Schwärmertum: Warum Joel 3 und Apg 2,17 gerne mißdeutet werden

Von Felizitas Küble

Auf Gloria-TV hat eine erscheinungsbewegte Leserin einen Artikel gepostet und dabei ein bestimmtes Bibelwort vor lauter Begeisterung gleich zwei mal zitiert: https://gloria.tv/article/9meCzc6wed161BaYjheShU6QE

Es geht um folgende Stelle aus der Apostelgeschichte 2,17: „In den letzten Tagen wird es geschehen. Ich werde von Meinem GEIST ausgießen über alles Fleisch. Eure Söhne und eure Töchter werden Propheten sein, eure jungen Männer werden Visionen haben (…)

Was die Autorin freilich „übersieht“, ist die Tatsache, daß es sich bei diesem Wort aus dem NT um ein wörtliches Zitat aus dem Alten Testament (nämlich Joel 3,1 f) handelt, das in der Apostelgeschichte ausdrücklich auf die Ereignisse in Pfingsten bezogen wird.

Charismatische und visionsverliebte Kreise freilich deuten das Bibelwort gern auf sich selber bzw. ihre eigene Bewegung mit ihrer Fixierung auf Wunder und außergewöhnliche „Geistesgaben“.

Viele sagen sich: Ist diese Verheißung der Geistausgießung heute nicht wunderbar in Erfüllung gegangen? Gibt es nicht zahlreiche Prophetien, Träume, Visionen, „Geistesgaben“, höhere Erleuchtungen in Hülle und Fülle?

Derartige Auslegungen übersehen drei entscheidende Punkte:

1. Diese Ankündigung des Alten Bundes ist durch das Pfingstereignis bereits weitgehend erfüllt worden.  Der hl. Petrus selber verweist auf die Verheißung in Joel 3 (Apg 2,16 f) zur Erklärung des Geistausgießung in Jerusalem.

2. Nun gibt es tasächlich bei manchen Verheißungen eine Erst-Erfüllung und später eine Voll-Erfüllung: Doch die „Vollerfüllung“ dieser Prophetie wird nicht in der Christenheit geschehen, sondern inmitten des jüdischen Volkes, nachdem es sich zu Christus bekehrt. Über die endzeitliche Bekehrung Israels angesichts der Wiederkunft Christi berichtet Paulus in Röm 11,12 und 11,26.  –  Auch im Alten Testament ist dies Ereignis angekündigt: „Aber über das Haus Davids und über die Bewohner von Jerusalem gieße ich den Geist der Gnade und des Flehens aus und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben“ (Sach 12,10).

3. Daß es sich bei dieser Geistausgießung um ein Phänomen der Endzeit handelt, geht aus Joel 3 selber hervor, wenn es in diesem Zusammenhang heißt, dies geschehe, „bevor der Tag des HERRN kommt“ (Joel 3,4) und daß Gott dann das „Schicksal Judas und Jerusalems wenden wird“ (Joel 3,4).

Es war immer schon ein Kennzeichen schwarm- oder irrgeistiger Bewegungen, einzelne Bibelworte aus dem Zusammenhang zu reißen und ihnen eine irreführende Auslegung unterzuschieben.


Pfingstfestival mit 5000 Jugendlichen in Salzburg zeigt schwärmerische Tendenzen

Pfingstprediger Pete Greig und seine charismatische „Vision“

Am Pfingstwochenende dieses Jahres wurde in Salzburg ein äußerlich sehr erfolgreiches Festival veranstaltet, das 14. „Fest der Jugend“, an dem ca. 5000 Jungen und Mädchen aus ganz Europa teilnahmen, wobei viele von ihnen zur Beichte gingen oder still im Dom beteten  –  soweit durchaus erfreulich.

Gemeinsam mit mehreren Bischöfen und zahlreichen Priestern feierten die vorwiegend jungen Leute ab dem 17. Mai 2013 vier Tage lang mit Andachten, Gottesdiensten, Katechesen, Theateraufführungen und Gruppengesprächen, zudem mit heißen Rhythmen, Tänzen und der in charismatischen Kreisen üblichen “Lobpreismusik”. ???????

