Petition gegen die Widerspruchslösung: Tödliche Organentnahme bei Sterbenden

Von Renate Greinert

„Der Anspruch der Gesellschaft endet an meiner Haut.“ (Hans Jonas, Philosoph)

Hochrangige internationale Wissenschaftler bezeichnen eine Organentnahme als „justified killing“, auf deutsch „gerechtfertigtes Töten“. Überhaupt ist die Gleichsetzung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalles mit dem Tod des Menschen unter Wissenschaftlern in aller Welt hochumstritten. Das Gleiche gilt für das dazugehörige Diagnoseverfahren, die Hirntoddiagnostik.

Von einem wirklich Verstorbenen können sie keine lebendfrischen Organe entnehmen und nur die kann man für eine Organübertragung gebrauchen.

Die Gesellschaft wird absichtlich im Unwissen gehalten: „denn wenn man die Gesellschaft aufklärt, bekommen wir keine Organe mehr“, so der Transplantationsmediziner Rudolf Pichlmayr 1987 mir gegenüber vor Zeugen.

Sobald der Verdacht auf einen möglichen „Hirntod“ besteht, beginnen die organprotektiven, spendezentrierten Maßnahmen: Man versucht die Organe in einem optimalen Zustand zu halten und läßt die neurologische Progredienz (Verschlechterung) zu (siehe DKI Studie 2012 – Blum, K.: Inhouse­ko­or­di­na­tion bei Organspenden — Abschluss­bericht, Düs­sel­dorf 2012, Seite 71).

Wollen Sie die letzten Stunden in ihrem Leben auf einem Operationstisch verbringen, fixiert, bewegungsunfähig, aufgeschnitten, nach der Qualität ihrer Organe beurteilt werden? Erst wenn alle vitalen Organe freipräpariert sind, unmittelbar bevor sie endgültig herausgeschnitten werden, wird die Beatmung abgestellt. Dann kommen die nächsten Operationsteams, die ihnen Augen, Gewebe, Knochen entnehmen. Auch Gliedmaßen und Gesichter können übertragen werden. Sie werden verwertet. Haben Sie sich so ihr Sterben vorgestellt?

Es gibt naturgemäß keinen Organmangel. Jeder Mensch hat seine Organe. Jeder Mensch braucht seine Organe bis zum Schluss. Darauf zu verzichten ist ein großes Opfer auf das niemand Anspruch erheben kann.

Herr Bundesminister Spahn, Ärzte die ihre Patienten nicht bei der DSO melden und Bürger die sich nicht zur Organspende bereiterklären, haben dafür ihre sehr berechtigten Gründe. Sie nun per Gesetz dazu zu nötigen, konterkariert das Prinzip Spende.

Herr Bundesminister Spahn schützen Sie uns vor ungewollter Organentnahme.

Für weitere Erläuterungen und Details verweise ich auf die Pressemitteilung von KAO.

HIER geht es zur Petition: https://www.change.org/p/gesundheitsminister-jens-spahn-widerspruchsregelung-nein-danke-der-anspruch-der-gesellschaft-endet-an-meiner-haut


„Prognose Tod“: Zwei kritische KAO-Filme über Organtransplantationen

Vor einigen Tagen fand in Frankfurt eine Tagung der DSO (Deutsche Stiftung Organtransplantation) statt, in der es darum ging, die Situation von Angehörigen der „Organspender“ zu betrachten. Nicht verwunderlich, kommt die DSO zu einer Einschätzung, die unseren Erfahrungen diametral entgegensteht: Der Opfertod der „Spender“ sei ein großer Trost für die Hinterbliebenen. 62f10dc686

In zwei neuen Filmen, gedreht von der renommierten Fernsehjournalistin Silvia Matthies, die sich seit drei Jahrzehnten intensiv mit der Problematik von Hirntod und Organentnahme beschäftigt, werden unsere Erfahrungen ​dargestellt; die Filme sind auf Youtube zu finden:

Erster Film: Tod bei lebendigem Leib – was geschah mit Lorenz Meyer?

https://youtu.be/1kFv2ju8IRU

Welches Trauma eine Organentnahme für die Angehörigen des Spenders bedeuten kann, zeigt der Fall des 15-jährigen Lorenz Meyer. Die Eltern wurden bereits eine Nacht nach der Einlieferung ihres Sohnes in eine Schweizer Klinik mit der Frage nach Organentnahme konfrontiert. In ihrer Verzweiflung stimmten sie trotz aller Vorbehalte der Entnahme der Nieren zu. Ein Schritt, den sie im Nachhinein bitter bereuen sollten.

