Evangelische Kritik: Margot Käßmann leugnet die jungfräuliche Empfängnis Christi

Dipl.-Chem. Dr. Hans Penner, 76351 Linkenheim-Hochstetten

OFFENER BRIEF an Prof. Dr. Hans-Joachim Eckstein, Universität Tübingen

Sehr geehrter Herr Professor Eckstein,

wenn man eine Veranstaltung „Christustag“ nennt, steht die Frage im Mittelpunkt, wer denn Christus ist.

Wie der Liebenzeller Gemeinschaftsverband am 13.12.2013 mitteilte, „hat als prominenter Gast bereits Margot Käßmann, die Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017, ihr Kommen angekündigt. Sie wird ein Grußwort zu den Besuchern sprechen.“ top8_003

Die ehem. Bischöfin Prof. Dr. Margot Käßmann hat in einem Interview mit dem SPIEGEL (22.7.2013) zur Frage nach dem Vater von Jesus gesagt:

„Da bin ich ganz Theologin des 21. Jahrhunderts. Ich glaube, dass Maria eine junge Frau war, die Gott vollkommen vertraut hat. Aber dass sie im medizinischen Sinne Jungfrau war, das glaube ich nicht… Ich denke, dass Josef im biologischen Sinne der Vater Jesu war.“

Mit ihrer Aussage zur Geburt Jesu lehnt Frau Käßmann das Apostolische Glaubensbekenntnis ab, das alle Christen einigt. Aus meiner Sicht ist Frau Käßmann deshalb keine Christin.

Es muß also nüchtern festgestellt werden, daß die Teilnehmer des Christustages 2014 durch eine Nichtchristin begrüßt werden sollen.

Sie sind der Hauptredner des Christustages 2014 und ebenfalls ein Theologe des 21. Jahrhunderts.

Zu fragen ist deshalb, ob Sie ebenso wie Frau Käßmann der Auffassung sind, daß Jesus nicht der Sohn Gottes ist, sondern der Sohn des Joseph war.

Ich nehme an, daß die geistlich wachen Christen an dieser Frage interessiert sind.  

Mit freundlichen Grüßen
Hans Penner


Die meisten US-amerikanischen Christen glauben an die Jungfrauengeburt

Zustimmungsrate bei Evangelikalen höher als bei Katholiken

Fast drei Viertel der erwachsenen US-Amerikaner (73 Prozent) glauben, daß Christus von einer Jungfrau geboren wurde. Das hat eine repräsentative Umfrage des Pew-Forschungsinstituts ergeben. 19 Prozent teilen diese Auffassung nicht, sieben Prozent wollten sich nicht dazu äußern oder sagten, daß sie es nicht wüßten. img_2818_krippe+grossMA28461160-0083

Am meisten ausgeprägt ist der Glaube an die jungfräuliche Empfängnis Christi unter weißen Evangelikalen (97 Prozent), farbigen Protestanten (94 Prozent) sowie weißen Katholiken: 88 Prozent. (Die Evangelikalen sind theologisch konservative Protestanten.)

Insgesamt betrachtet liegt die Zustimmungsrate bei den Protestanten bei 87 Prozent und bei den Katholiken bei 86 Prozent. Auch 32 Prozent der religiös Ungebundenen gaben an, daß sie an die Jungfrauengeburt glauben.

Bei jungen US-Amerikanern fällt die Zustimmung zu dieser Frage geringer aus als bei Älteren: Unter den 18- bis 29-Jährigen US-Amerikanern sind genau zwei Drittel der Überzeugung, daß sich dieses Wunder ereignet hat. Bei allen, die 30 Jahre und älter sind, liegt die Zustimmung bei 76 Prozent.

Quelle: http://www.idea.de

 

Diesen Artikel:


Leugnete Erzbischof Müller – Chef der Glaubenskongregation – wirklich die Jungfrauengeburt ?

MARIA ist Jungfrau immerdar – und zugleich Realsymbol für das volle HEIL und Heilsein in CHRISTUS

Seitens mancher traditioneller Gruppen und Webseiten wird derzeit behauptet, der frisch ernannte Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, bestreite nichts weniger als die Jungfrauengeburt bzw. immerwährende Jungfräulichkeit der Gottesmutter; folglich verbreite er Irrlehren, sei gar ein „Ketzer“, „Häretiker“ etc. 0012

Einige Kritiker drücken dieselbe Anschuldigung etwas vorsichtiger aus, indem sie einräumen, der Erzbischof habe wohl das Virgo-Dogma  als solches nicht  geleugnet, sich aber nicht an die „Hermeneutik“ bzw übliche Auslegungstradition gehalten. – Nun ist eine solche Deutungstradition  –  mag sie auch weit verbreitet sein –  durchaus nicht mit dem Dogma selber gleichzusetzen, so daß der Häresie-Vorwurf insoweit schon rein formal gesehen nicht aufrechterhalten werden kann.

In dieser Debatte wird eine bestimmte Äußerung von Dr. Gerhard L. Müller (als er noch Theologieprofessor war) erstens aus dem Kontext bzw. Zusammenhang gerissen; zweitens wird nicht immer ausreichend berücksichtigt, daß die Geburt Christi aus der Jungfrau Maria sowohl natürliche wie übernatürliche Dimensionen aufweist, zumal unser Erlöser in seiner Person Gott und Mensch zugleich ist.

So ist auch seine Geburt eine wirkliche Geburt und doch wunderbar; also gewissermaßen ein „Miteinander“ von göttlichem Wirken und menschlicher Natur.

Jesu wahres Menschsein hat die Kirche immer verkündet, auch gegenüber Irrlehren aus dem gnostischen Doketismus, der behauptete, Jesus habe nur einen Scheinleib gehabt, also keinen wirklichen menschlichen Leib, keine wahre menschliche Natur.

Zugleich bekennt sich die Kirche voll und ganz zur Gottheit Christi, so daß seine Geburt aus Maria vom übernatürlichen Glanz seiner Herrlichkeit überstrahlt ist  – und die Madonna auch „in der Geburt“ Jungfrau blieb („virginitas in partu“).

Dabei kann bedacht werden, daß Christus nach seiner Auferstehung mit seinem wirklichen und zugleich verherrlichten Leib durch verschlossene Türen gehen konnte und seinen Aposteln erschien. Allerdings gilt dieser Vergleich nicht im Sinne einer direkten Gleichsetzung,  sondern eher als Hinweis zum leichteren Verständnis.

Freilich hat sich die Kirche  –  wohl aus Gründen der Vernunft und des guten Geschmacks  –  zu gynäkologischen Einzelheiten von Marias Jungfrauschaft „in der Geburt“ niemals lehramtlich festgelegt.

Die Jungfräulichkeit der Madonna ist überdies kein Selbstzweck, sondern mit ihrer  einzigartigen Berufung zur Gottesmutterschaft verbunden, die das Fundament aller weiteren kirchlichen Lehren über Maria darstellt.

Marias Gottesmutterschaft ist „ihre wesentliche Bestimmung“

Der bekannte Mariologe und Kardinal Leo Scheffczyk schreibt hierzu, daß die marianische Wahrheit nicht im Bekenntnis zur Jungfräulichkeit ihr „Zentrum“ hat, sondern daß vielmehr „die Gottesmutterschaft die wesentliche Bestimmung des Personalcharakters Mariens darstellt.“

Das grundlegende Dogma über Maria ist jenes über die „Theotokos“, die Gottesmutterschaft.

Der Mariologe fügt hinzu, daß die „Jungfräulichkeit als eigentümliche Verwirklichungsform dieses Mutterseins zum Personalcharakter der Mutter Jesu hinzukommt.“  (Vgl. sein Buch „Katholische Glaubenswelt“, S. 277)

Auf S. 281 betont der Kardinal über das „Glaubensgeheimnis der Jungfräulichkeit Mariens“:

„Wenn man hier ein Geheimnis anerkennt, so ist damit auch gesagt, daß der Blick nicht vorschnell und einseitig auf das darin sicher eingeschlossene biologische Faktum gehen soll.“

Die jungfräuliche Gottesmutterschaft sei „ein tiefes Mysterium“ und erschließe sich vor allem sittlich und geistlich, wenngleich die biologische Ebene dazugehört. Kardinal Scheffczyk schreibt hierzu:

„Man darf deshalb auch beim Geheimnis der Jungfrauengeburt und der Jungfräulichkeit Mariens nicht ausschließlich an das biologische Moment denken.“ (S. 281)

Die bleibende Jungfräulichkeit Mariens wurde bereits in spätantiker Zeit als Glaubenssatz gelehrt (Synode zu Mailand, 390 n. Chr.), auf dem 5. Konzil von Konstantinopel (553 n. Chr.) mit der Formel von der „Jungfrau immerdar“ erneut verkündet und auf der Lateransynode 649 n. Chr. unter Papst Martin I. dogmatisch bekräftigt.

Im betreffenden Kanon 3 heißt es wörtlich:

„Wer nicht gemäß den heiligen Vätern im eigentlichen Sinne und der Wahrheit entsprechend die heilige, allzeit jungfräuliche und unbefleckte Maria als Gottesgebärerin bekennt, da sie ja eigentlich und wahrhaftig Gott, das Wort, selbst, der vor allen Zeiten aus Gott, dem Vater, geboren wurde, in den letzten Zeiten ohne Samen aus dem Heiligen Geist empfangen und unversehrt gebo­ren hat, wobei ihre Jungfrauschaft auch nach seiner Geburt unzerstört blieb, der sei verurteilt.“  (DH = Denzinger: 503)

Soweit das Dogma zur Jungfräulichkeit „in der Geburt“,  um das es in der „Müller-Debatte“ geht.

Während sich freilich Erzbischof Müller klar zu dieser Aussage des „außerordentlichen“ Lehramts bekennt (Zitat siehe Schlußteil dieses Artikels), hatte der Theologe Karl Rahner das Dogma auch dadurch zu relativieren versucht,  indem er erklärte, es habe sich lediglich um eine regionale Synode gehandelt, nicht um ein allgemeines Konzil  – was so nur teilweise zutrifft.

Auch die großen, heiligen Kirchenväter des 4. und beginnenden 5.  Jahrhunderts, nämlich Ambrosius (gest. 397), Hieronymus (+420) und Augustinus (+430) bekannten sich eindeutig zur allzeit jungfräulichen Mutter des HERRN.

Schon zuvor schrieb der hl. Kirchenlehrer Ephräm der Syrer (4.Jh.):

„In Maria mußte die Natur von ihren Gesetzen abgehen, denn Maria empfing und gebar als Jungfrau; diesen Weg vermag die Natur nicht zu gehen. Das Kind wurde wie alle Kinder geboren, doch seine Mutter blieb Jungfrau. (…)  Sie empfing und gebar ohne Zutun eines Mannes (…)  – ein in der Welt völlig unerhörtes Wunder. Einem Sohn hat sie das Leben gegeben, den alles bewundert. Wie dies geschah, ist unserem Verständnis entrückt. Die Gelehrten sind unfähig, dieses Geheimnis zu ergründen: Das Mädchen stillt, eine Jungfrau ist Mutter.“  (5. Hymnus, Vers 1 – 4)

Das Mädchen stillt“  – auch durch die Tatsache, daß die Madonna dem Christkind ihre Mutterbrust reichte, wird ein natürlicher Vorgang und auch so das wahre Menschsein, die volle menschliche Natur unseres göttlichen Heilands deutlich.

Erinnern wir uns an das Marienlob einer Frau aus dem Volke, die Christus zurief: „Selig der Leib, der Dich getragen, und die Brust, die Dich genährt hat!“ (Lk 11,27) – Die Antwort Jesu („Ja, selig sind jene, die Gottes Wort hören und bewahren!“)  ist kein Widerspruch, sondern vielmehr eine Bestätigung und zugleich ein Hinweis darauf, daß Marias Mutterwürde sich nicht auf das Leibliche beschränkt, sondern vor allem im Geistigen und im Glauben gründet, wie schon ihre Verwandte Elisabeth erkannte, als sie die Madonna mit den Worten pries: „Selig bist Du, die Du geglaubt hast, was der HERR Dir sagen ließ“ (Lk 1,45).

Während die „stillende Maria“ an das wahre Menschsein Christi erinnert, leuchtet uns im Mysterium ihrer Jungfräulichkeit die Allmacht des Ewigen und der göttliche Glanz unseres Erlösers entgegen, der auch der Erlöser Marias ist, wie sie selbst in ihrem Magnificat bezeugt („mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter“) und wie es der Immaculata-Glaube der Kirche bekennt: Maria als die makellos Voraus-Erlöste im Hinblick auf die Verdienste Christi.

Im Großen Credo bzw. dem Glaubensbekenntnis von Nicäa-Konstantinopel heißt es „Natus ex Maria Virgine„, also (wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt): „Geboren aus Maria, der Jungfrau“.

Zu diesem altkirchlichen Credo hat sich auch Martin Luther mehrfach ausdrücklich bekannt, so zB. in seiner Weihnachtspredigt vom 24.12.1528: „Diese Jungfrau kennt keinen Verlust der Jungfräulichkeit; sie bleibt unverletzt und rein.“

Es geht bei der Lehraussage von Marias immerwährender Jungfräulichkeit freilich substantiell nicht um physiologische Details hinsichtlich des Geburtsvorgangs,  sondern darum,  d a ß  Marias Virginität immer unverletzt blieb.

Über das genaue „Wie“ der jungfräulichen Mutterschaft Mariens äußern sich weder Bibel noch Dogma im Detail.

Unsere Kirche kennt überdies auch die Bedeutung eines „Realsymbols„, wonach etwas, das wirklich vorhanden ist,  z u g l e i c h  eine sinnbildliche Bedeutung aufweist.

So ist die jungfräuliche Unversehrtheit Mariens  auch ein Zeichen für ihr volles „Heilsein“ in Christus, für ihre gnadenhafte Erwählung durch Gottes Güte gemäß der Botschaft des Engels Gabriel: „Du bist voll der Gnade, der HERR ist mir Dir!“

Die „Unberührtheit“ der Madonna ist freilich noch umfassender als ihre anatomische Unversehrtheit und sittliche Reinheit:

In Maria zeigt sich in mancher Hinsicht noch die ursprüngliche Ganzheit und das Heilsein der Schöpfung (im Paradieszustand): so ist ihre Jungfrauschaft auch ein Sinnbild für die „intakte“ Unversehrtheit der ursprünglichen Schöpfung und zugleich für das volle Heil in Christus, das in Maria gleichsam sichtbare Gestalt angenommen hat.

Hierzu erklärte der bekannte Jesuitenpater und Märtyrer Alfred Delp:

„Daß Gott einer Mutter Sohn wurde, daß eine Frau über die Erde gehen durfte, deren Schoß geweiht war zum heiligen Tempel und Tabernakel Gottes  –  das ist eigentlich die Vollendung der Erde und die Erfüllung ihrer Erwartungen.“

Bekanntlich bezeugte der hl. Apostel Paulus: „Christus lebt in mir…, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingab“ (Gal 2,20).  – Wieviel mehr kann das die Madonna von sich sagen, die ihren und unseren Erlöser in ihrem Leib getragen hat.

An diese Auserwählung erinnert auch der Name Maria, auf hebräisch „Mirjam“, was übersetzt „Meerestropfen“ heißt, aus dem Ägyptischen jedoch „Die von Gott Geliebte“ bedeutet.  – Die erste biblisch bekannte Miriam war die Schwester des großen Propheten Moses, wie er geboren in Ägypten. Zweifellos ist die Madonna als auserwählte Mutter unseres HERRN ein von Gott besonders geliebtes Geschöpf.