Die Massenaufläufe von Freitag bis Pfingstmontag standen unter dem Motto „Neues Feuer braucht das Land“; sie waren vielfach geprägt von gruppendynamisch-suggestiven Elementen (z.B. in etlichen Ansprachen oder im Rahmen der „Gebetsteams“) sowie euphorischen Manifestationen.

Die Großveranstaltungen wurden meist von Georg Meyer Melnhof (GMM) moderiert, einem Sproß der bekannten österreichischen Großgrundbesitzerfamilie Meyer Melnhof. GMM ist ein katholischer Familienvater und Religionslehrer, der einst Priester werden wollte, das Seminar verließ, heiratete und später die Loretto-Gemeinschaft gründete, die sich auf den italienischen Marienwallfahrtsort Loreto bezieht.

Die von GMM initiierten Loretto-Gebetsgruppen verstehen sich als „marianisch – eucharistisch – charismatisch“ und sind in ganz Österreich verstreut.

Pfingstprotestantische Gebetsbewegung 24/7

Die früheren „Pfingst-Kongresse“ dieser Gemeinschaft werden heute als „Fest der Jugend“ bezeichnet. Das diesjährige Festival wurde vom erscheinungsbewegten „Radio Maria“ größtenteils live übertragen. Dieser große Andrang der Jugend zu einem christlichen Festival mag zunächst positiv erscheinen.

Manches jedoch, was dort inhaltlich präsentiert wurde, zumal von Vertretern der protestantisch-pfingstkirchlichen “Gebetsbewegung 24/7″, erweist sich als fragwürdig bis irrgeistig. (Die Zahlenfolge “24/7“ bezieht sich auf das 24-stündige Gebet in einer 7-Tage-Woche; in der Loretto-Gemeinschaft konkret auf die eucharistische Anbetung.)

Gründer und nach wie vor führender Vertreter der charismatischen Gebetsbewegung „24/7“ ist Pete Greig; seine endzeitschwärmerische “Vision” spielte beim Salzburger Jugendfest eine große Rolle. Dieser Greigschen 24/7-Bewegung hat sich auch die erwähnte katholische Loretto-Gemeinschaft angeschlossen, die das „Fest der Jugend“ in Salzburg organisierte.

“Der HERR rüstet weltweit sein Volk”…

Wie zu erwarten war, veröffentlichte die Nachrichtenseite „Kath.net“ einen begeisterten Jubelbericht über dieses österreichische Festival. Unter dem Zwischentitel “Der HERR rüstet weltweit sein Volk” schreibt das Internetportal Folgendes: PAX

“Die Bibel in Joel 3 beschreibt die Folgen von Gebet, mittlerweile nicht nur bei 24/7 oder Loretto, sondern weltweit neu entflammt zu beobachten:

“Danach aber wird es geschehen, / dass ich meinen Geist ausgieße über alles Fleisch. Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein, / eure Alten werden Träume haben / und eure jungen Männer haben Visionen.”

Unsere Gebete mobilisieren den Himmel, erneuern die Kirche und verändern die Welt. Durch Gebet erfahren wir Gott, seine Gegenwart, seine Kraft, seine Herrlichkeit, seine Barmherzigkeit.“

Dieses Zukunftsbild einer weltweiten “Erweckung” ist typisch für die Charismatische Bewegung, die sich hierbei gerne auf “Joel 3″ im Alten Testament beruft.

Ist diese verheißungsvolle Bibelstelle angesichts zahlreicher Visionäre unserer Zeit, “begnadeter” Seher, so vieler “Heiler” und “Propheten” nicht wunderbare Wirklichkeit geworden?

“Joel 3″ ging bereits in Erfüllung

Der Schein trügt, weil diese Ankündigung zu Pfingsten bereits in Erfüllung ging, wie das NT bestätigt:

Der hl. Apostel Petrus verweist auf diese alttestamentliche Verheißung (vgl. Apg 1,16 f), um damit die Ausgießung des Heiligen Geistes in der Jerusalemer Urgemeinde zu erklären. Das Pfingstereignis ist somit die “Lösung” dieser Prophetie. Das will man in Schwärmerkreisen ungern wahrhaben, weil dies eigenen Träumen einer heutigen (!) Verwirklichung von Joel 3 widerspricht. polskaweb

Im Festival-Heft der Loretto-Gemeinschaft wird passend dazu eine “Vision” von Pete Greig präsentiert, die aus dessen Buch “Red Moon Rising” stammt.

Greig, der in einer protestantischen Freikirche hochkam und heute in der anglikanischen “Church of England” aktiv ist, gilt gleichsam als Urvater der neuen 24/7-Aufbrüche; er ist mittlerweile deren “Gebets-Direktor.“

Der Charismatiker lebt im englischen Guildford mit seiner Frau und zwei Kindern. Seine 24/7-Bewegung praktiziert eine stark von Rockrhythmen geprägte „Lobpreismusik“ und beeinflußt zunehmend auch die katholisch-charismatische „Erneuerung“, z.B. die dort angesiedelte Jugendbewegung FCKW; das Kürzel dieser stark von „24/7“ geprägten Initiative bedeutet: „Fröhlich  – Charismatisch Katholisch (sind) wir“.

Pete Greigs “prophetischer Traum”

Die Webseite der Lorettogemeinschaft (Loretto.at) schreibt Folgendes zu Pete Greigs besonderer „Vision“:

“Seine „VISION“ haut mich jedesmal wieder vom Hocker, wenn ich sie lese – du findest sie gleich im Anhang…Frag dich, was du schon erkennen kannst von diesem prophetischen Traum. Mir kommt vor, es wird immer klarer, immer spannender, immer verrückter.

Pete Greig betete mit vielen Leute letzte Woche bei einem Kongress in Frankfurt über unsere kleine Gemeinschaft und die Prophetischen Worte, die geschenkt wurden, waren phantastisch…Komm und sei dabei  –  der HERR sammelt und salbt sein Volk in diesen Tagen und viele bemerken es schon: Der Riese ERWACHT!”

Unreife Schwärmerei, mag man zunächst denken, doch dahinter steckt mehr als nur Naivität oder pubertärer Überschwang.

Das hier gefeierte Traumbild ist typisch für die charismatische Vorstellung einer anbrechenden “globalen Erweckung”; die Vision hat also durchaus “System”, sie ist Teil eines festgefügten Gedankenkonzeptes, das freilich in immer neuen und verschiedenartigen Facetten präsentiert wird.

Diesmal ist die enthusiastische Ankündigung in einer sehr dramatisch klingenden, wohl unbedingt “modern” sein wollenden Sprache formuliert, was sich aus der Eigenart des Greigschen Stils ergibt.

Hier folgen einige wesentliche Abschnitte daraus:

“Die Vision ist JESUS  –  der gefährliche, unverwechselbare Jesus. Der Jesus, der dich total in Beschlag nimmt. Die Vision ist eine Armee von jungen Leuten. Du siehst Totengebeine? Ich sehe eine Armee. Und sie sind FREI vom Materialismus…

Sie können Kaviar am Montag essen und Brotrinde am Dienstag. Sie würden noch nicht mal den Unterschied merken. Sie sind mobil wie der Wind und gehören den Nationen. Sie brauchen keinen Pass. Die Leute schreiben ihre Adressen nur noch mit dem Bleistift auf und fragen sich, was für merkwürdige Typen sind das bloß? Sie sind frei, und doch Sklaven der Verwundeten, Dreckigen, Sterbenden.

„Für sie ist das Gute nicht gut genug“

Was ist die Vision?  –  Die Vision ist Heiligkeit, Heiligkeit, die den Augen weh tut. Sie bringt Kinder zum Lachen und ärgert die Erwachsenen. Es geht um Leute, die das Spiel aufgegeben haben, nach außen hin eine weiße Weste zu haben, um Eindruck zu schinden. Es geht um Leute, die nach den Sternen greifen. Für sie ist das Gute nicht gut genug, sie strecken sich nur nach dem Besten aus.

Geradezu gefährlich reine Leute. Sie brauchen ihre geheimen Motive nicht zu verstecken, und auch nicht ihre privaten Gespräche. Es sind Leute, die andere von ihren selbstmörderischen Abenteuern weglieben, weg von ihren satanischen Spielen. Es geht um eine Armee, die ihr Leben für die große Sache lassen wird. Eine Million mal pro Tag sind ihre Soldaten bereit, eine Niederlage einzustecken, um eines großen Tages den entscheidenden Sieg zu erringen und zu hören: „Gut gemacht, ihr treuen Söhne und Töchter“.

Dabei geht es bei diesen „Abenteurern“ aber keineswegs nur um ein kleines Häuflein von Idealisten und Anhängern  –  nein, die „Vision“ spricht euphorisch von einer „großen Masse“:

„Diese Helden sind am Montagmorgen genauso radikal wie am Sonntagabend. Sie haben es nicht nötig, sich einen großen Namen zu machen, ihre eigene Ehre zu suchen. Darüber können sie nur müde lächeln. Es geht nicht um einzelne Stars, sondern um die große Masse, die immer wieder denselben Kriegsschrei auf den Lippen hat: „Vorwärts, COME ON!“  – Und sie sind diszipliniert. Jünger, junge Leute, die ihren Körper zum Gehorsam zwingen.

Jeder Soldat bereit, für seinen Kriegskamaraden eine Kugel abzufangen. Das Tattoo auf ihrem Rücken sagt: „Christus ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn.“   –  Opferbereitschaft lässt das Feuer des Sieges in ihren Augen brennen. Sie schauen nicht nach unten, sondern nach oben. Sieger, Märtyrer. Wer kann sie aufhalten? Können Hormone sie zurückhalten? Können Niederlagen sie entmutigen? Kann Furcht ihnen Angst einjagen, kann der Tod sie umbringen?

Mit Blut, Schweiß und Tränen…“

Würden sie ihr Image oder ihre Beliebtheit aufgeben? Sie sind bereit, selbst ihr eigenes Leben niederzulegen, mit den Todeskandidaten – schuldig wie die Hölle selbst – den Platz zu tauschen. Den elektrischen Stuhl statt eines Thrones. Mit Blut, Schweiß und Tränen, in vielen schlaflosen Nächten und an fruchtlosen Tagen beten sie, als ob alles von Gott abhängt, und sie leben, als ob alles von ihnen abhängt.

Ihr genetischer Code ist JESUS. Er atmet aus – sie atmen’s ein. Bei ihnen singt selbst das Unterbewusstsein. Sie hatten eine Bluttransfusion von Jesus. Ihre Worte bringen die Dämonen in den Einkaufszentren zum Schreien. Hörst du diese Armee kommen? Blast die Posaune für die Verrückten! Ruft sie zusammen, die Verlierer und Freaks.

Hier kommen sie, die Ängstlichen und Abgelehnten mit Feuer in ihren Augen. Sie laufen aufrecht, und die Bäume klatschen Beifall, die Hochhäuser verbeugen sich, die Berge erscheinen klein, verglichen mit diesen Kindern einer anderen Dimension.

Ihre Gebete mobilisieren den Himmel und wecken den alten Traum von Eden wieder auf. Und diese Vision wird wahr werden, sie wird erfüllt werden. Sie wird mit Leichtigkeit geschehen, und zwar bald. Woher ich das weiß? Weil es das Sehnen der ganzen Schöpfung ist, das Stöhnen des Geistes, der Urtraum Gottes.“

Theologisch gefährlich: Post-Millenarismus

Soweit „Urvater“ Pete Greigs enthusiastische „Vision“, die eine solch positive Aufnahme ins katholische Salzburger Festivalheft fand. Der Herr Prophet war auch selber auf dem Jugendkongreß anwesend und hielt dort Referate und Katechesen.  

Allerdings handelt es sich bei Greigs Vision nicht nur um eine schwärmerische Schreiberei; sie gehört vielmehr zum problematischen Post-Millenarismus, der weder von der Hl. Schrift noch vom kirchlichen Lehramt her legitimiert ist.

Dieser chiliastische Standpunkt geht davon aus, daß durch wirkmächtige  Verkündigung und eine phänomenale Geist-Aussendung ein weltweites christliches Friedensreich entstehen wird. Christus erscheint danach als Weltenrichter: also zunächst kommt das “Millennium”, dann erst die Wiederkunft Christi.

Diese These, die konfessionsübergreifend in Charismatikerkreisen verbreitet ist, wird von der kath. Kirche abgelehnt, zumal sie der Heiligen Schrift widerspricht, vor allem den klaren Paulusworten in 2 Thess 2,2 ff.

Glaubenskongregation lehnt Vassulas Visionen ab

Kardinal Joseph Ratzinger erließ als Präfekt der Glaubenskongregation im Oktober 1995 eine Notifikation zur griechisch-orthodoxen “Seherin” und angeblichen “Stigmatisierten” Vassula Ryden. 75743_14122011

Darin werden einige Irrtümer der “Visionärin” aufgelistet, darunter auch ihre post-millenaristischen bzw. chiliastischen Vorstellungen; so heißt es z.B. wörtlich in der Vatikan-Note über Vassulas “Botschaften”.

“In chiliastischer Weise wird ein entscheidendes und glorreiches Eingreifen Gottes prophezeit, der im Begriff sei, auf Erden noch  v o r  der endgültigen Ankunft Christi ein Zeitalter des Friedens und des allgemeinen Wohlergehens zu errichten.”

Nicht erst heute, schon durch die Jahrtausende hindurch hat das kirchliche Lehramt mit seiner nüchternen Haltung endzeitschwärmerische „Botschaften“ abgelehnt, so bereits im 2. Jahrhundert entsprechende Visionen des selbsternannten Propheten Montanus und seiner beiden „begnadeten“ Gefährtinnen, die zusammen mit dem Wanderprediger viele enthusiastischen Anhänger sammelten und sektiererische Gemeinden gründeten.

Im Hochmittelalter erteilte die Kirche ähnlich gearteten Spekulationen des Joachim von Fiore ebenfalls eine klare Absage: Der italienische Abt kündigte ein Heilig-Geist-Friedensreich an, das vor der Wiederkunft Christi eintreten werde; er bezeichnete diese ersehnte Phase übrigens als „Drittes Reich“, denn nach dem Reich des Vaters im Alten Bund und dem Reich des Sohnes  im Neuen Bund sei dies als drittes heilsgeschichtliches Zeitalter auf Erden anzusehen.

Das katholische Lehramt lehnte Fiores Vorstellungen eindeutig ab: sowohl wegen der postmillenaristischen Verirrung wie auch wegen seiner ecclesiologischer Ideen über jenes kommende Heilig-Geist-Reich, das die Menschen direkt “von oben her” geisterleuchte, so daß sich die Kirche als Instanz der Glaubensvermittlung weitgehend zu erübrigen schien.

Nicht angeblich prophetische „Visionen“ oder spekulative Traumwelten sind für die Kirche wegweisend, sondern die Ausführungen des hl. Paulus, der im 2. Brief an die Thessalonicher bereits vor „Naherwartungen“ und Endzeitschwärmerei warnte. nikolaus

Der Völkerapostel verdeutlicht, daß die Zeit unmittelbar vor der Wiederkunft Christi keineswegs durch ein universales christliches Reich geprägt ist, sondern vielmehr durch Glaubensabfall, (un)sittlichen Niedergang und das verführerische Auftreten des Antichristen (2 Thess 2,2-9):

„Lasst euch nicht so schnell aus der Fassung bringen und in Schrecken jagen, wenn in einem prophetischen Wort oder einer Rede oder in einem Brief, der angeblich von uns stammt, behauptet wird, der „Tag des Herrn“ sei schon da.

Lasst euch durch niemand und auf keine Weise täuschen! Denn zuerst muss der Abfall von Gott kommen und der Mensch der Gesetzwidrigkeit erscheinen, der Sohn des Verderbens, der Widersacher, der sich über alles, was Gott oder Heiligtum heißt, so sehr erhebt, dass er sich sogar in den Tempel Gottes setzt und sich als Gott ausgibt. (…)

Dann wird der gesetzwidrige Mensch allen sichtbar werden. Jesus, der Herr, wird ihn durch den Hauch seines Mundes töten und durch seine Ankunft und Erscheinung vernichten.

