Bayern: Israel ehrt Eheleute Köhldorfner als „Gerechte unter den Völkern“

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​Michael und Cäcilia Köhldorfner aus dem bayerischen Schnaitsee wurden am 23.9.2019 posthum (nach ihrem Tod) von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ anerkannt.
Das Ehepaar Köhldorfner hatte während des  Holocaust sein Leben riskiert, um Juden zu retten.
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Erstmals fand eine solche Ehrungszeremonie am tatsächlichen Ort der Rettung statt, auf dem Hof der Familie Köhldorfner in Schnaitsee, etwa 70 Kilometer östlich von München.
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Die Generalkonsulin des Staates Israel, Sandra Simovich, übergab die Yad Vashem-Medaille und die Urkunde an die Angehörigen der beiden „Gerechten unter den Völkern“.Michael und Cäcilia Köhldorfner versteckten im April 1945 zwei verfolgte jüdische Männer auf ihrem Bauernhof und retteten ihnen so das Leben.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs gelang es den beiden aus Polen stammenden Juden Henrick Gleitman und Bernhard Hampel aus dem Todesmarsch, der vom KZ Flossenbürg ins KZ Dachau führte, zu fliehen.

Als sie auf dem Hof der Köhldorfners in Schnaitsee nach einem Versteck suchten, wurden sie von der Familie entdeckt. Obwohl auf dem Hof zwei Nazi-Offiziere wohnten, entschieden sich Michael und Cäcilia Köhldorfner, die bedrohten Juden bis zum Tag der Befreiung zu verstecken und riskierten so ihr eigenes Leben.

Später wanderte Henrick Gleitman in die USA aus, Bernhard Hampel nach Frankreich. Während die Familien Gleitman und Köhldorfner bis zum heutigen Tag in Kontakt geblieben sind, riss der Kontakt zu Bernhard Hampel in den 1970er Jahren ab.

Der älteste Sohn von Michael und Cäcilia Köhldorfner, Michael Köhldorfner, war als siebenjähriger Junge Zeuge des mutigen Handelns seiner Eltern. Er, seine beiden Schwestern sowie zwei weitere der insgesamt fünf Söhne des Ehepaars, nahmen an der Yad-Vashem-Ehrung teil. Weiterhin nahmen rund 20 Enkel und Urenkel der Geehrten teil. 

Auch von der Familie des geretteten Henrick Gleitman waren drei Generationen an der Yad-Vashem-Ehrung zugegen. Ein Sohn, eine Tochter, zwei Enkel und ein Urenkel reisten dafür extra aus den USA an.

Seine Tochter Lilian Borofsky sagte in ihrer Rede:

„Wir sind im Zuhause der Familie, die vor 75 Jahren unseren Vater, Großvater und Urgroßvater Henry Gleitman beschützt hat.

Es war gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, als die Köhldorfners große Menschlichkeit und Tapferkeit zeigten, als sie einen ängstlichen jungen Mann und seinen Freund beschützten und ernährten, die sich versteckten, um ihr Leben zu retten.

Henry wusste zu dieser Zeit nicht, wo seine Familie war, oder ob sie den Krieg überhaupt überlebt hatte. Ihre Familie [gewandt an Familie Köhldorfner] wurde zu seiner Familie…

Heute werden die Köhldorfners in der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet. Fast eine Million Menschen aus allen Teilen der Welt besuchen diese Gedenkstätte jedes Jahr, um sich an die Ermordeten zu erinnern und – ebenso wichtig – um jene Menschen zu ehren, die großen Mut bewiesen haben, so viele kostbare Leben zu retten.

Michael und Cäcilia werden für immer als gerechte und mutige Menschen in die Geschichte eingehen…Möge Ihre Familie mit guter Gesundheit, Frieden und Wohlstand gesegnet sein.“

Quelle (Text/Foto): Israelische Botschaft in Berlin


Israel: Yad Vashem bietet Internet-Ausstellung mit jüdischen Familiengeschichten

Zum 80. Jahrestag des Beginn des Zweiten Weltkriegs hat das israelische Gedenkzentrum Yad Vashem eine neue Online-Ausstellung entwickelt mit Geschichten über das jüdische Familienleben in Europa im Jahre 1939.

Die persönlichen Berichte beschreiben das Fortschreiten des Weltkriegs durch Dokumente, Fotografien und Artefakte, die sich im Archiv von Yad Vashem befinden.

FOTO der Majer-Familie: Rivka und Rafael Majer umgeben von ihrer Familie, Belgrad 1935. – 19 von 21 Angehörigen wurden im Holocaust ermordet.

Die Ausstellung präsentiert z.B. die Geschichte der Familie Majer aus Belgrad. Refael und seine Frau Rivka Majer hatten acht Kinder und viele Enkelkinder.

Eins der Bilder (siehe Foto) hält einen glücklichen Moment der Vorkriegszeit fest mit der erweiterten Familie in ihrer schönsten Festtagskleidung. Von den 21 Menschen in dem Familienbild starb eine Person vor dem Krieg, 19 wurden im Holocaust ermordet und nur eine Angehörige überlebte: Isabella Baruch, die Tochter Refaels und Rivkas.

Nach der Besatzung Belgrads durch die Wehrmacht erkannte die Familie Majer nicht, dass sie in Gefahr waren. Die Älteren unter ihnen erinnerten sich noch an das korrekte Verhalten der deutschen Soldaten während des Ersten Weltkriegs und sagten: „Wir werden schon durch diese schwierige Zeit kommen, wie wir es einst auch schafften.”

Weniger als ein Jahr danach waren 90 Prozent der Juden Belgrads vernichtet.

„Sogar 80 Jahre später ist der starke Widerspruch zwischen jüdischem Leben vor dem Krieg und dem tragischen Schicksal des Holocaust schwer zu verstehen,“ erklärt Yona Kobo, die Kuratorin der Online-Ausstellung:

„Wir sehen Familien aus Jugoslawien, Deutschland, Österreich, Polen, Rumänien, Griechenland und der Tschechoslowakei an ihren glücklichsten Tagen – Hochzeiten, Geburtstage und andere schöne Erlebnisse – aber auch zu ihren schweren finanziellen Zeiten, auf der Suche nach Auswegen bei der Verschlechterung des täglichen Lebens  – und am Ende die Massenvernichtung jüdischer Männer, Frauen und Kinder.“

Quelle: Israelische Botschaft – Familienfoto: Yad Vashem


Israelischer Diplomat verabschiedet sich nach fünf Jahren mit Plus und Minus

Nach fünf Jahren kehrt der Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit bei der Israelischen Botschaft in Berlin, Rogel Rachman, zurück nach Israel. Zum Abschied berichtet der jüdische Diplomat (siehe Foto) über die vergangenen Jahre in Deutschland, schildert positive und negative Erfahrungen. Wir dokumentieren seinen Abschiedsbrief vollständig:

Liebe Freunde,

heute enden für mich fünf aufregende Jahre als Leiter der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der Botschaft des Staates Israel in Deutschland. Es waren Jahre voller wunderbarer Projekte und sehr interessanter Begegnungen und Interaktionen mit verschiedenen Menschen im ganzen Land. Aber es war auch eine sehr herausfordernde Aufgabe für mich, sowohl persönlich als auch beruflich.

Auf privater Ebene lag das hauptsächlich an der Geschichte unseres Volkes. In meinem Elternhaus sprachen wir nicht viel über die Shoa, und doch war das Thema immer präsent. Meine Mutter wollte niemals deutschen Boden betreten, doch als ich israelischer Diplomat wurde, sagte sie: „Jetzt, wo mein Sohn ein stolzer Diplomat eines starken Landes ist, das der sichere Hafen für alle Juden ist, jetzt kann ich dorthin fahren. Das ist meine Antwort für diejenigen, die versucht haben, mein Volk zu vernichten.“

Seit ich vor genau 35 Jahren an einem Jugendaustausch mit Deutschland teilnahm, wollte ich nach Deutschland kommen. Ich hatte das Gefühl, dass die Deutschen verstehen, was ihre Vorfahren getan haben, und dass sie entschlossen sind, sich für die Sicherheit des jüdischen Volkes und des jüdischen Staates einzusetzen.

So betonte es auch Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Rede vor dem israelischen Parlament, der Knesset, als sie sagte, dass die Sicherheit des Staates Israel Teil der deutschen Staatsräson sei. Während meiner Tätigkeit als Diplomat habe ich so viele deutsche Freunde getroffen, die sich immer wieder engagierten.

