Kirchliches Präventionspapier vermittelt eine übergriffige Sexualpädagogik

Von Hubert Hecker

Die Bundeskonferenz der diözesanen Präventionsbeauftragten hat im Januar 2021 ein „Positionspapier zur Gestaltung der Schnittstelle von Prävention sexualisierter Gewalt und sexueller Bildung“ erstellt.1 Das Papier ist auf der Seite der Deutschen Bischofskonferenz Prävention-Kirche‘ publiziert.

Es geht mit Hinweis auf die MHG-Studie von der These aus, dass die „Stagnation der katholischen Sexuallehre“ sowie ihre „lustfeindliche Sichtweise“ Risikofaktor und „mittelbare Ursache“ für Missbrauchstaten im kirchlichen Bereich seien. Daher müsse vor jeder Prävention die Sexualmoral der katholischen Kirche neu überdacht werden.

Doch diese Behauptungen haben in der 366-seitigen MHG-Studie nur Fußnotencharakter.2 Jedenfalls ist die These vom Risikofaktor katholische Sexuallehre in keiner Weise Forschungsergebnis der Studie. Die „Zusammenfassung“ der Forschungsarbeit enthält auch keine Empfehlung, die kirchliche Sexualmoral auf den Prüfstand zu stellen.

Die Eingangsthese des Positionspapiers, die katholische Sexualmoral sei missbrauchsfördernd, ist eine Fiktion. Daher sind auch die Folgerungen daraus wie der Ruf nach einer neuen Sexualethik oder sexueller Bildung aus der Luft gegriffen.

Zwielichtige Bezugsautoren

Die Präventionsbeauftragten – und auch der Synodale Weg der DBK (Deutschen Bischofskonferenz) – haben also durch die MHG-Studie vom Herbst 2018 kein wissenschaftliches Mandat bekommen, die Sexuallehre der Kirche zu ändern. Mit der Abwandlung oder Abwendung von der biblisch-kirchlichen Lehre, nach der Sex(ualität) stets in das grundlegende Gebot der Liebe zu integrieren ist, verliert man den Orientierungskompass für die christliche Sexualethik.

Das zeigt sich in der unkritischen Übernahme von sektoralen „Erkenntnissen der Humanwissenschaften“. Die Präventionsbeauftragten stützen sich selektiv auf eine bestimmte Fraktion sexualwissenschaftlicher Autoren und Positionen. Im ersten Kapitel ihrer Schrift unter dem Abschnittstitel ‚Fachlicher Hintergrund‘ ist das Friedrich Nietzsche. Der hatte das Christentum angeklagt, mit seinen normativen Vorgaben „dem Eros Gift zu trinken“ gegeben zu haben.

Erwarten die Autoren mit diesem polemischen Eingangsfanal wirklich „fachliche Rückmeldungen“ zu ihren Ausführungen? Ist der Verfasser von „Der Antichrist“ und der „Umwertung aller Werte“ die angemessene Referenz für ein katholisches Präventionspapier?

Als zweiten Bezugsautor zitiert man ausführlich den französischen Sozialwissenschaftler Michel Foucault mit seinen Thesen, dass Sexualität vielfach mit Machtbeziehungen verschränkt sei und damit durch Macht gebraucht und missbraucht werden könne.

Die Aussagen des 1984 an AIDS Verstorbenen erscheinen aufgrund der kürzlich erhobenen Beschuldigungen eines Journalisten als zwielichtig. Nach denen hat Foucault Ende der 60er Jahre in Tunesien minderjährige Jungen sexuell missbraucht. Die Vorwürfe wurden von zwei weiteren Zeitzeugen bestätigt. Der Missbrauchsverdacht gegen Foucault wird zusätzlich erhärtet durch die Tatsache, dass er einige Jahre später lautstark die Abschaffung des strafbewehrten Verbots von Sexualität mit Kindern unter 15 Jahren forderte.

Er beschimpfte gar den gesetzlichen Schutz der Kinder vor sexuellen Übergriffen als „inakzeptablen Missbrauch“, denn Kinder seien fähig, eigenverantwortlich dem Sex mit Erwachsenen zuzustimmen. (Diese Auffassung von Foucault wird heute fatalerweise unter ‚(Kinder-)Recht auf sexuelle Selbstbestimmung‘ gefasst und als ‚präventiv‘ ausgegeben.) Mit anderen französischen Philosophen wie Sartre und Derrida unterstützte Foucault eine gleichlautende Petition.

