Ist der „synodale Weg“ der DBK eine Lösung?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Nach der Frühjahrsversammlung kündigte Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) eine „Zäsur“, gewissermaßen eine neue Epoche an:

„Einstimmig haben wir beschlossen, einen verbindlichen synodalen Weg als Kirche in Deutschland zu gehen, der eine strukturierte Debatte ermöglicht… und zwar mit dem Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) mit dem Ziel, konkrete Beschlüsse zu beraten…

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken und den Kongreß „Freude am Glauben“

Wir dürfen auch die Themen Zölibat und Zugang der Frauen zu kirchlichen Ämtern nicht aussparen…Eine konstruktive Aneignung human-wissenschaftlicher Einsichten (sei) noch nicht gelungen…Die Kirche braucht ein synodales Voranschreiten… Wir fangen nicht am Nullpunkt an“ (Mitteilungen der DBK, 14. März 2019). Das klingt nach Entschlossenheit.

Die Worte „synodales Voranschreiten“, „synodaler Weg“, „synodale Perspektive“ haben in bestimmten Kirchenkreisen und auch in Medien Beifall gefunden, denn „wir haben viel Zeit verloren… schlagartig wird einem bewusst, wieviel Zeit die katholische Kirche verloren hat um die Verkündigung des Evangeliums und das kirchliche Leben auf der Höhe der Zeit aufzustellen“ (Konradsblatt, Nr. 12/2019, S. 2)

Bei so viel Euphorie ist es angebracht, auf das „synodale Voranschreiten“ mit den angekündigten Beschlüssen den nüchternen Blick des Kirchenrechts zu werfen. Auf die Frage, was ein „synodaler Weg“ kirchenrechtlich sei (Tagespost, 21.3.19), antwortete der Kirchenrechtler Winfried Aymans: „Synodaler Weg ist kein kirchenrechtlicher Begriff“.

Wir haben uns „etwas Synodenähnliches vorzustellen…Es geht darum, die Bezeichnung Synode zu umgehen, um nicht die rechtlichen Vorgaben erfüllen zu müssen… und doch ähnliche Ziele zu erreichen“.

Auf die Frage: „Welche Verbindlichkeit kommt den Beschlüssen eines solchen Gremiums zu?“, antwortete Aymans: „Keine“.

Da der Vorsitzende der DBK auch von „Lehrentwicklungen“ spricht, ist jedem gebildeten Katholiken bewusst, dass es solche im Sinne eines vertieften Verständnisses der Lehre schon immer gegeben hat.

Aymans präzisiert: “Der überlieferte Glaube muss stets im Horizont der geschichtlichen Zeit verstanden und ausgedrückt werden. Die Interpretation kann aber nie zur überkommenen Lehre im Widerspruch stehen“ …“Lehraussagen der Bischofskonferenz müssen im Einklang mit der universalen Lehre stehen“:

Es muss sorgfältig vermieden werden „das lehramtliche Wirken der Bischöfe anderer Gebiete zu beeinträchtigen“. Und weil das ZdK mit seinen Gliederungen (BDKJ, Frauenbünde etc.) die bekannten Forderungen für die Beratungen des „synodalen Voranschreitens“ wie Frauenpriestertum, Zölibat, Änderung der kirchlichen Sexualmoral im Visier hat, fragte die Tagespost, ob es „realistisch (sei), mit regionalen Sonderwegen zu rechnen?“

Darauf Aymans: „Diese Fragen sind sämtlich universalkirchlicher Natur und zum Teil auch für unsere Zeit schon verbindlich entschieden“.

Das Kirchenrecht wirkt ernüchternd. Es bringt uns auf den Boden der Tatsachen zurück. Wer aber eine „andere Kirche“ will, berauscht sich dennoch am „partizipativen“ synodalen Weg, obwohl wir das schon alles hatten, in der „Würzburger Synode“, in „Diözesansynoden“, im vierjährigen „Gesprächsprozess“.

Im Zusammenhang mit der Befassung der sexuellen Missbrauchsfälle haben sich die Themen Zölibat, Frauenpriestertum, Homosexualität in den Vordergrund geschoben. Dabei wird die kirchliche Lehre als „überholt“ und „lebensfremd“ denunziert. Aber waren die Forderungen Jesu nicht zu allen Zeiten „lebensfremd“, „widersprüchlich“ zum Zeitgeist und „anachronistisch“?

