Selbstbestimmungsrecht für alle: Warum diese Intoleranz bei Konversionstherapien?

Von Uwe C. Lay

Die Konversionstherapie soll in Deutschland künftig verboten werden: „Verbot der Konversionstherapie. Gegen solche Praktiken braucht es empfindliche Strafen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will die sogenannten Konversionstherapien für Homosexuelle noch in diesem Jahr verbieten. Dass so etwas überhaupt noch erlaubt sei, sage viel aus über den Stand von Schwulen und Lesben, kommentiert Christoph Schäfer. Umso wichtiger sei Spahns Vorstoß jetzt.“(Deutschlandfunk 14.6.2019

Was dem gläubigen Muslim das Verbot des Abfalls vom Islam bzw. die Konversion zu einer anderen Religion ist, verbunden mit dem Anliegen, wenn es die politischen Verhältnisse erlauben, jede Art von Mission unter Muslimen staatlich zu verbieten, das ist der Homosexlobby der Kampf gegen Konversionstherapien: Wer einmal homosexuell ist, der muß es auch bleiben.

Wenn nun ein Homosexueller an seiner eigenen Neigung leidet und sie los werden möchte, soll es zukünftig verboten sein, ihm eine Therapie anzubieten. 

Homosexualität sei keine Krankheit und deshalb dürfe sie auch nicht therapiert werden, so lautet der Slogan der Homosexobby.

Was wäre dann aber von einem vergleichbaren Argument zu halten: Die Schönheitschirugie sei zu verbieten, weil ein Mangel an gutem Aussehen, zumal wenn er nur subjektiv empfunden wird, keine Krankheit sei, so daß sie zu verbieten sei: Jeder solle sich mit seinem Aussehen zufrieden geben.

Der Wikipedia Artikel zur Konversionsterapie diffamiert dieselbe in den ersten Sätzen sogleich: „Konversionstherapie (von lateinisch conversio‚ Umwendung, Umkehr) oder auch „Reparativtherapie“ wird eine Gruppe von umstrittenen Methoden der Psychotherapie genannt, welche die Abnahme homosexueller Neigungen und die Entwicklung heterosexueller Potentiale als Ziel postulieren. Sie wird auch Reorientierungstherapie genannt und von verschiedenen Gruppen der überwiegend evangelikal eprägten Ex-Gay-Bewegung propagiert.

A) Was umstritten ist, gilt von vornherein als negativ – so der heutige Sprachgebrauch. Aber was ist bei echter Meinungsfreiheit nicht „umstritten“? Nur politisch Korrekte kennen Unumstrittenes, das sind ihre eigenen Dogmen  – und was nicht denen entspricht, wird kurzerhand als umstritten diskreditiert.

B) Was von Evangelikalen propagiert wird, ist anscheinend per se verwerflich. Liberale und Linke propagieren nie etwas, so negativ verhalten sich nur Konservative bzw. Rechte und dazu gehören ja dann auch die Evangelikalen.

Aber nun erlauben wir uns, den Text gegen die offensichtliche Absicht der Autoren zu lesen:

Da wird von einer Ex-Gay-Bewegung gesprochen, also von Menschen, die einst homosexuell waren und nun öffentlich bekunden, daß sie es gut finden nunmehr , heterosexuell zu sein. Für die Homosexlobby ein klarer Fall: Verräter, Renegaten – nichts verachtet jede vitale ideologische Bewegung mehr als Abtrünnige. So spricht auch jeder Zeuge Jehovas mit jedem liebend gern über die Bibel, aber auf keinen Fall mit einem Ex-Zeugen!

BILD: Uwe Lay ist Autor des theologischen Buches „Der zensierte Gott“

Wenn nun Ex-Homosexuelle ihre Umwendung zur Heterosexualität bejahen und bezeugen, diese Konversion sei durch eine Therapie gelungen, dann ist das für die Homosexlobby sozusagen die unverzeihliche Sünde wider den Heiligen Geist.

Gehört eine freiwilige Änderung der eigenen sexuellen Orientierung aber nicht zum Selbstbestimmungsrecht jedes Menschen?

Jeder gläubige Muslim wird sagen, daß es kein Recht gibt, sich von der wahren Religion abzukehren. Genauso urteilt da im Grunde die Homosexlobby.

Der Skandal der Konversionstherapien ist also, daß es Homosexuelle gibt, die heterosexuell wurden und bekunden: Das ist gut so! Eine Therapie kann helfen! Dieses Angebot soll nun verboten werden. Warum? Weil die Homosexlobby keine Mitglieder verlieren will, denn das bewirkt in der Regel einen Verlust an Einfluß in pluralistisch verfaßten Gesellschaften.    


Ärzte warnen vor enthemmenden Chemsex: Steigende Sexualverbrechen durch Lustdrogen

Von Dr. med. Edith Breburda

Es werden immer mehr psychoaktive Drogen konsumiert, um die sexuelle Lust zu steigern. Verändert sich dadurch unsere Einstellung gegenüber Sex? dr-breburda1

Und was passiert, wenn eine Lehrerin, die Sexualstraffällige in einem US-Gefängnis unterrichtet, von einem ihrer Schüler vergewaltigt wird? Zwei Jahre lang hatte die Justizanstalt Anschuldigungen abgestritten, dass der Gefangene Jacob Harvey seine Lehrerin vergewaltigt hatte.

Auch jetzt noch sind sie der Meinung, keinerlei Schuld an dem Verbrechen zu haben: “Der Staat gibt keinerlei Haftung oder Fehlverhalten zu”, hieß es in dem Schreiben des Schlichtungsverfahrens vom 4.1.2016. Dennoch bekam die Lehrerin 3 Millionen US-Dollars Schmerzensgeld ausbezahlt.

Der Staat sagt, er hätte nichts falsch gemacht, zahlt jedoch 3 Millionen an eine Person, der angeblich nichts passiert ist. Man beharrt darauf, das Gefängnis habe keine Schuld an der Vergewaltigung, weil alles korrekt gehandhabt wurde.

Im Januar 2014 wurde eine Lehrerin beauftragt, sieben Sexualstraftätern im Arizona-Staatsgefängnis Complex-Eyman eine Prüfung abzunehmen. Normalerweise finden solche Examen in einem mit Kameras ausgestatteten Raum unter Aufsicht von Gefängnisbeamten statt. An diesem Tag jedoch war eine andere Veranstaltung.

Die Lehrerin war mit den sieben Häftlingen ohne Begleitschutz in einem nicht überwachten Raum. Man gab ihr ein Funkgerät, welches sie bei Bedarf benutzen sollte. Nach der 90- minütigen Prüfung, in der kein Aufseher vorbeigeschaut hatte, verließen sechs Häftlinge den Raum, um ohne Begleitung ihre Zellen aufzusuchen.

Jacob Harvey, der eine 30-jährige Gefängnisstrafe absaß, blieb zurück. Er hatte eine Frau vor den Augen ihres kleinen Sohnes vergewaltigt.vDSC00254

Der Zwanzigjährige attackierte die Lehrerin von hinten, schmiss sie auf den Boden, schlug ihren Kopf mehrmals auf den Boden, stach mit seinem Bleistift in ihre Augen, riss ihr die Kleider vom Leib und vergewaltigte sie.

Auf die Schreie der Lehrerin kam keine Hilfe. Nachdem alles vorbei war, eilte sie zu ihrem Funkgerät. Doch die Frequenz darauf wurde schon lange nicht mehr von den Gefängnisaufsehern benutzt.

Harvey bekannte sich im August zu der Vergewaltigung. Es kam zu keinem Verfahren. Seine Gefängnisstrafe muss er nun bis zu seinem Tod absitzen.

Die Strafvollzugsanstalt, die 14.000 Dollars zahlen sollte, weil sie die Lehrerin nicht schützte, legte Berufung ein. Sie beantragten weiterhin, den Fall nicht weiter zu behandeln. Die Lehrerin habe doch gewusst, dass sie in einem Gefängnis unterrichtet, was habe sie denn erwartet? –  Der Staatsanwalt schrieb: „In einem Gefängnis zu unterrichten, unterscheidet sich nicht von Situationen, denen sie alltäglich ausgesetzt ist. Das Risiko, in einem Gefängnis angegriffen zu werden, existiert im Eyman- Gefängnis. Wenn die Klägerin die Gefahr ihrer Situation richtig eingeschätzt hätte, hätte sie etwas dagegen tun können. Es ist also ihre eigene Schuld, dass sie vergewaltigt wurde.“

Generalstaatsanwalt Mark Bronvich erklärte am 4. Januar 2016, es sei richtig gewesen, einen Vergleich mit der Lehrerin anzustreben: „Ich kann Ihnen versichern, dass unsere Anwälte sich sehr genau unseren Fällen widmen. Wir messen Erfolg darin, das Richtige zu tun und nicht, ob wir einen Fall gewinnen.“

Aber wäre das Richtige nicht gewesen, eine Mitverantwortung an der Vergewaltigung einzuräumen?

