Unser Beistand beim Vater: Jesus Christus – ER ist die Sühne für unsere Sünden

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: 1 Joh 1,5-10.2,1-2:

Brüder! Das ist die Botschaft, die wir von Jesus Christus gehört haben und euch verkünden: Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm.
Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit IHM haben und doch in der Finsternis leben, lügen wir und sind nicht in der Wahrheit.
Wenn wir aber im Licht leben, wie ER im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut seines Sohnes Jesus reinigt uns von aller Sünde.
Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns.
Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist ER treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht.
Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns.
Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt.
Wenn aber einer sündigt, haben wir einen Beistand beim Vater: Jesus Christus, den Gerechten.
ER ist die Sühne für unsere Sünden, aber nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für die der ganzen Welt.

Aus der Kreuzweg-Andacht von Kardinal Ratzinger zum Karfreitag im Jahre 2005

.
„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht“ (Joh 12, 24). Der HERR deutet damit seinen ganzen irdischen Weg als Weg des Weizenkorns, der nur durch den Tod hindurch zur Frucht führt.
.
ER deutet sein irdisches Leben, sein Sterben und   Auferstehen auf die heiligste Eucharistie hin, in der sein ganzes Geheimnis zusammengefasst erscheint. Weil ER seinen Tod als einen Akt der Hingabe, der Liebe vollzogen hat, darum ist sein Leib in das neue Leben der Auferstehung hinein verwandelt worden. Darum ist ER, das fleischgewordene Wort, nun unsere Nahrung zum wirklichen, zum ewigen Leben hin…
.
So wird der Kreuzweg zu einem Weg ins eucharistische Geheimnis hinein: Die Volksfrömmigkeit und die sakramentale Frömmigkeit der Kirche verbinden sich und gehen ineinander.
.
Das Beten des Kreuzwegs ist so verstanden als ein Weg in die innere, geistliche Kommunion mit Jesus hinein, ohne die die sakramentale Kommunion leer bliebe. Der Kreuzweg erscheint als „mystagogischer“ Weg.

Glaube ist mehr als Gefühl

Diese Sicht steht einem bloss sentimentalen Verstehen des Kreuzwegs entgegen, deren Gefahr der HERR in der 8. Station den weinenden Frauen von Jerusalem entgegenhält. Blosses Gefühl reicht nicht; der Kreuzweg soll eine Schule des Glaubens sein – jenes Glaubens, der seinem Wesen nach „in der Liebe wirksam“ wird (Gal 5, 6).

Aber das bedeutet doch keinen Ausschluss der Gefühle. Die Väter haben als ein Grundlaster der Heiden ihre Fühllosigkeit angesehen; sie führen damit die Vision Ezechiels weiter, der dem Volk Israel die Verheissung Gottes weitergibt, dass ER das Herz von Stein aus ihrer Brust nehmen und ihnen ein Herz von Fleisch geben werde (Ez 11, 19)…

Der mit-leidende Gott, der Mensch wurde, um unser Kreuz zu tragen, will unser steinernes Herz verwandeln und uns zum Mit-leiden rufen; uns das „Herz von Fleisch“ geben, das nicht an der Not des anderen vorübergehen kann, sondern sich verwunden lässt und zur heilenden und helfenden Liebe führt.

Was NACHFOLGE bedeutet

Damit kehren wir wieder zurück zu Jesu Wort vom Weizenkorn, das er selber in die Grundformel christlicher Existenz übersetzt, die so lautet: „Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren ins ewige Leben“ (Joh 12, 25  – vgl. Mt 16, 25; Mk 8, 35; Lk 9, 24; 17, 33: „Wer sein Leben zu bewahren sucht, wird es verlieren; wer es dagegen verliert, wird es gewinnen“).

Damit sagt ER uns zugleich, was der Satz bedeutet, der in den synoptischen Evangelien diesem Zentralwort seiner Botschaft vorangeht: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Mt 16, 24).

In all diesen Worten zusammen deutet ER uns selber, was „Kreuzweg“ ist – wie wir ihn beten und gehen sollen: Der Kreuzweg ist der Weg des Sichverlierens, das heisst der Weg der wahren Liebe.