Durch ihr JA-Wort wurde die Jungfrau aus Nazareth die erste Christin, ein unübertreffliches Vorbild des Glaubens; vor allem aber ist sie die Erst-Erlöste und Voll-Erlöste des Neuen Bundes  –  sie ist das höchstbegnadete Geschöpf des Ewigen, wobei sie all ihre Vorzüge im Hinblick auf Christus erhielt.

Die Kirche ist daher im Vor-Bild der Madonna „realsymbolisch“ bereits zu ihrer herrlichen Vollendung in Christus gelangt.

Daher ist die allzeit jungfräuliche Gottesgebärerin (Theotokos) das Urbild, Idealbild und Sinnbild der Kirche  –  und dies auch hinsichtlich ihrer Mutterschaft.

Deshalb spricht der Katholik von seiner „Mutter Kirche“, denn die Kirche bringt durch die Taufe „Kinder Gottes“ hervor; durch Predigt und Sakramente stärkt sie die Seelen der Gläubigen und führt sie Christus entgegen. Diese mütterlichen Züge der Kirche finden wir auch in Maria, denn „die Magd des HERRN“ dient auch durch ihre Fürsprache der Verherrlichung Gottes, so wie „das Werk den Meister lobt“ und ein guter Diener seinen Herrn. 6a40d593df - Kopie

Nun zu den Anschuldigungen gegen den neuen Präfekten der Glaubenskongregation, die derzeit im Umlauf sind:

Der Vorwurf, er leugne die Jungfrauengeburt, bezieht sich auf folgende Stelle in der „Katholischen Dogmatik“ Müllers auf S. 498:

„Es geht nicht um abweichende physiologische Besonderheiten in dem natürlichen Vorgang der Geburt (wie etwa die Nichteröffnung der Geburtswege, die Nichtverletzung des Hymen und der nicht eingetretenen Geburtsschmerzen), sondern um den heilenden und erlösenden Einfluß der Gnade des Erlösers auf die menschliche Natur, die durch die Ursünde ‚verletzt’ worden war.“

Zunächst ist festzuhalten, daß der Autor hier erläutert, worum es beim Virgo-Dogma wesentlich geht, er hat „physiologische Besonderheiten“ aber dadurch keineswegs bestritten, sondern lediglich eine Akzentsetzung vorgenommen.

Zudem sind eben gerade die „Details“ nicht dogmatisiert worden. Wo bleibt also die angebliche „Ketzerei“?

Dazu kommt, daß Gerhard L. Müller diese „Katholische Dogmatik“ verfaßte, als er noch nicht Bischof, sondern Theologieprofessor war; in diesem Berufszweig neigen viele zu unpräziseren Ausdrücken, was man nicht überbewerten muß, zumal wenn es um einen einzigen Satz in einem umfangreichen Werk von 922 (!) Seiten geht.

Daß Theologen deutlicher formulieren, sobald sie hohe kirchliche Ämter übernehmen, leuchtet durchaus ein, denn nunmehr sind sie mit einer „amtlichen“ Stellung betraut – und die Phase theologischer „Spekulationen“ ist angesichts der neuen Verantwortung vorbei.

Nun hat der „vorkonziliare“, gewiß lehramtstreue und bewährte Theologe Ludwig Ott, dessen „Grundriss der Dogmatik“ auch in traditionellen Kreisen hochgeschätzt wird, zu diesem Thema in seinem bekannten Werk einiges erläutert.

Wir zitieren aus der 11. Auflage des „Ott“ (wie sein „Grundriss“ im Volksmund gerne genannt wird), die der traditionsorientierte Verlag Nova & vetera neu herausbrachte  –  dort heißt es auf Seite 300:

„Die nähere Bestimmung, worin die jungfräuliche Unversehrtheit in der Geburt nach der physiologischen Seite besteht, gehört nicht zum Glauben der Kirche.

Diese Klarstellung zunächst als „Vorbemerkung“ –  und nun sei auf den ZUSAMMENHANG der vielzitierten Aussage Müllers hingewiesen.

Sein diesbezügliches Kapitel „Die Jungfräulichkeit Marias in der Geburt“ (S. 497) beginnt mit den Worten:

„Seit Anfang des 4. Jh. begegnet in verschiedenen Varianten die Dreierformel von der Jungfräulichkeit Marias vor, in und nach der Geburt. Die Grundlage bietet die in ihrer Glaubensbereitschaft angenommene jungfräuliche Gottesmutterschaft.

Aus dieser eher christologischen Aussage über die Jungfräulichkeit Marias vor der Geburt folgt im Sinne einer stärker mariologischen Akzentuierung der Aussage die Prägung des Geburtsvorgangs (virginitas in partu) durch die Tatsache, daß Maria den Gott-Menschen und Erlöser gebiert und daß sie in der Konsequenz ihrer ganzmenschlichen Hingabe an das Erlösungsereignis keinen ehelichen Umgang mit Josef hatte und darum auch ohne weitere Kinder geblieben ist. Den Glaubensinhalt der Jungfräulichkeit Marias vor, in und nach der Geburt und damit der immerwährenden Jungfräulichkeit Mariens bezeugen alle Kirchenväter…“

Sodann geht der Autor darauf ein, daß die Jungfrauengeburt nicht „gnostisch“ mißdeutet werden dürfe (als ob Christus nur einen Scheinleib gehabt hätte und kein wirkliches Menschsein besitze); es dürfe „keine Verleugnung der Realität der Menschheit Jesu“ stattfinden.

Daher, so der Verfasser, „muß die kirchliche Lehre im Sinne der Realität der Inkarnation ausgelegt werden“. (Inkarnation  =  Menschwerdung Christi)

Nach dieser Feststellung folgt die derzeit von einigen Kreisen vielkritisierte Aussage hinsichtlich der „physiologischen Besonderheiten“ etc.

Außerdem bekannte sich Erzbischof Müller in seinem 1989 veröffentlichten Buch „Geboren von der Jungfrau Maria? Eine Theologische Deutung“ auf S. 100 ausdrücklich zum Dogma von Mariens „Virginitas in partu“ (Jungfräulichkeit in der Geburt): Weihnacht 2013.001

„Wenn auch die verschiedenen Zeugnisse des kirchlichen Lehramtes im einzelnen noch einmal unterschiedlich zu bewerten sind hinsichtlich ihres Gewichtes, ihres Aussagewillens und ihrer Letztverbindlichkeit, so kann doch im ganzen auch im Hinblick auf die spätere Lehrentwicklung gesagt werden, daß die virginitas in partu zum sicheren Glaubensbewußtsein der Kirche gehört und vom ordentlichen und außerordentlichen Lehramt vorgetragen wird.

Es ging Prof. Dr. G. L. Müller, dem heutigen Erzbischof, also ersichtlich darum, das wahre Menschsein Christi zu bezeugen und gegen doketische bzw. gnostische Irrtümer abzugrenzen  – und nicht etwa um eine Leugnung der Jungfrauengeburt, die er in der Einleitung des betr. Kapitels seiner „Katholischen Dogmatik“ und in dem vorhin erwähnten Buch ausdrücklich bezeugt.

Außerdem erwähnt G. L. Müller die Jungfrauengeburt mehrfach in weiteren marianischen Kapiteln seiner „Dogmatik“, zB. auf S. 493:

„Die kirchliche Verkündigung brachte (in Katechese und Liturgie) immer neu die Geburt des Erlösers durch die Jungfrau Maria in Erinnerung.“  

Als Virgo (Jungfrau) ist die Madonna jener vorbildhafte „Typus“ für die Kirche, die allein Christus anhängt:

„Maria steht am Anfang der Glaubensgeschichte der neuen Menschheit, d.h. der im Glauben wiedergeborenen Kirche des Neuen Bundes. Durch ihren Glauben ist sie als Jungfrau der Typus der Kirche,  die von Gott her das Heil empfängt“.  (S. 494) 

Auf S. 495 spricht der Dogmatiker Müller im Kontext der Inkarnation (Menschwerdung Gottes) davon,  daß sich der Glaube „unmittelbar auf das Wirken Gottes richtet“ und auf seine „Vergegenwärtigung in der Wirkung, nämlich der Empfängnis und Geburt des ewigen Gottessohnes als Mensch aus der Jungfrau Maria. “ – Er fügt hinzu:

So ist dieEmpfängnis Jesu vom Heiligen Geist die metaphysische Ursache der Inkarnation, während die Empfängnis und Geburt aus der Jungfrau Maria das Realsymbol der Inkarnaton darstellt.“ (S. 495) 

Auf der nachfolgenden Seite verweist der Autor auf die lateinische Fassung des Credo: „ex Maria virgine“  – d.h. auf deutsch: (geboren) aus der Jungfrau Maria.

Aus Prof. Müllers Ausführungen (die freilich nicht immer ganz leicht zu lesen sind) eine Leugnung der Jungfräulichkeit Mariens abzuleiten, ist ebenso unfair wie unzutreffend; diese wird vielmehr ausdrücklich bezeugt.

Diesen Sachverhalt bestätigt Prälat Don Nicola Bux, ein Förderer der überlieferten, klassischen Messe bzw. Liturgie („usus antiquior“); er ist Consultor der Glaubenskongregation und anderer vatikanischer Dikasterien.

In einem Interview mit dem italienischen Journalisten A.Tornielli wies der Prälat die Anschuldigung gegen Erzbischof Müller zurück:

„Der Katechismus der Katholischen Kirche stellt fest, daß die körperliche Unversehrtheit der Jungfräulichkeit zu jedem Zeitpunkt gegeben war, da Jesus nicht durch männlichen Samen, sondern durch das Wirken des Heiligen Geist gezeugt wurde. Sie ist ein göttliches Werk, das das menschliche Fassungsvermögen übersteigt.

Die Kirche bekennt die reale und immerwährende Jungfräulichkeit Mariens, dringt aber nicht in die physischen Details ein, noch scheint mir, daß die Konzilien und Kirchenväter etwas anderes gesagt haben. In diesem Sinn, scheint mir, ist auch zu verstehen, was Müller geschrieben hat, der keine „Lehre“ vertritt, die das Dogma der immerwährenden Jungfräulichkeit Mariens leugnet“.

Außerdem wird man davon ausgehen können, daß der Papst den Regensburger Oberhirten nicht zum Chef der Glaubenskongregagtion ernannt hätte, wenn dieser ein „Irrlehrer“ bzw. „Häretiker“ wäre. 

Dabei ist ausgeschlossen, daß Papst Benedikt das „Dogmatik“-Werk Müllers nicht kennt, denn im Jahre 2007 wurde Bischof Gerhard L. Müller zu seinem 60. Geburtstag eine umfangreiche Festschrift gewidmet, für die Papst Benedikt ein Vorwort beisteuerte, worin er diese „Dogmatik“ Müllers ausdrücklich würdigt. Hier der Wortlaut: https://charismatismus.wordpress.com/2012/07/22/vorwort-des-papstes-in-einer-2007-erschienenen-festschrift-fur-erzbischof-gerhard-l-muller/

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MiT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster

Zu diesem Thema hier ein ergänzender Artikel auf einer anderen katholischen Webseite:  http://invenimus.blogspot.de/2012/07/muller-und-die-jungfrau-maria.html

Hier außerdem eine Klarstellung von Erzbischof Müller zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen: http://summorum-pontificum.de/themen/2-vatikanum/116-erzbischof-mueller-und-die-dogmen.html