Wir nehmen Abschied von Hans Tantow

Von Felizitas Küble

Am 28. Oktober 2020 verstarb krankheitsbedingt, aber doch für uns überraschend Johannes Tantow aus Sandhatten im Großraum Bremen im Alter von 86 Jahren.

Er wurde gestern Nachmittag (13.11.) auf dem Friedhof in Kirchhatten beigesetzt. Das Requiem (Totenmesse) und die Erdbestattung wurde von zwei SJM-Priestern sehr würdevoll durchgeführt.

Doch zunächst zum Leben und Wirken von Hans Tantow (siehe Foto), den ich seit 25 Jahren persönlich kenne.

Als ich im Spätsommer zuletzt mit ihm telefonierte, war er noch recht guter Dinge, wenngleich gesundheitlich angeschlagen. Der gläubige Katholik äußerte sich besorgt über die Situation in der Kirche besonders hierzulande, über liturgische Experimente und mangelnden Glaubensgeist bei vielen Hirten und Oberhirten.

Hans Tantow wirkte seit 1995 viele Jahre lang als ehrenamtlicher Mitarbeiter und Ferienhelfer bei uns in Münster im KOMM-MIT-Jugendverlag und unserem gemeinnützigen Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt. Er fuhr drei bis viermal im Jahr für einige Wochen von Sandhatten aus zu unserem „christlichen Kibbuz“, um bei der vielfältigen Arbeit mitzuhelfen.

Hans arbeitete in fast allen Sparten mit (Redaktion, Versandarbeit, Korrektur, Computer, Infostände), vor allem handwerklich war er als Innenarchitekt sehr begabt. Er zimmerte standfeste Holzregale, die seitdem zehntausende unserer Bücher beherbergen, ebenso Schreibtische und Ablageflächen.

Er verstand sich gut mit alt und jung, mit jugendlichen Praktikanten und Ferienhelfern ebenso wie mit älteren ehrenamtlichen MITarbeitern, z.B. unser Rentnerin Ursula Reinsch.

BILDER: Hans Tantow mit einigen jungen Frauen aus unserem Team

Hans erreichte mit 86 Jahren (geboren ist er am 18. Mai 1934) genau dasselbe Alter wie unser am 10.9.2002 verstorbener Schriftsteller und Verlagsgründer Günter Stiff, der bereits 1971 auch unser Christoferuswerk ins Leben gerufen hatte.

Beide Männer verband neben ihrer tiefen katholischen Gläubigkeit eine starke Prägung durch die Jugendbewegung: Günter erlebte seine Gymnasialzeit im Bund „Neudeutschland“, einem von Jesuitenpatres geführten Verband in der deutschen Jugendbewegung, die in der Vorkriegszeit hunderttausende katholischer Schüler mit großen Idealen begeisterte und im Glauben festigte. (Zum Thema Jugendbewegung hier weitere Infos: https://charismatismus.wordpress.com/category/jugendbewegung-wesen-ideale/)

Echt Jugendbewegte waren geistig anspruchsvoll, aber zugleich anspruchslos und bescheiden in ihrer Lebensführung, jedem Luxus abhold und zudem sehr naturverbunden; sie blieben auch im hohen Alter gleichsam „jugendfrisch“ mit Herz und Verstand, voller Einsatzfreude und Idealismus.
Genau dies konnte ich besonders stark bei Günter Stiff, aber auch bei Hans Tantow erleben, ähnlich auch bei anderen Freunden, die von der Tradition der Jugendbewegung persönlich geprägt waren.

Hans diente bereits im kindlichen Alter als Ministrant, später leitete er acht Jahre lang eine Fahrtenjungengruppe. Für Jugendbewegte und Pfadfinder gehörte „Fahrt und Lager“ zum Programm, dazu Spiel und Sport, Natur und Gesang, Lagerfeuer-Romantik und Waldläuferkunde etc.

BILD: Günter Stiff mit einer jüngeren und einer älteren MITarbeiterin in unserem Innenhof

Im Vergleich zum verwandten Pfadfindertum war die Jugendbewegung stärker geistig ausgerichtet, gleichsam „philosophischer“ geprägt. Typisch daher auch, daß sich Hans Tantow dem dänischen christlichen Existentialisten Kierkegaard und dem Dichter Hermann Hesse verbunden fühlte.

Jugendbewegte waren erfüllt von einer „Sehnsucht nach dem Absoluten“, einem Sich-Ausstrecken nach den großen Idealen unseres Da-seins, von den tiefen Fragen nach dem So-sein von Mensch und Welt, von Zeit und Ewigkeit. Als gläubiger Katholik fand Hans seine Antworten in der christlichen Botschaft, die uns Heilszuversicht und Trost verleiht über den Tod hinaus.

Von diesen hoffnungsfrohen Gedanken war bei aller Trauer und Wehmut auch die Totenliturgie für Hans Tantow auf dem Friedhof von Kirchhatten geprägt. Das Requiem und die Beisetzung erfolgten im überlieferten lateinischen Ritus gemäß dem Wunsch des Verstorbenen, dem die Tradition der Kirche immer ein Herzensanliegen war, auch in gottesdienstlicher Hinsicht.

BILD: Klassische Liturgie mit Sarg und Porträtbild in der Friedhofskapelle

Pater Martin Linner von der Ordensgemeinschaft „Diener Jesu und Mariens“ (SJM) feierte die hl. Messe und hielt eine glaubenstiefe Predigt, sein Mitbruder Manfred Hiener diente als einer der Ministranten.

Gemeinsam mit unserer CF-Autorin und Familienmutter Cordula Mohr aus Rheine fuhren wir nach Kirchhatten, um unserem früheren freien MITarbreiter das letzte Geleit zu geben und für ihn zu beten in der frohen Zuversicht, daß GOTT die Sehnsucht seines Herzens erfüllen möge in der unvergänglichen Freude des Himmels.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Deutsche Katholiken in Südosteuropa: Als die Kirche in den Seelen erwachte…

Von Stefan P. Teppert

Viele Aufbruchsbewegungen prägten den deutschen Katholizismus der Zwischenkriegszeit in der Weimarer Republik. Das Einfache, Spontane und Naturgemäße wurde wiederentdeckt, die Kirche sollte nicht nur äußeres Gefüge sein, sondern Gemeinschaft stiften und „in den Seelen erwachen“ (nach einem bekannten Wort von Romano Guardini).

Viele dieser Anregungen von der Volksbildung über liturgische Erneuerung bis hin zur Jugendbewegung wurden auf die Deutschen in Südosteuropa übertragen.

Diesen Transfer, die Rezeption, die spezifischen Probleme in den Nachfolgestaaten der Donaumonarchie 1919 bis 1939 wollte eine Tagung am 27. Juli 2019 im Haus der Donauschwaben in Sindelfingen aufzeigen und analysieren.

Dass eine Tagung aber keine Ergebnisse liefern, sondern nur Probebohrungen leisten und Gespräche anregen könne, gab ihr Organisator und Leiter Prof. Dr. Dr. Rainer Bendel (siehe Foto) gleich bei seiner Begrüßung der Teilnehmer zu bedenken.

Als Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft katholischer Vertriebenenorganisationen, Lehrbeauftragter für Kirchengeschichte an der Universität Hohenheim und Vorsitzender des Instituts für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ostmittel- und Südosteuropa hatte Bendel das Programm konzipiert und unter der Trägerschaft des St. Gerhardswerks Stuttgart, des Gerhardsforums München und des Vereins Haus der Donauschwaben in Sindelfingen ermöglicht.

Mit einem Rückblick auf die liturgische Bewegung in enger Verquickung mit der Jugendbewegung bot Bendel auch einen fundierten Einstieg in die Thematik, warf Fragestellungen auf, hob Strukturen und Perspektiven hervor, etwa zu Stellung und Selbstwahrnehmung der Kirche in der Gesellschaft und im politischen Umbruchsprozess sowie davon abhängige Richtungsansätze und Problemlösungsmodelle in den verschiedenen Ländern Südosteuropas.

Dass die Liturgie zum Auslöser für eine tiefgehende, aber auch heterogene Erneuerungsbewegung in der Kirche wurde, zeigen ihre beiden Protagonisten Ildefons Herwegen und Romano Guardini.

Bernhard Strehler und Klemens Neumann gewannen in Schlesien Bedeutung für den Ursprung des Quickborn mit seinem Abstinentenverein, seiner Begeisterung für das Singen, das Natur- und Volksverbundene.

Auch der Heimgarten in Neisse wurde zum Impulsgeber für die Jugendbewegung, zum Ideengeber und Träger für ein neues Volksbildungskonzept mit verändertem Gemeindeverständnis und dem neuen Selbstbewusstsein einer freien, sich in die Ordnung fügenden Persönlichkeit.

So bereitete der Rückgriff auf verschüttete kulturelle Traditionen einen Aufbruch der kritischen Gläubigkeit vor, der seine Vollendung im Zweiten Vatikanischen Konzil fand.

Bendel skizzierte die unterschiedlichen Auswirkungen dieser vom reichsdeutschen Katholizismus ausgehenden Erneuerung bei den noch weitgehend barock und durch den Volkstumskampf geprägten Katholiken Ungarns, der Sathmarer und Banater Schwaben in Rumänien sowie im jugoslawischen Banat und der Batschka.

Auf religiöse Aufbrüche im Jugoslawien der Zwischenkriegszeit konzentrierte sich im Anschluss Dr. Angela Ilić (siehe Foto) vom Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS) an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).

In einer ersten, von 1918 bis 1929 währenden Phase, eingeleitet durch die Gründung des erträumten, aber letztlich enttäuschenden südslawischen Staates, herrschten starke Zentralisierungstendenzen aus Belgrad, die zur Proklamation der Königsdiktatur und der Auflösung des Nationalparlaments führten.

In dieser Phase mussten sich die Kirchen in Jugoslawien durch die nach dem Weltkrieg erfolgten Grenzziehungen komplett neu organisieren.

Während einerseits starke Magyarisierungsbestrebungen eine Entfremdung der Priester von ihren Gläubigen bewirkte, wurde die röm.-kath. Kirche andererseits zum wichtigen Akteur bei der Abwehr von Slawisierungstendenzen und der Erhaltung der Minderheitenidentitäten auf lokaler Ebene.

Die deutschsprachigen Protestanten suchten ebenfalls nationale Selbstbestimmung und gründeten ihr eigenes Seniorat, später ihre eigene Kirche im Königreich Jugoslawien mit Dr. Philipp Popp an der Spitze der Landessynode.

Zugleich gewann die serb.-orth. Kirche zahlenmäßig und territorial mehr Macht und Einfluss.

In der zweiten, von 1929 bis 1941 dauernden Phase wurden staatlicherseits kirchenfeindliche Verträge mit allen Religionsgemeinschaften angestrebt. Trotzdem gelang es den Kirchen, Freiräume zu wahren.

Die auf den Abschluss eines Konkordats der röm.-kath. Kirche in Serbien mit dem Vatikan erfolgende Krise zeigte jedoch deren eingeschränkte Handlungsspielräume. Die Nähe der Protestanten zum Nationalsozialismus suchten die Katholiken zu meiden.

Als Kriegsverlierer sei es für die Deutschen und Deutschsprachigen im südslawischen Staat allgemein schwierig gewesen. Man könne auch nicht, so Ilić abschließend, über echte Aufbrüche sprechen, sondern nur über regional sehr unterschiedliche Zeichen und Versuche dazu, weil die meiste Energie zur Erkämpfung und Bewahrung der Muttersprache und der Erhaltung der eigenen Identität zur Verfügung stehen musste.

„Ottokár Prohászka und die ungarische Politik“ war das Thema von Dr. Zoltán Tefner (siehe Foto), einem Mitglied der Jakob-Bleyer-Gemeinschaft in Budapest.

Tefner untersuchte, inwiefern und warum der 1858 in Neutra/Nyitra in der heutigen Slowakei in eine mährisch-deutsche Beamtenfamilie geborene katholische Geistliche Prohászka zum Politiker werden konnte, obwohl er für diese Beschäftigung weder Lust noch Berufung verspürte, weil der Staat mit seinen irreligiösen Machtinteressen den Intentionen der Religion widerspricht.

Triebfeder Prohászkas war einerseits die patriotische Idee von Ungarn als unabhängiger, von Österreich getrennter Nationalstaat, andererseits die sozialpolitische Berufung des Katholizismus, wie sie durch Papst Leo XIII. verkündet worden war. Weitere Beweggründe waren sein Antijudaismus und Antimilitarismus. Er wollte das Christentum im Sinne der Freiheit, des Fortschritts und des Sozialismus voranbringen, gewissermaßen eine Synthesen mit diesen Weltanschauungen herstellen.

Sein Leben lang quälte ihn der Argwohn, dass er infolge seiner amtlichen Pflichten charakterlos werden könnte, zugleich wusste er aber auch, dass sich ein Charakter nur im weltnahen Leben ausbildet. Entsetzt von den Gräueln des Ersten Weltkriegs, begrüßte er danach das soziale Programm der Károlyi-Regierung vor allem mit ihrer Bodenverteilung.

Größte Sorgen bereitete Prohászka die seelische und administrative Verstümmelung des ungarischen Christentums durch die Pariser Friedensschlüsse. Mit Ekel und Passivität beobachtete der 1905 zum Bischof ernannte Pazifist von seiner Residenz in Székesfehérvár das Treiben des terroristischen Regimes unter dem Kommunisten Béla Kun, um sich dann der Regierung von Reichsverweser Miklós Horthy anzudienen.

Prohászka wurde Abgeordneter in der Nationalversammlung, setzte sich in Reden für die Kriegsgefangenen und die unteren sozialen Schichten, für ein modernes christliches Ungarn ein, lehnte es aber ab, zum Ministerpräsidenten gewählt zu werden oder sich auf Parteikämpfe und Machtstreit einzulassen. Im parlamentarischen Leben sind seine Hoffnungen nicht in Erfüllung gegangen. Desillusioniert von den mentalen und moralischen Schwächen des politischen Lebens zog er sich zurück und widmete sich fortan bis zu seinem Tod 1927 überwiegend rein religiösen Inhalten.

Als neuer Vorsitzender des Vereins Haus der Donauschwaben kam Raimund Haser (siehe Foto) zwischen zwei anderen Terminen vorbei, um ein Grußwort zu sprechen. Haser ist nicht nur Mitglied des 16. Landtags von Baden-Württemberg, sondern auch Präsidiumsmitglied im BdV auf Bundes- und Vorstandsmitglied auf Landesebene.

In der CDU-Landtagsfraktion fungiert er als Sprecher für die Angelegenheiten der Vertriebenen. Darüber hinaus ist er Mitglied des Stiftungsrates des Naturschutzfonds Baden-Württemberg und der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes.

In seiner Ansprache plädierte Haser dafür, dass Heimat zwar Identität ermöglichen müsse, aber niemals zur Ausgrenzung des Anderen führen dürfe. Die Bereitschaft, unter einem großen Dach zusammenzugehören, sei genau das, was wir heute in Europa brauchen.

