Evangelikale Bücher warnten schon lange vor dem „geistlichen“ Missbrauch

Von Felizitas Küble

Kürzlich erschien das vieldiskutierte Buch der Ex-Nonne Doris Wagner mit dem Titel „Spiritueller Missbrauch“.

Nachdem die Ordensfrau aus der Gemeinschaft „Das Werk“  –  das sich selbst als „geistliche Familie“   versteht  – ausgetreten war, schlug sie einen theologisch progressiven Kurs ein und verfaßte zwei Bücher, die persönliche Erlebnisse schildern bzw. vor religiöser Manipulation warnen.

In kirchenpolitischer Hinsicht schüttet die Autorin allerdings das Kind mit dem Bade aus, was bei einem „Blick zurück im Zorn“ des öfteren geschieht, aber gleichwohl von geistiger und geistlicher Unreife zeugt.

Freilich entsteht nun da und dort der Eindruck, als habe die reformkatholische Verfasserin gleichsam ein „Tabu gebrochen“, als habe sie das Thema des „geistlichen Missbrauchs“ ganz neu und taufrisch in die Öffentlichkeit gebracht.

Einigen naiven katholischen Kreisen mag das so erscheinen, vor allem, wenn sie bislang erscheinungsbewegt und schwarmgeistig gar nicht mitbekommen haben, welches Ausmaß der seelsorgerliche Missbrauch gerade in einigen „oberfrommen“ Gruppierungen anrichten kann.

Wir warnen im CHRISTLICHEN FORUM seit Bestehen im Mai 2011 genau vor diesem Phänomen – und obwohl das Themenspektrum hier sehr vielseitig ist, konzentrieren wir uns  auf ungesunde Phänome in esoterischen, charismatischen und wundersüchtigen Bewegungen – auch im Hinblick auf (un)geistliche Manipulation der Gläubigen oder gruppendynamischen Seelenfang.

Die Problematik kommt auch in meiner 52-seitigen Broschüre „Botschaften des Himmels?“ zur Sprache, die vor 11 Jahren erschien; sie konnte wohl manches Hineinschlittern in gefährliche Strömungen verhindern oder betroffenen Aussteigern bei ihrem „Freischwimmen“ Mut machen, wie ich aus etlichen Rückmeldungen erfuhr.

Leider hat sich ansonsten im katholischen Bereich diesbezüglich wenig getan, nicht selten fühlen wir uns  – offen gestanden – fast wie „Rufer in der Wüste“.

Um der Wahrheit die Ehre zu geben, sei darauf hingewiesen, daß dieses Problemfeld von evangelikaler Seite schon früh erkannt wurde  – auch im Hinblick auf seelsorgliche Mißstände in deren eigenen Reihen.

Gerade diese theologisch konservativen und nüchtern denkenden Verlage und Gruppen warnen seit langem vor irrgeistigen Abwegen der Frömmigkeit – einschließlich schwärmerischer, glaubensfanatischer bzw. sektiererischer Tendenzen. Zu diesen mahnenden Stimmen gehört z.B. auch die evang. Nachrichtenagentur IDEA.

Als konkretes Beispiel sei das Buch „Zerbrochene Flügel“ von Jutta Wilbertz erwähnt, das bereits 2006 im evangelischen Verlag R. Brockhaus erschien (siehe 1. Foto). Es trägt den vielsagenden Untertitel „Geistlicher Missbrauch und zerstörerischer Glaube“.

Die Herausgeberin selbst berichtet von ihren verstörenden Erfahrungen in einer charismatischen deutschen Mega-Gemeinde, die auf „Zeichen und Wunder“ sowie auf „Prophetien“ getrimmt war und Gehorsam gegenüber dem – angeblich gottbegnadeten – Hauptpastor forderte.

Erfreulicherweise hat Frau Wilbertz trotz schmerzlicher Erlebnisse und seelischem Missbrauch ihren christlichen Glauben nicht verloren, sondern nach ihrem Ausstieg schrittweise wieder neuen Glaubens- und Lebensmut gefunden.

Ähnlich erging es weiteren Menschen, die ihre bewegenden und erschütternden Schicksale in diesem Sammelband schildern.

Eine ausführlichere Besprechung des lesenswerten Buches folgt demnächst.