Das Kreuz steigt aus der Nacht empor – ein Kreuz-Hymnus aus der christlichen Antike

Des Königs Fahne tritt hervor, das Kreuz steigt aus der Nacht empor,
an dem das Leben für uns starb und Leben durch den Tod erwarb.

Verwundet hing der HERR daran, aus der durchstochnen Seite rann,
vermischt mit Wasser, heilges Blut, zu löschen unsrer Sünden Glut.

Was David sah im hehren Bild, auf Golgotha hat sich’s erfüllt;
das Kreuz ist des Erlösers Thron, vom Kreuz herab herrscht Gottes Sohn.

O schöner Baum, wie stehst du ganz im königlichen Purpurglanz!
O edler Stamm, o hoher Wert, daß dich so heilge Last beschwert.

Du bist die Waage, welche hält, das Lösegeld der ganzen Welt,
an der die Siegesbeute prangt, die Gott der Hölle abverlangt.

O Kreuz, durch das uns Hoffnung sprießt, in deinem Sieg sei uns gegrüßt!
Vermehr den Frommen Gottes Gnad und tilg der Sünder Missetat.

Dank sei dir, o Dreifaltigkeit, und Lob und Preis in Ewigkeit,
daß du durch Christi Kreuz und Tod uns hast erlöst aus jeder Not.

Aus dem Hymnus „Vexilla regis“ des Venantius Fortunatus (6. Jahrh.)


Pfingstsequenz: Veni, Sancte Spiritus – Komm, Heiliger Geist

Der lateinische Urtext der Pfingstsequenz stammt aus dem 12. Jahrhundert

Veni, Sante Spiritus, Et Emitte caelitus, Lubis tuae radium.

Veni, pater pauperum,
Veni, dator munerum,
Veni, lumen cordium.

Consolator optime,
Dulcis hospes animae,
Dulce refrigerium.

In labore requies,
In aestu temperies,
In fletu solacium.

O lux beatissima,
Reple cordis intima
Tuorum fidelium.

Sine tuo nomine
Nihil est in homine,
Nihil est innoxium.

Lava quod est sordidum,
Riga quod est aridum,
Sana quod est saucium.

Flecte quod est rigidum,
Fove quod est frigidum,
Rege quod est devium.

Da tuis fidelibus
In te confidentibus
Sacrum septenarium.

Da virtutis meritum,
Da salutis exitum,
Da perenne gaudium.

 

Komm, o Geist der Heiligkeit
aus des Himmels Herrlichkeit
sende Deines Lichtes Strahl.
 
Vater aller Armen Du,
aller Herzen Licht und Ruh,
komm mit Deiner Gaben Zahl!
 
Tröster in Verlassenheit,
Labsal voll der Lieblichkeit,
komm, o süßer Seelenfreund!
 
In Ermüdung schenke Ruh,
in der Glut hauch Kühlung zu,
tröste den, der Tränen weint.
 
O Du Licht der Seligkeit,
mach Dir unser Herz bereit,
dring in unsere Seelen ein!
 
Ohne Deinen Gnadenschein
steht der arme Mensch allein,
kann nicht gut und sicher sein.
 
Wasche, was beflecket ist,
heile, was verwundet ist,
tränke, was da dürre steht,
 
Beuge, was verhärtet ist,
wärme, was erkaltet ist,
lenke, was da irre geht!
 
Heiliger Geist, wir bitten Dich,
gib uns allen gnädiglich
Deiner sieben Gaben Kraft!
 
Gib Verdienst in dieser Zeit
und dereinst die Seligkeit
nach vollbrachter Wanderschaft.
 
Übersetzung: Autor unbekannt
 

(2. Übersetzung)

Komm herab, o Heiliger Geist,
der die finstere Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.

Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt.

Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not,

in der Unrast schenkst Du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.

Komm, o Du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.

Ohne Dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.

Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile Du, wo Krankheit quält.

Wärme Du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.

Gib dem Volk, das Dir vertraut,
das auf Deine Hilfe baut,
Deine Gaben zum Geleit.

Laß es in der Zeit bestehn,
Deines Heils Vollendung sehn
und der Freuden Ewigkeit.

Übertragung von Maria Luise Thurmair
und Markus Jenny (1971), Fassung aus dem „Gotteslob“

 
(3. Übersetzung)
 
Komm, o Geist der Heiligkeit!
aus des Himmels Herrlichkeit
sende deines Lichtes Strahl!Vater aller Armen du,
aller Herzen Licht und Ruh’,
komm mit deiner Gaben Zahl!Tröster in Verlassenheit,
Labsal voll der Lieblichkeit,
komm, du süßer Seelenfreund!

In Ermüdung schenke Ruh’,
in der Glut hauch Kühlung zu,
tröste den, der trostlos weint.

O du Licht der Seligkeit,
mach dir unser Herz bereit,
dring in unsere Seelen ein!

Ohne Dein lebendig Wehn
nichts im Menschen kann bestehn,
nichts ohn’ Fehl und Makel sein.

Wasche, was beflecket ist,
heile, was verwundet ist,
tränke, was da dürre steht.

Beuge, was verhärtet ist,
wärme, was erkaltet ist,
lenke, was da irregeht.

Heil’ger Geist, wir bitten Dich,
gib uns allen gnädiglich
Deiner Gaben Siebenzahl.

Spende uns der Tugend Lohn,
laß uns stehn an Deinem Thron,
uns erfreun im Himmelssaal.

Heinrich Bone 1847