Durch falsche Euphorie von Gott entfernt

Diese ehemalige Christin – siehe hier: https://www.youtube.com/watch?v=o57LvYqJIL4&feature=youtu.be  –  war nach längerer religiöser Suche in einer charismatischen Gemeinschaft gelandet und erlebte dort typische Phänomene aus dieser Szene: „Armefuchteln“, direkte Botschaften von „oben“, ständigen heißen Draht zu Gott, der unentwegt in jeder Situation unmittelbar wirkt und damit seinen Willen kundtut usw.

Vor lauter Problemen, die sich hieraus in ihrem praktischen Leben und Alltag ergaben, hat diese Frau dem christlichen Glauben gleich komplett den Abschied gegeben, weil sie ihn im Grunde mit der speziell charismatischen Frömmigkeit identifiziert und verwechselt hatte.

Dies geschieht  – wie ich von Betroffenen weiß  –  ähnlich auch in anderen Sondergruppen oder Sekten, seien sie besonders asketisch, fanatisch, auf Personenkult fixiert, womit der geistliche Missbrauch begünstigt wird.

Wenn Menschen zu Recht bemerken, daß es „komisch zugeht“, besteht die Gefahr, gleich dem Christentum als solchem dafür die Schuld zu geben – und dies umso mehr, wenn sich die betreffende Gruppierung als „Elite“ und besonders wichtige Gemeinschaft in und für die Kirche versteht.

 


Sievernich: Zwischen Zuckerbrot und Peitsche, Kitsch und „Rachemadonna“

Von Felizitas Küble

Die kleine Ortschaft Sievernich sorgte jahrelang für Schlagzeilen im Blätterwald, nicht nur im kirchlichen, auch in der weltlichen Presse, denn dort sei von der Jahrtausendwende bis zum Jahr 2005 die Himmelsmutter einer jungen Frau erschienen  – und nicht nur dies: auch Engel, Heilige und verstorbene Seelen gaben sich ein Stelldichein in der Pfarrkirche dieses unscheinbaren Dorfes. „Übernatürliche“ Phänomene sollen in der  Sievernicher „Gebetsoase“ freilich noch bis heute vorkommen.

Obwohl schon nach kurzer Zeit klar war, daß die „Botschaften“ der Seherin Manuela Strack aus Düren ebenso überflüssig wie theologisch teils geradezu abenteuerlich waren, sah sich Bischof Heinrich Mussinghoff nicht zum Einschreiten veranlaßt, sondern ließ den Geschehnissen ihren vermeintlich „frommen“ Lauf.  Zwar vermied der Aachener Oberhirte jede amtliche Anerkennung der „Privatoffenbarung“, ließ es aber z.B. zu, daß die „Erscheinungen“ in der Sievernicher Pfarrkirche stattfanden.

Zwischen Glaube und Aberglaube verwischen sich im Bereich der Volksfrömmigkeit ohnehin leicht die Grenzen – und so denken sich wohl manche Kirchenmänner: Hauptsache, die Leute beten und widmen sich religiösen Übungen – ob echt oder unecht, ist egal.

Dabei wird „vergessen“, wie häufig die Heilige Schrift uns zur Nüchternheit und Wachsamkeit aufruft, wie oft auch im Neuen Testament von „falschen Propheten“ sowie „trügerischen Zeichen und Wundern“ die Rede ist. Erinnert sei sodann an die Warnung des hl. Apostels Paulus, wonach der Satan durchaus auch als „Engel des Lichtes“ erscheinen könne, um Gläubige in die Irre zu führen.

Freilich meinen in frommen Kreisen viele Leichtgläubige, der Teufel gäbe gleichsam seine Visitenkarte ab, präsentiere sich als Bösewicht und Schreckfigur. Wenn eine Erscheinung hingegen zu Gebet und Rosenkranz auffordere, könne das nur „von oben“ kommen. Auf die Idee, daß es sich hierbei um einen „Köder“ handeln könnte, kommen die Damen und Herren nicht.

Drohbotschaften durch die „Rachemadonna“?

Zurück zu Sievernich:

Ganz typisch für falschmystische Offenbarungen sind die Drohbotschaften für jene, die nicht spuren, die Zweifel an der Echtheit äußern. So erklärte die Erscheinungs-Maria am 4. Juni 2005, derjenige werde sich „vor ihrem Sohn verantworten müssen“, der in das Rohr zum Brunnen „etwas hineinwirft“. (Es ging um eine erfolgte Bohrung für ein angebliches „Heilungswasser“.)

