Wölfe im frommen Schafspelz: Wie spiritueller Missbrauch funktioniert

Von Felizitas Küble

Über den großen deutschen Philosophen Immanuel Kant, der im ostpreußischen Königsberg lebte, schreibt der jüdische Religionspsychologe Karl Jaspers:

„An den Grenzen der Vernunft steht das Unbegreifliche und das Geheimnis. Das Unbegreifliche aber ist nicht das Unvernünftige, sondern das durch Vernunft als Grenze der Vernunft Erfahrene und in das Licht der Vernunft Aufgenommene“ (Karl Jaspers, Die großen Philosophen, S. 511).

Ja, das ist wahr: Der Glaube reicht zwar über den Grenzen der „bloßen Vernunft“ hinaus und hinauf, aber er steht nicht gegen sie. Immerhin ist GOTT selbst der Schöpfer des menschlichen Verstandes und seiner Einsichtsfähigkeit. Freilich benötigt die Vernunft, die infolge des Sündenfalls geschwächt ist, das Licht des Glaubens.

Es gibt aber auch religiöse Milieus, die keinen Wert auf eine Übereinstimmung von Glaube und Vernunft legen. Hierzu gehören nicht allein die vielkritisierten Sekten, sondern auch Gemeinschaften innerhalb der etablierten christlichen Kirchen, die sich gleichsam ihr eigenes Glaubensnest gebastelt haben und dieses für komplett unfehlbar halten.

Wenn dann auch noch eine umschwärmte Führerfigur  –  von „Gottes Gnaden hocherleuchet“ – vorgibt, den Willen des Allerhöchsten in allen Details zu kennen, sind die aus diesem System erwachsenden Sumpfblüten des geistlichen Missbrauchs nur eine Frage der Zeit.

Das raffinierte Problem bei seelsorglichen Übergriffen besteht darin, daß diese im Namen des Glaubens oder gar des Heiligen Geistes erfolgen und daher für die Betroffenen schwer durchschaubar sind, vor allem dann, wenn sie in diesem spirituellen Umfeld selber „bekehrt“ worden sind oder glauben, dort eine „Geisttaufe“ erhalten zu haben.

Besonders Menschen, die selber existentiell und/oder unsicher sind, die sich evtl. von den Ansprüchen und der „Unübersichtlichkeit“ des modernen Lebens überfordert fühlen, sind ein leichtes Opfer manipulativer Machenschaften.

Hierzu einige Beispiele aus den Erlebnisberichten von Betroffenen, die sich seit Jahrzehnten bei mir melden, da ich mich schon lange kritisch mit esoterischen und schwarmgeistigen Phänomenen befasse.

Natürlich anonymisiere ich die Schilderungen und lasse einige Umstände weg, damit keine Rückschlüsse auf die realen Personen möglich sind:

Missbrauch der SEELENSCHAU:

Eine Frau mittleren Alters ruft an und fragt mich, was ich von dem Wirken einer gewissen Nonne aus dem Bistum Fulda halte, die ein charismatisches Seminarhaus leitet. Ich erkläre ihr, daß ich die Vorgänge seit langem skeptisch sehe und sich etliche Geschädigte bei mir gemeldet hätten. Dadurch ermutigt, erzählt mir die Dame folgendes: Jene Ordensfrau gibt vor, die  „Herzensschau“ zu besitzen (das suggeriert sie tatsächlich auch in ihren beiden Büchern) – und zudem die Gabe der Heilung, das „Wort der Erkenntnis“ usw. – Nun war die Anruferin lange Zeit sehr eingenommen von jener Nonne, doch bei einem ihrer Gebetstage widersprach sie ihr in einer eher unwichtigen Sache in bester Absicht. Was folgte, habe sie aber total verstört: Die deutsch-indische Seminarleiterin gab ihr „im höheren Auftrag“ zu verstehen, die Gottesmutter Maria sei ganz weit von ihr entfernt, sehr enttäuscht und wolle nichts mit ihr zu tun haben.   – Dadurch sei ihre Gebetsverbindung zu Maria jahrelang gestört gewesen, denn sie habe nach wie vor an die „Geistesgaben“ jener Nonne geglaubt. Erst als sie meine kritischen Artikel darüber las, seien ihr ernste Zweifel gekommen. 

