Regensburg: Tagung und Ausstellung zum 800-jährigen Bestehen des Dominikanerordens

Bericht zur Tagung „Mehr als Schwarz & Weiß“:

Regensburg als unerschöpflicher Ort des Miteinanders von Glaube und Kultur war – einmal mehr! – besonders während der Tagung „Mehr als Schwarz & Weiß“ zu erfahren, die am 18. Juni dort in der Minoritenkirche stattgefunden hat. GT2B5417

Die Tagung war eingebettet in die zentrale Ausstellung anlässlich des 800-jährigen Bestehens des Dominikanerordens, die derzeit in der Dominikanerkirche St. Blasius zu besuchen ist. Die Ausstellung ist deutschlandweit zentral.

BILD: Teilnehmer der Tagung zur Dominikanergeschichte

Veranstalter der Tagung waren das Akademische Forum Albertus magnus in Regensburg sowie die Katholische Akademie in Bayern.

Prof. Dr. Sigmund Bonk, Direktor der Akademischen Forums, nannte die Kooperation mit der Katholischen Akademie in München „Freude und Auszeichnung zugleich“. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer fungierte als Schirmherr der Tagung, wie er auch Schirmherr der Ausstellung ist.

Vom Sinn der „Biblia pauperum“ 

Außerdem hielt er den ersten Vortrag der auch in ihrer Zusammenstellung einmaligen Tagung.

„Biblia pauperum – Bibel der armen Bettelmönche?“   – so lautete dazu das Thema, wobei der Regensburger Oberhirte über die typologische Schriftauslegung als Predigtgrundlage im Ringen mit den Katharern sprach. Dabei wies er die Vorstellung von der Biblia pauperum („Bibel der Armen“) als gemalte Bibel zurück, die für Menschen gemacht wäre, die nicht lesen können. Vielmehr stellte der Bischof Auszüge aus einer bebilderten Heiligen Schrift vor, die das Alte Testament und das Neue Testament miteinander verknüpfen. polskaweb

Gnostisch inspirierte bzw. sektiererische Bewegungen des Hochmittelalters in Südfrankreich, gegen welche die Dominikaner Seelsorge betrieben und predigten, hatten die Schriften des Alten Bundes hingegen ausgeschlossen, vor allem die Katharer.

Ob nun die „Biblia pauperum“ die Bibel der (armen) Bettelmönche – darunter insbesondere Dominikaner und Franziskaner – meinte, wäre nun wohl nicht uneingeschränkt zu bejahen. Allerdings sei die These Alfred Weckwerths nicht auszuschließen, der annimmt, dass die Biblia pauperum ihre Entstehung der Bekämpfung der Katharer sowie weiterer sektiererischer Gruppen verdankt.

Bedeutung der SchöpfungstheologieborMedia1847901

Dabei sei man schließlich, so Bischof Dr. Voderholzer, auf der richtigen Fährte, um die Inhalte zu bezeichnen, die die ersten Predigten des Dominikus bzw. der Dominikaner prägten. Von hier aus spannte der Bischof den theologisch einsichtigen Bogen zur Bedeutung der Schöpfung sowie der Schöpfungstheologie, wie im Anfang des Buches Genesis grundgelegt, bei den Dominikanern.v

Deren Albertus magnus, von 1260 bis 1262 Bischof von Regensburg, hatte sich der Beschreibung der Schöpfung durch die Naturbetrachtung verschrieben. Thomas von Aquin mit einem Epitheton zu versehen hätte nahegelegt, ihn „Thomas vom Schöpfer“ – Thomas a Creatore – zu nennen.

Prof. Dr. Hans-Christoph Dittscheid vermittelte in der Folge zentrale Einsichten zur Bettelordens-Architektur der Gotik in Regensburg – anhand der Minoritenkirche St. Salvator (wo das Symposium tagte) und anhand der Dominikanerkirche St. Blasius, deren beide Westfassaden, miteinander verglichen, die Bauten als „geschwisterlich“ erschienen ließen.

