Das Netz ist zerrissen und wir sind frei!

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:
Psalm 124 (123), 2 ff:
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Hätte sich nicht der HERR für uns eingesetzt,
als sich Menschen gegen uns erhoben,
sie hätten uns lebendig verschlungen,
als ihr Zorn gegen uns entbrannt war.
 

Dann hätten die Wasser uns weggespült,
als hätte sich über uns ein Wildbach ergossen.
Die Wasser hätten sich über uns ergossen,
die wilden und wogenden Wasser.
 

Unsere Seele ist wie ein Vogel dem Netz des Jägers entkommen;
das Netz ist zerrissen, und wir sind frei.
Unsere Hilfe ist im Namen des HERRN,
der Himmel und Erde erschaffen hat.


Kontroverse um Hubertusmessen – Tierschützer kritisieren kirchliches Jägerbrauchtum

Zum überlieferten Brauchtum im Jahreskreis  –  meist Anfang November  –   gehören vielerorts auch die Hubertusmessen und Hubertusfeiern, womit die Jäger zunächst an ihren Schutzpatron, den heiligen Hubertus von Lüttich erinnern.

Von dem jungen Edelmann erzählt eine Legende, daß er einst einen großen Hirsch sah, der mitten in seinem Geweih ein Kreuz trug. So wurde seine ausschweifende Jägerleidenschaft gezügelt und er erkannte in den Tieren seine Mitgeschöpfe, die zu respektieren waren.

Diese Achtung vor der Schöpfung Gottes gehört als sogenannte „Waidgerechtigkeit“ zu den Prinzipien der Jägerschaft.

Manchmal werden bei diesen traditionsreichen Gottesdiensten, zu denen oft Jagdhornbläser dazugehören, auch Tiere gesegnet, meist die Hunde der Jäger.

Was seit Jahrhunderten gang und gäbe ist, nämlich die jährliche Hubertusmesse der Jägerschaft, wird mittlerweile von manchen Tierschutzgruppen  heftig kritisiert.

Möglicherweise haben sich kirchliche Stellen hiervon beeinflussen lassen. Es schlägt jedenfalls recht hohe Wellen, daß die Bistumsleitung Speyer  seit drei Jahren keine Hubertusmessen im Dom mehr erlaubt hat. Darüber beklagt sich jetzt der Landesjagdverband (LJV) Rheinland-Pfalz in einer Pressemitteilung.

Auf Anfrage der Jägerschaft habe das Bistum mitgeteilt, daß das Domkapitel angesichts der heftig geführten Debatten um Hubertusmessen bereits vor längerer Zeit beschlossen habe, im Dom zu Speyer keine Hubertusmessen mehr zu feiern. Als Bischofskirche und Unesco-Weltkulturerbestätte sei der Dom von so herausgehobener Bedeutung, daß er aus dieser öffentlichen Diskussion herausgehalten werden müsse.

Die Beschwerden von  Tierschützern lauten auf den Punkt gebracht:

Jagen sei sowieso unmoralisch, weil dabei Tiere getötet würden – und dies schlimme Treiben würde durch die Gottesdienste für Jäger gleichsam kirchlich „abgesegnet“.

Strikte Tierschützer mögen dies so sehen, doch mit dieser speziellen „Logik“ müßte man konsequenterweise die ganze Welt zu einem vegetarischen oder gar veganen Speiseplan verdonnern, was weder sinnvoll noch realistisch ist (und überdies auch nicht biblisch wäre).

Wildfleisch ist sehr werthaltig und gesund  –  also was spricht gegen seinen Verzehr?

Man muß kein Jäger sein oder sich fürs Jagen interessieren, um einzusehen, daß dieses Hobby keineswegs unmoralisch ist, zumal auch   Berufsförster mit solchen Aufgaben betraut werden.

Es geht neben dem Wildfleisch-Speiseangebot nämlich auch darum, kranke oder verletzte Tiere „waidgerecht“ zu töten, damit sie nicht leiden müssen. Außerdem müssen Wald und Flur gehegt und geschützt sowie das biologische Gleichgewicht erhalten werden.

Hätte der Mensch stets aufs Jagen verzichtet, dann könnten wir uns heute noch mit Bären und Wölfen herumschlagen, die Menschenleben gefährden.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster