Regensburg: Glaubensfroher Fastenhirtenbrief von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer

Liebe Kinder, liebe jugendliche und erwachsene Schwestern und Brüder im HERRN!

1. Zur österlichen Bußzeit grüße ich Euch und Sie alle sehr herzlich! Wir gehen auf das Osterfest zu, das Fest der Auferstehung Jesu. Es begründet unsere „Hoffnung auf Herrlichkeit“(Kol 1,27). Sie lässt uns bei aller Bedrängnis und in den Sorgen des Alltags frohgemut und zuversichtlich sein.

2. Aus zahlreichen Gesprächen und Begegnungen weiß ich, dass viele von Ihnen die Diskussionen in der Kirche in Deutschland bewegen. Die einen machen sich Sorgen um die ihnen liebgewordene Gestalt der katholischen Kirche, andere sehnen sich nach Veränderungen. Wie wird es weitergehen?

Um bei all den unterschiedlichen Stimmen und Meinungen die Orientierung nicht zu verlieren, ist es gut, einen Schritt zurückzutreten und die großen Entwicklungen in den Blick zu bekommen.

3. Ja, wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Die Zeiten haben sich gewandelt, gerade auch was den Stellenwert von Glaube und Kirche in unserer Gesellschaft angeht. Viele von Ihnen werden sich noch daran erinnern, dass sich zumindest in den Regionen des Bistums Regensburg vor noch wenigen Jahrzehnten jemand rechtfertigen musste, wenn er am Sonntagvormittag nicht zur Heiligen Messe in die Kirche ging.

Heute muss sich in der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz rechtfertigen, wer sich am Sonntagvormittag auf den Weg dorthin macht.

Wer früher in unseren Städten und Dörfern am Sonntagvormittag unterwegs war, erlebte auf den Straßen etliche Menschengruppen, junge und alte, die, sonntäglich gekleidet, das Gebetbuch in der Hand, auf dem Weg zur Kirche waren oder von dort nach Hause gingen.

Heute prägen die Jogger das Stadtbild und Frühaufsteher, die den Hund Gassi führen. Gewiss, es gibt Ausnahmen. Zu bestimmten Festen findet man auch bei uns vielerorts schon eine halbe Stunde vor der Messe keinen Parkplatz mehr in der Nähe der Kirche.

Und auch das ist wahr: Der traditionelle Kirchgang allein ist noch kein Zeichen wahrhaft lebendigen Glaubens.

4. Dass aber christliche Positionen und kirchliche Wertvorstellungen keineswegs mehr selbstverständlich sind, zeigt das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts: Das Tabu der aktiven Sterbehilfe, das die Unverfügbarkeit des menschlichen Lebens schützt und alte und pflegebedürftige Menschen vor dem Ansinnen bewahrt, sich der Gesellschaft legal zu ersparen, ist gefallen.

Lange Zeit konnte man sich darauf verlassen, dass immerhin das Bundesverfassungsgericht die Würde des Menschen, die des ungeborenen wie des sterbenden, schützt. Dies scheint mit dem besagten Urteil, das ausgerechnet am Aschermittwoch veröffentlicht wurde, fraglich geworden zu sein. Christliche Glaubensüberzeugungen und Mehrheitsmeinung in der Gesellschaft fallen mehr und mehr auseinander. Gott ist für viele ein Fremdwort geworden.

Heute muss sich jeder und jede für die Zugehörigkeit zur Kirche entscheiden. Die gesellschaftlichen Stützen sind mehr und mehr weggefallen. Jeder und jede einzelne ist für sich gefragt. Das heißt nicht, dass ich vergangenen Zeiten nachtrauere. Denn nur auf Tradition zu setzen und weil es alle machen, ist auch kein Zeichen und Ausdruck von Glauben.

5. Papst Franziskus hat in seinem Schreiben „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ vom 29. Juni 2019 mit Blick auf den geplanten Synodalen Weg in Deutschland von einer elementaren Krise des Glaubens in unserem Land gesprochen. Sie betrifft nicht nur die katholische Kirche, sondern alle christlichen Gemeinschaften.

Deshalb kann ich auch nicht glauben, dass strukturelle Veränderungen in der katholischen Kirche wie etwa der Verzicht auf die Ehelosigkeit der Priester, eine Frauenquote, mehr Mitsprache von Weltchristen in der Kirchenleitung oder eine Abkehr von der bislang geltenden Sexualmoral etwas Wesentliches an dieser Situation ändern würden – ganz abgesehen davon, dass vieles theologisch unmöglich ist, anderes nur auf der Ebene der Weltkirche entschieden werden kann.

6. Wir sollten uns eingestehen: Die Zeiten sind vorbei, wo es gleichsam selbstverständlich war, Mitglied der Kirche zu sein. In die Glaubensgemeinschaft der Kirche wird man nicht schon durch die Geburt aufgenommen, sondern durch die Taufe. In gewisser Weise kehren wir in eine Situation des Ursprungs zurück, wo die persönliche Glaubensentscheidung und eine lebendige Christusbeziehung den Grund gelegt haben für das Wachstum der Kirche.

Ich habe deshalb im Vorfeld des Synodalen Weges zusammen mit weiteren Bischöfen vorgeschlagen, andere Themen aufzugreifen und die Weisung von Papst Franziskus ernst zu nehmen, der uns zur Mission und Neuevangelisierung aufruft: Religiöse Bildungsarbeit, Katechese, Jugendpastoral, Leben aus dem Gebet. – Dafür war die Mehrheit leider nicht zu gewinnen.

7. Als Bischof will ich alles dafür tun, dass die Menschen im Bistum Regensburg die Möglichkeit haben, die Schönheit des kirchlich gelebten Glaubens kennenzulernen. Christus will jeden  Menschen an der Hand nehmen und ihm das wahre Leben schenken; ein Leben, das erfüllt ist von göttlicher Liebe und Wahrheit, ein Leben in der Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott (vgl. Mt 17, 5–7; 2 Tim 1,10). Niemand ist gezwungen, diese Einladung, die ER durch seine Kirche und die Sakramente ausspricht, anzunehmen. Die Kirche betrachtet unabhängig davon selbstverständlich jeden Menschen als Geschenk Gottes, und dadurch mit höchster Würde ausgestattet, egal was er denkt oder glaubt.

8. Und so will ich in unserem Bistum, in den Pfarreien, in den Gemeinschaften und Verbänden, die Neuevangelisierung anpacken.

Ein erster Schritt dazu wird sein, die Auskunftsfähigkeit über unseren Glauben zu stärken, sprachfähig und auch sprachwillig zu sein über den eigenen Glauben, gemäß der Weisung des Apostels: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von Euch Rechenschaft fordert über den Grund Eurer Hoffnung!“(1 Petr 3,15).

Dabei geht es zunächst einmal gar nicht um den Katechismus, sondern um Selbstvergewisserung: Wo zeigt sich der Glaube in meinem Leben? Was würde mir eigentlich fehlen ohne Gott und ohne die Kirche? Warum ist mir die Heilige Messe am Sonntag wichtig? Wer hat mich eigentlich zum Glauben geführt? Wer hat mir Jesus nahe gebracht? Welches Zeugnis hat mich so beeindruckt, dass ich selber den Glauben liebgewonnen habe und ohne ihn nicht mehr sein möchte?

9. Wenn ich einmal von mir erzählen darf: Ich bewahre als kostbares Familienerbstück das gerahmte Erstkommunion-Erinnerungsbild meiner Großmutter auf. Der Sachwert ist vermutlich nicht besonders hoch. Aber der ideelle Wert umso mehr. Meiner Großmutter, die im Juni 1946 mit drei minderjährigen Kindern – der Mann war noch in Kriegsgefangenschaft – ihre sudetendeutsche Heimat verlassen musste, war dieses Kommunionandenken so wichtig, dass sie es zwischen einigen Wäschestücken und anderen Habseligkeiten zu den 30 Kilogramm Gepäck hinzugab, die mitzunehmen ihnen erlaubt wurde.

Das Zeugnis dieser Frau, die ihr Schicksal ohne eine Herzensbeziehung zu Christus und ohne einen großen Fundus von Gebeten wohl nicht bestanden hätte, ist ein Geschenk und hat mich nachhaltig geprägt. Dass ich die Berufung zum Priesteramt erkennen konnte, hängt sicher auch mit dieser Erfahrung zusammen: Das Brot des Lebens, das Christus selber ist, hat diese Frau durch ein wahrlich schweres Leben getragen.

10. Weitergabe des Glaubens geschieht durch das persönliche Zeugnis. Ich lade Sie ein, ja ich bitte Sie, sich daheim, in den Gruppen und Kreisen in der Pfarrei in aller Behutsamkeit auch einmal darüber auszutauschen.

Dazu kommt die Frage: Wem bin ich Vorbild im Glauben? Vielleicht haben Sie für einen jungen Menschen das Paten-Amt übernommen. Das Paten-Amt ist in erster Linie ein Vorbild-Amt. Was kann mein Patenkind von mir lernen? Spielt mein Glaube, mein Gebetsleben, mein soziales Engagement eine Rolle? Bin ich mir bewusst, dass etwa mein sonntäglicher Kirchgang auch für andere eine Bedeutung hat; dass auch dieses Zeugnis wahrgenommen wird?

11. In der kommenden Osternacht werden vielerorts erwachsene Frauen und Männer durch Taufe, Firmung und Eucharistie in die Kirche aufgenommen. In der Fastenzeit beten wir in den Fürbitten oft für die Taufbewerber. Für mich ist die Begegnung mit den erwachsenen Taufbewerbern ein großes Geschenk und eine Herausforderung zugleich. Sie stellen mich vor die Frage: Würde ich es wagen, würde ich mich aus freien Stücken um die Taufe bewerben, wenn ich nicht schon als Kind getauft worden wäre? Genau dies geschieht. Und diese Bereitschaft, dieser Mut wird künftig von uns allen noch viel mehr gefordert sein. Das Zeugnis derer, die nicht schon als Säuglinge getauft wurden wie wohl die meisten von uns, dieses Zeugnis möge uns stärken und mutig machen, dass auch wir im Alltag zu unserem Glauben stehen.

12. Auf dem Weg zur Taufe gibt es seit alters her zwei wichtige Etappen: Die Einführung in das Glaubensbekenntnis und die Einführung in das Gebet anhand des Vaterunsers. Das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser-Gebet immer wieder neu durchzubuchstabieren, ist ein wesentlicher Schritt auch der Glaubensvertiefung und der Erneuerung.

Geschehen kann dies durch geistliche Lektüre, im vertrauten Gespräch zuhause, aber auch in Glaubensgesprächskreisen, in Bibelkreisen. Ich begrüße und fördere alle Initiativen in dieser Richtung. Es gibt viele davon. Bald wird es auch eine Konferenz auf Bistumsebene geben, um alle Initiativen zur Evangelisierung zu sichten, zu vernetzen und zu stärken.

13. Das Evangelium des heutigen zweiten Fastensonntags schließt mit der merkwürdigen Weisung Jesu an die Jünger, vorerst nichts über die Begegnung mit dem verklärten Jesus weiterzusagen (vgl. Mt 17,9). Aber dieses Verbot gilt eben nur bis Ostern. Wenn die Jünger alles miterlebt haben werden, auch dass der Messias sogar für sie zu leiden, für sie zu sterben bereit ist, dann wird der Auferstandene das Schweigegebot verwandeln in den Missionsbefehl: „Geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern!“(Mt 28,19).

Auf dem Weg Ihrer persönlichen Jüngerschaft segne und behüte Sie
der dreifaltige Gott, der + Vater und der + Sohn und der Heilige + Geist.

Regensburg am Aschermittwoch, 26. Februar im Jahr des HERRN 2020.

+ Rudolf, Bischof von Regensburg

Quelle (Text / Bischofsfotos): https://www.bistum-regensburg.de/news/hirtenbrief-des-bischofs-von-regensburg-zur-oesterlichen-busszeit-2020-7300/


Brachliegende Aufgaben für Katholikinnen

Von Rainer Kochinke

Beim Blick in die älteren Ausgaben der Verbandszeitschrift „Frau und Mutter“ der KFD (Kath. Frauengemeinschaft Deutschlands) findet man etwa ab 1980 schon das Thema  „Priesterweihe der Frau“ ganz oben auf der Prioritätenliste, wo es seit 40 Jahren immer neu angeheizt wird. 
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Das vorrangige Argument lautet: Machtabgabe der Männerkirche iund Machtteilhabe der Frauen an allen Leitungsfunktionen, vom Bischofs- bis zum Papstamt.
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Da stellt sich doch die Frage: Wenn schon manche Männer das Priesteramt nicht zuerst als Berufung zu einem mühevollen und oft frustrierenden Dienen und Arbeiten im Weinberg des HERRN verstehen, sondern eher als eine Karriereleiter missverstehen, warum wollen dann Frauen diesen Irrweg noch kopieren, anstatt ihn sinnvollerweise zu korrigieren?
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Zwar wird Christus dabei ständig erwähnt, nicht aber sein Beispiel der Fußwaschung, die das selbstlose Dienen als christlices Handlungsprinzip in den Vordergrund stellt.
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Für alle berufenen Arbeiterinnen im Weinberg des HERRN, die sich nicht wegen eines Machtzuwachses, sondern aus Liebe zu Gott und den Menschen einbringen wollen, gibt es doch riesige brachliegende Aufgabenfelder, ohne dass es dafür einer Priesterweihe bedarf.
Stichpunktmäßig seien zwei davon mit besonders hoher Dringlichkeitsstufe genannt: Die Katechese und geistliche Begleitung der Erstkommunionkinder, die , allein gelassen in einer entchristlichten Umgebung, zwei Wochen nach ihrem großen Tag nicht mehr im Gottesdienst zu sehen sind.
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Zweitens, der Schutz der Kinder vor sexueller Verführung und sexuellem Missbrauch. Dazu stellte die Leiterin einer amerikanischen Hilfsorganisation für Missbrauchsopfer, Rene Mc Creary, kürzlich im Fernsehen in Kansas City fest: „Immer mehr Kinder haben Zugang zur Pornografie, und 25% aller Missbrauchstaten an Kindern werden inzwischen von Kindern verübt.“
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In Deutschland dürften die Zahlen kaum anders aussehen. Müssten da nicht bei allen Müttern (und Vätern!) die Alarmglocken schrillen?
Und wäre nicht auf diesem Gebiet der Prävention der Einsatz von Zeit und Energie vorrangig geboten, anstatt diese für Ziele zu verschwenden, die allenfalls in einen deutschen Sonderweg und ein kirchliches Schisma führen können, letztlich auch nur Unzufriedenheit und Zerstrittenheit in den Gemeinden weiter anheizen?
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Und schließlich ist zufragen, ob die Benutzung des Namens der Gottesmutter Maria für eine Aktion, die sich eindeutig gegen das Vermächtnis ihres Sohnes richtet, nicht einer Beleidigung jener Frau gleichkommt, die einerseits alle Apostel an Würde und Weisheit übertraf und den betenden Kristallisationspunkt der Urgemeinde bildete, andererseits aber himmelweit von jedem Gedanken an ein Weiheamt entfernt war?
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Unser Autor Rainer Kochinke ist Religionslehrer i. R. und lebt in Rheine (nördl. Münsterland)

Haus Assen ist eine liturgische Oase und vor allem für katholische Familien optimal

Von Cordula Mohr

Das Haus Assen ist ein idyllisches Wasserschloß in Ostwestfalen (Lippetal), in dem die Ordensgemeinschaft SJM (Diener Jesu und Mariens) im Laufe des Jahres viele Seminare und Tagungen für jung und alt sowie Freizeiten für Familien anbietet.

Auch andere Organisationen können in diesem wunderschönen Ambiente ihre Veranstaltungen durchführen, wie es z.B. die CDL (Christdemokraten für das Leben) gerne tut.

Ich fuhr schon mehrmals mit unseren Kindern in dieses auch landschaftlich reizvoll gelegene Haus Assen. Die theologische Ausrichtung der SJM-Patres ist bodenständig-konservativ, hält sich treu an die kirchliche Lehre und feiert eine ehrfurchtsvolle Liturgie.

Eigenwillige Experimente und spätpubertäre Kindereien im Gottesdienst sucht man hier gottlob vergebens. Es ist vor allem die traditionell gehaltene Liturgie, die mich immer wieder in dieses eindrucksvolle Schloß zieht.

Die meisten Mitchristen wissen, was in den üblichen Pfarrgemeinden bei Gottesdienste und Messen alles vorkommen kann:  Von der Laienpredigt bis zu umgestalteten Hochgebeten bekommen wir vieles Unerquickliche geboten. Mich macht das zutiefst traurig  –  und deshalb habe ich mich entschlossen, wenigstens einige Male im Jahr eine ordentlich gehaltene Messe zu besuchen.

Unseren Kindern und mir gefällt die Liturgie und die Katechese in Assen sehr gut –  und die Fahrt ist von unserer Heimatstadt Rheine aus nicht allzu weit.
Die hl. Messe dort lehnt sich weitgehend an den alten Ritus (überlieferte Liturgie) an, ohne „puristisch“ zu sein: Es gibt neben lateinischen Gesängen auch viele deutschsprachige Lieder und Gebete. Die Predigten sind durchweg gediegen, gehaltvoll und geistig aufbauend. So haben wir auch die vergangenen Kar -und Ostertage in Haus Assen verbracht:

Es gefällt mir sehr,  dass die Geistlichen den Kinder und Jugendlichen das laufende Programm der Freizeit ohne Druck und Gruppenzwang vorstellten; viele Andachten und sonstige Frömmigkeitsübungen sind freiwillig und es gibt genügend Freiraum für eigene Betätigungen.

FOTO: Cordula mit anderen Teilnehmerinnen vor der Pforte von Haus Assen

Dabei kann man auch Angebote der KPE (Katholische Pfadfinderschaft Europas) nutzen, die mit dem SJM-Orden verbunden sind (beides wurde gegründet von Pater Andreas Hönisch).

In den Zimmern von Haus Assen (leider teils noch eine Baustelle bzw. ausbaufähig) lagen Zettel aus, in denen ausdrücklich vermerkt wurde: Wenn jemand an einem Programmpunkt nicht teilnehmen möchte, möge er Rücksicht auf diejenigen nehmen, die sich dafür entschieden haben. Somit bleibt allseits der Hausfrieden bewahrt.

Das Programm war sehr ansprechend für jung und alt: Mein Sohn berichtete mir von der interessanten Katechese, die ein Novize der SJM hielt; er erzählte in seiner Glaubensunterweisung auch den eigenen Lebens-und Werdegang bis zum Eintritt ins Kloster. Zudem wurde über die Bedeutung der Sünde, über den Unterschied von läßlicher und schwerer Sünde gesprochen und dies mit praktischen Beispielen erläutert.

Für die Erwachsenen wurden mehrere Vorträge zur Verbesserung ihres Glaubenswissens und zur Vertiefung des Glaubenslebens gehalten.

Etwas Besonderes ist in Haus Assen die Osternacht, die am Karsamstag um 22 Uhr beginnt. Im Anschluss an eine feierliche Messe folgt das sogenannte Osterfrühstück. Die Kinder konnten den Erwachsenen bei der Vorbereitung  helfen, Osterschmuck für den Tisch basteln, backen, Kerzen gestalten usw. Das Osterfrühstück ist somit eine wahre Augenweide, weil ein vielseitiges Essen nach den Fasttagen bereit steht. Jede Familie kann noch etwas, das sie mitgebracht hat, dazustellen.
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Spät in der Nacht werden noch in jugendbewegter Art ein paar zünftige Pfadfinderlieder gesungen und mit der „Klampfe“ begleitet.
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Auch der Kirchenraum in der Schloßkapelle ist von Gründonnerstag bis Ostern dem jeweiligen Tag entsprechend sehr ansprechend geschmückt, z. B. eine Bildhauer-Skulptur am Karsamstag, welche die Grabesruhe darstellt. Dies lädt zum Verweilen und Beten ein. An Ostern gibt es reichhaltigen Blumenschmuck und viele Kerzen. Man kann die Kar- und Ostertage durch diese Gestaltung sehr intensiv erleben.
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Die vielen bereichernden Gottesdienste, liturgischen Andachten, der Kreuzweg, der von den Kindern vorgetragen wurde, anregende Gespräche und Vorträge ließen das Osterwochenende zu einem Erlebnis werden, das sich, so hoffe ich, in die positive Erinnerung meiner Kinder einprägt  – bei mir jedenfalls ist dies der Fall. Mein Sohn sagte ein paar Tage später, es sei für ihn das bislang schönste Osterfest gewesen, meine Tochter reagierte ähnlich. 
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Für  die Zukunft möchte ich dem Haus Assen einen Vorschlag unterbreiten: Ich hätte eine Vorstellungsrunde am Gründonnerstag zu Beginn der Familienfreizeit gut gefunden, um sich locker kennenzulernen, Namen auszutauschen, zu erfahren, wo die Teilnehmer herkommen usw. Das hätte auch manche Kontaktaufnahme erleichtert.
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Ich werde gerne weiter diese geistliche Oase besuchen, und mir dort neue Kraft für das Glaubensleben im Alltag zu holen.
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Unsere Autorin Cordula Mohr ist dreifache Familienmutter und wohnt in Rheine (Westfalen); sie ist in der Lebensrechtsbewegung aktiv und leitet ehrenamtlich den ALfA-Verband Nordmünsterland.
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Infoseite von Haus Assen: http://www.haus-assen.de/de/
Fotos: C. Mohr, Archiv, Haus Assen

„Ehe light“ durch kirchliche Segensfeiern?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Am 18. August 2017 gab der designierte Mainzer Bischof Peter Kohlgraf der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein Interview.

Die Frage der FAZ lautete: „Der Passauer Bischof Stefan Oster hat sich dafür ausgesprochen, viele kirchliche Hochzeiten durch Segensfeiern zu ersetzen. Ihm ist aufgefallen, dass viele Brautpaare nicht ins kirchliche Leben eingebunden sind und gar nicht wissen, was eine sakramentale Trauung bedeute. Wie wollen Sie es im Bistum Mainz handhaben?“ 

FOTO: Prof.Gindert leitet das „Forum Deutscher Katholiken“ und den Kongreß „Freude am Glauben“

Seine Antwort darauf: „Eine Segensfeier finde ich einen guten Ansatz, das kann ich mir vorstellen. Ohne dass man natürlich die Sakramentalität der Ehe aufgeben wird. Aber da gibt es noch etwas zu bedenken. Es ist Fakt, dass die große Mehrheit der Paare zusammenlebt, bevor sie sich für eine Hochzeit entscheiden. Nach der strengen katholischen Lehre ist der sexuelle Verkehr zweier Menschen, die nicht verheiratet sind, Sünde.

Wenn ein Priester Paare künftig nur segnet, diese später aber weiter zusammenleben, dann dürften diese Paare nach der traditionellen katholischen Lehre nachts nur philosophische Gespräche führen. Da merkt man, dass wir als Kirche an unserem Sündenverständnis arbeiten müssen und die traditionelle Moraltheologie nicht der Wirklichkeit entspricht.“

Dieses Interview ist aufschlussreich.

Weil viele Brautpaare nicht mehr wissen, was eine sakramentale Trauung bedeutet, will Bischof Oster (siehe Foto) Segensfeiern einführen. Das mag „pastoral“ gemeint sein. Wenn aber Bischof Oster den Grund in der Unwissenheit sieht, warum viele nur mehr zusammenleben, aber nicht mehr heiraten, wäre es dann nicht richtig, bei der Ursache anzusetzen, nämlich in einer Katechese und in einem Religionsunterricht, die den Wert der sakramentalen Ehe deutlich machen?

Die Hoffnung von Bischof Oster, die „Gesegneten“ würden dann später kirchlich heiraten, ist recht unsicher. Die „Gesegneten“ können auch zur Überzeugung kommen, dass sie jetzt zu einer schönen kirchlichen Feier mit Freunden und Verwandten kommen, gewissermaßen zu einer „Ehe light“.

Eine solche Segensfeier verpflichtet zu nichts. Die Partner können ihr bisheriges Leben inkl. Sex beibehalten. Es ist eine unverbindliche Feier, bei der sich die beiden Partner einer „endgültigen und ganzen gegenseitigen Hingabe“ (vgl. KKK 7391) entziehen können.

Im Übrigen müsste der ehemalige Dogmatik-Professor Oster wissen, dass er Partner segnet, die nach der Lehre der Kirche objektiv in Sünde leben. Er müsste weiter das Wesen einer Sünde kennen. Sie ist nicht nur Unwissenheit, sondern auch Ablehnung Gottes und Widerspruch gegen ihn (vgl. KKK 386) und gegen seine Kirche.

Der zukünftige Mainzer Bischof Kohlgraf fand den Vorschlag von Oster einen „guten Ansatz“. Natürlich will er die „Sakramentalität der Ehe“ nicht aufgeben. Sie wird nur so hoch gehängt, dass man bequem darunter durchgehen kann.

Peter Kohlgraf geht aber einen Schritt weiter als Bischof Oster. Er greift das Sündenverständnis der „strengen katholischen Lehre“ und ihre „traditionelle Moraltheologie“, die „nicht der Wirklichkeit entspricht“ an. Die Kirche müsse an ihrem „Sündenverständnis“ arbeiten, das heißt wohl, es der Wirklichkeit des Mainstreams anzupassen.

Der Apostel Paulus schreibt zu einer solchen bischöflichen Haltung seinem Schüler Timotheus die bekannten Sätze: „Ich beschwöre dich vor Gott und vor Christus Jesus… verkünde das Wort, tritt auf, sei es gelegen oder ungelegen… es wird eine Zeit kommen, da man die gesunde Lehre nicht ertragen kann und sich seine Lehrer nach eigener Willkür zusammenlesen wird…“.

Wenn Bischöfe die Lehre der Kirche nicht mehr kennen oder sich nicht mehr in der Öffentlichkeit damit identifizieren, ist die Herde allein gelassen und eine Erneuerung im Glauben nicht mehr zu erwarten. Das ist mehr als eine Kapitulation vor der „Wirklichkeit“. Es ist die Zerstörung aus dem Inneren.

Wohin sollen sich aber die Gläubigen dann noch wenden? Nach Rom? So hatten wir bisher gemeint. Ob von dort Hilfe zu erwarten ist, das ist nicht sicher.

Papst Franziskus sagt in einer Rede über den synodalen Zustand der Kirche (La condición sinodal de la Iglesia) u.a.:

„Die römischen Dikasterien stehen im Dienst des Papstes und der Bischöfe: Sie haben die Teilkirchen und Bischofskonferenzen zu unterstützen. Sie sind Hilfsinstanzen. Aber in einigen Fällen, wenn sie nicht gut verstanden werden, laufen sie Gefahr, sich in Organe der Zensur zu verwandeln. Es bedrückt, die Denunzierungen („denuncias“) wegen Fehlens von Rechtgläubigkeit zu sehen, die nach Rom kommen. Ich denke, dass es die lokalen Bischofskonferenzen sind, die diese Fälle studieren sollen“. (L’OSSERVATORE ROMANO, spanische Ausgabe, Nr. 30, 28. Juli 2017, S. 9)

Will der Bischof von Rom, „dessen fundamentale Aufgabe es ist, die Einheit der Kirche zu garantieren“ (Papst Franziskus), diese Aufgabe auch wahrnehmen?

Zur ERGÄNZUNG dazu unser Artikel: Kirchliche Verlobung statt „Segensfeier“: https://charismatismus.wordpress.com/2017/03/17/bischof-oster-statt-segensfeier-fuer-verliebte-eine-kirchliche-verlobung-vorschlagen/


Das „Forum Deutscher Katholiken“ zur Erklärung der Bischofskonferenz über AL

Stellungnahme vom „Forum Deutscher Katholiken“ zum Wort der Deutschen Bischofskonferenz „Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird, ist auch die Freude der Kirche“:

Evangelische Kirche in Augsburg Die Deutschen Bischöfe haben am 23. Januar in einem Wort zu “Amoris Laetitia“ die individuelle Gewissensentscheidung als Zulassungskriterium für den Kommunionempfang geschiedener Wiederverheirateter dargestellt.

Das erinnert an die „Königsteiner Erklärung“ zur Empfängnisregelung nach dem päpstlichen Schreiben „Humanae vitae“. Der klare Hinweis, dass sich das Gewissen an der Lehre der Kirche ausrichten muss, würde viele Unsicherheiten beseitigen.

Der Verzicht geschiedener Wiederverheirateter, die ehelich zusammenleben, auf den Empfang der Sakramente kann zweifellos schmerzlich sein. In der Situation der katholischen Kirche in Deutschland ist es schwierig, einen solchen Verzicht zu vermitteln, weil das Kreuz und der Satz Jesu: „Wer mir nachfolgen will, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Mt.16,24) aus der Katechese ausgeklammert wird.

Wenn dieser Kernsatz der Botschaft Jesu in Predigt und Katechese nicht wieder seinen gebührenden Platz bekommt, ist nur mehr ein Wohlfühlchristentum zu vermitteln.