Diesen Weg ist ER uns vorangegangen, diesen Weg will uns der gebetete Kreuzweg lehren. Und damit sind wir wieder beim gestorbenen Weizenkorn – bei der heiligsten Eucharistie angelangt, in der immerfort die Frucht von Jesu Sterben und Auferstehen unter uns gegenwärtig wird… 

Quelle und FORTSETZUNG hier: https://www.papstbenediktxvi.ch/?m=7&s=6


ER ist der Urheber des ewigen Heiles geworden

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Hebr 4,14-16.5,7-9:

Brüder! Da wir nun einen erhabenen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, lasst uns an dem Bekenntnis festhalten.
.
Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfühlen könnte mit unserer Schwäche, sondern einen, der wie wir in allem in Versuchung geführt wurde, aber nicht gesündigt hat.
.
Lasst uns also voll Zuversicht hintreten zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit.
.
Als ER auf Erden lebte, hat er mit lautem Rufen und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und ER ist erhört und aus seiner Angst befreit worden.
.
Obwohl ER der Sohn war, hat ER durch Leiden den Gehorsam gelernt; zur Vollendung gelangt, ist ER für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden.

Landesrabbiner Navon im Dom zu Münster: Das Vaterunser verbindet Juden und Christen

Von Felizitas Küble

Es ist das wichtigste Gebet der Christenheit und angesichts von weltweit zwei Milliarden Getauften das bedeutsamste Gebet der Weltgeschichte: Das Vaterunser.

Dabei wurden die jüdischen Wurzeln dieses Gebets von kirchlicher Seite lange zu wenig beachtet.

Jesus Christus war (und ist) der Sohn der jüdischen Jungfrau-Mutter Miriam (Maria) und ER war – wie er eindeutig erklärte – „nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel“.

Erst nach seiner Auferstehung weitete ER seine Mission auf alle Völker aus und sandte seine Apostel in alle Welt: „Gehet hin und lehret alle Völker!“

BILD: Landesrabbiner Navon und Dompfarrer Köppen im Altarraum der Bischofskathedrale in Münster

Dieser universale Auftrag ändert aber nichts daran, dass unser Erlöser mit Leib und Seele seinem jüdischen Volke angehörte.

Von daher erstaunt es nicht, dass auch das Vaterunser ganz vom Geist und Glaubensleben der Israeliten geprägt ist, erwachsen aus den Geboten des Ewigen und den Gebeten der Synagoge.

Das Vaterunser enthält keine einzige Bitte, für die es nicht zugleich Entsprechungen in der hebräischen Liturgie, den Psalmen, Prophetenworten und der mündlichen Überlieferung gäbe.

Über die jüdischen Wurzeln des Vaterunsers haben wir im CHRISTLICHEN FORUM bereits im Jahr 2016 informiert: https://charismatismus.wordpress.com/2016/11/09/die-juedischen-wurzeln-des-vaterunser-gebets/

Am Mittwoch, den 3. April 2019, sprach der jüdische Gelehrte Dr. Moshe Navon – 1954 geboren in Sibirien – im Paulus-Dom von Münster, um dort eine Abendandacht zu halten und das Vaterunser aus jüdischer Sicht zu erläutern, vor allem die Anrufung: „Geheiligt werde Dein Name!“

Dr. Navon (siehe Fotos) ist Landesrabbiner der Liberalen jüdischen Gemeinde in Hamburg. Er arbeitete in vielen internationalen Bildungsprojekten und dozierte an Universitäten in Israel, Russland und den GUS-Staaten.

Der hohe Gast wurde von Dompfarrer Hans-Bernd Köppen um 19,30 Uhr begrüßt und damit dieser geistliche Themenabend über das Vaterunser eröffnet (siehe 3. Foto).

