Papst Benedikt: Sorge und Freude der Kirche

Kirchenboot im Sturm „bis zum Kentern angefüllt“…

Beim Requiem (Totenmesse) für den verstorbenen Kardinal Joachim Meisner las Erzbischof Georg Gänswein im Kölner Dom den Nachruf von Papst Benedikt vor, in welchem er den früheren Erzbischof von Köln würdigt, der zu den vier sog. „Dubia-Kardinälen“ gehört, welche mehrfach kritische Nachfragen zu „Amoris laetita“ von Papst Franziskus stellte.

In seinem Gedenkwort, das von Kardinal Woelki erbeten wurde, erwähnt der ehemalige Pontifex, daß er noch einen Tag vor Meisners Tod mit diesem telefoniert habe.

Benedikt schreibt sodann, daß wir in einer Zeit leben, in der die Kirche besonders dringend überzeugender Hirten bedarf, die der Diktatur des Zeitgeistes widerstehen und ganz entschieden aus dem Glauben leben und denken.“

Kardinal Meisner habe trotz aller kirchlichen Nöte aus der „tiefen Gewissheit“ gelebt, daß „der Herr seine Kirche nicht verlässt, auch wenn manchmal das Boot schon fast zum Kentern angefüllt ist“.

Zudem habe sich Meisner froh über eine neue Hinwendung zur Beichte gezeigt,  zumal „gerade junge Menschen, vor allem auch junge Männer, die Gnade der Vergebung erleben, das Geschenk, wirklich das Leben gefunden zu haben, das ihnen nur Gott geben kann.“

Auch das leise Anwachsen der eucharistischen Anbetung bei katholischen Jugendlichen habe den Kardinal „freudig gestimmt“; beim Weltjugendtag in Köln (an dem Papst Benedikt teilgenommen hatte) sei ihm dies ein „zentraler Punkt“ gewesen, daß es „die Anbetung gebe, eine Stille, in der nur der Herr zu den Menschen und zu den Herzen spricht.“

Übrigens hat auch Papst Franziskus einen Nachruf auf Kardinal Meisner nach Köln geschickt. Beifall von den Gläubigen im Dom erfolgte aber allein nach dem Gedenkwort des früheren Papstes Benedikt.

Die linksliberale „Süddeutsche Zeitung“ reagierte auf die beiden Nachrufe  – wohl doch überspitzt?  – mit dem Titel: „Benedikt gegen Franziskus“. (Siehe hier: http://www.sueddeutsche.de/politik/katholische-kirche-benedikt-gegen-franziskus-1.3591263)


Der Vatikan droht den vier fragestellenden Kardinälen mit Repressalien

Von Dr. David Berger

Das gab es in dieser Dimension noch nie: Pio Vito Pinto, der Vorsitzender des obersten katholischen Gerichtshofes, der Römischen Rota, hat gleich mehreren Kardinälen angedroht, dass man ihnen die Kardinalswürde entziehen könnte. pressefotoberger11

Der Grund: Sie hatten sich kritisch zu einem dogmatisch tatsächlich höchst zweifelhaften Rundschreiben (Amoris Laetitia) von Papst Franziskus geäußert.

Mit dabei sind – nach den Informationen mehrerer Nachrichtenagenturen – Kardinäle, die unter dem Vorgänger von Papst Franziskus, Papst Benedikt XVI., als besonders lehramtstreu galten, u. a. die deutschen Kardinäle Joachim Meisner (Köln) und Walter Brandmüller, ein international bekannter Kirchenhistoriker und persönlicher Freund Papst Benedikts XVI.

Zusammen mit den Kardinälen Burke (Malta/USA) und Caffarra (Italien) hatten diese Kichenfürsten einen besorgten Brief an Papst Franziskus gerichtet und ihn gebeten, in der umstrittenen Enzklika angedeutete Pläne, nach denen auch wiederverheiratete Geschiedene die Hl. Eucharistie empfangen können, nicht zu verwirklichen.

Nun will man sie offensichtlich mundtot machen, um die der Ehelehre der Kirche widersprechenden Pläne ungestört und unter dem Jubel der kirchenfernen Medien umsetzen zu können. Wie bereits bei den unter Paul VI. durchgeführten Veränderungen der kirchlichen Praxis, zeigt sich nun auch unter Franziskus:

Die sich selbst als Reformer und Liberale verstehenden Kirchenmänner, die die kirchliche Disziplin an wichtigen Stellen auflösen möchten, gehen gegen ihre Kritiker mit schärfsten disziplinarischen Mitteln vor.

Oder wie es der vor kurzem verstorbene Philosoph Walter Hoeres formulierte: Die heftigsten Toleranzprediger sind fast immer die intolerantesten Menschen.

Quelle und vollständiger Text hier: http://philosophia-perennis.com/2016/11/30/vatikan-droht-kardinal-meisner-mit-entzug-der-kardinalswuerde/

Ergänzender Artikel hierzu aus kirchenrechtlicher Sicht: http://www.kathnews.de/kann-der-deken-der-rota-die-kardinalwuerde-entziehen

Weiterer Beitrag über KARDINAL MÜLLER in dieser Causa: http://www.katholisches.info/2016/12/02/glaubenspraefekt-mueller-steigt-zu-amoris-laetitia-in-den-ring-und-spricht-klartext/


Berlin: Zahlreiche Bischöfe würdigen den Marsch fürs Leben am 21. September

Pressemitteilung des BVL (Bundesverband Lebensrecht):

Katholische und evangelische Bischöfe unterstützen den Marsch für das Leben am 21. September 2013 in Berlin. In ihren Grußworten brachten die Kirchenvertreter zum Ausdruck, wie wichtig der Einsatz für den unbedingten Schutz menschlichen Lebens gerade in einer Gesellschaft sei, die von Konkurrenz und Profit geprägt ist.06-port-Aborto-Mentalitat

Verliere der Mensch die rechtlichen und ethischen Grenzen einer humanen Gesellschaft aus dem Blick, so laufe der „Zauberlehrling“ Mensch Gefahr, die Kontrolle über sein Tun zunehmend zu verlieren, erklärte Kardinal Rainer Woelki. In seinem Grußwort warf der Erzbischof von Berlin die Frage auf:

„Gibt es in einer globalisierten Kultur noch Grenzpfeiler, die den Unterschied zwischen gut und böse wirksam markieren, oder wird nicht zunehmend alles fließend und bedrohlich beliebig? Dann läuft der „Zauberlehrling“ Mensch zu seinem eigenen Schaden Gefahr, die Kontrolle über sein Tun zunehmend zu verlieren. Gefördert wird diese Entwicklung nicht zuletzt, weil der rettende Blick nach oben, der Blick zu Gott, des ersten und wich-tigsten Garanten jedes menschlichen Lebens verdunkelt wird.“

Kardinal Joachim Meisner, der Erzbischof von Köln, betonte: „Der Wert des Lebens steht in Konkurrenz zu vielem anderen, das nicht als Wert bezeichnet werden kann. Umso mehr müssen wir als Christen in dieser Zeit unsere Stimme erheben, um den unbedingten Wert des Lebens, gerade des schutzbe-dürftigen Lebens am Anfang und Ende menschlicher Existenz, zu verteidigen und als unverfügbar einzufordern.“

„Es geht um nicht mehr und nicht weniger als den Schutz und den geistlichen Kampf gegen eine Verwässerung unseres Grundgesetzes!“, so der Bischof von Eichstätt, Dr. Gregor Hanke OSB.

Den Marsch der Lebensrechtler unterstützen außerdem:

Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset, Apostolischer Nuntius in Deutschland
Dr. Karl-Heinz Wiesemann, Bischof von Speyer
Dr. Heiner Koch, Bischof von Dresden-Meissen
Dr. Konrad Zdarsa, Bischof von Augsburg
Dr. Werner Thissen, Erzbischof von Hamburg
Dr. Felix Genn, Bischof von Münster
Dr. Markus Dröge, Landesbischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg
Hans-Jörg Voigt, Bischof der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK)
Ansgar Hörsting, Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland
Mathias von Gersdorff, Deutsche Vereinigung für eine Christliche Kultur
Horst Marquardt, Vorsitzender des Kongresses christlicher Führungskräfte.
 