Auffallend an den Debatten ist, dass die entscheidende Frage nach den Ursachen, die zum sexuellen Missbrauch geführt haben, kein Thema sind. Die Kardinäle Brandmüller und Burke haben den in Rom versammelten Bischöfen die Stichworte zugerufen. Sie wurden nicht aufgegriffen. Das war bei der Frühjahrskonferenz der DBK nicht anders.

Die Bischöfe beschäftigte auch nicht die Frage, was den kläglichen Zustand der Ortskirche herbeigeführt hat – mit der religiösen Unwissenheit nach neun Jahren Religionsunterricht, dem nahezu ausgestorbenen Bußsakrament, dem geringen Gottesdienstbesuch, dem Lebensstil der meisten Katholiken, der an das Wort von Johannes Paul II. erinnert „sie leben als ob es Gott nicht gäbe“, den Predigten und Katechesen, die jene Themen aussparen, die unangenehm berühren könnten. Umdenken und Umkehr waren keine Themen.

Die Gläubigen erfahren von ihren Hirten kaum etwas zu drängenden Zeitfragen: Zur Genderideologie, zur Ehe für Alle, zur Forderung homosexueller Partnerschaften auf „das Recht auf ein Kind“ mittels Ei und Samenspende und Leihmutterschaft, zur Tötung behinderter Kinder im Mutterleib durch die Präimplantationsdiagnostik (PID).

Da drängt sich die Mahnung des heiligen Paulus zu apostolischem Eifer an Bischof Timotheus auf:

„Ich beschwöre dich vor Gott und vor Jesus Christus, der einst richten wird die Lebenden und die Toten… verkünde das Wort, tritt auf, sei es gelegen oder ungelegen… Es wird eine Zeit kommen, da man die gesunde Lehre nicht ertragen mag und sich seine Lehrer nach eigener Willkür zusammenstellen wird, weil man nach Ohrenkitzel verlangt; und so wird man das Ohr von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeleien zukehren“. (2 Tim, 4, 1-9)

Wir haben schon viel Zeit verloren. Und es besteht die Gefahr, dass die Weichen erneut in die falsche Richtung gestellt werden und so noch mehr Zeit verloren wird. Eine Umkehr ist nicht chancenlos.

Wie Kath.net berichtet (21.3.19), haben die Bischöfe den synodalen Weg nicht einstimmig beschlossen: „Es gab einige Stimmenthaltungen“.

Es gibt auch bischöfliche Stimmen, die in die Zukunft weisen, so etwa folgende Stellungnahme des Regensburger Bischofs Dr. Rudolf Voderholzer (siehe Foto):

„Erneuerung der Kirche ist nicht von einer Anpassung an Zeitgeist diktierte Vorstellung oder durch Verbilligung der biblischen Botschaft zu erwarten. Die Geschichte zeigt, dass wahre Erneuerung immer aus einem tieferen Gehorsam gegenüber der Botschaft des Evangeliums… aus einer verstärkten Bemühung um Katechese und Verkündigung, sowie aus einer radikalen Christusnachfolge erwachsen sind“.

Oder die folgende Äußerung von Bischof Gregor Maria Hanke (Bistum Eichstätt):

„Mehr Zeugenschaft und Nachfolge Jesu, weniger Institution und Verfasstheit“ sind nötig. „Die notwendige geistliche Erneuerung der Kirche ist nicht zu erreichen, wenn wir an Kirche und Glaube herumschrauben, als ginge es um ein Parteiprogramm, das es mehrheitsfähig zu machen gilt. Die Kirchengeschichte zeige, dass durch die Homöopathisierung des Anspruchs des Evangeliums kein geistliches Wachstum entsteht“.


Die Kirche und der Missbrauch-Skandal

Von Prof. Dr Hubert Gindert

Die geistliche Auseinandersetzung zwischen Gott und dem Widersacher kommt besonders im Kampf gegen die Kirche Jesu Christi zum Ausdruck.

Der weltweite Skandal der sexuellen Missbrauchsfälle an Kindern und Jugendlichen hat sich auch in der Kirche eingenistet. Priester, Ordensleute und sogar Bischöfe sind daran beteiligt.

Das bringt den Kirchengegnern einen Vorwand und die Möglichkeit, der Kirche die Glaubwürdigkeit abzusprechen und sie so zu schwächen. Der Medien-Tsunami gegen das „Feindbild“ Kirche ist beispiellos.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Peter Seewald drückt das so aus:

„Aus allen Kanälen, aus allen Rohren von allen Kanzeln wird geschrien, angeklagt, gespuckt… Wie glaubwürdig ist es, wenn die bekannten Kirchenfresser in den einschlägigen Medien dem Missbrauch in der Kirche seit Jahren mit unzähligen Seiten einen Platz einräumen, als sei die katholische Kirche eine einzige Verbrecherorganisation? Hat sich irgendeine andere Institution – der Staat, die Sportvereine, die Vereinten Nationen etc. – in einem ähnlichen Ausmaß des Missbrauchs wegen angenommen wie die katholische Kirche?“ (kath.net, 27.2.2019)

Der Regensburger Bischof Voderholzer äußert:

„Verlorenes Vertrauen wieder zu erlangen, wird nur gelingen, wenn wir bei aller gebotenen Demut und den notwendigen Selbstbezichtigungen nicht vergessen, darauf hinzuweisen, dass die katholische Kirche die erste und bislang noch immer einzige Institution der Zivilgesellschaft in Deutschland ist, die sich diesem großen gesellschaftlichen Problem in ihren eigenen Reihen schonungslos stellt… Völlig kontraproduktiv ist das durchsichtige Verhalten, den Missbrauch zu instrumentalisieren, um lange schon verfolgte kirchenpolitische Ziele jetzt durchzudrücken.“ 

Seewald demaskiert die Heuchelei und fragt nach der Glaubwürdigkeit der maßlos die Kirche angreifenden Medien, die sich vor den Skandalen der Pornographie, denen Kinder ungeschützt ausgeliefert sind, wegducken, ebenso wie vor der Forderung des Juso-Vorsitzenden, Abtreibung bis zur Geburt freizugeben, vor dem sexuellen Missbrauch in Familien, Sportvereinen und vor den Kinder-Schänder-Ringen  – und er folgert:

“Wer jedes Maß, jeden Sachverstand, jede Differenzierung vermissen lässt, dem geht es um eigene Ziele“. (kath.net, 27.2.2019)

Diese sind nicht eine reuige, umkehrwillige Kirche, sondern eine „andere“ Kirche. Die Agenda, um das „System aufzubrechen“, liegt seit langem vor: Kirchliche Hierarchie, Priesterbild, Abschaffung des Zölibats, Änderung der kirchlichen Sexualmoral, Neubewertung der Homosexualität, Frauenpriestertum…

Diese Forderungen kommen aus dem Inneren der Kirche, von Theologen, Priestern, aus den katholischen Laienverbänden (ZdK, BDKJ, katholische Frauenverbände). Speerspitze der Kirchenveränderer sind die Kirchenvolksbegehrer um Christian Weisner mit dem bescheidenen Namen „Wir sind Kirche“. Wer ihre Ziele nachlesen will, kann das im vierzigseitigen Dossier im „Publik-Forum“ (Nr. 2, 26. Januar 1996). Dort sind diese Ziele sehr offenherzig beschrieben. 

Die Mediendampfwalze zeigt Wirkung: Das Vertrauen in die katholische Kirche geht massiv zurück. Die Austrittszahlen schnellen hoch.

Wie kann Glaubwürdigkeit zurückgewonnen werden? Die Beseitigung der Konsequenzen der sexuellen Missbrauchsfälle ist zweifellos wichtig. Sie darf aber nicht die Fragen, wie konnte es dazu kommen?, überlagern. Denn daraus sind die Rückschlüsse zu ziehen, welche inneren Reformen anzupacken sind.

Manche Bischöfe reagieren panikartig, wie Silvesterpredigten zeigten. Ich greife die von Bischof Overbeck aus Essen auf. Overbeck fordert eine „offene Debatte zu sämtlichen Grundsatzfragen der Kirche und konkrete Handlungsoptionen zur Veränderung der Kirche im Bistum Essen“. Zu diesen „Grundsatzfragen“ zählt er „Priesterbild, Weihe-Amt, Hierarchie, Zölibat und Sexualmoral“ (Pressestelle Bistum Essen).

Aber auch in dieser Situation gibt es Hirten, die den Weg in die Zukunft weisen, ohne sich vor der Verantwortung für die sexuellen Missbrauchsfälle zu drücken, z.B. Bischof Rudolf Voderholzer (siehe Foto).  Er sagt:

„Erneuerung der Kirche ist nicht von einer Anpassung an Zeitgeist diktierte Vorstellung oder durch Verbilligung der biblischen Botschaft zu erwarten. Die Geschichte zeigt, dass wahre Erneuerung immer aus einem tieferen Gehorsam gegenüber der Botschaft des Evangeliums… aus einer verstärkten Bemühung um Katechese und Verkündigung, sowie aus einer radikalen Christusnachfolge erwachsen sind“. 

Bischof Gregor Maria Hanke äußerte sich beim Neujahrempfang des Diözesanrates ähnlich: „Mehr Zeugenschaft und Nachfolge Jesu, weniger Institution und Verfasstheit sind nötig. Die notwendige geistliche Erneuerung der Kirche ist nicht zu erreichen, „wenn wir an Kirche und Glaube herumschrauben, als ginge es um ein Parteiprogramm, das es mehrheitsfähig zu machen gilt“. Die Kirchengeschichte zeige, dass durch die „Homöopathisierung des Anspruchs des Evangeliums“ kein geistliches Wachstum entsteht.

Es ist klar, dass Bischöfe mit einer solchen katholischen Statur für Kirchenveränderer ein Dorn im Auge sind, weil sie den Weg zu einer „anderen Kirche“ blockieren.

Eine wichtige Station für die weitere Vorgehensweise für die sexuellen Missbrauchsfälle war die viertägige Bischofssynode im Februar 2019 in Rom. Schon im Vorfeld wurde versucht, Einfluss auf die Agenda der Synode zu nehmen.

So wandten sich „prominente deutsche Katholiken“ in einem offenen Brief an Kardinal Marx. Sie verlangten darin „mutige“ Reformen. Diese „prominenten“ neun Katholiken waren die Jesuitenpatres Ansgar Wucherpfennig und Klaus Mertes; der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz; Gaby Hagmann, Direktorin der Caritas Frankfurt; Bettina Jarasch, Vorstandsmitglied der  Grünen; Claudia Lücking-Michel, Vizepräsidentin des ZdK; Dagmar Mensink, ZdK-Sprecherin und Jörg Splett, Religionsphilosoph und Anthropologe mit seiner Frau Ingrid.

Das Gipfeltreffen in Rom sollte nicht Beschlüsse fassen, aber offene Fragen in konkreter Weise aufgreifen. Papst Franziskus forderte die Bischöfe dazu ausdrücklich auf: „Das heutige Gottesvolk schaut auf uns und erwartet von uns nicht nur einfache Verurteilungen, sondern konkrete und wirksame Maßnahmen. Wir müssen konkret werden“. – Das geschah nicht.

Guido Horst benennt solche offene Fragen: „Das kirchliche Strafrecht, die Aufsicht über Nachlässige oder sogar vertuschende Bischöfe, die Beteiligung von Laien beim Kinderschutz, die Arbeitsabläufe zwischen Rom und den Ortskirchen, die Auswahl der Kandidaten für das Priestertum und für das Bischofsamt“. (Tagespost, 28.2.2019)

Horst bemängelt besonders, dass nicht die Ursachen, die zu den Missbrauchsfällen geführt haben, aufgegriffen wurden. Die Kardinäle Brandmüller und Burke hatten sich gerade deswegen an die Präsidenten der Bischofskonferenzen gewandt und dabei diese Ursachen deutlich gemacht, nämlich die homosexuellen Netzwerke, „die sich … im Innern der Kirche ausgebreitet haben. Ein Phänomen, das in jener Atmosphäre von Materialismus, Hedonismus und Relativismus wurzelt, in der die Existenz eines absoluten, ohne Ausnahme verpflichtenden Sittengesetzes offen in Frage gestellt“ wird…

Verantwortlich für den sexuellen Missbrauch seien „nicht Klerikalismus und Machtmissbrauch“, sondern „Abkehr von der Wahrheit des Evangeliums. Der sogar öffentlich erhobene Widerspruch in Wort und Tat gegen das natürliche und göttliche Sittengesetz ist in Wahrheit die Wurzel des Übels“. (kath.net. 20.2.2029)

Guido Horst bemängelt auch eine fehlende Bereitschaft der obersten Kirchenführung, „zunächst im eigenen Haus mit den Aufräumarbeiten zu beginnen“ (Tagespost, 28.2.2019) und spricht dabei Bischof Gustavo Oscar Zanchitta an, der des sexuellen Missbrauchs beschuldigt, sich in den Vatikan flüchtete und dort eine neue Beschäftigung fand.

Aus den von Papst Franziskus ausgeteilten 21 „Punkten der Reflexion“ wurde kein wirkliches „Maßnahmenpaket“. Der Papst hielt am Ende der Synode eine Rede über allgemeine Prinzipien. Die Bischöfe wurden mit der Ankündigung eines „Vademecums“ entlassen, das den Ortskirchen helfen soll, ihre Pflichten und Aufgaben umzusetzen. Des Weiteren sollen „Task forces“ eingerichtet werden, um die Bischöfe zu beraten.

Haben die Kardinäle Brandmüller und Burke die wahren Ursachen des sexuellen Missbrauchs aufgedeckt und Horst die fehlenden konkreten Maßnehmen in sachlicher Weise bemängelt, so breitete sich in profanen Medien ein angestauter Ärger aus, der fast an Wut erinnert.

Warum? Die bekannten „Reformvorschläge“ spielten in der Bischofssynode keine Rolle. Papst Franziskus hatte in seiner Abschlussrede den sexuellen Missbrauch in einen weltweiten gesellschaftlichen Zusammenhang – der von den Medien tabuisiert wird – gestellt, die Gewalt in Familien kritisiert und das Wirken Satans mit den Missbrauchsfällen in Verbindung gebracht.

Die Augsburger Allgemeine Zeitung titelte nach der Synode „Der Papst ist nicht bereit, die Kirche zu erneuern“ (Obertitel) und „Der Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan ist ein Schlag ins Gesicht der Opfer. Den Worten folgen keine Taten. Verantwortlich ist Papst Franziskus höchst persönlich“ (Untertitel).

Wenn diese Journalisten die Opfer sexuellen Missbrauchs so wichtig sind, fragt man, warum die gleichen Journalisten nicht Tag und Nacht über die 99% der Missbrauchsfälle, die außerhalb der Kirche geschehen, lauthals schreien?

Der Ärger über den Papst ist deutlich aus den Berichten über die römische Bischofssynode herauszuhören, hat doch der Vorwurf des Papstes „gegen ideologische Polemiken“ und „journalistisches Kalkül“ Journalisten direkt getroffen. Sie sind verärgert und enttäuscht über Franziskus, den sie, so lange sie glaubten, ihn für ihre Ziele einspannen zu können, als „Reformer“ hochstilisiert hatten.

Die Schlussfolgerung der AZ vom 25.2.2019 lautet: „Die katholische Kirche (hat) keine Kraft sich zu erneuern“. Das ist ein Vorwurf, der für die Zukunft der Kirche existenziell ist.

In der heutigen Verwirrung werden manche Katholiken an die „Endzeit“ und an Sätze viele falsche Propheten werden auftreten und viele verführen (Mt 24,11) sowie an den vorhergesagten „Massenabfall“ (Mk 13, 21-23) denken. Gläubige werden sich aber auch an der Zusage Christi aufrichten… „und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18).

Denn aus der Geschichte wissen sie, dass die Kirche schon mehrfach tiefe Krisen durchlitten und sich davon wieder befreit hat. Zwei Beispiele: Als der heilige Bonifatius im achten Jahrhundert in Deutschland sein Reformwerk begann, fand er in weiten Teilen eine verschlampte und verkommene Kirche vor, mit trunksüchtigen Bischöfen, die im Konkubinat lebten und lieber auf die Jagd gingen, als einen Gottesdienst zu halten. Die Unwissenheit vieler Priester war unbeschreiblich.

Als der über 80-.jährige Bonifatius zu seiner letzten Missionsreise nach Friesland aufbrach, wo er bei Dokkum erschlagen wurde, hinterließ er eine wohlgeordnete und wieder aufblühende Kirche.

Ein weiteres Beispiel der Erneuerung nach dem tiefen Einbruch der „Reformation“ im 16. Jahrhundert, bot die Kirche nach den Reformen des Konzils von Trient. Diese selbstreformierte Kirche leuchtete auch kulturell im glaubensfrohen Barock.