Haser versprach, gut auf das Haus der Donauschwaben aufzupassen, bedankte sich beim seit Monaten ohne Geschäftsführerin auskommenden Restteam für das opferbereite Engagement zur Aufrechterhaltung des Programms und lud die Gäste ein, die Veranstaltungen im Hause auch künftig zu besuchen.

Der Musikhistoriker Dr. Franz Metz (siehe Foto), Geschäftsführer des Gerhardsforums in München, sprach über Kirchenmusik und Chorgesang der Donauschwaben in der Zwischenkriegszeit, der letzten Entwicklungsstufe in ihrer 300jährigen Ansiedlungsgeschichte.

In dieser Epoche gab es zahlreiche Fortschritte und Höhepunkte, beispielsweise die Gründung des Banater Deutschen Sängerbundes 1922 in Perjamosch, zu dessen Zwecken „edle Geselligkeit“ und „vaterländische Gesinnung“ gehörten, auf dessen Fahne „Lied, Volk, Heimat“ zu lesen war, der aber fern der Politik stehen wollte.

Diesem Sängerbund waren 1925 schon 67 deutsche Gesangvereine des Banats beigetreten, man beteiligte sich bei der 200-Jahr-Feier der Ansiedlung 1923, beim Zehnten Allgemeinen Deutschen Sängerfest in Wien 1928, ein Jahr später in Frankfurt a. M.

Metz stellte dann eine Reihe von Musikerpersönlichkeiten vor, darunter den Musikprofessor Hans Eck aus Komlosch (1899-1965), auf den ein Gesangbuch mit dazugehörigem Orgelbuch zurückgeht, das in der Temeswarer Diözese heute noch benutzt wird.

Stefan Ochaba aus Brünn (1904-1948) kam 1924 nach Pantschowa und Werschetz, wo er als Kirchenmusiker, Chorleiter, Pädagoge und Komponist tätig war. Viele seiner Kompositionen, seine Noten- und Instrumentensammlung wurden durch die Partisanen Titos zerstört.

Der Kirchenmusiker, Dirigent und Karansebescher Bürgermeister Fritz Pauck (1886-1965) war auch Obmann des Banater Deutschen Sängerbundes, ihm wurde die päpstliche Auszeichnung „Pro ecclesia et Pontifice“ überreicht.

Für Bischof Augustin Pacha komponierte er ein „Ecce Sacerdos“. Ein letzter Versuch, für die Banater Kirchenmusik etwas zu tun, bevor die kirchliche Organisation unter dem Druck der kommunistischen Diktatur zusammenbrach, war die Veröffentlichung der „Katholischen Kantorlehre“ in Temeswar 1944 durch die Ordensschwester Dr. Hildegardis Wulff (1896-1961).

Der Referent konnte mit seinen Beispielen die Vernetzungen der Banater Kirchenmusik mit Entwicklungen im deutschen Sprachraum, die multiethnische Zusammensetzung der Chöre sowie die Stimmungsänderung während des Dritten Reichs und der kommunistischen Diktatur veranschaulichen.

Zuletzt widmete sich Tobias Schmidt (siehe Foto), ein Kirchenmusiker in Ulm, der in Rottenburg studiert und an seiner Masterarbeit schreibt, zwei Temeswarer Persönlichkeiten im Umbruch der Zeit: den Domkapellmeistern Desiderius Jarosy und Desiderius Braun. Jarosy, 1882 in Lenauheim geboren, war von Kindheit an mit Kirchenmusik und dem kirchlichen Leben vertraut.

Zunächst Lateinschüler am Piaristengymnasium in Pécs, absolvierte er das Szegediner Gymnasium und das Temeswarer Priesterseminar, wurde 1905 zum Priester geweiht, nach Budapest versetzt. 1906 wurde er Domkapellmeister in Temeswar und Chorleiter des Temeswarer Philharmonischen Vereins.

1910-14 lehrte Jarosy an der Budapester Musikhochschule und war Musikprofessor an der Deutschen Lehrerbildungsgesellschaft. 1914 übernahm er das Direktorat der Temeswarer Druckerei und war Schriftleiter und Herausgeber der Banater Musikzeitung. Jarosy, von dem das Diktum stammt, dass von einer eigenständigen Banater Musikkultur keine Rede sein könne, tat zugleich unglaublich viel, um eine solche zu etablieren.

1914 wurde er mit dem Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet und 1925 zum Päpstlichen Kämmerer ernannt. Er starb 1932 in Erlau und ist auf dem Lenauheimer Friedhof bestattet. Am Temeswarer Dom erinnert eine Gedenktafel an ihn.

Von seinem Nachfolger als Domkapellmeister (1927-40) Desiderius Braun stammt die Biografie „Leben und Wirken des Desiderius Jarosy“. 1927-31 hatten beide das Amt gemeinsam versehen. Von Braun stammt auch der erste Band der Banater Musikgeschichte (1937), deren zweiten Band er nicht mehr vollenden konnte. Er starb 1940. Zu seinem Gedenken wurde auf der Empore des Temeswarer Doms eine Tafel angebracht.

Prof. Bendel kennzeichnete diese beiden Beispiele für das kirchenmusikalische Wirken in Temeswar als ungarisch fühlend, aber ethnisch deutsch und verglich sie mit dem deutschstämmigen Komponisten Ferenc Erkel (1810-1893), dem Vater der immer noch viel aufgeführten ungarischen „grand opera“ und dem Schöpfer der ungarischen Nationalhymne.

Fotos: Stefan P. Teppert

 


Plädoyer für die katholische Jugendbewegung

Rezension von Felizitas Küble

Buch-Daten: P. Gerold Schmitz: Die Katholische Jugendbewegung. Vom Aufbruch zum Abstieg. 4,50 €, Sonderpreis nur 1,95 € hier: https://www.fe-medien.de/Die-Kath-Jugendbewegung

Der Autor untersucht den Werdegang der Katholischen Jugendbewegung „von den Anfängen bis zu den Neuaufbrüchen“, so verkündet es der Untertitel.

Mit „Neuaufbrüchen“ sind konservative, kirchentreue  Jugendinitiativen gemeint, die sich in Abgrenzung zum Bund der deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) entwickelten.

Hinsichtlich des BDKJ schildert der Verfasser die glaubensbegeisterte Aufbruchstimmung Ende der 40er Jahre über Phasen der Ermüdung bis hin zur heutigen Linkslastigkeit und unentwegten Kirchenkritik dieses von Bischöfen bezuschußten Dachverbands.

Der Autor ist Pater des Franziskanerordens und beurteilt die derzeitige Arbeit des BDKJ sehr kritisch. Dabei wird deutlich, daß der schleichende Abstieg dieses „offiziellen“ katholischen Dachverbandes schon Mitte der 60er Jahre begann: Bereits vor 35 Jahren war kaum noch etwas übrig von dem religiösen Elan der Gründerzeit.

Der BDKJ geriet ins Fahrwasser der 68er Revolte und so in ein Distanzverhältnis zur „Amtskirche“. Dennoch wurde der bischöfliche Geldhahn nicht zugedreht, so daß der zeitgeistkonforme Jugendverband, der sich kirchenkritisch bis antikirchlich gebärdet, gut und gerne von den Finanzmitteln der von ihm so vielgescholtenen „Amtskirche“ lebt.

Einige Beispiele: 1971 verweigerten die Bischöfe zum ersten Mal in der Geschichte des BDKJ die Zustimmung zu dessen neuer Bundesordnung. 1984 kam es zum Streit zwischen BDKJ und Bischofskonferenz wegen klassenkämpferischer und obszön-blasphemischer „Songbücher“ der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG), eines Teilverbandes des BDKJ.

1989 protestierte der BDKJ gegen Erzbischof Johannes Dyba (siehe Foto), weil dieser – in Abgrenzung zum BDKJ – die „Katholische Jugend Fulda“ ins Leben rief. Der konservative Oberhirte wollte damit den BDKJ in seine Grenzen weisen. Die anderen Bischöfe folgten seinem Beispiel jedoch nicht.

Der BDKJ wandelte sich so von einem glaubensstarken Verband in ein Sammelsurium grün-alternativer Strömungen. Die Zeit markiger „Bekenntnistage“ und glaubensfroher Lieder war abgelaufen. Frömmigkeit wurde ersetzt durch Gesellschaftskritik, Bekenntniseifer durch Revoluzzertum, christliche Inhalte durch sozialistische Parolen.

Der Verfasser beschränkt sich in seinem sowohl sachkundig wie flüssig geschriebenen Buch nicht auf die Darstellung der (Abwärts)Entwicklung im BDKJ – dies wäre wohl ein allzu trostloses Unterfangen. Dem Autor geht es um die „Katholische Jugendbewegung“ im umfassenden Sinn – und diese reicht weit über den BDKJ und die kirchenoffizielle Verbandsarbeit hinaus.

Das Buch schildert den Aufbruch der „Jugendbewegung“ Anfang des Jahrhunderts, beginnend mit dem Wandervogel in Berlin. Im Gefolge dieses Phänomens entstanden verschiedene Richtungen der „bündischen Jugend“ in und außerhalb der christlichen Kirchen.

Die jungen Romantiker stellten keine einheitliche Bewegung dar, sondern eher einen bunten Flickenteppich: vielfältig in seiner Struktur, aber miteinander verbunden durch ein gemeinsames „Lebensgefühl“, das sich in starker Naturverbundenheit, Lagerromantik und Kritik am „Spießbürgertum“ ausdrückte.

Auf katholischer Seite wurde die Aufbruchstimmung der Jugendbewegten lebendig vor allem im Jugendbund „Quickborn“ und im katholischen Schülerbund „Neudeutschland“ sowie dem Mädchenbund „Heliand“. Auch im kirchenoffiziellen „Jungmännerverband“ erhielten Ideen und Lebenswelten der Jugendbewegung einen starken Einfluß, ohne jedoch spezifische katholische Glaubensinhalte zu verdrängen. Die Harmonie zwischen Kirche und Jugendbewegung war gelungen.

Unter der NS-Diktatur wurde die bündische Jugend im allgemeinen und die katholische Jugendbewegung im besonderen massiv verfolgt und verboten.

Aus den Trümmern der NS-Diktatur entstanden wieder jugendbewegte katholische Gruppen. Doch seitens der Kirchenleitung wurde das Einheitsmodell eines Dachverbandes gegenüber dem früheren Nebeneinander selbständiger Bünde bevorzugt. So entstand 1947 der BDKJ.

Wenngleich dieser zunächst glaubenskonservativ ausgerichtet war, zeigte sich bald der Nachteil des Einheitsgedankens, indem sich eine selbstherrliche Kaste hauptamtlicher Berufsjugendlicher herausbildete. Der bürokratische Wasserkopf mit dem Jugendhaus Düsseldorf als Zentrum weitete sich immer stärker aus, verbunden mit einem drastischen Linksdruck und einem zunehmenden Abstand zu Glaube und Kirche.

Erstveröffentlichung dieser Besprechung in der Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT


Von der Jugendbewegung bis zu Papst Benedikt: „Die Kirche erwacht in den Seelen“

Von Felizitas Küble

Papst em. Benedikt ist offensichtlich geradezu fasziniert von einem berühmten Satz des großen Theologen und Priesters Romano Guardini: „Die Kirche erwacht in den Seelen.“

Er hat diese Aussage an entscheidenden Stellen öffentlich zitiert:

Zunächst in seiner Abschieds-Ansprache an die Kardinäle vom 28.2.2013, dem letzten Tag seiner Amtszeit  – ein höchst trauriger Anlaß freilich, was gerade bei den Irrungen und Wirrungen im Pontifikat des jetzigen Papstes Franziskus immer deutlicher wird.

Die Vatikanzeitung Osservatore Romano hat diesen Satz Guardinis damals sogar als Titel ausgewählt:  http://www.osservatoreromano.va/de/news/die-kirche-erwacht-in-den-seelen

Benedikt sagte in dieser Rede, die Kirche sei „keine erfundene Institution…, sondern eine lebendige Wirklichkeit… Die Kirche lebt durch die Zeit weiter …und ihr Herz ist Christus.“ – Der Heilige Geist belebt die Kirche, so daß sie „wirklich aus der Kraft Gottes lebt“.

Die Kirche sei „in der Welt, aber nicht von der Welt“. Er fügte hinzu: „Deshalb ist auch die andere Formulierung von Guardini wahr und beredt: ‚Die Kirche erwacht in den Seelen.‘“ 

Stirbt die Kirche in den Seelen?

Der ehemalige Pontifex erwähnte diesen Leitsatz Guardinis auch in seinem kürzlich veröffentlichten Grundsatzartikel zur Missbrauchskrise: https://charismatismus.wordpress.com/2019/04/13/papst-benedikt-zu-ursachen-des-missbrauchs/

Darin heißt es über das Geheimnis der Kirche:

„Unvergessen bleibt der Satz, mit dem vor beinahe 100 Jahren Romano Guardini die freudige Hoffnung ausgesprochen hat, die sich ihm und vielen anderen damals aufdrängte: „Ein Ereignis von unabsehbarer Tragweite hat begonnen; die Kirche erwacht in den Seelen.“

Er wollte damit sagen, daß Kirche nicht mehr bloß wie vorher ein von außen auf uns zutretender Apparat, als eine Art Behörde erlebt und empfunden wurde, sondern anfing, in den Herzen selbst als gegenwärtig empfunden zu werden – als etwas nicht nur Äußerliches, sondern inwendig uns berührend.

Etwa ein halbes Jahrhundert später fühlte ich mich beim Wiederbedenken dieses Vorgangs und beim Blick auf das, was eben geschah, versucht, den Satz umzukehren: „Die Kirche stirbt in den Seelen.“

In der Tat wird die Kirche heute weithin nur noch als eine Art von politischem Apparat betrachtet. Man spricht über sie praktisch fast ausschließlich mit politischen Kategorien, und dies gilt hin bis zu Bischöfen, die ihre Vorstellung über die Kirche von morgen weitgehend ausschließlich politisch formulieren.“

Damit hat Benedikt XVI. seine große Sorge um die Kirche zum Ausdruck gebracht: Stirbt sie in den Seelen?

Zugleich kritisiert er Tendenzen „bis hin zu Bischöfen“, die Kirche als „eine Art von politischem Apparat“ zu betrachten. Wenn diese oberflächliche Mentalität, die Kirche nicht als Werk des HERRN zu sehen, sondern eher als weltliche Einrichtung mit religiösem Anstrich, nicht überwunden wird, dann erstirbt die Kirche tatsächlich immer mehr in den Seelen.

Jugendbewegung und liturgische Erneuerung

Dabei waren die Zeiten auch nicht rosig, als der katholische Religionsphilosoph Guardini diesen berühmt gewordenen Satz formulierte. Die Phase nach dem 1. Weltkrieg war z.B. von wirtschaftlichen Nöten und politischen Turbulenzen geprägt.

Auch in der Kirche gab es gewisse Auflösungstendenzen infolge des theologischen Modernismus, der vielfach nur formal überwunden wurde. Zugleich gab es auf der anderen innerkirchlichen Seite manche Erstarrungen in äußere Formen und Gewohnheiten.

Die katholische Jugendbewegung versuchte eine Verinnerlichung und Durchgeistigung des kirchlichen Glaubens und Lebens. Führend war dabei der Schülerbund „Neudeutschland“ und die stark von Guardini geprägten „Quickborn“-Gruppen.

Auch der seliggesprochene Karl Leisner  –  ein junger Priester und Märtyrer der NS-Zeit  – lebte aus dem Geist der Jugendbewegung und dem damit verbundenen „Erwachen der Kirche in den Seelen“: http://www.karl-leisner.de/karl-leisners-beschaftigung-mit-dem-grosen-religionsphilosophen-romano-guardini/

Zugleich strebte die „Liturgische Erneuerung“ eine Vertiefung der eucharistischen Frömmigkeit an; sie betonte die „liturgische Haltung“, womit vor allem die bewußte innere und äußere Wertschätzung und Teilnahme an der hl. Messe gemeint war. Die kirchliche Liturgie sollte das Zentrum der persönlichen Spiritualität bilden.

Professor Romano Guardini bildete eine lebendige Brücke zwischen der Liturgischen Erneuerung und der kath. Jugendbewegung.

In seinem 1922 erschienenen Buch „Vom Sinn der Kirche“ heißt es daher gleich eingangs: „Ein religiöser Vorgang von unabsehbarer Tragweite hat eingesetzt: Die Kirche erwacht in den Seelen.“

 


Historiker Weißmann wurde 60 Jahre alt

Für Außenstehende immer wieder faszinierend ist die immense Produktivität des Historikers Dr. Weißmann (siehe Foto).

Daß ihm diese Schaffenskraft noch sehr lange erhalten bleibe, darf man Karlheinz Weißmann wünschen, der am 13. Januar seinen 60. Geburtstag beging.  

Nation, das betonte Weißmann stets, ist weder – wie von links behauptet – etwas bloß Erfundenes, kein künstliches Konstrukt, noch ist es etwas quasi in der Natur des Menschen Veranlagtes – wie in manchen rechten Kreisen verbreitet wird.

Nationen waren weder immer schon da, noch entstanden sie beliebig, aus dem Nichts; sie bildeten sich langsam und durchaus basierend auf einer geistigen Bewegung (eine Nation sein zu wollen), aber eben doch auch auf der Basis einer historisch gewachsenen Gemeinschaft.

Daß sich Deutschland wieder als politisches Subjekt zu restituieren habe und in die Lage versetzt werden müsse, „seine Lebensfragen zu lösen“, gehörte schon vor den glücklichen Umwälzungen des Jahres 1989 zu den Forderungen Weißmanns.

Geprägt von der Jugendbewegung war der Gildenschafter einer von denen, die fest daran glaubten: „Die Deutsche Einheit kommt bestimmt!“ (Wolfgang Venohr)

Ebenso leuchten in seinen frühen Texten, etwa für Caspar von Schrenck-Notzings Zeitschrift Criticón, bereits jene schnörkel- wie schonungslosen Analysen der Lage des deutschen Konservatismus auf, die sich ab da durch unzählige Weißmann-Texte ziehen.

Quelle und vollständiger Text von Christian Vollradt in der JF hier: https://jungefreiheit.de/kultur/2019/das-denken-mit-dem-handeln-verbinden/

Noch vor zwei Tagen berichtete unser CHRISTLICHES FORUM ausführlich über einen Vortrag von Dr.  Weißmann im Düsseldorfer Landtag: https://charismatismus.wordpress.com/2019/01/12/historiker-karlheinz-weissmann-sprach-beim-afd-neujahrsempfang-in-duesseldorf/


Der kath. Jugendschriftsteller Günter Stiff wäre heute 100 Jahre alt geworden

Gründer des KOMM-MIT-Verlags und Christoferuswerks

Der heutige Tag ist für mich und viele unserer Freunde ein besonderes Datum  – nicht nur, weil heute der „Tag des Grundgesetzes“ ist: Am 23. Mai 2016 wäre unser Verlagsgründer Günter Stiff 100 Jahre alt geworden, wenn er noch irdisch unter uns leben würde.  Scannen0007

Zudem hat Günter vor genau 70 Jahren seinen KOMM-MIT-Jugend-Verlag gegründet, vor 45 Jahren unser gemeinnütziges Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt  und auch den ECCLESIA-Plakatdienst gibt es jetzt schon im 70. Jahrgang: alle zwei Wochen ein neues Poster  – vor allem für die Schaukästen der Pfarrgemeinden. Bislang sind über 1600 verschiedene Plakate im Großformat (60 x 40 cm) erschienen.

BILD: Günter als begeisterter Jugendschriftsteller mit seiner alten manuellen Schreibmaschine

Günter Stiff wurde am 23. Mai 1916 in Köln als zweitältester Sohn des Juristen Dr. Max Stiff und seiner Frau Katharina geboren. Später folgte eine Tochter, die hochbetagt in Münster lebt: Dr. Ursula Stiff. Wir stehen mir ihr seit vielen Jahren im guten Dauerkontakt.

Ende der 20er Jahre wurde Vater Stiff zum Landrat des Landkreises Münster ernannt, doch die gute Zeit währte nicht lange. Kurz nach der Machtergreifung wurde er von der NS-Diktatur wegen seiner klar katholischen, ZENTRUMS-orientierten Haltung aus dem Amt gejagt; er mußte sich während der Kriegsjahre zeitweise verstecken. Nach 1945 wurde er vom Kreistag einstimmig zum neuen Landrat gewählt; später wirkte er als Oberstadtdirektor von Münster. Scannen0009

Sein Sohn Günter Stiff gründete bereits 1946 den KOMM-MIT-Verlag, den er zunächst als „Deutscher Jugend-Verlag“ bezeichnete. Zudem startete er mit der ersten deutschen Jugendbuchhandlung „Junge Welt“ und betrieb in Münsters Innenstadt ein Geschäfts- und Versandhaus „Universum“.

Außerdem war er der Gründer des „Katholischen Filmdienstes“, den er später abgab  –  diese Organisation besteht heute noch und bringt das bekannte „Lexikon des Internationalen Films“ heraus.

Die KOMM-MIT-Kalender Stiffs erreichten von 1947 bis 2001 eine mehrfache Millionenauflage. Zudem brachte er weitere Bücher heraus, zB. das Große Fahrt- und Lager-Handbuch, das Waldläuferhandbuch, das meistverkaufte Spielhandbuch „1000 Jugendspiele“ (400.000 Auflage). Über 30 Jahre lang erschien monatlich seine KOMM-MIT-Zeitschrift, zudem zahlreiche katechetische Broschüren, Themenhefte usw.

Günter Stiff sah sich in der Tradition der deutschen Jugendbewegung, zumal er aus dem katholischen Schülerbund „Neudeutschland“ kam, der von Jesuitenpatres geleitet wurde  – dieser Jungenbund kombinierte bodenständige katholische Gläubigkeit mit jugendbewegten Schwung. Scannen0012

Der Verlagsgründer und Familienvater Günter Stiff (3 Kinder) starb nach einem glaubensfrohen, bescheidenen, idealistischen und einsatzfreudigen Leben am 10. September 2002 im Alter von 86 Jahren in Münster.

Näheres über sein herausragendes Wirken und seinen bewegten Lebenslauf lesen wir hier auf Kathpedia: http://www.kathpedia.com/index.php?title=G%C3%BCnter_Stiff

BILD: Günter in seinem letzten Lebensjahr im Krankenhaus  – er war ein echter „Bruder Immerfroh“, stets gut gelaunt und kreativ bis zuletzt

Da ich (Felizitas Küble) schon seit 1979  mit großer Freude in seinem Verlag wirke, nachdem mit 18 Jahren von meiner oberschwäbischen Heimat nach Münster zog, übernahm ich gemäß Günters Willen sein Lebenswerk, führe den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk weiter  – und betreibe zudem im Rahmen des Christoferuswerks ehrenamtlich seit Juni 2011 dieses CHRISTLICHE FORUM.

Heute erinnern wir uns mit vielen Freunden besonders an unseren Günter Stiff, der in den Herzen vieler Menschen unvergeßlich bleibt. Möge der HERR ihm die ewige Freude schenken  – ihm, der so vielen Menschen große Freude bereitet und der unermüdlich für Gottes Reich gewirkt hat.

 


Jugendbewegtes 100-Jahre-Jubiläum auf dem Hohen Meißner

Anfang Oktober 2013 beging die deutsche Jugendbewegung, die um die vorige Jahrhundertwende mit dem „Wandervogel“ in Berlin entstand, das 100-jährige Jubiläum des 1. Freideutschen Jugendtages, der am 11. und 12. Oktober 1913 auf dem Hohen Meißner in Nordhessen stattfand.

Volkstanz-Jugend

Volkstanz-Jugend in Bergatreute

Mit diesem Treffen brachten jugendbewegte bzw. bündische Gruppen, die sich aus dem Wandervogel entwickelt hatten, vor 100 Jahren ihr Verständnis von innerer Freiheit und eigener Verantwortung zum Ausdruck, wobei der geistig hochstehende Patriotismus der Jugendbewegten sich deutlich unterschied vom damals üblichen Hurra-Patriotismus der Wilhelminischen Ära.

Bündische Gruppen und „Wandervögel“ brachten eine eigene schriftstellerische Welt hervor, sie erweckten Volkslieder, Volksdichtung und den Volkstanz wieder zum Leben, sangen Fahrtenlieder mit der „Klampfe“ und brachten zahlreiche jugendbewegte Liederbücher heraus.

Die während des Jugendtages 1913 entstandene  „Meißnerformel“ wurde vor allem für die „Bündische Jugend“ zum prägenden Wort und Ereignis. 

100 Jahre später fand nun wieder ein Fest der Jugend am Hohen Meißner statt, das Pfadfinder, Wandervögel und Jungenschaftler gemeinsam gestaltet haben. Ca. 3500 Jugendbewegte trafen sich am vergangenen Wochenende auf dem Hohen Meißner zur 100-Jahr-Feier des Freideutschen Jugendtags.

Die „Meißnerformel“ von 1913 lautet:

„Die Freideutsche Jugend will aus eigener Bestimmung, vor eigener Verantwortung, mit innerer Wahrhaftigkeit ihr Leben gestalten. Für diese innere Freiheit tritt sie unter allen Umständen geschlossen ein.“  

Zu diesem Leitwort gesellte sich folgender Zusatz  – auch hier in Abgrenzung zu damaligen –  und heutigen  –  (spieß)bürgerlichen Gewohnheiten:

„Alle gemeinsamen Veranstaltungen der Freideutschen Jugend sind alkohol- und nikotinfrei.“

Zu jenen Verlagen und Initiativen, die sich stets dem Geist der Jugendbewegung eng verbunden fühlen, gehört der 1946 von Günter Stiff gegründete KOMM-MIT-Jugendverlag in Münster. Der vor 13 Jahren verstorbene Jugendschriftsteller Stiff war zugleich Gründer des Christoferuswerks, das dieses Webmagazin CHRISTLICHES FORUM betreibt.

Foto: http://www.albverein-bergatreute.de/volkstanz/


Faszination Jugendbewegung: „Zelte sah ich, Pferde, Fahnen, roten Rauch am Horizont…“

Von Hans Martin Schmidt

Nach einem regenreichen Tag ist der Abend überraschend mild und lädt zu einem Spaziergang ein. Ich bin am Hohen Meißner, dem höchsten Berg Nordhessens.

Von irgendwo höre ich Stimmen, Klampfenklang, ein leises Lied: „Wir wollen zu Land ausfahren …“  –  Auf einer Waldlichtung zeltet eine Jugendgruppe. Sie tragen Kluft, haben schwarze Jurten aufgebaut, ihre Heimat auf Zeit.

Ich komme mit den jungen Leuten ins Gespräch. Es sind Pfadfinder, bündisch geprägt, eine kleine, muntere Schar.

Foto: H.M.Schmidt

Foto: H.M.Schmidt

Sie verbindet der Geist der deutschen Jugendbewegung. Das wissen sie, darauf sind sie stolz. Trotz aller Tragik, die sich mit der Geschichte der Wandervögel, Burschenschaftler und Pfadfinder verbindet.

Um 1900: In Deutschland schreitet die Industrialisierung in Windeseile voran. Fabrikschlote wachsen in den Himmel und machen den Kirchtürmen Konkurrenz, in den Randbezirken der Städte, unweit mächtiger Fabrikanlagen, werden spartanische Arbeitersiedlungen gebaut.

Teile der „bürgerlichen Jugend“ (die meist weder religiös noch sozialistisch ist und auch über keine eigenen Werte verfügt) zeigen sich verstört. Die Enge des Großbürgertums, die keine persönliche Empfindungen, keine Eigenentwicklung zulässt, und die Brachialgewalt, mit der nun das technische Zeitalter über sie hineinbricht, lässt sie in die Natur entfliehen.

Romantische Alternative WANDERVOGEL

Der Wandervogel wird zu einer romantischen Alternative, die anscheinend alle Sinne beansprucht und ein erfülltes Leben erwarten lässt. Der Wandervogel raucht nicht, meidet den Alkohol (nicht immer werden diese Regeln konsequent befolgt). Er ist ein Freund der schönen Künste und er schließt Freundschaften, die mitunter von inniger Zuneigung bestimmt sind.

Nächtliche Streifzüge durch Wald und Feld sind ebenso beliebt wie Tänze im Mondenschein und das Singen verschollen geglaubter Volkslieder.

Eine politische Gegenfront entsteht daraus aber nicht nicht, doch die Jugend will ein Zeichen setzen. Während das kaiserliche Deutschland Säbelrasselnd die 100-Jahr-Feier der Leipziger Völkerschlacht angeht, setzen sich zur gleichen Zeit, am 13. Oktober 1913, Jugendführer auf dem Hanstein im Werraland zusammen, um das „Freideutsche Bekenntnis“ zu formulieren, die sogenannte „Meißner-Formel“.

Meißner-Formel: JA zur inneren FREIHEIT

Einen Tag später wird sie beim „Ersten Freideutschen Jugendtag“ auf dem Hohen Meißner (siehe Foto) offiziell verkündet:

„Die Freideutsche Jugend will nach eigener Bestimmung,
vor eigener Verantwortung, image
in innerer Wahrhaftigkeit ihr Leben gestalten.
Für diese innere Freiheit
tritt sie unter allen Umständen geschlossen ein.“

Einer der Verfasser ist der Arzt Dr. Knud Ahlborn, der später auf Sylt wirkt (1919, mit Mitteln des Hamburger Staates: Gründung des Nordseelagers Ouan Klent und des Jugendlagers Klappholtal, heute „Akademie am Meer“).

Doch der 1. Weltkrieg zerstört alle Träume von einem selbstbestimmten „Jugendreich“. Von 15.000 Wandervögeln ließen 9000 auf den Schlachtfeldern ihr junges Leben. Eine bittere Zäsur, von der sich der Wandervogel nicht wieder erholte.

Die alten Wandervogel-Ideale erlebten, in einem eng begrenzten Rahmen, eine Renaissance, als die Zwillingsbrüder Robert (starb im KZ) und Karl Oelbermann, die aus dem Bonner „Bibelkränzchen“ (BK) kamen, 1921 den „Nerother Wandervogel  –  Bund zur Errichtung der Rheinischen Jugendburg e.V.“ ins Leben riefen  –  die Nerother gibt es heute noch.

Auch Pfadfinder und bündische Jugendgruppen sehen sich in der Tradition der „Freideutschen Jugend“ und wollen den Meißnertag 2013, das Jubiläum, mit einem Lager (1. bis 6. Oktober am Hohen Meißner) und einer Gedenkfeier würdig begehen.

Doch eine Welle der Begeisterung, an vergangene gute Zeiten zu erinnern, gibt es wohl eher nicht. Und jene eigenartige Atmosphäre, in der die jungen Menschen um 1900 gelebt haben, wird wohl kaum mehr einzufangen sein…

Der Autor ist Journalist in Frankfurt und betreibt die Webseite FFM-direkt: http://www.ffmdirekt.de/


Auftakt-Meldung zum Jubiläum: 100 Jahre Freideutscher Jugendtag!

Tausende Jugendbewegte treffen sich im Oktober 2013 auf dem Hohen Meißner 

Pressemitteilung der Meißner-Initiative:

Mit einer groß angelegten Begegnung der Jugend wollen Pfadfinder, Wandervögel und Jungenschaftler an das historische Treffen der Deutschen Jugendbewegung vor 100 Jahren auf dem Hohen Meißner bei Göttingen erinnern. image

Eine Initiative von über 60 aktiven Bünden hat sich zur Vorbereitung eines Zeltlagers vom 1. bis zum 6. Oktober 2013 zusammengefunden.

Diese jugendbewegten Menschen sind davon überzeugt, daß es heute auch heute noch lohnt, an den Impuls des Meißner-Treffens von 1913 zu erinnern.

Die „Meißner-Formel“ ist lebendig geblieben

Die seinerzeit gefundene gemeinsame Idee „Die Jugend will nach eigener Bestimmung, vor eigener Verantwortung, in innerer Wahrhaftigkeit ihr Leben gestalten…“ hat sich als Meißner-Formel in den Bünden lebendig erhalten.

Anders als vor 100 Jahren hat die heutige Jugend diese Freiheiten. Lehrer, Eltern, die „Obrigkeit“ sind keine unfehlbaren Autoritäten mehr. Dennoch gibt es auch in unserer Zeit eine ganze Reihe von Zwängen, denen die Jugend unterworfen ist.

Die heutige Jugendbewegung steht für Wertegebundenheit, präsentiert eigene Lebensentwürfe und begibt sich mit dem Treffen auf dem Hohen Meißner auf die Suche nach Antworten auf ihre Zukunftsfragen.

Wie schon zu früheren Meißner-Treffen werden die Teilnehmer auch zum 100-jährigen Jubiläum eine Meißner- Erklärung abgeben, die während des Lagers veröffentlicht wird. 085

Insgesamt werden auf dem Lager über 3000 Teilnehmer aus den Bünden der Pfadfinder, Wandervögel und Jungenschaften erwartet sowie viele weitere, die sich in der Tradition der Jugendbewegung verstehen. Sie alle haben ihre eigene Geschichte, eigene Lebensformen und Ideen, eigene Symbole, Ziele und Visionen.

Um diese Vielfalt kennenzulernen, laden wir Sie herzlich ein, im Oktober einen Lagertag gemeinsam mit uns zu verbringen.

Die Internetseite http://www.meissner-2013.de ist freigeschaltet. Mit wenigen Klicks können Sie sich ein Bild von den teilnehmenden Bünden, von der Historie der Meißner-Treffen und vom aktuellen Stand der Vorbereitung machen.

Unter dem Menüpunkt „Presse“ steht Ihnen unsere Pressemappe zum Download zur Verfügung. Sie finden sie in der Anlage. Gerne senden wir Ihnen die Mappe auch per Post zu.

Für weitere Infos steht Ihnen als Ansprechpartnerin für den Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung: Juliane Palm, presse@meissner-2013.de

Quelle (Text/Fotos): http://www.meissner-2013.de


Buch-TIP: „Steffens letzte Ferien“ – Jungenleben anno 1970 zwischen Susi und Franziska

Buch-Daten: Steffens letzte Ferien, Günter Mayer, Paperback, Verlag Books on Demand, Norderstedt 2011,124 Seiten, 12,50 €, ISBN 978-3-8448-7237-8

Eine kenntnisreiche Erzählung über die „sexuelle Revolution“ im Alltag der Jugend

Dieses im Herbst 2011 erschienene Taschenbuch „Steffens letzte Ferien“ von Günter Mayer ist eine packend geschriebene, lebensnahe Geschichte: mag sie formal weitgehend einem Roman ähnlich sein, so ist sie doch nicht komplett frei erfunden.   

Vielmehr ist es dem Autor eindrucksvoll gelungen, jene Erkenntnisse und Erlebnisse, die ihm viele Jungen seiner Gruppe in den 70er Jahren schilderten, nunmehr in eine lebendig wirkende Erzählung zu verweben, die zudem unaufdringlich und scheinbar „nebenbei“ wichtige historische Kenntnisse vermittelt.

Vor allem aber eignet sich das anschaulich geschriebene Buch als eine Art Zeitdokument über das spezifische Lebensgefühl von Jungen und Mädchen Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre, als die  –  im Grunde kulturfeindlichen   –  Ausläufer der 68er „Kulturrevolution“ wirksam wurden und zunehmend von den Universitäten abwärts in die „Basis“ gelangten   –  und vor allem viele jungen Leute beeinflußten, auch Teenager ab 13 Jahren aufwärts.

Diese Teenis standen in dieser bewegten Zeit des Umbruchs, der vermeintlich fortschrittlichen Reformen  und eines tiefgreifenden Wertewandels oft verwirrt zwischen dem „konservativen“ Einfluß von Elternhaus und Kirche auf der einen Seite  –  und der angeblichen sexuellen Befreiung andererseits.

Viele Jugendliche waren von diesem Zwiespalt verunsichert und überfordert, sie überließen sich dem hedonistischen „Zeitgeist“ und oft auch verfrühten sexuellen Erlebnissen.

Diese von der Pubertät geprägten Jugendlichen zwischen 13 und 16 standen in einem zermürbenden Spannungsfeld zwischen bürgerlich-herkömmlicher Sexualmoral und einer neuen Freizügigkeit bis hin zur Hemmungslosigkeit. In dieser unausgegorenen Situation entstand allzu leicht der Wunsch, nunmehr all das auszuprobieren, was zwar durch Kirche und Elternhaus verboten war, aber neuerdings normal und durchaus erlaubt erschien,  wie freizügige Jugendillustrierte  – darunter vor allem die „Bravo“  –  suggerierten.

In seinem  Vorwort verdeutlicht Günter Mayer, der Verfasser, wie die Ideen der revolutionären 68er-Bewegung von den Universitäten aus ihren Siegeszug in bürgerliche Wohnzimmer antreten konnten  –  und dies vor allem mit Hilfe zeitgeistbeflissener Medien und Politiker. Eine radikale Abkehr von bisher geltenden Denkweisen und die Verteufelung jeglicher Autorität bewirkten bei Heranwachsenden eine zunehmende Orientierungslosigkeit, was durch eine Werte-Verunsicherung vieler Erwachsener noch verstärkt wurde.

Vom einführenden Vorwort zurück zur spannenden Erzählung: Der aus gutbürgerlichem Hause kommende Steffen ist zwar nicht in allem Situationen der große „Held“, aber gleichwohl Mittelpunkt dieser Erzählung, die mit Steffens Schulentlassung und seiner intensiven Suche nach einer Lehrstelle als KfZ-Mechaniker beginnt.

Um das Erfreuliche gleich vorwegzunehmen: Am Schluß hat der geistig aufgeschlossene Junge, der sich durch alle Irrungen und Wirrungen hindurch seine sittlichen Ideale nicht nehmen läßt, sowohl eine gute Lehrstelle wie auch ein solides, jugendfrisches und aufrichtiges Mädchen namens Franziska an der Hand, mit der er eine gemeinsame Zukunft plant, wenngleich die Hochzeitsglocken schon aus Altersgründen noch nicht läuten können.

Dieses sachte angedeutete „Happy End“, das einerseits in einer nüchtern-realistischen Sprache geschildert wird, andererseits einen leichten Hauch Romantik enthält, ist sicher  wohlverdient, denn obwohl sich Steffen nicht immer und überall glänzend wie ein „Ritter ohne Furcht und Tadel“ bewährt, wenngleich auch er aus Fehlern lernen muß und einigen Irrtümern aufsitzt, so ist er trotzdem  –  oder eben deswegen  –  eine positive Identifikationsfigur, dem man gerne ein erfolgreiches Meistergeschäft und vor allem eine glückliche Ehe, gesegnet mit einer frohen Kinderschar, wünschen möchte.

Freilich gibt es in dem  – gottlob völlig kitschfrei formulierten, vielmehr sehr lebensnah und plastisch geschriebenen  – Buch nicht nur edle Franziskas, sondern auch eher liederliche „Susis“, die sich aufdringlich an Jungs heranmachen und sie zu frühen Sexerlebnissen verleiten wollen.

Infolgedessen sind Jungen im typischen Alter zwischen Schulabschluß und Lehrstelle hin und hergerissen zwischen oberflächlichem Sex und aufkeimender Liebe, die sich ernsthaft für das „Gegenüber“ interessiert und nicht nur auf egoistische Lustbefriedigung abzielt.

Zugleich handelt die bewegende, oftmals geradezu mitreißende Erzählung von entstehenden Kameradschaften zwischen Jungen, von der freundlichen, aber nicht immer ganz harmonischen Beziehung zwischen Steffen und seinem jüngeren Bruder Micha, der ebenfalls vom Strudel hemmungsloser Sexeinflüsse nicht ganz frei bleibt, aber doch wie sein älterer Bruder im Grunde nach dem Guten und wirklich Wertvollen im Leben  – und in der Liebe  –  sucht.

Dabei gerät auch die Kirche positiv in den Blick, weil sie durch die christliche Botschaft für Sinn und Halt im Leben sorgt, zumal in der „unreifen“ Zeit des Heranwachsens. Auch Steffen, dessen Elternhaus zwar bürgerlich, aber nicht religiös ist, interessiert sich zunehmend für die Antworten, die der christliche Glaube und seine Ideale für die bohrenden, tiefgründigen Fragen junger Leute geben kann, wobei ein sympathischer Kaplan für ihn zum menschlichen und sittlichen Vorbild wird.

Ein weiterer Wert dieses Buches, das wirklichkeitsnah und fesselnd die Alltagswelt der Teenager in der Spätphase der 68er Bewegung schildert, liegt in seinen geschichtspolitischen Informationen, die knapp und sachlich in die Erzählung hineinfließen  – und zugleich im Anhang des Buches übersichtlich erläutert werden.

Zudem finden sich vielfach erklärende Fußnoten auf der jeweiligen Seite unten, wobei historische Vorgänge ebenso erklärt werden wie praktische Alltagsthemen aus den 70er Jahren oder damals aktuelle politische Ereignisse.

So vermittelt dieses Buch für die Jugend sowohl spannende Dialoge und Erlebnisse wie auch lehrreiche Kenntnisse und aufschlußreiche Hintergründe über das Zeitgeschehen und geschichtliche Zusammenhänge, vor allem hinsichtlich der europäischen „Freiheitskriege“ gegen Napoleon oder dem deutsch-französischen Krieg 1870, aber auch zu Vorgängen des 20. Jahrhunderts, etwa der Situation in der Weimarer Republik, der Lage der Sudetendeutschen, der beginnenden NS-Diktatur, der Adenauer-Republik usw.

Der Verfasser konnte immer wieder erleben, daß junge Leute an historischen Ereignissen sehr interessiert waren und ein entsprechendes Defizit des Geschichtsunterrichts beklagten. Es ist ihm deshalb wichtig, in seiner Geschichte wieder wesentliche Inhalte der “Geschichte”  in Erinnerung zu rufen.

Wer das Buch gelesen hat, wird Verständnis für eine Jugend gewinnen, die nach tragenden Maßstäben und Werten sucht, die sich in einer weitgehend orientierungslosen Welt zurechtfinden muß, einer Welt überdies, die dem antibürgerlichen und linkslastigen Zeitgeist der 68er Bewegung vielfach anheimgefallen ist, was der Autor in Form einer spannenden, mitunter auch humorvollen Erzählung kritisch und realitätsnah beleuchtet.

Man spürt bei der Lektüre dieser frisch geschriebenen Erzählung schnell, daß sich der Verfasser im praktischen Kontakt mit Jugendlichen befand: er war tatsächlich 30 Jahre lang ehrenamtlicher Leiter in einem großen katholischen Jugendverband.

Bei seinen zahlreichen Wanderungen, Fahrten und Freizeiten wurde er handfest mit Erfahrungen, Problemen und Herausforderungen vieler Jungen konfrontiert. Auch bei späteren Treffen wurde ihm oft aus dem damaligen Denken und Erleben berichtet. Dieser vielfältige „Stoff“  ist in diese „erfundene“ und doch so lebensnah wirkende Geschichte eingeflossen.

Zugleich macht sich  –  angesichts der Informationsdichte und breiten Wissensvermittlung dieses Buches  –  bemerkbar, daß der Autor als Rechtspfleger und Dozent an der Fachhochschule Schwetzingen tätig war.

Berufliche Sachkenntnis und ehrenamtlicher Einsatz für die Jugend bilden die beiden wesentlichen „Säulen“ für die schriftstellerische Tätigkeit von Günter Mayer, die er nach seiner Pensionierung begonnen hat; dies führte zu einer Reihe juristischer Fachbücher sowie Ratgebern für Laien, aber auch zu drei Kinder- und Jugendbüchern, wobei die Erzählung „Steffens letzte Ferien“ das vierte im Bunde sein könnte  – freilich ist es eher für ältere Jugendliche und Erwachsene verfaßt.

Dieses „Buch für die Jugend“ ist ansprechend gestaltet und übersichtlich aufgebaut; zugleich bietet es eine reiche Fundgrube wissenswerter Informationen,  wozu auch die vielen Erläuterungen, Zitate und Buchhinweise im Anhang beitragen.

Das 124 Seiten umfassende Werk eignet sich für ältere Teenis ab 16 Jahren  –  und für alle erwachsenen Leser, die sich für die Welt der Jugendlichen interessieren und sich ein „Herz für die Jugend“ bewahrt haben.

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Jugendverlags und des Christoferuswerks in Münster

Das Buch kann für 12,50 € portofrei auch bei uns bestellt werden: Tel. 0251-616768 /Mail: felizitas.kueble@web.de

Erstveröffentlichung  dieser Besprechung in der Zeitschrift „Theologisches“ (Mai/Juni 2012)