Erst bestand nur der Verdacht, dass mehr Organe entnommen wurden als zugesagt. Doch dann stellte sich heraus, dass es gravierende Zweifel an der Richtigkeit der Hirntoddiagnostik gibt. Scannen0005

Zweiter Film: Prognose Tod – Wann ist die Frage nach Organen zulässig?

https://youtu.be/d7eAEtEJl30

In vielen Kliniken werden die Angehörigen eines Patienten schon wenige Stunden nach der Einlieferung nach Organentnahme gefragt. Zu diesem Zeitpunkt ist oft noch keine Hirntoddiagnostik durchgeführt worden. Gerechtfertigt wird die Frage nach Organen mit einer aus Sicht der Ärzte aussichtslosen Prognose. Doch ist das Thema Organentnahme zu diesem Zeitpunkt  nicht verfrüht?

Welche fatalen Auswirkungen solche voreiligen Prognosen für die Betroffenen, ihre Angehörigen, aber auch für die Kliniken haben können, zeigt der Fall von Thomas  Linder.

Wer schützt Patienten, die als potentielle Organspender identifiziert werden, vor falschen Prognosen?

Kontakt: KAO (Kritische Aufklärung über Organtransplantationen), Dr. Martin Stahnke, Nelkenstr. 9 in 47906 Kempen

 


Regensburg: Kontroverse Debatte zur Organspende auf dem Katholikentag

Von Gebhard Focke

Zur Podiumsdiskussion am 28. Mai von 16.30 bis 18 Uhr im Velodrom:

Die Veranstaltung über Organspende fand unter der Moderation von Dr. Hildegard Kaulen statt, Wissenschaftsjournalistin der FAZ.

Zu Beginn hielt Prof. Dr. Alexandra Manzei, Gesundheitswissenschaftlerin in Vallendar, ein Impulsreferat:: „Brücken bauen“ in der Transplantationsmedizin: ehrliche Aufklärung, transparente Politik, gute medizinische Versorgung. kao-logo-trans-verdana-breit-weiss

Dabei betonte sie besonders die kritischen Punkte dieser Medizin:

Die Zu-Tode-Definierung eines noch lebenden Menschen zum Zwecke der Organgewinnung, die fehlende neutrale Information für die Menschen, die einen Spenderausweis ausfüllen sollen, und die Tatsache, dass selbst dann, wenn alle Deutschen einen Organspendeausweis mit „Ja“ bei sich trügen, es niemals genügend Organe geben werde.

Weltweit 30 „Hirntote“, die Kinder zur Welt brachten

Frau Prof. Manzei wies darauf hin, dass es weltweit dreißig erfolgreiche Schwangerschaften von sog. „Hirntoten“ gibt.

Widerspruch erntete sie sowohl beim Moraltheologen Prof. Bormann aus Tübingen als auch bei dem Herzchirurgen Prof. Hirt aus Regensburg, was den „Hirntod“ anging. Für beide gab es dabei überhaupt keine kritischen Punkte, was die Definition betrifft, wohl aber hinsichtlich der Richtigkeit der Diagnose; denn: „Alle Menschen können Fehler machen.“ 0022

In der folgenden Diskussion, an der sich auch der Jurist Prof. Verrel aus Bonn beteiligte, Mitglied der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer, wurde über das White Paper des President´s Council der USA diskutiert.

Auch ging es darum, ob man die Gelder statt in die Transplantationsmedizin nicht lieber in die Entwicklung anderer Verfahren und in bessere Prävention investieren sollte, wie von Prof. Manzei angemahnt.

Ein weiterer Punkt betraf das Verhältnis einer üblichen Patientenverfügung zu einer gewünschten Organentnahme: Nach dem Transplantationsgesetz darf erst dann nach einer Organspende gefragt werden, wenn der Hirntod festgestellt ist. Es war strittig, ob diese Feststellung, die ja fremdnützig erfolgt, durch eine Patientenverfügung gedeckt ist, die lebensverlängernde Maßnahmen ablehnt

KAO-Vorsitzende berichtet von Angehörigen-Schicksalen

Renate Focke, 1. Vorsitzende von KAO, brachte demgegenüber die Erfahrungen der Angehörigen ein, die sich, im Schock, uninformiert, unter Zeitdruck, veranlasst sehen, einer Organentnahme zuzustimmen.

Erst später werde ihnen klar, was sie den sterbenden Angehörigen angetan hätten. Es sei ihnen bewusst geworden, dass der Sterbeprozess nachhaltig gestört worden sei. Es sei auch wichtig, darüber informiert zu sein, dass unter den Bedingungen einer Organentnahme eine Sterbebegleitung durch die Familie nicht möglich ist.