Einen Tag später wiederholt das Madonnen-Phantom ihre Drohung: „Mein Kind, bete und tue alles, was ich Dir sage. Wer auf mein Wort nicht hört, wird dies vor meinem Sohn verantworten müssen.“

Bereits zwei Jahre zuvor, am 14. Juli 2003, wurden jene Geistlichen, die nicht an die Visionen von Manuela Strack glauben, ebenfalls in ein schiefes Licht gerückt:

„Viele Priester glauben nicht an mein Kommen und verleugnen meinen Sohn. Sie sind gegen dich, weil sie auch wider meinen Sohn sind. Sie verwunden täglich mein Herz.“ 

Am 1. März 2004 sandte die angebliche Gottesmutter folgende Kundgabe an Manuelas Verehrerschar: „So wird alles, was sich euch entgegenstellt, wie ein Windhauch vergehen.“

Da kann manchem Erscheinungsbewegten warm ums Herz werden!

Der „Himmel“ weiß auch, welch üble Beweggründe die Kritiker heimsuchen: „Es ist nicht ungewöhnlich“, so erklärt die hl. Theresa von Avila (!) am 11. Februar 2005, „dass selbst fromme Seelen dem Stolz und der Eifersucht erliegen, auf dich Kleine schauen und alles für nichtig erklären.“

Ja, das ist bitter – aber der Himmel spendet Trost.

Kennzeichend für diese Kreise ist es auch, daß nicht in erster Linie der seit Jahrhunderten bewährte Rosenkranz gebetet wird, sondern alle möglichen und unmöglichen Sonder-Varianten, die meist auf irrgeistige Visionen zurückgehen. Im Falle von Sievernich war es der „Tränenrosenkranz“ und der „Liebesflammenrosenkranz“ (vgl. die S. 47 und 57 des Sievernich-Buches „Ich bin Maria, die Makellose“ – siehe Foto).

Tränenreiche Erscheinung ohne Sinn und Verstand

Auf S. 76 des erwähnten Sievernich-Buches heißt es hinsichtlich der Marienerscheinung vom 15.10.2001:

„Ich bin heute zu euch gekommen, um euch meine Tränen zu schenken…Ich bin die Frau aller Völker. Meine Tränen lege ich in eurer Herz, damit ihr gerettet werdet, damit ihr mir wiederum meine Tränen aufopfern könnt. Diese Aufopferung ist eine große Gnade für euch.“

Dazu ist zu sagen:

1. Die Gottesmutter befindet sich im Himmel in vollendeter Glückseligkeit und weint nicht. 
2. Christus allein ist unser Erlöser, Maria kann uns auch mit ihren „Tränen“ nicht retten („…damit ihr gerettet werdet…).
3. Welchen Sinn soll eine „Aufopferung“ von Tränen Mariens haben, die sie den Gläubigen erst schenkt und dann per Aufopferung gleichsam zurückhaben möchte?

Mit anderen Worten: Die Tränen-Erscheinung ist theologisch wirres Zeug. – Doch derlei inhaltlicher Unfug ficht die erscheinungsbewegte Schar nicht an. Gegen Wundersucht scheint kein Kraut gewachsen zu sein, weder ein rationales noch ein dogmatisches.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

Weitere ARTIKEL zu Sievernich gibt es hier: https://charismatismus.wordpress.com/category/irrgeistige-erscheinungen/sievernich-manuela/


Wer ungerecht handelt, ist nicht aus Gott

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Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: 1 Joh 3,7 – 10:
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Meine Kinder, lasst euch von niemand in die Irre führen! Wer gerecht handelt, der ist gerecht, wie ER gerecht ist.
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Wer Sünde vollbringt, stammt vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an.
Der Sohn Gottes aber ist erschienen, um die Werke des Teufels zu zerstören…
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Daran kann man die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels erkennen: Jeder, der ungerecht handelt und seinen Bruder nicht liebt, ist nicht aus Gott.
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Kath. Familienbund: „Kinderrechte“ im GG sind eine populistische Irreführung

Erklärung des Familienbunds der Katholiken im Bistum Augsburg:

Der Familienbund der Katholiken warnt erneut eindringlich vor einer Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz und fordert die Bundestagsabgeordneten auf, diesen Angriff auf die Selbstbestimmung der Familie abzuwehren. 

