Nachruf: Würdigung von Kardinal Lehmann durch die jüdische Seite

Von Felizitas Küble

Zum Tod von Kardinal Karl Lehmann veröffentlicht die aktuelle Ausgabe der „Jüdischen Allgemeinen“ einen aufschlußreichen Nachruf von Johannes Heil, dem Rektor der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg.

Der Autor erinnert an den besonderen Einsatz des katholischen Bischofs für eine christlich-jüdische Verständigung. Er sei mit dem in Mainz geborenen Rabbiner Leo Trepp und dessen Frau Gunda eng befreundet gewesen.

BILD: Eingang der Synagoge zu Münster

Im Jahre 2006 wurde ihm der jüdische Abraham-Geiger-Preis zuerkannt. Der Zentralrat der Juden in Deutschland betont, Lehmann sei es gelungen, für ein gutes Verhältnis auf beiden Seiten einzutreten und dabei „Missverständnisse und Unstimmigkeiten auszuräumen“. Den Bau der neuen Mainzer Synagoge habe er als Kuratoriumsmitglied gefördert.

Der Kardinal habe mit Optimismus auf die weitere Entwicklung der jüdisch-christlichen Beziehungen geschaut, aber auch gemahnt, nichts von alledem zu vernachlässigen.

 


Kardinal Karl Lehmann zur Causa Limburg: „Üble Kampagne in Medien“

Radio Vatikan veröffentlichte kürzlich ein Interview mit Kardinal Karl Lehmann aus Mainz anläßlich seines Rom-Aufenthalts. Wir zitieren nachfolgend einige Abschnitte.

Auf die Frage, was er dem Papst in der Causa Limburg mitgeteilt habe, antwortete der Kardinal:  1_0_745851

„Ich bin ja sozusagen seit 30 Jahren ein Nachbar Limburgs. Ich habe Franz-Peter Tebartz-van Elst schon vorher als Theologen gekannt und in den beiden Male, in denen ich mich öffentlich über ihn äußerte, habe ich gesagt, dass er ein hochintelligenter, höflicher und kommunikativer Mensch sei.

Ich kann also nicht feststellen von Protz und Verschwenderischem. Da war doch eine üble Kampagne in Medien festzustellen.

Aber es hatte seine Gründe gehabt: ich glaube, es ist nicht nur das viele Geld, das verbraucht wurde, das Problem sondern auch diese Geheimhaltungspolitik, die gemacht worden ist…“

Eine weitere Frage von Radio Vatikan an Kardinal Lehmann:Hat sich denn Papst Franziskus selbst geäußert zum Fall Limburg? Wie gut, meinen Sie, war er darüber informiert?“

„Ich habe den Eindruck, dass er sehr authentisch informiert ist und auch verschiedene Quellen hat. Da habe ich den Eindruck, dass er sich ein eigenes Urteil bildet. Ich habe ihm gesagt, dass wir abwarten sollten, bis die entsprechende Kommission den Bericht abliefert… Ich habe auf jeden Fall den Eindruck, dass der Papst gut informiert und behutsam, schonungsvoll gegenüber den beteiligten Menschen wissend umgeht. Er betrachtet das Ganze mit relativer Gelassenheit.“

Quelle und vollständiges Interview hier: http://de.radiovaticana.va/articolo.asp?c=765338


Volker Becks ganz neues und erstaunliches Feingefühl für innerkirchliche Stilfragen

Der grüne Politiker attackiert gerne den Papst, aber wehe, ein Priester kritisiert einen Bischof…

Volker Beck, bekannter Parlamentarier und bekennender Homosexueller, ist nicht gerade als Vertreter einer sanften Tonlage bekannt, sondern gilt selbst in seiner Partei eher als der „Mann fürs Grobe“, der selten um eine neue Provokation verlegen ist.

So war der Bundes-Geschäftsführer der Grünen beispielsweise von vornherein strikt dagegen, daß Papst Benedikt im Bundestag sprechen darf  –  in diesem Punkt mochten ihm selbst Angehörige seiner eigenen Fraktion nicht unbedingt folgen, von antikirchlichen Politikern wie Trittin und Co. abgesehen.

Foto: Radio Vatikan

Foto: Radio Vatikan

Weil sich der römische Pontifex getreu der katholischen Lehre, die er zu verkünden hat, gegen die Gleichstellung von homosexuellen „Paaren“ mit der normalen Ehe aussprach, warf ihm der rabiate Bundestagsabgeordnete Beck nichts weniger als einen „Angriff auf den säkularen Verfassungsstaat“ vor.