Der katholische Geistliche erläuterte dabei, wie sehr gerade dieses Gebet bei tieferer Betrachtung viele Gemeinsamkeiten von Juden und Christen aufzeigt – dies gilt zumal für die Heiligung des Namens Gottes, die bereits im dritten Gebot Gottes erwähnt wird: „Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen!“ – Positiv formuliert bedeutet dies: „Du sollst den Namen Gottes heilig halten.“ 

Der jüdische Gelehrte verdeutlichte sodann, dass diese Heiligung nicht nur in Worten   – etwa durch Gebete und Hymnen  –  geschehen, sondern auch durch Taten vollzogen werden soll. Unser ganzes Glaubensleben im Alltag diene der Ehre Gottes, der Heiligung seines Namens, denn Gottes Name JAHWE ist zugleich Ausdruck seines Wesens: Ich bin der ICH BIN. Der Ewige ist der Schöpfer des Alls und zugleich unser „Vater im Himmel“.

Die Vorstellung mancher Christen, die Anrede „Vater“ sei den damaligen Juden zur Zeit Jesu ganz fremd gewesen, es handle sich dabei um eine völlige Neuheit, trifft durchaus nicht zu. Schließlich ist unser Erlöser nicht isoliert zu sehen, sondern im Kontext seines jüdisches Volkes und Landes. Die Anrufung des himmlischen „Vaters“ findet sich sowohl im Alten Testament (Hebräische Bibel) wie auch im Gebetsleben der Synagoge.

Freilich hat Christus dieser Anrede durch das aramäische Wort „Abba“ (Väterchen, Papa) einen besonders vertrauten Klang verliehen und hierbei das Vatersein des Schöpfers stärker (als bei Juden damals üblich) ins Zentrum gerückt, indem er das Paternoster (Vaterunser) damit eingeleitet hat.

Dompfarrer Köppen und der Landesrabbiner sprachen abwechselnd nacheinander  – wie in einem Dialog  – Betrachtungen und Gebete, die zum Vaterunser passen: entsprechende Psalmen über die Heiligung des göttlichen Namens, Abschnitte aus der Tora (Fünf Büchern Moses), den Propheten und der jüdischen Gebetstradition, besonders der Amida (zentrales Gebet der Synagoge)

BILD: Spruch am Eingang der Synagoge in Münster: „Mein Haus ist ein Bethaus für alle Völker!“

Mehrfach sang der Rabbi zwischen diesen Betrachtungen hebräische Hymnen und Lobpreisungen Gottes.

Zudem wurden Worte Christi aus dem Neuen Testament vorgelesen, so zitierte Dr. Navon etwa folgende Aussage: „Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“ (Mt 11,30).

Der katholisch-jüdische Abend im Dom, der mit dem priesterlichen Segen Köppens beendet wurde, hat einmal mehr das reiche Fundament theologischer und spiritueller Gemeinsamkeiten zwischen Christen und Juden verdeutlicht, ohne dass die allgemein bekannten Unterschiede geleugnet worden wären.

Erfreulich war zudem, dass die Besucher der Andacht eine Broschüre mitnehmen konnten, die sich eingehend mit Inhalt und Ablauf des geistlichen Themenabends befaßt. Schade aber, dass darin das Buch nicht erwähnt wird, das Dr. Navon gemeinsam mit dem kath. Theologen Prof. Dr. Thomas  Söding schrieb:  „Gemeinsam zu  Gott beten  –  Eine jüdisch-christliche Auslegung des Vaterunsers.“

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 


Ein Leitwort des hl. Johannes vom Kreuz: GOTT sucht den Menschen

Von Pfarrer Felix Evershttps://charismatismus.files.wordpress.com/2017/04/image5.jpg

Der hl. Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz (1542 – 1591) war der geistliche Freund der heiligen Teresa von Avila: Ihn holte sie als Beichtvater und Spiritual der Ordensschwestern nach Avila in den Karmel, in dem sie selbst Priorin war.

Johannes vom Kreuz übte verschiedene Leitungsämter im Karmel aus, gründete Klöster, verfasste Schriften. 1591 wurde er aller Ämter enthoben und meldete sich für die Mission nach Mexiko. Doch die Überfahrt konnte er nicht mehr antreten: Am 14. Dezember 1591 starb er im andalusischen Úbeda.

Es kennzeichnet die Religiosität unserer Zeit, dass viel von Gotteserfahrung gesprochen wird. In ihrer Sehnsucht, Gott zu erfahren, nehmen viele Menschen große Mühen auf sich: Konzentrationsübungen, Fasten- und Diätvorschriften, Meditationskurse…

Manche meinen gar, irgendwo in Indien oder im Fernen Osten könne man viel besser als hier Gott nahekommen. Und sie geben reichlich Geld dafür aus. Hinter solchen Bemühungen steht die Vorstellung, dass man eine Erfahrung Gottes „machen“ könne, wenn man nur konsequent sei.

Die Folge solcher Art von Gottessuche sind nicht selten Rücksichtslosigkeit und Zwang und Druck gegenüber Andersdenkenden, die dem Bemühen um Gotteserfahrung im Wege stehen. Auf diese Weise wurde die Geschichte der Religionen weitgehend eine Geschichte von Rechthaberei und Intoleranz.

Johannes vom Kreuz hat mich gelehrt, dass jemand, der Gott erfahren will, nicht besondere aszetische Übungen auf sich nehmen oder in ferne Länder reisen muss. Nein, Gott ist einer, der uns sucht.

BILD: Christus als der Gute Hirte, der das verlorene Schaf sucht und findet

Im Gleichnis vom verlorenen Sohn rennt der Vater seinem heimkehrenden Sohn entgegen, weil er ihn immer voller Sehnsucht erwartet hat; der Samariterin begegnet Jesus am Jakobsbrunnen als Wanderer, der auf der Suche nach dem Menschen und seinem Glauben wie erschöpft und müde geworden scheint und eine Rast einlegt; wie der Hirte sucht Gott das eine verlorene Schaf und lässt die 99 übrigen zurück. Ja, dank Johannes vom Kreuz weiß ich: „Wenn der Mensch Gott sucht – viel mehr noch sucht Gott den Menschen!“ (aus seiner Schrift „Die lebendige Liebesflamme“ 3,28)

Zudem ist Johannes vom Kreuz der Patron der „dunklen Nacht“, also all derer, die in ihren Glaubenszweifeln meinen, Gott verloren zu haben. Er deutet solche stockdunklen Nächte scheinbarer Gottesferne als notwendige Erfahrungen der Reinigung von trügerischen Gottesbildern:

Nur wer diese Nächte aushält, findet im Anbruch eines neuen Morgens wirklich zu Gott, weil er von Gottesbildern befreit wurde, die letztlich darin bestehen, von Gott immer nur etwas zu wollen – und wenn Gott unsere Wünsche nicht erfüllt, zweifeln wir an seiner Existenz.

Deswegen lobt Johannes die Weisheit Gottes, sich scheinbar zu entziehen, und vergleicht diese „weise Pädagogik Gottes“ mit einer Mutter, die ihr Kind irgendwann loslässt, damit es selbst zu laufen beginnt.

 


Eine „Wolke von Zeugen“ umgibt uns

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Hebr 12,1-4:

Brüder! Da uns eine solche Wolke von Zeugen umgibt, wollen auch wir alle Last und die Fesseln der Sünde abwerfen. Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist, und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens.
.
ER hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt.
.
Denkt an den, der von den Sündern solchen Widerstand gegen sich erduldet hat; dann werdet ihr nicht ermatten und den Mut nicht verlieren. Ihr habt im Kampf gegen die Sünde noch nicht bis aufs Blut widerstanden.

Durch das Blut Jesu dürfen wir glaubensfroh in das Heiligtum Gottes eintreten

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Hebr 10,19-25:

Wir haben die Zuversicht, Brüder, durch das Blut Jesu in das Heiligtum einzutreten.
ER hat uns den neuen und lebendigen Weg erschlossen durch den Vorhang hindurch, das heißt durch sein Fleisch.
.
Da wir einen Hohenpriester haben, der über das Haus Gottes gestellt ist, lasst uns mit aufrichtigem Herzen und in voller Gewissheit des Glaubens hintreten, das Herz durch Besprengung gereinigt vom schlechten Gewissen und den Leib gewaschen mit reinem Wasser.
.
Lasst uns an dem unwandelbaren Bekenntnis der Hoffnung festhalten, denn ER, der die Verheißung gegeben hat, ist treu.
.
Lasst uns aufeinander achten und uns zur Liebe und zu guten Taten anspornen.
Lasst uns nicht unseren Zusammenkünften fernbleiben, wie es einigen zur Gewohnheit geworden ist, sondern ermuntert einander.
.