Münster: Seher Mario D´Ignazio aus Brindisi präsentierte eine „Live-Erscheinung“

Von Felizitas Küble

Am heutigen Samstag, dem 28. Oktober, war der Versammlungssal im Marienhaus von Münster prall gefüllt mit rund 200 Besuchern, unter ihnen überwiegend Frauen, etwa ein dutzend Ordensschwestern und auffällig viele Menschen indischer Herkunft.

Der rege Andrang dürfte mit der Ankündigung zusammenhängen, wonach Mario D´Ignazio aus dem süditalienischen Brindisi eine waschechte Marienerscheinung erleben wird, an dem die Gäste gewissermaßen beteiligt sind, wenngleich sie selber nichts sehen, hören oder auf sonstige Weise wahrnehmen.

Der junge Italiener (siehe 3. Foto), der in Turnschuhen und auch sonst ziemlich leger gekleidet auftrat, erlebt  – eigenen Angaben zufolge – neben privaten Visionen seit Jahren immer wieder öffentliche Marienerscheinungen, wobei sich die (angebliche) Madonna als „Jungfrau der Versöhnung“ vorstellt.

Er tourt derzeit wieder einmal durch Deutschland  – von Westfalen über die Mosel bis zum Bodensee.

Das vom Seher in Auftrag gegebene Erscheinungs-Bildnis wurde im Saal überlebensgroß präsentiert (siehe 1. und 2. Foto).

Es zeigt eine lieblich-kindlich bis kitschig wirkende Gestalt mit weißem Kleid und Schleier sowie einem hellblauen Mantel und goldenen Gürtel  –  vor ihrer Brust ist eine Taube als Symbol des Hl. Geistes erkennbar.

Diesmal hielt sich die Himmelsbotschafterin allerdings nicht an die vorgesehene Tagesordnung:

Angekündigt war nämlich in der schriftlichen Einladung zum „Heilungsgebetstag“, daß sie Mario D´ Ignazio nach dem Rosenkranz erscheine. Das Ereignis fand jedoch schon vor diesem Gebet statt  –  die „Madonna“ schien es heute eilig zu haben. Fast alle Anwesenden knieten sich während der „Erscheinung“ hin, als ginge es um eine eucharistische Anbetung….

Danach wurde den Versammelten die Marien-Botschaft vorgelesen, wobei es offenbar (wie in solchen Fällen üblich) um Gebetsaufrufe, Rosenkranz-Empfehlung und (angelehnt an Fatima) um die Verehrung ihres Unbefleckten Herzens ging  –  insofern gab es keine „aufregenden“ Inhalte.

Der Seher verkündete den Gläubigen außerdem, dass die himmlische Jungfrau sie bei ihrer Live-Erscheinung alle angeschaut und gesegnet habe. Mir wurde diese „Gnade“ freilich nicht zuteil, da ich erst später gekommen war. Den erwähnten Ablauf erfuhr ich auf Nachfrage von einigen Bekannten.

Der Visionär Mario hielt eine ebenso lange wie fromme Ansprache, die in Abschnitten jeweils von seinem Übersetzer, der neben ihm saß, verdeutscht wurde (siehe letztes Foto).

Dabei wurde mehrfach auf die große Spendenbox verwiesen, die seitlich vom Vortragstisch aufgestellt war. Vor allem in der zweiten Hälfte der Veranstaltung kamen öfter Teilnehmer nach vorne, um einen Schein in die Box einzustecken.

Die Verehrung, die dem „Seher“ durch etliche Besucher zuteil wurde, war beträchlich. Es gab sogar Teilnehmerinnen, die aus unerfindlichen Gründen eine Kniebeuge machten, wenn sie nach vorne gingen  –  und das nicht vor dem seitlich rechts aufgestellten Kreuz (siehe erstes Foto), sondern vor dem Tisch mit Mario und seinem Übersetzer.

Nach dem „Heilungsgebetstag“ ließen sich einige Leute, vor allem junge Frauen, mit ihm fotografieren oder von ihm segnen (siehe vorletztes Foto).

Immerhin erteilte er keinen „charismatischen“ Segen mit Handauflegung (samt dem dann oftmals folgenden „Ruhen im Geist“ bzw. dem Hammersegen in Trance), sondern zeichnete den Betreffenden katholisch-traditionell ein Kreuz auf die Stirn, wogegen rein prinzipiell nichts einzuwenden ist. 

Ingesamt hatte die Veranstaltung zwar einen leicht schwarmgeistigen, „pfingstlerischen“ Anstrich, doch hielt sich diese Tendenz noch in gewissen Grenzen.

Stattdessen war eine kuriose Wundersucht umso ausgeprägter. Ständig ging es um wundersame Zeichen und Mirakel des begnadeten und angeblich sogar stigmatisierten Mario. Vor allem am Informationstisch wimmelte es nur so von „Wunder-Fotos“, (Blut-)Tränen-Madonnen etc.

Der Visionär gab eine klare Botschaft an die Seinen, was in diesen schweren Zeiten zu tun ist: „Immer an die Madonna und an Gott denken, das genügt.“  – Man beachte übrigens die Reihenfolge…

Grundsätzlich loben muß man aber  – und das kommt auf solchen öffentlichen Live-Erscheinungen eher selten vor – daß etwa eine halbe Stunde Zeit für Fragen an den „Seher“ gewährt wurde.

Ich stellte ihm meinen Standpunkt kurz folgendermaßen dar:

Unser Glaube beruht auf der Heiligen Schrift, der apostolischen Überlieferung und dem Lehramt der Kirche, nicht etwa auf Zeichen und Wundern.

Paulus schreibt daher, daß wir auf Erden im Glauben leben, nicht im Schauen. Und Christus erklärte jene für selig, die nicht sehen und doch glauben.

Daher halte ich es für eine innere Gefährdung der Katholiken, wenn sie sich auf außergewöhnliche Vorgänge bzw. angebliche Wunder stützen oder sich auf Visionen, Erscheinungen und dergleichen fixieren.

Der Angesprochene reagierte recht geschickt. Er stimmte mir zunächst durchaus zu: Manchmal würden Leute wunderbare Ereignisse erleben und trotzdem später ungläubig werden. Viele wünschten von ihm ein Zeichen als Beweis für die Echtheit der Erscheinungen: „Aber wenn wir sehen, bedeutet das noch nicht, daß wir glauben.“ 

Nun kam das typische Ja, aber:  In unserer Zeit wachsenden Unglaubens helfe der Himmel den Menschen durch Visionen und Botschaften; er komme ihrem Bedürfnis gleichsam großzügig entgegen  –  etwa nach der Devise: Je schlechter die Zeiten, desto stärker der Bedarf nach Zeichen und Wundern…

Eine FORTSETZUNG dieses Berichts über diese Veranstaltung folgt demnächst in einem weiteren Artikel.

Info-HINWEIS: Wir haben im CHRISTLICHEN FORUM bereits vor über zwei Jahren über diesen „Seher“ berichtet: https://charismatismus.wordpress.com/2015/10/08/italien-neuer-seher-mario-aus-brindisi-tourt-bald-durch-deutschland/