Andres Wilder, Sprecher des Gefängnisses, betont: „Wir nehmen die Sicherheit unserer Mitarbeiter sehr ernst. Aufgrund der Vergewaltigung hat sich vieles geändert. Wie haben überall Kameras und jeder unserer zivilen Mitarbeiter hat ein Pfefferspray.“ prolifeusa

Kein Mitarbeiter wurde jedoch verantwortlich gemacht, die Sicherheit der Lehrerin nicht gewährleistet zu haben. In dem Schlichtungsverfahren hieß es: „Der Staat verneint und streitet die Anschuldigungen der Lehrerin ab“. Trotzdem zahlte man der Lehrerin 3 Millionen Dollars (1).

Es stellt sich unweigerlich die Frage, warum ein so schweres Vergehen derartig abgehandelt wird? Liegt es am Trend der Zeit?

Heute greifen immer mehr Menschen zu psychoaktiven Drogen, um die Lust zu steigern und länger durchzuhalten. Ärzte warnen bereits vor Chemsex. Regelmäßig kommt es unter dem Einfluss von Amphetamin Mephedron oder Crystal zu ungeschützten Geschlechtsverkehr.

Die Tendenz, euphorisierende Mittel einzunehmen, welche die Herzfrequenz, den Blutdruck und die sexuelle Erregbarkeit steigern, stammt aus Großbritannien. Chemsex breitet sich rasant aus. Gammahydrosxybuttersäure, GHB und seine Vorstufe, Gamma-Butyrolacton GBL zählen auch zu den Chemsex-Substanzen. Dem Laien sind sie unter dem Namen k.o.-Tropfen bzw. Vergewaltigungsdrogen bekannt.

In einer niedrigen Dosierung wirken sie enthemmend und leicht betäubend und führen in größeren Mengen zu Bewusstlosigkeit und Atemlähmung. Oft werden sie als Liquid-Ecstasy tituliert, obwohl ihre Wirkung keine Ecstasy hervorruft. Trotz allem nimmt man Chemsex-Dorgen bewusst ein, um einen enthemmten und intensiven Sex auszuleben.

Britische Gesundheitsexperten äußern sich besorgt im Editorial des British Medical Journal über die Risiken von Chemsex. Sie fordern Aufklärung über vorsätzlichen Sex unter dem Einfluss von psychoaktiven Drogen, der hauptsächlich unter Männern stattfindet. Viele benutzen die Drogen, um ihre innere Homophobie oder das Stigmata, an AIDS erkrankt zu sein, zu überwinden. Für Stunden oder gar Tage sind sie mit verschiedenen Partnern sexuell aktiv, schreiben die Mediziner (2). Fussmatte__

Chemsex-Drogen machen stark psychisch und körperlich abhängig. Dauerhafte mentale Schäden treten auf. Gesundheitsgefährdend ist ein bis zu drei Tagen andauernder Schlafentzug. Während des Chemo-Rausches essen die Konsumenten meist nichts. Desweitern fördert die Droge die Verbreitung von sexuell übertragbaren Krankheiten, weil es zu ungeschütztem Sex mit durchschnittlich fünf verschiedenen Partnern führt.

Wird die Droge gespritzt, kann es zur Ansteckung mit HIV und Hepatitis-C kommen. Wenn Party-Teilnehmer erst nach mehreren Tagen die Ambulanz aufsuchen, ist es für eine Postexpositionsprophylaxe zu spät.

Dem deutschen Experten Prof. Norbert Brockmeyer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für sexuell übertragbare Krankheiten, bereitet der Trend Sorge: „Die Welle ist vor einigen Jahren aus Großbritannien herübergeschwappt. Beliebt ist die Droge vor allem bei Männern. Zunehmend beobachtet man auch heterosexuelle Partyszenen die Gebrauch von Chemsex machen“, sagt er.

Borckmeyer ist Direktor des Zentrums für sexuelle Gesundheit und Medizin der Ruhr-Universität Bochum. 15 Prozent seiner Patienten, die an Geschlechtskrankheiten leiden, haben bereits Chemosex-Drogen konsumiert. Chemosex-Praktizierer seien auf den ersten Blick nicht die typischen Drogenkonsumenten:

„Es handelt sich eher um gut gestellte Akademiker zwischen 40 und 60 Jahren. Sie sehen sich nicht als Drogenabhängige. Es geht ihnen scheinbar nur um ein wenig Spaß. Ein Risikobewusstsein existiert oft nicht, und so verzichtet man auf Safersex. Das größte gesundheitliche Risiko, neben der ganzen Palette an Sexualkrankheiten, ist, dass es zu Organschäden und psychischen Problemen kommt. Um tagelang bei Sex-Partys durchhalten zu können, werden die Stoffe kombiniert. Am Ende hat jeder sechs bis acht verschiedene Substanzen im Blut. Todesfälle kommen immer wieder vor.“

Eine englische Untersuchung „The Chemsex-Study“, bei der Wissenschaftler homo-und bisexuelle Männer interviewten, bestätigte, dass die Versuchung sehr hoch ist, immer wieder zu der Droge zu greifen. Viele der Konsumenten wollen ihren Mangel an Selbstvertrauen und sexuellem Selbstwertgefühl überwinden.

Einige Männer geben an, „dass die Drogen Sex überhaupt erst möglich machen, weil sie die Anbahnung massiv erleichtern. Für viele ist ein Geschlechtsverkehr ohne Drogen nicht mehr vorstellbar. Sie erleben kein Gefühl der Befriedigung, sondern wollen nur noch mehr Sex haben“, sagt Dr. Steffen Tauber, Projektkoordinator der deutschen AIDS-Hilfe, der sich mit dem Thema Chemosex befasst.

Die englische Studie kommt überein, dass es sich mehr um eine Sucht, als um ein Genussverhalten handelt. Die Droge steigert zwar das Lustempfinden. Die meisten Männer waren jedoch mit ihrem Sexualleben unzufrieden, weil es nicht im Rahmen einer festen Beziehung mit einem Partner stattfindet, mit dem sie sich verbunden fühlen.

Dr. Tauber sieht Chemsex eher als ein Phänomen des Zeitgeistes. „Überall gilt heute der Anspruch: schneller, weiter und höher. Da mag die Suche nach extremeren Sex dazu gehören. Allerdings wurden zu allen Zeiten Drogen genommen und mit Sex kombiniert (3).

Quellen:
1) Laurie Roberts: Prison rape costs us $3 million but DOC did nothing wrong? Arizona Republic, 6. Jan. 2016
2) McCall H. et al. What is Chemsex and why does it matter? BMJ, 2015;351:h5790, 3. Nov. 2015
3) Bourne A et al. The Chemsex Study: drug use in sexual settings among gay and bisexual men in Lambeth, Southward and Lewisham, London School of Hygiene & tropical medicine, 2014 – Habich I. Drogen-Orgien: Make love, not Chemsex. Dochcheck, 6. Jan. 2016BookCoverImage

Unsere Autorin Dr. med. Edith Breburda ist Bioethik-Expertin und Veterinär-Medizinerin (Tierärztin); sie lebt in den USA (Bundesstaat Wisconsin).

Weiterführende Literatur, Artikel und Bücher von Dr. Edith Breburda: http://scivias-publisher.blogspot.com/p/blog-page.html

Ediths Buch-Neuerscheinung REPRODUKTIVE FREIHEIT vom Juni 2015: https://charismatismus.wordpress.com/2015/06/20/neuerscheinungbuch-empfehlung-reproduktive-freiheit-von-dr-edith-breburda/

Dieses sachkundige und zugleich verständliche Buch “Reproduktive Freiheit” (viele bioethische und aktuelle Themen) kann portofrei für 22,30 Euro bei uns bezogen werden: felizitas.kueble@web.de (Tel. 0251-616768)


Aufwachsen in homosexuellen Partnerschaften für Kinder ungünstiger

Kinder, die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften aufwachsen, sind in vielerlei Hinsicht benachteiligt gegenüber solchen, die bei ihren leiblichen, verheirateten Eltern leben.

Zu diesem Ergebnis kommt der wissenschaftliche Mitarbeiter im Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft, Jeppe Rasmussen, nach Auswertung zahlreicher internationaler Studien zu dem Thema.

„Wie dieser Studienüberblick zeigt, können – was das Kindeswohl betrifft – zwei Männer oder zwei Frauen nicht gewährleisten, was ein verheiratetes Paar, das seine gemeinsamen, leiblichen Kinder aufzieht, leistet“, schreibt er im Bulletin des Instituts mit dem Titel „Leibliche Elternschaft – Relevanz und Bedeutung für das Kinderwohl“.

Untersucht wurden etwa die Auswirkungen auf die Bindungsfähigkeit, die Leistungen in der Schule und die Wahrscheinlichkeit von Depressionen. Fast alle Studien, die nach eigenen Angaben keine Unterschiede zwischen den Familienformen feststellen konnten, zeigten „erhebliche methodische Schwächen, verwenden keine repräsentativen Daten und ziehen häufig unzulässige Schlussfolgerungen“.

Die jüngsten Untersuchungen, die auch mit den größten Datensätzen arbeiteten und repräsentative Stichproben nutzten, zeigten allesamt auf, dass das Kindeswohl in gleichgeschlechtlichen Familien gefährdeter ist als in anderen Familienformen – seien es die klassische Familie, zusammenlebende heterosexuelle Paare ohne Trauschein oder Alleinerziehende. Der größte Unterschied bestehe zwischen Kindern in homosexuellen Haushalten und solchen, die bei ihren gemeinsamen, leiblichen Eltern aufwachsen, schreibt Rasmussen.

Quelle und vollständiger Text hier: http://www.idea.de/gesellschaft/detail/kinder-in-homo-partnerschaften-sind-benachteiligt-92877.html

Foto: Dr. Edith Breburda


Alfred Adlers Thesen zur Homosexualität: Angst vor der Herausforderung

Von Felizitas Küble

Der berühmte Arzt und Psychologe Alfred Adler ist der führende Vertreter der zweiten „Wiener Richtung der Psychologie“, die sich von Sigmund Freud und dessen Psychoanalyse trennte und einen anderen Weg einschlug: den der sog. Individual-Psychologie.

Der 1870 als Sohn jüdischer Eltern in Wien geborene Mediziner vollzog 1911 den endgültigen Bruch mit Freud, als er aus dessen „Psychoanalytischen Vereinigung“ austrat und 1913 den „Verein für Individualpsychologie“ gründete. Wegen seiner Gefährdung durch den Nationalsozialismus emigrierte er 1935 in die USA.

Während Freud die „Libido“ bzw. den Sexualtrieb als bestimmenden Faktor im menschlichen Leben ansah, steht für Dr. Adler das „Gemeinschaftsgefühl“ im Vordergrund, das im Menschen naturhaft angelegt sei, aber durch pädagogische Bemühungen im Elternhaus und durch eigene Selbsterziehung   –   er nannte es „Selbsttraining“  –  bestärkt werden müsse.

Er räumte der Willensfreiheit einen weitaus höheren Stellenwert ein, als Freuds Theorie vom „psychischen Apparat“ dies vorsah. Aus Adlers Sicht sind schwerwiegende seelische Persönlichkeitsmängel bzw. Neurosen weniger sexuell verursacht als vielmehr eine Folge von Minderwertigkeitsgefühlen, die dann durch übertriebenes Geltungsstreben scheinbar ausgeglichen bzw „kompensiert“ werden.  So entstehen tiefsitzende Minderwertigkeitskomplexe, die zu Störungen im Gemeinschaftsleben führen.

In diesen Zusammenhang betrachtete er auch „Das Problem der Homosexualität“ (so sein Buchtitel).

Für Dr. Adler beginnt dieses „Problem“ mit Minderwertigkeitsgefühlen in der Kindheit, die durch eine fehlgeleitete Erziehung (zB. durch Vernachlässigung oder das andere Extrem der Verwöhnung) begünstigt würden, ebenso durch eine dominante (beherrschende) Mutter, ein fehlendes Vater-Vorbild oder enttäuschende Erfahrungen mit Gleichaltrigen desselben Geschlechts.

Diese Faktoren führen nach Adler aber keineswegs automatisch zu einer homosexuellen Ausrichtung. Ob diese entsteht, hängt aus seiner Sicht davon ab, wie der Mensch auf Niederlagen und Zurückweisungen reagiert  –  und hier kommt nun die Willensfreiheit ins Spiel:

Gelingt es dem „Frustrierten“, dennoch die Herausforderungen des Alltags und der eigenen Geschlechtsidentität“ lebensbejahend aufzugreifen und sich zur Gemeinschaftsfähigkeit durchzuringen  –  oder zieht er sich in seine innere“ Emigration“, gewissermaßen ins seelische Schneckenhaus zurück und verrennt sich so in Selbstmitleid, Überempfindlichkeit und unterschwellige Feindseligkeit gegenüber den anderen  –  im homosexuellen Fall: vor allem gegenüber dem weiblichen Geschlecht.

Hieraus ergibt sich der logische Schluß, daß der Individualpsychologe Adler das homosexuelle Empfinden als eine erworbene Eigenschaft ansah und nicht als genetische Veranlagung. Die These von der „angeborenen Homosexualität“ bezeichnete er in seinem Buch „Das Problem der Homosexualität“ wörtlich als „wissenschaftlichen Aberglauben“ (S. 89).

Er hielt diese damals weitverbreitete Anschauung für unvertretbar, zumal sie die Betroffenen in dem fatalen Irrglauben bestärke, ihre Ausrichtung sei unabänderlich.

Adler bezeichnet die gegenseitige Anziehung von Mann und Frau als das „tragende Prinzip von der Erhaltung der Gesellschaft.“  – Demgegenüber sei Homosexualität durch ein „Ausweichen vor normalen Beziehungen gekennzeichnet, in denen der Homosexuelle eine sichere Niederlage voraussieht“, vor allem gegenüber dem anderen Geschlecht.

Diese „mangelhafte Vorbereitung auf die Geschlechterrolle“ bedeute einen Fehlschlag in der Erziehung zum Mitmenschen“ (S. 87), so Dr. Adler, denn der Betroffene „weicht der normalen Lösung der Liebesfrage aus“. 

„Die Logik des Lebens“ läßt sich nicht verdrängen

Allerdings schlage die „Logik des Lebens“ unterschwellig auch bei ihm durch, wenn er seiner „fixen Idee, seiner Aufwallung nachgeht“, denn letztlich sei er unglücklich mit seiner Orientierung: „Darin bekundet sich die Stimme der Gemeinschaft, die unter allen Umständen der Homosexualität abhold sein muß.“Der „homosexuelle Fehlschlag“ führt nach Adler häufig zu Defiziten bei den sozialen Tugenden:

„Der Homosexuelle zeigt wenig Gemeinsinn und kaum jenes Wohlwollen für andere, wodurch das Band der Einigkeit unter den Mitmenschen geknüpft werden kann; er sucht auch nicht die friedliche Einfügung und Harmonie, sondern eine vorsichtige, aber übertriebene Expansionstendenz führt ihn auf den Weg des fortwährenden, feindlichen Messens und Kämpfens, in dessen Dienst er auch seinen Sexualtrieb stellt. Mit einem Wort: er hat sich nicht zum Mitspieler der Gesellschaft entwickelt.“ (S. 34)

Außerdem schreibt Adler, daß „verdrängte Minderwertigkeitskomplexe bei gleichzeitigem kompensatorischem Überlegenheitsgefühl zu Entwertungstendenzen“ gegenüber den Mitmenschen führen, das bedeutet: Der Komplexbeladene fühlt sich in seinem Ich-Gefühl auf unreife Weise gestärkt, wenn er andere verachtet und mit Mißtrauen behandelt.  –  So dreht sich der Kreis in seinem innerseelischen Gefängnis.

Menschen mit Sexualstörungen zeigen nach Adler auch „Züge verstärkter Überempfindlichkeit, überstiegenen Ehrgeizes und Trotzes“. (S. 28).  – Dies gelte nicht allein für Homosexuelle, sondern allgemein für den „nervösen Charakter“ (der eine Vorstufe zur Neurose darstellt), insbesondere für Angstneurotiker, Zwangsneurotiker oder chronisch Depressive.

Dr. Adler betrachtet Homosexualität grundsätzlich als „heilbar“,wenngleich der Weg dorthin sehr schwierig sei, denn dies erfordere ein „außergewöhnliches Selbsttraining“ der „schwer entmutigten Nervösen“, wie er Homosexuelle auch nennt.  Daher sei es wichtig, ihn zum Gemeinschaftsgefühl zu ermutigen, damit er so sein Selbstmitleid überwindet (vgl. S. 36).

Für Adler besteht das Leben des Menschen  –  auch des heterosexuellen  –  darin, ein „Training für die Liebe“ zu absolvieren, diese Herausforderung tapfer anzupacken und ihr nicht auszuweichen; das gelte vor allem für die Annahme des anderen Geschlechts.

In seinem Buch „Neurosen  –  Zur Diagnose und Behandlung“ schreibt er auf S. 61:

„Liebe ist eine notwendige Lebensaufgabe, die eine frühe Vorbereitung erfordert  –  und Training für die Liebe ist ein integraler Bestandteil der Erziehung zum Leben.“

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks eV. in Münster