Ursachen und Folgen des Hexenglaubens

Pressemitteilung der Universität Mainz:

Der Glaube an Hexen und die Angst vor ihnen ist mit dem Ende der Hexenprozesse in Europa keineswegs völlig verschwunden. Rund 250 Jahre sind inzwischen vergangen, aber noch immer finden in westlichen Gesellschaften Ideen und Konzepte, die Anleihen bei altem Hexenglauben nehmen, ihre Anhänger. In anderen Regionen der Erde sind Hexenverfolgungen bis heute dokumentiert.

Vor diesem Hintergrund ist nach Einschätzung von Prof. Dr. Johannes Dillinger, Historiker an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und der Oxford Brookes University, ein besseres historisches Verständnis der Hexenangst dringend nötig.

Hexenprozesse waren weltliche Verfahren

Die Hexenverfolgung in Mitteleuropa begann um 1560. Es war ein Flächenbrand, bei dem jeder unter Verdacht geraten konnte. „Die Anklagen gingen nicht, wie oft geglaubt, von der katholischen Kirche aus, sondern meistens vom einfachen Volk, dem Bauernstand. Hexenprozesse waren fast immer weltliche Prozesse“, so Dillinger.

Opfer der Verfolgungen waren zu etwa 80 Prozent Frauen. Dafür gibt es eine Vielzahl von Gründen, ein ganz wesentlicher Grund erklärt sich allerdings durch die weibliche Arbeitssphäre: Frauen waren für die Versorgung von Kindern und Kranken zuständig. In ihrer Verantwortung lagen Heilung und Pflege und damit Leben oder Tod – die weibliche Magie war somit weit gefährlicher als die männliche.

Korrigiert werden muss auch das Bild von der „Kräuterhexe“: Die Vorstellung, dass die Opfer der Hexenprozesse professionelle Heilerinnen mit pharmazeutischen Spezialkenntnissen waren, ist genauso falsch wie das Klischeebild von der alten, buckligen Märchenhexe.

Klimatische Veränderungen begünstigen den Wahn

Neueren Erklärungsversuchen zufolge trug ein klimatisches Phänomen dazu bei, den Boden für Misstrauen, Verdächtigungen und Anschuldigungen zu bereiten: Die Hauptzeit der Hexenverfolgung zwischen 1560 und 1650 fällt mit der kältesten Phase der Kleinen Eiszeit zusammen.

Die Klimaverschlechterung führte zu schweren Ernteverlusten und Hungersnöten und in der Folge zu sozialen Spannungen. Gerade in Deutschland wurden Hexen vor allem als Wetterzauberinnen gesehen und schädigende Wetterereignisse konnten ihnen direkt zur Last gelegt werden.

Auch noch heute führt der Glaube an böse Magier und Schadenszauber zu Hexenjagd und Morden, besonders in Afrika und Saudi-Arabien. Offizielle Hinrichtungen vermeintlicher Hexen sind ebenso wie Lynchmorde selbst im 21. Jahrhundert dokumentiert.


Kongo: Mädchen mit “geheimen” Kräften werden dämonisiert und ausgesetzt

Im afrikanischen Kongo haben Armut und der weit verbreitete Aberglaube dramatische Folgen: viele Mädchen werden für das Unglück von Familien verantwortlich gemacht, weil sie angeblich geheime Kräfte besitzen; sie werden deshalb ausgesetzt. Bsp-7

Zur Bekämpfung dieses Phänomens und um den betroffenen Mädchen zu helfen, unterstützt das italienische Hilfswerk “Movimento Lotta Fame nel Mondo (MLFM)” ein Aufnahmezentrum in Ek’Abana in der Diözese Bukavu.

Dort sollen die Mädchen in einem familiären Umfeld aufwachsen und durch verständnisvolles Entgegenkommen ihr Selbstbewusstsein wieder erhalten; dabei werden auch die Talente der Mädchen und deren Bildung gefördert; außerdem versucht man, zwischen den Mädchen und ihren Herkunftsfamilien zu vermitteln und deren Rückkehr in die Familien zu ermöglichen.

Auch Kinder mit einer Behinderung, die von ihren Familien ebenfalls ausgesetzt werden, oder Kinder aus Familien in Not werden in dem Zentrum betreut. Das ursprünglich auf neun Mädchen ausgelegte Heim nahm im Laufe der Jahre hunderte Mädchen auf, so dass ein neues Gebäude dazu gekauft werden musste, die heute weitere Schlafsäle, Therapieräume, Spielzimmer und Gemeinschaftsräume beherbergen.

Quelle: Fidesdienst