dümmste Monument der Republik“

Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler hat eine antinationale Tirade losgelassen, wie man sie sonst allenfalls aus dem ultralinken Spektrum geboten bekommt.

Selbst die linksalternative „taz“ aus Berlin reibt sich die Augen und kann ihr Glück kaum fassen. In einem Kommentar vom 31.1.2012 heißt es dort: „Heiner Geißler wird auf seine alten Tage noch ein echter Sponti. Dass der mal CDU-General war, kann man sich kaum noch vorstellen. Heute ist er bei Attac und sympathisiert mit Stuttgarter Bahnhofs-Anarchos.“

In einem Gastkommentar, den der Berliner „Tagesspiegel“ am 1.2.2012 veröffentlichte, befaßte sich der umtriebige CDU-Mann mit der Berliner „Siegessäule“, jenem hochragenden Monument mitten in der Stadt, an dem schon viele ernste oder ausgelassene Ereignisse stattfanden   – von Obamas Rede am 24.7.2008 bis zur Loveparade, wie immer man diese auch bewerten mag.

Doch die „Goldelse“ hoch über der Hauptstadt, wie die vergoldene Bronze-Skulptur von Berlinern gern neckisch  genannt wird, löst jetzt  – offenbar erstmals seit Jahrzehnten  – bei Heiner Geißler wütenden Unmut aus.

In seinem Heißsporn-Artikel, der sich durchaus nicht als Beitrag zum derzeitigen Karneval versteht, heißt es einleitend allen Ernstes:

„Rechtskonservatives und deutschnationales Gedankengut ist offensichtlich nicht auf Glatzköpfe und NPD-Funktionäre beschränkt, sondern breitet sich ungestört auch in städtischen Ämtern und Parlamenten aus.“

Diese reichlich steile Behauptung begründet der zornentbrannte Autor sogleich damit, daß die „Stadt Berlin nichts dabei findet“, daß das  – wie er schreibt  –   „dümmste Monument der Republik, nämlich die Siegessäule mit ihren blutrünstigen Reliefs und eingelassenen Kanonenrohren“ in Berlin stehe, genauer: „mitten in der deutschen Hauptstadt ihren Standort hat.“

Man bedenke:  inmitten Berlins steht das „dümmste Monument der Republik“  – soll also nach Geißlers Wunsch und Wille ein sofortiger Abriß des unlängst renovierten Denkmals erfolgen?  – Wenngleich er solches nicht direkt fordert, läge diese Schlußfolgerung angesichts seiner Schmähkritik nahe.

Freilich kann daraus schon deshalb nichts werden, weil das uralte Monument unter Denkmalschutz steht.

Bislang störten sich selbst die radikalen Flügel diverser Links- und Grünparteien nicht an der Siegessäule. Lediglich von linksterroristischer Seite gab es bereits Angriffe, allerdings nicht nur verbale:

Am 15. Januar 1991 verübten die „Revolutionären Zellen“ einen Sprengstoffanschlag auf das Denkmal. Die Explosion führte zu einer leichten Beschädigung eines Stützpfeilers, weil die Bombe nicht vollständig zündete. Verletzt wurde gottlob niemand, da sich während der Explosion kein Mensch auf der Aussichtsplattform befand.

Zurück zu Heiner Geißler und seinem jüngsten Rundumschlag.

Die von ihm wütend abgelehnte „Goldelse“ wurde am 2.9.1873 eingeweiht, also am 3. Jahrestag der siegreichen Schlacht bei Sedan, die während des Krieges zwischen Frankreich und Deutschland stattfand. Die hoch in die Lüfte ragende „Victoria“ (wie die Römer ihre „Siegesgöttin“ nannten) hält in der einen Hand einen Lorbeerkranz, in der anderen ein Feldzeichen mit dem Eisernen Kreuz.

Geißler kritisiert die „eingelassenen Kanonenrohre“ an der Säule und behauptet sodann, mit diesen Kanonen hätten „die Preußen auf Württemberger, Österreicher, Hessen und Franzosen geschossen“.

Auch dies ist insoweit historischer Unfug, da es sich hier nicht um eigene, sondern um erbeutete Kanonenrohre der Gegenseite  handelt – es wurde damit also potentiell auf deutsche Soldaten geschossen.

Zudem erweckt Geißler suggestiv den irreführenden Eindruck („die Preußen…auf Franzosen geschossen“), als ob der Krieg 1870/71 von deutscher Seite ausgegangen sei; in Wirklichkeit hatte Frankreich uns den Krieg erklärt, so daß Deutschland einen Verteidigungskrieg führte, der siegreich endete und zur Reichsgründung unter Bismarck führte; dies war das Zweite Reich der Deutschen;  das erste Deutsche Reich aus dem Hochmittelalter feierte gestern (2.2.2012)  – also an „Maria Lichtmeß“  – sein 1050. Gründungs-Jubiläum, das allerdings kaum jemand beachtete.

Frankreich jedenfalls schmückt seine nationalen Siegesgefühle mit einem Triumphbogen in Paris und mit nicht wenigen Napoleon-Monumenten, wobei dieser machtbewußte Herrscher keine Verteidigungskriege führte, sondern Europa mit Eroberungskriegen von Südtirol bis Moskau überzog.

Freilich wollte die französische Regierung, die sich 1945 zu den Siegermächten gesellen konnte, bereits damals die Berliner Siegessäule abreißen, die ihr ein demütigender Dorn im Auge war.

Doch die amerikanische und die britische Besatzungsmacht lehnten dieses vergeltungslustige Ansinnen gemeinsam ab mit dem Hinweis, aufgrund einer schriftlichen Vereinbarung der vier Siegermächte dürften nur jene militärischen Denkmäler abgerissen werden, die nach 1914 erbaut wurden.

Da sich der ehem. CDU-Generalsekretär nun derart erbost über „militaristische“ und angeblich „blutrünstige“ Symbole auf der Siegessäule zu Wort meldet, mag man ihm anraten, sein Augenmerk auf das sog. „Sowjetische Ehrenmal“ in Berlin zu richten, das mit Panzern, Kanonen und Bajonett gewiß nicht pazifistisch erscheint.

Aber Kritik an diesem militant wirkenden Monument des Sowjet-Kommunismus erlaubt sich der sonst bisweilen so vorlaute Heiner Geißler nicht  –  oder steckt gar Doppelmoral dahinter?

In der CDU gibt es bereits Kritik an seiner  jüngsten Polemik:

„Mit Geißler ist mal wieder das Temperament durchgegangen“, erklärte der ehem. Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen gegenüber dem „Tagesspiegel“, wobei er Geißlers Argumentation als  „intellektuell unausgegoren“ bezeichnete.

Zur Siegessäule erklärte der Berliner CDU-Politiker: „Es gehört zur deutschen Geschichte, dass der ‚späte’ Nationalstaat immer gegen den Widerstand der Nachbarn durchgesetzt werden musste. Geschichte kann man nicht nach den Träumen von heute, sondern nur in ihrer Zeit begreifen. Und zur deutschen Geschichte gehört mehr als das vergangene Jahrhundert.“

Im hohen Alter werde man offenbar zuweilen radikal bis ins Irrationale, vermutet Berlins ältester Abgeordneter Uwe Lehmann-Brauns, der für die CDU im Kulturausschuß des Abgeordnetenhauses sitzt: „Die Lebendigkeit dieser Stadt kommt daher, dass es hier Zeugnisse aus allen Zeiten gibt, die uns bewegt haben“, sagte der CDU-Politiker.

Sodann spielt er auf das sowjetische Ehrenmal an: „In Berlin gibt es auch Panzer und Geschütze, die Zeugnisse einer deutschen Niederlage sind.“

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Jugendverlags und des Christoferuswerks in Münster