Kritik am deutschen Bundespräsidenten und am sephardischen Oberrabbiner in Israel

Von Klaus Moshe Pülz

Längst überfällig war der Besuch eines deutschen Bundespräsidenten in der Gedenkstätte „Jad Waschem“. „Jad“ bedeutet „Hand“ und „wa-Schem“ bedeutet „und der Name des HERRN“; „ha-Schem“ ist eine der vielen Gottesbezeichnungen.

Nachdem wir vor längerer Zeit dem Bundespräsidenten meine Bücher „Schalom für Israel“, „Brennpunkt Israel“ und „Antisemitismus – gestern und heute“, warten wir noch heute auf wenigstens eine Empfangsbestätigung. Dies haben wir auch der israelischen Presse zur Kenntnis gegeben.

Wie glaubhaft sind solche „Pflichtübungen“ des Herrn Steinmeier, wenn er anläßlich des Jahrestages der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren all der vielen Opfer gedachte, deren Schuld allein darin lag, dem jüdischen Volk anzugehören?!

Es geht schließlich nicht nur um die Anerkennung der deutschen Schuld am Genozid des jüdischen Volkes im Herzen des vermeintlichen christlichen Abendlandes, sondern es geht vor allem darum, daß die Täter getaufte Christen waren und zu schäbigen Mördern wurden. Auch geht es um die vier großen Einsatzgruppen der Waffen-SS, die hinter den Frontlinien in Rußland jüdische Menschen exekutierten, sogar mit abgetrennten Köpfen jüdischer Kinder Fußball spielten.

Vor allem geht es dabei auch um die Glaubwürdigkeit der neutestamentlichen Liebesbotschaft, die auf diese Weise konterkariert wurde. Wie glaubhaft kann diese Botschaft in den Augen jüdischer Menschen noch sein, wenn getaufte Christen solchen Barbarismus betrieben, angestiftet von einem ungebildeten Österreicher, der sich von Deutschen als „Heil-and“ hat huldigen lassen?

Und nun keimt erneut ein Antisemitismus inmitten unserer Gesellschaft auf und zwar von vornehmlich jungen Menschen, die den Horror des Dritten Reiches niemals kennengelernt haben.

Der Zuzug von Muslimen aus dem nahöstlichen Kriegsgebiet sowie afrikanische Wirtschaftsflüchtlinge befeuern noch diese unselige Entwicklung.

Unverständlich sind daher die Entgleisungen des sephardischen Oberrabbiners Itzchak Joseph in Israel, der im Januar diesen Jahres die Einwanderer aus der einstigen Sowjetunion als Nichtjuden bzw. als „go’im“ (Heiden) bezeichnete, obschon sie einer geregelten Arbeit nachgehen und den obligatorischen Militärdienst ableisten, was die ultraorthodoxen Juden eben nicht tun, die sich hinter ihrem Talmud verstecken und sich vom israelischen Steuerzahler ernähren lassen.

Nein, die Einwanderer aus Rußland in den 90er Jahren sind keine Kommunisten, Feinde der Religion, Hasser der Religion und jüdische Unpersonen, wie sich Israels Oberrabbiner Itzchak Joseph publikumswirksam ausdrückte und einen Sturm der Entrüstung im Lande Zions auslöste.

Es scheint, daß kein Land der Erde gefeit ist vor religiösem Fanatismus und Rassismus. Dies aber dient nicht zur Entschuldigung für die Untaten der Nazis, die mit der systematischen Ermordung der europäischen Judenheit einen historischen Kulturkollaps schufen.

Doch wie glaubhaft die Worte des deutschen Bundespräsidenten sein werden, erweist erst die Zukunft, denn der wachsende Antisemitismus  hierzulande verheißt wahrlich nichts Gutes, auch wenn insbesondere messianische Juden (Judenchristen) schon immer vor einer solchen Entwicklung gewarnt haben. Daher beten wir um jenen Weltfrieden, der nach Jesaja 2,2-5 von Zion ausgehen soll!

Klaus Mosche Pülz ist ein deutsch-israelischer Autor und Judenchrist sowie Leiter des „Instituts für Israels universale Berufung“; Näheres dazu hier: http://www.zelem.de


AfD-Politiker fordern eine deutsche Politik pro Israel und gegen die Iran-Diktatur

Der israelische Premier Benjamin Netanjahu hat angekündigt, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seiner Israelreise mit dessen Iran-Politik konfrontieren zu wollen. 

Steinmeier besucht diese Woche zum 75. Gedenktag der Befreiung von Auschwitz die Gedenkstätte Yad Vashem mit dem israelischen Präsidenten Reuven Rivlin.

Am 27. Januar besuchen beide die Gedenkstätte Auschwitz sowie am 29.1. den Deutschen Bundestag zur Gedenkstunde an die NS-Opfer.

Dazu erklärt der Bundessprecher der AfD und Europaabgeordnete Prof. Dr. Jörg Meuthen (siehe Foto) gemeinsam mit dem AfD-Obmann im Auswärtigen Ausschuss, Petr Bystron:

„Wir begrüßen sehr, dass der Bundespräsident die Gelegenheit nutzt, die Geschichte des Holocausts zu reflektieren, sowie der Millionen von den Nationalsozialisten grausam ermordeten Juden zu gedenken. Wir hoffen, dass diese Reflektion dazu beiträgt, die aktuelle israelfeindliche Politik der Bundesregierung und die Appeasement-Politik gegenüber dem Iran zu ändern.“

Prof. Meuthen weiter: „Steinmeier und die Bundesregierung zählen zu den letzten Vertretern westlicher Staaten, welche die Mullahs von Teheran hofieren und mit ihnen Geschäftsbeziehungen unterhalten wollen, während diese offen die Zerstörung Israels und damit einen zweiten Holocaust anstreben.“

Petr Bystron erklärt:

„Das islamische Terrorregime hat keine Hemmungen, unschuldige Menschen umzubringen. Erst vor wenigen Tagen haben die Mullahs ein Passagierflugzeug mit 176 Menschen an Bord abschießen lassen. Im November letzten Jahres haben sie 1500 Demonstranten erschießen lassen.

Die Menschen im Iran rufen um Hilfe: alleine letzte Woche haben mich auf Twitter über 4000 Nachrichten von Iranern erreicht, die verzweifelt um unsere Solidarität in dieser schweren Stunde bitten. Die Bundesregierung muss sich an die Seite Israels und des iranischen Volkes stellen, und nicht auf die Seite der Tyrannen von Teheran.“

In der AfD-Meldung heißt es abschließend:

„Wir gehen davon aus, dass Benjamin Netanjahu Bundespräsident Steinmeier auf diese Punkte ansprechen wird, und hoffen, dass der Bundespräsident sorgsam darüber nachdenken wird.“


Judenretter Helmut Kleinicke als „Gerechter unter den Völkern“ gewürdigt

​„Heute ist der schönste Tag in meinem Leben,“ sagte der 95-jährige Holocaust-Überlebende Josef Königsberg am Dienstag (14.1.) bei der bewegenden Ehrung seines Lebensretters Helmut Kleinicke als „Gerechter unter den Völkern“.

Dieser Titel wird von Yad Vashem – der nationalen Holocaust-Gedenkstätte des Staates Israel in Jerusalem – verliehen. Yad Vashem ist Erinnerungsstätte für die Märtyrer und Helden des Holocaust und gleichzeitig Dokumentations-, Forschungs- und Bildungszentrum. 

Yad Vashem erinnert seit 1963 auch im Namen des Staates Israel und des jüdischen Volkes an diejenigen Nicht-Juden, die ihr Leben riskierten, um Juden während des Holocaust zu retten. Ihnen wird der Ehrentitel „Gerechte/r unter den Völkern“ zuerkannt.

Der Deutsche Helmut Kleinicke bewahrte während des Holocaust als Kreisbauleiter im polnischen Chrzanów mehrere Juden vor dem Tod. Er versteckte sie, versorgte sie mit Lebensmitteln und verhalf ihnen zur Flucht.

Den damals 17-jährigen Josef Königsberg rettete er vor der unmittelbaren Deportation, indem er von der SS verlangte, „seinen besten Arbeiter“ freizulassen.

Nach dem Ende des Krieges suchte Josef Königsberg unermüdlich nach Helmut Kleinicke – leider erfolglos. Erst Recherchen von DER SPIEGEL und vom ZDF brachten ihn mit der einzigen Tochter des Retters, mit Jutta Scheffzek, in Kontakt.

Helmut Kleinicke war bereits 1979 verstorben. Er hatte zeitlebens kaum darüber gesprochen.

Zur Ehrung von Helmut Kleinicke überreichte gestern Botschafter Jeremy Issacharoff in seiner Residenz die Medaille und Ehrenurkunde von Yad Vashem an Jutta Scheffzek. Sie erinnerte in bewegten Worten an ihren Vater. Über das Außmaß seiner heldenhaften Taten erfuhr sie erst nach seinem Tod.

Das ZDF begleitete Josef Königsberg und Jutta Scheffzek bei ihrem ersten Treffen. Die Dokumentation kann hier gesehen werden.

Quelle (Text/Foto): Botschaft des Staates Israel


Münster: Moisei Boroda erinnert an die europäische Schuldverkettung im Holocaust

Von Felizitas Küble

Zum Gedenken an die Reichsprogromnacht 1938 veranstaltete die Kirchengemeinde St. Clemens in Münster-Hiltrup am 10. November in ihrem Pfarrzentrum einen Literatur- und Musik-Abend mit dem deutsch-jüdischen Schriftsteller und Komponisten Dr. Moisei Boroda.

Der kompetente Referent und die aufmerksamen Zuhörer wurden von Pfarrer i.R. Ewald Spieker begrüßt, der zugleich den Bernhard-Poether-Kreis leitet. (Kaplan Poether starb im KZ Dachau.)

Der Geistliche erinnerte daran, daß Dr. Boroda in derselben Gemeinde bereits im Vorjahr einen Märtyrer-Gedenkabend in der Kirche geleitet hatte.  (Siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2018/11/26/muenster-juedischer-kuenstler-dr-mosei-boroda-wuerdigt-christliche-maertyrer-der-ns-diktatur/)

Zu den Teilnehmern im Pfarrsaal gehörte z.B. das Ehepaar Rieke-Benninghaus (verwandt mit dem Dachau-Märtyrerpater August Benninghaus SJ aus Münster) sowie Monika Kaiser-Haas, Vizepräsidentin des Internationalen Karl-Leisner-Kreises (und Nichte des seliggesprochenen Priesters und NS-Opfers Leisner).

Der aus Georgien stammende, seit über 30 Jahren in Nordrhein-Westfalen lebende Autor Boroda, der kürzlich erneut einen Literaturpreis erhalten hat, erinnert seit vielen Jahren durch Vorträge und Diashows an die christlichen Märtyrer in der NS-Zeit, vor allem an die insgesamt viertausend katholischen Priester, die ihren Bekennermut mit dem Leben bezahlen mußten. 

Unter dem Titel „Erinnerung ist der Weg zur Erlösung“ informierte Dr. Boroda vor einem vollbesetzten Pfarrsaal über die Zerstörung zahlreicher Synagogen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 durch nationalsozialistische Fanatiker.

Dabei zeigte er in einer Dia-Vorführung, die von seinen selbstkomponierten Musikstücken untermalt war, einige Beispiele brennender jüdischer Gebetshäuser, z.B. die große Synagoge in Hannover (siehe Foto).

In der Fotoshow wurden sodann einige Zitate führender NS-Ideologen vorgestellt, aus denen der systematische Plan einer Vernichtung des jüdischen Volkes hervorgeht.

Hitler selbst kündigte in seiner Rede am 30. Januar 1939 die „Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“ an, falls das „internationale Finanzjudentum“  – so seine Wahnidee  –  die Völker in einen „Weltkrieg stürzen“ werde.

Nach der Dia-Vorführung folgten einige grundsätzliche Anmerkungen des jüdischen Musikwissenschaftlers. Dabei erinnerte er an die besondere Bedeutung der deutschen Juden für die Kultur und Literatur unseres Landes, bevor das nationalsozialistische Zerstörungswerk begann.

Er beklagte zugleich eine „Verrohung der Moral“ auch in anderen europäischen Ländern und nicht zuletzt in den USA, wie dies z.B. bei der Evian-Konferenz sichtbar wurde, als fast alle Regierungen sich weigerten, bedrohte Juden aufzunehmen.

In Politik und Medien säße Deutschland hinsichtlich der NS-Zeit oft allein auf der Anklagebank, erklärte der Schriftsteller. Dabei würden die systematischen Verbrechen und Massaker an Juden – keineswegs Einzelfälle  – ignoriert oder verdrängt, die damals von nichtdeutschen Tätern in Europa begangen wurden, etwa in Polen, Ukraine, Litauen, Jugoslawien – aber z.B. auch in Frankreich.

Diese innereuropäische Schuldverkettung ändere zwar nichts an der Hauptverantwortung seitens der Nationalsozialisten, sei aber andererseits kein Randthema, das man übersehen dürfe.

Hitler habe eine in vielen Ländern verbreitete judenfeindliche Haltung zynisch in seine Strategie einbeziehen können.

So erinnerte eine Dia-Tafeln daran, dass 76.000 Juden von der französischen Polizei verhaftet und in Vernichtungslager geschickt wurden. Der letzte „Judentransport“ sei am 17.8.1944 nach Buchenwald abgefahren, als die Alliierten bereits in der Normandie gelandet waren.

Zudem habe die französische Verwaltung 4000 jüdische Kinder unter 16 Jahren den Gestapo-Schergen geradezu „aufgedrängt“, obwohl diese deren Auslieferung gar nicht angeordnet hatten.

Die „große Kulturnation Frankreich“ habe aber fünfzig Jahre gebraucht, um die eigene Mitverantwortung an der Judenvernichtung amtlich zuzugeben.

Auch in anderen Ländern  – etwa in Litauen – habe ein Teil der Bevölkerung auf den NS-Holocaust reagiert, als ob sie nur darauf gewartet hätten, sich hieran beteiligen zu können.

FOTO: Dr. Boroda im Gespräch mit einigen Teilnehmerinnen nach dem Gedenkabend

Die erste Lesung Borodas trug den Titel „Der Opa“. Es ging in dieser Erzählung um einen litauischen Täter, der einer Hilfspolizei bzw. Miliz angehörte und hierbei hunderte jüdischer Kinder ermordete. Im Gespräch mit einem jungen Juden versucht seine Enkelin, ihren Großvater zu verteidigen und seine Untaten zu verharmlosen.

Dabei kommt es auch zu dem Stereotyp der „reichen Juden“ und „Bolschewisten“; eine in antisemitischen Kreisen bekannte Verallgemeinerung. Deutlich werden Neidkomplexe, Mißtrauen gegen Juden als vermeintlich „fremdes“ Volk und abstruse Verschwörungstheorien. 

Nach dem Musikstück „Av Harachamim“ von Dr. Boroda folgte seine zweite Lesung, die sich mit einem französischen Täter befaßte. Die ebenfalls erschütternde Erzählung  – sie wurde in der aktuellen Ausgabe der „Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung“ veröffentlicht  –  trägt den Titel „Brody…Mstow…Kurszina“.

Es geht um das Streitgespräch eines betroffenen Juden mit einem früheren NS-Polizisten, der seine Eltern verhaftete. Dies war kein Einzelfall; vielmehr wurden „staatenlose Juden“ (die aus NS-Deutschland geflüchtet waren), systematisch festgenommen und deportiert. Der jüdische Junge konnte sich unter abenteuerlichen Umständen retten, mußte aber zuvor mitansehen, wie jener Mörder hochschwangere Frauen und Kinder erschossen hatte. 

Dr. Boroda war bei seiner Lesung mehrfach den Tränen nahe und sprach mit ergriffener Stimme.

In der nachfolgenden Fragerunde ging es um die Einordnung dieser ausländischen Mitverantwortung in das Gesamtbild der Shoa, um den mangelnden kirchlichen Widerstand, um Luthers judenfeindliche Schriften, auch um das Wie und Warum einer Singularität (Einzigartigkeit) des Holocaust.

Eine Teilnehmerin erinnerte daran, dass die Judenverfolgung der NS-Diktatur zugleich eine selbstzerstörerische Dimension besitzt, denn die deutschen Juden waren insgesamt bestens integriert, leisteten viel für Kultur, Literatur und Wissenschaft und sie fühlten sich größtenteils als „Deutsche jüdischen Glaubens“. Somit habe sich unser Land mit der Vernichtung seines jüdischen Bevölkerungsteils auch noch selbst ins eigene Fleisch geschnitten.

Die Zuhörerin erinnerte daran, dass die meisten Juden auch in Osteuropa entweder deutsch oder „jiddisch“ sprachen – wobei es sich dabei ebenfalls um eine germanische Sprache (mit hebräischen und slawischen Einsprengeln) handelt. Dies zeigt die tiefe Verbundenheit zwischen der jüdischen und der deutschen Kultur. In der Literaturgeschichte wird diesbezüglich von der Ära einer „deutsch-jüdischen Symbiose“ gesprochen.

Dr. Boroda bestätigte dies und betonte, die Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Vergangenheit sei hierzulande außergewöhnlich intensiv und gründlich. Andere Nationen seien weitaus weniger bereit, sich mit den Schattenseiten ihrer Historie zu befassen.

Die NS-Ideologie und Hitler-Diktatur sei letztlich ein „Aufstand gegen Gott“ und seine Gebote gewesen. Niedere Instinkte seien erwacht und hätten eine breite Spur des Verderbens hinterlassen.

Es gehe aber bei dem Gedenken an jene Zeit nicht um Rache und Vergeltung, sondern um Besinnung auf Gerechtigkeit und das zeitlose Ethos der Zehn Gebote.

WEITERER ARTIKEL zu Dr. Boroda: https://charismatismus.wordpress.com/2019/07/24/ankum-juedischer-autor-moisei-boroda-erhielt-den-christlichen-august-benninghaus-preis/

Hinweis: Dr. Moisei Boroda hat diesem Bericht ausdrücklich zugestimmt.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 

 


Bayern: Israel ehrt Eheleute Köhldorfner als „Gerechte unter den Völkern“

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​Michael und Cäcilia Köhldorfner aus dem bayerischen Schnaitsee wurden am 23.9.2019 posthum (nach ihrem Tod) von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ anerkannt.
Das Ehepaar Köhldorfner hatte während des  Holocaust sein Leben riskiert, um Juden zu retten.
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Erstmals fand eine solche Ehrungszeremonie am tatsächlichen Ort der Rettung statt, auf dem Hof der Familie Köhldorfner in Schnaitsee, etwa 70 Kilometer östlich von München.
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Die Generalkonsulin des Staates Israel, Sandra Simovich, übergab die Yad Vashem-Medaille und die Urkunde an die Angehörigen der beiden „Gerechten unter den Völkern“.Michael und Cäcilia Köhldorfner versteckten im April 1945 zwei verfolgte jüdische Männer auf ihrem Bauernhof und retteten ihnen so das Leben.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs gelang es den beiden aus Polen stammenden Juden Henrick Gleitman und Bernhard Hampel aus dem Todesmarsch, der vom KZ Flossenbürg ins KZ Dachau führte, zu fliehen.

Als sie auf dem Hof der Köhldorfners in Schnaitsee nach einem Versteck suchten, wurden sie von der Familie entdeckt. Obwohl auf dem Hof zwei Nazi-Offiziere wohnten, entschieden sich Michael und Cäcilia Köhldorfner, die bedrohten Juden bis zum Tag der Befreiung zu verstecken und riskierten so ihr eigenes Leben.

Später wanderte Henrick Gleitman in die USA aus, Bernhard Hampel nach Frankreich. Während die Familien Gleitman und Köhldorfner bis zum heutigen Tag in Kontakt geblieben sind, riss der Kontakt zu Bernhard Hampel in den 1970er Jahren ab.

Der älteste Sohn von Michael und Cäcilia Köhldorfner, Michael Köhldorfner, war als siebenjähriger Junge Zeuge des mutigen Handelns seiner Eltern. Er, seine beiden Schwestern sowie zwei weitere der insgesamt fünf Söhne des Ehepaars, nahmen an der Yad-Vashem-Ehrung teil. Weiterhin nahmen rund 20 Enkel und Urenkel der Geehrten teil. 

Auch von der Familie des geretteten Henrick Gleitman waren drei Generationen an der Yad-Vashem-Ehrung zugegen. Ein Sohn, eine Tochter, zwei Enkel und ein Urenkel reisten dafür extra aus den USA an.

Seine Tochter Lilian Borofsky sagte in ihrer Rede:

„Wir sind im Zuhause der Familie, die vor 75 Jahren unseren Vater, Großvater und Urgroßvater Henry Gleitman beschützt hat.

Es war gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, als die Köhldorfners große Menschlichkeit und Tapferkeit zeigten, als sie einen ängstlichen jungen Mann und seinen Freund beschützten und ernährten, die sich versteckten, um ihr Leben zu retten.

Henry wusste zu dieser Zeit nicht, wo seine Familie war, oder ob sie den Krieg überhaupt überlebt hatte. Ihre Familie [gewandt an Familie Köhldorfner] wurde zu seiner Familie…

Heute werden die Köhldorfners in der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet. Fast eine Million Menschen aus allen Teilen der Welt besuchen diese Gedenkstätte jedes Jahr, um sich an die Ermordeten zu erinnern und – ebenso wichtig – um jene Menschen zu ehren, die großen Mut bewiesen haben, so viele kostbare Leben zu retten.

Michael und Cäcilia werden für immer als gerechte und mutige Menschen in die Geschichte eingehen…Möge Ihre Familie mit guter Gesundheit, Frieden und Wohlstand gesegnet sein.“

Quelle (Text/Foto): Israelische Botschaft in Berlin


Israel: Yad Vashem bietet Internet-Ausstellung mit jüdischen Familiengeschichten

Zum 80. Jahrestag des Beginn des Zweiten Weltkriegs hat das israelische Gedenkzentrum Yad Vashem eine neue Online-Ausstellung entwickelt mit Geschichten über das jüdische Familienleben in Europa im Jahre 1939.

Die persönlichen Berichte beschreiben das Fortschreiten des Weltkriegs durch Dokumente, Fotografien und Artefakte, die sich im Archiv von Yad Vashem befinden.

FOTO der Majer-Familie: Rivka und Rafael Majer umgeben von ihrer Familie, Belgrad 1935. – 19 von 21 Angehörigen wurden im Holocaust ermordet.

Die Ausstellung präsentiert z.B. die Geschichte der Familie Majer aus Belgrad. Refael und seine Frau Rivka Majer hatten acht Kinder und viele Enkelkinder.

Eins der Bilder (siehe Foto) hält einen glücklichen Moment der Vorkriegszeit fest mit der erweiterten Familie in ihrer schönsten Festtagskleidung. Von den 21 Menschen in dem Familienbild starb eine Person vor dem Krieg, 19 wurden im Holocaust ermordet und nur eine Angehörige überlebte: Isabella Baruch, die Tochter Refaels und Rivkas.

Nach der Besatzung Belgrads durch die Wehrmacht erkannte die Familie Majer nicht, dass sie in Gefahr waren. Die Älteren unter ihnen erinnerten sich noch an das korrekte Verhalten der deutschen Soldaten während des Ersten Weltkriegs und sagten: „Wir werden schon durch diese schwierige Zeit kommen, wie wir es einst auch schafften.”

Weniger als ein Jahr danach waren 90 Prozent der Juden Belgrads vernichtet.

„Sogar 80 Jahre später ist der starke Widerspruch zwischen jüdischem Leben vor dem Krieg und dem tragischen Schicksal des Holocaust schwer zu verstehen,“ erklärt Yona Kobo, die Kuratorin der Online-Ausstellung:

„Wir sehen Familien aus Jugoslawien, Deutschland, Österreich, Polen, Rumänien, Griechenland und der Tschechoslowakei an ihren glücklichsten Tagen – Hochzeiten, Geburtstage und andere schöne Erlebnisse – aber auch zu ihren schweren finanziellen Zeiten, auf der Suche nach Auswegen bei der Verschlechterung des täglichen Lebens  – und am Ende die Massenvernichtung jüdischer Männer, Frauen und Kinder.“

Quelle: Israelische Botschaft – Familienfoto: Yad Vashem


Israelischer Diplomat verabschiedet sich nach fünf Jahren mit Plus und Minus

Nach fünf Jahren kehrt der Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit bei der Israelischen Botschaft in Berlin, Rogel Rachman, zurück nach Israel. Zum Abschied berichtet der jüdische Diplomat (siehe Foto) über die vergangenen Jahre in Deutschland, schildert positive und negative Erfahrungen. Wir dokumentieren seinen Abschiedsbrief vollständig:

Liebe Freunde,

heute enden für mich fünf aufregende Jahre als Leiter der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der Botschaft des Staates Israel in Deutschland. Es waren Jahre voller wunderbarer Projekte und sehr interessanter Begegnungen und Interaktionen mit verschiedenen Menschen im ganzen Land. Aber es war auch eine sehr herausfordernde Aufgabe für mich, sowohl persönlich als auch beruflich.

Auf privater Ebene lag das hauptsächlich an der Geschichte unseres Volkes. In meinem Elternhaus sprachen wir nicht viel über die Shoa, und doch war das Thema immer präsent. Meine Mutter wollte niemals deutschen Boden betreten, doch als ich israelischer Diplomat wurde, sagte sie: „Jetzt, wo mein Sohn ein stolzer Diplomat eines starken Landes ist, das der sichere Hafen für alle Juden ist, jetzt kann ich dorthin fahren. Das ist meine Antwort für diejenigen, die versucht haben, mein Volk zu vernichten.“

Seit ich vor genau 35 Jahren an einem Jugendaustausch mit Deutschland teilnahm, wollte ich nach Deutschland kommen. Ich hatte das Gefühl, dass die Deutschen verstehen, was ihre Vorfahren getan haben, und dass sie entschlossen sind, sich für die Sicherheit des jüdischen Volkes und des jüdischen Staates einzusetzen.

So betonte es auch Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Rede vor dem israelischen Parlament, der Knesset, als sie sagte, dass die Sicherheit des Staates Israel Teil der deutschen Staatsräson sei. Während meiner Tätigkeit als Diplomat habe ich so viele deutsche Freunde getroffen, die sich immer wieder engagierten.

Die zweite Ebene war die berufliche, und die Herausforderungen hier waren viel größer. Neben all den wunderbaren Menschen und Freunden, die ich getroffen habe, habe ich auch die wachsende Zahl antisemitischer Ereignisse wahrgenommen, von denen einige durch reinen Hass auf Juden gekennzeichnet waren und andere angebliche „Kritik an Israel“ darstellten. Letzteres wurde leider immer mehr zu einer fast „legitimen“ Möglichkeit, Antisemit zu sein.

Ich würde zum Beispiel sagen, dass ein gewaltsamer Angriff auf eine Synagoge zweifellos ein antisemitischer Akt ist.

Als im Jahr 2014 ein Brandanschlag auf die Synagoge in Wuppertal verübt wurde, gaben die Täter Wut auf Israel als Motiv an. Wenn dann ein Richter dieser Argumentation folgt und in seinem Urteil den Anschlag als politischen Protest und Kritik an Israel wertet – und nicht als Antisemitismus – dann muss eigentlich jeder erkennen, dass es ein Problem gibt.

Vor einigen Jahren sah ich eine Umfrage, die mich überraschte und Unverständnis bei mir erzeugte. Die Umfrage stellte fest, dass rund 70 Prozent der Israelis Deutschland gegenüber positiv eingestellt sind, während nur 30 Prozent der Deutschen Israel gegenüber positiv eingestellt sind. Die Frage, die mir instinktiv in den Sinn kam, war: „Was haben wir euch angetan?“

Ein anderes Phänomen, das ich merkwürdig fand, war die Tendenz, die bilateralen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland mit dem Konflikt im Nahen Osten zu verknüpfen. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass einige Menschen denken, sie müssten jedem Projekt einen palästinensischen Aspekt hinzufügen, um politisch korrekt zu sein, auch wenn es inhaltlich überhaupt keinen Sinn ergibt.

Und beim Lesen und Anschauen einiger Medienberichte über Israel könnte man sich bisweilen tatsächlich fragen, ob in den dortigen Redaktionen journalistische Integrität optional, aber kein Muss ist.

Auf einer Abschiedsparty bat mich kürzlich jemand, nach fünf Jahren in Deutschland eine positive Erfahrung und eine Enttäuschung zu nennen.

Meine Antwort war, dass ich froh war, so viele Freunde und Unterstützer des Staates Israel getroffen zu haben, und andererseits war ich enttäuscht zu sehen, wie viel Hass auf denselben Staat noch immer existiert. Was mich optimistisch bleiben lässt, ist meine Überzeugung, dass letztendlich das Positive siegen wird.

Nach fünf Jahren stehe ich nun einer neuen Herausforderung gegenüber, sowohl persönlich als auch beruflich, während ich so viele gute Freunde und wundervolle Erinnerungen zurücklasse.

Deshalb verabschiede ich mich nicht, sondern sage Auf Wiedersehen.

Rogel Rachman​

Quelle (Text / 1.Foto): https://embassies.gov.il/berlin/NewsAndEvents/Pages/Rogel-Rachman-verabschiedet-sich.aspx


Israel und Litauen rücken zusammen – trotz der Schatten aus der Vergangenheit

Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu ist am Dienstagabend (29.1.) in Jerusalem mit seinem litauischen Amtskollegen Saulius Skvernelis zusammengetroffen.

Der litauische Premierminister Skvernelis und Regierungschef Netanyahu

Beide hatten sich zuletzt im August vergangenen Jahres in Litauen getroffen. An dem Treffen nahmen auch Wirtschafts- und Industrieminister Eli Cohen und der litauische Minister für Wirtschaft und Innovation Virginijus Sinkevicius teil.

Vor Beginn des Treffens erklärte Ministerpräsident Netanyahu:

„Dies ist Ihr erster Besuch in Israel als Premierminister Litauens. Ich erinnere mich an Ihren letzten Besuch 2015 als Innenminister. Während dieses Besuchs haben Sie sich mit der Führung der Israelischen Behörde für Nationale Cyber-Sicherheit getroffen und Interesse an der Vertiefung unserer Zusammenarbeit auf diesem Bereich geäußert…

Wir waren uns sehr vertraut und haben viele gemeinsame Interessen, die wir bei diesem Termin besprechen möchte: Wirtschaft, Handel, Tourismus und Technologie.

Bei meinem Besuch habe ich herausgefunden, dass Litauen eine Weltmacht in Lasertechnologie ist. Ich glaube, 10% aller Laser weltweit werden in Litauen produziert…Wir haben, so glaube ich, eine glänzende Zukunft in gemeinsamer Kooperation.

Ich glaube aber auch, dass wir genauso die Tragödien der Vergangenheit kennen. Vor 70 Jahren entstand Israel. Davor hat war das jüdische Volk vollständig hilflos, wie es auch in Litauen geschehen ist. Fünfundneunzig Prozent der jüdischen Gemeinde dort, eine unglaubliche jüdische Gemeinde, wurde von den Nazis und ihren Kollaborateuren ermordet.

Dies hat sich geändert. Israel ist jetzt, wie Sie wissen, ein sicheres, mächtiges Land. Es ist nicht so, dass es uns an Feinden mangelt. Iran hat gestern erst wieder zu unserer Vernichtung aufgerufen. Wir stehen diesen Drohungen nicht gleichgültig gegenüber, aber wir sind von ihnen auch nicht beeindruckt, weil wir unsere Verteidigungsstärke und unsere Angriffsstärke kennen, und diese dazu ausgestattet sind, nicht nur unser Land, sondern unsere gemeinsame Zivilisation zu schützen, unsere gemeinsamen Freiheiten, unsere gemeinsamen Werte.

Und in diesem Sinne dient unsere Kooperation einem tiefergehenden Zweck, glaube ich.

Ich möchte Sie in diesem Geist der Freundschaft hier willkommen heißen. Ich möchte Ihnen versichern, dass es großartige Sympathien und einen großen Wunsch danach gibt, unsere Beziehungen weiter auszubauen. Es gibt viele Israelis litauischer Herkunft, Sie sprechen zu einem von ihnen, doch dies ist eine Brücke aus der Vergangenheit in die Zukunft.

Und ich heiße Sie hier in Jerusalem willkommen und sage: Auch nächstes Jahr in Jerusalem.“

Quelle: Israelische Botschaft – Foto: GPO / Amos Ben Gershom


München: Der Historiker Hesemann spricht am 7. November über Papst Pius XII.

Der Historiker und Vatikan-Journalist Michael Hesemann stellt am Mittwoch, 7. November, in München sein neues Buch über Papst Pius XII. und dessen umstrittenes Verhalten zum Holocaust offiziell vor.

Kurz vor dem 80. Jahrestag der „Reichspogromnacht“ wird die Buchvorstellung im Rahmen einer „Domspatz-Soirée“ vom katholischen Publizisten Michael Ragg moderiert. Die öffentliche Veranstaltung im Pfarrsaal der Sankt Sebastian-Kirche, Karl-Theodor-Str. 117, in München-Schwabing, beginnt um 19:30 Uhr. Der Eintritt beträgt acht Euro, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., war München eng verbunden. Von 1917 bis 1925 hat er in der Hauptstadt Bayerns als Vatikanbotschafter gewirkt. Nach Angaben des Verlags Langen-Müller seien hunderttausende Akten über die NS-Zeit im Geheimarchiv des Vatikans unter Verschluss gewesen und erst in diesem Jahr für die Forschung freigegeben worden.

Michael Hesemann habe als einer der ersten Historiker überhaupt „Zugang zu den brisantesten Dokumenten des 20. Jahrhunderts“ erhalten. Im Rahmen seiner umfassenden Aufarbeitung dieses dramatischen Kapitels der jüngeren Kirchengeschichte würden sie in diesem Band „weltexklusiv“ veröffentlicht.

Michael Hesemanns Bücher sind internationale Bestseller. Sie erschienen bisher in vierzehn Sprachen mit einer Gesamtauflage von mehr als zwei Millionen Exemplaren. Hesemann ist seit 1999 als Journalist beim Pressesaal des Heiligen Stuhls akkreditiert.

Der Pfarrsaal ist mit der Tram Linie 27, Haltestelle Ackermannstraße oder der U2, Haltestelle Hohenzollernplatz, zu erreichen.

Näheres zu dieser Domspatz-Soirée gibt es unter: http://www.raggs-domspatz.de.


Kritik an der Aufführung von Hochhuths Drama „Der Stellvertreter“ in Berlin

Von Dr. Eduard  Werner

Das Berliner Schlossparktheater führt Rolf Hochuths 55 Jahre altes Drama „Der Stellvertreter“ über das (angebliche) Schweigen des Papstes Pius XII. zum Holocaust und den Opfergang des Paters Riccardo ins KZ wieder auf.

Intendant Dieter Hallervorden begründet seine Entscheidung, dieses Theaterstück auf den Spielplan zu setzen, im Programmheft folgendermaßen: “Zu Zeiten, in denen AfD-Politiker unverblümt ihre dunkelbraunen Reden schwingen, ist es für ein heutiges Theater geradezu eine Selbstverständlichkeit zu zeigen, wohin solche Hetztiraden, solch eine rechtsradikale  „Alternative“ schon einmal geführt haben.“

Hier bedient sich der Berliner Theater-Intendant einer Methode der Geschichtsfälschung, die den Methoden der von ihm zu Recht verabscheuten Nationalsozialisten nicht ganz unähnlich ist. 

Für Historiker ist es traurig, dass Hochhuths Fake News unter dem Namen „Der Stellvertreter“ neu aufgeführt werden, denn dieses Drama verfälscht Geschichte.

Papst Pius XII. war nicht der kaltherzige Judenfeind, den Rolf Hochhuth frei erfunden hat. Das Gegenteil ist wahr. Der Papst hat nicht geschwiegen, sondern im Dezember 1942 in Radio Vatikan erklärt, dass „Hunderttausende ohne eigenes Verschulden nur wegen ihrer Abstammung dem Tode geweiht oder der fortschreitenden Verelendung und Vernichtung preisgegeben sind.“

Er hat vor allem auch gehandelt und nach dem Zeugnis des jüdischen Historikers Pinchas Lapide und des römischen Oberrabbiners Israel Zolli Tausende von Juden gerettet, indem er sie im Vatikan und in den italienischen Klöstern untertauchen ließ.

Vor allem aber hat Pius XII. die Kontakte der deutschen Militäropposition mit der britischen Regierung hergestellt. (Siehe Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Jahrg. 22 (1974) S. 299 – 341).

Damit hat der Papst sogar die Existenz des Vatikan-Staates riskiert. Soweit ging sein Kampf gegen Hitler. 

Hochhuths Papstankläger Riccardo im Drama ist frei erfunden, nach dem realen Papsthelfer bei der Judenrettung, Pater Pfeiffer, wurde dagegen aus Dankbarkeit in Rom eine Straße benannt.

Oberrabbiner Israel Zolli schrieb über Papst Pus XII.: „Im Laufe der Geschichte hat kein Held eine solche Armee befehligt, keine Streitmacht ist je kämpferischer gewesen und keine ist je so bekämpft worden wie die von Pius II. im Namen der christlichen Nächstenliebe geführte.“

So fasst ein Jude die Judenrettung des Papstes zusammen. Ehe der Dirigent Leonard Bernstein am Sterbetag des Papstes sein Konzert mit dem New Yorker Philharmonischen Orchester begann, bat er um eine Minute Schweigen „für das Hinscheiden eines sehr großen Mannes, des Papstes Pius XII.“

Und die damalige israelische Außenministerin telegrafierte an den Vatikan: „Wir nehmen an der Trauer der Menschheit über das Hinscheiden Seiner Heiligkeit des Papstes Pius XII. teil. In einer von Kriegen und Uneinigkeit bedrückten Welt vertrat er die höchsten Ideale des Friedens und des Mitleids. Als in dem Jahrzehnt des Nationalsozialistischen Jahrzehnts unser Volk ein schreckliches Martyrium überkam, hat sich die Stimme des Papstes für die Opfer erhoben. Das Leben unserer Zeit wurde von einer Stimme bereichert, die über den Lärm der täglichen Streitigkeiten hinweg deutlich die großen sittlichen Wahrheiten aussprach. Wir betrauern einen großen Diener des Friedens.“

Hochhuths Drama „Der Stellvertreter“ ist wohl eine der größten Fälschungen der Weltgeschichte. Man möchte hoffen, dass die Zuschauer zwischen einer geschichtswissenschaftlichen Dokumentation einerseits und einer fiktiven Dichtung andererseits unterscheiden können.