Glaubenspräfekt Müller bezieht Stellung zu aktuellen Fragen und Themen des Glaubens

Radio Vatikan interviewt Kardinal Gerhard Ludwig Müller

RADIO VATIKAN: Herr Kardinal, der Papst will eine Debatte. Er will sie in zwei Synoden hineinführen zu Ehe und Familie. Wie sehen Sie die Rolle der Glaubenskongregation in dieser anstehenden Debatte?

KARDINAL MÜLLER: Die Glaubenskongregation vertritt in diesem Punkt, aber natürlich in allen Fragen der katholischen Lehre eben die Glaubenswahrheit.

Es ist  –  glaube ich  – wichtig für die öffentliche Wahrnehmung, die Engführung auf nur ein Thema zu überwinden, als ob das jetzt die Lösung von allem wäre.

Es geht wesentlich darum, die kirchliche Lehre von Ehe und Familie wieder ganz zentral ins katholische Glaubensbewusstsein hineinzuführen, denn nur wenn wir vom Gelingen der Ehe und Familie sprechen und uns dafür auch einsetzen, können wir etwas Positives bewirken.

RADIO VATIKAN: In der öffentlichen Meinung werden Sie ja häufig wahrgenommen oder dargestellt als der Bremser oder der Neinsager, wenn es um die Initiativen des Papstes geht. Trifft Sie das persönlich?

„Der Papst wird für bestimmte Ziele vereinnahmt“

KARDINAL MÜLLER: Natürlich ist das jetzt eine Propaganda, die ganz gezielt gemacht wird, mir einen Gegensatz zu konstruieren, was der Präfekt der Glaubenskongregation oder der Kongregation insgesamt  –  er ist nur der Primas inter pares  –  zu tun hat. Das ist ganz klar auch durch die Statuten festgelegt.

Allerdings gehört auch dazu, dass wir dafür Sorge tragen, dass der Papst nicht vereinnahmt wird für bestimmte Ziele. Es ist ja gerade interessant, dass sich zur Zeit so viele Gruppierungen auf den Papst berufen, die vorher das Papsttum ja fast abgelehnt haben. Insofern geht es bei uns jedenfalls darum, dass wir dem Papst und der Kirche dienen und uns nicht des Papstes bedienen.AL-0004

RADIO VATIKAN: Die von mir eben angesprochene Debatte, die der Papst ja angestoßen hat, daran beteiligen Sie sich ja auch. Es gibt Kreise vor allem in italienischen Medien, „Il Foglio“, eine Zeitung, fährt geradezu eine Kampagne gegen Kardinal Kasper seit einigen Tagen. Was ist ihre Beteiligung an der Debatte? Was fordern Sie in der anstehenden Debatte, die ja weit über die Kongregationen im Vatikan hinausgeht?

„Die Glaubenskongregration hat unmittelbaren Anteil am Lehramt des Papstes“

KARDINAL MÜLLER: Ich bin daran nicht beteiligt als Privattheologe, sondern eben in dieser Funktion; die Glaubenskongregation ist die einzige der römischen Kongregationen, die am Lehramt des Papstes unmittelbar Anteil hat, während andere, die sich hier melden, auch wenn sie im Kardinalsrang sind, einfach nur für sich selber persönlich sprechen und nicht eine offizielle Aussage treffen können. 

RADIO VATIKAN: Gehen wir noch einen Schritt weiter. Es sind ja nicht nur Kardinäle, die sich beteiligen, sondern es gibt ja noch einen Fragebogen, der hat sehr viele Erwartungshaltungen generiert. Jetzt einmal positiv gefragt: Was kann das denn in der internationalen Einbindung und Anregungen der Debatte, was kann das denn Positives beitragen?

KARDINAL MÜLLER: Ja, positiv kann das, glaube ich, sehr viel beitragen, dass die Katholiken sich wieder mit dem eigenen Glauben beschäftigen und nicht einfach punktuell dieses oder anderes ausnehmen aus der Liturgie, aus der Lehre der Kirche.

Wir müssen den Zusammenhang von Verkündigung und Seelsorge, der Lehre der Kirche, aber auch der Diakonia sehen. (…) Aber der Fragebogen als solcher ist ja kein Dogma, er ist so viel wert und bedeutet so viel, wie eben auch die Qualität der Fragen und die Zusammenhänge gegeben sind oder auch nicht.

„Nicht mit der öffentlichen Meinung kokettieren“

RADIO VATIKAN: Sie sind ein Mann der klaren Worte, das haben wir eben gehört. Ich denke, das geht auch in Ihrer Geschichte weit zurück. Ist das jetzt auch die Rolle der Glaubenskongregation, so zu sprechen  –  oder ist das eher Gerhard Ludwig Müller, der spricht?

