IMABE-Institut berichtet: Nach Abtreibung steigt das Risiko für seelische Erkrankungen

Die Beendigung einer unerwünschten Schwangerschaft durch Abtreibung senkt nicht das Risiko für psychische Probleme, sondern erhöht es. Dies ist das Ergebnis einer im Australian and New Zealand Journal of Psychiatry erschienenen Studie (2013, 3.4. doi: 10.1177/0004867413484597), die sich mit den Auswirkungen von Abtreibung auf die seelische Gesundheit von Frauen befaßte. Baby (2)

Die Frage nach den seelischen Folgen einer Abtreibung bei Frauen wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Zu den methodischen Problemen kommt, daß zahlreiche Länder die Tötung des Ungeborenen gesetzlich straffrei stellen, wenn die Geburt eines Kindes einen vorhersehbaren und unabwendbaren „schweren Schaden für die körperliche oder seelische Gesundheit der Schwangeren“ bedeuten würde.

Auch in Österreich besteht diese Indikation, bei der einer Abtreibung sozusagen eine therapeutische Wirkung unterstellt wird (die Abtreibung ist in diesem Fall sogar bis zur Geburt möglich, vgl. StGB § 97 Abs 1, Z.2). Deutschland und Großbritannien haben ähnliche Regelungen. In Großbritannien wurden im Jahr 2011 186.000 von 200.000 Abtreibungen mit dem Hinweis auf den Schutz der psychischen Gesundheit der Frau durchgeführt.

Fergusson-Studie widerlegt „psychische“ Indikation

Doch ist dieser „therapeutische Effekt“ auch nachweisbar?   –  In einer Übersichtsstudie untersuchte David M. Fergusson, Direktor des Christchurch Health and Development Study (CHDS) an der University of Otago/Neuseeland den Zusammenhang von Mental Health und Abtreibung in Hinblick auf fünf Kategorien: mögliche Angstzustände, Depressionen, Alkoholmissbrauch, illegaler Drogenkonsum und Suizidalität.

Das Team um Fergusson stellte fest, daß eine Abtreibung nicht mit einer Senkung des Risikos für psychische Probleme verbunden war. Das Gegenteil war der Fall: Nach erfolgter Abtreibung fanden sich Hinweise auf eine moderate Steigerung des Risikos insbesondere für Alkohol- und Drogenmissbrauch, aber auch für Angst und Suizidgefahr.

Die Ergebnisse bestätigen im Wesentlichen, was die weltweit umfangreichste Meta-Analyse, publiziert im British Journal of Psychiatry (2011; 199: 180-186) bereits 2011 gezeigt hatte: 10 Prozent aller psychischen Probleme bei Frauen stehen in direktem Zusammenhang mit einer Abtreibung (vgl. CMF, online, 1. 11. 2013).

Fergusson weist nachdrücklich darauf hin, daß es keine Hinweise gibt, wonach Abtreibung eine therapeutische Wirkung bei der Verringerung der psychischen Risiken hätte im Vergleich zu Frauen, die ein Kind nach unerwünschter oder ungeplanter Schwangerschaft zur Welt brachten.

Es sei daher inakzeptabel für Kliniker, eine große Zahl von Abtreibungen aus Gründen zu genehmigen, für die es derzeit keine wissenschaftlichen Beweise gibt, kritisiert Fergusson, der sich selbst als Atheist und Anhänger einer straffreien Abtreibung bezeichnet  –  und in den vergangenen Jahren zahlreiche Studien über den negativen Effekt von Abtreibung auf die psychische Gesundheit publiziert hat (vgl. IMABE-Jänner 2006 Studie: Abtreibung begünstigt Entstehung von Depressionen).

Quelle: IMABE-Institut in Wien


Mega-Studie: Positiver Zusammenhang zwischen Glaube und seelischer Gesundheit

Religiöse Menschen sind weniger oft von Depression, Suchtkrankheiten oder Suizid betroffen als Atheisten. Dies ist das Ergebnis einer österreichisch-amerikanischen Übersichts-Studie, die jüngst im Journal of Religion and Health veröffentlicht wurde.

Das Team um Dr. Raphael Bonelli, Psychiater und Neurologe an der Sigmund-Freud-Universität in Wien, und seinem Kollegen Dr. Harold G. Koenig, Vorstand des Center for the Study of Religion/Spirituality and Health an der Duke University, untersuchte alle Forschungsarbeiten zu Glaube und psychischer Gesundheit, die seit 1990 weltweit in den meistzitierten psychiatrischen und neurologischen Fachzeitschriften erschienen sind.media-373855-2

72 Prozent der bedeutungsvollen Studien zeigten, daß die psychische Gesundheit mit dem Ausmaß wächst, in dem sich ein Mensch religiös-spirituell engagierte, bei 18 Prozent war der Zusammenhang nicht eindeutig, nur bei fünf Prozent fiel er negativ aus.

Für Prof. Bonelli bestätigen diese umfangreichen Daten den stabilisierenden Faktor von Religiosität. „Natürlich werden aber immer wieder auch religiöse Menschen psychisch krank oder nehmen sich das Leben“, räumt der Psychiater gegenüber Kathpress (online 1. 4. 2013) ein, eine 100-prozentige Garantie gebe es nie.

Für Bonelli, der das Institut für Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie (RPP) leitet, sind die Studienergebnisse klarer Auftrag an Psychiater und Therapeuten, die vorhandene Religiosität von Patienten als nutzbare Ressource anzusehen, nach der man durchaus „ebenso wie nach der Familie“ fragen solle.

Daß Religion und Spiritualität für eine optimale medizinische Betreuung von Patienten eine wichtige Rolle spielen, zeigte auch eine kürzlich in der Psychiatrischen Praxis veröffentlichte Studie (2013; 40(01): 43-48 DOI: 10.1055/s-0032-1327242).

Wissenschaftler von der Abteilung für Psychiatrie der Universität Münster fanden heraus, daß Religion und Spiritualität bei drei von vier Patienten eine mehr oder weniger große Rolle spielten. Es gab zudem deutliche Hinweise dafür, daß der Glaube einen positiven Effekt für die Krankheitsbewältigung hatte.

Quelle: IMABE-Institut


IMABE-Institut bestätigt frühabtreibende Wirkweise aller Präparate der „Pille danach“

Warum lobt IMABE dennoch die verwirrende „Pillen-Erklärung“ Kardinal Meisners?

IMABE, das Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik in Wien, veröffentlichte am 13. Februar dieses Jahres eine Stellungnahme zur Wirkweise diverser „Pille danach“ angesichts der gegenwärtigen Debatte zu diesem „heißen Eisen“   –  und fügte in einem Anhang aktualisierte medizinische Erläuterungen hinzu.

Bereits vor ca. drei Jahren hatte IMABE-Direktor Prof. Dr. Johannes Bonelli in einem Fachartikel dargelegt, daß die seit Jahrzehnten bekannten Präparate der „Pille danach“ mit dem Wirkstoff Levonorgestrel (LNG)  –  es handelt sich dabei um ein künstliches Gestagen-Hormon   –  dann eine frühabtreibende Wirkung entfalten,  wenn sie kurz vor, während oder relativ bald nach dem Eisprung eingenommen werden  –  und sofern eine Befruchtung stattfand.  images

In den jetzigen Erläuterungen des IMABE-Wissenschaftsinstituts wird auch der Wirkmechanismus einer neueren Variante der „Pille danach“ untersucht, die erst seit 2009 unter dem Handelsnamen EllaOne im Umlauf ist:

Dieses Präparat enthält kein Kunst-Gestagen wie die „klassische“ Pille-danach, sondern blockiert durch den Wirkstoff Ulipristalacetat die natürliche Funktion jenes Geschlechtshormons Progesteron, das z.B. den Eisprung der Frau ebenso reguliert wie den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. 

Wird nun das Progesteron in seiner eigentlichen Wirkweise durch Ulipristal blockiert, dann logischerweise in beiderlei Hinsicht, also nicht nur betreffs Eisprung, sondern auch hinsichtlich der Nidation bzw. Implantation, die gehemmt bzw verhindert wird.

Diese Nidationshemmung bedeutet aber, daß sich der Keimling bzw. Embryo  –  die kleinste Erscheinungsform des Menschen  –  nicht in die Gebärmutter einnisten kann, also innerhalb der ersten oder zweiten Woche seiner Existenz abstirbt.

Sowohl die herkömmliche „Pille danach“  (Levonorgestrel) wie auch die „jüngere“ Variante (Ulipristal) wirken potentiell frühabtreibend, wenn sie zu einem Zeitpunkt eingenommen werden, in dem eine Verhinderung des Eisprungs nicht mehr möglich ist.

Die Stellungnahme von IMABE bestätigt diese abortive Wirkung von Ulipristal mit ausführlichen Erläuterungen unter dem Zwischentitel „Nidationshemmende Wirkung von Ulipristal“.  –  Das Präparat wird als „Nachfolgepräparat der Abtreibungspille Mifepristone“ bezeichnet.

„Ulipristal hat auch abtreibende Wirkung“

Zudem heißt es: „Ulipristal hat ovulationshemmende, aber  –  dosisabhängig wie Mifepristone  –  auch abtreibende Wirkung.“  –  Dieser Befund wird mit Studien belegt.

Der Vergleich der herkömmlichen mit der jüngeren „Pille danach“ zeigt zwar methodisch unterschiedliche Wirkmechanismen, doch das Ergebnis bzw. der frühabtreibende Faktor ist grundsätzlich derselbe, wie IMABE klarstellt:

„Der Anteil der nidationshemmenden Wirkung ist bei beiden Präparaten praktisch gleich groß.“

Wir halten demnach fest, daß alle im Handel erhältlichen Sorten der „Pille danach“ potentiell frühabtreibend wirken, wenn die Präparate relativ kurz vor dem Eisprung, während dieser Phase oder im baldigen Zeitraum danach eingenommen werden.

Aber selbst dann, wenn die „Pille danach“ zu einem für die Verhütung passenden Zeitpunkt eingenommen wird, ist die Verhinderung der Befruchtung durchaus nicht hundertprozentig gewährleistet. Findet dennoch eine Empfängnis statt, dann tritt die frühabtreibende Wirkung in Kraft  –  sie ist gleichsam ein schlußendlicher „Sicherheitsfaktor“. baby

Das IMABE-Institut schreibt jedenfalls zu den „beiden Substanzen“ (Levonorgestrel, Ulipristal) Folgendes (Linie von uns):

„Gemeinsam ist ihnen, dass sie den Eisprung hemmen oder um einige Tage verzögern und dadurch eine Befruchtung nach Geschlechtsverkehr verhindern können, wenn die „Pille danach“ rechtzeitig vor dem zu erwartenden Eisprung eingenommen wird.“

Es heißt hier nicht, daß diese Substanzen Eisprung und Befruchtung „verhindern“, sondern verhindern „können“.

Dabei ist grundsätzlich zu bedenken: Auch bei der „empfängnisverhütenden“ Anti-Baby-Pille, die von Frauen dauerhaft eingenommen wird, kann es zu sog. Durchbruchs-Ovulationen kommen, so daß eine Empfängnis stattfindet, was zur Folge haben kann, daß das befruchtete Ei sich wegen des nidationshemmenden Pillenfaktors nicht in die Gebärmutter einnistet, der Keimling also stirbt.

Daher enthalten auch „normale“ Pillen einen potentiell frühabtreibenden Faktor (der je nach Hormonbestandteilen differiert), worauf die hohe Sicherheit der Pille beruht.  Diese abortive Wirkweise bestätigt auch IMABE   –  siehe hier.

Unabhängig von diesem speziellen Aspekt steht aber ohnehin fest, daß bislang keine „Pille danach“ ohne Nidationshemmung bekannt ist.

Dieser Befund  w i d e r s p r i c h t   jedoch jenen entscheidenden Aussagen von Kardinal Meisner, der am 31. Januar 2013 in seiner aufsehenerregenden Erkärung eingangs festgestellt hat:

„Aus gegebenem Anlass habe ich mich mit Fachleuten über die Frage der Verordnung der so genannten „Pille danach“ beraten. Dabei wurde deutlich, dass darunter unterschiedliche Präparate mit unterschiedli­chen Wirkprinzipien zu verstehen sind, deren Wirkungen und Nebenwirkungen sich in der wissenschaftlichen Diskussion immer weiter klären. Daraus ergeben sich ethische Konsequenzen.

Wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat, dessen Wirkprinzip die Verhinderung einer Zeugung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist dies aus meiner Sicht vertretbar.“

In Meisners Text ist ausdrücklich vonunterschiedliche Präparate mit unterschiedli­chen Wirkprinzipiendie Rede, so daß unmittelbar der Eindruck entsteht, als gäbe es zwei verschiedene Varianten der „Pille danach“, nämlich einerseits jene, die empfängnisverhütend wirken  – und andererseits jene, die eine Nidation verhindern, die also im Falle einer Befruchtung abortiv (frühabtreibend) sind.

Eine „Pille danach“ ohne frühabtreibenden Faktor gibt es aber nicht, wie IMABE in seinem medizinischen „Anhang“ ebenfalls feststellt.

Meisners „Wunschpille“ gibt es nicht

Es handelt sich bei den Darlegungen des Kölner Erzbischofs  insofern um eine Art „Phantom-Pille“   –  man könnte auch von „Meisners Wunschpille“ sprechen.

Es ist aber gewiß keine „Kardinaltugend“   –  weder eine der Klugheit noch der Gerechtigkeit, geschweige der Tapferkeit  –  eine verwirrende öffentliche Debatte über die „Pille danach“ und ihre kirchliche Beurteilung anzustoßen, wobei hypothetische Was-wäre-wenn-Argumente wie ein klarer Sachverhalt präsentiert werden, obwohl dies von der wissenschaftlich nicht gedeckt ist.

Daß der Kölner Kardinal nicht etwa nur von diversen Medien, sondern auch von katholischen Fachleuten durchaus so verstanden wurde, als gäbe es rein empfängnisverhütende „Pillen danach“, erweist sich beispielhaft anhand eines Domradio-Gesprächs mit Dr. Manfred Lütz:

Am 31. Januar 2013 veröffentlichte Meisners Kirchenfunk dieses Interview mit dem Psychiater und Theologen, der die „Pillen-Erkärung“ des Kardinals vom selben Tag lobte und als “beeindruckende Reaktion” würdigte.

Bereits in seiner ersten Antwort bestreitet Dr. Lütz weitgehend eine frühabtreibende Wirkung der “Pille danach”:

“Bei den beiden derzeitig auf dem Markt befindlichen Pillen danach ist von Wissenschaftlern ganz offenbar, zumindest bei der einen Pille, möglicherweise aber auch bei der anderen, kein nidationshemmender Effekt feststellbar, wobei in der Wissenschaft wie immer unterschiedliche Beurteilungen existieren.”

Im nächsten Satz erklärt Dr. Lütz sogar ohne Wenn und Aber, das “Wirkprinzip Nidationshemmung” sei bei den beiden Präparaten nicht der Fall”.

Dies widerspricht  freilich seiner vorhergehenden Aussage, wonach diesbezüglich “in der Wissenschaft wie immer unterschiedliche Beurteilungen existieren” würden.

Sein Interview offenbart jenen Irrtum, den er aus Meisners Stellungnahme ableitet: Es gäbe Präparate der „Pille danach“ ohne frühabtreibende Wirkung   –   immerhin bezieht sich Dr. Lütz hierbei auf die Pillen-Erklärung des Kardinals.

Äußerst problematisch ist im Meisner-Text aber auch folgende Aussage zum angeblich wünschenswerten Verhalten kath. Krankenhäuser gegenüber vergewaltigungsbetroffenen Frauen:

“Darüber hinaus ist nichts dagegen einzuwenden, dass sie in diesem Fall auch über Methoden, die nach katholischer Auffassung nicht vertretbar sind, und über deren Zugänglichkeit aufklären, wenn sie dabei, ohne irgendwelchen Druck auszuüben, auf angemessene Weise auch die katholische Position mit Argumenten erläutern.”

Warum sollte eine kath. Klinik “Aufklärung” über frühabtreibende Mittel und deren “Zugänglichkeit“  (!) betreiben?   –  Kann es ernsthaft Aufgabe kirchlicher Einrichtungen sein, den “Zugang” zu Abtreibungsmitteln und damit zur vorgeburtlichen Kindstötung aufzuzeigen?!

Irreführende „Erläuterungen“ der Pressestelle

Ergänzend zum Meisner-Text wurde am 31. Januar zeitgleich eine Stellungnahme  mit “Erläuterungen” der Pressestelle des Kölner Erzbistums veröffentlicht, die mit den Worten beginnt:

“Die Erklärung des Erzbischofs von Köln berücksichtigt neuere Erkenntnisse bezüglich der so genannten „Pille danach”. Sie betrifft nicht die nach katholischer Auffassung nach wie vor abzulehnende Abtreibungspille Mifepriston (RU 486, „Mifegyne”).”

Hier wird nun   –   in diesem Zusammenhang völlig sachfremd  –   das Abtreibungsmittel RU 486 (Mifegyne) ins Spiel gebracht, das aber ohnehin keine Frühabtreibungspille ist, sondern vielmehr die Vernichtung des ungeborenen Kindes in den ersten neun Wochen bewirkt, also schlicht eine chemische Methode der Abtreibung darstellt.

Anscheinend möchte man mit diesem deplazierten Hinweis den Eindruck erwecken, als verträte man durchaus eine eindeutige Haltung gegen Frühabtreibung; dabei geht es bei RU 486 freilich gar nicht um jene Ebene der Nidationshemmung.

Unstrittig ist jedenfalls, daß Kardinal Meisner sowohl für seine eigene Erklärung wie auch für die „Erläuterungen“ seiner erzbischöflichen Pressestelle die Verantwortung trägt.  Somit ist er auch für die  –   durch beide Stellungnahmen entstandene – Verwirrung und Verirrung in der öffentlichen Wahrnehmung mitverantwortlich. 

Mit dieser irreführenden Debatte wurde der kirchlichen Glaubwürdigkeit in puncto glasklarer Lebensschutz ein enormer Schaden zugefügt.

Dennoch schreibt das IMABE-Institut, das der Katholik Dr. J. Bonelli leitet, in einem 13.2.2013 versandten Info-Newsletter wörtlich Folgendes:

„Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hatte aus gegebenem Anlass die ethischen Richtlinien für eine Abgabe der „Pille danach“ festgehalten hat. In einer Erklärung (online, 31.1.2013) stellte Meisner klar, dass die Einnahme bzw. die Verabreichung eines Medikaments, das frühabtreibend wirkt, moralisch unerlaubt ist, da es sich dabei um unerlaubte Tötung menschlichen Lebens handle. Wenn eine „Pille danach“ dagegen die Befruchtung der Eizelle verhindert, ist dies im Fall einer Vergewaltigung sittlich erlaubt.

IMABE begrüßt die klare und eindeutige Stellungnahme des Kölner Kardinals.“

Meisners Erklärung war aber weder klar noch eindeutig, sonst wäre wohl kaum allenthalben in den Medien von einem „sensationellen Kurswechsel“ und ähnlichen Schlagzeilen die Rede gewesen.

Außerdem erweckt seine Erklärung und erst recht jene seiner Pressestelle sehr wohl den unzutreffenden Eindruck, als gäbe es Präparate der „Pille danach“, die rein empfängnisverhütend wirken  – und eben dies trifft nicht zu, wie IMABE selber zweifelsfrei analysiert hat.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Ergänzender HINWEIS: Hier folgt eine diesbezügliche Stellungnahme von Professor M. Spieker:

Der Osnabrücker Professor für Christliche Gesellschaftslehre, Dr. Manfred Spieker, erlaubt uns die Veröffentlichung seines folgenden Briefes an IMABE:

Nach Lektüre der Stellungnahme von IMABE zur Diskussion über die Wirkungsweise der „Pille danach“ ist festzustellen, dass das Lob für die Erklärung von Kardinal Meisner durch die Ergebnisse der Untersuchung nicht gedeckt ist.
1. Die Untersuchung stellt fest, dass jedes Präparat der Pille danach ein Abortivum, also nicht nur ein Ovulationshemmer, sondern auch ein Nidationshemmer ist.
2. Die unterschiedliche Wirkung der Pille danach hängt lediglich davon ab, zu welchem Zeitpunkt des Zyklus der Frau die Pille eingenommen wird.
3. Damit hängt Punkt 1 der Unbedenklichkeitserklärung des Kardinals (Die Verordnung eines Antikonzeptivums nach einer Vergewaltigung ist moralisch unbedenklich) in der Luft. Die entscheidende Frage bleibt doch, ob es dieses Antikonzeptivum gibt. Die Untersuchung macht deutlich, dass es dieses unbedenkliche Präparat nicht gibt. Es gibt lediglich unbedenkliche Phasen im Zyklus der Frau.
4. Fern der Praxis, in der die Pille danach im Internet jederzeit erhältlich ist, fordert die Untersuchung dann eine Verfeinerung des diagnostischen Instrumentariums zur Feststellung der Eireifung und der Bestimmung des Zyklus der Frau. Ein solches Instrumentarium sowie entsprechende therapeutische und rechtliche Regelungen müssten doch geklärt und eingeführt sein, bevor man sich seitens der Kirche und der Moraltheologie zu den ethischen Konsequenzen äußert.

Prof. Dr. Manfred Spieker