Zur Architektur der Bettelorden: „Gebaute Armut“

Diese Bauwerke seien nicht dazu angetan, um am Wetteifern um den höchsten Turm in Regensburg teilzunehmen. Bemerkenswert in beiden Bauten außerdem die Zitate aus der französischen Kathedral-Architektur, die demnach aus Reims und Chartres „abgerufen“ worden sind. Prof. Dittscheid sprach beeindruckend von „gebauter Armut“, um Regensburgs Bettelordensarchitektur zu charakterisieren.

Weitere Themen waren das „Ketzerproblem“ in der frühen Geschichte des Dominikanerordens (Prof. Dr. Jörg Oberste, Regensburg), die Dominikaner in Auseinandersetzung mit Judentum, Islam und anderen Kulturen (P. Elias H. Füllenbach OP, Köln), die Auseinandersetzung der Dominikaner mit der Reformation („Vom Theologenstreit zum Überlebenskampf“, Prof. Dr. Klaus Unterburger, Regensburg), der Auftrag des Dominikanerordens heute (P. Thomas G. Brogl OP, Provinzial der Dominikaner in Süddeutschland und Österreich, Wien) sowie der liturgische Gesang bei den Dominikanern (Prof. Dr. David Hiley, Regensburg). jesus in der synagoge von nazareth

Prof. Bonk bemerkte über die Tagung in trefflicher Weise, sie sei eine „wunderbare Einheit von Ort und Wort“.

Am Ende ging man – so ein Wort Bischof Voderholzers – „vom Wort zur Tat“ und feierte die Vesper in St. Kassian Regensburg. Die Gregorianik sangen Studenten der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik Regensburg unter der Leitung von Rudolf Fischer.

In seiner Predigt spann Dr. Voderholzer erneut kunstvoll die theologischen Fäden von der Ordensgemeinschaft der Predigerbrüder über die marianische Spiritualität sowie überhaupt mariologische Zusammenhänge hin nach St. Kassian, wo an der Nord- und an der Südinnenwand ein „einzigartiges mariologisches Programm“ zu betrachten ist, und zwar im Rückgriff auf typologische Zusammenhänge Mariens im Alten und im Neuen Testament.

Immerhin eignet dem Predigerorden selbst ein „starkes mariologisches Moment“, wusste der Bischof, der auf Rosenkranz, Schutzmantelmotiv und die tiefe Verehrung des Ave Maria sowie des Salve Regina verwies. Außerdem hatte Papst Pius V. (1566 – 72), der ursprünglich ein Dominikaner war, den Angelus (Engel-des-HERRN-Gebet) eingeführt.

Bei diesen Ausführungen in der Predigt ging es leitmotivisch um Schönheit und Wahrheit. So drückte der Regensburger Oberhirte abschließend den Teilnehmern der Tagung gegenüber den Wunsch aus: „Mögen Sie von diesem Tag eine Resonanz in Sachen Heiligkeit und Schönheit mitnehmen.“

Text sowie Foto 1 und 3: Bistum Regensburg


Matthias Matussek über abendländische Kreuzzüge als Reaktion auf islamische Kriegszüge

„Gottes Krieger“ von Rodney Stark: „Die Kreuzzüge im neuen Licht“

Der katholische Bestseller-Autor und „Spiegel“-Mitarbeiter Matthias Matussek befaßt sich in einem Beitrag auf der pro-jüdischen und islamkritischen Webseite „Die Achse des Guten“ am 3.6.2013 unmißverständlich mit jenen weitverbreiteten Zerrbildern, die in Deutschland und Europa über die vielgeschmähten Kreuzzüge des Hochmittelalters im Umlauf sind.

Damals stellte sich das christliche Abendland in einem Verteidigungsfeldzug gegen weitere islamische Eroberungen, die auch das Heilige Land betroffen hatten, was dort ebenfalls zur Unterdrückung ansässiger Christen und Juden sowie zur Zerstörung ihrer heiliger Stätten führte.

In den Jahrhunderten zuvor hatten islamischen Kriegszüge das weitgehend christliche Nordafrika und Teile Südeuropas überrannt und drangen eroberungssüchtig bis nach Frankreich vor. 61fN8W0uSJL__BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_SX385_SY500_CR,0,0,385,500_SH20_OU03_

Matussek berichtet in seinem Beitrag „Die Kreuzzüge: Ursache des Nahostkonflikts?“ auch von einem bemerkenswerten neuen Buch zu diesem alten Dauerbrenner-Thema: 

Der amerikanische Religions-Soziologe Rodney Stark schreibt faktenstark über „Gottes Krieger“;  der Untertitel dieses jüngst erschienenen Sachbuchs lautet: „Die Kreuzzüge im neuen Licht“.

Hier folgen Auszüge aus Matusseks Besprechung:

„Rodney Stark, Pulitzer-Preis-nominierter Professor der Bayle-University, rollt mit „God’s Batallion“ den Fall neu auf. Unter dem Titel „Gottes Krieger“ ist das Buch nun auf deutsch erschienen, ein wütendes und dabei faktenreiches Stück Revisionismus, ganz auf der Höhe der Forschung…

Er rückt Mythen zurecht. Zunächst den, dass die Kreuzzüge Gier-getriebene Beutezüge gewesen seien. Das Gegenteil ist der Fall, sie waren, das belegt Stark, der sichere Weg in den finanziellen Ruin, oft in den Tod. Sie waren eine Sache romantischer und frommer Idealisten.

Der legendäre Kreuzritter Gottfried von Bouillon etwa vermachte die Grafschaft Verdun an den französischen König, um sein Heer zusammenzustellen. Doch nicht nur Ritter – die geschätzte fünf Jahreseinkommen aufbringen mussten – auch viele einfache Leute schlossen sich dem Aufruf von Papst Urban an.

Der nächste Mythos ist der des Angriffs- und Eroberungskrieges. Dazu hatte bereits Gilbert Chesterton bemerkt, dass bereits lange, bevor „die Ritter überhaupt von Jerusalem träumen konnten, die muslimischen Krieger auf Paris zuritten.“

Stark zeichnet die Eroberungszüge der islamischen Gotteskrieger im 7. und 8. Jahrhundert nach – durch Nordafrika, Spanien, Frankreich, wo sie schließlich durch Karl Martells gepanzerte Infanterie gestoppt wurden. min_131

Im 9. und 10. Jahrhundert hatten sich verschiedene Kalifate im Mittelmeerraum fest etabliert, von wo aus die Krieger ihre Raubzüge unternahmen. Sie hatten dabei sogar die römische Peterskirche überfallen, was die Päpste begreiflicher Weise animierte, über das kanonische Waffenverbot nachzudenken.

Besonders traf die Christenheit die Zerstörung der heiligen Stätten, der Grabeskirche und weiterer 30.000 Kirchen, die unter dem Kalifen Tariq al-Hakim angeordnet wurde. Unter ihm  –  soviel zum Mythos der islamischen Toleranz  –  hatten Christen ein fast zwei Kilo schweres Kreuz um den Hals zu tragen, die Juden ein ebenso schweres geschnitztes Kalb, in Erinnerung an das Goldene Kalb, das sie einst anbeteten. Öffentliche Gebete waren bei Todesstrafe verboten.

Christen und Juden galten im islamischen Herrschaftsbereich als „Dhimmis“, als Menschen zweiter Klasse. Dhimmis im übrigen, denen sie einen Großteil ihrer oft besungenen Hochkultur zu verdanken hatten.“

Vollständige Buchbesprechung Matusseks siehe hier: http://networkedblogs.com/LOwFk

Felizitas Küble

Prof. Starks Buch bestellen:
Verlag: http://haffmans-tolkemitt.de/programm/rodney-stark-gottes-krieger/
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