Die hl. Ida und der Hirsch: Friedensstifterin zwischen Franken und Sachsen

Von Felizitas Küble

Etwa 30 Gläubige der altrituellen St.-Aegidii-Gemeinde in Münster pilgerten am vergangenen Samstag (22.6.) nach Herzfeld zur heiligen Ida, die als „Mutter der Armen“ seit 1200 Jahren vom Kirchenvolk verehrt wird. (Näheres über diese Wallfahrt mit Ida-Infos HIER.)

Nun wollen wir hier über den tieferen Sinn einer Legende berichten, die seit eh und je mit Sankt Ida verbunden ist:

Die Herzogin soll einen jungen Hirsch an einer Waldlichtung unter ihrem Mantel geborgen haben, der sich zu ihr flüchtete, als er von Jägern und Hunden verfolgt wurde. Die Jäger sahen Ida mit dem Hirsch und kehrten um.

Das zutrauliche Tier lagerte sich zu Idas Füßen und war so dankbar für seine Rettung, daß es nicht mehr von ihrer Näche wich und dauerhaft bei der Familienmutter – sie hat fünf Kindern das Leben geschenkt – geblieben ist. 

Aber nicht nur das: Der Hirsch soll auf seinem Rücken schwere behauene Steine über die Lippe zum anderen Ufer nach Herzfeld getragen haben – in Begleitung von Herzogin Ida, die dort ein Gotteshaus erbauen ließ und selber bei der Errichtung mithalf: Es handelt sich dabei um die älteste christliche Kirche Westfalens!

Als das karolingische Gotteshaus gebaut war, entstand im Laufe der Zeit ein Dorf um das Kirchlein und den dortigen Friedhof („Gottesacker“).

Herzfeld  – der ursprüngliche Name der Ortschaft lautet „Hirschfelder“ –  ist somit die älteste Pfarrgemeinde im Münsterland, gegründet von einer glaubensstarken Fürstin; sie und ihr Mann waren befreundet mit einem Priester Bertgerus, der als geistlicher Begleiter mit ihnen durchs Land zog und diesen Kirchenbau einsatzfreudig unterstützte

BILD: Die 1. Zeichnung zeigt, wie Ida den Hirsch vor Jägern und Hunden rettet – die 2. Zeichnung zeigt die Herzogin mit ihrem Hirsch im Gefolge auf dem Weg zu ihrem Kirchenbau (gemalt nach der Dachplatte des Ida-Schreins).

Bei der alten Sage vom geretteten Hirsch dürfte es sich um mehr als nur eine Anekdote handeln; vielmehr vor allem um eine tiefsinnige Symbolgeschichte, immerhin findet man den Hirsch sogar im Wappen des heutigen Städtchens Herzfeld:

Es geht bei der Legende letztlich um die Rolle Idas als Friedensstifterin zwischen Franken und Sachsen:

Damals herrschte ein 30jähriger Krieg zwischen den beiden verfeindeten Germanensstämmen. Die meisten Sachsen widersetzten sich hartnäckig der Christianisierung und hielten an ihren heidnischen Vorstellungen und Kulten fest.

Karl der Große versuchte teils auch mit Gewalt, die Sachsen zu bekehren. Zugleich kümmerte er sich aber auch um eine friedliche Missionierung dieses Volkes im östlichen Münsterland. Ida war seine Nichte und als sie ihm ihre Heiratsabsicht mit dem christlichen Sachsen Ekbert mitteilte, war der König (und spätere Kaisere) darüber höchst erfreut.

Allein schon durch die Ehe der fränkischen Grafentochter Ida mit Herzog Ekbert wurde ein Zeichen der Verständigung gesetzt, ein persönliches Signal der Versöhnung zwischen Franken und Sachsen gerade in der Kampfzeit beider Germanenstämme.

BILD: Unterhalb der heutigen Basilika in Herzfeld wurden 1975 Grundmauern der uralten Kirche ausgegraben, die einst von der hl. Ida errichtet wurde.

Ida zog von der Kölner Gegend, in welcher sie das Licht der Welt erblickt hatte, im Jahre 786 nach der Hochzeit zu Ekbert in die Lippe-Gegend auf seine Burg unweit von Osnabrück. Von dort aus beschützte das Ehepaar verfolgte Sachsen, wenngleich es oftmals „Heiden“ waren; sie kümmerten sich um Verwundete und Kranke.

Regelmäßig eilte Ida von ihrem Adelssitz zu den Armen in Herzfeld, ging dort mit ihrer Familie zur heiligen Messe und nahm sich der Bedrängten an.

Als ihr Mann im Jahre 811 starb, wurde er neben der von seiner Frau erbauten Kirche begraben. Ida ließ darüber einen Vorbau errichten und lebte dort als Witwe mit Gebet und guten Werken, sie versorgte Kranke und gab den Armen aus ihrem restlichen Vermögen, über das sie verfügen konnte, zu essen. 

BILD: Rechts die Herzfelder Kirche, ganz links ein hohes Storchennest, dazwischen die Lippe-Aue, an deren Bäumen sich heute ein Kreuzweg befindet. Den „grünen Weg“ ging der Legende nach auch St. Ida mit ihrem Hirsch zum Bau der Kirche.

Der Symbolgehalt der Hirsch-Legende liegt damit auf der Hand:

Der Hirsch versinnbildlicht die bedrängten Sachsen, die von „Jägern“  – den fränkischen Kriegern  – verfolgt wurden. Ida nimmt sie in Schutz – und so wächst ihr Vertrauen zu der katholischen Herzogin. Sie finden zum Christentum und helfen sogar mit, die Kirche in Herzfeld zu erbauen, indem sie über das Wasser „Steine schleppen“ hinüber zum anderen Ufer. 

Das Wasser gilt zugleich seit jeher ein Symbol für innere Reinigung, Taufe und Umkehr.

Über dem Eingang zum Grab der hl. Ida direkt an der von ihr gestifteten Kirche wurde ein Denkmal mit einem geschnitzten Bild errichtet, das die Herzogin mit dem Hirsch zeigt, der sich treuherzig zu ihren Füßen lagert – als wolle er gleichsam auch nach ihrem Tod am 4.9.825 nicht von seiner Beschützerin trennen.  

Tatsächlich ist auch diese Deutung zeichenhaft, denn das gläubig gewordene Sachsenvolk verehrte seine geliebte Herzogin, die heilige Ida, als Vorbild und Fürsprecherin, so daß ihre Grabstätte sich im Frühmittelalter zum ersten Wallfahrtsort Westfalens entwickelte.

Die Kirche würdigte und bestätigte dieses fromme Vertrauen der Gläubigen 155 Jahre später mit der Heiligsprechungs Idas durch Bischof Dodo von Münster am 26. November 980.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Pilgerfahrt von Münster nach Herzfeld zum ältesten Wallfahrtsort Westfalens

Von Felizitas Küble

Herzfeld liegt im östlichen Münsterland und ist der älteste Wallfahrsort Wesfalens. Dort gab es zugleich die älteste Kirche des Bistums Münster, deren Grundmauern z.T. heute noch erhalten sind bzw. im Jahre 1975 unter der St.-Ida-Basilika ausgegraben wurden.

Die älteste Pfarrgemeinde Westfalens und zugleich das erste Gotteshaus weit und breit wurde von einer adeligen Ehefrau und Mutter erbaut, der heiligen Ida von Herzfeld, einem Städtchen, das ursprünglich als sächsisches Dorf „Hirschfelder“ (Hirutfeldun) hieß.

BILD: Idas Steinkirche im ländlichen Lippetal begründete die erste christliche Gemeinde Westfalens

Ida, diese frühmittelalterliche „Mutter der Armen“ – wie sie verehrt wird – war die Nichte von Kaiser Karl dem Großen und zugleich die Ehefrau des Sachsenherzogs Ekbert; er war einer der ersten bekehrten Gläubigen aus dem heidnischen Stamme der Sachsen, die sich lange der Christianisierung widersetzt hatten.

Doch während Kaiser Karl die „Sachsenkriege“ führte, gab es gottlob auch friedliche Wege, die zur allmählichen Evangelisierung dieses hartnäckigen Germanenstammes führten.

BILD: Darstellung der hl. Ida und der von ihr gestifteten Kirche im Altarraum der Herzfelder Basilika

Eine ganz herausragende Rolle spielt dabei die heilige Ida von Herzfeld, denn sie war volksverbunden, tiefgläubig und zugleich von tätiger Nächstenliebe erfüllt.

Dabei war zwar ihr Mann ein Sachse, sie selber jedoch eine fränkische Grafentochter, im Jahre 765 im Raum Köln geboren; sie gehörte als Verwandte von Kaiser Karl zum Stamm der Franken, der als erster den katholischen Glauben angenommen hat. Es gab zwar schon vorher christianisierte Germanen wie die Westgoten oder Vandalen, doch diese waren arianisch geprägt (die Arianer verehrten zwar Christus als höheres Wesen, leugneten jedoch seine Gottheit).

Herzfeld ist der älteste Wallfahrtsort in Westfalen. Bereits seit 825 pilgern Gläubige von nah und fern zum Grab der hl. Ida. Am 15. Oktober 2011 wurde die Pfarrkirche sogar zur päpstlichen Basilika erhoben.

Dieses Gotteshaus ist der dritte Kirchbau an dieser Stelle: erst gab es das frühmittelalterliche Kirchlein, das von der Herzogin Ida gestiftet wurde, danach einen romanischen Bau im Hochmittelalter  – und zuletzt im Jahre 1903 eine neugotische Kirche aus hellem Stein, weshalb sie auch als „weißer Dom an der Lippe“ bezeichnet wird.

Die alt-rituelle Gottesdienstgemeinschaft St. Aegidii in Münster pilgerte am Samstag, den 22. Juni, mit rund 30 Teilnehmern zur hl. Ida von Herzfeld. Pater Dr. Chrysostomus Ripplinger feierte in der Basilika die heilige Messe im überlieferten Ritus (siehe Foto).

Der Benediktiner aus der Abtei Gerleve organisiert seit Jahren Pilgerreisen mit seinen Gläubigen zu altehrwürdigen und bewährten Wallfahrtsstätten im Münsterland.

Nach der hl. Messe erklärte ein freundlicher Ehrenamtlicher aus der Gemeinde der Gruppe aus Münster die Krypta der Kirche, denn unterhalb der Basilika liegen die Gebeine der Herzogin Ida in einem wertvollen Schrein hinter Glas (siehe Foto).

Unter dem Sarkophag befinden sich der Original-Sarg der Heiligen, die am 4. September 825 starb. Die Wallfahrer dürfen den fast 1200 Jahre alten Steinsarg mit der Hand berühren.

Ida wurde neben ihrem schon früher verstorbenen Mann Ekbert beigesetzt. Nach seinem Tod wohnte sie in einem Vorbau direkt an der von ihr gestifteten Kirche, kümmerte sich um die Armen und widmete sich dem Gebet und der weiteren Bekehrung des Volkes. Zugleich wirkte sie als Friedensstifterin zwischen Franken und Sachsen.

Das BILD zeigt einige Gläubige aus der Pilgergruppe; sie hören aufmerksam den Worten des Kirchenführers zu

Schon bald nach ihrem Tod setzte ein wachsender Pilgerstrom zu ihrem Grabe ein. Die Verehrung der hl. Ida begann aus der Mitte des Kirchenvolkes, so daß Bischof Dodo von Münster sie im Jahre 980 zur „Ehre der Altäre“ erhob. (Damals wurde eine Heiligsprechung noch nicht vom Papst vorgenommen, sondern vom jeweiligen Oberhirten des Bistums, indem die Gebeine der/des Heiligen in die Kirche  – meist in den Altar  –  übertragen wurden.)

Eindrucksvoll ist auch das uralte Kreuz in der Krypta, von dem überliefert wird, es enthalte einen Splitter vom Kreuz Christi (siehe Reliquien-Kästchen unter der Brust des Kruzifixes).

Nach der Kirchenführung stärkten sich die Pilger aus Münster in einem nahegelegenen Cafe, wo sie gemeinsam ihre Eindrücke austauschen konnten.

Danach wurde in der Lippe-Au unweit der Basilika gemeinsam der Kreuzweg gebetet. Allerdings waren die einzelnen Stationen, die sich als Holzdarstellungen in den Bäumen entlang der Allee befanden, meist derart stark von Efeu umrankt, daß zwei Männer jeweils vorausgingen, um den Kreuzweg mit Handarbeit überhaupt sichtbar zu machen.

BILD: Zwei Teilnehmer beim Freimachen einer Kreuzwegstation – hinter ihnen Pilgerleiter Pater Chrysostomus Ripplinger.  Das weitere Bild zeigt die Grablegung Jesu

Beim gemeinsamen Beten des Kreuzwegs wurde auch die hl. Ida als Fürsprecherin für die Anliegen von heute angerufen.

Sie ist eine zeitlose Heilige, weil sie als Ehefrau, Mutter und Witwe die Gottes- und Nächstenliebe beispielhaft lebte und zugleich mit Mut und Demut der Kirche diente. So hat sie einst diese Region im Zeichen des Kreuzes Christi wesentlich mitgeprägt.

Beim Gang zu den einzelnen Kreuzwegstationen fiel der Pilgerschar auf den umliegenden Wiesen ein großes, hochgelegenes Storchennest auf, in dem sich eine Storchenfamilie (in der Mitte sieht man den Abkömmling) aufhielt.


Die bayerische Benediktiner-Abtei Metten feiert heute ihren 1250-jährigen Geburtstag

Von Michaela KollerKoller-Michaela_kwi_author_list

Als der asketische Priester Gamelbert am 17. Januar 787 im Rufe der Heiligkeit starb, hatte er sein Patenkind Utto als Nachfolger in seinem Seelsorgsamt bestimmt. So besagt es die Legende. Fakt ist, dass der selige Utto der erste Abt des Klosters war, für das Gamelbert nahe des niederbayerischen Deggendorf 766 ein Waldstück erwarb: Das Kloster Metten.

In diesem Jahr feiert die dortige Benediktinerabtei ihr 1250-jähriges Gründungsjubiläum. Der Auftakt fällt auf den Todestag des seligen Gamelbert, auf den heutigen Sonntag.

Das Kloster ist weithin sichtbar durch seine Abtei-Kirche St. Michael mit ihren zwei gelb-weißen Zwiebeltürmen: Cosmas Damian Asam gab dem Hochaltar mit seinem Gemälde „Sturz des abtrünnigen Luzifer durch den Erzengel Michael“ eine besondere Attraktion.

Der aktuelle Ruf der Stätte gründet auf dem gleichnamigen Gymnasium samt einem Internat. Letzteres wird nach dem Schuljahr 2016/2017 mangels Nachfrage geschlossen. Rund 500 Schüler sollen hier fürs Leben lernen. Abt Wolfgang Hagl; Copyright: M. Koller

Die Tradition des Lehrens ist fast so lang wie die Geschichte seit der ersten Kultivierung des Landes: „Die Mönche unterrichteten die Söhne der Siedler in Lesen, Schreiben und Rechnen“, weiß Abt Wolfgang Maria Hagl (siehe Foto), der seit rund 26 Jahren das Kloster leitet, aus den Annalen zu berichten. Auf einem Rundgang durch die Klosteranlage nahe der Donau führt er ein Gespräch mit der Autorin.

 

Der Besuch beginnt im Klosterhof: Zum Zeitpunkt der Begegnung ist die Kirche wegen der Sanierung mit Blick auf die Feierlichkeiten noch nicht zugänglich: Die Fresken in der Vorhalle hätten erzählt, was auch ein Wandgemälde im Festsaal und hier in der Hofmitte eine Statue symbolisieren: Sie stellen Karl den Großen dar.

„Er ist der Legende nach der Gründer des Klosters“, erzählt der Abt, während das 12-Uhr-Läuten erschallt. Kaiser Karl sei in der Nähe auf der Jagd gewesen und habe sich im bayerischen Urwald verirrt. Schließlich traf er  –  so die Fortsetzung der Legende  –  auf einen Einsiedler, dessen Beil an einem Sonnenstrahl hing und ihm heraus half. Zum Dank stiftet er das Kloster.

Tatsächlich begann die Geschichte Mettens laut heutigem Forschungsstand mit der Stiftung des Grundbesitzes durch den Michaelsbucher Pfarrer Gamelbert von der anderen Seite der damals noch ungezähmten Donau.

Die Historiker gehen davon aus, dass Kaiser Karl später zur wirtschaftlichen Grundlage des Klosters beitrug, indem er dem Kloster Rodungs- und Siedlungsgebiet freigab. „Das hatte Bestand bis zum Jahr 1803“, berichtet der Abt mit Blick auf die Säkularisation kirchlicher Güter in Bayern in jener Zeit.

Quelle und Fortsetzung des Artikels hier: http://www.vaticanista.info/2016/01/17/froemmigkeit-wissenschaft-und-festlichkeit/

Fotos: Michaela Koller


CIVITAS DEI: Die Herrschaft des HERRN und seiner Gebote

Leben unter dem Blick des Ewigen

Der katholische Priester und Professor Dr. Andreas Wollbold hielt bei der Karlsmesse in Aachen (zelebriert im klassischen Ritus) am 28. Juni 2014 eine aufschlußreiche und gehaltvolle Predigt, deren ersten Teil wir hier dokumentieren:
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„Unter den Schulheften der hl. Therese von Lisieux (1873 – 1897) findet sich eines mit einem illustrierten Deckblatt. Darauf erkennt man den hl. Karl den Großen inmitten einer Schar von Schülern.
„Charlemagne visitant les écoles. – Karl der Große beim Besuch der Schulen“ lautet die Bildunterschrift. head_carlomagno
In einem begleitenden Text wird der historische Hintergrund erläutert:
Karl der Große gründete viele Schulen, u.a. in seinem eigenen Palast hier in Aachen. Er besuchte sie häufig und befragte die Schüler. Dabei mahnte er sie stets zur rechten Einstellung:
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„Ihr seid reich und die Ersten des Reiches. Aus diesem Grund meint ihr, Geburt und Wohlstand reichen aus, und diese Schule habt ihr nicht nötig, die euch doch so sehr zur Ehre gereichen würde. Nur äußeren Schmuck, Spiele und Vergnügungen habt ihr im Sinn.
Doch das eine schwöre ich euch: Ich werde eurem Adel und eurem Reichtum keinerlei Beachtung schenken, die euch doch so viel Ansehen einbringen.
Und wenn ihr nicht schleunigst die in Dummheiten vergeudete Zeit wieder durch eifriges Lernen wettmacht, so werdet ihr niemals überhaupt irgendetwas von Kaiser Karl erhalten!“
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Eine kaiserliche Standpauke erster Güte also! christus
Im Heiligen römischen Reich deutscher Nation dient Adel nicht der Einbildung, Reichtum nicht der Macht und Dünkel nicht der Karriere mit Hilfe von „Vitamin B“.
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Dieses Reich ist nicht gegründet zur Verteidigung von Privilegien, sondern zur Verbreitung des Reiches Gottes. Dieses Reich ist nicht groß durch die äußere Macht eines Staatsgebietes, in dem die Sonne nicht untergeht. Es ist groß in dem Maß, wie es sich der „civitas Dei“, der Herrschaft Gottes und seines Gesetzes, annähert.
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Dies zu kennen und sich von ihm formen zu lassen, darum wurde Bildung unter Karl dem Großen groß geschrieben. Nur wer die Lehre Christi kennt, kann auch danach streben, nach ihr zu leben. Darum sind die Großen des Reiches nicht die Einflußreichen, sondern die Frommen und die Gebildeten.
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DIEU PREMIER SERVI: Gott zuerst gedient!

Nun lassen sich auf dem Bild in Thereses Schulheft drei handschriftlich eingetragene Worte erkennen, und zwar an einer Steinwand im Hintergrund: „Dieu nous voit. – Gott sieht uns.“
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Sie stammen zweifelsfrei von Therese selbst. Vielleicht hat sie dabei an ihren Vater gedacht, der noch als Junggeselle an der Wand zuhause den Spruch anbrachte: „Dieu premier servi. – Gott zuerst gedient.“
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Dabei hat sie die tiefste Intuition von Kaiser Karl erfaßt, den Aufbau einer Kultur unter den Augen Gottes. Gott sieht uns. Wir leben unter Gottes Blick. Alles, was wir tun, ja was wir denken, fühlen und planen, es steht ihm vor Augen.
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Aus ihm zu leben, sich vor ihm zu verantworten, das allein zeichnet ein christliches Reich aus. Bildung ist conversio ad Deum und aversio a creaturis  –  Bekehrung zu Gott und Abkehr von den Geschöpfen.
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Denn der Aufbau des Reiches Gottes beginnt mit der Herrschaft Gottes im eigenen Herzen. Was bedeuten dagegen Adel der Geburt oder Reichtum der Familie? Äußere Güter, die zur Abkehr von Gott und zur Vergötzung der Geschöpfe führen können.
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Tempi passati [diese Zeiten sind vorbei], möchte man vor einer solchen Reichsidee ausrufen. Mittelalter-Nostalgie, ein Zurück hinter die Aufklärung!
Doch wortlos schreibt Therese von Lisieux auch unserer Zeit ihr Menetekel an die Wand: „Dieu nous voit. – Gott sieht uns.“
Hat das, was die Gegenwart prägt, Bestand vor Gottes Augen?
„Beatus vir – selig der Mann – qui […] in sensu cogitabit circumspectionem Dei  –  der mit Verstand bedenkt, daß Gott auf ihn schaut,“ heißt es in der Lesung (Sir 14,2. 15,3f.6). Und der HERR selbst warnt im Evangelium aus Lk 11,33-36: „Gib also acht, daß das Licht in dir keine Finsternis ist.“
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Sind also die Glanzpunkte unserer Zeit nichts anderes als schwarze Löcher? Finsternis, die selbst das Licht noch schluckt? Weil sie „das Licht, das jeden Menschen erleuchtet, […] nicht erkannte“ (Joh 1,9f.), ja nicht erkennen will?
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Schauen wir also auf unsere Zeit – stets mit dem Blick auf das „Dieu nous voit. – Gott sieht uns“.
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QUELLE und FORTSETZUNG der Predigt HIER: http://www.pro-missa-tridentina.org/news/images/hv2014-predigt_karlsmesse_aachen.pdf
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Weitere INFOS über diese „Karlsmesse“ und die katholische Laienvereinigung PRO MISSA TRIDENTINA: http://www.pro-missa-tridentina.org/news/news_336.htm

Drei Sonderausstellungen in Aachen: Vor 1200 Jahren starb Kaiser Karl der Große

Vor 1200 Jahren  –  am 28. Januar 814  –  starb Kaiser Karl der Große in Aachen. Die Person Karls des Großen und sein Wirken stehen im Mittelpunkt der drei Sonderausstellungen im Karlsjahr 2014, die an drei Orten stattfinden werden.

Neben eigenen Sammlungsbeständen werden zahlreiche bedeutende Leihgaben aus internationalen Museen und Privatsammlungen die Ausstellungen bereichern.

Themen und Stätten der drei Ausstellungen:

„Orte der Macht“: Im Krönungssaal des Rathauses, der ehemaligen Königshalle der Pfalz, stehen die Pfalzen Karls des Großen im Mittelpunkt.

„Karls Kunst„: Im Centre Charlemagne, einem neuen Ausstellungshaus im Kernbereich der Pfalz, wird die kulturelle Blüte der Karolingerzeit anhand hochkarätiger Kunstwerke sichtbar.

„Verlorene Schätze“: In der Domschatzkammer nahe der karolingischen Marienkirche kehren Kostbarkeiten des Kirchenschatzes der Karolingerzeit und des Mittelalters noch einmal an ihren ursprünglichen Platz zurück.

Anlass der Ausstellungen ist der Tod Karls des Großen in seiner Aachener Pfalz „Aquispalatium“ am Samstag, den 28. Januar 814. head_carlomagno

Karl war zu diesem Zeitpunkt König der Franken, König der Langobarden und (west-)römischer Kaiser.

Seit 794 hatte er sich fast ununterbrochen in Aachen aufgehalten und die heißen Thermalquellen aus gesundheitlichen Gründen genutzt. Gleichzeitig ließ er die Pfalz zu einer monumentalen Palastanlage ausbauen.

Die politische Macht hatte sich dadurch  –  ganz im Gegensatz zum zeittypischen Reisekönigtum  –  an einem einzelnen Ort konzentriert. Dort befand sich zudem eine aus Vertretern vieler Völkern bestehende Hofgesellschaft, zu deren Kennzeichen die Anwesenheit von Gelehrten aus allen Teilen des karolingischen Reiches zählte.

Noch am Tag seines Todes wurde Karl in der von ihm neu errichteten und reich ausgestatteten Marienkirche, dem heutigen Dom, beigesetzt.

Otto III. ließ das Grab im Jahr 1000 öffnen und wieder verschließen. 1165 wurde der Leichnam bei der Feier der Heiligsprechung aus dem Grab erhoben und in ein vorläufiges Reliquiar, 1215 dann in den bis heute existierenden Karlsschrein überführt.

Karl wurde zum Ideal eines heiligen Herrschers nach mittelalterlichem Verständnis stilisiert. Sein Grab wurde zum Symbol- und Legitimationsort mittelalterlicher Herrschaft schlechthin. 

Doch bereits in der Generation der Enkel Karls zerbrach das Gebiet in Teilreiche und militärische Auseinandersetzungen. Der Tod Karls markiert insofern einen historischen Wendepunkt vom Bestreben einer Wiederherstellung des römischen Reiches hin zu einem Prozess, aus dem im Laufe der folgenden Jahrhunderte unter anderem Frankreich, Deutschland, die Benelux-Länder und Italien hervorgehen sollten.

1200 Jahre nach Karls Tod wird die Ausstellungstrilogie historische und aktuelle Dimensionen aufzeigen.

Quelle (Text/Fotos): http://www.karldergrosse2014.de/ausstellungen/


Merkwürdiges vom „Kölner Domradio“ zum Dauerbrenner Feuerbestattung

Am gestrigen 5. Juli 2013 veröffentlichte das bischöfliche „Kölner Domradio“ einen Artikel des KNA-Redakteurs Joachim Heinz zum Thema Leichenverbrennung unter dem Titel: „Vor 50 Jahren erlaubte die katholische Kirche Feuerbestattung: Eine Kulturrevolution.“

Zunächst wird darauf verweisen, daß der Vatikan am 5.7.1963 das bis dahin geltende kirchliche Verbot der Leichenverbrennung aufgehoben hat. Danach heißt es:Was unter Papst Paul VI. endete, begann mit Karl dem Großen“, was aber blühender Unsinn ist, denn die katholische Kirche hatte ohnehin   –  ebenso wie das Judentum  –  stets strikt an der Erdbestattung festgehalten: Karl der Große hat diesen Standpunkt lediglich noch in staatliche Gesetzesform gegossen; von einem „Beginn“ kann also keine Rede sein. 0018

Sodann heißt es weiter im Domradio-Beitrag, die frühere kirchliche Haltung sei „schwer nachvollziehbar angesichts der Tatsache, dass in der frühen Geschichte der Menschheit Erd- und Feuerbestattung nebeneinander her existierten.“ 

Was soll „schwer nachvollziehbar“ daran sein, daß die katholische Kirche sich nicht am frühgeschichtlichen Heidentum, das tatsächlich vielfach die Leichenverbrennung kannte, orientiert hat, sondern am jüdischen Vorbild und dem Zeugnis der Heiligen Schrift?

Sodann heißt es allen Ernstes: „Die Kehrtwende kam im frühen Mittelalter. Im Edikt von Paderborn verbot Karl der Große 785 bei Todesstrafe die Durchführung von Feuerbestattungen.“ 

Von einer „Kehrtwende“ keine Spur, zumal auch bei den „alten Germanen“ in vorchristlicher Zeit die Erdbestattung der Regelfall war, das Christentum hier also nichts Revolutionäres einführte  –  und somit Karl der Große sich sowohl auf kirchliches Recht wie auf landesübliche Gepflogenheiten berufen konnte.

Sodann schreibt der Autor teils merkwürdig ironisch: „Stützen konnten sich Karl und die Häupter der Christenheit auf biblische Überlieferungen. Im Alten Testament wurde die Feuerbestattung als schwere Schande angesehen. Positives Vorbild war die Grablegung Jesu. Bis in die Neuzeit hinein hatte die liebe Seele ihre Ruh‘. Daran konnten auch aufmüpfige Freigeister nicht rütteln.“

Abgesehen davon, daß es beim Leichnam nicht um die „liebe Seele“ geht, sondern um die Würde des menschlichen Leibes, die auch nach dem Tod größtmöglichen Respekt erfahren sollte, ist die „biblische Überlieferung“ schließlich keine Nebensache, sondern zentrales Argument für die Erdbestattung.

Außerdem wurde die Leichenverbrennung im 18. und 19. Jahrhundert vor allem von antikirchlichen „Freigeistern“ und diversen Freimaurervereinigungen propagiert, um damit eine Leugnung des Auferstehungsglaubens zu betonen. Also bestand die katholische Kirche erst recht auf ihrer traditionell bewährten Haltung.

Sodann wird in dem erwähnten Artikel das katholische Kirchenrecht von 1917 zitiert, dessen folgender Passus bis 1963 Gültigkeit besaß: „Einem Gläubigen, der die Verbrennung seines Leichnams anordnet, wird das kirchliche Begräbnis zur Strafe entzogen.“

Die Kirche hätte aus meiner Sicht gut daran getan, an ihrem eindeutigen JA zur Erdbestattung festzuhalten, wie es dem biblischen Zeugnis und der christlichen Tradition seit Jahrtausenden entspricht.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Unsere positiven Argumente pro Erdbestattung siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2013/05/17/5-punkte-fur-eine-kultur-des-todes-warum-die-erdbestattung-empfehlenswert-bleibt/