Ich sagte der erkennbar immer noch erschütterten Dame, sie möge kein einziges Wort von diesem Unsinn glaube, es handle sich hier um geistlichen Missbrauch bzw. darum, jeden – noch so harmlosen – Ansatz einer Kritik im Keime zu ersticken mit dem Verteufeln von jenen, die sich nicht mehr hundertprozentig auf ihrer Linie befinden. – Mir schien, die Anruferin war getröstet und darin bestärkt, sich von diesem spirituellen Übergriff, der an ihr geschehen war, zu lösen.

Missbrauch der AHNENSCHULD:

Es mag sein, daß unsere Vorfahren vielleicht in Aberglauben, Magie, Zauberei und Spiritismus verstrickt waren. Vielleicht findet der eine von uns ein altes Zauberbuch in Großvaters Hinterlassenschaft, der nächste ein Wahrsage-Pendel beim Großonkel, der dritte hört, daß sich die Uroma von einer „Hellseherin „beraten“ ließ usw. – Nun geht uns dies im Grunde nichts an und man sollte es tunlichst unterlassen, diesbezüglich eine unnötige „Ahnenforschung“ zu betreiben. Schließlich gibt es auch noch ein Gebot Gottes: „Du sollst Vater und Mutter ehren“, das gilt auch für weitere Vorfahren etc.  – Überdies wissen wir nicht, ob unsere vielleicht schuldig gewordenen Ahnen ihre magischen Irrwege bereut haben, also überlassen wir diese Dinge der Barmherzigkeit Gottes und beten für unsere Verstorbenen (und fertig!).

Nicht so in charismatischen „Heilungs“-Seminaren, die sich der Vorfahrensschuld widmen und die Teilnehmer allen Ernstes auffordern, rituelle „Lossage-Gebete“ zu sprechen, um sich von vermeintlicher „Ahnenschuld“ und deren dämonischer Bindung zu „befreien“. –  In diesem Zusammenhang rief mich vor einigen Jahren ein verzweifelter Ehemann an. Seine Frau war in solch einem Kreis gelandet, seitdem psychisch sehr belastet und sie befand sich gleichsam jenseits der praktischen Vernunft. Ich erklärte dem geplagten Manne, er möge seiner Frau diesen Unfug ausreden, zumal die katholische Kirche die schräge Theorie von einer nötigen „Heilung der Ahnenschuld“ ablehnt. Bald darauf vermittelte ich ihn an einen bodenständigen katholischen Priester in seinem Umfeld, den er mit seiner Frau besuchen könne, wobei ich den  Geistlichen zuvor gefragt hatte. Einige Zeit später erklärte mir der Ehemann, das Treffen mit dem Pfarrer im Ruhestand habe seiner Frau wirksam geholfen und auch ihm selber eine gute Orientierung verschafft.

Missbrauch des EXORZISMUS:

Bevor es in der katholischen Kirche amtlich zu einer Teufelsaustreibung kommt, sind viele Voraussetzungen erforderlich: Die angeblich besessene Person muß erst bei ein Facharzt (Neurologe) und einem Psychiater/Psychologen gewesen sein. Nur dann, wenn diese Experten hinsichtlich einer Diagnose völlig ratlos sind, kommt überhaupt ein Exorzismus infrage. Diesen darf nur ein  erfahrener und besonnener Priester ausüben, der vom Bischof dafür die schriftliche Erlaubnis bekommen hat. – Ganz anders in der charismatischen Szene: Dort gibt es das wohlklingende Zauberwort „Heilung und Befreiung“. Der Quasi-Exorzismus wird – um die kirchlichen Vorgaben zu umgehen – einfach als „Befreiungsgebet“ umschrieben. Doch für die Betroffenen läuft es auf dasselbe hinaus, denn auch bei einer „Befreiung“ von dämonischer Besessenheit oder „Belastungen“ wähnen sie sich buchstäblich in einem verteufelten Zustand – also das schlimmste, was es für gläubige Menschen geben kann.

Eine Frau rief mich an, sie sei von einer charismatischen Gebetsgruppe, in welcher sich eine „Seherin“ befände, als besessen „durchschaut“ worden. Ein männlicher Teufel, dessen Name man ihr nannte, habe sie in ihrer Gewalt. Die verzweifelte Katholikin war völlig aufgelöst, litt unter zahlreichen psychosomatischen Beschwerden und hatte bereits alles (un)mögliche unternommen, um „befreit“ zu werden. Doch der Gang zu charismatischen „Befreiungsheilern“ machte  – natürlich! – alles noch viel schlimmer, denn dadurch wurde sie ja in der irrigen Auffassung bestärkt, sie sei in teuflischer Hand. Ich führte zahlreiche Gespräche mit der Betroffenen, um ihr diese Wahnvorstellung  auszureden, die man ihr regelrecht verbal eingeprügelt hatte. Dabei erklärte ich ihr auch, es gäbe gar keine „männlichen“ Dämonen, da die bösen Geister weder weiblich noch männlich, sondern  – wie die Engel –  eben Geistwesen seien (freilich gefallene Engel). Schon daran könne sie erkennen, daß jenes charismatische „Wort der Erkenntnis“ kompletter Humbug sei. Nach dutzenden Gesprächen  – verbunden mit der von ihr gewünschten Weitervermittlung an nüchterne und besonnene Seelsorger  –  konnte sich dieses Opfer eines fanatischen Gebetskreises wieder freier fühlen.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Unionsfraktion begrüßt staatl. Unterstützung für Ostpreußisches Landesmuseum

Nach dem Bund gibt auch Niedersachsen die Mittel zur Erweiterung des Ostpreußischen Landesmuseums frei. Das Land Niedersachsen hat am heutigen Mittwoch, 7. März 2018, bekanntgegeben, dass es seinen Anteil der Kosten für die Erweiterung des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg bereitgestellt hat.

Dazu erklärt der vertriebenenpolitische Sprecherder CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Eckhard Pols:

Mit der heutigen Entscheidung des Landes Niedersachsen, den Landesanteil zur baulichen Erweiterung des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg bereitzustellen, kann diese für unser Land bedeutende Kulturinstitution maßgeblich weiterentwickelt werden.

Das Ziel der geplanten Ausbaumaßnahme ist es, die aus dem früheren „Museum Stadt Königsberg“ in Duisburg stammenden wertvollen Bestände zur ostpreußischen Provinzhauptstadt Königsberg sowie zu Immanuel Kant und Käthe Kollwitz einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und in die Geschichte Ostpreußens einzubetten.

Auch kann auf der neu gewonnenen Ausstellungsfläche an den Widerstand des 20. Juli 1944 in Ostpreußen erinnert werden.

Auf langjährige Initiative der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat der Haushaltsausschuss bereits im Bundeshaushalt 2017 den Bundesanteil an den Baukosten in Höhe von 5,6 Millionen Euro (70 Prozent) bereitgestellt.

Mit dem nun freigegebenen Landesanteil Niedersachsens in Höhe von 2,4 Millionen Euro kann die Aufwertung des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg Realität werden. Das Ziel aller Beteiligten muss es nun sein, die Eröffnung des Erweiterungsbaus bis spätestens zum 300. Geburtstag Immanuel Kants am 22. April 2024 zu realisieren.


Warum die wachsende Verharmlosung des Islam durch die EKD verhängnisvoll ist

Von Peter Helmes 

Leider habe ich auf diesem Forum schon oft darüber Klage führen müssen, daß die evangelische Kirche offensichtlich ihre christliche Glaubensgrundlage verloren hat und versucht, dem Islam ihre Tore weit zu öffnen. peter-helmes-227x300

Das „verkünden“ ihre Vertreter  –  Pfarrer und Bischöfe  –  verharmlosend als „Toleranz“ und „Nächstenliebe“. (Es sei auch nicht verschwiegen, daß dies oftmals auch auf die katholische Kirche zutrifft – was die Sache auch nicht besser macht.)

Währenddessen werden im Nahen Osten und in deutschen Flüchtlingslagern Christen von radikalen Moslems gequält, unterdrückt, gepeinigt und ermordet. Doch was vernimmt man von der Kirche? So gut wie nichts! Ihre Fürsorge gilt den Moslems, den vermeintlich „armen Flüchtlingen“.

Aber keinerlei „Toleranz“ und „Nächstenliebe“ bringt die Kirche  –  anders als für unsere „unsere lieben muslimischen Brüder und Schwestern“   –  für die (vorwiegend) christlichen Mitglieder der AfD auf, denen sie Haß vorwirft – meist in einem für Kirchenvertreter völlig inakzeptablen Haßton. Von „christlicher Nächstenliebe“ kann schon gar keine Rede sein.

O-Ton Bischof Bedford-Strohm  in „Chrismon“ vom 1.11.2016: „Einen programmatischen Vorrang der Christen darf es nicht geben.“   – Das ist mehr als deutlich  –  und eine Ohrfeige für alle Christen, die vom Islam verfolgt werden.

Was soll das? Bekennende Christen werden bekämpft, Christen bekämpfende Imame aber hofiert und unterstützt. Welche Kirche vertreten Bedford & Genossen eigentlich? Was ist christlich daran, sich nicht zuerst um die eigenen „Schäfchen“ zu kümmern?“ (Siehe dazu auch: https://conservo.wordpress.com/2016/11/03/unglaublich-die-kirchen-unterstuetzen-offiziell-den-deutschen-islam/) afd_-300x298

Hierzu sei ein Beitrag unseres Autors Dr. Hans Penner wiedergegeben,  der sich in einem Offenen Brief an den ev. Landesbischof Dr. Dröge in Berlin wendet und dabei die Allergie der EKD gegen die AfD anspricht:

„Sie behaupten, „die Kirche habe die moralische Pflicht, sehr deutlich zu sagen, dass wir die Unterstützung einer Partei, die die Grundwerte unserer Gesellschaft aushöhlt, nicht gutheißen können(Laut IDEA vom 27.10.2016). Gemeint ist mit dieser Lüge die AfD.

Das eigentliche Ärgernis besteht darin, daß Sie die AfD beurteilen, ohne deren Parteiprogramm zu kennen und sich nur auf minderwertige Medienkommentare verlassen. Ihr Statement ist verantwortungslos, weil es auf mangelnder Sachkenntnis beruht.

Im Parteiprogramm der AfD steht:

7.6. Der Islam im Spannungsverhältnis  zu unserer Werteordnung. Die AfD bekennt sich uneingeschränkt zur Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit. Sie fordert jedoch, der Religionsausübung durch die staatlichen Gesetze, die Menschenrechte und unsere Werte Schranken zu setzen. Einer islamischen Glaubenspraxis, die sich gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung, unsere Gesetze und gegen die jüdisch-christlichen und humanistischen Grundlagen unserer Kultur richtet, tritt die AfD klar entgegen. Die Rechtsvorschriften der Scharia sind mit unserer Rechtsordnung und unseren Werten unvereinbar. Dies wird auch durch die für die islamische Staatenwelt bedeutendste Kairoer Erklärung vom 4.8.1990 dokumentiert. Moschee-Bonn-4

In der Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam (hier) haben 1990 die Mitgliedsstaaten der Organisation der Islamischen Konferenz die Scharia als alleinige Grundlage von Menschenrechten definiert. Die mit Abstand wichtigsten islamischen Organisationen haben mit dieser Erklärung der UN-Menschenrechtecharta, also dem Fundament unseres Grundgesetzes, den Kampf angesagt.

Konkret bedeutet das, daß die AfD die einzige Partei in Deutschland ist, welche in ihrem Parteiprogramm Stellung gegen die Kairoer Erklärung bezieht. Fakt ist, daß die AfD im Gegensatz zu den anderen Parlamentsparteien die freiheitliche Demokratie gegen den Islam verteidigt. Das Gegenteil Ihrer Behauptungen ist wahr.

Die Evangelische Kirche fördert massiv den gesetzwidrigen Islam, der permanent Christen ermordet:

Der braunschweigische Landesbischof behauptet fälschlicherweise, der Islam sei eine Religion des Friedens. – Der württembergische Landesbischof behauptet, der Islam würde zu Deutschland gehören, was Geschichtsklitterung ist. Der bayerische Landesbischof fordert, daß flächendeckend in öffentlichen Schulen der verfassungsfeindliche Islam gelehrt wird.“

Ähnlich Dr. Christoph Heger, der hinsichtlich jenes Crismon-Interviews von Bedford-Strohm darüber informiert, wie dieser Bischof auf den Leserbrief eines Schreibers reagiert, er müsse sich doch zuerst für die Christen einsetzen.

Der EKD-Chef antwortete, dass er „die Haltung einiger europäischer Länder, nur christliche Flüchtlinge aufzunehmen, ablehne.“  – Das hatte der Briefschreiber aber gar nicht Petrus-paulus - Kopieverlangt! Er hatte vielmehr gefordert, was auch der Apostel Paulus in seinem Brief an die Galater schreibt: „So lasset uns Gutes tun an jedermann, vor allem aber an des Glaubens Genossen!“ (Gal 6:10).

Und der EKD-Ratsvorsitzende schreibt weiter:

„Natürlich sind wir im engen Kontakt mit unseren christlichen Schwestern und Brüdern in anderen Teilen der Welt. Natürlich setzen wir uns für sie ein, wo sie verfolgt werden. Natürlich versuchen wir, wo immer wir können, legale Fluchtwege für sie zu eröffnen. Leider meistens ohne Erfolg. Durch unsere engen Beziehungen in alle Welt ­mögen diejenigen, für die wir uns einsetzen, überdurchschnittlich häufig Christen sein. Aber einen programmatischen Vorrang der Christen darf es nicht geben.“

Dies widerspricht aber nicht nur der christlichen Ethik, sondern mit Immanuel Kants Begrifflichkeit auch der „praktischen Vernunft“. Wo man nicht allen helfen kann, da ist es geboten, denen vorrangig zu helfen, gegenüber denen man besondere Verpflichtungen hat: der eigenen Familie, seinen Landsleuten, Freunden oder eben auch Glaubensgenossen.

Sollte der Bischof tatsächlich diesen Unterschied nicht kennen? Ist seine Bibelkenntnis so schlecht, daß ihm die Mahnung des Apostels Paulus unbekannt ist?

Ein klarerer Kopf scheint mir der Münchner Philosoph Prof. Dr. Robert Spaemann, der sich ebenfalls in „Chrismon“ äußert:

„…Uneingeschränkt kann die Hilfsbereitschaft sein, aber nicht die tatsächliche Hilfe. Es kann nicht unsere Pflicht sein, uneingeschränkt zu helfen, weil es nicht möglich ist. Wir können es nicht. Und wir sollten auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn wir unserer Hilfe Obergrenzen setzen. Zudem ist es so, dass, wenn es solche Grenzen gibt, man auswählen muss, wen man nimmt und wen nicht.

Es besteht das allgemeine Vorurteil, dass der Zufall immer das beste Kriterium sei, aber das ist Unsinn. Es gibt verschiedene Grade der Nähe und hier hat Augustinus den entscheidenden Begriff geprägt:

ordo amoris, also eine Rangordnung der Liebe. Wo unserer Hilfe Grenzen gesetzt sind, da ist es auch gerechtfertigt…auszuwählen, also zum Beispiel Landsleute, Freunde oder auch Glaubensgenossen zu bevorzugen.

Wenn es tatsächlich nicht möglich ist, beiden zu helfen – was man versuchen sollte –, dann ist es nicht falsch, sondern sogar vernünftig, Glaubensgenossen zu bevorzugen. Das ist ja auch in einigen Ländern gängige Praxis. Kultureller Pluralismus kann eine historisch begründete Gegebenheit sein, aber wir sollten ihn nicht zu einem Ziel hochjubeln. Er vergrößert das Konfliktpotential.“ 

Unser Autor Peter Helmes ist politischer Publizist und leitet die liberal-konservative Webseite www.conservo.wordpress.com 

Zitat-Quellen: https://chrismon.evangelisch.de/blog/auf-ein-wort/32744/henrich-bedford-strohm-hilfe-fuer-christen-hat-keinen-vorrang-bibel sowie http://www.fr-online.de/kultur/gespraech-mit-robert-spaemann–religionen–die-es-ernst-meinen–sind-intolerant-,1472786,32908406.html

HINWEIS auf den Offenen Brief einer buddhistischen Österreicherin an Papst Franziskus contra Islam: https://philosophia-perennis.com/2016/11/09/islam-papst/


Dokumentation: Führender evangelischer Theologe widerspricht EKD-Familienpapier

Aufklärung zur Ehe

 Theologische Stellungnahme

zur Orientierungshilfe des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland :

„Zwischen Autonomie und Angewiesenheit. Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken.“

 Von Prof. Dr. Reinhard Slenczka, Erlangen

 Veränderung als sittliche Norm?  – Vorbemerkung zum Thema:

Dieser kirchenamtliche Text richtet sich auf einen aus dem „gesellschaftlichen Wandel“  hervorgegangenen  „erweiterten Familienbegriff“ mit der Absicht, Orientierung nach den Grundsätzen christlicher Lehre zu geben.

In der Durchführung bedeutet dies jedoch nichts anderes, als dass der Rat  der EKD den Anspruch erhebt, die Auslegung der Heiligen Schrift einem vermuteten gesellschaftlichen Wandel und den gesellschaftspolitischen Forderungen unter Aufhebung aller Widersprüche anzupassen (S. 13, 54 ff). Dazu hat er weder die Vollmacht noch das Recht. 120505288_BV_July und Mike

Das damit entstandene Problem ist bereits im Thema „zwischen Autonomie und Angewiesenheit“ zu erfassen:

Was ist „Autonomie? Dass der „Mensch nach der Aufklärung“ in der Weise sich als „autonom“ versteht, dass er selbst über Gut und Böse entscheiden kann und will, ist eine selbst in der Fachwelt weitverbreitete Auffassung und Einstellung.

Für den Philosophen der Aufklärung jedoch, Immanuel Kant, heißt „Autonomie“, das unbedingt (kategorisch) geltende Gesetz um seiner selbst willen zu tun. 

Heteronomie hingegen liegt dann vor, wenn ich das Gesetz nicht um seiner selbst willen, sondern nach meinen Zwecken, Bedürfnissen und nach der jeweiligen Situation (hypothetisch) verwende. Eine praktische Anwendung dieses Grundsatzes findet sich in Kants Schrift „Über ein vermeintes Recht aus Menschenliebe zu lügen“ mit dem auch heute zu bedenkenden Grundsatz: „Das Recht muss nie der Politik, wohl aber die Politik jederzeit dem Recht angepasst werden“.

Kant betont dazu, dass man auf empirische Prinzipien, also auf die Erfahrung und gesellschaftlichen Wandel, keine moralischen Gesetze begründen kann[1]. Das ist auch heute notwendige Aufklärung im Sinne Kants!

Was ist „Angewiesenheit“? Das ist Bedürfnis oder auch Mangel, der vom Menschen empfunden wird und der zu befriedigen ist. Man mag das als Anlage oder auch als Trieb bezeichnen. In jedem Fall bezieht sich das auf Zwecke und Bedürfnisse des Menschen.

Der wissenschaftliche Fachausdruck dafür ist „Behaviorismus“ / „Verhaltensforschung“, eine Betrachtungsweise, die ursprünglich aus der Zoologie stammt, wo die bedingten Reflexe in ihrer Regelmäßigkeit beobachtet werden. Die Übertragung dieser Betrachtungsweise auf menschliches Verhalten wird weithin als Selbstverständlichkeit angesehen.120505416_B_Judy und Mike in der Kirche

An dieser Stelle liegt ein simpler, jedoch folgenreicher und leider weitverbreiteter Fehler: Denn der ganze Text steht unter dem Vorzeichen einer Heteronomie, bei der die unbedingte und universale Geltung des Sittengesetzes durch die Bedürfnisse und Triebe des Menschen aufgehoben wird.

Das ist ein generelles, also keineswegs nur auf christliche Theologie und Kirche beschränktes Problem. Denn Situationen sind veränderlich, und Veränderung kann weder als Prinzip verbindlich noch als Norm verbindend sein. Dass auf diese Weise Gemeinschaft durch subjektive Ansichten und willkürliche Meinungen zerstört wird, zeigt sich schon jetzt an den Reaktionen, die dieser Text auslöst.

Das 6. Gebot kommt im EKD-Papier nicht vor!

Das 6. Gebot Gottes, „Du sollst nicht ehebrechen“, das in dem ganzen Text nicht einmal vorkommt, ist insofern kategorisch, weil es von Gott gegeben ist. Gott aber verbietet dort, wo der Mensch etwas anderes will. Dass dieser Mensch, das Geschöpf Gottes, hinter dem Verbot eine Böswilligkeit Gottes vermutet, der ihm etwas Schönes vorenthalten will, ist bezeichnend für die menschheitliche Folge des Sündenfalls (1 Mos 3).

Doch Gott will das Gute für den Menschen, indem er ihn vor der selbstzerstörerischen Sünde schützt. Dies wäre auch die Aufgabe rechter kirchlicher Verkündigung und Unterweisung.

Wenn nun freilich in dieser Orientierungshilfe die Triebbefriedigung in jeder Form unter der idyllischen, doch höchst unrealistischen Bedingung von „Liebe, Verlässlichkeit und Treue in Partnerschaft und Familie“ zum Prinzip erhoben wird, dann  werden wechselnde Verhaltensweisen und Bedürfnisse von Menschen in der jeweiligen gesellschaftlichen Situation zum Prinzip erhoben mit dem Ziel, Wohlbefinden und Befriedigung zu erreichen. Die Gebote und Weisungen Gottes werden für überholt erklärt oder völlig ignoriert.

Gottes Schöpfungsordnung ist unveränderlich

Gottes Schöpfungsordnung und seine Gebote sind unveränderlich. Darin liegt auch die unverfügbare Grundlage für weltliches Recht; dafür hätte gerade auch die Kirche Verantwortung zu tragen. In diesem Text jedoch geht es nicht um die Grundlagen des Rechts, sondern  man meint, der Veränderung des Verhaltens und der damit verbundenen  weltlichen Gesetzgebung folgen zu müssen.

Dabei wird jedoch völlig übersehen, dass es sich keineswegs um einen Fortschritt  und Emanzipation handelt. Die zahlreichen Gesetze zu Ehe und Familie in den letzten Jahren können durchaus auch verstanden werden als Maßnahmen zum Schutz vor den schädlichen Folgen, die aus der Übertretung des 6. Gebots erwachsen sind.

Das Gebot Gottes wendet sich gegen die Sünde, das Böse und Schädliche im Menschen und unter Menschen. Sünde aber ist nicht einfach ein Mangel an Wohlbefinden; „Sünde ist nicht eine Störung, sondern eine Befriedigung der Natur (H. J. Iwand). Wo aber erscheint in diesem Text das, was die Wirklichkeit unseres Lebens begleitet: Missbrauch, Untreue, Schädigung und nicht zuletzt die tiefe Verletzung von Gewissen der heranwachsenden Generation durch schlechtes Beispiel und falsche Unterweisung?

Das wird jedenfalls nicht durch wohlmeinende Ermahnungen beseitigt; es sitzt viel tiefer im menschlichen Herzen. Wo die Kirche eine große Verantwortung hätte, die durch keine andere Instanz ersetzt werden kann, geschieht hier im Protestantismus das genaue Gegenteil: Die verbindlichen und verbindenden Grundlagen von Ehe und Familie werden zutiefst zerstört, indem das als Norm behauptet wird, wie sich  –  dem Anschein nach  –  eine Mehrheit verhält und tut, was sie will.

Insgesamt wird mit diesem Text solchen ein gutes Gewissen gemacht, die nicht mehr der Ordnung und den Weisungen Gottes folgen, weil sie meinen und belehrt werden, dass Gottes Gebote heute nicht mehr gelten.

Sünde darf nicht gerechtfertigt werden

Auf diese Weise wird die Sünde, nicht aber der Sünder gerechtfertigt. Was geschieht jedoch mit den Gewissen derer, die dadurch beunruhigt oder gar zerbrochen werden, dass sie den Widerspruch und das Gericht Gottes als Folgen ihrer Übertretungen erfahren?

Im Blick auf diese Desorientierung soll im Folgenden nicht auf Einzelheiten eines in jeder Hinsicht verfehlten Textes eingegangen werden, sondern es sollen  Grundinformationen zu dem Thema Ehe und Familie zusammengestellt werden, die keineswegs nur auf christliche Vorstellungen beschränkt sind, sondern die für die gesamte von Gott geschaffene Menschheit und deren Ordnung und Erhaltung gelten.


[1] Um Kant zu zitieren: „Autonomie des Willens ist die Beschaffenheit des Willens, dadurch derselbe ihm selbst (unabhängig von aller Beschaffenheit der Gegenstände des Wollens) ein Gesetz ist…“ – : „Wenn der Wille irgend worin anders, als in der Tauglichkeit seiner Maximen zu einer allgemeinen Gesetzgebung, mithin, wenn er, indem er über sich selbst hinausgeht, in der Beschaffenheit irgend eines seiner Objekte das Gesetz sucht, das ihn bestimmen soll, so kommt jederzeit Heteronomie heraus“.   – Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. Die Autonomie / Heteronomie des Willens. (BA 87 f).

Quelle und FORTSETZUNG des Grundsatzartikels hier: http://www.ksbb-bayern.de/downloads/aufklaerungzureheekd2013.pdf