»Kinder sind Menschen und deshalb unter der Geltung des Grundgesetzes bereits heute selbstverständliche Träger der Grundrechte. Es besteht kein Reformbedarf«, betont Pavel Jerabek, stellv. Landesvorsitzender des Familienbundes der Katholiken in Bayern und Vorsitzender des Familienbundes der Katholiken im Bistum Augsburg. Er erklärt dazu:

»Wer wie Bundesjustizministerin Christine Lambrecht behauptet, Kinder würden durch bestehende Regelungen unserer Verfassung nicht oder nicht ausreichend erfasst, führt die Menschen in die Irre. Solche populistischen Behauptungen beschädigen letztlich unsere Verfassung, die ein gut austariertes Verhältnis von Familie, Staat und Kind gefunden hat und grundsätzlich keine speziellen Freiheits- und Leistungsrechte für einzelne Teile der Gesellschaft kennt – weder für Junge noch für Alte. Dass ausgerechnet die Justizministerin diese Prinzipien nicht zu kennen scheint, ist bestenfalls peinlich.«

Der Familienbund der Katholiken teilt die Sorge renommierter Juristen, dass die jetzt vorgeschlagene Grundgesetzänderung das Erziehungsrecht der Eltern schwächen würde und ein Türöffner für ein immer stärkeres staatliches Bestimmungsrecht wäre, das die Verfassungsväter und -mütter vor 70 Jahren aus gutem Grund beschränkt haben.

Der Familienbund der Katholiken ist ein parteipolitisch unabhängiger, konfessioneller Familienverband. Er setzt sich für die Stärkung und Förderung von Rechten und Rahmenbedingungen für Familien auf nationaler und internationaler Ebene ein. Er ist Ansprechpartner und Lobby für alle Familien und engagiert sich in der Vertretung und Koordinierung familienbezogener Anliegen in Kirche, Staat, Gesellschaft und Politik. Der Familienbund ist auf allen politischen Ebenen sowie innerkirchlich für Familien aktiv.

                                                          

FAMILIENBUND DER KATHOLIKEN IM BISTUM AUGSBURG, Kappelberg 1 in 86150 Augsburg

Telefon: 0821 3166-8851 oder -8852

E-Mail: familienbund@bistum-augsburg.de   Homepage: www.familienbund.bistum-augsburg.de

 


Erzbischof Marcel Lefebvre warnte vor einer Fixierung auf „Erscheinungen“

Von Felizitas Küble

Es ist für geistig wachsame und bodenständige Katholiken äußerst wichtig, weder links noch rechts in den Straßengraben zu fallen – mit anderen Worten: Es gibt nicht nur die Gefahr des Modernismus und Skeptizismus, sondern auch die genau entgegengesetzte Bedrohung jedes soliden Glaubens, nämlich Wundersucht, Sensationsgier und eine Fixierung auf angebliche „Erscheinungen“, Visionen und Botschaften des „Himmels“ etc.

Für konservative und erst recht für traditionelle Gläubige, die für den Progressismus (falschen Fortschrittsglauben) ihrem Wesen nach sowieso nicht anfällig sind, ist das andere Extrem hingegen eine echte Versuchung – nämlich sich in der Verunsicherung unserer Zeit in den Bereich der „Privatoffenbarungen“ zu begeben, sich dort eine geistliche Fluchtburg einzurichten und so vor den Ungereimtheiten in Kirche und Welt zu „wappnen“.

Auch im traditionellen Spektrum, in dem – zu Recht – die überlieferte hl. Messe hochgeschätzt wird, ist die Neigung zu „Erscheinungen“ leider ausgeprägter, als es einem nüchternen Glauben entspricht, der nämlich auf ganz anderen Fundamenten beruht: auf der Heiligen Schrift, der apostolischen Überlieferung sowie auf dem kirchlichen Lehramt.

Dabei geht die (Sehn-)Sucht nach Privatoffenbarungen bisweilen deutlich über das hinaus, was die Kirche gutheißt  – beschränkt sich also nicht auf die approbierten (erlaubten, gebilligten) Erscheinungen, sondern bezieht auch kirchlich abgelehnte „Botschaften“ mit ein – so z.B. Heroldsbach, Montichiari, Garabandal oder San Damiano.

Dabei hatte Erzbischof Marcel Lefebvre, der Gründer der traditionsorientierten und altrituellen Priesterbruderschaft St. Pius, grundsätzlich eine insgesamt nüchterne Haltung zu diesen Fragen eingenommen.