Die zweite Ebene war die berufliche, und die Herausforderungen hier waren viel größer. Neben all den wunderbaren Menschen und Freunden, die ich getroffen habe, habe ich auch die wachsende Zahl antisemitischer Ereignisse wahrgenommen, von denen einige durch reinen Hass auf Juden gekennzeichnet waren und andere angebliche „Kritik an Israel“ darstellten. Letzteres wurde leider immer mehr zu einer fast „legitimen“ Möglichkeit, Antisemit zu sein.

Ich würde zum Beispiel sagen, dass ein gewaltsamer Angriff auf eine Synagoge zweifellos ein antisemitischer Akt ist.

Als im Jahr 2014 ein Brandanschlag auf die Synagoge in Wuppertal verübt wurde, gaben die Täter Wut auf Israel als Motiv an. Wenn dann ein Richter dieser Argumentation folgt und in seinem Urteil den Anschlag als politischen Protest und Kritik an Israel wertet – und nicht als Antisemitismus – dann muss eigentlich jeder erkennen, dass es ein Problem gibt.

Vor einigen Jahren sah ich eine Umfrage, die mich überraschte und Unverständnis bei mir erzeugte. Die Umfrage stellte fest, dass rund 70 Prozent der Israelis Deutschland gegenüber positiv eingestellt sind, während nur 30 Prozent der Deutschen Israel gegenüber positiv eingestellt sind. Die Frage, die mir instinktiv in den Sinn kam, war: „Was haben wir euch angetan?“

Ein anderes Phänomen, das ich merkwürdig fand, war die Tendenz, die bilateralen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland mit dem Konflikt im Nahen Osten zu verknüpfen. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass einige Menschen denken, sie müssten jedem Projekt einen palästinensischen Aspekt hinzufügen, um politisch korrekt zu sein, auch wenn es inhaltlich überhaupt keinen Sinn ergibt.

Und beim Lesen und Anschauen einiger Medienberichte über Israel könnte man sich bisweilen tatsächlich fragen, ob in den dortigen Redaktionen journalistische Integrität optional, aber kein Muss ist.

Auf einer Abschiedsparty bat mich kürzlich jemand, nach fünf Jahren in Deutschland eine positive Erfahrung und eine Enttäuschung zu nennen.

Meine Antwort war, dass ich froh war, so viele Freunde und Unterstützer des Staates Israel getroffen zu haben, und andererseits war ich enttäuscht zu sehen, wie viel Hass auf denselben Staat noch immer existiert. Was mich optimistisch bleiben lässt, ist meine Überzeugung, dass letztendlich das Positive siegen wird.

Nach fünf Jahren stehe ich nun einer neuen Herausforderung gegenüber, sowohl persönlich als auch beruflich, während ich so viele gute Freunde und wundervolle Erinnerungen zurücklasse.

Deshalb verabschiede ich mich nicht, sondern sage Auf Wiedersehen.

Rogel Rachman​

Quelle (Text / 1.Foto): https://embassies.gov.il/berlin/NewsAndEvents/Pages/Rogel-Rachman-verabschiedet-sich.aspx


Israel und Litauen rücken zusammen – trotz der Schatten aus der Vergangenheit

Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu ist am Dienstagabend (29.1.) in Jerusalem mit seinem litauischen Amtskollegen Saulius Skvernelis zusammengetroffen.

Der litauische Premierminister Skvernelis und Regierungschef Netanyahu

Beide hatten sich zuletzt im August vergangenen Jahres in Litauen getroffen. An dem Treffen nahmen auch Wirtschafts- und Industrieminister Eli Cohen und der litauische Minister für Wirtschaft und Innovation Virginijus Sinkevicius teil.

Vor Beginn des Treffens erklärte Ministerpräsident Netanyahu:

„Dies ist Ihr erster Besuch in Israel als Premierminister Litauens. Ich erinnere mich an Ihren letzten Besuch 2015 als Innenminister. Während dieses Besuchs haben Sie sich mit der Führung der Israelischen Behörde für Nationale Cyber-Sicherheit getroffen und Interesse an der Vertiefung unserer Zusammenarbeit auf diesem Bereich geäußert…

Wir waren uns sehr vertraut und haben viele gemeinsame Interessen, die wir bei diesem Termin besprechen möchte: Wirtschaft, Handel, Tourismus und Technologie.

Bei meinem Besuch habe ich herausgefunden, dass Litauen eine Weltmacht in Lasertechnologie ist. Ich glaube, 10% aller Laser weltweit werden in Litauen produziert…Wir haben, so glaube ich, eine glänzende Zukunft in gemeinsamer Kooperation.

Ich glaube aber auch, dass wir genauso die Tragödien der Vergangenheit kennen. Vor 70 Jahren entstand Israel. Davor hat war das jüdische Volk vollständig hilflos, wie es auch in Litauen geschehen ist. Fünfundneunzig Prozent der jüdischen Gemeinde dort, eine unglaubliche jüdische Gemeinde, wurde von den Nazis und ihren Kollaborateuren ermordet.

Dies hat sich geändert. Israel ist jetzt, wie Sie wissen, ein sicheres, mächtiges Land. Es ist nicht so, dass es uns an Feinden mangelt. Iran hat gestern erst wieder zu unserer Vernichtung aufgerufen. Wir stehen diesen Drohungen nicht gleichgültig gegenüber, aber wir sind von ihnen auch nicht beeindruckt, weil wir unsere Verteidigungsstärke und unsere Angriffsstärke kennen, und diese dazu ausgestattet sind, nicht nur unser Land, sondern unsere gemeinsame Zivilisation zu schützen, unsere gemeinsamen Freiheiten, unsere gemeinsamen Werte.

Und in diesem Sinne dient unsere Kooperation einem tiefergehenden Zweck, glaube ich.

Ich möchte Sie in diesem Geist der Freundschaft hier willkommen heißen. Ich möchte Ihnen versichern, dass es großartige Sympathien und einen großen Wunsch danach gibt, unsere Beziehungen weiter auszubauen. Es gibt viele Israelis litauischer Herkunft, Sie sprechen zu einem von ihnen, doch dies ist eine Brücke aus der Vergangenheit in die Zukunft.

Und ich heiße Sie hier in Jerusalem willkommen und sage: Auch nächstes Jahr in Jerusalem.“

Quelle: Israelische Botschaft – Foto: GPO / Amos Ben Gershom


München: Der Historiker Hesemann spricht am 7. November über Papst Pius XII.

Der Historiker und Vatikan-Journalist Michael Hesemann stellt am Mittwoch, 7. November, in München sein neues Buch über Papst Pius XII. und dessen umstrittenes Verhalten zum Holocaust offiziell vor.

Kurz vor dem 80. Jahrestag der „Reichspogromnacht“ wird die Buchvorstellung im Rahmen einer „Domspatz-Soirée“ vom katholischen Publizisten Michael Ragg moderiert. Die öffentliche Veranstaltung im Pfarrsaal der Sankt Sebastian-Kirche, Karl-Theodor-Str. 117, in München-Schwabing, beginnt um 19:30 Uhr. Der Eintritt beträgt acht Euro, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., war München eng verbunden. Von 1917 bis 1925 hat er in der Hauptstadt Bayerns als Vatikanbotschafter gewirkt. Nach Angaben des Verlags Langen-Müller seien hunderttausende Akten über die NS-Zeit im Geheimarchiv des Vatikans unter Verschluss gewesen und erst in diesem Jahr für die Forschung freigegeben worden.

Michael Hesemann habe als einer der ersten Historiker überhaupt „Zugang zu den brisantesten Dokumenten des 20. Jahrhunderts“ erhalten. Im Rahmen seiner umfassenden Aufarbeitung dieses dramatischen Kapitels der jüngeren Kirchengeschichte würden sie in diesem Band „weltexklusiv“ veröffentlicht.

Michael Hesemanns Bücher sind internationale Bestseller. Sie erschienen bisher in vierzehn Sprachen mit einer Gesamtauflage von mehr als zwei Millionen Exemplaren. Hesemann ist seit 1999 als Journalist beim Pressesaal des Heiligen Stuhls akkreditiert.

Der Pfarrsaal ist mit der Tram Linie 27, Haltestelle Ackermannstraße oder der U2, Haltestelle Hohenzollernplatz, zu erreichen.

Näheres zu dieser Domspatz-Soirée gibt es unter: http://www.raggs-domspatz.de.


Kritik an der Aufführung von Hochhuths Drama „Der Stellvertreter“ in Berlin

Von Dr. Eduard  Werner

Das Berliner Schlossparktheater führt Rolf Hochuths 55 Jahre altes Drama „Der Stellvertreter“ über das (angebliche) Schweigen des Papstes Pius XII. zum Holocaust und den Opfergang des Paters Riccardo ins KZ wieder auf.

Intendant Dieter Hallervorden begründet seine Entscheidung, dieses Theaterstück auf den Spielplan zu setzen, im Programmheft folgendermaßen: “Zu Zeiten, in denen AfD-Politiker unverblümt ihre dunkelbraunen Reden schwingen, ist es für ein heutiges Theater geradezu eine Selbstverständlichkeit zu zeigen, wohin solche Hetztiraden, solch eine rechtsradikale  „Alternative“ schon einmal geführt haben.“

Hier bedient sich der Berliner Theater-Intendant einer Methode der Geschichtsfälschung, die den Methoden der von ihm zu Recht verabscheuten Nationalsozialisten nicht ganz unähnlich ist. 

Für Historiker ist es traurig, dass Hochhuths Fake News unter dem Namen „Der Stellvertreter“ neu aufgeführt werden, denn dieses Drama verfälscht Geschichte.

Papst Pius XII. war nicht der kaltherzige Judenfeind, den Rolf Hochhuth frei erfunden hat. Das Gegenteil ist wahr. Der Papst hat nicht geschwiegen, sondern im Dezember 1942 in Radio Vatikan erklärt, dass „Hunderttausende ohne eigenes Verschulden nur wegen ihrer Abstammung dem Tode geweiht oder der fortschreitenden Verelendung und Vernichtung preisgegeben sind.“

Er hat vor allem auch gehandelt und nach dem Zeugnis des jüdischen Historikers Pinchas Lapide und des römischen Oberrabbiners Israel Zolli Tausende von Juden gerettet, indem er sie im Vatikan und in den italienischen Klöstern untertauchen ließ.

Vor allem aber hat Pius XII. die Kontakte der deutschen Militäropposition mit der britischen Regierung hergestellt. (Siehe Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Jahrg. 22 (1974) S. 299 – 341).

Damit hat der Papst sogar die Existenz des Vatikan-Staates riskiert. Soweit ging sein Kampf gegen Hitler. 

Hochhuths Papstankläger Riccardo im Drama ist frei erfunden, nach dem realen Papsthelfer bei der Judenrettung, Pater Pfeiffer, wurde dagegen aus Dankbarkeit in Rom eine Straße benannt.

Oberrabbiner Israel Zolli schrieb über Papst Pus XII.: „Im Laufe der Geschichte hat kein Held eine solche Armee befehligt, keine Streitmacht ist je kämpferischer gewesen und keine ist je so bekämpft worden wie die von Pius II. im Namen der christlichen Nächstenliebe geführte.“

So fasst ein Jude die Judenrettung des Papstes zusammen. Ehe der Dirigent Leonard Bernstein am Sterbetag des Papstes sein Konzert mit dem New Yorker Philharmonischen Orchester begann, bat er um eine Minute Schweigen „für das Hinscheiden eines sehr großen Mannes, des Papstes Pius XII.“

Und die damalige israelische Außenministerin telegrafierte an den Vatikan: „Wir nehmen an der Trauer der Menschheit über das Hinscheiden Seiner Heiligkeit des Papstes Pius XII. teil. In einer von Kriegen und Uneinigkeit bedrückten Welt vertrat er die höchsten Ideale des Friedens und des Mitleids. Als in dem Jahrzehnt des Nationalsozialistischen Jahrzehnts unser Volk ein schreckliches Martyrium überkam, hat sich die Stimme des Papstes für die Opfer erhoben. Das Leben unserer Zeit wurde von einer Stimme bereichert, die über den Lärm der täglichen Streitigkeiten hinweg deutlich die großen sittlichen Wahrheiten aussprach. Wir betrauern einen großen Diener des Friedens.“

Hochhuths Drama „Der Stellvertreter“ ist wohl eine der größten Fälschungen der Weltgeschichte. Man möchte hoffen, dass die Zuschauer zwischen einer geschichtswissenschaftlichen Dokumentation einerseits und einer fiktiven Dichtung andererseits unterscheiden können.      

 

 


Münster/Tel Aviv: Großer jüdischer Freund Deutschlands sprach heute im Paulus-Dom

Von Felizitas Küble

Am heutigen Mittwoch, dem 29. August, sprach Avi Primor, der frühere israelische Botschafter in Deutschland, im Paulus-Dom von Münster im Rahmen der Vortragsreihe „Domgedanken“. Primor ist Vorsitzender der Israelischen Gesellschaft für Auswärtige Politik (Israel Council on Foreign Relations).

Der Andrang interessierter Menschen war so gewaltig, daß die Sitzplätze nicht ausreichten. Zu den Zuhörern in der ersten Reihe gehörte auch Diözesan-Bischof Dr. Felix Genn.

Nach seiner völlig frei gehaltenen Ansprache erhielt der jüdische Diplomat minutenlangen Beifall. 

Der heute 83-jährige Primor wirkte von 1993 bis 1999 als Botschafter in Bonn. In dieser Zeit setzte er sich in einzigartiger Weise für die deutsch-israelische Verständigung ein. Dazu diente nicht zuletzt sein im Jahre 1997 erschienenes Buch „…mit Ausnahme Deutschlands.“  

Der Sohn von Holocaust-Überlebenden wollte nämlich ursprünglich überall in der Welt Diplomat werden „mit Ausnahme Deutschlands“. Die gesamte Familie seiner Mutter wurde in der NS-Diktatur ermordet. Doch Primors Kontakte mit Deutschen änderten seine Einstellung allmählich grundlegend – und schlußendlich vertrat er den jüdischen Staat ausgerechnet in Deutschland.

Sein Buch ist eine ebenso kompetente wie humorvolle Sympathie-Erklärung für unser Land, ohne deshalb unkritisch zu sein, jedoch immer fair und freundlich. So erlebten wir ihn auch selber, denn unsere Redaktion stand damals im guten Briefkontakt mit Primor. 

Dompropst Kurt Schulte begrüßte den prominenten Gast, der eigens aus Tel Aviv eingeflogen war und auf einem Ministrantenhock im Chorraum Platz nahm (siehe 2. Foto).

Zur Einstimmung gab es musikalische Einlagen aus traditionellen jüdischen Gebeten. Ergänzend dazu wurde die Veranstaltung mit dem Vaterunser-Gebet abgeschlossen, zu dem alle gemeinsam aufstanden.

Wir haben im CHRISTLICHEN FORUM  bereits begründet, daß das Vaterunser ein zutiefst jüdisch geprägtes Gebet ist – und das nicht allein deshalb, weil Jesus selber Jude war, sondern weil sein gesamter Inhalt vom jüdischen Gedankengut lebt. (Siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2016/11/09/die-juedischen-wurzeln-des-vaterunser-gebets/)

Der Vortrag Primors wirkte sehr persönlich und lebendig, nicht nur wegen der heiteren Anekdoten und seiner freien Redeweise, sondern auch wegen der historisch bewegenden Themen, ging es doch um seinen Blick auf das Verhältnis von Deutschen und Juden.

Gleich zu Beginn lobte er (erstaunlicherweise) den katholischen Templerorden und betonte mehrfach, dieser habe damals im Hochmittelalter sehr viel Gutes für das Land geleistet im Sinne von Fortschritt und Modernisierung.

Zwischen Juden und Templern hätten „allerbeste“ Beziehungen bestanden – nicht nur im Mittelalter, auch später bis in die Zeit nach dem 1. Weltkrieg. Das Thema Kreuzzüge erwähnte der Regner nicht.

Sodann würdigte Primor den israelischen Nachrkriegs-Ministerpräsidenten David Ben Gurion. Dieser habe Vertrauen zum deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer entwickelt (Adenauer hatte sich in der NS-Zeit als Gegner der Nazis erwiesen). Für Ben Gurion bestand kein Zweifel: das neue Deutschland ist ein  a n d e r e r  Staat als die NS-Diktatur.

Für die Israelis war dies damals noch völlig befremdlich. Die Abwehrhaltung und Abneigung gegenüber Deutschland war verständlicherweise groß. Doch der israelische Regierungschef war nüchtern und machte sich klar, daß sein junger Staat sich im Aufbau befand, praktisch keine Industrie vorhanden war, zugleich aber immer noch große Massen jüdischer Flüchtlinge und Einwanderer ins Land strömten.  

Er benötigte dringend Unterstützung und begann daher klugerweise mit Handelsbeziehungen zu Deutschland. Dazu kam das mit Adenauer vereinbarte Wiedergutmachungsabkommen. Diese Politik führte in Israel zu Massenprotesten auf der Straße, doch Ben Gurion ließ sich nicht beirren.

Er wollte deutsche Technik, Knowhow und Investitionen ins Land holen. Damit kam es automatisch zur Fühlungsnahme mit deutschen Experten, Ingenieuren, Wirtschaftsleuten – und es entstanden auch auf menschlicher Ebene immer mehr Kontakte. Zugleich ging es durch diese vorausschauende Politik mit der israelischen Wirtschaft aufwärts. „Das hat uns damals gerettet“, erklärte Avi Primor wörtlich.

1965 war es dann soweit: Deutschland und Israel nahmen diplomatische Beziehungen miteinander auf. Heute seien 80% der Israelis deutschlandfreundlich eingestellt, erklärte der frühere Botschafter. Ende der 50er Jahre sei es noch genau umgekehrt gewesen. Der jüdische Staat würde mit den USA und Deutschland heute weltweit die engsten Beziehungen pflegen. Aus seiner Sicht sei die israelisch-deutsche Freundschaft heute nicht nur „bestens“, sondern „ein Wunder“.

Anders standen die Aktien freilich bei der „DDR“. Der kommunistische bzw. sowjetisch beherrschte Teil Deutschlands war im Sinne des Ostblocks extrem israelfeindlich und einseitig pro-arabisch. Es gab zwischen der „DDR“ und Israel keine diplomatischen Beziehungen, sondern Eiszeit.

Der frühere Botschafter äußerte sich auch zum arabisch-israelischen (Miß-)Verhältnis. Die Palästinenser bezeichneten sich selber in der Nachkriegszeit als Araber. Primor erwähnte den Überfall arabischer Armeen auf den jüdischen Staat kurz nach dem Beschluß der UNO vom 29.11.1947, wonach das Heilige Land zwischen Juden und Arabern geteilt werden soll – doch die islamische Seite beanspruchte das gesamte Land für sich allein.

Der jüdische Gast betonte im Dom, wie wichtig es für den Frieden im Nahen Osten sei, daß sich die Beziehungen zwischen Juden und Arabern verbessern. Auch die Palästinenser sollten in Würde leben können.

BILD: Eingang der Synagoge von Münster

Aus meiner Sicht besteht ein großes Hindernis für eine jüdisch-arabische Verständigung jedoch im Islam selbst, in seinem antisemitischen und zudem militanten Potential, was alle noch so wohlmeinenden israelischen Bemühungen nicht ändern können.

Von daher fand ich es merkwürdig, wenngleich typisch für die islamfreundliche Bistumsleitung von Münster, daß die Kollekte für diesen Abend an die „Flüchtlingshilfe“ ging.

Die in unser Land strömenden Migranten bestehen zu 80% aus Muslimen, die zudem häufig ihren Antisemitismus „importieren“. Das Problem wird auf jüdischer Seite längst klar erkannt: https://charismatismus.wordpress.com/2018/02/27/historiker-wolffsohn-ist-besorgt-gewalt-gegen-juden-geht-allein-von-muslimen-aus/

Zudem wäre es ohnehin dem Redner und Anlaß angemessener gewesen, die eingesammelten Spenden der Gläubigen an ein israelisches Hilfszentrum oder eine soziale Initiative im Hl. Land zu übermitteln (gerne auch an ein Projekt, das sich für den Dialog mit Palästinensern einsetzt)  – oder an die Gesellschaft für jüdisch-christliche Zusammenarbeit in Münster bzw. die Deutsch-israelische Gesellschaft, was höchst angebracht gewesen wäre. Schließlich ging es in Primors Vortrag um genau diese Anliegen, vor allem um die israelisch-deutsche Freundschaft!  

Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.