Deutliche Kritik an Theologen-Forderungen

Erklärung des „Forums Deutscher Katholiken“ zu Forderungen von Theologen nach reformerischen Konsequenzen aus den Missbrauchsfällen:

„Prominente“ Katholiken  –  u.a. die Jesuiten Wucherpfennig und Mertes –  wenden sich mit Forderungen vor der Bischofssynode in Rom an Kardinal Reinhard Marx.

Diese Forderungen sind seit langem bekannt: „Reform“ des Zölibats,des Priesterbilds, der hierarchischen Verfassung der Kirche, Priesterweihe für Frauen, Sexualmoral inkl. Neubewertung der Homosexualität. Es ist der Versuch, die Missbrauchsfälle für eigene Ziele zu instrumentalisieren.

Dieses Vorhaben reizt dazu, das Wort von Leon Bloy „Die Bürger schlucken alles außer Gott“ in „Theologen schlucken alles außer das Wort Jesu“ umzuwandeln.

Bischof Voderholzer (siehe Foto) hat in seiner Silvesterpredigt den Weg aus der Krise mit den Worten aufgezeigt: Die Geschichte zeige, dass „wahre Erneuerung immer aus einem tieferen Gehorsam gegenüber der Botschaft des Evangeliums…, aus einer verstärkten Bemühung um Katechese und Verkündigung, sowie aus einer radikalen Christusnachfolge erwachsen sind“.

Das „Forum Deutscher Katholiken“ begrüßt die Klarstellung von Bischof Voderholzer.

Prof. Dr. Hubert Gindert

 


Wohin führt Papst Franziskus die Kirche?

Rezension von Thomas May
zur Neuerscheinung „Der Diktator Papst

Marcantonio Colonnas gründlich und umfassend recherchierter Report über den zum Papst Franziskus aufgestiegenen argentinischen Jesuiten Jorge Mario Bergoglio ist ein „Lesehammer“, der das durch die Medien vermittelte Bild eines menschenfreundlichen, reformfreudigen Oberhirten zunichtemacht und hinter der einer „erfolgreiche[n] Beschönigungskampagne“ (S. 248) geschuldeten Maske das Gesicht eines charakterlich zwielichtigen Machtmenschen freilegt.

Der Autor, der sein vatikanisches Insider-Wissen einfließen ließ, untermauert seine Darlegungen und zum Teil pikanten Enthüllungen über das katholische Kirchenoberhaupt mit einer Unzahl von Quellen (darunter aufschlussreiche Aussagen von Zeugen aus dem persönlichen Umfeld Bergoglios), meist aus dem italienischen, latein- und angloamerikanischen Raum, wobei er auch Material der beiden wichtigsten Bergoglio-Biographen  –  Austen Ivereigh: The Great Reformer, New York 2014 (wohlwollend) und Omar Bello: El Verdadero Francisco, Buenos Aires 2013 (kritisch)  –  eingebracht und ausgewertet hat.

Von langer Hand vorbereitet

Im ersten Kapitel wird nachgezeichnet, wie es, vorbereitet von langer Hand, dazu kam, dass Bergoglio 2013 von einer liberalen „Mafia“ zum Papst gewählt wurde.

Die Rede ist von der Gruppe St. Gallen, einem Bündnis progressiver Bischöfe und Kardinäle, das sich auf Einladung des Ortsbischofs seit 1996 jährlich im Schweizer Kanton St. Gallen traf. Geeint wurde es durch den gemeinsamen Widerstand gegen Kardinal Joseph Ratzinger, der seit 1982 als Präfekt der Glaubenskongregation amtierte.

Die Mitglieder wollten das Programm einer „viel modernen“ katholischen Kirche vorantreiben, das mit den Schlagwörtern „Dezentralisierung“, „Kollegialität“, „pastorale Kirche“ (gemeint war die Entfernung von der klassischen Morallehre) umrissen wird. Bei „Mafia“ handelt es sich keineswegs um eine Verleumdung von Verschwörungstheoretikern, sondern um die Selbstbezeichnung seitens eines der Köpfe der Gruppe, des belgischen Kardinals Godfried Danneels, der in einem Fernsehinterview 2015 bereitwillig über deren Aktivitäten Auskunft gab.

Unbestrittene Führungsgestalt war der Mailänder Kardinal Carlo Maria Martini, lange aussichtsreichster Kandidat des liberalen Flügels für die Papstnachfolge; dazu gesellten sich als einflussreiche Persönlichkeiten Kardinal Walter Kasper und der Mainzer Kardinal Karl Lehmann aus Deutschland sowie der englische Kardinal Cormac Murphy-O’Connor.

Laut Danneels favorisierte die Gruppe nach dem Tod Johannes Pauls II. schon im Konklave 2005 Bergoglio, damals Erzbischof von Buenos Aires, als ihren Mann für die Papstnachfolge, nachdem der an Parkinson erkrankte Martini nicht mehr infrage kam.

Diesen hatte Erzbischof Bergoglio 2001 bei der Bischofssynode in Rom näher kennen und bewundern gelernt und sich zunehmend als Gesinnungsfreund des liberalen Flügels zu erkennen gegeben. Bekanntlich wurde Ratzinger Papst, und die Gruppe St. Gallen zog sich zurück, ohne allerdings ihren Einfluss einzubüßen.

Nachdem Papst Benedikt XVI. am 11. Februar 2013 seinen Amtsverzicht angekündigt hatte (bereits Mitte 2012 wussten Kurien-Insider von dem beabsichtigten Schritt, und es ist unwahrscheinlich, dass der bestens vernetzte Bergoglio davon nicht Kenntnis erhalten haben sollte), entfalteten die drei „St. Gallener“ Kardinäle Kasper, Lehmann und Danneels, unterstützt von Murphy-O’Connor, fieberhafte Aktivitäten, um diesmal im „Team Bergoglio“ ihren Wunschkandidaten (der selbst kein Mitglied der Gruppe St. Gallen war, aber Zustimmung signalisiert hatte) durchzusetzen.

Entscheidend für seine Wahl zum Papst war schließlich, dass es gelang, im Konklave taktisch geschickt die Stimmen der nordamerikanischen Kardinäle für den Argentinier zu gewinnen.

Die Rechtmäßigkeit der Wahl Bergoglios wird aus zwei Gründen angezweifelt. Der Apostolischen Konstitution „Universi Dominici gregis“ (1996) von Johannes Paul II. zufolge sind den Kardinälen im Konklave Verhandlungen, Absprachen, Versprechen, Verpflichtungen zugunsten oder zulasten eines Kandidaten ausdrücklich verboten (vgl. Nr. 81). Zuwiderhandlungen, auch die Einwilligung eines Aspiranten, ziehen automatisch die Strafe der Exkommunikation nach sich.

Sowohl Ivereighs Version einer offenen Kampagne der vier „St.-Gallen“-Kardinäle als auch Murphy-O’Connors auskunftsfreudige Interviews mit dem „Independent“ (Juli 2013) und dem „Catholic Herald“ (Ende 2013) erhärten den Verdacht, dass es sich um mehr als einen zulässigen „Gedankenaustausch“ handelte.

Als zweiter Nichtigkeitsgrund ist die nicht eingehaltene Verfahrensregel von maximal vier Wahlgängen pro Tag von Belang; der fünfte, in dem Bergoglio mit 95 von 115 Stimmen gewählt wurde, sei damit (so der italienische Journalist Antonio Socci nachdrücklich) ungültig gewesen. Abschließend werden diese Frage nur gestandene Kirchenrechtler klären können – repressionsfrei.

Ein Peronist im Wandel

Ziel des zweiten Kapitels ist es, einen Überblick über Bergoglios persönliche Entwicklung und  berufliche Stationen bis 2013 zu geben. Nach Ansicht Colonnas ist der Sohn eines Buchhalters ohne die Tradition der argentinischen Politik nicht zu verstehen, die in der Person des Präsidenten Juan Perón (4. Juni 1946 bis 21.September 1955, 12. Oktober 1973 bis 1. Juli 1974) und in der nach ihm benannten Bewegung des Peronismus für ihn prägend geworden ist.

Peróns auffallendster Charakterzug war sein zynischer Opportunismus, mit dem er rechte und linke politische Kräfte für sich nutzte und gegeneinander ausspielte. Der ihm anhängende junge Bergoglio wurde sein gelehriger Schüler: Der Autor bezeichnet ihn als „Juan Perón in kirchlichen Gewändern“ (S. 48).

Bergoglios Karriere kam, mit einem Knick von 1986 bis 1992, als er bei seinem Orden in Ungnade fiel und unter anderem zur Promotion nach Deutschland abgeschoben wurde, stetig voran:

1958 Eintritt ins Ordensnoviziat der Jesuiten, 1969 Priesterweihe, 1973 – 1979 Jesuitenprovinzial für Argentinien, 1980 – 1986 Theologieprofessor und Rektor des Kollegiums von San Miguel und seiner Fakultäten für Philosophie und Theologie, 1992 Weihbischof und 1998 Erzbischof von Buenos Aires, 2001 Kardinal, 2005 – 2011 Vorsitzender der Argentinischen Bischofskonferenz.

Vehement bekämpfte der frühzeitig politisch interessierte und rührige Bergoglio als Mann des Volkes und rechtsgerichteter Peronist in seiner Funktion des Provinzials die von Intellektuellen propagierte, marxistisch inspirierte „Befreiungstheologie“, die den Jesuitenorden in Argentinien unterwandert hatte.

