Mainz: Mediziner laden am 5. Juli 2017 zum Vortrag über die hl. Hildegard von Bingen

Medizinische Gesellschaft in der Reihe „Starke Köpfe“

Mit einem Abend über Hildegard von Bingen (1098 – 1179) als eine der bedeutendsten Frauen des Hochmittelalters setzt die Medizinische Gesellschaft Mainz am Mittwoch, 5. Juli, ihre Vortragsreihe „Starke Köpfe“ fort.

Über die Benediktinerin, Äbtissin und Universalgelehrte berichtet Univ.-Prof. Dr. Dr. Ortrun Riha vom Karl-Sudhoff-Institut für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften der Universität Leipzig.

Moderatorin des Abends ist Univ.-Prof. Dr. phil. Mechthild Dreyer, Vizepräsidentin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Der Themenabend findet statt am Mittwoch, 5. Juli 2017, um 19.15 Uhr im Hörsaal Chirurgie (Gebäude 505H) der Universitätsmedizin Mainz (Langenbeckstraße 1, 55131 Mainz). Interessierte sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Dazu schreibt die Medizinische Gesellschaft:

„Hildegard von Bingen war eine vielseitig begabte Persönlichkeit, deren Wirken unter Aspekten wie Mystik, Theologie, Musik, Politik, Frauengeschichte und vielen anderen Themenfeldern gewürdigt werden könnte und müsste.

Für die Medizin wurde die Benediktinerin beispielsweise bereits zu Lebzeiten bedeutend, weil sie das damalige Wissen über Krankheiten und Pflanzen zusammenbrachte. Die zentrale Grundvoraussetzung für die Gesundheit besteht nach dem Verständnis von Hildegard von Bingen in der Einheit von Leib, Seele und der Sinne. Viele der von ihr formulierten Heil- und Lebensprinzipien haben auch heute noch Bestand.“

Der Vortrag im Rahmen von „Starke Köpfe“ handelt von Hildegards Menschenbild und ihrer darauf basierenden Heilkunde. Zentral sind hierbei ihre beiden Schriften „Ursprung und Behandlung der Krankheiten“ (Causae et curae) sowie die „Naturkunde“ (Physica).

Die Expertin des Abends, Univ.-Prof. Dr. Dr. Ortrun Riha, ordnet das Leben und Wirken von Hildegard von Bingen in den mittelalterlichen medizinhistorischen Kontext ein und charakterisiert sie in ihrer speziellen Originalität durch den Vergleich mit dem damaligen „Mainstream“.

Zudem informiert Professorin Riha über moderne Rezeptionsformen der auch heute noch beliebten „Hildegard-Medizin“ und „Hildegard-Küche“ und stellt diese den Originalvorlagen gegenüber.

Kontakt
Univ.-Prof. Dr. med. Theodor Junginger, Vorsitzender der Medizinischen Gesellschaft Mainz e.V.
Telefon: 06131 17-4168, Fax: 06131 17-5516, E-Mail: junginger@uni-mainz.de

Die Medizinische Gesellschaft Mainz e.V.
Die Medizinische Gesellschaft Mainz e.V. ist ein Verein zur Förderung und Verbreitung medizinwissenschaftlicher Erkenntnisse. Nicht nur Ärzte, sondern auch interessierte Bürgerinnen und Bürger sollen über aktuelle medizinische Themen durch Vorträge informiert werden. Mehr Infos zu den Veranstaltungen und das Programm der Gesellschaft finden Sie im Internet unter: http://www.mg-mainz.de/aktuelles.html

 


Neue Ausstellung zu Hildegard von Bingen ab 5.9.: „Eine faszinierende Heilige“

Facetten der Kirchenlehrerin aus dem Hochmittelalter

Hildegard von Bingen ist eine große Gestalt der Kirchengeschichte. Ihre Schriften, Kompositionen und ihr visionär-theologisches Werk sind bis heute aktuell. Boppard-Severus-DSC_0344

„Die Auseinandersetzung mit dieser faszinierenden Frau und mit ihrer zeitlosen Theologie lohnt sich“, erklärt Johannes Oberbandscheid, Leiter des Diözesanbildungswerks Limburg.

Gemeinsam mit der Benediktinerinnenabtei St. Hildegard in Rüdesheim hat das Diözesanbildungswerk die Ausstellung „Hildegard von Bingen“ erstellt. Insgesamt 15 Tafeln geben einen Einblick in die Vielfalt des Wirkens der hl. Hildegard.

Präsentiert werden auch Textpassagen aus dem umfangreichen Werk der Ordensfrau. Ihre Aussagen werden vielmehr ergänzt mit Statements von bekannten Persönlichkeiten aus Kirche und Gesellschaft.

Dadurch wird deutlich, welche Impulse diese Äbtissin noch heute zu geben vermag.

Die neue Ausstellung kann ab sofort reserviert werden. Zum ersten Mal zu sehen ist sie am 5. September bei der offiziellen Eröffnung in der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim-Eibingen.

Weitere Infos gibts bei der Katholischen Erwachsenenbildung, Domplatz 3 in 60311 Frankfurt, Tel.: 069/8008718450, Mail: keb.dioezesanbildungswerk@bistumlimburg.de

Quelle: Bistum Limburg / Foto: Dr. Bernd F. Pelz

 

 


Dichterisch-demütiger Brief eines Oberhirten an die hl. Hildegard von Bingen

Erzbischof Hillin von Trier an Äbtissin Hildegard von Bingen:

Hillin, durch die Gnade Gottes demütiger Diener, Knecht und  –  obwohl unwürdig  –  Erzbischof von Trier, wünscht der geliebten Schwester Hildegard, sie möge dem Lamm, ihrem Bräutigam, folgen, wohin immer es geht.

Weil es der Weisheit Gottes, die „das Schwache in der Welt erwählt, um das Starke zu beschämen“ (1 Kor 1,27), gefallen hat, sich in deiner Jungfräulichkeit eine angenehme Wohnung zu erwählen, hat sie das Licht ihrer Gnade im Geist des Rates und eines umfassenden Wissens freigiebig auf dich ausgegossen. Boppard-Severus-DSC_0344

Durch diesen Erguß des Lichtes wollte sie  –  wie ich glaube  –  durch deine Vermittlung, ehrwürdige und in aufrichtiger Liebe zu umfangende Mutter, auch den Geist anderer zu besserem und dem Heil nahekommenderem Streben anregen und erleuchten. (…)

Was du umsonst empfangen hast, gib umsonst weiter, damit du nicht etwa beschuldigt wirst, du wolltest jene dir  zum Nutzen der Nächsten entzündete Leuchte unter dem Scheffel verbergen.

So bitte ich dich, heilige Mutter, mit allen, die zum Hafen deiner Tröstung ihre Zuflucht nehmen, auf die Hoffnung gestützt, mein Verlangen überreich erfüllt zu sehen; ja, ich bitte und beschwöre dein mütterliches Herz in reiner Liebe:

Lass ein paar Tropfen aus jenem Weinkeller des Königs, dessen Überfülle dich schon in diesem Leben wundersam trunken macht, durch den Überbringer dieses Schreibens brieflich auf mich Sünder träufeln (…).

Jener aber, der das gute Werk in dir begonnen hat, möge es im Dasein der Lebenden vollenden.

Quelle: Hildegard von Bingen. Werke (Band VIII): Briefe. Epistolae. Herausgeber: Abtei St. Hildegard in Eibingen. Beuroner Kunstverlag.

Bild: Hildegard-Kirchenfenster in Boppard  / Fotograf: Dr. Bernd F. Pelz


Die prophetische Äbtissin Hildegard von Bingen ist jetzt Kirchenlehrerin

Die hl. Hildegard von Bingen ist  nun zur Kirchenlehrerin erhoben worden: Der Papst proklamierte die Äbtissin des 12. Jahrhunderts sowie den hl. Johannes von Avila auf dem Petersplatz feierlich zu „Ecclesiae Universalis doctores“, also zu Lehrern der universalen Kirche.

Dies geschah am gestrigen Sonntag, umgeben von mehreren hundert Bischöfen, bei einer Meßfeier zur Eröffnung einer großen vatikanischen Bischofssynode über Neuevangelisierung.

Eine riesige Darstellung Hildegards  –  sie ist die erste deutsche Kirchenlehrerin  –  sowie eine weitere des hl. Johannes von Avila, eines Priesters aus dem 16. Jahrhundert, hing während der Feier von der Fassade des Petersdomes herab.

In seiner Predigt warb Benedikt XVI. vor allem für das christliche Bild von Ehe und Familie.

Die rheinhessische Prophetin und neue Kirchenlehrerin würdigte er als eine „Frau von lebhafter Intelligenz, tiefer Sensibilität und anerkannter geistlicher Autorität“.

Die hl. Hildegard hat drei umfangreiche religiöse Bücher geschrieben: die Glaubenslehre Scivias (Wisse die Wege), sodann Liber Vitae Meritorum (Buch der Tugenden/Lebensverdienste) und Betrachtungen über Welt und  Mensch in Liber Divinorum Operum (Buch der göttlichen Werke).

Hildegard ist bereits die vierte Frau, die zur Kirchenlehrerin erklärt wurde (außerdem Teresa von Avila, Katharina von Siena und Theresia von Liseux).

Foto: Dr. Bernd F. Pelz (Das Bild zeigt ein Hildegard-Glasfenster in der Kirche St. Severin in Boppard)