Vatikan und jüdisches Museum organisieren gemeinsame Ausstellung über Menora

Die vatikanischen Museen und das jüdische Museum von Rom organisieren eine gemeinsame Ausstellung vom 15. Mai bis 23. Juli 2017 zum jüdischen Symbol der Menora, dem siebenarmigen Leuchter. Es ist die erste Ausstellung dieser Art, wie Radio Vatikan berichtet.

MenorahÜber 100 Darstellungen dieses Leuchters aus unterschiedlichsten Epochen sowie begleitende Informationen zur historischen und religiösen Bedeutung sollen präsentiert werden.

Die Menora ist ins Staatswappen Israels aufgenommen. Sie ist aber auch ein gemeinsames Symbol von Juden und Christen.

Mittelalterliche Leuchterdarstellungen finden sich in christlichen Domen wie Mailand, Essen und Braunschweig bis nach Tallinn in Estland. Moderne Versionen sind auf den Gemälden des jüdischen Künstlers Marc Chagalls zu sehen.

Insgesamt werden mehr als 130 Ausstellungsstücke gleichzeitig im Vatikan und in der römischen Synagoge gezeigt.


Nachdenklicher israelischer Spielfilm „Aviyas Sommer“ am 7.12.2015 in Berlin

Im Montagskino und im Rahmen des Begleitprogramms zur Kabinettausstellung „Im fremden Land“ zeigt das Jüdische Museum Berlin am 7. Dezember den Film „Aviyas Sommer“ von Eli Cohen.
„Aviyas Sommer“ (Ha-Kayitz Shel Aviya), Regie: Eli Cohen, Israel 1988, ca. 95 Min., Hebräisch mit deutschen Untertiteln

In den Sommerferien 1951, kurz nach der Gründung Israels, besucht die zehnjährige Aviya ihre depressive Mutter Henya in einem kleinen Dorf bei Tel Aviv.

Henya hat im Zweiten Weltkrieg in einem KZ die Shoah überlebt und ist nach der Befreiung nach Israel emigriert. Ihre Vergangenheit kann sie, gerade erst aus einer psychiatrischen Anstalt entlassen, noch immer nicht verarbeiten. Mutter und Tochter stoßen in dem kleinen Dorf auf das Unverständnis der Einheimischen; sie werden verspottet.

Montag, 7. Dezember 2015, 19.30 Uhr
Ort: Jüdisches Museum, Altbau EG Auditorium, Lindenstr. 9 – 14, Berlin
Eintritt frei

Quelle: israelische Botschaft in Berlin


Gespräch mit dem jüdischen Star-Architekten Daniel Libeskind: Die Kunst soll dem Schönen, Wahren und Guten dienen!

Er erschafft Gebäude, in denen man seekrank wird, zB. das Jüdische Museum in Berlin, in dessen Untergeschoß die Flure so gebaut sind, daß man die von geflohenen Juden erlebte Heimatlosigkeit gleichsam körperlich nachempfinden kann. Die Rede ist vom jüdischen Architekten Daniel Libeskind (siehe Foto). 1_0_695476

Libeskind ist der wohl berühmteste Gedenk-Architekt; er wird vor allem mit solchen Projekten verbunden: Neben Berlin vor allem mit Ground Zero in New York, mit dem Umbau eines ehem. Gefängnisses für die IRA in Irland, dem Imperial War Museum in Manchester oder dem Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück.

Libeskind reiste vor kurzem nach Rom zu einer vom Vatikan  mitveranstalteten Konferenz, auf der es vor allem um Religionsfreiheit ging. Das Thema liegt ihm am Herzen, die Einladung hat ihn gleichwohl überrascht, wie er Radio Vatikan in einem Interview mitteilt:

„Ich fühle mich geehrt; ich denke, dass diese Konferenz sich mit einem der wichtigsten Themen heute beschäftigt, der Religionsfreiheit. Das ist die Fähigkeit, tolerant zu sein, die Welt als nicht nur von Gewalt und der Unterdrückung Einzelner beherrscht zu sehen, sondern sie als von Freiheit bestimmt zu sehen. Was gibt es heute wichtigeres als genau dieses Thema?“

„Freiheit ist für mich nichts Selbstverständliches“

Es ist auch Libeskinds eigene Geschichte, die sein Engagement mitbestimmt. Als Kind jüdischer Polen bringt er die Geschichte von Vernichtung und Unterdrückung mit:

„Meine Eltern waren beide Überlebende des Holocaust, ich selber bin unter dem Kommunismus in Polen aufgewachsen, bis wir dann ausreisen konnten. Das ist für mich nicht abstrakt, keine Geschichte, die man in einem Buch liest und studiert. Es ist etwas, bei dem ich erfahren habe, was Totalitarismus bedeutet. Freiheit ist für mich nichts Selbstverständliches. Ich denke, dass wir uns dafür jeden Tag einsetzen müssen.“

Diese Haltung prägt auch sein berufliches und künstlerisches Wirken:

„Jeder Architekt muss ein Brückenbauer zwischen Völkern und Menschen sein. In der Architektur geht es um gemeinsam genutzten sozialen Raum, es geht um das Erschaffen von Räumen, wo Menschen zusammenkommen  – und damit ist sie das beste Mittel zu zeigen, dass die Menschheit eine einzige ist.

Jedes einzelne Stück Architektur muss sich damit befassen, dass es um etwas Positives gehen muss. Wie ich schon oft gesagt habe: Architekt ist der einzige Beruf, wo man Pessimisten nicht gebrauchen kann. In fast allen anderen Bereichen kann man Pessimist sein, als Politiker, in der Wirtschaft, als General, sogar Komponisten oder Schriftsteller können das.

Aber als Architekt kann man kein Pessimist sein, denn Architektur legt immer die Fundamente für eine bessere Zukunft. Deswegen geht es bei Architektur auch immer um Glauben, du musst an etwas glauben, um es bauen zu können.“

Sakralbauten sind die „Kunstsprache des Glaubens“

Es geht immer auch um Glauben: Für Libeskind spielt diese Dimension des Lebens immer mit, wenn er zu Reißbrett und Bleistift greift. Manchmal wird es für ihn sogar explizit, so hat er zum Beispiel Olivier Messiens Oper „Franz von Assisi“ 2002 in Berlin inszeniert.

Vorbilder sind für den Architekten Libeskind deswegen u.a. auch Sakralbauten, Kirchen, Kapellen, die Kunstsprache des Glaubens der Vergangenheit und Gegenwart:

Foto: Bistum Regensburg

Foto: Bistum Regensburg

„Absolut. Ich würde sogar sagen, dass es schwer ist, ‚säkular’ von ‚heilig’ zu trennen, denn die Göttlichkeit zum Beispiel von Licht ist nicht einfach nur eine materielle Sache. Wir sind alle an etwas beteiligt, das größer ist als wir selber.

Immer in der Geschichte haben Architekten versucht, über die Welt des Funktionierens und der Nützlichkeit hinaus zu gehen, über unsere eigene Welt hinaus. Licht und Proportion, das sind Dinge, die uns lehren: Was ist das, das Materielle? Was sind die Fragen, die die Welt an uns stellt und an unsere Weise, zu leben?“

„Nicht den Sinn für das Wunderbare verlieren“

Die Wirklichkeit und das Transzendente: Für Libeskind sind das keine Gegensätze. Man kann einfach das Schöne und das Wunderbare nicht vom Realen, Anfaßbaren trennen:

„Nein, wenn wir den Sinn für das Wunderbare verlieren, baut man nur noch Massenwaren und Dinge, die innen leer sind. Wir müssen in jedem Projekt, wie klein und bescheiden es auch sei, die wunderbare Natur der Welt einfangen. Es um das Wunderbare, wo wir sind und warum es und gibt und wohin wir sehen und es geht um unsere Horizonte. Das ist alles wirklich inspirierend.“

2009 hatte Papst Benedikt viele Künstler in die Sixtinische Kapelle eingeladen: Filmemacher, Maler, Bildhauer, Schriftsteller, Schauspieler  –  und mit Daniel Libeskind auch die Architektur. Benedikt XVI. zitiert dabei seinen Vorgänger, Papst Paul VI:

„’Wir brauchen euch’, sagte er damals. ‚Wir brauchen eure Mitarbeit, um unseren Dienst ausüben zu können, ein Dienst, der, wie ihr wisst, darin besteht, die geistlichen Dinge, das Unsichtbare, Unaussprechliche, die Dinge Gottes, zu verkünden, zugänglich und verstehbar zu machen für den Geist und die Herzen der Menschen.(…)

Eure Kunst besteht darin, Schätze aus dem himmlischen Bereich des Geistes zu ergreifen und sie in Worte, Farben, Formen zu kleiden, sie zugänglich zu machen’. (…)

Diese Welt, in der wir leben, braucht Schönheit, um nicht in Verzweiflung zu versinken.  Schönheit und Wahrheit bringen  Freude ins menschliche Herz   –  und es ist diese kostbare Frucht, die dem Zahn der Zeit widersteht, die Generationen vereint und sie befähigt, in Bewunderung miteinander verbunden zu sein (…) Vergesst nicht, dass ihr die Hüter des Schönen in der Welt seid.“

„Wir sollen Bewahrer des Schönen sein“

„Das ist ein großartiger Auftrag“, bestätigt Libeskind: „Das stimmt, wir sollen Bewahrer des Schönen sein, denn diese Worte, Schönheit, Wahrheit und das Gute sind keine leeren Begriffe.“

Für viele sei das zum Klischee geworden, die ‚Schönheit’, aber er glaube an sie. Es gäbe schöne Räume und Plätze. Architektur ohne das Schöne sei keine Architektur, so Libeskind. Ohne Wahrheit und Güte und diese edlen Ziele sei der Mensch ein Nichts: Das ist eine Dimension seines Arbeitens als Architekt:

„Architektur ist trotz aller Schwere und trotz der Tatsache, dass sie sich mit schweren Materialien auseinander setzen muss, eine spirituelle Kunst. Zu Bauen bedeutet, etwas Geistliches zum Ausdruck zu bringen: Was ist die Welt, was geht über die Welt hinaus? Das ist beides geistlich.

Es gibt heute keine Trennlinie zwischen dem Säkularen und dem Heiligen mehr, denn jeder Arbeiter, jeder, der an einer Stadt und dem gemeinsamen Raum mitbaut, ist an etwas beteiligt, was größer als er selbst ist.

Ich halte die Städte selbst für die größten Kunstwerke, denn sie sind von so vielen Menschen erschaffen worden, die meisten von ihnen namenlos. Und sie sind über so lange Zeiträume entstanden, nicht erst heute. Wir stehen auf den Schultern der Großen aus der Vergangenheit. Wir sind bei etwas dabei, das viel großartiger ist, als dies den meisten Menschen bewusst ist.“

Das gilt sicher auch für Rom. Man kann nicht über Architektur sprechen, ohne auf die Stadt selber einzugehen. Für Libeskinds Sicht auf Architektur ist gerade Rom mit ihren unendlich vielen Gebäuden, die aus dem Glauben heraus entstanden sind, ein inspirierender Ort.

Rom ist ein Regenbogen der Architektur“

Umso schwieriger aber ist es, ein Lieblingsgebäude zu benennen, selbst für den Kenner Libeskind.

„Ein Lieblingsgebäude in Rom zu nennen wäre wie die Frage, was deine Lieblingsfarbe ist. Da würde ich ‚der Regenbogen’ sagen. Das gleiche gilt für Rom. Rom ist ein Regenbogen der Architektur, Rom hat wunderbare Räume und Plätze für Menschen: Die Piazza Navona gleich hier in der Nähe bis zur Pizza di Spagna, großartige Brunnen, wunderbare Straßenzüge, bis hin zu den Gebäuden, die von einer Würde zeugen, die auf menschlichem Maß genommen sind.

Das alles verbindet uns mit etwas Jenseitigem, über das es sich lohnt, nachzudenken und nachzusinnen.

Hier in der Nähe ist zumindest eines meiner Lieblingsgebäude von Borromini, Sankt Ivo, eines wunderbarsten Beispiele dafür, wie es gelingt, ein geometrisches Pendant für die geistliche Welt zu schaffen  –  und dass aus ganz prosaischen Materialien. Diese Kirche zeigt eine Art zu berechnen, die selbst über die Mathematik hinausgeht, bei ihr geht es um das Licht selber. Es ist ein transzendentes Gebäude.“

Durch Rom wandernd könne man weitere Werke der Architektur sehen, die von erster Qualität seien, zum Beispiel das Pantheon, ein wahres Wunderwerk:

„Wo immer man so eine solche Kühnheit hat wie bei diesem Gebäude, das für so viele andere Pate gestanden hat, sieht man Wunderwerke. Rom ist so glücklich, denn über die Gebäude selbst hinaus hat Papst Sixtus die Stadt auch noch organisiert und mit Obelisken markiert –  und zwar nach Gesichtspunkten der Perspektive und des Rituals. Rom ist eine einzige Unterrichtsstunde in Architektur.“

„Sehr gerne würde ich Kirchen bauen“

Aber fertig ist auch Rom nicht. Gefragt, ob er einen Auftrag für einen Kirchenbau zum Beispiel im Vatikan annehmen würde, zeigt sich Libeskind begeistert: „Sehr gerne würde ich das tun.“

Bekannt geworden ist Libeskind durch viele Gedenkorte an den Holocaust. Aber der in der öffentlichen Wahrnehmung bedeutendste Raum ist sicherlich Ground Zero, der Ort in New York, wo das World Trade Center stand, bis die Terroranschläge vom 11. September 2001 sie zum Einsturz brachten. Auch für diesen Gedenkort hat Libeskind den Entwurf geliefert, auch wenn dort andere letztlich das Bauen selbst übernehmen.

Was kann er selbst nach so einem Projekt noch bauen? Was bleibt an Idealismus oder auch Ehrgeiz übrig?

„Mein neuestes Projekt habe ich hier vorgestellt, es ist das ‚Gebäude des Friedens’, ein Konferenzzentrum und Zentrum für Konfliktlösung im Maze-Gefängnis in Belfast in Nordirland, wo wir in den katholisch-protestantischen Auseinandersetzungen so viel Schmerz gesehen haben. Dort etwas zu bauen, was Menschen und die individuellen Geschichten zusammenbringt und ihnen etwas gibt, wo vorher Dunkelheit und Schmerz war: Das ist ein wirklich großartiges Projekt.“

Was also treibt Libeskind an? Das Gedenken, der Schmerz der Menschen und der Seele, für den er Denkmäler schafft  –  oder doch die Schönheit, die ihn anzieht?

„Bilder für die tieferen Sinne des Herzens“

„Ich glaube nicht, dass man den Schmerz der Seele von Schönheit trennen kann. Ich denke, dass die Seele etwas sehr komplexes ist. Wir bauen nicht nur für die Augen, wir errichten Bilder nicht nur für die äußerlichen Sinne, sondern für die tieferen Sinne des Herzens.

Schönheit ist nicht nur eine intellektuelle, sondern eine zutiefst spirituelle Erfahrung. Deswegen muss alles einbezogen werden, was mit dem Menschen zu tun hat, einschließlich Schmerz und Leid und der Abgrund, der durch katastrophale Morde entstanden ist. Das ist alles Teil der Seele.“

Der Blick in die Vergangenheit und der Blick nach innen  – und zugleich der Blick um ihn herum: Einflüsse von anderen Künstlern wie George Braque zum Beispiel. Die Liste derer, von denen Libeskind sich gerne beeinflussen lässt, ist lang und sie wächst:

„Wir sind glückliche Menschen, dass wir heute einen so einfachen Zugang zur Welt haben und so viel von den außerordentlichen Arbeiten von Künstlern, Schriftstellern, Musikern, Komponisten, Filmemachern, Dichtern, Mathematikern und Astronomen lernen können. Es ist eine so wunderbare Welt.“

Quelle: Radio Vatikan siehe hier


Berlins grünes Quotenproblem mit Moses Mendelssohn: Jeder blamiert sich, so gut er kann

In der Bundeshauptstadt wachsen bekanntlich die Probleme, Gewalt auf den Straßen ist alltäglich, Wohnungseinbrüche nehmen weiter zu, die Kriminalstatistik steigt an, die Aufklärungsrate der Polizei sinkt  hingegen  –  alles reichlich besorgniserregend, müßte man meinen.

Derweil wird die Berliner Kommunalpolitik von anderen Sorgen geplagt; sie zerbricht sich ihren feministischen Kopf darüber, ob die Akademie des Jüdisches Museums den Vorplatz nach Moses Mendelssohn benennen darf, wie der jüdische Stiftungsrat dies vorschlug. Mendelssohn war ein berühmter jüdischer Philosoph und Schriftsteller des 18. Jahrhunderts.

Gibts ein Problem?  – Ja, eines der Quote nämlich, genau: der Frauenquote.

Also kommt ein Mendelssohn-Platz nicht in die Tüte, denn die in der dortigen Bezirksversammlung regierenden Grünen verstehen hier keinen Spaß, hatten sie doch grundsätzlich beschlossen, daß neue Namen für Straßen und Plätze so lange „weiblich“ sein müssen, bis eine Frauenquote von 50% erreicht ist.

Die Grünen wollten den Platz daher nach der Berliner Salondame Rahel Varnhagen benennen. Nun war sie zwar jüdischer Herkunft, ließ sich aber taufen, was die Grünen offenbar nicht wußten. Klar ist jedenfalls, daß sich Frau Varnhagen als Christin für den Platz vor dem Jüdischen Museum als Namensgeberin nicht eignet.

Die SPD (er)fand den vermeintlichen „Stein der Weisen“: Nun soll der Platz nach Moses Mendelssohn und dessen Frau Fromet benannt werden  – natürlich in dieser „politisch korrekten“ Reihenfolge: Fromet- und Moses-Mendelssohn-Platz.