Um andere Menschen vor diesem Trauma zu bewahren, hätten Eltern, die ihre Kinder zur Organentnahme frei gegeben hatten, den Verein gegründet. Dieser fordere die enge Zustimmungslösung: Nur jede/r Volljährige/r, der/die selbst schriftlich nach vollständiger Aufklärung zugestimmt habe, dürfe als Spender/in in Frage kommen.

Renate Focke mahnte eine Änderung des Spenderausweises an: Es müsse dort nicht heißen: „Nach meinem Tod“, sondern: „Nach meinem Hirnversagen“. Sie forderte endlich eine ehrliche und vollständige Information der Menschen.

Und in diesem Punkt trafen sich schließlich alle Teilnehmer: Eine bessere und umfassende Aufklärung läge im Interesse aller, die mit dieser Medizin zu tun hätten.

 Weitere Infos über Organspende, Transplantation und „Hirntod“: http://www.initiative-kao.de/

 


KAO klärt auf zum „Tag der Organspende“

Der Verein Kritische Aufklärung über Organtransplantation eV. (KAO) fordert anlässlich des Tages der Organspende am 1. Juni neutrale umfassende Information statt einseitiger Werbung und weist zudem auf mögliche Widersprüche in Patientenverfügungen zu Organspende-Erklärungen hin. 0023

„Am ‚Tag der Organspende‘ wird wieder um Organspender geworben, als sei der ‚Hirntod‘ – das Kriterium für eine Organentnahme in Deutschland – todsicher, als sei jeder Mensch moralisch verpflichtet, seine Organe im Fall des Hirnversagens abzugeben. Alle Zweifel, Erkenntnisse und Erfahrungen werden abgetan, es zählt nur ein Argument: ‚Wir brauchen mehr Organe!‘ “, so Renate Focke, erste Vorsitzende von KAO.

KAO ist ein Verein, gegründet von Eltern, die ihre verunglückten Kinder zur Organspende freigegeben haben, ohne die Hintergründe zu diesem Zeitpunkt genau genug zu kennen.

Ausgeblendet werde in den aktuellen Werbekampagnen nach wie vor die anhaltende Kritik am Hirntod. In internationalen Fachdiskussionen wird der Hirntod schon länger nicht mehr als der Tod des Menschen angesehen, sondern als eine Phase im Sterbeprozess.

„Organe von Toten können nicht transplantiert werden. Daher wurde der Todeszeitpunkt medizinisch und juristisch vorverlegt und als ‚Hirntod‘ bezeichnet, um lebende Organe transplantieren zu können. Dies bedeutet, dass Patienten, denen Organe entnommen werden sollen, unter anderem bis zum Ende der Organentnahme beatmet werden, dass sie warm und durchblutet sind“, erklärt Renate Focke. kao-logo-trans-verdana-breit-weiss

Der Soziologieprofessor Dr. Werner Schneider von der Universität Augsburg stellte in einem Namensbeitrag für ein Bioethik-Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung vom 15.05.13 unter der Überschrift „Soziologische Konturen der Transplantationsgesellschaft“ treffend fest:

„Was offenbar nicht sein darf, ist eine erneute gesellschaftliche Auseinandersetzung darüber, wie tot oder lebendig man ist, wenn man ‚hirntot‘ ist, und – damit eng verbunden – wer über eine Organentnahme und damit auch über die Verwertung von Körpern entscheiden kann, darf, soll.“

Kritik an der „Entscheidungslösung“

Die seit November 2012 in Deutschland geltende „Entscheidungslösung“, wonach jeder ab 16 Jahren mindestens einmal im Leben mit der Frage einer Organspende konfrontiert werden soll, hat nach Erfahrung von KAO die Bevölkerung noch zusätzlich verunsichert.

„Wie soll man eine so weit reichende Entscheidung treffen, zu der man von den Krankenkassen aufgefordert wird, wenn die für eine begründete Entscheidung erforderlichen Fakten fehlen?

In § 2 des Transplantationsgesetzes wird eine umfassende Aufklärung der Bürger gefordert. Allerdings bemühen sich längst nicht alle darum, außer dem Werbematerial der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) auch kritische Informationen zu verwenden. Sonst wüssten die Menschen, dass Organe nur Sterbenden im Hirnversagen entnommen werden können und dass die Angehörigen den Sterbenden nicht begleiten können.

Zudem würden Menschen, die trotz aller Bedenken zu einer Organ-Spende bereit sind, eine Vollnarkose bei der Organentnahme einfordern“, erklärt die KAO-Vorsitzende.

Enge Zustimmungslösung einführen

Die Mitglieder von KAO und viele andere Bürger fordern daher, dass in Deutschland die enge Zustimmungslösung eingeführt wird: Nur Menschen, die sich nach umfassender Information durch eine neutrale Stelle schriftlich bereit erklären, ihre Organe und ihren Sterbeprozess zu opfern, dürfen als Spender in Betracht kommen.

„Leider gibt es keine solche neutrale Stelle in Deutschland, und die bisher vorliegenden Informationen der Krankenkassen für ihre Mitglieder haben eher die Absicht zu werben als aufzuklären“, stellt Renate Focke fest.

Sie weist außerdem darauf hin, dass aktuell versucht wird, die Patientenverfügungen auszuhöhlen: Die Bundesärztekammer (BÄK) behauptet in einem kürzlich vorgelegten Arbeitspapier, dass sich eine Organentnahme mit einer in der Verfügung festgelegten Ablehnung lebensverlängernder Maßnahmen vereinbaren lasse. Bei der dafür notwendigen intensivmedizinischen Behandlung gehe es ja nur um „Stunden, höchstens wenige Tage“, so die BÄK.

Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V. verwahrt sich gegen diese interessengeleitete Umdeutung des Patientenwillens und rät allen Menschen, die nicht als „Organspender“ dienen wollen, in der Patientenverfügung eine Hirntoddiagnostik zu untersagen. Damit kommt man nach jetzt gültiger Rechtslage als „Spender“ nicht in Frage.

Auf seiner Internetseite unter http://www.initiative-kao.de hält Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V. weitere Hintergrundinfos und Angehörigenberichte zum Thema Organspende, Transplantation und Hirntod bereit.

Umfassende kritische Informationen zur Organspende bietet auch die InteressenGemeinschaft Kritische Bioethik Deutschland, mit der KAO zusammenarbeitet, unter http://www.organspende-aufklaerung.de/

Über den Verein „KAO – Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V.“:

Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V. ist ein Verein, gegründet von Eltern, die ihre verunglückten Kinder zur Organspende freigegeben haben, ohne die Hintergründe zu diesem Zeitpunkt genau genug zu kennen.

„Erst nachdem unsere Kinder beerdigt waren, haben wir begriffen, wozu wir ja gesagt hatten. Wir haben begriffen, dass lebende Organe nicht von Menschen entnommen werden können, die so tot sind, wie wir es uns vorgestellt hatten. Wir haben unsere Entscheidung daher bitter bereut. Durch unsere Zustimmung waren unsere Kinder in ihrem Sterbeprozess, in dem sie unserer besonderen Liebe bedurften, ungeschützt alleingelassen und einer Organentnahme überantwortet, die uns hinterher wie das Ausschlachten eines Autowracks erschien.

Wir wollen deshalb durch Aufklärung andere Menschen davor bewahren, unvollständig informiert vorschnell einer Organentnahme zuzustimmen – sei es bei sich selbst oder Angehörigen.“

 
Kontaktdaten:
Renate Focke, 1. Vorsitzende KAO
Ricarda-Huch-Str. 13 in 28215 Bremen
Tel: 0421-6734305
E-Mail: presse@initiative-kao.de
Internet: http://www.initiative-kao.de

Organspendezahlen sinken: Menschen lassen sich nicht mehr so leicht für tot verkaufen

Pressemitteilung der kritischen Initiative KAO:

Vergangene Woche hat die Deutsche Stiftung Organtransplantation ihre Organspenderzahlen für 2013 vorgelegt. Diese sind stark gesunken. Schuld seien die Transplantationsskandale. Der Verein Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V. (KAO) sieht einen anderen Grund: Die anhaltende einseitige Information pro Organspende. kao-logo-trans-verdana-breit-weiss

Vergangene Woche hat die Deutsche Stiftung Organtransplantation ihre neuesten Organspenderzahlen vorgelegt. Dabei wurde in der Öffentlichkeit der starke Rückgang der Organspendebereitschaft in Deutschland beklagt. Als Ursache davon sieht man die Skandale bei der Verteilung von Organen an, die in der letzten Zeit bekannt geworden sind. 

Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V. (KAO) stellt demgegenüber fest, dass der wirkliche Skandal ganz woanders liegt, nämlich bei der Verweigerung der notwendigen Informationen, die man als Bürger braucht, um sich bewusst für oder gegen eine Organentnahme entscheiden zu können.

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Auch die gesetzlich vorgeschriebenen Kampagnen der Krankenkassen seien zum größten Teil Werbung, sie erfüllten sogar teilweise den Tatbestand der arglistigen Täuschung, erklärt die KAO.

Wenn man Organe von Toten entnehmen und erfolgreich transplantieren könnte, gäbe es bei den über 800.000 Toten pro Jahr in Deutschland keinen Mangel an Organen. In Wahrheit jedoch können transplantierbare Organe nur beatmeten, durchbluteten Patienten im Hirnversagen entnommen werden, die durch die Organentnahme im OP getötet werden. Eine Sterbebegleitung durch die Familie ist dabei nicht möglich.