Er unterstützte die peronistische Guardia de Hierro („Eiserne Garde“) und unterhielt später persönliche Beziehungen zum argentinischen Militärregime (1976 – 1983), deren Art und Beurteilung bis heute umstritten sind, schwankend zwischen Fürsorge um die eigenen Leute und Verrat von Ordensangehörigen wie den linksradikalen Patres Yorio und Jalics an die Machthaber.

Zumindest den „allgegenwärtige[n] Eindruck von Doppelzüngigkeit“ (S. 247) drängen die damaligen Umstände auf, die der Autor im Anhang nochmals aufgreift.

Die gegen Bergoglio erhobenen Anschuldigungen der Kollaboration und Korruption, welche eine 2005 veröffentlichte Biographie widerlegen sollte, waren es auch, die ihn im Bemühen um Distanzierung folgerichtig nach links rücken ließen, ein sich seit 2001 beschleunigender Prozess, der ihn bei seinen ehemaligen konservativen Mitstreitern, denen er als Verfechter katholischer Werte gegolten hatte, verdächtig machte und zugleich der liberalen Seite empfahl, sodass er schließlich als „Speerspitze“ der Gruppe St. Gallen in Stellung gebracht wurde.

Außer persönliche Strenge und Bedürfnislosigkeit im Alltäglichen werden aus Bergoglios Umfeld für einen Zeitraum von über 50 Jahren keine günstigen Charaktereigenschaften bezeugt. Streben nach Macht, Behandlung der Untergebenen als Marionetten, Zwang zur Loyalität ihm gegenüber, Misstrauen gegenüber Menschen, Kontrollbesessenheit werden als Merkmale genannt.

„Dieser Mensch [Bergoglio] manipuliert mit Gefühlen. Du denkst, er ist dein Vater, und dabei führt er dich an der Nase herum“ (zit. 46), sagt ein ehemaliger Priester-Mitarbeiter; ein im Vatikan tätiger Kleriker konstatiert: „Bergoglio ist eine Person, die vor allem Angst zu schüren versteht“ (zit. 58).

Gefürchtet wird Bergoglio auch wegen seiner Vergeltungsaktionen gegen Amtskollegen, die nicht auf seiner Linie lagen/liegen oder ihm sonstwie quer stehen. (Berüchtigtes Beispiel ist seine Fehde mit dem Opus-Dei-Bischof Rogelio Ricardo Livieres Plano von Ciudad del Este in Paraguay, die mit dessen Absetzung 2014 ohne Angabe von Gründen endete.)

Anderseits versuchte Bergoglio besonders seit 2001 durch (intransparente) Geldzahlungen und durch den Aufbau eines persönlichen Netzwerkes von Informanten und Günstlingen Einfluss auf die Kurienpolitik zu nehmen.

Die „vernichtendste Charakterstudie über Jorge Bergoglio“ (43) stellt das Zeugnis seines Oberen P. Peter Kolvenbach dar, das Erzbischof Quarracino 1991 anlässlich der beabsichtigten (und davon unbeeindruckt vollzogenen) Ernennung Bergoglios zum Weihbischof anforderte.

Da dieses Dokument nach seiner Wahl zum Papst aus den Archiven verschwand und noch existierende Kopien vom Betroffenen weitgehend „eingesammelt“ wurden, beruhen die von Colonna wiedergegebenen Details auf der Darstellung eines Priesters, der Zugang dazu hatte.

Demnach hielt Kolvenbach dem (von den Jesuiten damals angefeindeten) Bischofskandidaten zahlreiche Defizite vor, „die von regelmäßigem Fluchen und Hinterhältigkeit, Ungehorsam unter dem Deckmantel der Demut bis hin zu fehlender psychischer Ausgeglichenheit reichten“ (44). Seine „spaltende Persönlichkeit“ lasse ihn für das vorgesehene Amt ungeeignet erscheinen. Die im Zeugnis erwähnten Mängel verdienen es, im Licht des Franziskus-Pontifikats erneut betrachtet zu werden.

Der Scheinreformer

Das dritte Kapitel befasst sich mit der sogenannten Kurien- und Finanzreform des Vatikans sowie der Umsetzung der Null-Toleranz-Linie bei sexuellem Missbrauch durch Priester, drei Problembereiche, die der Papst aus Argentinien von seinem Vorgänger geerbt hatte und deren entschlossene Bewältigung von ihm erwartet wurde.

Dank seiner spektakulären, mit der Tradition brechenden Gesten, seiner geschickt inszenierten Situationsdemut und vor allem seiner allzeit guten öffentlichen Laune hatte er die Herzen der Gläubigen im Sturm erobert und das Wohlwollen der Medien gewonnen, die ihm, wie schon in Buenos Aires, zum „Schoßhund“ (66) wurden und das Image eines großen Reformers verpassten. Allerdings ist, wie Colonna anmerkt, das Phänomen des „Franziskus-Effekts“ auch nach fünfjährigem Pontifikat auf die Berichterstattung beschränkt.

Der „Vatileaks“-Skandal und das von Benedikt XVI. veranlasste Dossier der Kardinäle Herranz, De Giorgi und Tomko über die Hintergründe hatten das Bild einer vom Papst unabhängig handelnden Vatikanmaschinerie und verbreiteter moralischer Korruption mit Details eines Netzwerks von Homosexuellen im Vatikan ergeben.

Daher war vor allem eine Reform des für die Verweltlichung des Klerus maßgeblich verantwortlichen, übermächtigen Staatssekretariats dringend geboten. Doch auch nach 18 Zusammenkünften bis Juni 2017 hat der vom Papst zur Steuerung des Reformprozesses gebildete Kardinalsrat (K9-Rat) kaum Nennenswertes zuwege gebracht. „… die Reform hat bisher bestenfalls Falten ausgebügelt. Es wurden einige Räte zusammengefasst, aber der Einfluss auf die großen Körperschaften des Vatikans ist gleich null“ (73), bilanziert Colonna nüchtern.

Personelle Veränderungen, wie die Absetzung Kardinal Burkes als Präfekt der Apostolischen Signatur, sind eher ideologisch motiviert. Bedenklich ist die führende Rolle des honduranischen Kardinals Maradiaga, der mit den Vorwürfen finanzieller Korruption und der Vertuschung sexuellen Missbrauchs in seiner Diözese belastet ist, als Koordinator des K9-Rates und „Vizepapst“. Nicht nur hier zeigt sich die Vorliebe des Papstes für moralisch schwache und somit besser kontrollierbare Persönlichkeiten in seinem Umfeld.

Hinzu kommen mangelnde Eignung und Erfahrung der K9-Mitglieder für Verwaltungsaufgaben, was umso schwerer wiegt, als der Papst sich selbst als „sehr unorganisiert“ (zit. 74) bezeichnet, eine Umschreibung für „abschweifend“ und „chaotisch“. Infolge der leichtfertigen Streichung der regelmäßigen Gesprächstermine der Vorsitzenden der Dikasterien ist deren Zugang zum Papst erschwert; das Staatssekretariat dient als „Filter“ zwischen Papst und Kurie und ist mächtiger als zuvor. Reform?

Im Zuge seiner Null-Toleranz-Politik hatte Benedikt XVI. mehr als 800 Missbrauchspriester suspendiert oder laisiert. Er ging zudem aktiv daran, die Schuldigen aufzuspüren und zu bestrafen, die sie gedeckt hatten; im Monatsschnitt setzte er so zwei bis drei Bischöfe ab.

Ferner erließ er strenge Richtlinien für die Ausbildung zukünftiger Priester und Ordensleute, die den Ausschluss von Männern mit homosexuellen Tendenzen vorsahen; der John-Jay-Report (2004) hatte ergeben, dass zu über 80 Prozent männliche Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren Opfer überwiegend schwuler Missbrauchstäter geworden waren. 

Papst Franziskus dagegen brach unter dem Motto der „Barmherzigkeit“ mit Benedikts Programm und reduzierte dessen Bestrafungen pädophiler Priester mehrfach. Im Vatikan machte sich ein Klima der Laxheit im Umgang mit sexuellen Verfehlungen breit, was mit dazu beitrug, dass sich die Umtriebe der Homo-Lobby verschlimmerten.

Der Papst selbst setzte dabei Signale, die von ihr als Ermunterung verstanden werden konnten, indem er praktizierende Homosexuelle, wie den Prälaten Battista Ricca (so der Journalist Sandro Magister im „L’Espresso“ 2013), in seiner Umgebung gewähren lässt.

Beim sexuellen Missbrauchsskandal in Chile verlegte sich der Papst auf eine rein defensive Salami-Taktik: immer nur zugeben, was nicht mehr zu leugnen ist. Angesichts neuer Skandale in US-amerikanischen Bistümern und in Honduras sowie aufgrund ihn belastender Zeugenaussagen verfestigt sich der Verdacht, dass der Pontifex nicht nur gelogen hat, sondern selbst in die Vertuschung involviert ist.

Auch die über Jahrzehnte wiederholt von Korruptionsfällen gebeutelten Finanzabteilungen des Vatikans – Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls (APSA), „Vatikanbank“ (IOR), Governatorat der Vatikanstadt, unterstellt dem Staatssekretariat – wurden unter dem neuen Papst keinem effektiven Umbau unterzogen.

Der Versuch, mit dem „Päpstlichen Rat für die Wirtschaft“ ein übergeordnetes „Finanzministerium“ zu schaffen, ist in der Praxis weitgehend misslungen. Ausschlaggebend dafür war, dass der ihm vorstehende australische Kardinal Pell, der seine Aufgabe forsch angepackt hatte, durch die Opposition von vier Kardinälen, die ihre „Reviere“ und Interessen verteidigten, neutralisiert wurde: Domenico Calcagno (APSA), Giuseppe Versaldi (vatikanische Wirtschaftspräfektur), Giuseppe Bertello (Governatorat), Pietro Parolin (Staatssekretariat).