Kontakt:
Bundesverband Lebensrecht e. V., Fehrbelliner Straße 99 in 10119 Berlin
Telefon (030) 644 940 39  /  Fax (030) 440 588 67
berlin@bv-lebensrecht.de
 

Foto: Mathias von Gersdorff


Der Kölner Kardinal vergreift sich im Ton: Burschikose Äußerungen zu Papst Benedikt und Vatikan

Meisner zu Papst em. Benedikt: „so eine halbe Portion“, „ganz der Alte“

Nachdem der Kölner Erzbischof das kirchentreue katholische Spektrum sowie die Lebensrechtsbewegung weltweit durch seine deplazierten Äußerungen über die „Pille danach“ maßlos enttäuschte (hier unsere Artikelfolge), geht er jetzt anscheinend nach der Devise vor: „Ist der Ruf erst ruiniert, spricht es sich ganz ungeniert.“

Am gestrigen Mittwoch, den 8. Mai, zitierte die Tageszeitung „Die Welt“-online  Kardinal Meisners jüngste Äußerungen unter dem Titel: „Benedikt XVI. ist nur noch „so eine halbe Portion““ 

Foto: Radio Vatikan

Foto: Radio Vatikan

Was eine seriöse Zeitung sich kaum erdreisten würde, nämlich Benedikt XVI. selber herablassend als „so eine halbe Portion“ zu bezeichnen, erlaubt sich das Oberhaupt des Erzbistums Köln.

Wie „Die Welt“ weiter berichtet, zeige sich Erzbischof  Joachim Meisner „erschrocken über den Gesundheitszustand von Benedikt XVI.“   –  Er habe ihn am 18. März besucht und dabei gesehen, wie schmal er geworden sei,so eine halbe Portion„.

Sodann erwähnt der Kardinal erneut, was er sogleich nach Benedikts Amtsverzicht bereits in den Medien breitgetreten hatte, nämlich daß er „mit seinem Rücktritt erst gar nicht einverstanden war“.  

„Na und?“, möchte man wohl zurückrufen. Hätte Papst Benedikt den Kölner Erzbischof vorher fragen sollen?

Meisner plaudert weiter aus dem Nähkästchen: „Aber als ich ihn so sah, sind meine Vorbehalte weggeschmolzen.“  –  Geistig sei Benedikt allerdings „ganz fit, ganz der Alte„.

Welch unpassenden Ton gestattet sich der 79-jährige Kardinal gegenüber einem emeritierten Pontifex von 86 Jahren!

Damit nicht genug, bezeichnet Erzbischof Meisner den Vatikan flapsig als „den Laden da“.

Wir zitieren wörtlich die „Welt“:

„Meisner wies darauf hin, dass Franziskus immer noch im vatikanischen Gästehaus Santa Marta wohne. „Das bringt den Laden da ganz durcheinander, weil es mit vielen Sicherheitsauflagen verbunden ist.“ 

Bereits am 11. Februar 2013 hatte der Kardinal sich in einem Interview mit der linksgerichteten „Frankfurter Rundschau“ unangemessen und herablassend über den damals amtierenden Papst Benedikt geäußert, als ob dieser seine Belehrungen bitter nötig habe. (Siehe hier unser Bericht darüber. )

In einem KNA-Interview am vergangenen Mittwoch wurde Meisner auch zum Kölner Diözesanrat befragt, der sich für die Abschaffung der priesterlichen Zölibats-Verpflichtung und zugleich für die Einführung des Frauenpriestertums stark machte. Hierzu der Kardinal: „Das ist nicht Sache dieses Gremiums, sondern das ist Sache der Bischöfe.“ 

Einspruch, Euer Ehren  –  dies ist keineswegs „Sache der Bischöfe“, sondern des Papstes und des katholischen Lehramts als Ganzes, wobei ein sakramentales Weiheamt für Frauen schon aus biblischen und dogmatischen Gründen nicht möglich ist, also insofern erst recht nicht „Sache der Bischöfe“ ist, streng genommen nicht einmal „Sache des Papstes“, da dieser nicht der HERR, sondern DIENER der kirchlichen Glaubenslehre ist.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Ergänzender Artikel:

https://charismatismus.wordpress.com/2013/02/13/2-teil-des-verwirrspiels-kardinal-meisners-pillen-erklarung-war-keineswegs-mit-dem-papst-abgesprochen/

 

  


Mit brennender Sorge: Kardinal Meisner und der Dammbruch in Deutschland

Von Carmella Smith  (US-katholische Lebensrechtlerin)

Die Meldung ging um die Welt: „Konservativer Kardinal Meisner erlaubt die Pille danach“. Meisner sprach zwar vordergründig von einer „Pille danach“, die nicht abtreibend wirke. Doch eine solche Pille gibt es nicht.

Gleichzeitig führte er die real existierende „Pille danach“ in den katholischen Krankenhäusern seiner Erzdiözese ein. Seither wird dort mit dem Segen des Kardinals medikamentös abgetrieben. images

Die Erzdiözese Köln rechtfertigte Meisners Schritt mit einer Studie von Kristina Gemzell Danielsson, der Präsidentin von FIAPAC, einem Zusammenschluss europäischer Abtreibungsärzte. Doch Abtreibungsorganisationen leugnen seit Jahren die erwiesene abtreibende Wirkung verschiedenster Anti-Baby-Präparaten.

Sogar James Trussell, ein amerikanischer Befürworter der künstlichen Empfängnisverhütung, stellte die Sachlage hier klar: ec.princeton.edu/questions/ec-review.pdf.

Seine Kernaussage: Die „Pille danach“ verhindert, wenn nötig, die Einnistung einer befruchteten Eizelle und tötet den Menschen in den ersten Augenblicken seines Lebens. Ohne diese Wirkung wäre die hohe Effizienz des Präparats gegen Schwangerschaften unerklärbar.

Kardinal Meisner muss mit Nachdruck gebeten werden, seine falschen Aussagen über die „Pille danach“ zu korrigieren und die Verteilung dieses abtreibenden Mittels in seinen Krankenhäusern zu unterbinden. Die Anwendung der „Pille danach“ ist moralisch nie zu rechtfertigen.

Bereits  fünf deutsche Bischöfe haben die Pille danach in den katholischen Krankenhäusern ihrer Diözesen eingeführt.

Quelle: http://www.cardinal-meisner.org/

Es handelt sich hierbei um eine internationale Initiative des US-amerikanischen Portals: http://webmail.catholic.org/


		

Erklärung der „Europäischen Ärzte-Aktion“ und der Vereinigung kath. Ärzte der Schweiz zur „Pille danach“

GEMEINSAMES SCHREIBEN der beiden Dachverbände an Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe der katholischen Kirche:

Mit grosser Besorgnis haben die beiden Ärzteverbände, die Europäische Ärzteaktion und die Vereinigung der katholischen Ärzte der Schweiz die Diskussionen um die „Pille danach“ verfolgt.

Die Erklärung von S.E. Kardinal Joachim Meisner und die Erläuterungen der Pressestelle des Erzbistums Köln zur „Pille danach“ haben zu grosser Verunsicherung und Unruhe innerhalb und ausserhalb der Kirche geführt.

Die wissenschaftliche Datenlage zur Wirkungsweise der „Pille danach“ ist nicht gesichert und wird in Wissenschaftskreisen kontrovers bewertet. Insbesondere eine ausschliessliche ovulationshemmende Wirkung darf als nicht bestätigt angenommen werden.

Die frühabtreibende Wirkung der „Pille danach“ kann weiterhin nicht ausgeschlossen werden. images (2)

Um mit Laun zu sprechen: »Auch die Möglichkeit einer solchen Wirkung führt bereits zu einem kategorischen Nein auf der Ebene der Moral«… »Wenn das [die Nidationshemmung] aber auch nur möglicherweise so ist, dann müsste jeder, der die Verhütung als Mittel im Kampf gegen die Abtreibung propagiert, mindestens mit gleicher Intensität gegen alle abortiven ›Verhütungs‹-Mittel auftreten«.

In der Literatur bestehen hinreichende Anhaltspunkte für die Wahrscheinlichkeit auch einer nidationshemmenden Wirkungsweise beider zur Zeit verfügbaren „Pillen danach“, allein schon aus pharmakokinetischer und -dynamischer Sicht.

PiDiNa®: Levonorgestrel 1,5 mg (LNG):

LNG muss bis spätestens 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden, je früher, desto besser. LNG kann die Ovulation hemmen, wenn es 3 Tage vor dem LH-Anstieg eingenommen wird. Vom LH-Anstieg bis zur Ovulation dauert es ca. 18 Stunden.

Als Beispiel zwei Zitate zu Levonorgestrel, das in der LNG-haltigen „Pille danach“ in einer 50-fachen Dosis einer Minipille enthalten ist:

„Levonorgestrel … wirkt auf vielen Ebenen kontrazeptiv. […] Die kontrazeptive Wirkung von Levonorgestrel wird auch dadurch bestätigt, dass es eine Schwangerschaft durch Beeinflussung von Endometrium/Blastozysten unterbrechen kann.“

„Die fertilitätshemmenden Wirkungen von Levonorgestrel werden weiterhin durch seine Fähigkeit, durch Störung des Endometriums/der Blastozyste eine bestehende Schwangerschaft zu unterbrechen, bestätigt.“

Das sind Feststellungen, die durch neuere Studien noch widerlegt werden müssten!

Gemäss Rella spielen insbesondere Störungen der Eileitermotilität mit verzögertem Embryotransport in die Gebärmutterhöhle und eine „gestörte Zeitabstimmung zwischen der Keimes- und Endometriumsentwicklung“ eine wichtige Rolle, „die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Einnistung sind (fehlende Phasenkonkordanz)“.

Rella nimmt in mindestens 51% der Fälle eine frühabtreibende Wirkung an.

ellaOne®: Ulipristalacetat 30 mg (UPA):

UPA ist ein Progesteron-Rezeptor-Modulator, verwandt mit Mifepriston (Mifegyne® /RU 486), der Abtreibungspille. Man kann es bis 120 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr einnehmen. Es soll aber auch baldmöglichst nach erfolgtem Verkehr genommen werden.

UPA soll den Eisprung noch hemmen, wenn es kurz vor der Ovulation eingenommen wird. Dies ist aber nur noch zu 8% der Fall, wenn es nach dem LH-Gipfel eingenommen wird4. Bei Einnahme nach dem Eisprung hat es einen Einfluss auf das Endometrium im Sinne einer Abnahme der Schleimhautdicke und der progesteronabhängigen Entwicklung desselben, was einer nidationshemmenden Einwirkung entspricht.

Als Progesteron-Rezeptor-Modulator besetzt UPA die Progesteron-Rezeptoren, beispielsweise im Eierstock, den Eileitern und der Gebärmutterschleimhaut, sodass das natürliche Progesteron dort nicht mehr andocken kann. Dies kommt einem Entzug dieses für die Einnistung und den Schwangerschaftserhalt unerlässlichen Hormons gleich.

Somit kann auch für UPA eine nidationshemmende Wirkung absolut nicht ausgeschlossen werden.

Allein schon die Zeitachse der Wirksamkeit von UPA mit der ‚erfolgreichen’ Einnahme bis 120 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr kann nicht nur auf der Ovulationshemmung beruhen. Auch die noch höhere Sicherheit von UPA spricht dafür, da unter UPA nur 2,1% Schwangerschaften auftreten, ohne UPA wären es 5,5%.

Aufgrund der nur rudimentär geschilderten Wirkmechanismen von LNG und UPA darf nicht auf eine ausschliessliche Ovulationshemmung der beiden Substanzen geschlossen werden, sondern muss auch die Nidationshemmung ernsthaft in Betracht gezogen werden.

„Eine Inkaufnahme der Tötung ist ethisch nicht vertretbar“

Für christlich eingestellte Ärzte kann daher die Applikation dieser Pharmaka nicht in Frage kommen.

Die lehramtlichen Äusserungen der römisch-katholischen Glaubenskongregation sind demnach weiterhin gültig und massgebend.

Eine Abwägung zwischen den ovulationshemmenden und frühabtreibenden Wirkungen mit Inkaufnahme der Tötung des Fötus bzw. Embryos ist ethisch nicht vertretbar.

Die ACTIO CUM DUPLICI EFFECTU, also das Prinzip der doppelten Wirkung, wurde von Kardinal Meisner im Zusammenhang mit der Freigabe der „Pille danach“ ebenfalls angeführt.

Gemäss der katholischen Morallehre ist hierfür Voraussetzung, dass nichts in sich Schlechtes im Spiel ist, wie dies beispielsweise im ‚Bioethics Summer Course 2008’ von Prof. Joseph Tham, LC, in Rom, am Päpstlichen Athenaeum Regina Apostolorum, erläutert wurde.

Prof. Tham hat die Verabreichung der „Pille danach“ auch im Falle einer Vergewaltigung ausdrücklich abgelehnt, da die Nidationshemmung in sich schlecht sei!

Er sagt hierzu: „It is not permissible, however, to initiate or to recommend treatments that have as their purpose or direct effect the removal, destruction, or interference with the implantation of a fertilized ovum.”

Erlaubt hingegen seien Medikationen, welche die Ovulation, die Spermienkapazitation oder die Befruchtung verhindern. Da dies bei LNG und UPA nicht ausschließlich der Fall ist, sind sie nicht im Sinne der doppelten Wirkung anwendbar!

Man muss sich bewusst sein, dass jede „Pille danach“ vom Grundkonzept her so beschaffen ist, dass die Geburt eines Kindes verhindert werden soll. Somit wäre es illusorisch zu glauben, dass nur die Ovulationshemmung intendiert sei, zumal Vergewaltigungen  –  und natürlich auch sonstiger unvorhergesehener Geschlechtsverkehr   –   nicht nur vor der Ovulation stattfinden, sondern zu jedem Zeitpunkt im Verlaufe eines Zyklus.

Der Zeitraum nach erfolgter Ovulation mit allfälliger Befruchtungsmöglichkeit muss dementsprechend zwangsläufig ebenfalls ‚abgesichert’ sein! Und dies kann bis heute ‚zuverlässig’ praktisch nur durch die Nidationshemmung geschehen.

Die Zukunft der ‚emergency contraception’ sieht diesbezüglich nicht besser aus, wie folgender Ausblick zeigt: „Taken together, there is still a need to develop more effective EC methods. To ensure the highest efficacy and to cover the entire window of fertility, the ideal agents for EC also need to target the endometrium and should be possible to use on demand pre- or postcoitally.“

Hier wird das Endometrium explizit als Zielorgan der Forschung für prä- und postkonzeptionelle Methoden benannt, was wiederum auf die Nidationshemmung hinweist.

Wir bedauern sehr, dass sich durch die aus unserer Sicht übereilte Übernahme ungesicherter wissenschaftlicher Daten eine weitere Aufweichung moralischer Prinzipien und eine fortschreitende innerkirchliche Spaltung abzeichnet.

Die beiden unterzeichnenden Ärztevereinigungen bitten Sie, die unterschiedlichen ärztlichen Bewertungen und Sichtweisen zur „Pille danach“ in Ihre weiteren Erwägungen einzubeziehen.

Mit vorzüglicher Hochachtung und verbunden im Bemühen um eine wissenschaftlich fundierte Klärung der Faktenlage zu dieser Thematik

Dr. med. Rahel Gürber
Präsidentin der Vereinigung der
katholischen Ärzte d. Schweiz VKAS
____________________________
Dr. med. Bernhard Gappmaier
Erster Vorsitzender der
Europäischen Ärzteaktion e.V.


Kardinal Meisners Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ wirft eine Menge Fragen auf

Der Kölner Erzbischof plauderte am Tag der päpstlichen Rücktrittsankündigung aus seinem Nähkästchen

Am 11. Februar 2013 veröffentlichte die linksorientierte „Frankfurter Rundschau“ (FR-online) ein Exklusiv-Interview ihres Chef-Korrespondenten Joachim Frank mit Kardinal Joachim Meisner unter dem Titel:  „Wie soll das gehen?  Ein Papst im Ruhestand!“

Das Gespräch fand offenbar kurz nach der Rücktritts-Entscheidung von Papst Benedikt statt und wurde noch an jenem Montag online veröffentlicht. Der Kölner Erzbischof gab sich „regelrecht schockiert“ von der Nachricht, die er erst für einen Rosenmontagsscherz gehalten habe.

Foto: Radio Vatikan

Foto: Radio Vatikan

Daraufhin fragt FR-Reporter Frank   – vermutlich etwas überrascht  –  zurück: „Schockiert?“  –  Diese Nachfrage scheint durchaus berechtigt; immerhin hatte Papst Benedikt bereits im Jahr 2010 im Seewald-Buch angedeutet, daß er bei stark geschwächter Gesundheit zurücktreten wolle; unklar war insofern lediglich der Zeitpunkt.

(Im Interview-Buch „Licht der Welt“ mit dem Journalisten Peter Seewald erläuterte der Pontifex: „Wenn ein Papst zur klaren Erkenntnis kommt, dass er physisch, psychisch und geistig den Auftrag seines Amtes nicht mehr bewältigen kann, dann hat er ein Recht und unter Umständen auch eine Pflicht, zurückzutreten.“)

Hierzu nun die Antwort des Kardinals:

„Solch ein Schritt lag außerhalb meiner Vorstellungen. Früher traten nicht einmal Priester und Bischöfe zurück. Das hat einen durchaus tiefen Sinn: Das geistliche Amt ist ja eine Art Vaterschaft. Und Vater bleibt man doch Zeit seines Lebens. Als dann die Altersgrenze für Bischöfe und Priester eingeführt wurde, habe ich lange Zeit gedacht: Ein Glück, dass wenigstens der Papst auf Lebenszeit amtiert. Dann ist die Kontinuität dieser Vaterschaft gesichert.“

Angesichts dieser Auskunft wüßte man gerne, warum vor einigen Jahren mehrere Pfarrer in der Stadt Köln von  Erzbischof Meisner bzw. seinem Personalschef in den Ruhestand gedrängt werden sollten, obwohl sie die kirchenrechtlich vorgegebene Altersgrenze von 75 Jahren noch gar nicht erreicht hatten. Bestand etwa kein Interesse daran, die hier im Interview so hervorgehobene „Kontinuität dieser Vaterschaft“ bei den betreffenden Pastoren zu wahren bzw. wenigstens gemäß dem Kirchenrecht (CIC) noch ein paar Jahre bis zur vorgesehenen Ruhestandsgrenze abzuwarten?

Zweimal erwähnt der Kölner Erzbischof im oben zitierten Abschnitt Priester und Bischöfe“, die „früher“ nicht zurückgetreten seien bzw. benennt die Altersgrenze für „Bischöfe und Priester

Dazu ist aber festzuhalten, daß das Priestertum durchaus nicht zeitlich begrenzt werden kann (sehr im Unterschied zum Amt des Papstes!), denn die Priesterweihe verleiht dem Geistlichen ein unauslöschliches sakramentales Merkmal.  foto 31.5.2010a - Kopie

Daher kann ein Priester als „Priester“ nicht zurücktreten, sondern nur als „Pfarrer“: sein Pfarramt kennt eine Altersgrenze, aber nicht sein Priestersein. Der Kardinal hat sich daher seltsam unpräzise ausgedrückt.

Danach äußert Meisner allerdings doch noch Verständnis für die päpstliche Entscheidung:

„Allerdings merke ich es an mir selbst, wie ich mit den Jahren doch mehr und mehr in den Seilen hänge. Und insofern ist es schon sinnvoll, dass man auch zurücktreten kann. Nicht weil man nichts mehr tun will. Aber man ist befreit vom „du musst“ und darf stattdessen sagen: „ich kann.“ (…) Man muss ein paar Jahrhunderte zurückblicken, um einen vergleichbar dramatischen Schritt zu entdecken – auch das mag belegen, wie sehr die Kirche dem hektischen Taktschlag des Internet-Zeitalters eine Art Zeitlosigkeit entgegensetzt.

Besteht denn die „Zeitlosigkeit“ der Kirche wirklich darin, daß der Papst auch in einem äußerst geschwächten Zustand sein Amt unbedingt weiter ausführt?

Besteht die Zeitlosigkeit der Kirche nicht vielmehr in ihren zeitlosen göttlichen Geboten, in den Sakramenten des Ewigen und in den unveränderlichen Dogmen des Glaubens?

Sodann stellt der Reporter dem Kardinal die heiße Frage: „Wusste der Papst eigentlich von der Revision Ihrer Position zur „Pille danach“, die Sie nach einer Vergewaltigung nun für ethisch vertretbar erklärt haben?“   Embryo (2)

Hierauf folgt diese Antwort:

„Meine Erklärung war mit der Glaubenskongregation und der Päpstlichen Akademie für das Leben abgestimmt. Ich habe auch mit dem Sekretär des Papstes, Erzbischof Gänswein, darüber gesprochen. Er hat mir gesagt: „Der Papst weiß Bescheid. Es ist alles in Ordnung.“

Wir haben bereits darüber berichtet, daß diese Behauptung durch Meisners eigene Pressestelle dementiert bzw. korrigiert werden mußte: Papst Benedikt kannte vorher weder Meisners Pillen-Erklärung noch hat er sie gebilligt.

Sodann fragt die „Frankfurter Rundschau“: „Sie haben 2005 sehr für die Wahl Joseph Ratzingers geworben. Hat er Ihre Erwartungen erfüllt?“

Der Kardinal erklärt merkwürdigerweise: „Was mich überrascht hat, war seine Fähigkeit, in das neue Amt hineinzuwachsen. Schüchtern wie er von Natur aus ist.“

Der Priester Joseph Ratzinger war in den 60er Jahren einer der jüngsten Theologie-Professoren Deutschlands, er lehrte zB. in Münster, Tübingen und Regensburg und faszinierte seine Studenten, die auch aus anderen  –  etwa naturwissenschaftlichen  –  Fächern in großer Zahl zu ihm in die Vorlesungen strömten. Schüchternheit?  – Wohl kaum, eher bewußte Bescheidenheit und Zurückhaltung.

Sodann erzählt Meisner aus dem Nähkästchen:

„Ich habe bei seiner ersten großen Reise hierher nach Köln zum Weltjugendtag auf dem Schiff immer wieder zu ihm gesagt: „Heiliger Vater, Sie müssen jetzt den Jugendlichen zuwinken! Und zwar nicht nur nach rechts, sondern auch nach links, zu allen Seiten!“   – Bis er mal geantwortet hat: „Dauernd kritisierst du an mir herum!“ – „Ja“, habe ich gesagt, „bis du es gelernt hast, Papst zu sein“. Solche lockeren Töne verträgt der Papst. Er ist wirklich ganz natürlich geblieben.“

Daß der Papst solche Sprüche privat verträgt, spricht sicher für ihn und seinen Humor.  Aber ob es wohl „verträglich“ ist, der Öffentlichkeit – noch dazu ausgerechnet am Tag der verkündeten Rücktritts-Entscheidung des Papstes  –   solche Storys zu servieren?  – Dies dürfte fraglich sein, zumal der Eindruck entsteht, als habe der Kardinal dem Papst damals gleichsam „auf die Sprünge geholfen“.

In dem Interview geht es danach um die sich ergänzenden Eigenschaften des Vorgänger-Papstes (Joh. Paul II.) und des damaligen Glaubenspräfekten Joseph Ratzinger.   –  Hierzu fragt der FR-Reporter: „Hat Benedikt XVI. im Vatikan das Pendant gefehlt, das er selbst für seinen Vorgänger war?“

Kardinal Meisner Antwort in bezug auf Kardinal Tarcisio Bertone erscheint wiederum äußerst seltsam:

„Der Kardinalstaatssekretär hatte diese Rolle sicher nicht. In der Williamson-Affäre bin ich sogar einmal im Auftrag einer ganzen Reihe von Kardinälen zum Papst gegangen und habe gesagt: „Heiliger Vater, Sie müssen Kardinal Bertone entlassen! Er ist der Verantwortliche  –  ähnlich wie der zuständige Minister in einer weltlichen Regierung.“  –  Da hat er mich angesehen und gesagt: „Hör mir gut zu! Bertone bleibt! Basta! Basta! Basta!“  – Danach habe ich das Thema nie wieder angesprochen.“

Erstens ist es unangemessen, zumal für einen Erzbischof, derlei interne Vorgänge an die Öffentlichkeit zu zerren.  Zweitens ist es völlig untypisch für den zurückhaltenden, von Meisner doch sogar als „schüchtern“ bezeichneten Papst Benedikt, dreimal hintereinander „Basta!“ zu sagen, als würde er gleichsam verbal auf den Putz hauen.

Drittens ist diese Interview-Attacke gegen Bertone zum jetzigen Zeitpunkt aus mehreren Gründen besonders fehl am Platze, nicht zuletzt auch deshalb, weil der Papst-Vertraute Bertone die hauptsächliche Zielscheibe der „Vatileaks“-Intriganten war, die den Kardinalstaatssekretär (nach dem Papst der zweite Mann in der kath. Weltkirche) mit ihren hinterhältigen Machenschaften „erledigen“ und abservieren wollten. Offenbar war Bertone gewissen Seilschaften innerhalb des Vatikan ein Dorn im Auge.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


IMABE-Institut bestätigt frühabtreibende Wirkweise aller Präparate der „Pille danach“

Warum lobt IMABE dennoch die verwirrende „Pillen-Erklärung“ Kardinal Meisners?

IMABE, das Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik in Wien, veröffentlichte am 13. Februar dieses Jahres eine Stellungnahme zur Wirkweise diverser „Pille danach“ angesichts der gegenwärtigen Debatte zu diesem „heißen Eisen“   –  und fügte in einem Anhang aktualisierte medizinische Erläuterungen hinzu.

Bereits vor ca. drei Jahren hatte IMABE-Direktor Prof. Dr. Johannes Bonelli in einem Fachartikel dargelegt, daß die seit Jahrzehnten bekannten Präparate der „Pille danach“ mit dem Wirkstoff Levonorgestrel (LNG)  –  es handelt sich dabei um ein künstliches Gestagen-Hormon   –  dann eine frühabtreibende Wirkung entfalten,  wenn sie kurz vor, während oder relativ bald nach dem Eisprung eingenommen werden  –  und sofern eine Befruchtung stattfand.  images

In den jetzigen Erläuterungen des IMABE-Wissenschaftsinstituts wird auch der Wirkmechanismus einer neueren Variante der „Pille danach“ untersucht, die erst seit 2009 unter dem Handelsnamen EllaOne im Umlauf ist:

Dieses Präparat enthält kein Kunst-Gestagen wie die „klassische“ Pille-danach, sondern blockiert durch den Wirkstoff Ulipristalacetat die natürliche Funktion jenes Geschlechtshormons Progesteron, das z.B. den Eisprung der Frau ebenso reguliert wie den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. 

Wird nun das Progesteron in seiner eigentlichen Wirkweise durch Ulipristal blockiert, dann logischerweise in beiderlei Hinsicht, also nicht nur betreffs Eisprung, sondern auch hinsichtlich der Nidation bzw. Implantation, die gehemmt bzw verhindert wird.

Diese Nidationshemmung bedeutet aber, daß sich der Keimling bzw. Embryo  –  die kleinste Erscheinungsform des Menschen  –  nicht in die Gebärmutter einnisten kann, also innerhalb der ersten oder zweiten Woche seiner Existenz abstirbt.

Sowohl die herkömmliche „Pille danach“  (Levonorgestrel) wie auch die „jüngere“ Variante (Ulipristal) wirken potentiell frühabtreibend, wenn sie zu einem Zeitpunkt eingenommen werden, in dem eine Verhinderung des Eisprungs nicht mehr möglich ist.

Die Stellungnahme von IMABE bestätigt diese abortive Wirkung von Ulipristal mit ausführlichen Erläuterungen unter dem Zwischentitel „Nidationshemmende Wirkung von Ulipristal“.  –  Das Präparat wird als „Nachfolgepräparat der Abtreibungspille Mifepristone“ bezeichnet.

„Ulipristal hat auch abtreibende Wirkung“

Zudem heißt es: „Ulipristal hat ovulationshemmende, aber  –  dosisabhängig wie Mifepristone  –  auch abtreibende Wirkung.“  –  Dieser Befund wird mit Studien belegt.

Der Vergleich der herkömmlichen mit der jüngeren „Pille danach“ zeigt zwar methodisch unterschiedliche Wirkmechanismen, doch das Ergebnis bzw. der frühabtreibende Faktor ist grundsätzlich derselbe, wie IMABE klarstellt:

„Der Anteil der nidationshemmenden Wirkung ist bei beiden Präparaten praktisch gleich groß.“

Wir halten demnach fest, daß alle im Handel erhältlichen Sorten der „Pille danach“ potentiell frühabtreibend wirken, wenn die Präparate relativ kurz vor dem Eisprung, während dieser Phase oder im baldigen Zeitraum danach eingenommen werden.

Aber selbst dann, wenn die „Pille danach“ zu einem für die Verhütung passenden Zeitpunkt eingenommen wird, ist die Verhinderung der Befruchtung durchaus nicht hundertprozentig gewährleistet. Findet dennoch eine Empfängnis statt, dann tritt die frühabtreibende Wirkung in Kraft  –  sie ist gleichsam ein schlußendlicher „Sicherheitsfaktor“. baby

Das IMABE-Institut schreibt jedenfalls zu den „beiden Substanzen“ (Levonorgestrel, Ulipristal) Folgendes (Linie von uns):

„Gemeinsam ist ihnen, dass sie den Eisprung hemmen oder um einige Tage verzögern und dadurch eine Befruchtung nach Geschlechtsverkehr verhindern können, wenn die „Pille danach“ rechtzeitig vor dem zu erwartenden Eisprung eingenommen wird.“

Es heißt hier nicht, daß diese Substanzen Eisprung und Befruchtung „verhindern“, sondern verhindern „können“.

Dabei ist grundsätzlich zu bedenken: Auch bei der „empfängnisverhütenden“ Anti-Baby-Pille, die von Frauen dauerhaft eingenommen wird, kann es zu sog. Durchbruchs-Ovulationen kommen, so daß eine Empfängnis stattfindet, was zur Folge haben kann, daß das befruchtete Ei sich wegen des nidationshemmenden Pillenfaktors nicht in die Gebärmutter einnistet, der Keimling also stirbt.

Daher enthalten auch „normale“ Pillen einen potentiell frühabtreibenden Faktor (der je nach Hormonbestandteilen differiert), worauf die hohe Sicherheit der Pille beruht.  Diese abortive Wirkweise bestätigt auch IMABE   –  siehe hier.

Unabhängig von diesem speziellen Aspekt steht aber ohnehin fest, daß bislang keine „Pille danach“ ohne Nidationshemmung bekannt ist.

Dieser Befund  w i d e r s p r i c h t   jedoch jenen entscheidenden Aussagen von Kardinal Meisner, der am 31. Januar 2013 in seiner aufsehenerregenden Erkärung eingangs festgestellt hat:

„Aus gegebenem Anlass habe ich mich mit Fachleuten über die Frage der Verordnung der so genannten „Pille danach“ beraten. Dabei wurde deutlich, dass darunter unterschiedliche Präparate mit unterschiedli­chen Wirkprinzipien zu verstehen sind, deren Wirkungen und Nebenwirkungen sich in der wissenschaftlichen Diskussion immer weiter klären. Daraus ergeben sich ethische Konsequenzen.

Wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat, dessen Wirkprinzip die Verhinderung einer Zeugung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist dies aus meiner Sicht vertretbar.“

In Meisners Text ist ausdrücklich vonunterschiedliche Präparate mit unterschiedli­chen Wirkprinzipiendie Rede, so daß unmittelbar der Eindruck entsteht, als gäbe es zwei verschiedene Varianten der „Pille danach“, nämlich einerseits jene, die empfängnisverhütend wirken  – und andererseits jene, die eine Nidation verhindern, die also im Falle einer Befruchtung abortiv (frühabtreibend) sind.

Eine „Pille danach“ ohne frühabtreibenden Faktor gibt es aber nicht, wie IMABE in seinem medizinischen „Anhang“ ebenfalls feststellt.

Meisners „Wunschpille“ gibt es nicht

Es handelt sich bei den Darlegungen des Kölner Erzbischofs  insofern um eine Art „Phantom-Pille“   –  man könnte auch von „Meisners Wunschpille“ sprechen.

Es ist aber gewiß keine „Kardinaltugend“   –  weder eine der Klugheit noch der Gerechtigkeit, geschweige der Tapferkeit  –  eine verwirrende öffentliche Debatte über die „Pille danach“ und ihre kirchliche Beurteilung anzustoßen, wobei hypothetische Was-wäre-wenn-Argumente wie ein klarer Sachverhalt präsentiert werden, obwohl dies von der wissenschaftlich nicht gedeckt ist.

Daß der Kölner Kardinal nicht etwa nur von diversen Medien, sondern auch von katholischen Fachleuten durchaus so verstanden wurde, als gäbe es rein empfängnisverhütende „Pillen danach“, erweist sich beispielhaft anhand eines Domradio-Gesprächs mit Dr. Manfred Lütz:

Am 31. Januar 2013 veröffentlichte Meisners Kirchenfunk dieses Interview mit dem Psychiater und Theologen, der die „Pillen-Erkärung“ des Kardinals vom selben Tag lobte und als “beeindruckende Reaktion” würdigte.

Bereits in seiner ersten Antwort bestreitet Dr. Lütz weitgehend eine frühabtreibende Wirkung der “Pille danach”:

“Bei den beiden derzeitig auf dem Markt befindlichen Pillen danach ist von Wissenschaftlern ganz offenbar, zumindest bei der einen Pille, möglicherweise aber auch bei der anderen, kein nidationshemmender Effekt feststellbar, wobei in der Wissenschaft wie immer unterschiedliche Beurteilungen existieren.”

Im nächsten Satz erklärt Dr. Lütz sogar ohne Wenn und Aber, das “Wirkprinzip Nidationshemmung” sei bei den beiden Präparaten nicht der Fall”.

Dies widerspricht  freilich seiner vorhergehenden Aussage, wonach diesbezüglich “in der Wissenschaft wie immer unterschiedliche Beurteilungen existieren” würden.

Sein Interview offenbart jenen Irrtum, den er aus Meisners Stellungnahme ableitet: Es gäbe Präparate der „Pille danach“ ohne frühabtreibende Wirkung   –   immerhin bezieht sich Dr. Lütz hierbei auf die Pillen-Erklärung des Kardinals.

Äußerst problematisch ist im Meisner-Text aber auch folgende Aussage zum angeblich wünschenswerten Verhalten kath. Krankenhäuser gegenüber vergewaltigungsbetroffenen Frauen:

“Darüber hinaus ist nichts dagegen einzuwenden, dass sie in diesem Fall auch über Methoden, die nach katholischer Auffassung nicht vertretbar sind, und über deren Zugänglichkeit aufklären, wenn sie dabei, ohne irgendwelchen Druck auszuüben, auf angemessene Weise auch die katholische Position mit Argumenten erläutern.”

Warum sollte eine kath. Klinik “Aufklärung” über frühabtreibende Mittel und deren “Zugänglichkeit“  (!) betreiben?   –  Kann es ernsthaft Aufgabe kirchlicher Einrichtungen sein, den “Zugang” zu Abtreibungsmitteln und damit zur vorgeburtlichen Kindstötung aufzuzeigen?!

Irreführende „Erläuterungen“ der Pressestelle

Ergänzend zum Meisner-Text wurde am 31. Januar zeitgleich eine Stellungnahme  mit “Erläuterungen” der Pressestelle des Kölner Erzbistums veröffentlicht, die mit den Worten beginnt:

“Die Erklärung des Erzbischofs von Köln berücksichtigt neuere Erkenntnisse bezüglich der so genannten „Pille danach”. Sie betrifft nicht die nach katholischer Auffassung nach wie vor abzulehnende Abtreibungspille Mifepriston (RU 486, „Mifegyne”).”

Hier wird nun   –   in diesem Zusammenhang völlig sachfremd  –   das Abtreibungsmittel RU 486 (Mifegyne) ins Spiel gebracht, das aber ohnehin keine Frühabtreibungspille ist, sondern vielmehr die Vernichtung des ungeborenen Kindes in den ersten neun Wochen bewirkt, also schlicht eine chemische Methode der Abtreibung darstellt.

Anscheinend möchte man mit diesem deplazierten Hinweis den Eindruck erwecken, als verträte man durchaus eine eindeutige Haltung gegen Frühabtreibung; dabei geht es bei RU 486 freilich gar nicht um jene Ebene der Nidationshemmung.

Unstrittig ist jedenfalls, daß Kardinal Meisner sowohl für seine eigene Erklärung wie auch für die „Erläuterungen“ seiner erzbischöflichen Pressestelle die Verantwortung trägt.  Somit ist er auch für die  –   durch beide Stellungnahmen entstandene – Verwirrung und Verirrung in der öffentlichen Wahrnehmung mitverantwortlich. 

Mit dieser irreführenden Debatte wurde der kirchlichen Glaubwürdigkeit in puncto glasklarer Lebensschutz ein enormer Schaden zugefügt.

Dennoch schreibt das IMABE-Institut, das der Katholik Dr. J. Bonelli leitet, in einem 13.2.2013 versandten Info-Newsletter wörtlich Folgendes:

„Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hatte aus gegebenem Anlass die ethischen Richtlinien für eine Abgabe der „Pille danach“ festgehalten hat. In einer Erklärung (online, 31.1.2013) stellte Meisner klar, dass die Einnahme bzw. die Verabreichung eines Medikaments, das frühabtreibend wirkt, moralisch unerlaubt ist, da es sich dabei um unerlaubte Tötung menschlichen Lebens handle. Wenn eine „Pille danach“ dagegen die Befruchtung der Eizelle verhindert, ist dies im Fall einer Vergewaltigung sittlich erlaubt.

IMABE begrüßt die klare und eindeutige Stellungnahme des Kölner Kardinals.“

Meisners Erklärung war aber weder klar noch eindeutig, sonst wäre wohl kaum allenthalben in den Medien von einem „sensationellen Kurswechsel“ und ähnlichen Schlagzeilen die Rede gewesen.

Außerdem erweckt seine Erklärung und erst recht jene seiner Pressestelle sehr wohl den unzutreffenden Eindruck, als gäbe es Präparate der „Pille danach“, die rein empfängnisverhütend wirken  – und eben dies trifft nicht zu, wie IMABE selber zweifelsfrei analysiert hat.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Ergänzender HINWEIS: Hier folgt eine diesbezügliche Stellungnahme von Professor M. Spieker:

Der Osnabrücker Professor für Christliche Gesellschaftslehre, Dr. Manfred Spieker, erlaubt uns die Veröffentlichung seines folgenden Briefes an IMABE:

Nach Lektüre der Stellungnahme von IMABE zur Diskussion über die Wirkungsweise der „Pille danach“ ist festzustellen, dass das Lob für die Erklärung von Kardinal Meisner durch die Ergebnisse der Untersuchung nicht gedeckt ist.
1. Die Untersuchung stellt fest, dass jedes Präparat der Pille danach ein Abortivum, also nicht nur ein Ovulationshemmer, sondern auch ein Nidationshemmer ist.
2. Die unterschiedliche Wirkung der Pille danach hängt lediglich davon ab, zu welchem Zeitpunkt des Zyklus der Frau die Pille eingenommen wird.
3. Damit hängt Punkt 1 der Unbedenklichkeitserklärung des Kardinals (Die Verordnung eines Antikonzeptivums nach einer Vergewaltigung ist moralisch unbedenklich) in der Luft. Die entscheidende Frage bleibt doch, ob es dieses Antikonzeptivum gibt. Die Untersuchung macht deutlich, dass es dieses unbedenkliche Präparat nicht gibt. Es gibt lediglich unbedenkliche Phasen im Zyklus der Frau.
4. Fern der Praxis, in der die Pille danach im Internet jederzeit erhältlich ist, fordert die Untersuchung dann eine Verfeinerung des diagnostischen Instrumentariums zur Feststellung der Eireifung und der Bestimmung des Zyklus der Frau. Ein solches Instrumentarium sowie entsprechende therapeutische und rechtliche Regelungen müssten doch geklärt und eingeführt sein, bevor man sich seitens der Kirche und der Moraltheologie zu den ethischen Konsequenzen äußert.

Prof. Dr. Manfred Spieker


Stützt sich Kardinal Meisner betreff „Pille danach“ auf interessengeleitete „Forschungsergebnisse“ von Abtreibungsbefürwortern?

Pressemitteilung der „Initiative Nie wieder!“ vom 9. Februar 2013:

Von der Kehrtwende Kardinal Meisners bei der Beurteilung der „Pille danach“ wurden viele Katholiken überrascht. Hatte er noch bis vor kurzem das Präparat als Mittel zur Frühabtreibung eingestuft, will er das so nicht mehr behaupten.

Bei seiner Entscheidung beruft er sich auf „neueste, wissenschaftliche Forschungsergebnisse“, die ausgerechnet von der Präsidentin des Internationalen Vereins der Abtreibungsärzte „FIAPAC“ (International Federation of Professional Abortion and Contraception Associates) stammen. 

Die Kirche dürfe sich wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht verschließen, so Kardinal Meisner  –  und die hätten ergeben, dass es neue Präparate mit unterschiedlichen Wirkprinzipien gäbe:

Es gäbe Präparate, welche die Einnistung des befruchteten Eies in die Gebärmutter keineswegs verhindern, sondern nur den Eisprung so lange verzögern, bis es nicht mehr zu einer Zeugung kommen könne. Damit seien diese  „Pillen danach“ nach einer Vergewaltigung vertretbar.

Doch sei zu beachten, dass die Kirche mit ihrer sog. „Pillen-Enzyklika“ Humanae Vitae von 1968 zwar auch die künstliche Verhütung verboten habe, dabei aber von der ehelichen Sexualität ausgehe. Davon sei aber keine „verbrecherische Befruchtung“ abgedeckt, von der man bei einer Vergewaltigung sprechen müsse, wie es in der Erklärung seiner Pressestelle heißt.

Die angeblich so revolutionären, neuesten wissenschaftlichen Ergebnisse, die alle früheren Forschungen über den Haufen werfen sollen, wurden in einer gemeinsamen Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin publiziert und bilden offenbar die Grundlage der Entscheidung Kardinal Meisners.

In diesem Papier wird in der entscheidenden Frage nach der nidationshemmenden und damit abtreibenden Wirkung der „Pille danach“ eine Studie der Schwedin Kristina Gemzell Danielsson zitiert, die am Karolinska Institut in Stockholm forscht.

Frau Prof. Dr. Gemzell Danielsson wurde vor vier Jahren Präsidentin des Internationalen Verbands der Abtreibungsärzte „FIAPAC“, nachdem der bekannte  Wiener Abtreiber Dr. Christian Fiala vom Präsidentenamt zurückgetreten war.

Zudem ist Frau Prof. Gemzell Danielsson eng verbunden mit „Pro Familia“, der Deutschen Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung. In den Einrichtungen von „Pro Familia“  hält sie und andere Abtreiberkollegen immer wieder Vorträge und sie werden auch in eigenen Publikationen erwähnt. „Pro Familia“ betreibt mindestens vier „medizinische Zentren“ in Deutschland, in denen Kinder im Mutterleib getötet werden. (…)

Was veranlasst nun Kardinal Meisner zu dieser unsäglichen „Pillen-Erklärung“, die zwar auf den ersten Blick keine falschen Aussagen macht, aber beim genaueren Hinschauen zumindest einige Fragen aufwirft. 

Unverständlich ist besonders,  warum man die Studie der Präsidentin des weltweit arbeitenden Abtreibervereins FIAPAC als Beweis dafür heranzieht, daß die neue „Pille danach“ angeblich nur eine Ovulationshemmung und nicht auch eine Nidationshemmung  verursacht.

War es der Druck der Massenmedien, die möglicherweise die Abweisung eines „Vergewaltigungsopfers“ an kath. Krankenhäusern in Köln konstruiert hatten?  – Oder der Einfluss des Katholikenausschusses, einer Vereinigung kath. Laien im Erzbistum Köln, welche die Liberalisierung der Kirche betreiben?  (…)

Oder hatte der Kardinal einen Berater, wohlmöglich den Bestsellerautor und ärztlichen Direktor am kath. Alexianer-Krankenhaus in Köln-Porz, Herrn  Manfred Lütz?

In Kölner Kreisen munkelt man, Lütz  habe Kardinal Meisner den Rat erteilt, sich bei seiner Entscheidung auf neueste wissenschaftliche Studien der FIAPAC-Präsidentin zu stützen, die eine abtreibende Wirkung der „Pille danach“ leugnet.

Doch hätte Kardinal Meisner wissen müssen, daß sein Berater schon im Jahre 2011 in einem Interview mit Radio Vatikan das wissenschaftlich nachgewiesene Post-Abortion-Syndrom  –   also die posttraumatische Belastungsstörung der Frau nach der Abtreibung eines Kindes  –  als Wunschdenken der Lebensschützer und als „letztlich naiv“ bezeichnet hat, was ihn als kirchlichen Berater hätte disqualifizieren müssen.

Kardinal Meisner wollte sicher ein Problem lösen, doch merkte er nicht, daß er vielleicht in die Falle ging?

PS: Wir haben die Erzdiözese Köln bzw. S.E. Joachim Kardinal Meisner gebeten, uns jene Präparate (Pillen danach) namentlich zu benennen, die angeblich keine nidationshemmende Wirkung haben  –  und baten darum, uns ebenfalls entsprechenden Studien auszuhändigen

Weinheim, den 9. Februar 2013

Initiative Nie Wieder
Cestarostraße 2,  D-69469 Weinheim                  
Telefon: 06201/2909929  Fax: 06201/2909928
E-Mail: info@babycaust.de

Causa Meisner: Manfred Lütz stellt sich voll hinter die „Erklärung“ des Kölner Erzbischof zur „Pille danach“

Am 31. Januar 2013 veröffentlichte das Kölner Domradio  –  gleichsam der Kirchenfunk Kardinal Meisners  –  ein Interview mit dem Psychiater und Theologen Dr. Manfred Lütz. 

Der bekannte katholische Schriftsteller äußerte sich im Gespräch mit Christian Schlegel zu jener „Erklärung“ des Kölner Erzbischofs in puncto „Pille danach“, die seit über einer Woche für internationales Aufsehen sorgt   –  und zudem erhebliche Irritationen in der Lebensrechtsbewegung auslöste, die sich stets gegen die „Pille danach“ ausgesprochen hat.   baby

Ob jene internen Hinweise, die wir erhielten, tatsächlich zutreffen, wonach Dr. Lütz  zu dem Beraterkreis gehören soll,  die den Kardinal zu seiner geänderten Linie bewegten, sei dahingestellt.

Klar ist jedenfalls, daß er Meisners Stellungnahme öffentlich lobte und als „beeindruckende Reaktion“ würdigte.

Bereits die erste Interview-Antwort des Psychiaters entspricht jedoch nicht der Faktenlage hinsichtlich der frühabtreibenden Wirkung der „Pille danach“:

„Bei den beiden derzeitig auf dem Markt befindlichen Pillen danach ist von Wissenschaftlern ganz offenbar, zumindest bei der einen Pille, möglicherweise aber auch bei der anderen, kein nidationshemmender Effekt feststellbar, wobei in der Wissenschaft wie immer unterschiedliche Beurteilungen existieren.“

In Wirklichkeit sind beide in Deutschland erhältlichen Präparate der „Pille danach“ mit einer nidationshemmenden Zweitwirkung ausgestattet, wobei im Falle einer Einnahme nach der Befruchtung die Implantation bzw. Nidation (Einnistung) des Embryo in die Gebärmutter verhindert wird.

Aber auch dann, wenn die „Pille danach“ noch  v o r   einer Befruchtung eingenommen wird, ist die empfängnisverhütende Wirkung nicht völlig sicher, so daß sehr wohl die nidationshemmende Wirkung als „Sicherheitsfaktor“ noch zum Tragen kommen könnte.

Wird aber nun die Einnistung verhindert, bedeutet dies eine Frühabtreibung in den ersten ein bis zwei Wochen des Embryos, der die kleinste Erscheinungsform des Menschen ist.

Im nächsten Satz erklärt Lütz sogar ohne Wenn und Aber, das „Wirkprinzip Nidationshemmung“ sei „bei den beiden Präparaten nicht der Fall“.

Dies widerspricht  jedoch seiner vorhergehenden Aussage, wonach diesbezüglich „in der Wissenschaft wie immer unterschiedliche Beurteilungen existieren“ würden.

Selbst wenn dem so wäre, wenn also keine endgültige Klarheit über die frühabtreibende Wirkung der „Pille danach“ erreicht wäre, müßte die Kirche selbstverständlich auf „Nummer Sicher“ gehen  –  und zwar zugunsten des menschlichen Lebens!

Dr. Lütz erwähnt sodann, er sei „bis vor vier Wochen noch davon ausgegangen, dass in der Tat der nidationshemmende Effekt der Haupteffekt dieser Präparate ist“.

Warum sollte sich wohl an diesem Kenntnisstand innerhalb eines Monats plötzlich etwas geändert haben?

Der katholische Theologe erklärt nun gegenüber dem „Domradio“, er fände es  „beeindruckend, dass Kardinal Meisner so schnell auf diese Situation reagiert hat“. 

Er erwähnt sodann jene schlimme Aussage des erzbischöflichen Presseamts Köln bezüglich der Verhinderung einer „verbrecherischen Befruchtung“, wobei Dr. Lütz sich mit keinem Wort von diesem haarsträubenden Ausdruck distanziert.

Eine Empfängnis als solche kann nie „verbrecherisch“ sein  –  und im Falle einer Vergewaltigung ist der Täter und die Gewalt bzw der Zwang beim Sexualverkehr verbrecherisch, nicht jedoch die möglicherweise folgende Befruchtung und damit die Entstehung neuen menschlichen Lebens.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

HINWEISE:

Dr. Jose M. Simon Castellvi, Präsident der World Federation of Catholic Medical Associations, einem weltweiten Dachverband kath. Mediziner, erklärte 7. Februar 2013 gegenüber CNA hinsichtlich der Meisner-Erklärung, der er klar widersprach:

“In any case, the morning-after pill works as an anti-implantation product in 70 percent of the cases where the woman is fertile.”   –  D.h. auf deutsch: „In jedem Fall wirkt die Pille danach als Anti-Implantations-Präparat in 70 Prozent der Fälle, bei denen die Frau fruchtbar ist.“

Quelle: http://www.fiamc.org/

Auch die kath. Ärztevereinigung St. Lukas in Essen hat sich eingehend mit diesem Thema befaßt und kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, daß alle Präparate der „Pille danach“ eine frühabtreibende Wirkung beinhalten:

http://www.kathmed.de/images/bilddaten/wissenschaftliche_darlegung_wirkungsweise_postkoitalpille.pdf

Noch am 1. Februar 2012 erklärten der Bundesverband der Frauenärzte (BVF) und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) in der Webseite „Frauenärzte im Netz“:

„Die ‚Pille danach‘ verhindert oder verschiebt den Eisprung so, dass keine Befruchtung stattfinden kann. Ist es bereits zu einer Befruchtung gekommen, verhindert sie die Einnistung in die Gebärmutter.

(Dieser Text wurde allerdings kürzlich geändert, wobei die Einnistungsverhinderung sprachlich verschleiert wird.)

Sogar das linksgerichtete Magazin „Der Spiegel“  –  wahrlich kein Organ der Lebensrechtsbewegung   –  stellte mit Berufung auf Frauenärzte kürzlich fest, daß es sich bei dem von Kardinal Meisners erwähnten Präparat einer „Pille danach“ mit rein empfängnisverhütender Wirkung quasi um eine „Wunschpille“ handelt   –   siehe hier die Artikelankündigung:  http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/von-meisner-gutgeheissene-pille-danach-in-deutschland-nicht-erhaeltlich-a-881111.html

Das „klassische“, seit Jahrzehnten erhältliche Präparat der Pille danach enthält das Quasi-Gestagen (Kunsthormon) Levonorgestrel, das nach einer Empfängnis sehr wohl frühabtreibend wirkt.

Dies wird z.B. auf folgender Webseite ohne Wenn und Aber eingeräumt: http://medikamente.onmeda.de/Anwendungsgebiet/Schwangerschaftsverh%FCtung.html

Dort heißt es wörtlich:

„Die „Pille danach“ (morning-after-pill): Die „Pille danach“ verhindert, dass sich eine befruchtete Eizelle in die Gebärmutter einnisten kann. Diese Pille wird auch postkoitale Pille oder „morning-after-pill“ genannt. Die „Pille danach“ ist ein Hormonpräparat, das nur ein Gestagen enthält. Bei dem Wirkstoff handelt es sich um Levonorgestrel.“

Diese ärztliche Infoseite eines Gynäkologen   –  http://www.dr-gumpert.de/html/pille_danach.html#c42906   –   bestätigt ebenfalls die nidationshemmende Funktion von Levonorgestrel.

Zudem wird auf die neuere „Pille danach“ hingewiesen, die erst seit 2009 im Handel ist und unter dem Handelsnamen „EllaOne“ vertrieben wird; dieses Präparat enthält kein Gestagen, sondern stattdessen den Wirkstoff Ulipristal, der das weibliche Geschlechtshormon Progesteron blockiert, das sowohl für den Eisprung wie auch für den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut zuständig ist. 

Wenn nun das Progesteron durch Ulipristal in seiner beiderseitigen Funktion gehemmt wird, hat dies ggf. eine nidationsverhindernde und damit frühabtreibende Wirkung zur Folge.   –  Hierzu heißt es bei Dr. Gumpert:

„Die Wirkweise von  Ulipristal besteht in der Besetzung körpereigener Progesteronrezeptoren. Progesteron (=Gelbkörperhormon) ist ein Sexualhormon, welches u.a. in den Eierstöcken der Frau gebildet wird. Die Hemmung der Progesteronwirkung führt ebenfalls zur Verhinderung des Eisprungs und zur Verhinderung einer für die Einnistung (=Nidation) notwendigen Veränderung der Gebärmutterschleimhaut.

Ein weiteres Beispiel bietet diese Webseite: http://www.schwanger-in-bayern.de/schwangerschaftskonfliktberatung/notfallverhuetung.html

Dort wird auf die Frage „Wie wirkt die Pille danach?“  folgendermaßen geantwortet:

„In PiDaNa® und Levogynon® ist das synthetische Gelbkörperhormon Levonorgstrel enthalten, welches das körpereigene Hormon Gestagen ersetzt. Auf diese Weise wird, je nach Einnahmezeitpunkt, der Eisprung verzögert oder unterdrückt. Der Transport von Eizelle und Spermien in den Eileitern wird beeinflusst und die Einnistung einer befruchteten Eizelle verhindert, da der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut beträchtlich gestört wird.“