Bildungsethik angesichts der Coronakrise

Von Dr. Axel Bernd Kunze

An den Hochschulen wird mehr oder weniger kontrovers darüber gestritten, wie und in welchem Umfang eine Rückkehr zum Präsenzbetrieb im neuen Wintersemester möglich werden kann. Die 3-G-Regel wird kommen.

In Bayern sollen Tests für ungeimpfte Studenten weiterhin kostenfrei bleiben, in anderen Bundesländern nicht. Von einzelnen Kollegen ist aber auch schon die Forderung zu hören, eine 2-G-Regel für den Lehrbetrieb einzuführen.

Wo bleiben jetzt die Hochschullehrer und Fächer, welche die Menschenrechte in den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten immer mehr als Instrument einer umfassenden Gesellschaftsreform ausgedehnt haben, im Namen radikaler Inklusion, sozialer Teilhabe, Partizipation, Anerkennung, Respekt, Beteiligungsgerechtigkeit …? Dies alles scheint jetzt vergessen. Und es war vermutlich in vielem immer nur aufgesetzt gewesen, ein akademisches Glasperlenspiel. Wie andere Akteure scheitert jetzt auch die akademische Welt an der Krise.

Es fällt in dieser Krise, die wir gegenwärtig erleben, auf, wie wenig Gespür für gravierende Grundrechtskonflikte vorhanden ist. Wie war das mit dem Recht auf Berufsausbildungsfreiheit und dem Recht auf Bildung? Vor Jahren haben alle gerufen, Bildung sei das Wichtigste – und alles musste sich dem Thema Bildungsgerechtigkeit unterordnen.

Und jetzt ist auf einmal Gesundheit das Allerwichtigste – und alles muss dem Gesundheitsschutz untergeordnet werden. Und morgen …!? Dann kommt das nächste Thema, das politisch absolut gesetzt wird und radikale Aufmerksamkeit beansprucht.

Bei einer hysterischen Debatte, die für einzelne Themen immer gleich einen absoluten Vorrang postuliert, ist kein Spielraum für differenzierte Abwägungsprozesse. Das Gespür für eine differenzierte Güter- und Übelabwägung schwindet – doch nicht allein in der alltagstheoretischen Debatte über ethische Fragen.

Universität von Münster im Stadtschloß

Ich erlebe auch in meiner Disziplin, der Sozialethik, wie Methodenwissen zunehmend verfällt. Ein befreundeter Psychologe hat es so erklärt: Wo zunehmend moralisierend diskutiert wird (Haltungswissenschaft, Haltungsjournalismus, Haltung zeigen gegen Rechts …), da muss man keine ethischen Vorzugsregeln anwenden; da gibt es nur noch Schwarz und Weiß, absolut Gut und absolut Böse

Die politischen Folgen zeigen sich: Der Abweichler wird erpresst, und man nennt dies noch Solidarität. Mit Selbstbestimmung und Achtung vor dem eigenverantwortlichen Subjekt hat das wenig zu tun.

Es bleibt ein Abgesang auf ein bürgerliches Freiheitsverständnis. Ohne ein solches wird die akademische Leistungsfähigkeit unseres Hochschulsystems und unseres Landes auf Dauer aber nicht zu halten sein.

Erstveröffenhtlichung des Beitrags von Dr. Kunze hier: https://bildung-und-ethik.com/2021/09/23/schlaglicht-abgesang-auf-die-freiheit-auch-an-den-hochschulen/


„Netzwerk Wissenschaftsfreiheit“ fordert: Kein Zwang zum Gendern in Forschung und Lehre

Pressemitteilung:

Auf sprachwissenschaftlicher, psychologischer und ethischer Grundlage hat sich bislang kein Konsens ergeben, wie auf gemischtgeschlechtliche Personengruppen Bezug genommen werden soll. Geschlechtergerechtigkeit kann dafür sprechen, vom traditionellen Sprachgebrauch abzuweichen.

Viele der derzeit gebräuchlichen Neuerungen rufen hingegen stilistische Probleme hervor, lassen die Ausdrucksmöglichkeiten der Sprache verarmen und verletzen die Regeln der deutschen Grammatik. Es kann deshalb nicht Sache der wissenschaftlichen oder hochschulpolitischen Institutionen sein, in dieser offenen Frage Vorschriften zu erlassen.

Wie weite Teile der allgemeinen Öffentlichkeit sehen viele Netzwerkmitglieder das Vordringen von „offiziösen“ Leitlinien und Handreichungen mit Unbehagen, die zum Gebrauch von Binnen-I, Genderstern (Lehrer*innen), Unterstrich, eingefügten x etc. auffordern. Das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit tritt dafür ein, dass niemandem eine solche als geschlechter­inklusiv deklarierte Sprachform aufgenötigt werden darf.

Die Netzwerksprecherin Sandra Kostner verweist beispielhaft auf die Forderungen der Vertretung der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen vom Februar 2021. Dort wird allen Hochschulen in Deutschland nahelegt, den Genderstern einzuführen. Nur so sei angeblich die Voraussetzung für den freien Zugang in die Hochschule und für durchlässige Karrierewege gegeben.

„Es gibt gute Gründe, die alleinige Herrschaft des generischen Maskulinums kritisch zu sehen“, so Kostner. „Aber es gibt auch viele gute Gründe gegen alle bisher vorgeschlagenen Alternativen einschließlich des Gendersterns.“

In dieser Situation sei von Hochschulleitungen und Ministerien Zurückhaltung gefordert. Dies gelte auch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte. Deren wichtige Aufgabe sei es, gegen konkrete Diskriminierungen vorzugehen, nicht Sprach- und Gesellschaftspolitik zu betreiben.

Das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit fordert daher von den Hochschulen, den Wissenschaftsverwaltungen und den staatlich unterstützten Förderorganisationen, keine verbindlichen Vorschriften zur Nutzung bestimmter Formen gendersensibler Sprache zu erlassen.

„Sprache ist für Forschung und Lehre ein zentrales Werkzeug. Wer in die Freiheit der Sprachverwendung eingreift, greift in die Freiheit von Forschung und Lehre ein“, betont Kostner. Es dürfe daher weder einen Zwang zu – noch ein Verbot von – „gendersensiblen“ Sprachformen geben.

Das Netzwerk vertrete uneingeschränkt das Primat der Einzelpersönlichkeit gegenüber der Institution: Nicht Corporate Identity, sondern das auf den Einzelnen bezogene Grundrecht der Wissenschaftsfreiheit gelte.

Mögliche Einschränkungen gebe es zuhauf: die offizielle Internetpräsenz von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Formulare in Datenbanken, die Sprache in der hochschulinternen Korrespondenz, in Unterrichtsmaterialien und Modulbeschreibungen. „Hier gibt es bereits dem Netzwerk bekannte Fälle, in denen Hochschulverwaltungen bestimmte Formen des ‚Genderns‘ mit der Macht des Apparats durchzusetzen versuchen“, beklagt Kostner.

Im Netzwerk Wissenschaftsfreiheit gebe es, so Kostner, durchaus keine einheitliche Meinung dazu, ob die Nutzung „gendersensibler Sprache“ grundsätzlich erwünscht sei oder nicht. Im Netzwerk kämen sehr unterschiedliche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Erfahrungen, Generationen und politischer Einstellungen zusammen. „Entscheidend ist aber, dass wir uns gemeinsam gegen Entwicklungen wenden, die die Freiheit von Forschung und Lehre einzuschränken drohen. Daher: Kein Zwang zum Gendern“.

Weitere Infos hier: www.netzwerk-wissenschaftsfreiheit.de

Gemälde: Evita Gründler


Britischer Bildungsminister geht gegen linke „Cancel Culture“ an Universitäten vor

Die Auffassung der britischen Regierung ist klar: Das „Totschweigen“ von unliebsamen Meinungen an Hochschulen müsse dringend bekämpft werden, auch mit staatlichen Eingriffen und Geldstrafen.

Das sei ein „Meilenstein für die Redefreiheit“, so der britische Bildungsminister Gavin Williamson über schärfere Maßnahmen gegen die Unterdrückung unliebsamer Ansichten an Hochschulen. Er hat damit die Debatte über „Cancel Culture“ weiter angeheizt.

BILD: Auch an der Universität Münster betreibt der ASTA eine fanatische Cancel Culture mit der Causa Prof. Cullen

Laut Williamson werden immer mehr Personen „zum Schweigen gebracht“, gerade an Universitäten. Dort gebe es inzwischen geradezu einen „Abschreckungseffekt“ (chilling effect), so dass manche Studenten und Beschäftigte das Gefühl hätten, sie könnten sich nicht mehr frei äußern.

Der Minister schlägt vor, dass sich künftig alle höheren Lehranstalten auf ein „Manifest“ verpflichten müssen und nur dann unterrichten dürfen, wenn sie die freie Rede garantieren.

Quelle und vollständige Nachricht hier: https://www.br.de/nachrichten/kultur/england-diskutiert-brauchen-unis-aufpasser-fuer-redefreiheit,SPGaHrZ


Die Wissenschaftsfreiheit besser schützen

Zur Initiative des Netzwerkes Wissenschaftsfreiheit erklärt der forschungspolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Götz Frömming:

Die Initiative vieler renommierter Wissenschaftler zur Stärkung der Wissenschaftsfreiheit ist begrüßenswert. Zugleich ist es aber auch ein Alarmzeichen, das von der Politik ernst genommen werden muss.

Wenn der Korridor dessen, was man an deutschen Hochschulen noch denken und sagen darf, nach dem Empfinden vieler Professoren selbst immer enger wird, ist das höchst beunruhigend.

Zu einer funktionierenden Demokratie gehört, dass Wissenschaftler an den Hochschulen Argumente und Meinungen frei von Denkverboten und ohne Angst vor Nachteilen austauschen können. 

Leider gibt es inzwischen zahlreiche Belege dafür, dass die ergebnisoffene Debatte über ideologisch umstrittene Themen oder mit politisch unerwünschten Diskutanten immer öfter im Eklat endet oder erst gar nicht eröffnet wird.

Die AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag hat bereits in der Vergangenheit in zahlreichen parlamentarischen Initiativen auf die Bedrohung der Wissenschaftsfreiheit in Deutschland hingewiesen und die Bundesregierung um Stellungnahme und Unterstützung gebeten (etwa hier).

Es bleibt zu hoffen, dass Bildungsministerin Karliczek den jetzigen Aufruf zum Anlass nimmt, um gemeinsam mit den Kultusministern der Länder die Wissenschaftsfreiheit an deutschen Hochschulen künftig ernsthaft zu schützen.


RCDS-Chef Krishnan beklagt linksextremen Einfluß an vielen deutschen Universitäten

Viele Universitäten in Deutschland haben ein großes Problem mit dem Linksextremismus. Diese Ansicht vertritt der Vorsitzende des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS), Jenovan Krishnan (siehe Foto), gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA.

Anlass waren die schweren linksextremistischen Ausschreitungen während des G20-Gipfels in Hamburg. 476 Polizisten wurden verletzt, 186 Personen festgenommen.

Laut Krishnan gibt es an vielen Hochschulen in ganz Deutschland eine aktive linke Szene. Manche Studenten sympathisierten offen mit linksextremen Organisationen wie etwa der Antifa, seien dort Mitglied, und riefen auch zur Teilnahme an deren Aktionen auf:

„Viele Universitätsleitungen sind auf dem linken Auge blind. Es werden Veranstaltungen massiv gestört und komplett blockiert, Räume mit linken Parolen beschmiert, Scheiben eingeschlagen – und es passiert nichts. So etwas muss künftig unterbunden werden.“

Auch RCDS-Gruppen bekämen die Toleranzlosigkeit von Linken zu spüren. So seien etwa in Frankfurt und Potsdam Veranstaltungen „okkupiert oder gesprengt“ worden.

Die Verharmlosung des Linksextremismus beginne daher bereits an den Hochschulen und setze sich in der Politik fort. Ein Beispiel sei die Aussage der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), die 2014 den Linksextremismus als „aufgebauschtes Problem“ bezeichnet hatte.

Die Bundesregierung gebe derzeit nur knapp ein Prozent für Projekte gegen Linksextremismus aus. Das müsse ausgebaut werden und die Extremismusklausel  –  nur wer sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennt, hat einen Anspruch auf Fördermittel  –  wiedereingeführt werde.

Der Politikstudent Krishan ist seit 2015 Bundesvorsitzender des RCDS. Der bekennende Katholik ist damit auch automatisch Bundesvorstandsmitglied der CDU. Der RCDS mit Sitz in Berlin ist der größte und älteste politische Studentenverband in Deutschland. Er umfasst über 90 Hochschulgruppen mit rund 8000 Mitgliedern.

Vollständige Meldung hier: http://www.idea.de/nachrichten/detail/vorwurf-viele-universitaeten-haben-ein-grosses-problem-mit-linksextremismus-101773.html

Foto: Joy Fischer