Johannes der Täufer und der hl. Joseph

Von Felizitas Küble

Am 24. Juni feiert die Kirche alljährlich das Fest der Geburt von Johannes dem Täufer. Normalerweise wird bei den Heiligen sonst der Todestag zum Gedenktag erhoben, denn er ist ja der Geburtstag für den Himmel.

Doch es gibt drei Ausnahmen, bei denen die Kirche ausdrücklich den Geburtstag feiert:

Bei Jesus Christus (25. Dezember), bei Maria (Fest Maria Geburt: 8. September) und beim hl. Johannes, dem Wegbereiter des HERRN.

Bevor unser Erlöser sein öffentliches Wirken begann und die zwölf Apostel um sich scharte, waren zwei Männer für ihn besonders wichtig: Der hl. Josef als sein Nährvater – und sein Verwandter Johannes, der spätere Bußprediger.

Dessen Vater Zacharias war ein Priester des Alten Bundes, Elisabeth seine Ehefrau – und zugleich die Kusine Mariens.

Die Madonna besuchte nach der Verkündigung des Engels ihre betagte Base Elisabeth, um ihr bei der Schwangerschaft beizustehen und zugleich ihre eigene Glückseligkeit mitzuteilen, die Mutter des Messias zu sein.

Elisabeth begrüßte Maria als Gottesmutter, indem sie sprach: „Wie wird mir die Gnade zuteil, daß die Mutter meines HERRN zu mir kommt?“

Der Ausdruck „HERR“ (griechisch: Kyrios) bezieht sich im biblischen Sprachgebrauch immer auf GOTT, somit finden wir im Lukas-Evangelium bereits zum ersten Mal den Titel „Gottesmutter“ für Maria.

Jesus sprach über Johannes den Täufer ein geheimnisvolles Wort, über das sich viele Exegeten (Ausleger) den Kopf zerbrochen haben:  Johannes der Täufer sei mehr als ein Prophet (das leuchtet ein) – ER fügt aber hinzu: Unter allen von einer Frau Geborenen ist niemand größer als er – und zugleich ist der Kleinste im Himmelreich größer als er.

Was kann unser Heiland damit gemeint haben?

Es gibt einige Hinweise, vielleicht trifft einer der beiden folgenden zu:

Johannes steht mit beiden Füßen noch im Alten Bund, sein Vater war Priester in der Ordnung Aarons und diente im Tempel des HERRN  –  zugleich ragt Johannes als Vorläufer Christi in den Neuen Bund hinein.

Vielleicht wollte Jesus sagen, daß Johannes der Größte im Alten Bund gewesen ist, daß er die Endzeit des Alten Testaments vollendet – daß aber der Neue Bund noch viel höher steht, weshalb ein Kleiner im Neuen Bund größer ist als ein Großartiger im Alten Bund.

Es gibt zudem eine zweite Deutung:

Der hl. Joseph lebte ganz im Verborgenen, er war unscheinbar und wirkte demütig im „Schatten“ von Jesus und Maria. Vielleicht meinte Jesus seinen Nährvater, als er von dem „Kleinsten“ sprach, der im Himmelreich größer sei als der bedeutsame Wegbereiter des HERRN, Johannes der Täufer.

Fest steht jedenfalls, daß wir es bei beiden Männern mit herausragenden Persönlichkeiten zu tun haben, mit großen Heiligen, die uns mit ihrer Fürsprache zur Seite stehen und uns ein immerwährendes Vorbild sind: Johannes, der gewaltige Bußprediger, mit seinem Mut – und Joseph mit seiner Demut.


Der Täufer Johannes war „schon im Mutterleib vom Heiligen Geist erfüllt“

Heutige liturigsche Lesung der kath. Kirche: Lk – Lk 1,5-25:

Zur Zeit des Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester namens Zacharias, der zur Priesterklasse Abija gehörte. Seine Frau stammte aus dem Geschlecht Aarons; sie hieß Elisabeth.

Beide lebten so, wie es in den Augen Gottes recht ist, und hielten sich in allem streng an die Gebote und Vorschriften des HERRN. Sie hatten keine Kinder, denn Elisabeth war unfruchtbar, und beide waren schon in vorgerücktem Alter. Johannes der Täufer

Eines Tages, als seine Priesterklasse wieder an der Reihe war und er beim Gottesdienst mitzuwirken hatte, wurde, wie nach der Priesterordnung üblich, das Los geworfen, und Zacharias fiel die Aufgabe zu, im Tempel des HERRN das Rauchopfer darzubringen.

Während er nun zur festgelegten Zeit das Opfer darbrachte, stand das ganze Volk draußen und betete. Da erschien dem Zacharias ein Engel des HERRN; er stand auf der rechten Seite des Rauchopferaltars.

Als Zacharias ihn sah, erschrak er, und es befiel ihn Furcht. Der Engel aber sprach zu ihm:

Fürchte dich nicht, Zacharias! Dein Gebet ist erhört worden. Deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären; dem sollst du den Namen Johannes geben. Große Freude wird dich erfüllen, und auch viele andere werden sich über seine Geburt freuen.

Denn er wird groß sein vor dem HERRN. Wein und andere berauschende Getränke wird er nicht trinken, und schon im Mutterleib wird er vom Heiligen Geist erfüllt sein.
Viele Israeliten wird er zum HERRN, ihrem Gott, bekehren.
Er wird mit dem Geist und mit der Kraft des Elias dem HERRN vorangehen, um das Herz der Väter wieder den Kindern zuzuwenden und die Ungehorsamen zur Gerechtigkeit zu führen und so das Volk für den HERRN bereit zu machen.

Zacharias sagte zu dem Engel: Woran soll ich erkennen, dass das wahr ist? Ich bin ein alter Mann, und auch meine Frau ist in vorgerücktem Alter.

Der Engel erwiderte ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und ich bin gesandt worden, um mit dir zu reden und dir diese frohe Botschaft zu bringen. Aber weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die in Erfüllung gehen, wenn die Zeit dafür da ist, sollst du stumm sein und nicht mehr reden können, bis zu dem Tag, an dem all das eintrifft.

Inzwischen wartete das Volk auf Zacharias und wunderte sich, dass er so lange im Tempel blieb. Als er dann herauskam, konnte er nicht mit ihnen sprechen. Da merkten sie, dass er im Tempel eine Erscheinung gehabt hatte. Er gab ihnen nur Zeichen mit der Hand und blieb stumm.

Als die Tage seines Dienstes (im Tempel) zu Ende waren, kehrte er nach Hause zurück. Bald darauf empfing seine Frau Elisabeth einen Sohn und lebte fünf Monate lang zurückgezogen. Sie sagte:
Der HERR hat mir geholfen; er hat in diesen Tagen gnädig auf mich geschaut und mich von der Schande befreit, mit der ich in den Augen der Menschen beladen war.

 


Der bekannteste Hauptmann der Welt

Von Felizitas Küble

Am heutigen Sonntag hörten wir in der katholischen Messe das Evangelium nach Lukas 7,1-10, in welchem der Hauptmann von Kafarnaum erlebt, wie Christus seinen schwerkranken Knecht heilt.  Herz-Jesu_01

Sein bescheidenes Wort  –  für einen römischen Militär nicht selbstverständlich  –  wird milliardenfach von Christen aus aller Welt im Gottesdienst nachgesprochen, sei es vor der hl. Kommunion oder vor dem Abendmahl bei den Protestanten: „HERR, ich bin nicht würdig, daß Du eingehst unter mein Dach, aber spricht nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“  – Beim Hauptmann hieß es entsprechend: „So wird mein Knecht gesund.“

Was an diesem heidnischen Mann neben seiner Demut beeindruckt, ist nicht allein sein riesengroßes Vertrauen in Christus, sondern auch seine Nächstenliebe, denn er setzt sich für seinen Diener ein, obwohl er diesen jederzeit locker durch einen anderen ersetzen könnte. Aber offenbar hat er für seinen Knecht geradezu freundschaftliche, zumindest aber väterlich-fürsorgliche Empfindungen entwickelt.

Der römische Hauptmann ist ein Exempel an Bescheidenheit

Und obwohl er es in seiner Stellung gewohnt ist, zu kommandieren und zu bestimmen, tritt er gegenüber Jesus sehr bescheiden auf und ist von tiefer Hochachtung erfüllt, so daß er es nicht einmal wagt, ihm seine Bitte selber vorzutragen. Stattdessen schickt er einen jüdischen Ältesten vor, damit dieser das Anliegen bei Christus vorträgt. Der jüdische Religionsdiener erklärt dem HERRN zugleich, daß dieser Römer seine Hilfe wohl verdient hat, „denn er liebt unser Volk und hat uns die Synagoge gebaut“.

Unser Heiland geht auf das Haus des Hauptmanns zu, doch dieser schickt seine Freunde vor und läßt ihm ausrichten: „HERR, bemüh dich nicht! Denn ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst. Deshalb habe ich mich auch nicht für würdig gehalten, selbst zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, dann muss mein Diener gesund werden.“

Was für ein Mann! Welche Demut! Welche Seelengröße! Welche Nächstenliebe! Welcher Einsatz! Welcher Glaube! Welches Vertrauen! Welche Großherzigkeit!

Entsprechend reagiert der HERR: „Jesus war erstaunt über ihn, als er das hörte. Und er wandte sich um und sagte zu den Leuten, die ihm folgten: Nicht einmal in Israel habe ich einen solchen Glauben gefunden.“

Mit Recht ist er daher der berühmteste Hauptmann der Weltgeschichte, dessen demutsvollen Worte milliardenfach wiederholt werden.

Aufschlußreich ist auch, daß Christus den Hauptmann nicht etwa auffordert, seinen Beruf als Soldat aufzugeben, obwohl das römische Weltreich gewiß keine Vereinigung frommer Chorsänger war. Ähnlich reagierte auch Johannes der Täufer, als Soldaten von ihm die Bußtaufe empfingen. Das Christentum lehnt den Beruf des Soldaten nicht grundsätzlich ab, auch wenn dies manche pazifistische Sekten in Vergangenheit und Gegenwart anders beurteilen.

 

 


„Alle halten Johannes für einen Propheten“

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Mt 21,23-27:

In jener Zeit, als Jesus in den Tempel ging und dort lehrte, kamen die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes zu ihm und fragten: Mit welchem Recht tust du das alles? Wer hat dir dazu die Vollmacht gegeben?  polskaweb

Jesus antwortete ihnen: Auch ich will euch eine Frage stellen. Wenn ihr mir darauf antwortet, dann werde ich euch sagen, mit welchem Recht ich das tue. Woher stammte die Taufe des Johannes? Vom Himmel oder von den Menschen?

Da überlegten sie und sprachen zueinander: Wenn wir antworten: Vom Himmel!, so wird er zu uns sagen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt?
Wenn wir aber sagen: Von den Menschen!, dann müssen wir uns vor den Leuten fürchten; denn alle halten Johannes für einen Propheten.

Darum antworteten sie Jesus: Wir wissen es nicht.  –  Da erwiderte ER: Dann sage auch ich euch nicht, mit welchem Recht ich das alles tue.

 


Warum Johannes der Täufer gleichsam der „erste Beichtvater“ ist…

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Mk 1,2-8:

Es begann, wie es bei dem Propheten Jesaja steht: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen. Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! DSC06228

So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.

Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften, und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig.

Er verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin nicht wert, ihm die Schuhriemen zu lösen. Ich habe euch nur mit Wasser getauft, ER aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.

 


„Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil ER vor mir war“

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Joh 1,29-34:

In jener Zeit sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sprach: 

Seht, das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt. ER ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil ER vor mir war.

Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, um Israel mit ihm bekanntzumachen.

Und Johannes bezeugte:PAX

Ich sah, daß der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber ER, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, ER hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem ER bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft.

Das habe ich gesehen und ich bezeuge: ER ist der Sohn Gottes.


„Was wird wohl aus diesem Kinde werden?“

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Lk 1,57-66:

Für Elisabeth kam die Zeit der Niederkunft und sie brachte einen Sohn zur Welt. Ihre Nachbarn und Verwandten hörten, welch großes Erbarmen der HERR ihr erwiesen hatte, und freuten sich mit ihr.   polskaweb

Am achten Tag kamen sie zur Beschneidung des Kindes und wollten ihm den Namen seines Vaters Zacharias geben. Seine Mutter aber widersprach ihnen und sagte: Nein, er soll Johannes heißen.

Sie antworteten ihr: Es gibt doch niemand in deiner Verwandtschaft, der so heißt.

Da fragten sie seinen Vater durch Zeichen, welchen Namen das Kind haben solle. Er verlangte ein Schreibtäfelchen und schrieb zum Erstaunen aller darauf: Sein Name ist Johannes.

Im gleichen Augenblick konnte er Mund und Zunge wieder gebrauchen, und er redete und pries Gott. Und alle, die in jener Gegend wohnten, erschraken  –  und man sprach von all diesen Dingen im ganzen Bergland von Judäa.

Alle, die davon hörten, machten sich Gedanken darüber und sagten: Was wird wohl aus diesem Kinde werden?  –  Denn es war deutlich, daß die Hand des HERRN mit ihm war.


Heute feiert die Kirche das Fest der Heimsuchung Marias

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Luk 1,39-56:

Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth.

Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabeth vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme:  Du bist gesegnet unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, daß die Mutter meines HERRN zu mir kommt?  –  Siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist, die geglaubt hat, daß sich erfüllt, was der HERR ihr sagen ließ.

„Siehe, von nun an werden mich seligpreisen alle Geschlechter!“

Und Maria sprach:                                                                                                                     media-374638-2

Meine Seele preist die Größe des HERRN,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat ER geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Allmächtige hat Großes an mir getan,
und sein Name ist heilig.
ER erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht
über alle, die ihn fürchten.
ER vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
ER zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
ER stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt ER mit seinen Gaben
und läßt die Reichen leer ausgehen.
ER nimmt sich seines Knechtes Israel an
und denkt an sein Erbarmen,
das ER unsern Vätern verheißen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.


Der Täufer JOHANNES und die Jungfrau MARIA: adventliche Gestalten auf CHRISTUS hin

Predigt-Impuls zum 2. Adventssonntag

Von Prälat Dr. Peter von Steinitz*

Liturgisch ist diese Zeit im Kirchenjahr geprägt durch die beiden großen adventlichen Gestalten Maria und Johannes der Täufer.

Zunächst begegnet uns an diesem 2. Adventssonntag Johannes, wie er, der seine Kindheit und Jugend in der Wüste verbracht hat, dem zum Jordan strömenden Volk mehrere Bußpredigten hält, die sich gewaschen haben.

Moderne Wellness-Christen könnten sich über seine Wortwahl nur entrüsten. „Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Gericht entgehen könnt?“ (Lk 3,7)    imm010_8A

Vom Gericht war schon am vorigen Sonntag die Rede. Es hilft alles nichts: die Frohbotschaft wäre unvollständig, wenn man die gewaltige endzeitliche Macht des Erlösers und den Ernst des Weltgerichts ausklammern wollte.

Gottes Liebe will uns nicht umschmusen, sondern retten!

Wenn nun Johannes der Täufer solche Töne anschlägt, dann ist das keineswegs eine „Drohbotschaft“, sondern, wie alles, was von Gott kommt, Zeichen seiner großen Liebe zu uns. Seiner Liebe, die uns nicht umschmusen, sondern uns retten will.

Auf welche Zuhörer trifft diese Botschaft heute?

Versuchen wir einen kleinen historischen Rückblick. Die Älteren erinnern sich: nach dem 2. Weltkrieg war nach 12 Jahren offiziell verordneter Gottlosigkeit der Hunger nach Gott ziemlich groß. Die Kirchen waren voll. Bußprediger wie Pater Leppich fanden großen Zulauf. 

Dann kam der Wohlstand. Viele sagten sich: Muss man das alles so ernst nehmen?

Nächste Phase: ein gewisser Gotteshass repräsentiert durch einige Organe der veröffentlichten Meinung, die sich mit regelrecht missionarischem Eifer darum bemühten, die Menschen von Gott zu entwöhnen. Natürlich hat sich die Mehrheit nicht zum Atheismus bekehren lassen. Denn konsequenter Atheismus kann ganz schön anstrengend sein. Eigentlich ist ein Atheist, der sein Auffassungen wirklich ernst nimmt, ein tiefgläubiger Mensch: Er glaubt ja fest daran, dass es Gott nicht gibt.

Ende des 20. Jahrhunderts entfaltet sich mit Macht ein lockerer Agnostizismus, das heißt die Auffassung, dass man über Gott nichts sagen kann. Kann sein, dass es ihn gibt oder auch nicht. Brauchen tun wir ihn eigentlich nicht. Wir warten einfach ab. Nicht besonders originell, die Religion wird einem gleichgültig.

Verbissener Atheismus und Papsthaß nehmen zu

In den letzten Jahren jedoch feiert ein oft verbissener Atheismus mehr oder weniger fröhliche Urständ. Zunächst gerät das Bodenpersonal ins Visier. Man greift den Papst an und verhöhnt ihn. (…) Dann aber geht es gegen Gott selbst.

Die „Zeit“ titelt in ihrer neuesten Ausgabe „Wo Gott nichts zu suchen hat“ und bringt Michelangelos Bild der Erschaffung des Menschen mit einer abweisenden Hand Adams gegenüber Gott. Das Bild ist entlarvend: Der Mensch weiß sich als Geschöpf Gottes, will aber nichts mehr von ihm wissen.

Dann aber: Im gleichen Regal im Supermarkt steht eine Zeitschrift mit dem großen Foto eines Mannes mit der Bildunterschrift „Der Erlöser“. Bevor man erleichtert aufatmet, stellt man fest, es ist die Sportzeitschrift „11 Freunde“, und der Erlöser ist ein prominenter Fußballspieler.

Fazit: Sind wir ein Volk von Gottlosen geworden, die Gott ablehnen und mit den Begriffen der Religion ihren Schabernack treiben? Sicher nicht!

Wir haben nur eine subtile Meinungsdiktatur von einigen Cliquen, die ihre abgedrehte (so nennt man das heute) Weltanschauung der Allgemeinheit überstülpen wollen. Die suggestive Macht der Medien erreicht tatsächlich manches. Dennoch ist an christlicher Grundsubstanz in unserem Volk noch viel vorhanden. Aber es fehlt das, was man anderenorts „innere Führung“ nennt.

Religionsunterricht und vielfach auch die Sonntagspredigten sprechen von vielen guten Dingen, blenden aber das Wichtigste aus. Es ist da die Rede von sozialem Engagement, von Toleranz, auch von der Barmherzigkeit Gottes. Aber oft erfahren die Menschen nicht, warum Gott eigentlich barmherzig sein soll, wo ich doch schon alles richtig mache. (…)

Am Vortag des 2. Adventssonntags, am 8. Dezember, feiert die Kirche das Hochfest der „Ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“, kurz „Unbefleckte Empfängnis“. Da Maria ohne Sünde ist, auch ohne Erbsünde, ist für sie die Demut ein ganz natürlicher Zustand. Bitten wir sie, die unser aller Mutter ist, um diese so wichtige und zugleich oft verkannte Tugend.

Der wahrhaft große Mensch ist tatsächlich der demütige Mensch. Wir sehen es deutlich an Jesus Christus, dem gewaltigen Weltenrichter, der sich uns Menschen als einfaches Kind in der Krippe zeigt.

Wenn wir also in diesen adventlichen Tagen unseren Blick auf Johannes und Maria richten, wird es uns relativ leicht fallen, „den alten Menschen abzulegen und den neuen Menschen anzuziehen“ (vgl. Eph 4,22 ff).

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 zum Priester geweiht, war er von 1987 bis 2007 Pfarrer an St. Pantaleon in Köln; seit 2007 ist er Seelsorger in Münster.

Quelle und vollständiger Sonntags-Impuls hier bei ZENIT:  http://www.zenit.org/article-26101?l=german


Papst: „Wer die Wahrheit liebt, geht keine Kompromisse mit den Mächtigen ein“

Das Zeugnis von Johannes dem Täufer, Prophet und Wegbereiter Christi

Wer die Wahrheit liebt, geht keine Kompromisse mit den Mächtigen ein und tritt mit unbequemen Worten denjenigen entgegen, die den rechten Weg verfehlt haben – das sagte Papst Benedikt in seiner Generalaudienz an gestrigen Mittwoch zum Gedenktag der Enthauptung von Johannes dem Täufer.

(Das FOTO zeigt den hl. Täufer Johannes in der Basilika St. Kunibert in Köln)  

Der Pontifex betonte in seiner Ansprache an die zahlreichen Gläubigen, die sich auf dem Platz vor dem Apostolischen Palast von Castelgandolfo eingefunden haben, daß sich Johannes der Täufer, so aufrecht und stark er sich auch für die Wahrheit und Christus eingesetzt habe, dennoch bescheiden gegenüber Christus, dem „Lamm Gottes“, zurückgenommen habe, um ihm den Weg zu bereiten:

„Jetzt sehen wir diese großartige Figur, diese Kraft in der Leidenschaft und Widerstandsfähigkeit gegenüber den Mächtigen. Wir fragen uns, woher kommt dieses Leben, diese innere Kraft,  die so stark, so gradlinig, so kohärent und so total für Gott gegeben wurde, um die Straße für Christus zu bereiten? Die Antwort ist einfach: Sie kommt von der Beziehung zu Gott, vom Gebet, das den Leitfaden seiner gesamten Existenz darstellt.

Das christliche Leben fordert, um das einmal so zu sagen, das Martyrium der täglichen Treue zum Evangelium, also den Mut, zuzulassen, dass Christus in uns wächst und dass er es sei, der unsere Gedanken und unser Handeln leite. Aber das kann in unserem Leben nur geschehen, wenn die Beziehung zu Gott solide ist. Das Gebet ist keine verlorene Zeit!“

Diesen Gedanken führte der Papst in seiner Ansprache an die deutschsprachigen Gläubigen weiter aus:

Die Kirche feiert heute das Gedächtnis des Martyriums von Johannes dem Täufer. Er war es, der Christus als das „Lamm Gottes“ bezeichnet hat, das die Sünde der Welt hinwegnimmt (Joh 1, 29).

Bis zum Vergießen seines eigenen Blutes hat er die Treue zum HERRN gehalten.(…)  Er ist für die Wahrheit gestorben –  und so ist er für Christus gestorben. In der Zurückgezogenheit der Stille in der Wüste ist er in der inneren Freundschaft zu Gott gewachsen und gereift. In dieser Zeit ist Gott selbst zu seiner Kraft, zur Mitte seines Lebens geworden.

So zeigt uns Johannes der Täufer, dass die Beziehung zu Gott, die innere Beziehung zu ihm, wesentlich ist und das Beten nie verlorene Zeit ist. Im Gegenteil: durch das Gebet befähigt uns Gott, Schwierigkeiten zu überwinden und ihn mit Mut zu bezeugen, auch in unserer Zeit.  Gott segne euch alle!“

Foto: Dr. Bernd F. Pelz