Goethe: „Die Ehe ist der Gipfel aller Kultur“

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„Die Ehe ist der Anfang und der Gipfel aller Kultur. Sie macht den Rohen mild  –  und der Gebildetste hat keine bessere Gelegenheit, seine Milde zu beweisen. cropped-ZIM_5640
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Unauflöslich muß sie sein; denn sie bringt so vieles Glück, daß alles einzelne Unglück dagegen gar nicht zu rechnen ist.
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Und was will man von Unglück reden? Ungeduld ist es, die den Menschen von Zeit zu Zeit anfällt, und dann beliebt er, sich unglücklich zu finden.
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Lasse man den Augenblick vorübergehen, und man wird sich glücklich preisen, daß ein so lange Bestandenes noch besteht!“
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Quelle: Johann Wolfgang von Goethe: „Die Wahlverwandtschaften“ (I,9)

Unser BUCH-Tip: „Ich warne vor Goethe“ von Max Lackmann

Von Uwe C. Lay

Dem Humanismus wird man wohl erst gerecht, wenn man diese Aussage, daß der Mensch noch nicht „ist“, sondern erst noch zu „werden“ hat, begreift.

Die alte metaphysische Frage nach den Übeln der Welt, warum sie so arg ist, wie sie ist, erfährt so eine radikal humanistische Wendung: weil der Mensch noch nicht Mensch ist.   –  Aber wie kann der Mensch Mensch werden?

Das sei die Kontroverse gewesen zwischen dem Dichterfürsten Goethe und seinem Freund und Kritiker Lavater. 50236_m

Dieser Auseinandersetzung widmet Max Lackmann seine Studie: „Ich warne vor Goethe“.

Ein hundertjährig wütender Religionskrieg in Europa, die Schrecken der Französischen Revolution mit ihrer Guillotine bilden den Hintergrund dieses Konfliktes. Es ist der Konflikt zwischen dem goethischen Humanismus, dem Jesus gerade als wahrer Mensch das Vorbild gelebter Humanität ist  –   und einem christologisch fundierten Humanismus, dessen Vertreter Lavater ist.

Lackmann führt in diese historische Kontroverse ein als ein an Karl Barth geschulter, protestantischer Christozentriker, dem es aber darum geht, die Aktualität dieser Grundsatzfrage humanistischen Denkens aufzuzeigen.

Die Frage der Humamität des Menschen und der Möglichkeit einer Humanisierung der Welt steht und fällt nach Lackmann mit der Frage: christologischer oder säkularer Humamismus?

Und in dem Dichterfürsten Goethe den Anfang der Fehlentwicklung eines nur menschlichen Humanismus zu entdecken, ist das genuine Anliegen dieses Buch. Sehr gewagt wird dabei eine Linie von Goethe bis zu Adolf Hitler ausgezogen  –  eine sehr provokante These, die es aber lohnt, bedacht zu werden.

Unser Autor Uwe C. Lay war evangelisch-reformierter Vikar, konvertierte und ist katholischer Theologe und Publizist

Dieses fundierte Buch kann zum Sonderpreis und im Inland portofrei für nur 5 Euro bei uns bezogen werden: felizitas.kueble@web.de, Tel. 0251-616768

Ergänzendes Info zu diesem Buch aus der Verlags-Beschreibung:

Der 33-jährige Lavater besucht in Frankfurt den 25-jährigen Goethe. Lavater erkennt in Goethe den grössten Genius seiner Zeit. Goethe bewundert in Lavater das Spiegelbild eines geordneten, göttlichen Kosmos, ein Christsein, das nicht verklemmt, sondern befreit.

Die Freundschaft bleibt nicht an der Oberfläche, sie wird zu einem zähen, faszinierenden Ringen um Christus. Der Autor des Buches  –  ein in Europa und in den USA durch zahlreiche Bücher bekannter evangelischer Theologe, inoffzizieller Beobachter am Zweiten Vatikanischen Konzil  –  beschreibt in diesem Buch den Verlauf und die Hintergründe dieses Kampfes.

Lavater kam nach Jahren harten Ringens zum Schluss, der ‚allgemeine Glaube‘ Goethes müsse folgerichtig zum Anti-Christentum und Atheismus führen. Die hier vorgelegten Belege sind unzweideutig.

Lackmann, als Gegner des antichristlichen Nationalsozialismus bereits zur Studienzeit von deutschen Universitäten ausgeschlossen, seinen Schweizer Lehrern Karl Barth und Eduard Thurneysen den Abschluss des Studiums an der Universität Basel verdankend, wegen seiner Verkündigung ins KZ Dachau verbannt, ist gewohnt, eine deutliche, die Dinge beim Namen nennende Sprache zu sprechen.


Goethes „Osterspaziergang“: Vom Eise befreit sind Strom und Bäche…

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche

Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,

Im Tale grünet Hoffnungsglück;

Der alte Winter, in seiner Schwäche,

Zog sich in rauhe Berge zurück.

Von dort her sendet er, fliehend, nur

Ohnmächtige Schauer körnigen Eises

In Streifen über die grünende Flur.

Aber die Sonne duldet kein Weißes,

Überall regt sich Bildung und Streben,

Alles will sie mit Farben beleben;

Doch an Blumen fehlts im Revier,

Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Kehre dich um, von diesen Höhen

Nach der Stadt zurück zu sehen!

Aus dem hohlen finstern Tor

Dringt ein buntes Gewimmel hervor.

Jeder sonnt sich heute so gern.

Sie feiern die Auferstehung des Herrn,

Denn sie sind selber auferstanden:

Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,

Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,

Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,

Aus der Straßen quetschender Enge,

Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht

Sind sie alle ans Licht gebracht.

Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge

Durch die Gärten und Felder zerschlägt,

Wie der Fluß in Breit und Länge

So manchen lustigen Nachen bewegt,

Und, bis zum Sinken überladen,

Entfernt sich dieser letzte Kahn.

Selbst von des Berges fernen Pfaden

Blinken uns farbige Kleider an.

Ich höre schon des Dorfs Getümmel,

Hier ist des Volkes wahrer Himmel,

Zufrieden jauchzet groß und klein:

Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

Johann Wolfgang von Goethe (in „Faust“ I)

Hier folgt eine moderne PARODIE auf dieses klassische Gedicht:

VOM EISE BEFREIT SIND CHROM UND BLECHE: http://blog.zeit.de/zeit-der-leser/2012/04/12/osterspaziergang-2012-nach-johann-wolfgang-von-goethe-faust-i/