Zwei Ergänzungsgebete zum Rosenkranz: Fatima-Zusatz oder das „Salve Regina“?

Von Felizitas Küble

In dem oberschwäbischen Bauerndorf, in dem ich aufgewachsen bin, war es am Sonntag nach dem Mittagessen üblich, daß wir um 13 Uhr zum Rosenkranzgebet in die Kapelle gingen, wo meist über ein dutzend Gläubige versammelt waren. 

Nach dem Rosenkranz beteten wir gemeinsam noch das Salve Regina (Sei gegrüßt, o Königin) als Abschluß.

Es hat mich trotz – oder wegen? – seiner etwas altertümelnden Sprache berührt, faszinierend und bewegt.

Dabei wußte ich damals nicht, daß es sich um ein ganz altehrwürdiges Marienlob handelt, das schon 1000 Jahre auf dem Buckel hat. Manche führen es sogar auf den berühmten und gelehrten Benediktiner-Mönch Hermann von Reichenau („Hermann, der Lahme“) zurück.

Es wurde jedenfalls schon im frühen Mittelalter gebetet – welch eine beeindruckende Überlieferung!

Hingegen ist der Fatima-Zusatz – der in manchen Kreisen auch zwischen den „Gesätzchen“ gebetet wird – gerade einmal 100 Jahre alt, also kein Vergleich mit dem Salve Regina.

Soll man nun sagen: Je älter, desto besser?

Nicht unbedingt von vornherein, obwohl ein höherer Alter natürlich das Traditionsargument auf seiner Seite hat.

Aber das ist es ja nicht alleine:

Das „Salve Regina“ ist nicht irgendein Privat-Gebet, sondern längst kirchenamtlich und liturgisch grundgelegt. In der Zeit nach Pfingsten bis zum 1. Advent ist es sogar die Schluß-Antiphon (= Hymnen-Gesang) im Stundengebet der Kirche.

Vielfach ist es üblich, das Salve Regina beim Begräbnis eines Priesters oder einer Ordensangehörigen zu singen.

Das kirchliche Bonifatiuswerk zählt es zu den „Grundgebeten“ der Kirche: https://beten-online.de/de/zentrale-gebete/grundgebete/gebet.5740.html

Somit hat das Salve Regina einen offiziellen Charakter –  der Fatima-Zusatz hingegen nicht, er gehört auch nicht zur kirchlichen Fassung des Rosenkranzes.

Papst Johannes Paul II. war gewiß ein Fatima-Anhänger (mehr als alle Päpste vor ihm), aber auch er hat  – wenn er jahrelang am 1. Samstag im Monat den Rosenkranz über Radio Vatikan vorbetete – nicht ein einziges Mal die Fatima-Anrufung hinzugefügt.

Hier folgt nun der amtliche Text des „Salve Regina“ (so lautet der Titel auf lateinisch):

Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit,
unser Leben, unsere Wonne, unsere Hoffnung, sei gegrüßt!
Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas;

zu dir seufzen wir trauernd und weinend
in diesem
Tale der Tränen.
Wohlan denn, unsere Fürsprecherin,
wende deine barmherzigen Augen uns zu,
und nach diesem Elende zeige uns JESUS,

die gebenedeite Frucht deines Leibes.
O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria.

Bei uns in meiner Heimatkapelle wurde am Schluß noch eine  – ebenfalls altbekannte  –  Anrufung hinzugefügt:

In aller Trübsal, Angst und Not komme uns zu Hilfe,
o du allerseligste Jungfrau Maria!

Der Einwand mancher moderner Theologen, das Salve Regina sei zu düster und pessimistisch („Tal der Tränen, Elend, verbannte Kinder Evas, trauernd und weinend“) ist oberflächlich und weltfremd.

Gerade die Tatsache, daß diese Anrufung unsere menschlichen Nöte und Ängste so offen anspricht, daß es nichts schönredet, sondern auf jeden Kitsch verzichtet, aber trotzdem hoffnungsvoll und zuversichtlich hinweist auf JESUS, die gebenedeite (=gesegnete) Frucht aus dem Schoß Mariens, ist doch tröstlich, stärkend und ermutigend, auch weil sie den Blick in die Ewigkeit öffnet.

Wie der ergänzte Schlußvers, den wir Dorfbewohner zusätzlich gebetet haben, aufzeigt, ist es genau dieses Aussprechen von „Trübsal, Angst und Not“, das die Menschen bewegt und aufzurichten vermag im Hinblick auf die Hilfe und Fürsprache der Madonna.

Ja, Maria ist die „Mutter der Barmherzigkeit“, denn Christus ist das menschgewordene Erbarmen Gottes – und Maria ist daher Gottesgebärerin.

Kurzum: Im Unterschied zum Fatima-Zusatz ist das Salve Regina ein altbewährtes, im Volke weit verbreitetes und kirchenamtliches Gebet.

Es gibt zudem weitere inhaltlich-theologische Gründe, warum sich der Fatima-Zusatz nicht für den Rosenkranz eignet.  (Siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2014/03/06/warum-der-fatima-zusatz-nicht-zum-eigentlichen-rosenkranzgebet-gehort/)


Tiefsinniger Klassiker „Die letzte Freiheit“ stärkt und belebt den Glauben

Besprechung von Cordula Mohr

Buchdaten: Die letzte Freiheit, Hermann von Altshausen. Mönch der Reichenau. Von Maria Calasanz Ziesche. Beuroner Kunstverlag, 338  S., 15,90 €

Dieser wunderbare Buch schildert das Leben des gelehrten Benediktiners und Dichters Hermann von Altshausen. Man gab diesem körperbehinderten Mönch auch den Namen „Hermann, der Lahme“ und er selbst nannte sich „der Letzte der Armen Christi“. 

Diese Roman-Biographie ist ermutigend für alle, die fest in Christus verwurzelt sind; sie stärkt den Gläubigen durch das Eintauchen in das Leben des seligen Hermann, der als „Krüppel“ unansehnlich und voller Schmerzen war, aber in allen Leiden ganz auf Gott vertraute.

Der Leser wird regelrecht in diese Schlußphase der frühmittelalterlichen Zeit im Übergang zum Hochmittelalter hineingenommen. Landschaftliche Schilderungen aus der jener Zeit werden immer wieder mit den damaligen Lebensumständen verknüpft. Die Lektüre erleichtert das Eintauchen noch besser als mit einem Spielfilm über die damalige Zeit.

Auch wie die Mönche auf der Reichenau zusammenlebten, wird eindrucksvoll erzählt. Wie kalt es in den Mönchszellen und Kirchen im Winter war und wie alle den Frühling an dem schönen Gnadensee herbeisehnten.

Es wird von der Kindheit Hermanns und dem schon frühen körperlichen Verfall berichtet. So kam er durch den adeligen Vater, der ihn zuhause auf Schloß Altshausen nicht mehr gebrauchen konnte, in das Kloster Augia auf der Insel Reichenau.

Hermann hofft in jungen Jahren auf Genesung und setzt alles daran, sie zu erlangen. Dieses Ringen mit Gott und den Menschen wird eindringlich beschrieben.

Nach seiner vergeblichen Hoffnung auf Genesung bleibt er in der Abtei Reichenau und schreibt dort schon früh das bekannte Marienlied „Salve Regina“: Gegrüßet seist du, Königin.

Dieses Gebet an die Himmelskönigin verfaßt er unter starken Schmerzen, die den Geistlichen immer wieder krampfartig überfielen. Man betet oder singt nach diesem Buch das Salve Regina inniger, denn man kennt die Umstände der Entstehung.

Hermann ist keineswegs nur ein Siecher, er ist Magister der Mönche, ein großer Gelehrter, der über viel Wissen verfügt und theologische Schriften herausbringt. Immer wieder textet der begabte Pater herrliche Lieder zu den Festmessen –  und der Orden erlangt eine gewisse „Heiligkeit“ durch Hermann.

Er hat eine besondere Beziehung zu seinem Abt Berno und zum damaligen Papst Leo IX. Auch sein Mitbruder Berthold, der sich Tag und Nacht um ihn kümmert, lernt unentwegt von diesem glaubensstarken Mönch.

Der Leser erfährt auch von den allzumenschlichen Schwierigkeiten im Kloster. Neid und Mißgunst muss auch Hermann erleben, teils durch seine Mitbrüder. Und der Leser wundert sich über manche Entscheidungen, die Hermann für sich trifft. Er will nicht wegen seiner Krankheit bevorzugt werden –  trotz seiner starken Schmerzen.

Immer wieder schön sind die Seiten zu lesen, in denen Hermann seine tiefgläubige, adelige Mutter (Gräfin Hiltrud) trifft.

Ich habe den Roman als große Bereicherung meines Glaubens empfunden. Das spannende Buch hat mich gestärkt und ich möchte es jedem empfehlen, der gerne mittelalterliche Geschichten liest und von geistlichen und religiösen Erfahrungen lernen möchte. 

Hermann von Altshausen war ein ganz besonderer Mönch. Nun möchte ich gerne dieses altehrwürdige Kloster am Bodensee besuchen.