Panik, Ratlosigkeit und religiöse Fragen beim Raketen-Fehlalarm in Honolulu

Von Dr. med. Edith Breburda

Die Pfarrei St. Augustin by-the-sea liegt direkt im Touristenviertel von Honolulu am Waikiki-Beach auf der Insel Oahu:www.staugustinebythesea.com
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Die Kirche ist umgeben von Hotels; aber auch von Bettlern, die hier wie fast überall das Stadtbild in den USA prägen.
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Wie üblich betritt eine Frau vor der 7 Uhr Frühmesse das Ambo und erklärt: “Dies ist ein Ort des Gebetes, in dem seit 163 Jahren die Werte des Evangeliums verkündet werden.“ – Es ist in der Diözese von Honolulu die Regel, dass während des Kommuniongangs alle gemeinsam stehen bleiben, um ein „Zeichen der Gemeinschaft“ zu setzen.

Der Kaplan predigt über unseren Papst, der ein weiser Mann sei, was sich in seinen Worten “Wer bin ich, um zu richten?” widerspiegeln würde. Der Satz prägt sich unweigerlich ein an diesem Samstagmorgen, dem 13. Januar 2018, der viele Menschen in Hawaii in Angst versetzte.

Als die Gläubigen ihre Kirche verlassen, ahnen sie nicht, dass es kein normaler Tag werden wird. „Knights of Columbus“ (Kolumbusritter) reinigen wie jeden Samstag das Kirchengelände.
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Nach einer knappen halben Stunde schrecken die Männer zusammen. Ungläubig hält Bob dem Pater sein Handy entgegen. Doch der Priester kann nichts lesen, er hat seine Brille nicht dabei.
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BILD: Die Pfarrkirche St. Augustin in Honolulu, umgeben von Wolkenkratzern
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Die Meldung lautet: Eine ballistische Rakete aus Nordkorea befindet sich im Anflug auf Hawaii. Es handelt sich nicht um eine Übung des Katastrophenschutzes, sondern um eine wirkliche Bedrohung. Man solle sofort Schutz suchen und sich im Badezimmer oder Keller auf den Boden legen. Der Einschlag werde in wenigen Minuten erwartet.

Die Männer rufen aufgeregt durcheinander: „Pater, wohin sollen wir gehen, wenn in 12 Minuten die Rakete von Nordkorea hier bei uns und in Hawaii einschlägt?“  –  Pfarrer Akiona behält die Ruhe: “Da, wo wir alle hingehen. Wir haben doch hier unsere Kirche, der sicherste Ort, den man sich vorstellen kann bei einem Raketenangriff.”

“Nein, da ist zuviel Glas, das ist keineswegs sicher“, widerspricht ein Columbus-Ritter.  “Wenn die Rakete wirklich einschlägt, dann bitte in den Burgerking vor unserer Kirche, der uns die Sicht auf den Pazifik nimmt“, antwortet der Geistliche.
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Doch dann fragt er: “Wovor sollen wir Angst haben? Wenn es Zeit ist, müssen wir alle gehen. Wir müssen nur auf diesen Moment vorbereitet sein.”
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Später rief eine Frau ihren Pfarrer an, sie habe gebetet, dass er überlebt. Als sie die Warnung hörte, erinnerte sie sich, noch vor ihrem Tod beichten zu wollen.
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Pater Akiona gab sich fast verwundert, denn allzuoft hört er von den Leuten, dass sie nicht beichten wollen, das würden sie lieber mit Gott persönlich ausmachen.
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BILD: Eingang zur Pfarrkirche, umgeben von Obdachlosen
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“Sicher“, sagt der Priester, “aber woher wissen wir denn, ob Gott einen auch erhört und uns über diese ungewöhnliche Art unsere Sünden vergibt? Wann immer er uns ruft, müssen wir bereit sein. Das kann in 12 Minuten sein oder in 5 Jahren. Eine Rakete ist dann kein Grund, in Panik zu geraten.“
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Von Panik hat man nach dem Fehlalarm eigentlich nicht viel gespürt. Die Leute waren eher ratlos. Denn was kann man schon auf einer Insel großartig tun, um sich vor einem Atomschlag zu retten?
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Einige Männer standen am Strand in einem der Vororte von Honolulu und schauten ungläubig gegen den Himmel. Bei McDonald saßen die Gäste und genossen ihren Kaffee. Sie hofften darauf, dass es nicht der letzte auf Hawaii  –  dem Paradies auf Erden  –  war.
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Als nach 38 Minuten die Entwarnung kam,  atmete die Radioansagerin tief durch und lachte erleichtert auf. Man mag sich nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn die USA einen Gegenschlag in diesen langen 38 Minuten eingeleitet hätten.
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Dann hätten wir wohl nie erfahren, dass es sich anscheinend „nur“ um den Fehler eines Mannes handelte, welcher dann per Handy und Radio verbreitet wurde.
Allerdings vermuteten das wohl viele. Ein Taxifahrer lachte: “Ich habe keine 38 Minuten gebraucht, um das heraus zu finden. Es wurden keine Sirenen eingeschaltet und so war es für mich ein business as usual-Tag in Honolulu. Man kann ja nicht auf jede “Fake News” Rücksicht nehmen.”
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Unsere Autorin Dr. med. Edith Breburda ist Bioethik-Expertin, Schriftstellerin und Veterinär-Medizinerin (Tierärztin); sie lebt in den USA.  – Edith Homepage: http://scivias-publisher.blogspot.com/
Fotos: Edith Breburda