Weil die Homosexualität bei den Missbrauchsfällen eine besondere Rolle spielt, erinnert der Kirchenhistoriker Kardinal Brandmüller an eine ähnliche Situation im 11. Jahrhundert, als der heilige Petrus Damianus sich an Papst Leo (1049 – 54) wandte und ein „wirksames Einschreiten gegen die weitverbreitete Homosexualität innerhalb des Klerus“ mit den Worten forderte:

„Das Krebsübel der Homosexualität nistet sich im Gefüge der Kirche ein. Wie eine wilde, rasende Bestie wütet sie im Schafstall Christi mit solcher Kühnheit und Freiheit, dass das Seelenheil vieler unter dem Joch der Knechtschaft von Laien sicherer ist, als nach dem Freiwilligen Eintritt in den Dienst Gottes unter dem ehernen Gesetz der Tyrannis Satans“, das im Klerus herrschte. (vgl. Kath.net 21.2.2019) Auch diese Krise wurde überwunden.

Wenn Kardinal Müller heute feststellt: „In dieser kirchengeschichtlich einmaligen Krise mangelt es der Kirche in den einst christliche Ländern an glaubensstarken Bischöfen, heiligen Priestern und geistesmächtigen Gelehrten“ (G. Kubys Buch „Missbraucht“, S. 8), so ist dieser Mangel deutlich spürbar.

Die „glaubensstarken“ Bischöfe sind eine Minderheit unter den Diözesanbischöfen. Jeder kennt sie, weil sie sich zu den Problemen deutlich artikulieren. Das ist auch notwendig, weil sich selbst lehramtstreue Katholiken heute fragen, ob sie selber noch richtig ticken. Sie wollen sich selbst vergewissern.

Das können sie. Kein Katholik ist ohne den sicheren Kompass, den uns Johannes Paul II. im Katechismus von 1992 (KKK) gegeben hat. Er enthält das gesamte Glaubensgut der Kirche. Jugendliche haben daneben den Youcat, Kinder den Kidscat, sozial engagierte den Docat mit der Sozialbotschaft der Kirche.

Kardinal Müller hat „angesichts sich ausbreitender Verwirrung in der Lehre des Glaubens“, nachdem sich „viele Bischöfe, Priester und Ordensleute und Laien“ an ihn „um ein öffentliches Zeugnis für die Wahrheit“ gewandt haben, das „Glaubensmanifest“ verfasst. Ihm ist das Motto vorangestellt „Euer Herz lasse sich nicht verwirren!“ (Joh 14,1).

Dieses Glaubensmanifest ragt wie ein Leuchtturm für alle Fragenden und Verunsicherten auf.


CSU-Chef Söder betreibt eine skandalöse Kehrtwendung in der Familienpolitik

Mathias von Gersdorff

Markus Söder, Ministerpräsident Bayerns und seit neuem Vorsitzender der CSU, malt seine Partei dunkelgrün und verkündet vollmundig in der TV-Sendung „Münchner Runde extra“ des Bayerischen Rundfunks: „Wir sind offen für jede neue Familienform.“

In derselben TV-Sendung ruft er das neue Leitprinzip für die Familienpolitik der CSU aus: „Das Leitbild der Familie heißt zunächst einmal: Verantwortung, wo Kinder sind.“

Zu Erinnerung: Das ist haargenau dasselbe Familienleitbild der rot-grünen Koalition unter Gerhard Schröder (1998 – 2005). Damals hatte Bundesfamilienministerin Renate Schmidt diesen Slogan ausgerufen und Entsetzen in CDU und CSU ausgelöst.

Ohne jegliche Notwendigkeit erklärt nun Markus Söder diese Parole zum Leitprinzip der neuen CSU  – ein Skandal.

Kampflos übergibt die C-Partei aus Bayern die Deutungshoheit über Ehe und Familie den Linksideologen, die maßgeblich in den letzten Jahrzehnten die Anti-Ehe-Revolution im Geiste der 1968er gesteuert haben. 

Die Agitation gegen den christlichen Begriff der Ehe ist stets ein Kernanliegen linker Revolutionäre gewesen. Denn sie erkannten, dass die christliche Ehe die Basis einer christlich-bürgerlichen Gesellschaft ist.

Aufgrund der Tatsache, dass die Ehe zwischen Mann und Frau (und die Familie) in der christlichen Gesellschaftsethik einen zentralen Platz einnimmt, ist die Akzeptanz des atheistischen Ehebegriffes der Grünen und der SPD ein historischer Schritt der CSU in die Dekadenz.

Selbst Kardinal Reinhard Marx, der zum liberalsten Flügel der katholischen Kirche gehört, kritisierte die „Ehe für alle“ und forderte eine Klage beim Verfassungsgericht. „Die Ehe sollte auf die Beziehung zwischen Mann und Frau bezogen bleiben.“ Der Staat dürfe den Ehebegriff nicht umdefinieren, „denn er basiert ja auf der Tatsache, dass die Ehe als Verbindung von Mann und Frau und auf Weitergabe des Lebens ausgerichtet schon vor ihm da ist, sie ist gewissermaßen die Voraussetzung dafür, dass es den Staat überhaupt gibt“. („Welt am Sonntag“ am 24. Dezember 2017).

Die familien- und gesellschaftspolitische Wende der CSU kommt genauer betrachtet nicht ganz überraschend:

Nachdem der Bundestag im Sommer 2017 die Öffnung des Ehegesetzes für gleichgeschlechtliche Paare beschlossen hatte, verzichtete die CSU bzw. die Bayerische Landesregierung –  denn damals regierte die CSU mit absoluter Mehrheit –  auf eine Klage beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe.

Die Entscheidung der CSU, nicht gegen die Homo-Ehe klagen zu wollen, hatte mitnichten nur juristische Gründe. Wie anfangs erwähnt, handelt es sich um den Verzicht, für den wahren Begriff der Ehe kämpfen zu wollen. Für die linksgrünen Gesellschaftsideologen ist ein kultureller Sieg viel wichtiger als ein juristischer.

Markus Söder hat im Kulturkampf um die Ehe auf jämmerliche Weise kapituliert.

Nicht nur politisch, sondern auch psychologisch: Er hat die falschen Vorstellungen der Linksideologen über die Ehe vollumfänglich aufgesogen.

Erstveröffentlichung dieses Beitrags von Mathias v. Gersdorff hier: https://www.aktion-kig.eu/2019/01/antichristliche-familienpolitik-csu-passt-sich-komplett-den-gruenen-an/


Parlamentarier Münz (AfD) kritisiert Abendlands-Aussage von Kardinal Marx

Der Vorsitzende der katholischen Dt. Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx aus München, hat sich kürzlich gegen die Rede vom „christlichen Abendland“ gewandt, da dieser Begriff vor allem „ausgrenzend“ sei.

Dazu erklärt Volker Münz (siehe Foto), kirchenpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion:

„Es ist traurig, dass ein christlicher Oberhirte zum wiederholten Male das Christentum verleugnet. Europa wird als christliches Abendland bezeichnet, weil es wesentlich durch das Christentum geprägt ist. Das Christentum ist eine wesentliche Basis für unsere Werte und letztlich für unsere Rechtsordnung.

Die Wurzeln unserer christlich-abendländischen Kultur müssen wir lebendig halten. Hierfür sollten Kirchenvertreter eintreten.

Das Bekenntnis zum Eigenen ist kein Angriff auf Fremde. In Anlehnung an Otto von Habsburg sage ich: Europa wird christlich bleiben – oder es wird nicht mehr sein.“

KRITIK an Kardinal Marx kommt auch von einer katholischen Konvertitin mit Migrationshintergrund: https://maryofmagdala.wordpress.com/2019/01/12/christliches-abendland-und-verbloekung/


Ultralinke Proteste gegen Marsch für das Leben CDU-Fraktionschef Kauder unterstützt ihn

Beim heutigen Schweigemarsch für das Leben in der Bundeshauptstadt gab es wie seit Jahren üblich erneut starken Gegenwind von linker, feministischer und grüner Seite, von Gewerkschaften sowie der „Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen“.

Ein sog. „Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung“ hatte zu Protesten gegen die Lebensrechtler-Aktion aufgerufen, bei der christliche Abtreibungsgegner mit weißen Kreuzen durch Berlin zogen – und dies unter Beteiligung von katholischen und evangelischen Würdenträgern, darunter Erzbischof Koch (Berlin), Bischof Voderholzer (Regensburg), Weihbischof Heinrich (Berlin) und der evangelische Bischof Abromeit.

Im Demonstrations-Aufruf des BVL (Bundesverband Lebensrecht) hieß es: „Jeder Mensch, ob geboren oder ungeboren, hat das Recht auf Leben und Achtung seiner Würde“.

Die Deutsche Bischofskonferenz unterstützt die Lebensrechts-Initiative ausdrücklich. Kardinal Reinhard Marx schickte ein zustimmendes Grußwort. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer nahm persönlich an der Kundgebung teil.

Der Unions-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder (CDU) stellte sich ebenfalls hinter den Marsch für das Leben: „Sie setzen ein Zeichen für Menschen – geboren oder ungeboren, jung oder alt, gesund oder krank – deren uneingeschränktes Recht zu leben bedroht ist.


Kardinal Marx und andere Amtsträger wissen nicht mehr, „wo oben und unten ist“

Die österreichische Zeitung „Die Presse“ veröffentlichte am 4. Mai einen bemerkenswerten Artikel  von Martin Leidenfrost unter der Überschrift: Bayern: Der Staat hängt das Kreuz auf, die Kirche nimmt es ab“. Der Untertitel lautet: Die Anbiederung des Münchner Kardinals Marx an das politmediale Establishment kennt immer weniger Tabus.“

Zweifellos eine klare Ansage des Europa-Reporters, eines katholischen Familienvaters aus dem Burgenland. Er erinnert daran, daß Reinhard Marx, der Erzbischof von München, Ende 2016 sein Amtskreuz auf dem Jerusalemer Tempelberg abnahm und zwar „aus Rücksicht auf muslimische Gastgeber“.

Nun ist Reinhard Marx nicht nur Münchner Oberhirte, sondern „zu allem Unglück auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz“: 

Als solcher lobt er seinen Namensvetter Karl für „Analyse und Kritik des Kapitalismus“, als solcher hält er eine Segnung homosexueller Paare „in Einzelfällen“ für möglich. Die Kirche in Deutschland ist die reichste der Welt, große Teile der Weltkirche hängen an ihrem Tropf. Am Tropf von Leuten, die nicht mehr wissen, wo oben und unten ist.“

Hinsichtlich der bayerischen Kreuz-Causa sei Marx nach der Kritik sogar aus Vatikankreisen inzwischen „immerhin zurückgerudert“. Der Verfasser verweist darauf, daß Bayern„von 200 Kirchenschändungen pro Jahr heimgesucht“ werde: In Passau wurde ein Vortragekreuz entzweigeschlagen, die Gipfelkreuze auf mehreren Bergen wurden abgesägt, ein Türke zerschlug den Christus am Sendlinger-Tor-Kreuz in München.“

Quelle für die Zitate: https://diepresse.com/home/meinung/kommentare/5417721/Der-letzte-Kreuzritter_Bayern_Der-Staat-haengt-das-Kreuz-auf-die#

Foto: Laura Mohr


Eine neue Kirchenspaltung aus Deutschland?

Von Dr. Eduard  Werner

Die Befürchtung von Erzbischof Charles J. Chaput, von Deutschland könnte jetzt eine neue Kirchenspaltung ausgehen, scheint bereits einzutreten. Erfahrungsgemäß erleidet die Kirche ja alle 500 Jahre eine neue Spaltung. Dass sie dieses Mal vom früher marianisch geprägten München ausgeht, ist bedrückend.

In der vergangenen Woche sagten mir zwei Ehepaare unabhängig voneinander, dass sie sich mit dem Gedanken tragen, in eine orthodoxe Kirche überzutreten. Mein Einwand, dass in der Kirchengeschichte alle großen Reformer in der Kirche geblieben seien, verfing leider nicht. Die evangelische kirchliche Zeitschrift „Chrismon“ habe letztes Jahr zweimal die katholische Verwandlung von Brot und Wein in den Leib und in das Blut Christi als mittelalterliche Zauberei dargestellt.

Dass unsere konzessionsbereiten Bischöfe  eine Klärung dieser und ähnlicher Irrtümer nicht zur Vorbedingung für ein Entgegenkommen in der Eucharistie gemacht hätten, ließe Schlimmes befürchten, meinten meine Gesprächspartner.

Überdies sei die Interkommunion heute schon ein Massenphänomen. In der Tat fordern katholische Bischöfe und evangelische Christen gemeinsam etwas, was Protestanten mit ihrer Ablehnung der Priesterweihe und der apostolischen Sukzession ja selbst nicht wollen.

Die Mehrheit der deutschen Bischöfe sieht offenbar keinen Klärungsbedarf. Das kann nicht lange gut gehen.