Die „Marienerscheinungen“ von Heede und „Botschaften“ an die Seherin Grete Ganseforth

Von Felizitas Küble

Vor über zwei Jahren haben wir einen einführenden Artikel über die Marienerscheinungen im emsländischen Heede veröffentlicht: https://charismatismus.wordpress.com/2018/01/02/heede-marienerscheinungen-im-emsland/

Dieser Beitrag sei nun um einige Anmerkungen ergänzt, wobei ich auf Informationen aus dem Buch „Flammende Zeichen der Zeit“ des katholischen Schriftstellers Bruno Grabinski zurückgreife.

Die erste Auflage erschien 1950, wobei weitere Auflagen bis 1974 folgten, das Buch also jahrzehntelang auf ein erstaunliches Interesse stieß. Die verschiedenen Ausgaben wurden teilweise überarbeitet und ergänzt – mir liegt die 3. Auflage von 1966 vor.

Will man vermeintlich „übernatürliche“ Phänomene möglichst sachgerecht beurteilen, so tut man gut daran, auf ältere Literatur zurückzugreifen, weil in späteren  Büchern oft so manches „redigiert“ bzw. retuschiert und frisiert wird, um nicht zu sagen: zurechtgebogen.

Zurück zu Heede:

Dort soll 1937 – also mitten in der NS-Zeit   –  die Gottesmutter einigen jungen Mädchen auf dem Friedhof erschienen sein und sich als „Königin des Weltalls und der Armen Seelen“ präsentiert haben. Diese Privatoffenbarungen wurden von der Kirche nicht anerkannt, aber die dortige Gebetsstätte mehr oder weniger geduldet und heute allgemein bischöflich toleriert.

Das erwähnte Grabinski-Buch steht den Heede-Erscheinungen recht positiv gegenüber, ohne dabei fanatisch zu sein. Umso aufschlußreicher sind einige Zitate und Hinweise in diesem alten Buch. Dort geht es um die Seherin Grete Gansefort, die von allen visionären Heede-Frauen die größte Bekanntheit erlangte und vom Autor als „mystisch Begnadete“ bezeichnet wird.

Dabei soll ihr die „Gottesmutter“ in Einsprechungen z.B. über den 2. Weltkrieg gesagt haben: „Der Krieg ist keine Strafe der göttlichen Gerechtigkeit (…), sondern eine Strafe aus Barmherzigkeit zur Rettung vieler Seelen, die sonst verlorengegangen wären.“ (S. 90)

Hier scheint der Versuch wirksam, sich an einige Fatima-Aussagen anzulehnen, diese aber noch zuzuspitzen:

Der Krieg ist weder eine Strafe aus Gerechtigkeit noch aus Barmherzigkeit, sondern eine Folge der gottlosen Politik zweier Dikaturen und Tyrannen (Hitler und Stalin), die bestimmt nicht als Vollstrecker des göttlichen Willens fungierten.

Gott läßt solche  –  gegen seine Gebote gerichteten – Verbrechen zwar zu, aber nicht, weil ER sie billigt oder gar aktiv als „Strafe“ einspannt, sondern weil ER die menschliche Freiheit respektiert – und dies auch im Falle ihres Mißbrauchs durch Bosheit.

Abgesehen davon mag es sein, daß durch die Kriegsereignisse manche Seelen gerettet wurden, weil sie in diesen schlimmen Zeiten zum Nachdenken kamen, aber genauso kann auch das Gegenteil eingetroffen sein, daß Menschen aus Verzweiflung vom Glauben an einen gütigen Gott abgefallen sind. Das Sprichwort „Not lehrt beten“ darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß leider zugleich die Erfahrung gilt: „Not lehrt fluchen!“

Es gibt keine Vorherbestimmung

Am 17./18. November 1943 soll der „Heiland“ Grete Ganseforth Folgendes mitgeteilt haben: „Von aller Ewigkeit her habe ich schon den Grad der Vollkommenheit, zu welcher Ich eine Seele bei ihrer Erschaffung in der Zeit rufe, festgelegt.“ (S. 90)

Dies beinhaltet eine falsche Prädestinations(irr)lehre, denn es gibt zwar eine Vorsehung und Vorausschau Gottes in seiner Allwissenheit, aber keine Vorherbestimmung im eigentlichen Sinne, sonst würde Gott die von ihm selber geschaffene Freiheit des Menschen nicht ernst nehmen.

Geradezu blödsinnig ist die „Botschaft“ vom 21.12.1943 über den Menschen, der als „Nichts“ bezeichnet wird. Dabei spricht wieder der angebliche Heiland zu Ganseforth, seiner „Braut“, wie er sie nennt: „Das Nichts verdient nichts, deshalb soll das Nichts nicht richten, nichts sagen, nichts verlangen und sich über nichts beklagen.“ (S. 91)

Offenbar merkt der Verfasser, der sonst durchaus theologisch zu differenzieren versucht (und z.B. die „Marienerscheinungen“ von Heroldsbach strikt ablehnt), in seiner Leichtgläubigkeit nicht, wie unvernünftig und verfehlt diese „Botschaften“ sind.

Nicht einmal die Tatsache, daß ein psychiatrisches Gutachten die „Seherin“ negativ beurteilte, scheint ihn zu beeindrucken: „Es ist bekanntgeworden, daß ärztliche Gutachter Grete G. als „hysterisch“ angesprochen haben.“ – Das sei aber „weiter nicht verwunderlich“ und bedeute keineswegs die „Unechtheit“ der Erscheinungen: „Denn schließlich können auch „Hysterische“ sehr wohl begnadet sein.“ (S. 92)

Erstens sind ohnehin alle Christen „begnadet“, was schon mit der Taufe beginnt, zweitens sind damit noch lange keine Visionen oder Privatoffenbarungen verbunden, drittens sind krankhafte Seelenzustände wie Hysterie sehr wohl ein ernster Grund, an der Übernatürlichkeit einer Erscheinung zu zweifeln.

Hierzu heißt es auf dem amtlichen Portal „Katholisch.de“ über die Kriterien für eine Anerkennung:

„Erstens muss das weitere Leben den tadellosen Charakter des Sehers oder der Seherin bezeugen, er oder sie darf zweitens nicht unter einer psychischen Krankheit leiden und die Marienerscheinung muss drittens eine positive Wirkung sowohl auf die Persönlichkeit des Sehers als auch auf deren Umgebung haben – entwickelt sich durch das Ereignis ein Konflikt, dann kann hier nicht Maria am Werke gewesen sein.“ (Quelle: https://www.katholisch.de/artikel/16538-marien-wunder-gibt-es-immer-wieder-oder)

Und ob sich aus Heede ein „Konflikt“ entwickelt hat: Einige der Visionärinnen (vor allem Ganseforth) haben sich nach dem Krieg in aufsehenerrende Gerichtsprozesse verwickelt und sich gegenseitig Lug und Betrug vorgeworfen.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Valtortas blühende Phantasie: Christi letztes Wort am Kreuz lautete „Mama“…

8. Teil unserer Serie über „Valtortas Irrtümer“

Die 12 Bände mit dem Titel „Der Gottmensch“ von Maria Valtorta geistern seit Jahrzehnten durch fromme katholische Kreise. Ich kenne sogar evangelische Christen, die alle Bände sammeln und die Visionen und Einsprechungen der „Seherin“ ernst nehmen.

Dabei standen die Valtorta-Bücher mit Recht auf dem vatikanischen Index, also der Auflistung „verbotener Bücher“. Der Index wurde durch das 2. Vatikanum abgeschafft; freilich ist er moralisch nach wie vor bedeutsam, denn die jeweiligen Werke kamen ja nicht ohne Grund auf eben diesen Index.

Valtortas grenzenloser Kitsch  – Jesus und Maria sind ständig mit dem „Liebkosen“ und „Küssen“ ihnen nahestehender Personen beschäftigt –  ist allein schon Grund genug, um zu wissen, daß dieser sentimentale Sermon nicht von „oben“ diktiert sein kann.

Zudem stellt sich die Frage, warum der Himmel sich nach fast zweitausend Jahren Wartezeit plötzlich „durchringen“ sollte, die schmalen Evangelien-Berichte durch Endlos-Erzählungen auszuschmücken, die sich über 12 dicke Bände hinziehen.

Im übrigen ist nicht nur der Stil dieser Visionärin mehr als blumig und von einem unentwegten Karussell der Gefühle geprägt, auch inhaltlich liegt eine ganze Menge im Argen. Wir haben dies in den bisherigen sieben Artikeln aus unserer Serie bereits genau nachgewiesen.

Hier ein weiteres Beispiel:

Es gibt bekanntlich sieben Worte Jesu am Kreuz, die biblisch überliefert sind. Aber Valtorta weiß es natürlich besser; ihr soll der HERR durch übernatürliche Einsprechungen geoffenbart haben, daß sein letztes Wort in Wirklichkeit……

……aber klar doch: MAMA….

lautete. So wünscht sich das vielleicht eine italienische „Seherin“, so stellt sie sich das Heilswerk Christi vor: mehr natürlich als übernatürlich!

Aber Christus hat als Gott-Mensch am Kreuz in freier Entscheidung ein Erlösungsgeschehen vollzogen – und selbstverständlich galt sein letztes Wort dem himmlischen Vater, mit dem er „eines Wesens“ ist – und nicht seiner irdischen Mutter, so nahe ihm Maria sicherlich menschlich und geistlich verbunden war.

Im 11. Band kann  man auf S. 281 nachlesen, der letzte große Ruf Christi am Kreuzesstamm sei das Wort „Mama“ gewesen. Dieser „gewaltige Schrei“ habe die Stille zerrissen, danach sei Jesus verstorben.

Danach folgen „dramatisch“ erscheinende Szene, in denen sich Maria wie eine Hysterische benimmt, sich bis zum Boden krümmt und wild herumschreit: „Ich habe keinen Sohn mehr“.

Auch das ist theologisch unsinnig, denn die wahre Gottesmutter war eine gläubige Frau, die keineswegs davon ausging, mit dem Tod sei alles aus.

Fotos: Archiv, Petrusbruderschaft