Zwar zeigte er sich vor entsprechenden Tendenzen nicht ganz frei, bedenkt man etwa, daß er anfangs den „Marienerscheinungen“ von San Damiano in Norditalien zuneigte, später aber immerhin kritischer wurde. Die entsprechenden „Himmelsbotschaften“ an die vermeintliche Seherin „Mama Rosa“ sind seinerzeit kirchlich strikt abgelehnt worden, was bis heute gilt.

Die Internetseite der Piusbruderschaft veröffentlichte am 27.11.2014 unter dem Titel „Ablenkung von den Grundlagen des Glaubens“ zu diesem Themenkreis einige Klarstellungen von Erzbischof Lefebvre, die ihr Gründer im Jahre 1989 anläßlich von Exerzitien geäußert hat: https://fsspx.de/de/news-events/news/ablenkung-von-den-grundlagen-des-glaubens-5645

In der Lefebvre-Stellungnahme heißt es u.a.:

„Einige fühlen sich verpflichtet, alle Erscheinungen zu beachten, selbst solche, die von der Kirche nicht offiziell anerkannt sind, ständig nehmen sie in ihrer Verkündigung darauf Bezug…Das ist schade, weil es den Geist der Gläubigen ein wenig in die Irre leiten kann. Erscheinungen sind nur Ergänzungen…, aber sie sollen nicht die Grundlage unserer Spiritualität sein, sie sollten nicht die Grundlage unseres Glaubens sein; auch ohne Erscheinungen wäre unser Glaube immer noch derselbe… Es ist also ein wenig gefährlich, wenn man den Eindruck erweckt, ohne die Erscheinungen könne man bei den aktuellen Schwierigkeiten im spirituellen Leben nicht bestehen. Das ist schade! Das ist gefährlich.

Und Sie wissen ja auch, bei den Erscheinungen … gibt es eine Menge, eine Fülle von Botschaften, Nachrichten, unwahrscheinlichen Botschaften, unwahrscheinlichen Nachrichten, eine extravaganter als die andere. Ich möchte fast sagen: je extravaganter, desto eher wird daran geglaubt. Das ist sehr gefährlich, sehr gefährlich…
Jedenfalls ist das ein Mittel für den Dämon, die Seelen fast von den Grundlagen des Glaubens abzulenken, sie so in einen Sentimentalismus hineinzuziehen, in eine Frömmigkeit, die nicht wirklich auf den Glauben gegründet ist, auf unseren HERRN.“
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Danach stellt der Erzbischof klar, daß man zwar in Erscheinungsorten beten könne, aber darauf nicht die eigene Frömmigkeit stützen soll, geschweige gar in einen Fanatismus geraten:„Durch Dinge dieser Art kann man sich nicht leiten lassen, das ist unmöglich! Man muss also sehr, sehr, sehr, sehr klug sein, und unglücklicherweise muss man sagen, dass diese Krankheit, wenn man es so sagen kann, sich in den traditionalistischen Kreisen ganz enorm ausbreitet.
In Deutschland und in der deutschsprachigen Schweiz sogar vielleicht noch mehr. Ich weiß nicht, warum, ich weiß nicht, woran das liegt, ich weiß es nicht. In diesen Kreisen gibt es aber sicherlich eine verhältnismäßig größere Zahl von Menschen, welche alle diese Botschaften und alle diese anderen außergewöhnlichen Dinge annehmen.“Somit zeigte sich der Gründer der Piusbruderschaft damals sehr besorgt und geradezu ratlos angesichts der starken Anhänglichkeit an Privatoffenbarungen in den „traditionalistischen Kreisen“. 

Stattdessen verweist er auf die „traditionellen Grundsätze der Kirche“, wonach nämlich „die Erneuerung der Gesellschaft, der einzelnen Menschen, der Familien nur durch unseren Herrn Jesus Christus kommt….Das ist klar! Da muss man gar nicht anderswo suchen.“

Mein Verwandter Dr. Philipp Küble, Leiter von „Vox fidei“ (Stimme des Glaubens), führte in den 80er Jahren ein Interview mit Marcel Lefebvre. Wie mir der Theologe berichtete, hat der Erzbischof ihm nach dem Interview sein Leid geklagt über die Absonderlichkeiten im eigenen Lager, vermutlich ging es auch um die Erscheinungssucht. Jedenfalls habe ihm Lefebvre halbironisch gesagt: „Bei uns sind zwar nicht alle verrückt, aber alle Verrückten sind bei uns.“