Hinsichtlich der Annäherungsversuche und Gespräche, die der Vatikan mit der traditionsverbundenen Priesterbruderschaft St. Pius führte,  erklärte der grüne Abgeordnete,  der Papst dulde damit zugleich auch eine „Ideologie der Ungleichwertigkeit innerhalb der katholischen Kirche, die Juden, Muslime, Homosexuelle und emanzipierte Frauen zu Menschen zweiter Klasse degradiert“.

Selbst Erzbischof Woelki aus Berlin widersprach seinerzeit den Rundumschlägen Becks und erklärte, es stehe diesem frei, den Papst zu kritisieren, aber: „Ein wenig mehr an Differenzierung und weniger an Polemik wären aber angemessen“.

Von den noch extremeren Entgleisungen gegen katholische Bischöfe,  für die seine umtriebige Parteivorstandskollegin Claudia Roth ebenso berühmt wie berüchtigt ist, einmal ganz zu schweigen.

Doch man lese und staune, wie feinsinnig sich der eifrige Polemiker Beck plötzlich um den innerkirchlichen Umgangsstil besorgt zeigt, wenn es nicht um seine eigenen provokanten Äußerungen, sondern um einige flapsige Bemerkungen des konservativen Priesters Hendrick Jolie geht.

Gegen diesen hessischen Priester zieht Beck gemeinsam  mit dem „schwulen Theologen“ Dr. David Berger schon seit Wochen eifrig zu Felde, wobei der Geistliche durch seinen leichtfertigen Umgang mit dem unseriösen Radauportal „kreuz.net“ sicher einen ernsten Fehler begangen hat, sich hierfür aber auch klar entschuldigt hat.

Der für Jolie zuständige Bischof Karl Lehmann nahm die Entschuldigung des Geistlichen an und dankte ihm ausdrücklich „für seine Bereitschaft zur selbstkritischen Umkehr“. Der bußfertigte Priester wurde daher von der Kirche zwar gerüffelt, aber nicht amtsenthoben  – und das ist auch gut so.

Volker Beck hält die Causa Jolie weiter am Köcheln

Damit könnte das Thema abgehakt sein, müßte man meinen, aber Hustekuchen!

Jetzt berichtete „Spiegel-online“, Volker Beck habe  die Kardinäle Lehmann und Zollitsch in Briefen zur Causa Jolie aktuell aufgefordert, „doch kirchen- und arbeitsrechtliche Konsequenzen aus diesem Fehlverhalten zu ziehen“.

Zudem heißt es dort: „Jolie habe andere Nutzer von kreuz.net mehrfach in Kommentaren als „Spacko“ und „Gehirngnome“ bezeichnet, also eine „diffamierende und diskriminierende Sprache“ verwendet. Zudem habe er sich in Richtung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz unflätig geäußert.“

Welch neue Sensibilität des Volker Beck wir hier bestaunen dürfen!

Der grüne Geschäftsführer selber attackiert gerne öffentlich den Papst und will ihn nicht einmal im Bundestag sehen und hören.

Aber wenn sich ein katholischer Pfarrer im Chat-Kommentarbereich zwischen Tür und Angel des Internets in einer vielleicht  flapsigen bis unangemessenen Sprache artikuliert, dann findet dies Herrn Becks scharfe Mißbilligung  –  und ausgerechnet der bewährte Herr Polemiker verteidigt den „Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz“ vor den angeblich „unflätigen“ Meinungsäußerungen des Gemeindegeistlichen.

Viele Katholiken sehen sicherlich ganz hoffnungsfroh der weiteren Entwicklung des Beckschen Feingefühls entgegen und erwarten gerne den Tag und die Stunde, wo er diese lobenswerte Tugend auch in eigener Sache und Person anzuwenden gedenkt.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


Das Bistum Mainz hat Lob verdient: Faires Verhalten gegenüber Pfarrer Hendrick Jolie

Ordinariat Mainz lehnt jede Verunglimpfung des Geistlichen ab

Das Bischöfliche Ordinariat Mainz hat heute erneut eine Erklärung zu den Vorwürfen gegen Pfarrer Hendrick Jolie im Zusammenhang mit „kreuz.net“ veröffentlicht  – wir haben sie heute Vormittag bereits im vollen Wortlaut dokumentiert.

In dieser Stellungnahme wurde eine  – im wesentlichen durchaus berechtigte  –  Sachkritik an dem Geistlichen wegen seines leichtfertigen Umgangs mit dem unseriösen Radauportal „kreuz.net“ geübt.

Es wurde jedoch nicht der Stab über ihn gebrochen, geschweige wurde der Priester amtsenthoben, wie man dies seitens linker Hetzblätter vom Spiegel bis zur Süddeutschen Zeitung wohl gerne gesehen hätte   –  im Gegenteil: die Öffentlichkeit wird in der Erklärung ausdrücklich zu Fairneß und sorgfältiger Berichterstattung ermahnt und aufgefordert, die nunmehr erfolgten „Klärungen“ in dieser Sache zu akzeptieren.