Ist ein Autor, der das unaufhebbare Machtgefälle zwischen Erwachsenen und Kindern nicht erkennen kann oder will, als Wissenschaftler noch ernst zu nehmen? Hat er sich und seine Thesen zum Thema Sexualität und Macht damit nicht disqualifiziert – insbesondere für ein Präventionspapier? Wenn die Deutsche Bischofskonferenz solchen Positionen und Autoren zustimmt – beschädigt sie nicht ihre eigene Glaubwürdigkeit bezüglich der gegebenen Präventionsversprechen?

Irrwege deutscher Sexualwissenschaftler

Auch in Deutschland propagierten in den drei Jahrzehnten nach der 68er sexuellen Revolution renommierte Sexualwissenschaftler wie Wolff, Lautmann, Bernard, Sandfort und Helmut Kentler einhellig die Auffassung, dass einvernehmliche Sexualbeziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern letzteren nicht schaden würden. Dieses humanwissenschaftliche Fehlurteil zur Rechtfertigung von Kindersex hatte maßgeblichen Einfluss auf die Partei der Grünen, die in den 80er Jahren die Abschaffung des gesetzlichen Kinderschutzes verlangten.

Volker Beck forderte als sexualpolitischer Sprecher der Grünen 1988 die „Entkriminalisierung von Pädosexualität“. Später erklärte er seine Haltung mit den damaligen humanwissenschaftlichen Erkenntnissen. Noch bis 2010 förderte die Humanistische Union die pädophile Szene.

BILD: Aufklärungsschrift von Peter Helmes über pädosexuelle Tendenzen bei den Grünen der 80er und 90er Jahre

Erst im letzten Jahrzehnt haben Uni-Studien die schändliche Rolle Helmut Kentlers als Pädophilenaktivist und Drahtzieher pädokrimineller Netzwerke aufgedeckt. Die destruktiven Folgen seiner emanzipatorisch-antifaschistischen Sexuallehre sind inzwischen bekannt.

Gleichwohl führen heutige Sexualwissenschaftler wie Sielert, Valtl, Schmidt, Henningsen, Tuider u. a. als Schülergeneration Kentlers dessen hedonistische Sexualitätsansätze weiter. Alle genannten Autoren werden in dem Präventionspapier in Text und Literaturverzeichnis aufgeführt.

Der Kieler Uni-Professor Uwe Sielert hat das links-liberale Sexualkonzept von Kentler zur „neo-emanzipatorischen Sexualpädagogik“ ausgebaut. Die Individuen sollen ihre sexuellen Triebenergien grenzenlos ausschöpfen zur größtmöglichen Luststeigerung. Sielert propagiert die Instrumentalisierung des Körpers zur Lustmaximierung einschließlich von Masturbation bei Kindern und frühestmöglichem Geschlechtsverkehr.

Sielert schließt sich der Grundthese Kentlers an, dass Kinder vom Kleinkindalter an bis zum Ende der Latenzzeit sexuelle Bedürfnisse und Triebkräfte hätten. Daraus wird ein kindliches „Recht auf Sexualität“ abgeleitet, das Sielert mit seinem Ansatz zur Frühsexualisierung bedienen will. Tatsächlich wird damit die sexuelle Bedürfnis- und Erfahrungswelt von Erwachsenen auf Kinder projizieren.

Bei Sielert kommt das in einem Zitat zum Ausdruck, in dem er Kindern Bedürfnisse nach sexuellen „Lusterfahrungen und zärtlichen Gefühlen“ zuschreibt. Die These von den sexuellen Bedürfnissen schon von Kindern ist zugleich das Einfallstor für Pädophile.

Sein sexualpädagogisches Programm erweiterte Sielert später zu dem Konzept der „sexuellen Bildung“, das auch die Präventionsbeauftragten in ihrem Positionspapier als Masterplan für Sexualpädagogik bewerben. Danach sollen alle „repressiven“ Grundnormen im Geschlechterbereich verwischt und verwirrt werden.

Insbesondere sollen Ehe und Familie als Kernfamilie „denaturalisiert“ und die Geschlechterdualität von Mann und Frau in eine Gendervielfalt aufgelöst werden. Schließlich sollen die „intergenerativen Sexualitätsnormen zwischen Kindern und Erwachsenen“ aufgeweicht werden. So klingt Rechtfertigung von Pädophilie im Wissenschaftsjargon.

In der Praxisanleitung empfiehlt Sielert den Eltern, ihre „Kinder lustvoll zu streicheln“, damit schon Kleinkinder „die Lust an sich selbst entdecken“.3 

In Kitas und Schulen soll die pädagogische Frühsexualisierung der Kinder mit luststimulierenden Gesprächsimpulsen, Bildern und Handlungen fortgeführt werden. Ist es nicht absurd, in einem kirchlichen Papier zur Missbrauchsprävention das sexualpädagogische Konzept eines Autors zu übernehmen, der pädophile Übergriffe durch Eltern und Erzieher empfiehlt?

Präventiver Ansatz mit missbrauchsfördernden Ergebnissen

Kein Geringerer als der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, moniert an den Beiträgen der Autoren der Sielert-Schule, dass die proaktive Hinführung der Kinder zu sexuellen Themen und Praktiken die Handlungsstrategien von Missbrauchstätern begünstige: Bei Mädchen und Jungen, die schon früh an sexuelle Themen und grenzüberschreitende Sexualpraktiken gewöhnt seien, „haben Täter ein leichtes Spiel“.4

In einer luziden Analyse hat kürzlich Prof. em. Dr. Karla Etschenberg in zwei Beiträgen die Widersprüche der Sielert’schen Sexualpädagogik zwischen emanzipatorisch-präventivem Anspruch und missbrauchsförderndem Ergebnis aufgezeigt.

Sie erläutert in dem Aufsatz: „Helmut Kentlers Erbe und das besondere sexualpädagogische Konzept gegen den sexuellen Missbrauch“ in acht Schritten, wie mit dem emanzipatorischen Ansatz der sexuellen Bildung durch frühsexualisierende Handlungsanleitung, Netzwerkverbreitung und Diffamierung der Kritiker in der Öffentlichkeit der Boden für Missbrauchsförderung bereitet wird.5

 In der Ausarbeitung des Themas zu einem Videovortrag reichert sie die Textvariante mit weiteren Zitaten sowie anschaulichen Bildern und Vergleichen an.6

Schon im Jahr 2000 hatte eine Dozentin für Sexualpädagogik Sielerts Konzept der sexuellen Bildung in einen „Ratgeber für Eltern zur kindlichen Sexualentwicklung“ umgesetzt. Die Autorin gehört neben Sielert zum wissenschaftlichen Beirat des Dortmunder Instituts für Sexualpädagogik.

In der von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verteilten Broschüre sind mehrere Stellen zu finden, die als „Einladung zur Pädophilie angesehen werden können“. Das gibt die Autorin einem Spiegel-Interview auch selbst zu, versucht aber die Zuarbeit ihrer Methode zu pädophilen Strategien zu verharmlosen.7 

Nach Protesten nahm die damalige Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen die Broschüre als „missverständlich und zweideutig“ aus dem Programm der BZgA.

Übergriffige Sexualpädagogik verdrängt katholische Werte von Liebe, Ehe und Familie

Trotz der pädophilen Kompromittierung beherrscht die Sielert-Schule den Hauptstrom der sexualpädagogischen Literatur und legte deren Standards im deutschsprachigen Raum fest. Besonders einflussreich ist Sielert als Mitbegründer und Vorstand der „Gesellschaft für Sexualpädagogik“ (GSP).

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verbreitet in ihren Medien die libertäre und übergriffige Sexualpädagogik der GSP. Auch in Teilen der deutschen Kirche konnte sie einsickern, was sich etwa 2016 bei der Fachtagung im Erzbistum Berlin über „Sexualpädagogik unter dem Dach der Kirche“ zeigte.

Dort hatte die GSP-zertifizierte Sexualpädagogin Ann-Kathrin Kahle einen Grundlagentext von Sielert vorgestellt. Seit 2015 ist sie Präventionsbeauftragte des Bistums Münster.

In einem Sammelband von 2016 zu „Sexualpädagogik kontrovers“, im Literaturverzeichnis des Positionspapiers angegeben, hat sie mit dem engeren Kreis der Sielertschule wie Tuider, Timmermanns, Henningsen u. a. publiziert. Kahle ist die (Presse-)Sprecherin des ‚Arbeitskreises sexueller Bildung der Bundeskonferenz der diözesanen Präventionsbeauftragten‘. Vermutlich gehört sie zum Autorenkreis des vorgestellten Textes.

Der Elternverein Nordrhein-Westfalen hat kürzlich in einem Offenen Brief an die Deutsche Bischofskonferenz mit deutlichen Worten gegen das Positionspapier protestiert. Die Elternvertreter verweisen darauf, dass sich unter dem notwendigen Auftrag zur Missbrauchsprävention mit der Übernahme des Sielert-Konzeptes von neo-emanzipatorischer Sexualbildung pädophilnahe Sexualpädagogen im Raum der Kirche breitgemacht haben. Außerdem beklagen sie, dass in dem Papier die katholischen Werte von Ehe und Familie aus Vater, Mutter und Kind(ern) sowie lebenslange Bindung und Treue als Klischees und überholte Normen abgewertet werden.

Die besorgten Eltern fordern, dass die Deutsche Bischofskonferenz den eingeleiteten Paradigmenwechsel in der Sexualpädagogik stoppen und das befremdliche Positionspapier verwerfen sollte. Weiterhin erwarten sie, dass sich die Bischöfe wieder auf die katholischen Werte besinnen mit der Orientierung auf Ehe und Familie als Ziel der Sexualpädagogik, die einen „ganzheitlichen, entwicklungssensiblen und die Schamgrenzen der Kinder“ achtenden Ansatz verfolgen müsse.

Die Präventionsbeauftragten machen sich die Genderideologie zu eigen, wenn sie die Sexualität als eine beliebig gestaltbare gesellschaftliche „Konstruktion“ ansehen. Für die Eltern dagegen ist die Sexualität von Mann und Frau die „identitätsstiftende Grundlage der Person, Körpersprache der Liebe, Zeichen und Kraft der Bindung, Quelle des Lebens und natürlich auch der Lust und des Glücks“.8 

Nach christlicher Auffassung ist die von der biologischen Natur bzw. der Schöpfungsordnung gegebene Sexualität in den Dienst der Liebe und Treue, der Weitergabe des Lebens und der familiären Bindung zu stellen.

Gutgemeinte Zielsetzungen – mit fatalen Folgen

Auf die Kritik des Elternvereins haben der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz wie auch die Autoren des Positionspapiers gereizt reagiert. Der Arbeitskreis der Präventionsbeauftragten ließ verlauten, dass er den Vorwurf zurückweise, „sexuelle Bildung auf einen pädophilen Ansatz stützen zu wollen“.

Die Elternvertreter haben jedoch mit keinem Wort den Autoren einen entsprechenden Willen oder gar die Intention zu einem pädophilen Ansatz unterstellt. Man kann den Präventionsbeauftragten durchaus gute subjektive Absichten zugestehen bei ihrem Ziel, durch sexuelle Bildung „die Stärkung der Sprachfähigkeit und Kompetenzerweiterung aller Kinder und Jugendlichen“ erreichen zu wollen.

Aber indem sie sich auf die „Erkenntnisse aus Forschung und Wissenschaft“ der Sielert-Schule stützen, stellen sie ihr gutgemeintes Vorhaben in einen Bezugsrahmen, der objektiv zu kontraproduktiven Ergebnissen führt.

Genau das haben der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung und andere Kritiker der neo-emanzipatorischen Sexualpädagogik aufgedeckt:

  • Die Heranführung schon kleiner Kinder an sexuelle Themen und Sexualpraktiken arbeitet den Handlungsstrategien der Täter in die Hände (Joh.-Wilhelm Rörig).
  • Die renommierte Pädagogikexpertin Prof. Karla Etschenberg hat die objektiven Widersprüche der Sielert’schen Sexualbildung zwischen emanzipatorisch-präventivem Anspruch und missbrauchsförderndem Ergebnis systematisch dargestellt (siehe oben).
  • Mit der unzulässigen Übertragung der Begriffe wie „Recht auf Sexualität“ und „sexuelle Selbstbestimmtheit“ (auf S. 12 des Papiers) aus dem Kontext ausgereifter Sexualität von Erwachsenen auf vorpubertäre Kinder und sogar Kleinkinder werden den notorischen Missbrauchstätern Stichworte gegeben und Wege bereitet.
  • Auch die Anleitung und Gewöhnung der Kinder an infantilsexuelle Handlungen bedeuten Zuarbeit zu den Tätern, die nach Vertrauensanbahnung selbstverständlich nur dem Kind ‚angenehme‘ Körperkontakte anstreben.
  • Damit wird sowohl die juristische Definition von Missbrauchshandlungen „gegen den Willen“ der Opfer unterlaufen als auch die viel zu enge präventive Zielorientierung als „Schutz vor sexualisierter Gewalt“. Schon aus der MHG-Studie hätten die Präventionsbeauftragten die Forschungserkenntnisse entnehmen können, dass die meisten Täter auf die sanfte Tour der Einvernehmlichkeit hinarbeiten.
  • Im Übrigen zeigen die säkulare Odenwaldschule wie auch das Bonner Aloisiuskolleg der Jesuiten das prekäre Ergebnis, dass sexualliberale Emanzipationspädagogik nicht nur keine Präventionseffekte erbrachte, sondern als systemische Bedingung massenhaften Missbrauch beförderte.

Mit der wissenschaftlichen Kritik an dem Konzept der sexuellen Bildung haben sich Sielert und seine Schüler nie ernsthaft auseinandergesetzt – offensichtlich auch nicht die Präventionsbeauftragten. Es gehört aber grundlegend zum wissenschaftlichen Ethos, sich der Kritik von anderen Wissenschaftlern zu stellen – audiatur et altera pars: Man höre auch die andere Seite!

Die verantwortlichen Bischöfe sollten sich und die von ihnen beauftragten Präventionsexperten in die Pflicht nehmen, den wissenschaftlichen Text oder das Aufklärungsvideo von Prof. Etschenberg zu studieren.9

Solange die schwerwiegenden Bedenken zu dem sexualpädagogischen Ansatz der Sielertschule mit seinen möglicherweise missbrauchsfördernden Ergebnissen nicht ausgeräumt sind, sollte das umstrittene Positionspapier auf Eis gelegt werden.


1 https://www.praevention-kirche.de/fileadmin/redaktion/praevention/portalseite/Downloads/2021–04-06_Positionspapier-Schnittstelle-Praevention-sex-Gewalt-und-Bildung_final.pdf

2 Ein einziger Hinweis auf externe Autoren auf Seite 235 der MHG-Studie

3 Frank Herrath / Uwe Sielert: Elterninformation S. 21, Beilage zu: Lisa und Jan. Ein Aufklärungsbuch und ihre Eltern, Beltz-Verlag 1991

4 Kommentar von Johannes-Wilhelm Rörig, taz vom 16. 2. 2015

5 Quelle: http://www.k‑etschenberg.de/resources/KENTLERS+Erbe.pdf, 2/2021

6 Vortrag von Prof. Dr. Karla Etschenberg auf dem Online-Symposium der ‚Demo für alle‘ mit dem Titel »Heikle Beziehungen: Sexualpädagogik und Kindesmissbrauch« am 17. April 2021.

7 Interview mit Ina-Maria Philipps auf Spiegel online, 6. August 2007

8 http://www.elternverein-nrw.de/wp-content/uploads/2021/05/Offener-Brief-an-die-Deutsche-Bischofskonferenz-12.05.21.pdf

9 https://symposium2021.de/videos/


Gendersprachliche Ausgrenzung von Männern

Von Hubert Hecker

Es sind teilweise kabarettistische Kapriolen, die die Gendersternsprache hervorbringt. Insbesondere bei Wortableitungen und Komposita sind zahlreiche Kandidat*innen für das Lachwort des Jahres zu erwarten. 

Das bekannte Witzwort vom Bürger*innensteig wird noch übertroffen durch die Bürger*innenmeister*innen. Weitere Favoriten sind Ladendieb*innenstahl oder LKW-Führer*innenhaus. Auch das Wort Außenvertreter*innen hat Fastnachtsreife. 

Nicht mehr lustig ist dagegen die semantische Verwirrung durch den Gender-Neusprech, der vereinzelt auch in die Kirche eindringt.

Bei der Ansprache ‚liebe Christen‘ haben sowohl das feminine Adjektiv ‚liebe‘ wie auch das maskuline Nomen ‚Christen‘ geschlechterinklusive Bedeutungen. Grammatisch werden solche Wortkategorien als ‚generisch‘ bezeichnet, abgeleitet vom lateinischen ‚genus‘. Sie beinhalten alle geschlechtsdifferenten Mitglieder einer Gattung oder Gruppe. So umfassen die generischen Begriffe ‚der Mensch‘, ‚die Person‘ oder ‚das Volk‘ jeweils Männer, Frauen und Kinder.

Davon sind die geschlechtsspezifischen Wortmodifikationen zu unterscheiden. Alle Worte mit der angehängten Silbe -in bezeichnen ausschließlich weibliche Personen. In einer Versammlung der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) ist die Anrede an die Zielgruppe als ‚liebe Mitchristinnen‘ korrekt.

Wenn dagegen in einem Pfarrbrief die Gesamtheit der Gemeinde mit ‚liebe Mitchrist*innen‘ angeredet wird, dann sind mit einem solchen Sprechakt alle Männer und Jungen aus der Gemeinschaft der Katholiken ausgeschlossen. An dieser sprachlichen Exkommunikation ändert auch der Genderstern nichts, denn damit sollen sich nur die sogenannten LSBTIQ-Personen angesprochen fühlen.

Genderaktivisten wollen das generisch-inklusive Maskulinum als vermeintlich frauendiskriminierend generell durch das angeblich geschlechterübergreifende feminine Genderstern-Konstrukt ersetzen. In Wirklichkeit würde mit dem exklusiven Femininum (mit der Endung -in) ein männerausschließendes Sprachmuster etabliert werden.

Die gesellschaftliche Brisanz dieser grammatischen Willkür wird an der Modifikation des Wortes ‚Judenverfolgung‘ deutlich: Bei der gendersprachlichen Verwandlung des Begriffs in ‚Jüd*innenverfolgung‘ würde der explizite sprachliche Ausschluss von jüdischen Männern und Jungen aus den Nazimorden an Juden einer halben Holocaustleugnung gleichkommen.

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Papst Pius XII. war ein Retter der Juden

Von Hubert Hecker

Bisher wurde Papst Pius XII. moralisches Versagen vorgeworfen wegen seines angeblichen Schweigens zur nationalsozialistischen Judenverfolgung.

Inzwischen hat der Bundesbeauftragte gegen Antisemitismus, Felix Klein, die Anklage reduziert auf die Beschuldigung, der Papst habe zwar protestiert, aber „nicht vernehmlich“. Wie das? Protestierte er etwa im stillen Kämmerlein oder nuschelte er dabei?

Tatsache ist, dass der Pius-Papst in drei öffentlichen Ansprachen gegen die „Vernichtung Hundertausender wegen ihrer Rasse oder Herkunft“ deutlich hörbar protestierte. Die New York Times machte es damals für alle in der westlichen Welt lesbar, dass der Papst die „einsame aufbegehrende Stimme im Schweigen des Kontinents“ sei.

Darauf bezog sich Israels Außenministerin Golda Meir in ihrem Nachruf auf den 1958 gestorbenen Pius-Papst, der „im nationalsozialistischen Jahrzehnt bei dem Martyrium unseres Volkes … seine Stimme erhob für die Opfer“.

Meir hatte einen weiteren Grund für Dankbarkeit. Nach den November-Pogromen 1938 versuchte der damalige Staatssekretär Pacelli 200.000 Ausreisevisa für die deutschen Juden zu organisieren, indem er die Erzbischöfe potentieller Aufnahmeländer zu Eingaben bei ihren Regierungen beauftragte. Nur knapp 20.000 kamen zusammen, aber das waren effektiv mehr, als auf der internationalen Flüchtlingskonferenz von Évian im Sommer 1938.

Golda Meir als Konferenzbeobachterin hielt es für eine Schande, dass damals so viele westlichen Staaten den jüdischen Flüchtlingen in der größten Bedrängnis das rettende Asyl verweigerten.

Schließlich wird die Außenministerin Meir von den Kenntnissen Pinchas Lapides gewusst haben, der von 1951 bis 1969 Leiter des Presseamts der israelischen Regierung war. Er fasste das Ergebnis seiner Studien so zusammen:

„Der Heilige Stuhl hat mehr getan, den Juden zu helfen als jede andere Organisation des Westens, einschließlich des Roten Kreuzes. Pius XII. hat während des Krieges direkt oder indirekt das Leben von etwa 860.000 Juden gerettet.“

Statt die Berliner Pacelli-Straße umzubenennen, sollte man ein Erklärungsschild anbringen – etwa mit dem Würdigungszitat von Golda Meir und den Rechercheergebnissen von Pinchas Lapide.


Inzuchtproblem unter arabischen Migranten

Von Hubert Hecker

Der Münsteraner Bischof Felix Genn sagte auf der Pressekonferenz zur Einführung in den Katholikentag: „Im Blick auf unsere Gesellschaft erleben wir insbesondere von rechter Seite eine Verrohung des gesellschaftlichen Diskurses“, die sich etwa in „dumpfen rechtspopulistischen Parolen“ zeige. Dann konkretisierte er die zum Diskursverfall führenden Haltungen als „Rassismus, Fremdenfeindlichkeit oder Hetze gegen Menschen mit Behinderungen“. 

Mit den zuletzt zitierten Wertungen bezog sich Bischof Genn (siehe Foto) offensichtlich auf eine Textanzeige, die von 18 Sozialverbänden am 22. April in der FAS geschaltet war, denn mit deren Formulierungen und Zielrichtung stimmten seine Wendungen von Rassismus, menschenfeindlich sowie Hetze gegen Menschen mit Behinderung überein. Die Anzeige selbst war ein Empörungsaufruf gegen den Inhalt einer „Kleinen Anfrage“ von Seiten der AfD-Fraktion.

Nach üblicher Bundestagspraxis hatte die AfD mit Antrag vom 12. März 2018 Informationen in Form von differenzierten Entwicklungszahlen von der Bundesregierung zum Thema Schwerbehinderung in Deutschland angefordert. Zu dem Unterpunkt ‚Ursachen’ wollten die Fragesteller Genaueres wissen über Behinderungen aus Inzestverbindungen und Verwandtenehen, differenziert auch nach Einwanderern.

Erbkrankheitsrisiko bei Verwandten-Ehen

Zu diesem Punkt verweist die Anfrage auf Pressemeldungen von rbb, taz und auf eine britische Studie. In den entsprechenden Publikationen wurde anlässlich aktueller Vorfälle im Migrantenmilieu an die bekannte Erkenntnis erinnert, dass sich das Risiko von Behinderungen und Erbkrankheiten bei Verbindungen von Blutsverwandten vervielfacht.

Der Neuropsychologe Prof. Dr. Wolfgang Meins ergänzte diesen Befund mit Ergebnissen einer Studie aus Dubai. Danach sind bei einer „überwältigenden Anzahl von arabischen Patienten“ rezessiv vererbte genetische Merkmale festzustellen und zwar „wegen der Häufigkeit der Ehen zwischen Blutsverwandten unter Arabern“.

Dass die Praxis der Verwandtenehen von muslimischen Migranten auch in Deutschland gepflegt wird, bestätigten frühere Veröffentlichungen von SPIEGEL, ZEIT und Welt. Deshalb die Schlussfolgerung von Prof. Meins: Diese Tendenz führe „zwingend zu einer erhöhten Rate von manifesten Erbkrankheiten bei dieser Bevölkerungsgruppe“ in Deutschland. Der Beitrag von Prof. Meins erschien auf der Seite „Die Achse des Guten“: http://www.achgut.com

Medienkampagne nach vier Wochen

Zu der begründeten Sachverhaltsanfrage der AfD-Bundestagsfraktion hatten vier Wochen lang weder die übrigen Parteien noch die Medien irgendwelche Kritik anzumelden. Ebensowenig war eine Medienresonanz nach der sachbezogenen Antwort der Bundesregierung vom 10. April festzustellen. Erst mit der Anzeige der 18 Sozialverbände entwickelte sich ein Mediensturm.

In dem halbseitigen Anzeigentext war allerdings nur marginal und verzerrt der sachliche Gehalt dargestellt. Hauptsächlich benutzte man das Anzeigenformat als öffentlichen Pranger, um mediale Empörung hervorzurufen. Das Ziel einer Skandalisierung war schon im Einleitungssatz erkennbar: „Wir sind entsetzt über die Anfrage der AfD im Deutschen Bundestag zur Schwerbehinderung in Deutschland.“

Verantwortlich für die Anzeige zeichnete der Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider. Der hatte vor zwei Jahren auf dem Linkenparteitag seinen Verband der Linkspartei zu Füßen gelegt. „Ein Funktionär stellt sich in den Dienst des Linkspopulismus“, konstatierte damals CDU-Vize Armin Laschert. Mit der Anzeige lieferte der Parteisoldat sein Meisterstück ab, indem er im antifaschistischen Agitprop-Stil den erwähnten Text strickte:

Im ersten Abschnitt wurde die AfD dafür angeschwärzt, einen „Zusammenhang von Inzucht, behinderten Kindern und Migranten und Migrantinnen“ herzustellen. Tatsächlich ist dieser Konnex zwischen den Punkten eins und zwei seit 150 Jahren wissenschaftlicher Standard und zum Punkt drei ebenfalls belegt  –  wie oben gezeigt.

Schneider dagegen nennt diesen Evidenz-Zusammenhang ohne jede Begründungen „abwegig“. Statt Argumente benutzt er gleich zu Beginn der Anzeige Empörungswendungen als Schlag-Worte. Im nächsten Satz unterstellte er der AfD-Fraktion hinterhältige Absichten. Sie würden mit „vordergründigen“ Fragen „in bösartiger Weise“ einen „abwegigen“ Zusammenhang „suggerieren“.

Betroffenheitsvokabeln statt Argumente

An diesem ersten Textabschnitt wird offenbar, dass der Initiator der Anzeige kein Interesse an einem sachlichen Diskurs über ein gesellschaftliches Phänomen hat, erst recht nicht zu begründeter Urteilsbildung beim Publikum beitragen will. Das zeigt sich allein schon darin, die Fragestellung als „abwegig“ zu brandmarken. Darüber hinaus wird die Fragestellerin mit emotionalen Betroffenheitsvokabeln wie Entsetzen und moralischen Schlagworten wie ‚bösartig’ dämonisiert.

Dieser Einleitungsabschnitt wird als Musterbeispiel dafür in die Medienlehrbücher eingehen können, wie man aus einer realistischen Sachverhaltsfrage eines politischen Gegners im Handumdrehen einen Skandal konstruieren kann.

Der Einleitungssatz des zweiten Abschnitts beginnt mit einer scheinbar arglosen Vermutung: „Es vermittelt sich (…) die Grundhaltung, Behinderung sei ein zu vermeidendes Übel“.

Im Zusammenhang mit Inzest und Verwandtenehe ist in unserm Kulturkreis der Gesetzgeber tatsächlich bestrebt, durch ein entsprechendes Heiratsverbot die erhöhten Risiken von behinderten Nachkommen zu vermeiden.

Bei Migranten mit anderen kulturellen Voreinstellungen ergäbe sich hier wie auch bei anderen Themen die gesellschaftliche Aufgabe, sie in unsere Werteordnung einzuführen – in diesem Fall durch Heiratsbeschränkung erbkranken Nachwuchs zu minimieren.

Doch Schneider und seinen Genossen ging es weder um die Verhinderung vermeidbarer Krankheiten noch um die Aufklärung von Migranten. Sie verfolgten eine Propagandastrategie: Aus dem Anfragetext konnte man die Sorge um vermeidbare Behinderungen lesen. Dieses Anliegen brachten sie nun in Verbindung mit dem völlig andersartigen Nazi-Slogan von Behinderten als zu vermeidendes Übel. Mit dieser unlauteren Methode, eine berechtigte Sorge mit der NS-Rassenhygiene zu assoziieren, sollte die AfD in den Dunstkreis der „dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte“ geschubst werden.

Einmal mit dem Nazi-Schatten belegt, unterstellte man den Fragestellern dann eine nazistische „Grundhaltung“ – etwa das Lebensrecht von Behinderten abzuerkennen. Frei von Beleg und Begründung wurde die Anfrage der AfD-Fraktion angekoppelt an die NS-Maßnahmen, bei der Behinderte „zu Hunderttausenden Opfer des Nationalsozialismus wurden“.

Die Verbindungslinie von der AfD-Anfrage zu den Nazi-Verbrechen an Kranken und Behinderten ist aber ein bloßes Konstrukt ohne jede Basis im Anfragetext.

Erstveröffentlichung und Fortsetzung des Beitrags von Hubert Hecker hier: https://www.katholisches.info/2018/06/ungeprueft-skandalmeldungen-verbreitet/