Ein WELT-Redakteur fragt: Soll Deutschland „unkenntlich“ gemacht werden?

Kritik am „neuen Größenwahn“ in der Asylpolitik

Jaques Schuster hat am 21. September 2015 in der Tageszeitung „Die WELT“ einen aufschlußreichen Artikel unter dem Titel „Moralische Exaltiertheit und neuer Größenwahn“  veröffentlicht, der sich kritisch mit der umstrittenen Asylpolitik der Bundeskanzlerin befaßt. Der 50-jährige frühere Leiter des Feuilletons ist derzeit Chefkommentator der WELT-Gruppe.be2004_38_551

Gleich eingangs heißt es in seinem Beitrag: „Die Bereitschaft, Menschen in Not aufzunehmen, wird häufig mit der braunen deutschen Vergangenheit begründet. Doch nicht der Flüchtlinge wegen, sondern um eine offene Debatte zu verhindern.“

Der Autor erläutert sodann, warum der häufig strapazierte Vergleich heutiger Asylbewerber mit jüdischen Flüchtlingen während der NS-Diktatur oder mit deutschen Vertriebenen ab 1945 gewaltig hinkt:

Sowohl deutsche wie jüdische Flüchtlinge, schreibt Schuster, erwiesen sich als anspruchslos, duldsam und integrationsbereit, „doch die Gruppe der heute Geflohenen ist eine andere. Sie stammt aus Regionen, deren Menschen sich nur schwer integrieren lassen und für die Toleranz und Kompromiss weitgehend Fremdworte sind.“

Zudem stellt der Verfasser fest: „Wer sich als Flüchtling weigert, sich registrieren zu lassen, darf nach geltendem Recht sofort zurückgeschickt werden. Warum geschieht dies nicht?“

Vielsagend sind auch die abschließenden Worte des Chefkommentators der WELT:

„Vernimmt man die Worte der Vertreter der Linkspartei und derjenigen Grünen, die derzeit keine Regierungsverantwortung tragen, dann wird der Grund für die grenzenlose Aufnahmebereitschaft klar. Auch er wurzelt in der Vergangenheit:

Weil Deutschland zwischen 1933 und 1945 war, wie es war, hat es zu zerfließen wie Butter in der Sonne, muss anders, muss unkenntlich gemacht werden – trotz der vergangenen 70 Jahre in Frieden und Freiheit.

Traurig daran ist, dass selbst der Kanzlerin dieser Gedankengang nicht fremd zu sein scheint, folgt man einigen ihrer Worte. Es ist bedauerlich, dass es kaum jemand in der Union zu geben scheint, der sie darauf aufmerksam macht. In ihrem Gedankengang nämlich könnte der Anfang der Kanzlerdämmerung liegen.“