Volker Beck protestiert heftig gegen die Mainzer Erklärung

Der grüne Parlamentarier Volker Beck denkt aber gar nicht daran; vielmehr protestierte er heute sofort gegen die Erklärung des bischöflichen Ordinariats: „Das Bistum Mainz kann die Akte Jolie nicht schließen“, kommentierte er die kirchliche Entscheidung, Pfarrer Jolie im Amt zu belassen und auch sonst keine disziplinarischen Maßnahmen zu beschließen.

Schon zuvor hatte Volker Beck  – ein bekennender Homosexueller  – die sofortige Entlassung des hessischen Geistlichen gefordert: dieser dürfe „keinen Tag länger“ als Pfarrer tätig sein etc.

Seit wann hat sich ein Politiker  – welcher Partei auch immer  –  in die kirchliche Personalpolitik einzumischen? Kümmert sich die katholische Kirche etwa um das öffentliche Personalgerangel der Grünen?

Bei der Mainzer Haltung zu Pfr. Jolie handelt es sich um eine erfreuliche, durchaus nicht in allen deutschen Bistümern vorhandene Umgangsweise mit Priestern, die Respekt und Anerkennung verdient.

Das gilt auch für den Mainzer Bischof und Kardinal Karl Lehmann, der die Entschuldigung von Pfarrer Jolie akzeptiert hat.

Bereits hinsichtlich der ersten Erklärung des Mainzer Ordinariats zur Causa Pfr. Jolie schrieben wir in unserer Pressemeldung der vorigen Woche Folgendes:

„Pfr. Jolies zuständige Bistumsleitung in Mainz hat in einer sachlichen, ausgewogenen und umsichtigen Stellungnahme zu Recht vor einer „Vorverurteilung“ des attackierten Priesters gewarnt.“

(Siehe unsere Meldung hier: http://www.news4press.com/Meldung_700316.html)

Aus unserer Sicht bestand für Pfr. Jolie durchaus Anlaß zur kritischen Selbstbesinnung, was wir in unserer Stellungnahme klar erwähnt haben, doch die öffentlichen Attacken in den üblichen Linksmedien gegen den konservativen Geistlichen waren dennoch völlig überzogen und ungerecht.

Unsere Pressemitteilung steht hinsichtlich des internet-aktiven Pfarrers Jolie unter dem Motto: „Sachkritik JA, unfaire Diffamierung: NEIN“

An diesem edelmütigen Leitwort hat sich das Mainzer Bistum orientiert  – und das ist gut so!

Keine weggemobbten Priester im Mainzer Bistum

Gut ist zudem, daß es in dieser Diözese  –  nach unserem Kenntnisstand  –  bislang keinen einzigen „weggemobbten“, kaltgestellten bzw. unfair amtsenthobenen Priester gibt.

Man kann zu Kardinal Karl Lehmann stehen, wie man will. Auch wir sind mit etlichen seiner kirchenpolitischen oder theologischen Äußerungen keineswegs einverstanden.

Das ändert freilich nichts daran, daß der Mainzer Bischof Lehmann die ihm unterstellten Pfarrer seines Bistums tolerant bzw. im guten Sinne „liberal“ behandelt (und zwar auch die konservativen Geistlichen!)  –  und daß daher von einem „Priestermobbing“ nichts bekannt ist.

Wer sich mit manch anderen bischöflichen Ordinariaten auskennt, der weiß, daß dies leider keineswegs selbstverständlich ist.

Auf diesen Sachverhalt habe ich im Juni dieses Jahres in einer Rundsendung unseres Christoferuswerks aufmerksam gemacht und diesbezüglich einige Bistumsleitungen miteinander verglichen.

Die wesentlichen Passagen hieraus wurden in der August-Ausgabe der österreichischen Monatszeitschrift „Der 13.“ von Dr. F. Engelmann veröffentlicht.

Unter dem Titel „Felizitas Küble recherchierte Mobbing gegen Priester“ heißt es dort auf Seite 14:

„Relativ priesterfreundlich verhält sich (nach F. Küble) erstaunlicherweise das Ordinariat Mainz, was man von einer Lehmann-Behörde kaum erwarte. Aber Kardinal Lehmann sei immerhin auch insofern „liberal“, als er die konservativen Priester in seinem Bistum gewähren lasse. Das müsse man ihm (bei aller sonstigen Kritik) zugutehalten.“

Daß diese positive Würdigung berechtigt war und ist, hat sich jetzt in der Causa Pfarrer Jolie erneut gezeigt.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster