Kann MARIA als Priesterin verehrt werden?

Von Felizitas Küble

In der Kunstgeschichte gibt es vereinzelt Abbildungen, in denen die Madonna mit priesterlichen oder bischöflichen Insignien bzw. Kennzeichen (Stola, Kasel bzw. Meßgewand oder Pallium) dargestellt wird (wie dies auch unser erstes Foto andeutet). 

Auf Gloria-TV hat eine erscheinungsbewegte Leserin gar eine Kitsch-Darstellung mit Maria als Päpstin (sie trägt eindeutig die frühere dreifache Papstkrone) gepostet: https://gloria.tv/article/RiQr6Rzw1iEd3tfyXu7EQGKG6

Aus einigen mißverständlichen Bemerkungen, die einige marianische Theologen in ihrem Überschwang äußerten, versucht nun eine Initiative, die Forderung nach Einführung eines Frauenpriestertums zu begründen: Die Verehrung Mariens als Priesterin sei angeblich eine „latente Tradition“ in der katholischen Kirche  – und daraus ergäbe sich, daß Frauen zu Priestern geweiht werden könnten: http://www.womenpriests.org/de/mrpriest/m_gen.asp

Diese Verknüpfung eines bestimmten Marienkultes mit dem Frauenpriestertum ist kein neues Phänomen.

Bereits in der früheren Christenheit gab es die Sekte der Marianiten bzw. Philomarianiten (Freunde bzw. Lieblinge Mariens), welche die Madonna geradezu vergöttlicht haben, ihr Brot-Opfer darbrachten und Priesterinnen kannten. Frühchristliche Häresiologen (Kritiker der Irrlehren) haben sich mit dieser Abspaltung befaßt und deren überzogenen  bis blasphemischen Marienkult ebenso zurückgewiesen wie das weibliche Priestertum. 

Nicht identisch, aber damit verwandt sind die Mariaviten in Polen und Frankreich. Diese Abspaltung von der katholischen Kirche betreibt einen ausufernden Madonnenkult (wenngleich vor einer Vergöttlichung Mariens noch Halt gemacht wird) und hat sowohl das Priestertum wie das Bischofsamt für Frauen geöffnet. Die Sekte ist vor allem in Polen sehr aktiv, auch mit eigenen Kirchen und Bildungszentren.

Bei einer Verknüpfung von Maria und Priestertum werden ein paar wichtige Gesichtspunkte übersehen:

  1. Es gibt ohnehin ein allgemeines Priestertum der Gläubigen, wie sowohl die Bibel wie die Kirche seit jeher verkündet. Daran hat die Gottesmutter selbstverständlich den höchsten Anteil von allen Geschöpfen; sie ist insofern aber die „Erste unter Gleichen“. Aus dieser hervorgehobenen Stellung läßt sich kein sakramentales Priestertum ableiten
  2. Maria hat als Fürsprecherin eine gewisse „vermittelnde“ Funktion zwischen den Gläubigen und Christus. Sie ist aber nicht die Mittlerin zu Gott-Vater (dies ist Christus allein), sondern sie führt die Gläubigen zum Gottmenschen Jesus Christus hin; ihre Fürsprache ist weitaus bedeutsamer und wirkungsmächtiger als die Fürbitte der anderen Heiligen. Man kann sie auch als unseren Beistand bzw „Anwältin“(Advocata) bei Jesus ansehen. Marias Mittlerschaft ist freilich völlig abhängig von Christus und ihm wesentlich untergeordnet.
  3. Der eigentliche und einzige Mittler  – nämlich zum Vater – ist unser Erlöser allein. Die Madonna kann aber durch ihre Fürsprache und Gnadenvermittlung als „Mediatrix“ (Mittlerin) bezeichnet werden, wobei es sich hierbei nicht um ein Dogma (unfehlbaren Glaubenssatz) handelt, aber um einen in der Kirche geläufigen Ehrentitel für Maria. Diese Mittlerschaft hat eine gewisse besondere priesterliche „Note“, ist aber gleichwohl nicht identisch mit dem sakramentalen, also dem besonderen, amtlich geweihten Priestertum, das Männern vorbehalten bleibt.
  4. Maria wird oft in der kirchlichen Kunst mit einem Buch oder Schriftrollen in der Hand dargestellt, nicht allein bei der Verkündigungs-Szene, sondern z. B. auch im Wochenbett oder auf dem Esel sitzend auf der Flucht nach Ägpyten. Völlig zu Recht wird die Belesenheit und Bibelfrömmigkeit der Madonna hervorgehoben, denn wie schon ihr Magnificat (Lobgesang) zeigt, lebte sie ganz aus den Psalmen und Hymnen des Alten Testaments und kannte sicher große Teile davon auswendig. Aber aus dieser Weisheit und Gelehrtheit läßt sich kein Schluß in Richtung Amtspriestertum ziehen.

Aus der Tatsache, daß die katholische Kirche jene Darstellungen Mariens mit priesterlichen Insignien bzw. in einem liturgisch-amtlichem „Ornat“ bis zum Jahre 1913 nicht ausdrücklich verboten hat, läßt sich nicht ableiten, daß die Kirche eine Verehrung der Gottesmutter als Priesterin (im sakramentalen Sinne) gewünscht oder auch nur erlaubt habe.

Abgesehen davon, daß auch die Kirche eine gewisse „Freiheit der Kunst“ respektierte, ist Maria tatsächlich Priesterin im Sinne des allgemeinen Priestertums (dies sogar in höchster Vollendung) und im speziellen bzw. erweiterten Sinne hinsichtlich ihrer vermittelnden Fürsprache.

Zugleich ist klar, daß Christus der einzige Hohenpriester des Neuen Bundes ist, wie wir im Hebräerbrief nachlesen können. Der einzigartige Charakter des Priestertums Christi wird ausführlich erläutert. Dieses Hohenpriestertum Christi ist  „unteilbar“, ebenso wie sein Erlösungsopfer ein vollkommenes und unteilbares ist. Daß Maria auf geschöpflicher Ebene als herausragende Mithelferin beim Heilswerk Christi verehrt werden kann, das ist nicht dieselbe Ebene bzw. dies steht auf einem anderen Blatt. 

Als Anfang dieses Jahrhunderts Bestrebungen in Richtung Frauenpriestertum zunahmen (vor allem im Protestantismus), hat die römische Glaubenskongregation (damals als „Hl. Offizium“ bezeichnet) im Jahre 1913 entschieden, daß Maria nicht mehr in spezieller Priesterkleidung dargestellt werden darf. Dieser Beschluß wurde allerdings erst drei Jahre später veröffentlicht. 1926 ist dann zusätzlich jede Verehrung Mariens mit der Anrufung „priesterliche Jungfrau“ untersagt worden.

Ausführlich nimmt Bischof Epiphanius von Salamis (4. Jh.) zum Thema Frau als Priesterin Stellung. In seiner Schrift „Adversus haereses“ schreibt er über die charismatische Sekte der Montanisten: „In einer ungesetzlichen und gotteslästerlichen Zeremonie ordinieren sie Frauen und bringen durch sie im Namen Marias Opfer dar. Das bedeutet, dass die ganze Sache gottlos und frevelhaft ist … “.

Erinnert sei auch an die frühchristlichte Sekte der Kollyridianerinnen, die sich als „Priesterinnen der Maria“ verstanden und an einem für sie bestimmten Festtag in einer feierlichen Prozession ihre gebackene Kuchen herumführten und der so verehrten Maria „opferten“. Das war im Grunde eine heidnische Vergöttlichung Mariens, ein verkappter Göttinnenkult im scheinbar christlichen Gewand. Die damaligen Kirchenlehrer bzw. Häresiologen (Darsteller, Kritiker von Irrlehren) haben sich deutlich von dieser Sondergruppe distanziert.

Damals wie heute gilt: Bleiben wir bei der Marienverehrung auf der biblischen und kirchlichen Spur – und verfallen nicht in Verstiegenheiten, wie dies eine Verehrung Mariens als „Priesterin“ bedeuten würde.


Heroldsbach: Wie die „Königin der Rosen“ eine unbescholtene Bäuerin verteufelte

Von Felizitas Küble

Heroldsbach ist jener lange Zeit heißumstrittene „Erscheinungsort“ im Bistum Bamberg, der von 1949 bis 1952 zehntausende Pilgern aus ganz Deutschland anzog und sich zu einem ganz außergewöhnlichen Massenphänomen entwickelte.  