KARDINAL MÜLLER Die Glaubenskongregation hat einen klaren Auftrag, den katholischen Glauben zu fördern, aber auch zu schützen. Aber das ist kein anderer Auftrag, als der Papst selbst empfangen hat von Jesus Christus und hier dürfen wir  –  glaube ich  –  nicht schweigen, uns in der Bequemlichkeit zurücklehnen und einfach mit der öffentlichen Meinung kokettieren.

Das ist ja schön, wenn man den Wind im Rücken hat und dann vielleicht groß aufgeblasen wird. Aber ich glaube, dieser Versuchung muss jeder Bischof und jeder Priester widerstehen, ob man sie hören will oder nicht.

„Es geht um Gerechtigkeit für die Opfer“

RADIO VATIKAN: Eine Frage, die ein anderes Thema betrifft, möchte ich noch stellen  –  und zwar ist die Glaubenskongregation u.a. auch zuständig für die Aufarbeitung, die juristische Aufarbeitung der Missbrauchsfälle. Im Selbstverständnis und im Arbeitsaufwand: was für eine Rolle spielt das hier im Haus bei ihnen?

Foto: E. Gründler

Foto: E. Gründler

KARDINAL MÜLLER: Ich glaube, wir sind nicht zuständig für die Gesamtaufarbeitung bzw. was die pastorale Betreuung der Opfer angeht, sondern hier geht es um ein kanonistisches Verfahren, auch nicht um ein bürgerliches Rechtsverfahren, wie das auf jeden Staatsbürger zutrifft, ob er Priester ist oder nicht, sondern es geht hier um die Frage in dem Falle, dass sich ein Kleriker, Priester oder Diakon oder Bischof eines solch schweren Verbrechens schuldig gemacht hat, wie weit er noch im pastoralen Dienst verwendbar ist.

Deshalb müssen wir bei entsprechend schweren Fällen auch eine schwere Strafen aussprechen um der Gerechtigkeit willen. Wer sich in schwerster Weise am Leib und Leben eines Jugendlichen schuldig gemacht hat, der kann nicht mehr im priesterlichen Dienst weiter wirken.

Und es ist auch unser Zeichen für die Opfer, dass die Kirche sich von dem schlimmen Treiben einiger ihrer Diener klar und unmissverständlich und ohne jede Zweideutigkeit distanziert. Das schulden wir einfach auch der Gerechtigkeit den Opfern gegenüber.

Quelle (Text  und 1. Foto): http://de.radiovaticana.va/news/2014/03/24/kardinal_m%C3%BCller:_%E2%8

2. Foto: Bistum Regensburg

 


Kardinal Müller widerspricht Kardinal Marx

Der Glaubenspräfekt verteidigt weiter die kirchliche Ehelehre

Wie der Bayerische Rundfunk am heutigen Sonntag, den 16. März, berichtet, hat sich Kardinal Gerhard Ludwig Müller (siehe Foto) deutlich gegen einen Vorstoß des neuen Vorsitzenden der Dt. Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx, gewandt.

Dieser plädiert für einen „milderen“ Umgang der Kirche mit geschieden-Wiederheirateten, indem man diesem Personenkreis  –  so Marx –  nach einer gewissen Bußzeit evtl. wieder den Sakramentenempfang erlauben solle. 0012

Der Münchner Oberhirte Marx hatte in Übereinstimmung mit Kurien-Kardinal Walter Kasper erklärt, er halte dieses Vorgehen „für einen gangbaren Weg, der aber immer auf einzelne Fälle bezogen sein muss.“  Die Kirche solle den geschieden-Wiederverheirateten verdeutlichen, daß sie „keine Christen zweiter Klasse“ seien.

Kardinal Müller erklärte gegenüber der  –  am Montag (17.3.) erscheinenden   –  Mainzer „Allgemeinen Zeitung“ hierzu:

„Wir wissen, dass es schwierige Situationen gibt, etwa wenn ein Ehepartner verletzt oder böswillig verlassen wurde. Aber das Problem wird nicht dadurch gelöst, dass menschliche Regeln Gottes Wort außer Kraft setzen.“

Kardinal Marx hatte sich bereits im vorigen Jahr mit dem Präfekten der Glaubenskongregation angelegt, wobei es weitgehend um dasselbe Thema ging (siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2013/11/07/kardinal-reinhard-marx-attackiert-glaubensprafekt-gerhard-l-muller/

In dieser anhaltenden innerkirchlichen Debatte hat Kardinal Müller stets auf göttliche Gebote und die von Christus verkündete Unauflöslichkeit der Ehe hingewiesen und die entsprechende Lehrtradition der Kirche betont. Damit sollte, so der Glaubenspräfekt, auch die Sakramentenpraxis und Pastoral (Seelsorge) der Kirche übereinstimmen.

HIERZU der ergänzende Kommentar eines katholischen Frauenblogs: http://www.beiboot-petri.blogspot.de/2014/03/was-kardinal-marx-sich-vorstellen-kann.html

Foto: Bistum Regensburg