Dem Wirtschaftssekretariat anfangs eingeräumte weitgehende Befugnisse nahm der Papst wieder zurück, den die alte Garde geschickt für ihre Manöver einzuspannen wusste; die beschlossene externe Finanzprüfung durch PricewaterhouseCoopers wurde von Erzbischof Angelo Becciu, dem Substitut des Staatssekretariats, abgesagt, dessen Machenschaften der 2017 spektakulär entlassene oberste Rechnungsprüfer Libero Milone gefährlich nahegekommen zu sein schien.

Die Verantwortung des strippenziehenden Papstes für diesen Schritt ist unstrittig, ebenso für die einhergehende Lähmung des vatikanischen Rechtssystems. Am Schluss wird man – so die Prognose Colonnas – dem durch die Anklage wegen sexuellen Missbrauchs geschwächten und wohl bald eliminierten Kardinal Pell das Scheitern der Finanzreform zuschieben. Die Frage bleibt, wie lange noch italienische Richter Steuerhinterziehung und Geldwäsche über vatikanische Konten und Kanäle dulden werden.

Auf krummen Touren

Das vierte Kapitel widmet sich der kirchlichen Annäherung an die modernen (Sexual-) Moralvorstellungen unter dem Pontifikat Papst Franziskus‘. Im Mittelpunkt steht der von ihm manipulierte Prozess von der Außerordentlichen Familiensynode (Oktober 2014) über die Ordentliche Synode (Oktober 2015) zur Apostolischen Exhortation „Amoris laetitia“ (März 2016).

Gesichert wurde der „Erfolg“ unter anderem durch seine frühe Propagierung des sogenannten Kasper-Vorschlags der Zulassung zu Beichte und Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene, durch Gefolgsleute auf den Synoden wie den sie leitenden Kardinal Lorenzo Baldisseri, der durch Verfahrenstricks die Abläufe im Sinn des vom Papst gewünschten Ergebnisses lenkte, oder den homofreundlichen Erzbischof Bruno Forte bzw. durch die gezielte Schwächung des die bestehende Lehre verteidigenden Generalrelators Kardinal Péter Erdö, nicht zu vergessen sein persönliches Eingreifen mittels zum Teil nicht vorgesehener Redebeiträge, mit denen Franziskus die versammelten Synodenväter einschüchterte.

Als die erforderliche Zweidrittelmehrheit gemäß der von ihm selbst festgelegten Regel in der Relatio Synodii (2014) für die Paragraphen 52, 53 und 55 nicht erreicht wurde, setzte sich der Papst über sie hinweg und sorgte dafür, dass der Kasper-Vorschlag auf der Agenda der Ordentlichen Synode blieb. Legendär geworden sind Franziskus‘ Wutanfall und seine Entlassungsdrohung, als sich 13 Kardinäle im Oktober 2015 in einem Brief über den „vorherbestimmten“ Ausgang der Familiensynode beschwerten.

Mit AL gelang ihm schließlich ein arglistiges Meisterstück, indem er in Paragraph 305 mit der Fußnote 351 ein Einfallstor schuf, nicht enthaltsam lebenden wiederverheirateten Geschiedenen (entgegen der klassischen Lehre) die Zulassung zur Kommunion zu gewähren, eine Interpretationsmöglichkeit, die etwa von der liberalen Argentinischen Bischofskonferenz ergriffen und vom Papst gutgeheißen wurde, während er konträre Auslegungen wie durch die Polnische Bischofskonferenz nicht beanstandete. Das ist Peronismus pur!

Auf den Punkt bringt es ein in anderem Kontext geäußerter Satz eines Jesuiten: „Seine [Bergoglios] Art, Unklarheit zu erzeugen, ist meisterhaft“ (zit. 247) – das Gegenteil der biblischen Regel „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein!“ (Mt 5,37).

Dem Wunsch nach Klärung der Zweideutigkeiten im Dokument, den vier Kardinäle in Form von fünf „Dubia“ in einem Brief an den Papst herantrugen, hat dieser bis heute nicht entsprochen. Die seither herrschende globale Verwirrung in der Ehelehre nimmt er in Kauf.

Die Aufweichung der Glaubens- und Morallehre wurde durch zahlreiche Personalentscheidungen Papst Franziskus‘ flankiert. Vor allem die Berufung des als Förderer der Homosexuellenbewegung in Erscheinung getretenen, skandalträchtigen, linksstehenden Erzbischofs Vinzenco Paglia zum Präsidenten der Päpstlichen Akademie für das Leben (PAV) und (unter Missachtung der Richtlinien) zum Großkanzler des Päpstlichen Instituts Johannes Paul II. für Studien zu Ehe und Familie, eines Hüters der klassischen Morallehre gemäß „Familiaris consortio“, bedeutete einen Bruch mit der Tradition.

Mit der Erstellung neuer Statuten für das PAV, Neubesetzung des Mitgliedergremiums (auch Nichtkatholiken) Richtung „harte Naturwissenschaften“ und weniger Pro-Life-Wissenschaft und der Abschaffung des Treueeids zur katholischen Lehre ging eine schwammige Sprache einher, die den Stellenwert des Lebensschutzes relativierte; der neu ernannte Anglikaner Nigel Biggar hatte sich schon 2011 und 2013 in Interviews als Abtreibungsbefürworter geoutet.

Gesäubert, gestutzt und „pastoral“ neu ausgerichtet wurde auch das Institut Johannes Paul II.; führende Mitglieder, die  die neue Linie der „Weiterentwicklung“ der kirchlichen Morallehre ablehnten, mussten gehen.

Zerschlagung und Enthauptung

Mit der Zerschlagung der Franziskaner der Immakulata (FFI), eines 1970 in Frigento (Italien) gegründeten und 1998 von Johannes Paul II. als „Institut des geweihten Lebens päpstlichen Rechts“ anerkannten Ordens, dessen besondere Marienverehrung in der Spiritualität des hl. Maximilian Kolbe wurzelte, gibt Colonna im fünften Kapitel weiteren Einblick in die „neue Methode“ des Papstes, hier als „päpstliche Verfolgung eines blühenden Ordens“ (169) bezeichnet.

In Anlehnung an die Ideale des Konzils hatten strengste Armut, intensives Gebetsleben und eine missionarische Aufgabe dem Orden weltweiten Aufschwung beschert. Neben dem Neid anderer, schrumpfender Orden wurde den wachsenden FFI und ihrem Schwesternzweig vor allem zum Verhängnis, dass sie nach dem „Summorum pontificum“ (2007) Benedikts XVI. beschlossen hatten, intern den alten Ritus einzuführen (in ihren Pfarreien zelebrierten sie weiterhin den Novus Ordo), woraufhin sie (zu Unrecht) der Ablehnung des II. Vatikanums und finsterer Umtriebe verdächtigt wurden.

Der von der Ordenskongregation per Dekret im Juli 2013 eingesetzte Apostolische Kommissar Fidenzio Volpi (ein Kapuziner) übernahm die Kontrolle der FFI – sein Regime war gnadenlos: Das Generalkapitel wurde aufgelöst, der Ordensgründer P. Stefano Manelli praktisch unter Hausarrest gestellt, das Ordensseminar dichtgemacht, mindestens 15 FFI-Niederlassungen mussten schließen. 60 Brüder baten um Entbindung von den Gelübden, andere mussten gehen; die Annahme von Berufungen kam infolge der „Krise“ zum Erliegen. Ferner wurden die Ordensregeln geändert, Privatgelübde abgeschafft, Feiern der alten Messe untersagt. Der Orden löste sich nach 2015 schrittweise auf.

Den Prozess wegen Hinterziehung und Veruntreuung vor weltlichen Gerichten gewann Manelli gegen Volpi; dieser musste nicht nur das beschlagnahmte Vermögen im Wert von zirka 30 Millionen Euro an die Laienorganisation des Ordens zurückzahlen, sondern auch 20.000 Euro Schadensersatz wegen Verleumdung an die Familie des Gründers leisten.

Doch selbst die Verurteilung des eigenen Kommissars durch die weltliche Rechtsprechung entlockte dem Papst kein Wort, an dessen Absegnung des radikalen Vorgehens nicht zu zweifeln ist. Von kanonischer Seite wurde niemals Anklage gegen Manelli erhoben. Kein Gericht verurteilte ihn wegen irgendeines Fehlverhaltens.

Das detailliert beschriebene Geflecht von Intrigen, die zur Entmachtung des Malteserordens führten, ist ein Highlight des Buches. Hier schöpft der Autor, selbst Mitglied der Malteser (nach seiner Enttarnung als der Historiker Henry J. A. Sire vom Orden suspendiert), aus dem Vollen seiner Verbindungen und Quellen.

Die Winkelzüge der Kontrahenten, ihrer Verbündeten, ihre Motive sowie die Umstände des wachsenden Zeitdrucks, unter dem das „Projekt“ aus Sicht der „Rebellen“ stand, im Einzelnen nachzuzeichnen, ist hier in Kürze nicht möglich. Als Ergebnis kann festgehalten werden: Es ging nur vordergründig um unerlaubt verteilte Kondome, in der Hauptsache vielmehr um 30 Millionen Euro aus einem Schweizer Treuhandfonds für den Malteserorden, dessen Freigabe der vom Papst zum Rücktritt gezwungene englische Großmeister Fra‘ Matthew Festing blockierte.

Daher musste er seinem deutschen Widerpart Albrecht Freiherr von Boeselager weichen, der die Abwicklung des Geschäfts sicherstellte, inklusive der Übertragung von 100.000 Schweizer Franken an die Stiftung des Apostolischen Nuntius in Genf, Erzbischof Silvano Tomasi.

Gleichzeitig nutzte der Papst die Chance, Festings Verbündeten Kardinal, Raymond Leo Burke, Mitunterzeichner der „Dubia“, in seiner Funktion als Kardinalpatron des Ordens zu suspendieren und anstelle des Großmeisters seinen Erzbischof Becciu als Sonderbeauftragten zur Leitung des Ordens einzusetzen, was praktisch das Ende seiner Souveränität bedeutete.

Damit machte er eine Niederlage wett, die der Heilige Stuhl 1952/1953 in einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit dem Malteserorden erlitten hatte, als dessen eigene Jurisdiktion und die Souveränität des Ordens als politische Einheit bestätigt wurden. Ferner konnte Bergoglio eine noch offene „Rechnung“ mit dem argentinischen Politiker und Malteserritter Esteban Caselli begleichen, der 1997 (vergeblich) seine Wahl zum Koadjutorerzbischof von Buenos Aires zu verhindern versucht hatte.

Ironischerweise hat der „volksnahe“ Papst mit seiner Parteinahme zugunsten der deutschen Mitglieder des Ordensrates um Freiherr von Boeselager die aristokratische Fraktion gestärkt (deren Moral seiner liberalen Linie sicher mehr entspricht), während die nichtadeligen Vertreter in der Bedeutungslosigkeit versinken.

Big Brother des Vatikans

Im letzten Kapitel nimmt Colonna den Führungsstil des Papstes in den Blick, der von nicht wenigen Vatikanmitarbeitern als autokratisch und herrschsüchtig charakterisiert wird. Ein Priester, der als Franziskus-Fan begann, meint: „Bergoglio teilt die Kirche in jene, die mit ihm sind, und jene, die gegen ihn sind – und wenn er vermutet, dass man sich unter den Letzteren befindet, dann wird er sich rächen“ (zit. 213). 

So praktiziert er ein System von Bestrafungen, denen nicht nur die Kardinäle Gerhard Ludwig Müller (siehe Foto) und Raymond Burke zum Opfer fielen (Kardinal Robert Sarah wurde durch den Austausch seines Mitarbeiterstabes isoliert), sondern auch „widerständische“ Weggefährten aus argentinischer Zeit, wie der abgesetzte Erzbischof von Rosario José Luis Mollaghan oder der zum Rücktritt veranlasste Bischof Oscar Sarlinga von Zarate.

Dem entspricht ein an „peronistische Vetternwirtschaft“ (209) erinnerndes Günstlingssystem, dessen sich etwa der päpstliche Zeremoniar Guillermo Karcher, der persönliche Sekretär Fabián Pedacchio, aber auch höhere „Tiere“ wie der (schon genannte) „willige […] Handlanger“ Erzbischof Becciu, „der Mann für die Drecksarbeit des Papstes“ (211), erfreu(t)en, nicht zu vergessen der „Kriecher“ Kardinal Coccopalmerio, das „Schlitzohr“ Kardinal Calcagno oder Kardinal Baldisseri, der „gewiefte […] Manipulator der ‚Barmherzigkeit‘ während der Familiensynode“ (212).

Der Kontrolle dient dem Papst sein Einzug in die (für zwei Millionen Euro umgerüsteten) Räume des Gästehauses Santa Marta, wo er die Kardinäle in seiner Nähe hat, im öffentlichen Speiseraum zu Mittag isst und dabei Informationen aus den einzelnen Abteilungen des Vatikans erhält. Durch Zurechtweisung, (drohende) Entlassung oder Schmälerung des Einflusses hält er seine Mitarbeiter vom Kardinal bis zum Monsignore auf Trab.

Im Gefolge der „Dubia“ und wachsender Vorbehalte gegenüber AL wurden Kritiker der päpstlichen Sicht abgebürstet und zum Schweigen gebracht. Erzbischof Vito Pinto (Rota-Dekan) regte den Entzug der Kardinalswürde an; Kardinal Cupich von Chicago verlangte, die Kardinäle müssten sich „bekehren“; Erzbischof Fisichella schlug bei der Eröffnung des „Jahres der Barmherzigkeit“ gar die Exkommunikation von Papstkritikern vor.

Dozenten und hochrangige Mitarbeiter mussten ihren Stuhl räumen. In Rom überwacht eine „Beobachterinitiative“ Lehrbetrieb und Veröffentlichungen des Instituts Johannes Paul II. auf deren Kompatibilität mit AL hin. Methoden der Observierung wurden ruchbar, als im März 2015 eine größere Abhöraktion in Autos, Büros und Privatwohnungen von Klerikern aufflog. Kurienangestellte sind sich sicher, dass ihre Telefone abgehört und ihre E-Mails systematisch ausspioniert werden. Ein Kardinal resümiert: „Im Vatikan fürchtet jeder Papst Franziskus, niemand respektiert ihn, von Kardinal Parolin an abwärts“ (zit. 221).

Nicht nur sinkende Popularitätswerte (die ihn am empfindlichsten treffen) scheinen dem Papst bewusst zu machen, dass er an Grenzen stößt. Sein Satz „Es ist nicht unmöglich, dass ich in die Geschichte eingehen werde als derjenige, der die katholische Kirche gespalten hat“(zit. 225) zeigt ein bemerkenswertes Maß an Selbsterkenntnis.

Aber zieht er auch die Konsequenzen daraus? Und wenn ja, welche?   

Als politischster Papst „seit Jahrhunderten“ (225), der gern als moralischer Führer des südamerikanischen Kontinents hervortreten wollte (Ivereigh), muss er einsehen, dass er mit Barack Obama seinen „Schirm“ auf Weltebene verloren hat. Statt der von ihm favorisierten Hilary Clinton (deren Wahlkampagne er über die APSA mitzufinanzieren angeordnet hatte) wurde Donald Trump US-Präsident, der sich als sein künftiger Gegenspieler zu etablieren beginnt.

Und der hat gute Karten gegen ihn in der Hand – die (im Detail noch nicht enthüllte) Überwachung des Konklaves 2013 durch die CIA soll der Kurie Alpträume bereiten. Ungemach droht ihr auch wegen der kriminellen Finanzstrukturen einschließlich Geldwäsche und Steuerbetrug, die jederzeit Anlass zur Intervention von staatlicher Seite bieten. Seit Jahresbeginn mehren sich die Anzeichen, dass der Papst selbst in Korruption und Vertuschung von sexuellen Missbräuchen verstrickt ist.

Verstörende Bilanz: Wohin steuert Papst Franziskus die Kirche?

Im Ganzen hinterlässt das Buch beim Leser einen verstörenden Eindruck. Die Fülle der gesammelten Fakten, unterfüttert mit zum Teil kompromittierenden Zeugenaussagen, fügt sich zum bedrückenden Bild eines Kirchenoberhaupts, das seiner Verantwortung in keiner Weise gerecht wird. Das trifft ihn umso härter, als es so gar nicht zu dem von den Medien präsentierten lächelnden, verständnisvollen, „pastoral“ den Menschen zugewandten Pontifex passt.

Im Lauf des Buches durchschaut er, dass das mediale Franziskus-Bild einer vorgeprägten Sicht entspringt: Mit seinem (aus dem Kontext gerissenen) Satz „Wer bin ich, dass ich (ver)urteile“, der von der Homosexuellenbewegung vereinnahmt wurde, schien er deren „Gleichstellungs“-Forderung und einem weitverbreiteten Bedürfnis der säkularen Gesellschaft nach moralischer Selbstrelativierung der katholischen Kirche entgegenzukommen; in der Praxis erwies er sich als „Killer“ jedweden Anspruchs und Maßstabs.

Ebenso entspricht er mit der Fokussierung auf Umwelt- und Klimaschutz, seinem (rhetorischen) Einsatz für die „Ränder“, Arme und Migranten der Zeitgeist-Agenda, den Vorstellungen der politischen Klasse und des globalen Establishments.

Bestürzend wirken vor allem charakterlichen Defizite: Vulgäre Sprache, Wutausbrüche, gezielte Täuschung, Vergeltungsbedürfnis, Verschlagenheit, ungerechte Behandlung der Mitarbeiter, üble Machtspiele qualifizieren nicht für ein vorbildliches Pontifikat.

Geradezu auf den Kopf gestellt wird vom Papst die (katholische) Moral mit der neuen Maxime der absolut gesetzten „Barmherzigkeit“ Gottes, die jeden Sünder freispricht, ihm keine Anstrengung der Besserung auferlegt (und ihn daher auch nicht zur Umkehr bewegt), vielmehr geeignet ist, sein lasterhaftes „Ich will so bleiben, wie ich bin“ zu verstetigen.

Umgekehrt werden die um Erfüllung der göttlichen Gebote Bemühten zurechtgewiesen und des Pharisäertums, des Legalismus, der Herzensverhärtung, der Engstirnigkeit geziehen, wenn sie diese selbstverständlich als allgemeingültigen Maßstab verstanden wissen wollen; so wird das Streben nach Sittlichkeit entmutigt.

Lehrmäßig hat der Papst mit AL die Unauflöslichkeit der Ehe infrage gestellt, den deutschen Streit um Kommunionzulassung evangelischer Partner in Mischehen lässt er weiterschwelen. Anderseits wecken sein Nichteinschreiten als höchste Lehramtsautorität angesichts von Bischöfen, Priestern und Theologen offen vertretener Häresien und seine Duldung der sich weltweit beschleunigenden Disziplinlosigkeit in der Kirche Zweifel, inwieweit er auf diesen Feldern noch steuern möchte.

Mit Sorge erfüllt sein unbekümmerter Umgang mit führenden klerikalen Homo-Aktivisten bis hin zu (praktizierenden) homosexuellen Bischöfen/Kardinälen, deren er sich zu seinem Vorteil bedient. Wann diese einflussreiche Gruppe auch eine Änderung der kirchlichen Lehre erreichen wird, scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. Gleichgültigkeit bekundet er in der Liturgie (soweit es den Novus Ordo betrifft, der alte Ritus gilt als obsolet); Zeichen mangelnder Ehrerbietung vor dem Allerheiligsten nähren den Argwohn hinsichtlich seines persönlichen Glaubens.

Am vielleicht erschreckendsten ist das Ausmaß, in dem sich der „Stellvertreter Christi“ von seiner Verantwortlichkeit gegenüber den Menschen und Gott gelöst hat. Dem „Geruch der Schafe“, ein  „aufgetragenes Duftwasser“ (50), entwöhnt, ist er in eine Eigenwelt entstiegen, in der er niemandem für nichts (mehr) Rechenschaft zu schulden glaubt.

Sein Satz „Ich bin der Papst, ich brauche keine Gründe für meine Entscheidungen anzugeben“ (zit. 213) hat eine gefährliche Dynamik entwickelt, die vor nichts haltzumachen scheint: Verletzung von Gesetzen und Regeln, Despotie, Missachtung von Missbrauchsopfern, eigenmächtige Änderung der Lehre und des Katechismus (Todesstrafe), Eingriff ins Vaterunser (6. Bitte?)… Für wen hält sich Papst Franziskus?

Als gravierende Mängel des Buches sind einzig die äußere Form mit Grammatikfehlern, nicht (korrekt) zu Ende geführten Satzkonstruktionen sowie jeder Menge fehlender Komas und die schwache, zum Teil unklare bis fehlerhafte Übersetzung erwähnenswert, was nicht selten von der Übernahme nicht bedeutungsgleicher Fremdwörter ins Deutsche herrührt. (Statt „Approbation der Affäre“ z. B. muss es heißen „Billigung der Angelegenheit/des Vorgangs/Vorgehens“; vgl. 183.)

Da empfiehlt es sich, das englische Original gegenzulesen, wie dem Verlag auch für weitere Auflagen ein Nachlektorat anzuraten ist. Die Erzählweise dagegen ist spannungsreich und fesselnd, wobei ein Grundwissen der Materie das Verstehen erleichtert.

Von einigen polemischen Spitzen abgesehen, ist der Schreibstil Colonnas meist sachlich, gelegentlich anklagend. Dank des überreichen „Beweismaterials“ hat er es nicht nötig, den Leser in eine Richtung zu drängen. Dieser weiß am Schluss die richtigen Schlüsse selbst zu ziehen.


Mutiger Glaubenszeuge: Pater Alfred Delp

Im Januar 1945 begann vor dem Volksgerichtshof unter Roland Freisler der Prozess wegen Hochverrats. Am 11. Januar wurde der Beschuldigte, Alfred Delp, zum Tode verurteilt. Am 2. Februar 1945 wurde der Jesuit im Gefängnis in Berlin-Plötzensee erhängt.  

Am 15. September 1907 wurde Alfred Delp in Mannheim geboren. Katholisch getauft, dann protestantisch erzogen, prägt ihn in der Jugend der katholische Bund Neudeutschland. Nach dem Abitur 1926 tritt Alfred Delp in den Jesuitenorden ein, wo seine intellektuelle Begabung geschätzt wurde. Als Erzieher und Lehrer wirkte er am Jesuiten-Kolleg St. Blasien im Schwarzwald.

1937 wurde er zum Priester geweiht, wirkte als Arbeiterseelsorger und als Publizist bei der von Jesuiten herausgegebenen Monatszeitschrift „Stimmen der Zeit“, die 1939 staatlich verboten wurde. Nach dem Verbot sowie der Enteignung des Redaktionsgebäudes durch die NS-Diktatur zog er sich nach München-Bogenhausen zurück.

Früh hatte sich Pater Delp kritisch mit dem Nationalsozialismus auseinandergesetzt. 1941 begegnete er Graf von Moltke, der ihn für seinen „Kreisauer Kreis“ gewann. Der Geistliche erarbeitete die Grundlinien einer katholischen Soziallehre und stellte Kontakte zu Münchener Widerstandskreisen her. Nach Stauffenbergs Attentat vom 20. Juli 1944 wurden die Mitglieder des Kreises verhaftet. Im Gegensatz zu anderen Kreisauern war Pater Delp nicht an den eigentlichen Umsturzplänen beteiligt.

Der Geistliche wurde am 28. Juli festgenommen und in die Berliner Strafanstalt Tegel gebracht, schwer misshandelt und gefoltert. Nach seinem Tod wurden die gesammelten Aufzeichnungen und Briefe aus dem Gefängnis unter dem Titel Im Angesicht des Todes“ veröffentlicht.

Quelle und vollständiger Bericht hier: http://www.bistum-regensburg.de/news/wo-konflikt-ist-muss-gefochten-werden-jahrestag-der-hinrichtung-alfred-delps-sj-5208/


Kardinal von Galen und die neubelebte Citypastoral der St.-Clemens-Kirche in Berlin

Von Lucia Tentrop

Dieser Artikel entstand auf Wunsch meiner Heimatgemeinde St. Cornelius und Cyprian in Lippetal-Lippborg, einem Stammsitz der Familie von Galen. Die in meinem Bericht beschriebene St.Clemens-Kirche in Berlin wurde von dem Kardinal Clemens August Graf von Galen gegründet. Diese Kirche erstand damals gegen eine gesellschaftliche Unterdrückung unseres Glaubens mit einem besonderen pastoralen Konzept und ist auch heute wieder dank eines besonderen Konzepts ein Zeichen der Hoffnung. 

  1. Gründung und Aufstieg

In Berlin gibt es eine Kirche, dessen Pfarrer immer aus dem Bistum Münster stammt. Das ist ist die St. Matthias-Kirche in Berlin-Schöneberg. Der westfälische Stifter dieser Kirche hat das um 1860 so bestimmt. Seinem Wunsch wird heute noch entsprochen. Einer der Geistlichen, die aufgrund dieser Regel nach Berlin versetzt wurden, war 1906 Clemens August Graf von Galen, der spätere Kardinal und „Löwe von Münster“,  der u.a. wegen seines mutigen Einsatzes gegen den Nationalsozialismus selig gesprochen worden ist.

Seinen Neffen Bernhard von Galen, der in meinem Heimatdorf Lippetal ansässig war, habe ich noch mit über 90 Jahren mit dem Auto durch unser Dorf kurven bzw. an der Lippborger Hauptstraße gefährlich wenden gesehen.

Die Versetzung des jungen Priesters Clemens August nach Berlin fiel in die Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs in der Gründerzeit. Infolge der Industrialisierung der Städte im 19. Jahrhundert  strömten zahlreiche Wandergesellen und Handwerker nach Berlin, um hier Arbeit und Brot zu finden. Das war ein armseliges Leben.

Es gab nicht den heutigen Arbeits- und Gesundheitsschutz. Auch waren die aus ländlichen deutschen Gegenden stammenden Fremdarbeiter in überfüllten Elendsquartieren menschenunwürdig untergebracht. Katholiken hatten es besonders schwer. Es gab  kein Recht auf freie Ausübung der Religion. Der sogenannte Kulturkampf und das staatliche Verbot des Jesuiten-Ordens 1872 hatten ihre Lage als unerwünschte Minderheit in Berlin verschärft.

Deshalb gibt es in unserer Hauptstadt so viele katholische Kirchen, die sich wie normale Häuser in die Straßenfassade einfügen oder als Hinterhofkirchen versteckt haben.

In dieser trostlosen Situation dürfte es kein Zufall gewesen sein, dass Clemens August neben seinem Amt als Priester der Leiter des Gesellenvereins für ganz Berlin wurde. Er war nämlich von Haus aus sozial „programmiert“. Seine Familie war für ihre großzügigen Stiftungen bekannt, und sein Großonkel, der Bischof Emanuel von Ketteler, war im 19. Jahrhundert als „Arbeiterbischof“ ein Wegbereiter der katholischen Sozialbewegung gewesen. 

Auch Clemens August nahm das Anliegen von Adolf Kolping, den Wandergesellen wirtschaftlich zu helfen und sie religiös zu begleiten, als christlichen Lebensauftrag ernst.

Welcher sozial denkende Mensch unserer heutigen Zeit würde sich wohl mit 30 Jahren sein Erbe  auszahlen lassen und sich fortan auf sein regelmäßiges Gehalt beschränken, um in seinem Umfeld die Armut zu bekämpfen?  

Eben das nämlich tat der junge Priester von Galen. Bereits 1 Jahr nach seiner Ankunft in Berlin erwarb er ein Grundstück am Anhalter Bahnhof, von wo täglich Einwanderer in die Hauptstadt strömten. Dort ließ er ein Kolping-Hospiz mit Wohnraum für bis zu 400 Menschen bauen und gründete die nach dem Stadtpatron von Wien benannte St. Clemens-Kirche.   

Schließlich finanzierte er für „seine“ neue Kirche auch noch die Stelle eines 2. Kaplans.  Der von ihm gegründete Gebäudekomplex mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, die sich um die gut versteckte neue Hinterhof-Kirche herum gruppierten, entwickelte sich zu einer  architektonisch und funktional vorbildlichen kleinen Stadt in der Großstadt. Die Sorge um das seelische und soziale Leben der Handwerksgesellen wurde von der Kongregation der Grauen Schwestern unterstützt.

(Ein ähnliches Projekt für Frauen in Berlin, das den sozial kreativen Geist der katholischen Kirche um 1900 repräsentiert, ist das heutige Haus Helene Weber am Lietzensee, in dem ich lebe. Der 1903 gegründete Katholische Deutsche Frauenbund, dessen Hauptziel die damals noch unübliche Bildung der Frauen war,  schuf damit Wohnungen für 168  berufstätige Frauen jeder Konfession. Hier war für das religiöse und soziale Leben sowie für die Aus- und Fortbildung alleinstehender Frauen gesorgt. Schwestern der Caritas Socialis übernahmen die Betreuung. Heute ist es ein Mehrgenerationenhaus für Frauen. Wir haben eine Hauskapelle mit einem ehrenamtlichen  Hausgeistlichen, ein Bildungsprogramm sowie den sozialen Dienst einer inzwischen 90-jährigen Mieterin, einer Psychologin, die auf der Basis ihres christlichen Glaubens seit Jahrzehnten ihr Leben und ihr Vermögen der Hausgemeinschaft zur Verfügung stellt.)

So wurde die neo-romanische St. Clemens-Kirche mit ihrem Kolping-Hospiz das in Stein gehauene Idealbild der katholischen Sozialwegung in den Gründerjahren und nach jahrzehntelanger gesell- schaftlicher Verdrängung der katholischen Kirche in Berlin ein Zeugnis für die dem christlichen Glauben innewohnende Kraft zur Auferstehung. Sie gilt kunsthistorisch als Baudenkmal ersten Ranges. 1911 wurde sie eingeweiht.

Das riesige Altarbild ist ein anrührend lebendiges Mosaik des schlesischen Madonnenmalers Paul Plontke mit Jesus, dem Guten Hirten. Weil die Gegend am  Anhalter Bahnhof nicht nur ein Zentrum großstädtischen Vergnügens mit Tanzbars und Varietés, sondern auch der Regierungsbezirk war, beteten hier neben den Arbeitern und anderen Gläubigen auch Mitglieder des Reichstags  und der Regierungsbehörden miteinander.

Sogar der Apostolische Nuntius Eugenio Pacelli (siehe Briefmarken-Foto), der spätere Papst Pius XII., beichtete  regelmäßig bei dem Pfarrer Clemens August von Galen.

  1. Niedergang und Vernichtung

Nachdem 1917 das Jesuiten-Verbot aufgehoben worden war, übernahmen Jesuiten die St.-Clemens-Kirche. Ab 1941 wurden viele als Gegner des Nationalsozialismus (Kreisauer Kreis) erneut staatlich verfolgt. Sie wurden aus Deutschland ausgewiesen oder umgebracht.

Die Geheime Staatspolizei hatte keinen Sinn für die gemüthafte Bedeutung unserer Religion und nutzte die Kirche als Möbellager. Im letzten Kriegsjahr 1945 brannte die gesamte Umgebung von St. Clemens ab. Die Kirche selbst überstand den Brand, aber ihr Dach und die Orgel wurden bei Kämpfen um die Innenstadt zerstört.

Erst ab 1949 konnte wieder eine Heilige Messe darin gefeiert werden. Bis 1973 wurde sie dann erneut von  Jesuiten betreut und später von der kroatischen Mission übernommen.

Seit ca. 1970 erleben wir in Deutschland einen kulturellen Umbruch. In den letzten Jahrzehnten ging vieles an Kultur verloren, was ehemals sogar volkstümlich gepflegt worden war.

Als Sängerin und spätere Musiklehrerin habe ich den unter wissenschaftlichen und technischen Vorzeichen betriebenen Abbau unserer Kultur sehr bewusst miterlebt: Die von unserer Kultur emanzipierte und wissenschaftlich eigenständig gewordene Pädagogik übernahm die technisch gestützten Maßstäbe der internationalen Unterhaltungsmusik und brachte kaum noch Nachwuchs hervor, der den Ansprüchen unserer europäischen Musikkultur genügt.

Die vitale gesangliche Potenz der menschlichen Natur wurde durch technisch verstärkte Dekadenz übertönt. Unsere volksnahen Sänger und Musiker, ehemals die Brücke zur musikalischen Hochkultur, begannen auszusterben. Der Kirchengesang verlor seine körperlich-seelische Begeisterung, die den Glauben tragende Kraft des Gemüts. Die Kirchen  leerten sich. 

Unter der Herrschaft einer wissenschaftlich aufgewerteten öffentlichen  Meinung begann man, sich seiner Glaubenskräfte zu schämen. „Wenn die Götter sterben, nehmen sie ihre Lieder mit.“ –  Das gilt auch umgekehrt.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Wie wollen wir in unsere selbstvergessene Kultur den Zustrom von Einwanderern fremder Sprachen und Kulturen integrieren, der seit  Jahrzehnten in unser Land drängt? Haben Gesetze, Wohlstand und das verstaatlichte Sozial-Gefühl die Kraft, uns seelisch miteinander zu verbinden? Haben wir einen im Gemüt verankerten höchsten Wert, der die unterschiedlichen Wertvorstellungen der Kulturen übersteigt und uns zusammenhält?

Die gesellschaftliche Problematik unserer Zeit steht also den Problemen der Gründerzeit bzw. des Priesters Clemens August vor 100 Jahren keinesfalls nach. Im Gegenteil.

Damals kam die Unterdrückung des Glaubens nur von außen. Gerade die Zeit der wandernden Handwerker hat einen großen Beitrag zur Erweiterung unseres volkstümlichen Liedguts gebracht! In unserer christlichen Kultur waren Zeiten der äußeren Unterdrückung auch Zeiten gesteigerten Singtriebs (z.B. die Negro-Spirituals), denn Singen richtet auf. 

Angesichts unserer heutigen Religionsfreiheit kommt die Unterdrückung unserer Glaubenskräfte aber von innen. Unsere große Gefahr ist die Resignation. Diese Form der Selbstunterdrückung in einem freien Staat ist viel gefährlicher als ein äußerer Widerstand, denn einen inneren Rückzug der Kräfte erkennt man nicht so leicht. Die Zerstörung unseres kulturellen Potenzials von innen geschieht unbewusst. Das Kuschen vor der öffentlichen Meinung ist nur die äußere Folge unseres verblassenden kulturellen Selbstgefühls.

Die gesanglich gestimmte und erhobene Seele ist seit der griechischen Antike die Basis der abendländischen Geisteswelt.  Wie wäre es, wenn unsere Kirchengemeinden am Symptom des eingeschüchterten Singens ansetzen und in offenen Singgruppen die volksnahen melodischen Lieder unserer eigenen und der weltweiten christlichen  Kultur – z.B. der Zeit des Kardinals von Galen – singen würden?

Singen richtet auf und befreit. Wer singt, gibt sich nicht auf. Räume haben wir ja genug. Jeder kann mitmachen, egal, woher er kommt und wie er singt.  Wo instrumentale Begleitung fehlt, gibt es Musik-Aufnahmen zum allgemeinen Mitsingen.   

Unter der Selbstherrlichkeit von Wissenschaft und Technik leeren sich unsere Kirchen – und werden verkauft. 2007 musste man die St. Clemens-Kirche aufgeben. Sie wurde von einem moslemischen Investor übernommen. Das war für die mit dem Engagement eines großen Einzelnen geschaffene christlich-soziale Insel das endgültige Aus.

  1. Auferstehung zu neuem Leben

Aber im Gegensatz zu anderen sterbenden Kirchen erlebte die St.Clemens-Kirche als Einzige eine Auferstehung! Ganz unerwartet – und sofort nach ihrem Verkauf:

Da hatte sich nämlich ein Förder-Verein gegründet, der die Kirche retten wollte – und es kamen indische Vinzentiner-Patres nach Deutschland, die einen Wirkungskreis suchten. Also mietete man die St. Clemens-Kirche von ihrem Käufer zurück und übergab sie den Vinzentinern. Die legten sofort los.

Im Mai 2007 hatten sich bereits 7 Christen zusammengefunden, ein indischer und ein deutscher Priester, eine Rentnerin und eine Sekretärin, ein Archivar, ein Jurist und ein Lobbyist. Damit wurde St. Clemens vom Berliner Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky wieder eröffnet und erlebt seitdem nochmals einen Aufstieg wie unter ihrem Gründer Clemens-August von Galen:

Diesmal waren es nicht deutsche Handwerker, sondern Polen, Kroaten, Südamerikaner, Afrikaner, Koreaner und andere Einwanderer, die sich in Berlin fremd fühlten und hier zusammen mit uns unseren gemeinsamen Glauben leben wollten.  In dieser bunten Mischung und mit einem neuen Konzept begann im sog. „gottlosen“ Berlin eine Kirche zu boomen! 

Die St. Clemens-Kirche  ist ein „Haus der Ewigen Anbetung“. Sie versteht sich als „Ort der Gnade“ in der Großstadt. Sie ist rund um die Uhr geöffnet. Warum? In einer Stadt, in der sogar Fitness-Center dazu übergehen, ihren Mitgliedern die Räume 24 Stunden lang offen zu halten und man in der Öffentlichkeit ebenfalls 24 Stunden lang seinen körperlichen Hunger und Durst stillen kann, wäre es absurd, das Angebot für die seelische Fitness geringer zu bewerten.

In St. Clemens stehen 3 Priester den Menschen auf Abruf per Glocke in ihren Sorgen und zu Gesprächen zur Verfügung. Man kann ganztägig beichten. An jedem Wochenende sind Exerzitien. Dazu gibt es spezielle Angebote wie Nachtvigil, Jugendprogramme, Familientage, Bibeltagungen, Barmherzigkeits-Sonntage u.a.m. Meine Freundin Margot, die regelmäßig dorthin fährt, kommt meistens erst nachts zurück.

Wer früh aufsteht, kann morgens um 8 Uhr mit der Laudes beginnen. Täglich werden zwei Heilige Messen gefeiert, abends mit Musikprogramm. Nachmittags ist eine Barmherzigkeitsstunde, dann Rosenkranz in mehreren Sprachen, danach sind an Wochenenden regelmäßige Vorträge.

Man betet und singt zusammen. Man kann sich dort bei einem Kaffee kennenlernen. Man begegnet sich. Die Veranstaltungen der 24-Stunden-Kirche sind  immer gut besucht. Sie ist jederzeit für Jeden offen. Die Menschen kommen aus verschiedensten  Milieus. Manche besuchen mehrere religiöse Gemeinschaften und holen sich aus dem Berliner Angebot heraus, was sie brauchen oder was ihnen in ihrer  Kirchengemeinde fehlt. Obwohl die in einem Hinterhof versteckte St. Clemens-Kirche schwer zu finden ist, knieen dort mitten in der Nacht Menschen zur Anbetung. An Werktagen hat sie durchschnittlich 200 Besucher täglich, an Wochenenden wesentlich mehr.

Die St. Clemens-Kirche ist eine Insel der Seligen in Berlin. Sie will Signale aussenden. Sie will Mut machen: Gebt Euch nicht auf! Hier sieht man doch, dass die Menschen kommen und die Heiligen Messen wieder voll sind! Hier wird sogar mitten in der Nacht öffentlich gebetet! Hier erlebt man, wie Menschen eben doch noch spüren, dass es etwas gibt, was uns von unserer Fixierung auf das materielle Dasein und der daraus entstehenden Plünderung unseres Erdballs erlöst.  

In diesem Jahr feiert die neu eröffnete St. Clemens-Kirche ihr 10-jähriges Jubiläum. Obwohl sie einschließlich der Miete und laufenden Kosten von Spenden finanziert wird, hat sie es zu diesem Anlass geschafft, ihre Räumlichkeiten in gut erreichbarer Nähe um ein Exerzitienhauses zu erweitern.

Hier können Veranstaltungen stattfinden und Besucher und Besucherinnen sogar übernachten. Wer hätte vor 10 Jahren an so etwas zu denken gewagt? Das hätte man als Utopie, als „Wunder“, auf das es sich nicht zu warten lohnt, bezeichnet. Aber der Glaube gegen den Niedergang war größer als die Macht des Zusammenbruchs (Mt 22,9-10).

Vielleicht gibt es ja doch so etwas wie den Geist eines Hauses. Ich glaube an so etwas. Ich glaube sogar, dass der kraftvolle Geist, der dieses Haus vor einem Jahrhundert gegründet hat, immer noch derselbe ist.

Hier geht es zur Internetpräsenz unserer Autorin Lucia Tentrop aus Berlin: http://www.Lucia-Tentrop.de


Jesuiten beklagen: Indischer Staat Gujarat verbreitet Extremismus in Schulbüchern

Die Regierung des indischen Staates Gujarat verbreitet hinduistischen Extremismus und Nationalismus unter Schulkindern:

Die neuen Bücher für die rund 42.000 Grund- und Mittelstufenschulen basieren radikal-hinduistischen Prinzipien, die Hass und Gewalt verbreiten. Dies beklagt der Leiter von “Prashant”, des Zentrums für Menschenrechte, Gerechtigkeit und Frieden, in Ahmededabat (Gujarat), Pater Cedric Prakash SJ. ImageHandler.ashx

Per Rundschreiben vom 30. Juni 2014 führt der Staat Gujarat neun Schulbücher ein, an deren Entstehung Dina Nath Batra, Gründer der Akademie “Shiksha Bachao Andolan Samiti”, mitwirkte, der sich für den Erhalt der hinduistischen Kultur und Religion einsetzt.

Er gilt als Bezugspunkt für gewaltbereite Gruppen, welche die Hindutva-Ideologie verbreiten.

Diese Kräfte, so Pater Prakash gegenüber dem Fidesdienst, “wollen das staatliche Bildungssystem manipulieren”.

Die Bücher wurden erstmals im Januar 2014 veröffentlicht und vom damaligen Premierminister des Staates Gujarat, Narendra Modi, der inzwischen indischer Ministerpräsident ist, gelobt. “Sie lagen dann bis nach der Wahl auf Eis gelegt, und werden nun still und heimlich in den Schulen eingeführt”, so der Jesuit.

“Die Schulbücher enthalten zahlreiche Mythen, Vorurteile und Aberglauben mit groben Verzerrungen und Manipulierungen“, erklärt Pater Prakash besorgt.

Nach Ansicht des Jesuitenpaters verstoßen die Texte gegen die Artikel 28 und 29 der Vereinten Nationen über die Rechte der Kinder.

Deshalb fordern die Jesuiten in Prashant die Zivilgesellschaft zu “ausdrücklichen Protesten” auf, damit die Einführung dieser Bücher in staatlichen Schulen rückgängig gemacht wird.

Quelle: Fidesdienst / Foto: Open Doors


Pater Klaus Mertes SJ und seine eigene „Instrumentalisierung“ der Mißbrauchsdebatte

Wer mißbraucht das Mißbrauchsthema für fremde Zwecke?

Mitte September 2013 berichtete Radio Vatikan, daß der in der Medienwelt als „Aufklärer“ vielgerühmte Jesuitenpater Klaus Mertes die kritische Debatte um frühere Skandale und pädosexuelle Forderungen bei den Grünen kritisiert.

Und warum gefiel dem katholischen Geistlichen diese  – immerhin seit Jahrzehnten überfällige  –  Aufklärung und Kontroverse nicht?

Der heutige Leiter der Jesuitenschule Sankt Blasien im Schwarzwald wandte sich wie folgt gegen die Thematisierung der grünen Vergangenheit im Wahlkampf:

„Mich ekelt jede Form der Instrumentalisierung dieses Themas und jede damit verbundene Selbstgerechtigkeit schlicht an.“

Pater Mertes hat damit die grüne Partei massiv in Schutz genommen, obwohl es sich bei jener Debatte um eine  – auch durch wissenschaftliche Archiv-Forschung fundierte  –  Sachauseinandersetzung handelte, die von Opferschutzverbänden ausdrücklich begrüßt wurde, zB. von „NetzwerkB“, einem der größten Interessensverbände von Betroffenen sexuellen Mißbrauchs.

BILD: Unser Buch-Tip: „Die missbrauchte Republik“

Da sich der Jesuit so vehement gegen jede „Instrumentalisierung“ der Mißbrauchsthemas wendet, hätte man gerne gewußt, warum gerade er kürzlich genau diese Debatte (die durch unqualifizierte UNO-Attacken gegen die Kirche erneut angeheizt wurde) zum Anlaß nahm, um Erzbischof Gerhard L. Müller wüst zu attackieren und den Präfekten der Glaubenskongregation in einem geradezu flegelhaften Ton zum Rücktritt aufzufordern.

NÄHERES dazu siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2014/02/07/feldzug-gegen-rom-pater-klaus-mertes-sj-attackiert-glaubensprafekt-gerhard-l-muller/

Während es sich bei der Debatte um die grüne Pädosex-Phase der 80er Jahre im wesentlichen um eine SACH-Auseinandersetzung handelte, die P. Mertes aber gleichwohl ekelhaft findet, hat er selber die aktuelle Mißbrauchs-Diskussion dazu vereinnahmt, um sogar eine PERSON anzugreifen, noch dazu einen besonders engen Mitarbeiter des Papstes, nämlich Kurien-Erzbischof Gerhard L. Müller.

Auszeichnung durch die SPD

Erinnern wir uns aber, daß P. Mertes vor ca 2 Jahren für seine „Aufklärungsarbeit“ mit dem Gustav-Heinemann-Bürgerpreises der SPD ausgezeichnet wurde. Angesichts der antikirchlichen Ausfälle des Jesuiten ist diese Ehrung nicht weiter erstaunlich.

Nach dem Ausbruch der Medienwelle in puncto Mißbrauch ließ sich der Berliner Ordenszweig laut einer dpa-Meldung übrigens Folgendes einfallen:

“Für Aschermittwochabend haben die Jesuiten anlässlich der Missbrauchsfälle in ihren Gymnasien zu einem Gebet in die Kirche Maria Regina Martyrum in Berlin-Plötzensee eingeladen. «Wir möchten in stillem Gebet vor Gott und der Öffentlichkeit unsere Scham und Trauer ausdrücken über die Schuld einzelner Jesuiten und die Katastrophe des institutionellen Wegsehens.”

Man beachte: Hinsichtlich des eigenen Ordens wurde durchaus zu Recht betont, daß es sich um die Schuld “einzelner” Jesuiten handelt;  doch dann ist von der “Katastrophe” des “institutionellen” (!) Wegsehens die Rede  –  eine Anschuldigung, die sich gegen die Kirche als solche richtet, nicht nur gegen einzelne Kirchenvertreter.

Schadenfreude über „anhaltenden Tsunami“

Drei Monate nach seiner “Enthüllungs”-Aktion konnte man in einer Meldung von “Radio Vatikan” am 4.4.2010 erfahren, wie sehr sich Pater Mertes offenbar über den Tsunami  freute, der über die Kirche hereinbrach:

“Der Direktor des Berliner Canisius-Kollegs, der Jesuit Klaus Mertes, ist beeindruckt von der anhaltenden Intensität der Debatte über den Missbrauch durch katholische Priester.

In einem Gastbeitrag für den Berliner „Tagesspiegel am Sonntag“ schreibt Mertes (…),  er könne zwar noch nicht ermessen, wie groß die Lawine sei, die über die Kirche hinwegfege, doch es beeindrucke ihn, „die Kraft, die das Wort der Opfer hat“. Es habe eine Lawine zum Rollen gebracht und halte sie am Rollen.

Alle Versuche der Angesprochenen, sich der Wucht der Lawine zu entziehen, führt der Berliner Jesuit aus, erwiesen sich als ohnmächtig. Im Gegenteil, sie verstärkten die Lawine.“

Die schadenfrohe Genugtuung darüber, daß die eigene antikirchliche Strategie voll aufgegangen war, ist hier unüberhörbar.

Dabei ist klar, daß es Mißbrauchsfälle wie Vertuschungsvorgänge innerhalb der Kirche gab und gibt  – und daß dies alles aufgeklärt werden mußte und weiter muß.

Ebenso klar ist aber, daß die “Aktion Aufdeckung” für Pater Mertens offenbar eine taktische Flucht nach vorne war  – frei nach der Devise: Lieber darüber selber die Kontrolle behalten, bevor es andere tun.

Zudem zielte die Initiative besonders darauf ab, seine Kirchenkritik wirksam an den Mann und die Medien zu bringen und seinen modernistischen “Reformen” (z.B. Abschaffung des Zölibats, Einführung des Frauenpriestertums, Ja zur Homosexualität) durch das öffentliche Mißbrauchsgetöse mehr Gehör zu verschaffen.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

ERGÄNZENDER BEITRAG: https://charismatismus.wordpress.com/2014/02/07/feldzug-gegen-rom-pater-klaus-mertes-sj-attackiert-glaubensprafekt-gerhard-l-muller/


Feldzug gegen Rom: Pater Klaus Mertes SJ attackiert Glaubenspräfekt Gerhard L. Müller

Von Felizitas Küble

Der Jesuit Klaus Mertes kritisiert seit vielen Jahren die Sittenlehre der katholischen Kirche, zumal ihre Sexualethik und hierbei vor allem die Ablehnung homosexueller Handlungen. Als Direktor des Berliner Canisius-Gymnasiums hat er ökumenische Homosexuellen-Gottesdienste in Potsdam zur Vorbereitung von CSD-Paraden mitgestaltet.

Durch seine vermeintliche „Aufdeckung“ von Mißbrauchsfällen im eigenen Jesuitenorden (zunächst bezogen auf das Canisiuskolleg) stieg der Geistliche schnell zum allseits gepriesenen Liebling der Medien auf, zumal er seine „Aufklärung“ mit grundsätzlichen Angriffen gegen die katholische Morallehre verknüpfte, was im Blätterwald äußerst gut ankam. AL-0005

P. Mertes hat sich jetzt gegenüber dem als betont kirchenkritisch bekannten „Kölner Stadtanzeiger“ in einer Weise gegen Glaubenspräfekt Gerhard Ludwig Müller (siehe Foto) geäußert, die selbst für heutige „liberale“ Jesuitenverhältnisse reichlich aus dem Rahmen fällt (siehe HIER), wobei er de facto sogar den Rücktritt des obersten Glaubenshüters der katholischen Weltkirche fordert.

Romtreue Gläubige stellen sich allmählich die Frage, wie lange es noch dauert, bis P. Klaus Mertes auch dem Papst selbst die Amtsniederlegung vorschlägt…

Das bekannte Sprichwort „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen“ sollte sich der Ordensgeistliche dick hinter die Ohren schreiben. Tatsache ist nämlich, daß die von P. Mertes im Januar 2010 „aufgedeckten“ Mißbrauchsfälle ordensintern schon seit Jahren bekannt waren.

Der Jesuit ging offenbar nicht zuletzt deshalb an die Öffentlichkeit, um aus der Not gleichsam eine Tugend zu machen, sich als großartiger „Saubermann“ feiern zu lassen und seine Aktion mit zahlreichen Vorwürfen gegen die katholische Kirche zu garnieren, was seine Beliebtheit noch steigerte.

Vertuschung z.B. in der Causa P. Bernhard Ehlen 

Hier folgt ein Vertuschungs-Beispiel (stellvertretend für zahlreiche weitere) durch die Jesuitenleitung:

Pater Bernhard Ehlen war Gründer und bis 2006 auch Geschäftsführer der in Medien vielgeschätzten Initiative „Ärzte für die Dritte Welt“, die tausende Mediziner in Entwicklungsländern aussandte. Die Schauspielerin Maria Furtwängler war Präsidentin des Vereins-Kuratoriums. 

Doch der Geistliche hatte in den 70er Jahren als Lehrer mehrfach Schüler mißbraucht (dies ist unstrittig und wurde von ihm selber eingeräumt). Über P. Ehlens sexuellen Untaten wußte die deutsche Jesuitenleitung bereits seit 2005 intern Bescheid. Aber erst Ende Januar 2010  –  also  n a c h  der öffentlichkeitswirksamen „Aufdeckung“  –   wurde Pater Ehlen suspendiert (von seinen priesterlichen Funktionen entbunden).

Warum erfolgte denn die Suspension des Geistlichen, der heute im Seniorenheim der Jesuiten in Köln wohnt, nicht bereits 2005, nachdem die Jesuitenleitung intern davon wußte? 

Schon damals stellte sich die ernste Frage, mit welch merkwürdiger Logik Pater Mertes derart unseriös und dreist (re)agieren kann:

Erst wird das Ansehen der Kirche durch die Mißbrauchsfälle im Jesuitenorden massiv beschädigt, danach entsteht weiterer Schaden durch jene, die vorher jahrelang vertuscht haben, indem sie jetzt nach der Devise „Haltet den Dieb“ die Kirche wegen ihrer Sittenlehre angreifen.

Dabei steht eines fest: Hätten sich jene Täter-Priester an die katholische Moral gehalten, dann wäre es zu den schändlichen Vorfällen gleich gar nicht gekommen.

Hochmut kommt bei P. Mertes sogar  n a c h  dem Fall

Es ist aber geradezu zynisch, die geschädigte Kirche obendrein weiter anzugreifen, statt sich zerknirscht ins letzten Eck zu verdrücken. Mir fällt hier ein weiteres Sprichwort ein: „Hochmut kommt vor dem Fall“  –  aber bei Pater Mertes  & Co. kommt der Hochmut sogar  n a c h  dem Fall…!

Die Vorgangsweise der Jesuitenleitung trägt ohnehin deutliche Züge eines abgekartetes Spiels, bei dem es weniger um die Opfer geht, auch nicht so sehr um eine konsequente Bestrafung von Tätern, sondern offenbar vor allem modernistische „Kirchenpolitik“.

Genauer gesagt: Ziel war es, jene „Mißbrauchsfälle“, die ohnehin eine „Zeitbombe“ darstellten, in einer Weise „aufzuklären“, die sich zugleich mit Attacken gegen die kirchliche Sexuallehre kombinieren ließ  –  und dem Jesuitenorden immerhin noch den ehrenvollen Ruf einbrachte, tolle Super-Saubermänner und äußerst respektable Aufdecker zu sein.

FAZ über P. Klaus Mertes: „Maßlose Polemik“

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hatte dieses strategische Ränkespiel schon damals weitgehend durchschaut. Am 13. Februar 2010 erschien ein aufschlußreicher Kommentar auf Seite 1 der FAZ: 

Patrick Bahners schreibt dort unter dem Titel „Die Dynamik eines Skandals“ über Pater Mertes, dieser verknüpfe seine Aufklärungsaktionen mit „maßloser Polemik gegen die kirchliche Lehre und die kirchlichen Autoritäten“.

Sodann heißt es in jenem Leitartikel weiter: „Mertens nimmt Anstoß an der Unschuldsvermutung… Die Unschuldsvermutung ist eine Minimalanforderung an jedes gerechte Verfahren, auch im kirchlichen Strafrecht.“  –  Der vorletzte Satz Bahners lautet:  „Die Feinde der Kirche glauben ohnehin, daß für das Personal dieser repressiven Anstalt die Schuldvermutung gilt.“

In vielen Sensationsblättern, aber teils auch in der sog. „Qualitätspresse“ wird bei unbewiesenen Anschuldigungen gegen Kirchenvertreter häufig eine Schuldvermutung statt der gebotenen Unschuldsvermutung zugrundegelegt.

Damit findet die Umkehrung eines entscheidenden Rechtsstaatsprinzips statt. Immer häufiger werden in Medienkampagnen wesentliche Rechtsgrundsätze beiseite geschoben, wenn es gilt, katholische Geistliche in Mißkredit zu bringen.

Felizitas Küble leitet das Christoferuswerk und den KOMM-MIT-Jugendverlag in Münster

DIESER ARTIKEL wurde auch auf der JOURNALISTEN-Watch veröffentlicht: http://journalistenwatch.com/cms/2014/02/08/feldzug-gegen-rom-pater-klaus-mertes-sj-attackiert-glaubenspraefekt-gerhard-l-mueller/

ERGÄNZENDER BEITRAG zur Causa P. Mertes: https://charismatismus.wordpress.com/2014/02/08/pater-klaus-mertes-sj-und-seine-eigene-instrumentalisierung-der-misbrauchsdebatte/

Foto: Bistum Regensburg