„Die Menschen lassen sich nicht mehr so leicht für tot verkaufen“, meint Gebhard Focke, Vorstandsmitglied von KAO, „sie informieren sich vielmehr und stellen fest, dass der „Hirntod“ nicht der Tod ist, den wir kennen, sondern eine medizinische Definition, um straffrei Organe entnehmen zu können.“

Ende des letzten Jahres haben die „Evangelischen Frauen in Deutschland“ (EfiD) eine fundierte Stellungnahme zum Thema Organtransplantation verfasst. Dabei treten Sie wie KAO für die enge Zustimmungslösung ein: Nur jemand, der für sich schriftlich nach neutraler Information einer Organentnahme zugestimmt hat, darf als Spender in Frage kommen.

„Das Vertrauen in diese Art von Medizin wird sich erst dann wiederherstellen lassen, wenn man nicht einseitig die Interessen der Empfänger, der Krankenhäuser und der Pharmaindustrie in den Mittelpunkt stellt, sondern auch die der potentiellen Spender nach Sterbebegleitung, Schmerzfreiheit und würdigem Abschied – schließlich wird um diese Menschen geworben“, erläutert Gebhard Focke.

Auf seiner Internetseite www.initiative-kao.de/ hält die KAO weitere Hintergrundinfos und Angehörigenberichte zum Thema Organspende, Transplantation und Hirntod bereit. Ebenso gibt es dort auch einen Nicht-Organspenderausweis.

Umfassende kritische Infos zur Organspende bietet auch die InteressenGemeinschaft Kritische Bioethik Deutschland, mit der KAO zusammenarbeitet: http://organspende-aufklaerung.de/

Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V. – KAO
Renate Focke
Ricarda-Huch-Str. 13
28215 Bremen
Tel: 0421-6734305
presse@initiative-kao.de
www.initiative-kao.de/


„Hirntod“: der neue Tod bei lebendigem Leib

Mathias von Gersdorff

Auch existentielle Themen werden erst Gegenstand der öffentlichen Debatte, wenn Interessierte sie publik machen. Sie tun das, indem sie sich organisieren, Bürgeraktionen, Publikationen oder Parteien gründen. Bleibt der Kreis an Interessierten zu gering, kann es passieren, daß äußerst wichtige Themen nicht genügend wahrgenommen werden.

Zu diesen Themen gehört sicherlich das heutzutage in der Transplantationsmedizin angewendete Hirntodkriterium.

M. von Gersdorff

M. von Gersdorff

Diejenigen, die sich rund um dieses Thema organisieren und in der Öffentlichkeit auftreten, sind im wesentlichen betroffene Angehörige  –  die meisten Organe stammen von minderjährigen Spendern, und die Einwilligung wird von den Eltern oder nahen Verwandte eingeholt – oder Krankenhauspersonal, das bei Explantationen mitgewirkt und mit eigenen Augen gesehen hat, daß die Menschen, von denen die Organe entnommen wurden, nicht tot waren.

So sind es nicht viele, die in organisierter Weise versuchen zu zeigen, daß ein hirntoter Mensch gar nicht tot ist. Gleichzeitig wird massiv Werbung für eine Organspende gemacht, die das Hirntodkriterium als Handlungsgrundlage hat.

Einer dieser Vereine ist „KAO – Kritische Aufklärung über Organtransplantation“; er organisierte am 19. Oktober in Frankfurt am Main eine Tagung mit dem Namen „Hirntod – der neue Tod bei lebendigem Leib“.

Desinformation durch Werbekampagnen

Der Vortrag von Dr. Mona Motakef (wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Soziologie der Universität Duisburg-Essen) schilderte, wie die Menschen regelrecht durch die Werbekampagnen desinformiert werden. Das Hirntodkriterium sei schlicht und ergreifend eine Meinungsmanipulation zum Zwecke des erleichterten Zuganges zu menschlichen Organen.

Diese Kampagnen werden durchgeführt, weil die Deutschen die Organspende zwar als etwas grundsätzlich Gutes ansehen, dennoch wenig geneigt sind, tatsächlich zu spenden. Nach den jüngsten Skandalen ist die Bereitschaft noch weiter gesunken.

Um ihre These zu erläutern, analysierte Motakef die Werbekampagnen des Deutschen Herzzentrums in Berlin, das größte Transplantationszentrum für Herzen in Deutschland. In riesigen Plakaten werden Superhelden gezeigt, die Superman, Batman, Wonder Women usw. ähneln.

Die Botschaft ist immer dieselbe: Wenn man seine Organe spendet, rettet man das Leben eines anderen. Dadurch wird man ein Superheld. Die Figuren haben große Muskeln, sind dynamisch, Männlichkeit oder Weiblichkeit werden übersteigert dargestellt. So wird die Organspende heroisiert und ein Imperativ aufgebaut: gut sei, zu spenden, schlecht sei, den anderen sterben zu lassen.

Diese Werbekampagnen zeigen eine idealisierte Organtransplantation. Irgendwelche Bedenken oder Kritik am Hirntodkriterium werden ganz ausgeblendet. Von Aufklärung darüber, was wirklich geschieht, kann nicht die Rede sein. Diese fordert allerdings das Transplantationsgesetz.

Transplantation wird idealisiert dargestellt

Den zweiten Vortrag hielt Dr. Paolo Bavastro, Facharzt für Innere Medizin, Internist, Kardiologe und Ethiker. Auch Bavastro wies daraufhin, daß die Transplantation in der Öffentlichkeit idealisiert dargestellt wird. Die Gefahr der Abstoßung, der Infekte, der leichter entstehenden Tumore, der hohen Selbstmordrate und der psychiatrischen Probleme der Organempfänger aufgrund der notwendig gewordenen Medikamente würde kaum oder gar nicht thematisiert.

Foto: HMK

Foto: HMK

Überhaupt sei die öffentliche Diskussion um die Transplantation verzerrt. So würde immer wieder darauf hingewiesen, daß täglich drei Menschen am „Mangel an Organen“ sterben würden (aber eigentlich sterben sie, weil sie krank sind), über die 383 täglichen Toten aufgrund des Rauchens würde kaum geredet.

Abgesehen davon habe sich die Schere zwischen Angebot und Nachfrage in den letzten Jahren nicht verändert. Gleichwohl sollte diese Diskrepanz steigen, denn es gäbe immer weniger Hirntote aufgrund der sinkenden Zahl von Verkehrsunfällen mit schweren Verletzungen. Gleichzeitig verbessert sich laufend die Transplantationstechnik, wodurch die Nachfrage nach Organen erhöht wird.

Dr. Bavastro zeigte, wie die Einführung des Transplantationsgesetzes im Jahr 1997 nicht zu einer höheren Spendenbereitschaft geführt hat. 2012 folgte die Einführung der sog. Erklärungslösung (der Spender muß ausdrücklich die Organentnahme bewilligt haben). Eben um die Bereitschaft zu erhöhen, werden die großen Werbekampagnen durchgeführt. Allein die „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung – BzGA“ gab im Jahr 2012 4,5 Millionen Euro dafür aus, so Bavastro.

Hirntote“ können Kinder zur Welt bringen

Den Hauptteil der Zeit widmete Bavastro der Erläuterung des Hirntodkriteriums. Ein Hirntoter ist ziemlich lebendig: Er produziert Hormone und Antikörper, sein Kreislauf funktioniert, er bildet Urin und kann Durchfall haben, er zeigt den sogenannten Lazarus-Effekt (Versuch einer Umarmung) und anderes mehr.

Eine schwangere hirntote Frau kann ein Kind zur Welt bringen. (Ein solcher Fall führte dazu, daß sich Bavastro zu den Kritikern des Hirntodkriteriums schlug.) Bei der Organentnahme steigen rasant die Streßhormone und der Blutdruck – in ähnlicher Weise, wie das bei einem Eingriff bei einem normalen Menschen geschehen würde.

Hirntote, dessen Organe man entnehmen möchte, müssen medizinisch wie Lebende behandelt werden, das heißt, die intensivmedizinischen Maßnahmen dürfen nicht beendet werden. Insbesondere müssen die Vitalfunktionen aufrechterhalten werden. Dies müßte zu erheblichen rechtlichen Schwierigkeiten führen, denn die Behandlung geschieht zum Nutzen eines Dritten , des Organempfängers, was eine Verdinglichung des Spenders ist und damit ein Verstoß gegen Paragraph 1 Grundgesetz darstellt.

Schmerzverzerrte Gesichter nach Organentnahme

Das Fazit von Dr. Paolo Bavastro: Das Hirntodkriterium ist eine utilitaristische Setzung und baue zudem auf zwei Lügen auf: Es gehe von einer sicheren Diagnostik und von einem unwiederbringlichen Ausfall von Groß-, Klein- und Stammhirn aus. Beides stimme aber nicht, so Bavastro.

Der letzte Teil der Tagung wurde Zeugnissen von Angehörigen von Organspendern gewidmet. Dieser Teil war natürlich besonders bewegend. Eine Mutter beschrieb, daß sie das Gesicht ihres Sohnes nach der Organentnahme gar nicht wiedererkennen konnte, dermaßen stark hatte es sich durch die während der Organentnahme verspürten Schmerzen verzerrt. 24 Stunden vor der Organentnahme muß die Zufuhr von Schmerzmitteln eingestellt werden. Der Organismus des Hirntoten nimmt die Organentnahme durchaus wahr.

Nach dem Besuch dieser Tagung fragt man sich, wie sich diese Debatte entwickeln wird. In den Vereinigten Staaten plädieren schon etliche Ärzte und Ethiker dafür, ehrlich zu den Menschen zu sein und offen zu sagen, daß ein hirntoter Mensch eigentlich kein Toter ist. Statt dessen sollte man ein „gerechtfertigtes Töten“  zugrunde legen.

Motto in USA: „Gerechtfertigtes Töten“

Wenn man sich die Debatte um die „Sterbehilfe“ in etlichen Ländern anschaut, hat dieses „gerechtfertigte Töten“ durchaus Chancen, eingeführt zu werden. In Wahrheit ist das Töten durch Organentnahme eine aktive Sterbehilfe, die man durch die eventuelle Verlängerung des Lebens eines anderen rechtfertigt.

Ein Hirntod tritt typischerweise bei schweren Unfällen ein. Auch wenn der Betroffene wieder „richtig“ ins Leben kommt, muß er mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen rechnen. Unter diesen Umständen wären manche an sich zu einer Euthanasie bereit.

Auch in Deutschland gibt es Überlegungen, wie man vom Hirntodkriterium wegkommt. Dr. Jürgen in der Schmitten vom Institut für Allgemeinmedizin der Universität Düsseldorf sagte am 19. September 2013 gegenüber dem „Deutschlandfunk“: „Der Vorschlag ist, zu erlauben, daß bei Patienten, bei denen der Hirntod festgestellt wurde, die aber nicht deshalb für tot erklärt worden sind, Organe entnommen werden, mit der Folge, daß der Tod im Operationssaal eintritt.“

Eigentlich wäre eine solche Lösung nicht völlig neu, denn schon heute gilt für Abtreibungen, daß sie „rechtswidrig, aber straffrei“ sind.

Mathias von Gersdorff ist katholischer Publizist aus Frankfurt und Leiter der Aktion „Kinder in Gefahr“

Erstveröffentlichung des Beitrags in der Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT


„Tag der Organspende“: KAO fordert neutrale und umfassende Information statt einseitiger Werbung

KAO wurde von betroffenen Eltern gegründet

Der Verein Kritische Aufklärung über Organtransplantation eV. (KAO) fordert anlässlich des Tags der Organspende am 1. Juni neutrale umfassende Information statt einseitiger Werbung und weist zudem auf mögliche Widersprüche in Patientenverfügungen zu Organspende-Erklärungen hin.

„Am ‚Tag der Organspende‘ wird wieder um Organspender geworben, als sei der ‚Hirntod‘  –  das Kriterium für eine Organentnahme in Deutschland  –  todsicher, als sei jeder Mensch moralisch verpflichtet, seine Organe im Fall des Hirnversagens abzugeben. Alle Zweifel, Erkenntnisse und Erfahrungen werden abgetan, es zählt nur ein Argument: ‚Wir brauchen mehr Organe!‘ “,  erklärt Renate Focke, 1.Vorsitzende von KAO.

KAO ist ein Verein, gegründet von Eltern, die ihre verunglückten Kinder zur Organspende freigegeben haben, ohne die Hintergründe zu diesem Zeitpunkt genau genug zu kennen. 0022

Ausgeblendet werde in den aktuellen Werbekampagnen nach wie vor die anhaltende Kritik am Hirntod. In internationalen Fachdiskussionen wird der Hirntod schon länger nicht mehr als der Tod des Menschen angesehen, sondern als eine Phase im Sterbeprozess.

„Organe von Toten können nicht transplantiert werden. Daher wurde der Todeszeitpunkt medizinisch und juristisch vorverlegt und als ‚Hirntod‘ bezeichnet, um lebende Organe transplantieren zu können. Dies bedeutet, dass Patienten, denen Organe entnommen werden sollen, unter anderem bis zum Ende der Organentnahme beatmet werden, dass sie warm und durchblutet sind“, erläutert Renate Focke.

Der Soziologieprofessor Dr. Werner Schneider von der Universität Augsburg stellte in einem Namensbeitrag für ein Bioethik-Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung vom 15.5.13 unter der Überschrift „Soziologische Konturen der Transplantationsgesellschaft“ treffend fest:

Wie tot ist man beim „Hirntod“?

„Was offenbar nicht sein darf, ist eine erneute gesellschaftliche Auseinandersetzung darüber, wie tot oder lebendig man ist, wenn man ‚hirntot‘ ist, und  –  damit eng verbunden  –  wer über eine Organentnahme und damit auch über die Verwertung von Körpern entscheiden kann, darf, soll.“

Die seit November 2012 in Deutschland geltende „Entscheidungslösung“, wonach jeder ab 16 Jahren mindestens einmal im Leben mit der Frage einer Organspende konfrontiert werden soll, hat nach Erfahrung von KAO die Bevölkerung noch zusätzlich verunsichert.

„Wie soll man eine so weit reichende Entscheidung treffen, zu der man von den Krankenkassen aufgefordert wird, wenn die für eine begründete Entscheidung erforderlichen Fakten fehlen?  –  In § 2 des Transplantationsgesetzes wird eine umfassende Aufklärung der Bürger gefordert.

Allerdings bemühen sich längst nicht alle darum, außer dem Werbematerial der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) auch kritische Informationen zu verwenden. Sonst wüssten die Menschen, dass Organe nur Sterbenden im Hirnversagen entnommen werden können und dass die Angehörigen den Sterbenden nicht begleiten können. Zudem würden Menschen, die trotz aller Bedenken zu einer Organ-Spende bereit sind, eine Vollnarkose bei der Organentnahme einfordern“, so die KAO-Vorsitzende.

Enge Zustimmungslösung einführen!

Die Mitglieder von KAO und viele andere Bürger fordern daher, dass in Deutschland die enge Zustimmungslösung eingeführt wird: Nur Menschen, die sich nach umfassender Information durch eine neutrale Stelle schriftlich bereit erklären, ihre Organe und ihren Sterbeprozess zu opfern, dürfen als Spender in Betracht kommen. „Leider gibt es keine solche neutrale Stelle in Deutschland, und die bisher vorliegenden Informationen der Krankenkassen für ihre Mitglieder haben eher die Absicht zu werben als aufzuklären“, stellt Renate Focke fest.

Sie weist außerdem darauf hin, dass aktuell versucht wird, die Patientenverfügungen auszuhöhlen:

Die Bundesärztekammer (BÄK) behauptet in einem kürzlich vorgelegten Arbeitspapier, dass sich eine Organentnahme mit einer in der Verfügung festgelegten Ablehnung lebensverlängernder Maßnahmen vereinbaren lasse. Bei der dafür notwendigen intensivmedizinischen Behandlung gehe es ja nur um „Stunden, höchstens wenige Tage“, so die BÄK.

Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V. verwahrt sich gegen diese interessengeleitete Umdeutung des Patientenwillens und rät allen Menschen, die nicht als „Organspender“ dienen wollen, in der Patientenverfügung eine Hirntoddiagnostik zu untersagen. Damit kommt man nach jetzt gültiger Rechtslage als „Spender“ nicht in Frage.

Auf seiner Internetseite unter http://www.initiative-kao.de hält die KAO weitere Hintergrundinfos und Angehörigenberichte zum Thema Organspende, Transplantation und Hirntod bereit. Ebenso gibt es dort auch einen Nicht-Organspenderausweis.

Umfassende kritische Informationen zur Organspende bietet auch die InteressenGemeinschaft Kritische Bioethik Deutschland, die mit der KAO zusammenarbeitet, unter http://www.organspende-aufklaerung.de/

Über den Verein „KAO“:

Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V. ist ein Verein, gegründet von Eltern, die ihre verunglückten Kinder zur Organspende freigegeben haben, ohne die Hintergründe zu diesem Zeitpunkt genau genug zu kennen.

„Erst nachdem unsere Kinder beerdigt waren, haben wir begriffen, wozu wir ja gesagt hatten. Wir haben begriffen, dass lebende Organe nicht von Menschen entnommen werden können, die so tot sind, wie wir es uns vorgestellt hatten. Wir haben unsere Entscheidung daher bitter bereut. Durch unsere Zustimmung waren unsere Kinder in ihrem Sterbeprozess, in dem sie unserer besonderen Liebe bedurften, ungeschützt alleingelassen und einer Organentnahme überantwortet, die uns hinterher wie das Ausschlachten eines Autowracks erschien. Wir wollen deshalb durch Aufklärung andere Menschen davor bewahren, unvollständig informiert vorschnell einer Organentnahme zuzustimmen – sei es bei sich selbst oder Angehörigen.“

Kontakt:
Renate Focke, 1. Vorsitzende KAO
Ricarda-Huch-Str. 13  / 28215 Bremen
Tel: 0421-6734305
E-Mail: presse@initiative-kao.de
Internet: http://www.initiative-kao.de