Die katholische Kirche hat diese „Privatoffenbarungen“ allerdings strikt abgelehnt – nicht allein der zuständige Bischof sprach sich damals klar dagegen aus:

Auch die römische Glaubenskongregation (zu jener Zeit noch „Hl. Offizium“ genannt) hat jene aufsehenerregenden Geschehnisse unmißverständlich als „nicht übernatürlich“ abgelehnt und die aktiven Anhänger unter den Priestern mit kirchlichen Strafen belegt; die Sehermädchen wurden kurzerhand exkommuniziert (aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen).

Heroldsbach ist zwar mittlerweile aus praktischen und pastoralen (seelsorglichen) Gründen eine diözesane „Gebetsstätte“, was aber nichts daran ändert, daß die Erscheinungen nach wie vor kirchlich nicht anerkannt sind, was dort auch ausdrücklich ausgeschildert ist.

Dennoch gibt es – vor allem in traditionellen Kreisen – nach wie vor erstaunlich viele „Heroldsbacher“, die fest von der Echtheit jener spektakulären Vorgänge überzeugt sind, wozu auch ein „Sonnenwunder“ gehört.  Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2016/06/11/die-marienerscheinungen-von-heroldsbach-und-das-sonnenwunder-vom-8-12-1949/

Bei Gesprächen mit Erscheinungsbewegten stellt sich heraus, daß diese Leute oft nicht ausreichend über die „Botschaften“ von Heroldsbach informiert sind, sondern schlicht meinen, die dortigen „Offenbarungen“ seien doch klar-katholisch, marianisch und konservativ ausgerichtet  – also alles paletti, das Ganze echt  – und die Kirche habe sich hierbei nun einmal geirrt.

Ballspiele mit Christkind und den Engeln…

Umgekehrt wird freilich ein Schuh draus  – hierzu einige Beispiele:

Daß die Heroldsbacher Erscheinungen nicht „von oben“ sein können, geht allein schon aus der Tatsache hervor, daß die „Seherkinder“ mit dem „Jesuskind“ und den „Engeln“ mehrfach Ballspiele veranstalteten sowie „Fangen“ spielten. Das ist der übernatürlichen Welt nicht würdig und angemessen.

Noch schlimmer ist die Verleumdung einer unbescholtenen Bäuerin aus dem Dorf als angeblich vom Teufel bessesen – und dies behauptete ausgerechnet die „Rosenkönigin“, also die vermeintliche Marienerscheinung, die übrigens ausdrücklich erklärte, sie sei „nicht die Rosenkranzkönigin“  –  was das wundersüchtige Publikum aber nicht weiter störte oder ins Grübeln brachte.

Nun zu jener Nachbarin, deren Acker durch die Seher und ihren Anhang zertreten wurde und die sich darüber völlig zu Recht beschwerte. Aber wer den Schaden hat, braucht für die Spott nicht zu sorgen – in diesem Fall noch schlimmer: sie wurde buchstäblich verteufelt.

Die „Frankfurter Hefte“ vom Mai 1952 haben folgendermaßen über diesen Vorgang berichtet:

„Eine Saat der Feindschaft ging (in Heroldsbach) auf. Auf dem (Erscheinungs-)Hügel ist ein Getreidefeld, dessen Rand aufs abscheulichste niedergetrampelt war….

Eines Tages schien die Madonna ihren Weg über dieses Feld nehmen wollen  – und die Kinder, ihr folgend, zertraten die Saat. Die Frau, der das Feld gehörte, rief: „Die Heiligen dürfen darüber, aber ihr nicht, schont doch mein Getreide!“

An einem der nächsten Tage erklärten die Kinder, die Madonna habe gesagt, die Frau sei der Teufel. Am Abend kam es zu einem wilden Tumult auf dem Berg. Die Laienkommission, die Kinder und die Gläubigen beteten beim Abnlick der Frau schreiend die Teufelsaustreibung, die Kinder riefen, sie sähen den Teufel in Person…Die Menge hätte um ein Haar die Frau erschlagen.

Der Ortspfarrer streute Gerüchte aus über die Frau, die zu einem Prozeß führten, bei dem er schließlich widerrief.“

Es bedarf gewiß einer großen Geistesverwirrung, um zu glauben, solch gefährlicher Unfug  – an dem sich der erscheinungssüchtige Pfarrer sogar noch beteiligte  –   stamme vom Himmel.

Jene Verschwörungstheorien, die behaupten, das Bistum Bamberg habe den Vatikan damals (in den 50er Jahren) falsch informiert bzw. hinters Licht geführt, sind nicht stichhaltig, denn um diese „Botschaften“ zu verurteilen, waren beileibe keine „Fälschungen“ nötig, da diese absurden „Visionen“ in ihrer Originalfassung schon für sich bzw gegen sich sprechen!

Vor mir liegt das Buch „Heroldsbach – eine mütterliche Mahnung Mariens“ (siehe Foto) von Christel Altgott, es erschien 1957 und ist natürlich komplett unkritisch. Umso aufschlußreicher sind die dort enthaltenen Informationen (von denen keiner behaupten kann, Skeptiker hätten sie ausgestreut).

Hierzu einige Beispiele:

Seite 11: Es wird berichtet, daß die Seherkinder im Auftrag von Prof. Faulhaber an die Erscheinung die Frage richten sollen: „Bist Du die Assumpta?“ (Das ist lateinisch und bedeutet gemäß dem Dogma: „Bist Du die in den Himmel aufgenommene Madonna?“)

Worauf die Erscheinung laut Seherkinder geantwortet haben soll: „Nein, ich bin es nicht, ich bin die Gottesmutter, die Himmelsmutter.“

Nun hat die Buchautorin natürlich ein Erklärungsproblem. Die Ausrede, die Madonna sei des Lateinischen nicht mächtig, wäre allerdings lächerlich. Aber es sei eben so, daß Maria sich in Heroldsbach nicht speziell als Assumpta verehrt wissen will, sondern als Gottesmutter“, läßt uns die Verfasserin wissen…

Seite 17 und 18: Es wird berichtet, daß sich die Erscheinung – nachdem sie ja offenbar keine „Assumpta“ ist – wie folgt selber definiert:

„Ich bin die Königin der Rosen, ich bin die Rosenkönigin. Verwechselt es nicht mit der Rosenkranzkönigin.“

Somit wird die Assumpta-Verwirrung noch gesteigert,weil die Erscheinung keinesfalls mit der „Rosenkranzkönigin“ verwechselt werden will. Ob diese merkwürdige Erscheinung  vielleicht d e s h a l b  laut Angaben der Seherkinder einen „schwarzen“ (!) Rosenkranz trägt…?

Jenseitige Drohung für die Kirchenleitung

Seite 40: Typisch für Falschmystik ist das „Zuckerbrot-und-Peitsche“-Prinzip nach dem Motto: Wer an diese Erscheinungen glaubt, wird mit Gnaden überschüttet, wer sich weigert, muß mit drakonischer Strafe rechnen – genauer: mit der Todesstrafe „von oben“.

Der „ganz mit Wunden bedeckte Heiland“ erschien angeblich den Kindern und „klagte, daß die Obrigkeit an das Erscheinen auf diesem Berg nicht glaube. Er gab den Pilgern den besonderen Segen und sagte: „Sie werden erst glauben, wenn Ich sie hinwegraffe.“

Merkwürdig erscheint auch der Heroldsbacher „Segen“ für die Pilger:

Seite 41: „Während dieser Geschehnisse flog (!) der Hl. Geist den Segen“.

Bezeichnend überdies Seite 44: Die „Gottesmutter“ habe erklärt: „Jetzt ist es zu spät, daß sich die Menschheit noch bekehren wird. Es ist der letzte Ruf, den wir hier an sie gerichtet haben.“

Seit Jahrzehnten bekommt man von allerlei Visonärinnen zu hören, die ihnen gewährte „Warnung“ sei der allerletzte Mahnruf des Himmels….

Auf Seite 41 erfährt man auch, daß die Seherkinder „das Vaterunser beteten, welches der göttliche Heiland mit uns sprach.“

Wie bitte? Christus hat gebetet: „Vergib uns unsere Schuld“…? – Zudem: Von welchem „Bösen“ muß Christus denn der göttliche Heiland „erlöst“ werden?

Die Sache ist nicht vergleichbar mit der biblischen Vaterunser-Belehrung Christi, nachdem die Apostel ausdrücklich fragten: „Herr, wie sollen wir beten?“  – Christus hat ihnen das Vaterunser lediglich vorgesprochen, damit sie es kennenlernen, ohne es mit ihnen zusammen zu beten.

Schon diese wenigen Beispiele belegen, daß die Erscheinungen von Heroldsbach nicht „von oben“ sein können; es handelt sich bestenfalls um Fantasieprodukte oder um Phänomene bzw. Täuschungsmanöver von „unten“  –  oder beides miteinander vermischt.

Weitere Hintergrund-Infos zu Heroldsbach hier: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/08/heroldsbach-und-die-%e2%80%9ehimmelsvisionen%e2%80%9c/


Das Ave-Josefs-Gebet ist kirchlich abgelehnt

Von Felizitas Küble

Schon seit mindestens 150 Jahren gibt es in einigen frommen Kreisen, welchen die Verehrung des hl. Josef wichtig ist (wogegen an sich nichts einzuwenden wäre), eine Ave-Josefs-Gebet, das auf mehreren Webseiten zu finden ist, sogar auf dieser noch relativ gemäßt wirkenden Sammlung von Gebeten und Andachten mit dem Titel „Zeit zu beten“: https://zeitzubeten.org/gebete/gebete-zu-muttergottes-und-hl-josef/gebete-zum-hl-josef/  Radio Vatikan

Diese Anrufung des Nährvaters Christi existiert in leicht veränderten Abwandlungen („Wir grüßen dich“ oder „Gegrüßet seist Du“), aber stets kommt nach dem Namen Josefs der Lobpreis „Voll der Gnade“  –  und das geht offensichtlich entschieden zu weit.

Um dies zu wissen, benötigt man kein sonderliches theologisches Wissen. Es müßte schließlich bekannt sein, daß die Heilige Schrift allein die Gottesmutter Maria als die Gnadenvolle („voll der Gnade“) bezeichnet – und zwar durch den Engel Gabriel bei der Verkündigung des HERRN.

Auf der erwähnten Webseite heißt die Anrufung des Pflegevaters Jesu folgendermaßen:

Gruß an Josef

Wir grüßen dich, Josef, voll der Gnade,
Jesus und Maria sind mit dir;
du bist gebenedeit unter den Männern,
und gebenedeit ist Jesus, Gottes eingeborener Sohn.

Heiliger Josef, Nährvater Jesu Christi und
Bräutigam der unbefleckten Jungfrau Maria,
bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes.
Amen.

Hier wurde das Ave Maria fast wörtlich auf den hl. Joseph umgedichtet bzw. nachgeahmt  –  und wie man sich vorstellen kann, hat die Kirche diesen theologischen Unfug schon vor 140 Jahren strikt abgelehnt. media-390606-2 - Kopie

Die frühere Glaubenskongregation, damals Hl. Offizium genannt, hat dieses Gebet am 26. April 1876 verworfen. Offenbar hat sich dies aber bis zum heutigen Tage nicht in allen frommen Kreisen herumgesprochen, weshalb wir nachdrücklich darauf hinweisen wollen.

Nachgelesen werden kann diese Auskunft auf S. 159 in dem Klassiker „Die Ablässe, ihr Wesen und Gebrauch“ von Franz Beringer, das 1915 erschienen ist  (ein Standardwerk, das ausdrücklich vom Hl. Offizium gutgeheißen wurde).

„Rosenkranz der hl. Anna“ nicht genehmigt

Schon längst kirchlich abgelehnt wurde auch ein sog. „Rosenkranz der hl. Anna und Joachim“, also zu Ehren der Eltern Mariens (vgl. S. 155 im erwähnten Buch). Auch dieser Anna-Rosenkranz ist immer noch im Umlauf: http://www.barrierefrei.rosenkranzgebete.de/heilige/rosenkranz-zur-heiligen-mutter-anna-und-zum-hl-jo/index.php

Der Vatikan entscheidet freilich nicht allein gegen Übertreibungen in der Verehrung des hl. Joseph oder der Eltern Mariens, sondern auch hinsichtlich eines überzogenen Marienkultes. Das gilt zB. für folgendes Stoßgebet: „Heiliges Herz Mariä, du bist die große Königin, die ganze Welt neigt sich vor dir, errette gnädig meine Seele“. (Vgl. Ablaßbuch, S. 159) 131223-stern-von-bethlehem_b87bfae72c

Es liegt auf der Hand, daß die Madonna zwar Fürsprecherin ist, aber keine Seelenretterin sein kann, weil Christus allein unser Erlöser ist. Zudem stimmt es schlichtweg nicht, daß sich die ganze Welt vor ihr neige, denn das würde eine christlich-marienfromme Menschheit voraussetzen, die es aber nicht gibt.

Bei liturgischen Gebeten und kirchlichen Litaneien kann man den grundlegenden Unterschied zwischen der Anbetung des HERRN und der Verehrung Marias anhand der jeweiligen Antworten erkennen. Bei Marien-Litaneien heißt es: „Bitte für uns“  –  Bei Litaneien zu Gott-Vater, Christus, dem Hl. Geist bzw. der Dreieinigkeit hingegen: „Erbarme dich unser“ – oder: „Erhöre uns, o HERR.“

Petrus, der erste Papst, erklärte in seiner bekannten Predigt nach der Heilung eines Gelähmten eindeutig jene Alleinerlöserschaft Christi, welche das ganze Zeugnis des NT prägt:

„In keinem anderen ist das Heil. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen“ (Apg 4,12).


Vatikan: Die Glaubenskongregation hat die „Amsterdamer Erscheinungen“ 1974 abgelehnt

Kult um die „Frau aller Völker“ von Rom untersagt

Die Vatikanzeitung „L’Osservatore Romano“ berichtete am 28. Juni 1974 folgendermaßen über eine erneute amtliche Stellungnahme der römischen Glaubenskongregation zur Ablehnung der „Amsterdamer Erscheinungen“:  

HL. KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE

 NOTIFIKATION*

Der Bischof der Diözese Haarlem (Niederlande) hat am 7. Mai 1956 nach eingehender Prüfung des Falles über die media-444757-2angeblichen Erscheinungen und Offenbarungen der „Frau aller Völker“ erklärt, daß die „Übernatürlichkeit der Erscheinungen nicht feststeht“ und daß er dementsprechend die öffentliche Verehrung des Bildes der „Frau aller Völker“ so wie die Verbreitung von Schriften, die die genannten Erscheinungen und Offenbarungen als übernatürlichen Ursprungs hinstellten, verboten hat.

Am 2. März 1957 hat der Haarlemer Bischof seine obengenannte Erklärung bestätigt, während das Heilige Offizium in einem Schreiben vom 13. März des gleichen Jahres die Klugheit und den pastoralen Eifer des Bischofs begrüßt und seine Maßnahmen gebilligt hat.

Außerdem hat die Kongregation für die Glaubenslehre in Beantwortung eines Gesuches des Bischofs von Haarlem vom 29. März 1972 die bereits in dieser Sache getroffene Entscheidung am 24. Mai des gleichen Jahres bestätigt.

Im Hinblick auf weitere Entwicklungen und nach erneuter, noch tieferer Prüfung des Falles bestätigt die Kongregation für die Glaubenslehre mit der vorliegenden Verlautbarung, daß das von der zuständigen kirchlichen Behörde bereits ausgesprochene Urteil begründet ist, fordert Priester und Laien dazu auf, jede Propaganda für die angeblichen Erscheinungen und Offenbarungen der „Frau aller Völker“ zu unterlassen und ermahnt alle, ihre Verehrung für die heiligste Jungfrau, Königin der Welt (vgl. Enzyklika Ad caeli Reginam, AAS XXX [1954], 625-640), in den von der Kirche anerkannten und empfohlenen Formen zum Ausdruck zu bringen.

Rom, 25. Mai 1974.

Hierzu die vatikanische Original-Quelle: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_19740525_signora-amsterdam_ge.html

Unser Artikel über die Serie kirchlicher Ablehnungen zum Kult um die „Frau aller Völker“: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/08/die-kirche-und-die-%E2%80%9Efrau-aller-volker%E2%80%9C/

Die Amsterdamer Erscheinungen fordern das Dogma von der „Miterlöserin“ Maria. Dieser Titel ist jedoch kein Bestandteil der kirchlichen Marienlehre. Auch Papst Benedikt hat sich hierzu kritisch geäußert: https://charismatismus.wordpress.com/2012/02/11/papst-titel-miterloserin-fur-maria-verdunkelt-den-wesentlichen-vorrang-christi/

HINWEIS: Der niederländische Bischof Josef Maria Punt von Haarlem hat sich am 10.6.2002 dennoch pro Amsterdamer „Marienerscheinungen“ geäußert  – und dies trotz jahrzehntelang ablehnender Urteile mehrerer Amtsvorgänger sowie des Hl. Offiziums bzw. der Glaubenskongregation in Rom.