Der Gesetzwidrige aber wird, wenn er kommt, die Kraft des Satans besitzen. Er wird mit großer Macht auftreten und trügerische Zeichen und Wunder vollbringen.“

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

DIESER ARTIKEL erschien auch in der Zeitschrift THEOLOGISCHES (Nr. 7 – 8/2013)


Bringt uns Medjugorje die biblische Erfüllung von „Joel 3“ ?

In der erscheinungsbewegten Zeitschrift „Oase des Friedens“ (Fanblatt für Medjugorje) wird in der Nr. 7/2012 ein typisches Beispiel für die Vermengung von pseudo-marianischem und charismatischem Gedankengut geboten, wie es vor allem in Medju-Kreisen weit verbreitet ist.

Die jüngste Ausgabe enthält ein Interview mit Georg Mayr-Melnhof, dem Gründer der Medju-inspirierten Loretto-Gemeinschaft.

Auf die Frage, ob unsere Zeit speziell marianisch geprägt sei und ob die Kirche auf ein „neues Zeitalter“ zugeht, antwortet er:

„Seit dem Jahr 1981 berührt der Himmel die Erde und schenkt uns durch die Mutter des Herrn Gnaden über Gnaden, seit mehr als 30 Jahren.

Die Gospa selber betont immer wieder, dass wir in einer besonderen Zeit der Gnade leben. Der Herr sammelt sein Volk, um es zu segnen und zu salben. Er gießt Seinen Geist noch einmal aus über alles Fleisch und die wunderbaren Dinge, die dann  –  nach Joel 3  –  eintreten werden, beginnen immer offensichtlicher zu werden.“

Allein schon der Ausdruck, daß Gott sein Volk „salben“ werde, ist typisch pfingstlerisch und gehört nicht zum bodenständig-katholischen Sprachgebrauch.

Nun zu Joel 3, bislang die absolute Lieblings-Bibelstelle protestantischer Charismatiker  – doch seit ca 20 Jahren erfreut sie sich auch in der schwarmgeistig- katholischen Szene wachsender Beliebtheit.

Was hat es nun mit dieser Prophetie aus dem Alten Testament auf sich?

„Ich werde meinen Geist ausgießen über alles Fleisch. Und eure Söhne und Töchter werden weissagen,  eure Greise werden Träume haben, eure jungen Männer werden Gesichter sehen  – und selbst über Knechte und Mägde werde ich in jenen Tagen meinen Geist ausgießen“ (Joel 3,1 f.)

Ist diese Verheißung nicht angesichts der zahlreichen „Erscheinungen“, der „begnadeten“ Seher und „Sühneseelen“ aller Altersstufen und Stände wunderbar in Erfüllung gegangen? Haben wir es dort nicht in Hülle und Fülle mit Träumen, Visionen, Prophetien, höheren Erleuchtungen etc zu tun?

Derartige Phänomene sind keineswegs eine Auswirkung von Joel 3. –  Der Schein trügt, weil Folgendes bedacht sein will:

1. Diese AT-Ankündigung ist durch Pfingsten bereits weitgehend erfüllt worden. Petrus selber verweist auf diese Verheißung (Apg. 1,16 f) zur Erklärung der damaligen Geistausgießung in Jerusalem.

2. Die Voll-Erfüllung wird nicht in der Christenheit „aus den Nationen“ geschehen, sondern inmitten des jüdischen Volkes, nachdem es sich noch vor der Wiederkunft Christi zu seinem wahren Erlöser bekennt (vgl. Röm 11,12 und 11,26 sowie im AT Sach 12,10).

3. Daß es sich hierbei um ein Endzeit-Phänomen handelt, geht aus dem Kontext (Zusammenhang) von Joel 3 selber hervor, weil dort geschrieben steht, daß dieses geschieht, „bevor der Tag des HERRN kommt“ und daß Gott dann das „Schicksal von Juda und Jerusalem wenden wird“ (Joel 3,4).

Es war immer schon ein Kennzeichen schwärmerischer und sektiererischer Bewegungen, einzelne Bibelworte zu verabsolutieren und ihnen eine unrichtige Auslegung zu unterschieben. Diese Mißdeutung muß nicht aus bewußter Absicht erfolgen; es kann auch Dummheit bzw. Leichtgläubigkeit geschehen – verfehlt ist es im Ergebnis so oder so.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster