Aufreger in Österreich über Ex-Kanzler Kurz, Prediger Fitzgerald und den Awakening-Event

Von Felizitas Küble

Der österreichischen Ex-Kanzler Sebastian Kurz trat kürzlich auf der pfingstlerischen Awakening-Europe-Konferenz in der Wiener Stadthalle auf und sprach dort ein Grußwort, was dann in der Alpenrepublik für reichlichen Pressewirbel sorgte.  

Auf der charismatischen Mega-Veranstaltung mit 10.000 Teilnehmern hatte vor ihm bereits Kardinal Christoph Schönborn gepredigt und Segensworte gesprochen. Der Wiener Oberhirte steht den umstrittenen Medjugorje-Erscheinungen ebenso nahe wie den Pfingstbewegten.

Dasselbe gilt für die Nachrichtenseite „Kath.net“, die derartige Phänomene gerne mit großer Begeisterung präsentiert.

Nun hat deren Leiter Roland Noe zweifellos recht, wenn er feststellt, daß der linke Presse-Shitstorm gegen den ÖVP-Politiker Kurz nicht nur überzogen, sondern abwegig ist.

Dem Ex-Kanzler wurde vorgehalten, er betreibe Wahlkampf auf einem frommen Podium und „vereinnahme“ dabei Gebet und Christentum. Aber mit derselben Logik könnte man auch die zahlreichen Auftritte von Politikern auf Kirchen- und Katholikentagen beanstanden.

Doch bekanntlich gilt in rotgrünen Medien die Devise: Wenn zwei dasselbe tun, ist es noch lange nicht dasselbe.

Soweit alles klar. Nun das große ABER, denn „Kath.net“ beschränkt sich nicht darauf, Ex-Kanzler Kurz gegen unfaire Angriffe in Schutz zu nehmen.

Vielmehr nutzt man gerne die Gelegenheit, um den extrem-charismatischen Starprediger Ben Fitzgerald anzuhimmeln, nachdem dieser für Kurz gebetet und ihn  –  übrigens ungefragt  –  „gesegnet“ hatte (Kurz war darüber sichtlich perplex!).

Noe schreibt dazu überschwänglich: „Ein Gebet von Ben Fitzgerald, der so eine radikale Bekehrung zu Christus erlebt hat und als Vollzeitmitarbeiter das Evangelium auf der ganzen Welt verkündet, ist ein besonderes Gevor_600x600schenk.“

Nun ist dieser evangelische Pfingstler aus Melbourne einer der Mitbegründer von „Awakening Europe“, was übersetzt „Europa wacht auf“ bedeutet. Fitzgerald gehört zur euphorischen Bethel-Gemeinde und damit zu jenen Erweckungspredigern, die eine künftige „Rettung“ unseres Kontinents nicht nur erhoffen, sondern prophetisch als sichere Zukuftsmusik anpreisen.

Natürlich zählt auch der katholische Charismatiker Dr. Johannes Hartl vom ökumenischen Gebetshaus Augsburg zu den Unterstützern dieser Bewegung, wobei Fitzgerald als bereits Starprediger bei der MEHR-Konferenz von Dr. Hartl auftrat: https://charismatismus.wordpress.com/2017/01/10/erweckungsprediger-ben-fitzgerald-sprach-auf-der-charismatischen-mehr-konferenz/

Vom Drogen-Trip zum Enthusiasmus

Ins Leben gerufen wurden die Awakening-Kongresse von zwei Pfingstlern, die vor ihrer „Geist-Bekehrung“ rauschgiftsüchtig waren (durchaus kein Zufall, sondern ein häufig anzutreffendes Phänomen).

Inwieweit solche Personen vom Drogen-Trip zum „Heilig-Geist-Trip“ wechseln, also von einer Form der Euphorie zu einer anderen, sei dahingestellt. Fitzgerald war vor seiner „Bekehrung“ im Jahre 2002 als Drogendealer „tätig“.

Der zweite Awakening-Gründer ist Todd White. Beide Herren berufen sich auf besondere himmlische Eingebungen und Visionen, wonach in Europa eine neue Art Heilsgeschichte anbrechen wird, eine großartige „Erweckung“ – also genau das, was Charismatikerkreise von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer wieder neu „prophezeien“, ohne sich dabei von der wirklichen Situation (nämlich einem zunehmenden Glaubensabfall) im geringsten beeindrucken zu lassen.

Die ausgezeichnet informative „Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen“ (EZW) äußerte sich kritisch über die vermessenen Heilungsansagen von Todd White: https://charismatismus.wordpress.com/2016/11/05/evangelischer-sektenbeauftragter-warnt-vor-charismatischen-holy-spirit-nights/

Auf seiner Facebook-Seite wirbt Fitzgerald für die „Evangelisationsschule“ des extrem-charismatischen Starpredigers Reinhard Bonnke, der sich selber wegen seiner Missionserfolge vor allem in Afrika gerne als „Mähdrescher Gottes“ bezeichnet.

Die EZW schreibt in ihrem Artikel zudem über Fitzgerald, er verbreite die typisch schwarmgeistige Erweckungslehre, wonach es noch vor der Wiederkunft Christi weltweit zu einer „Rettungswelle“ komme, die Christenheit einen herrlichen Aufschwung nehme und auch Fernstehende in großer Zahl zum Glauben finden.

Während gemäßigte Pfingstprediger für solch eine „Erweckung“ beten und Vorarbeit durch „Zeichen und Wunder“ leisten wollen, glauben ultra-charismatische Kreise, dieser wunderbare Zustand sei bereits eingetreten und nehme nun volle Fahrt auf.

Laut EZW-Bericht erklärte Fitzgerald, „Erweckung sei nicht allein das, wofür gebetet und worauf gewartet werde, vielmehr habe sie bereits begonnen.“ Es werde eine „Welle der Errettung über ganz Europa“ kommen, „die nicht mehr verebbt“.

Auch bei den Herren Fitzgerald und White geht es  – wie fast immer bei den Pfingstbewegten – zudem um das „Wohlstands-Evangelium“, wobei den Anhängern nicht selten mit aufdringlichen Appellen gleichsam der letzte Groschen aus der Tasche herausgelockt wird.

Auch bei dieser Konferenz in Wien gab es einen „Business Day“ mit den passenden Stichworten: „Geschäfte, Unternehmungen, Reichtum für Jesus“.

Dabei wird in diesen Kreisen ein luxuriöses Wohlleben als „Segen“ von oben dargestellt und Reichtum als eine Art Lohn des Himmels für die Geistbewegten auf Erden.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Grüne Doppelmoral: KGE und die toten Vögel

Von Felizitas Küble

Typisch für die Grünen  – in dieser Partei gehört die Doppelmoral anscheinend zur DNA: Um jeden Schmetterling kämpfen, aber die Kinder im Mutterleib dem millionenfachen Tod aussetzen. Immerhin fordert die Öko-Partei seit jeher die völlige Abschaffung des §218 und damit eine uneingeschränkte Abtreibungsfreiheit bis zum 9. Monat.

Was also die Jusos – der Jugendverband der SPD  –  unlängst verlangte, steht bei den Grünen seit vierzig Jahren fest im Programm.

Beim Tierschutz freilich wollen sich die Bündnis-Grünen von keinem übertreffen lassen.

So erklärte die grüne Politikerin und evangelische Kirchentagsrednerin Karin Göring-Eckardt z.B. folgendes:„Wir wollen, dass in den nächsten vier Jahren jede Biene und jeder Schmetterling und jeder Vogel in diesem Land weiß: Wir werden uns weiter für sie einsetzen!“ (Quelle: https://twitter.com/Die_Gruenen/status/934445761181487104)

Als diese vollmundige Ansage im Grünen-Portal auf Twitter veröffentlicht wurde, tweetete unser Autor Michael Leh: „Den Grünen sollten die Vögel am wenigsten vertrauen“ und verwies auf einen informativen Artikel über die hohen Tierverluste durch Windkrafträder.

Ein anderer Leser schrieb ironisch: „Der Vogel vertraute den Grünen und Goering-Eckhardt, flog fröhlich beschwingt weiter und wurde vom nächsten Windkraftrad zerschmettert.“

Die katholische Nachrichtenseite Kath.net meldete sich ebenfalls zu Wort: „Was für eine unglaubliche Heuchelei der Grünen! Für Schmetterlinge und Bienen einsetzen, dafür dürfen weiter hunderttausende ungeborene Kinder in Deutschland umgebracht werden.“🐝

Ein weiterer User teilte mit: „Ich darf Ihnen im Namen unserer Bienen ausrichten: NEIN DANKE!“

Zudem heißt es in einem Tweet, die Vögel, die Natur, der Wald und die Menschen seien den Grünen ….egal, wenn sie ihr „Zerstörungswerk, genannt Energiewende durchziehen und dafür das Naturgschutzgesetz aufweichen“.

Ein weiterer Leser schrieb: 
„Und vor allem: jeder Spatz in den Hirnen der Grünen soll wissen, dass er auch seine ganze Familie nachholen darf… nein muss…!“


Was sagen uns Nahtod-Erfahrungen und Visionen über die Realität der Hölle?

Von Felizitas Küble

In gläubigen christlichen Kreisen wird immer wieder der gewiß wohlmeinende Versuch gestartet, die Glaubenslehre von der Existenz der Hölle dadurch zu „beweisen“ oder zumindest nahezulegen, indem auf negative Nahtod-Erlebnisse oder entsprechende Visionen/Erscheinungen verwiesen wird. 

Was ist davon zu halten?

Insgesamt eher wenig. Zum einen sind solche Erfahrungen kein „Beweis“ im eigentlichen Sinne. Nahtod-Erlebnisse sind keine objektiven Jenseits-Trips, da der Mensch noch nicht tot ist, also auch nicht aus einer wirklichen „Ewigkeit“ ins irdische Leben zurückkehrt.

Zweifellos handelt es sich dabei vielfach um Bewußtseinserweiterungen und -überschreitungen  – und insofern um einen Anhaltspunkt dafür, daß der Mensch „unheilbar religiös“ ist. Aber ein Hin-weis ist kein Be-weis.

Daß derartige Erzählungen persönlich-subjektiv ehrlich gemeint sind, kann durchaus angenommen werden, tut aber nichts zur Sache hinsichtlich der objektiven Beweiskraft.

Der springende Punkt ist ohnehin, daß wir auf Erden „im Glauben wandeln, nicht im Schauen“, wie Paulus klarstellt.

Ein Glaube, der krampfhaft nach Erlebnissen und außergewöhnlichen „Beweisen“ sucht, steht auf wackeligen Beinen. Echte Überzeugung ruht in sich selber, gegründet auf der Selbstoffenbarung Gottes in Christus.

Sodann muß man nüchtern sehen, daß diese „Höllen-Visionen“  – ob sie nun auf Nahtoderlebnisse oder auf „Erscheinungen“ zurückgehen – auch inhaltlich/theologisch betrachtet oft seltsam bis irreführend wirken.

Am 26. März 2019 veröffentlichte das erscheinungsbewegte Portal Kath.net eine Story unter dem Titel: „Ich war tot und landete in der Hölle“: http://www.kath.net/news/67423

Darin ist die Rede von dem Nahtod-Schrecken, den Matthew Botsford erlebte: Der US-Amerikaner wurde von einer Kugel getroffen und lag anschließend 27 Tage im künstlichen Koma. Auf dem Weg ins Krankenhaus sei er dreimal wiederbelebt worden.

Er beschreibt, er sei in der „Ewigkeit“ gewesen: „Ich befand mich sofort in einer Art riesigen Höhle, hing mit ausgestreckten Armen wie bei einer Kreuzigung an die Felswand gekettet, unter mir der endlose Abgrund.“

Er spricht von Geruch nach verrottendem Fleisch und davon, daß in der Dunkelheit Augenpaare auftauchen und Krallen, die ihm die Haut vom Körper rissen. In dieses „Höllenverlies“ habe sich aber eine starke Hand ihren Weg geahnt und ihn gerettet. Er sei wieder ins Leben zurückgerufen worden, wozu das Gebet seiner Frau beigetragen habe.

Kath.net hat diese Story – wie zu erwarten war –  völlig unkritisch veröffentlicht.

Doch dazu stellen sich folgende Fragen:

  1. Mister Botsford befand sich nicht in der „Ewigkeit“, wenngleich ihm das subjektiv sicherlich so vorkam und er sich entsprechend „fühlte“ etc. Er wurde aber wiederbelebt, also war er vorher noch nicht wirklich verstorben, sondern befand sich in Todesnähe.
  2. Wäre er im tatsächlichen Jenseits der Hölle gewesen, hätte ihn dort keine „rettende Hand“ herausgeholt, denn eine Befreiung gibt es nur im Zustand der Läuterung, also des „Fegefeuers“.
  3. Für das Fegefeuer ist seine Schilderung jedoch viel zu gräßlich, zudem spricht er selber vom „Höllenverlies“.
  4. Die entscheidende Problematik der Hölle ist die endgültige und ewige Gottesferne  – und nicht sinnliche Strafen und Schreckensdarstellungen wie aus einem Horrorfilm.

Das gilt ähnlich auch für Höllen-Erlebnisse im Zusammenhang mit Marienerscheinungen und Visionen, wie sie von Sr. Faustine über den Vortragsreisenden Helmud Lungenschmid bis hin zu Medjugorje gang und gäbe sind. Auch die vermeintlichen Jenseits-Erfahrungen von Frau Gloria Polo machen im „frommen Lager“ seit Jahren die Runde: Näheres HIER.

Das Wohlfühl-Christentum führt in die Irre

Damit wir nicht falsch verstanden werden:

Die heute weit verbreitete Wohlstandstheologie, das Wohlfühlchristentum und eine einseitige Frohbotschafterei sind ein gefährlicher Irrweg, der die Menschen leichtfertig einlullt und ihnen die nötige Wachsamkeit ausredet.

Das gilt erst recht für die Esoterik, bei der ohnehin alles nach Friede-Freude-Eierkuchen klingt, Harmonie pur – und das „Göttliche“ ist im Menschen von Natur aus selber verankert etc.

Doch die Heilige Schrift und Christi Lehre verkündet einerseits die Frohbotschaft der Erlösung, aber auch den Ernst von Sünde und Gericht, Tod und Teufel, Hölle und ewiger Verlorenheit.

Dennoch überwiegt insgesamt die Glaubensfreude und Zuversicht auf das Heil: „Fürchtet euch nicht“ heißt es nicht ohne Grund so häufig in der Bibel.

Die Alternative zum irreführenden Allerlösungs-Humanitäts-Christentum ist keineswegs das andere Extrem, nämlich Drohbotschaften durch „Seher“ mit einer ständigen düsteren Theologie.

Gerechtfertigt wird diese Panikmache manchmal damit, die Menschen müßten doch gewarnt werden, um der Hölle zu entgehen:  Ganz gewiß –  aber nur mit seriösen Methoden!

Christus sagte im Gleichnis vom ungerechten Prasser: „Sie haben Moses und die Propheten“  – das muß reichen, also Gesetz (Gebote) und Gottes Botschaft (Lehre).

Warum sollte das nicht auch heute gelten?

Zur Höllenvision der Seherkinder von Fatima

Nun könnte der Einwand auftreten, zumal nach dem jüngsten Kinofilm über Fatima, in dem auch die Höllen-Vision der drei Seherkinder vorkommt: 

Aber die drei Kinder von Fatima haben doch auch die Hölle erlebt!

Sehen wir uns also an, was die Seher damals – laut dem Bericht von Lucia (siehe Foto)  –  nach einer Marienerscheinung am 13. Juli 1917 geschaut haben:

„Als die Muttergottes die letzten Worte aussprach, öffnete sie die Hände. Das Strahlenbündel, das von dort ausging, schien in die Erde einzudringen, und wir sahen etwas wie ein grosses Feuermeer, und in ihm versunken schwarze, verbrannte Wesen, Teufel und Seelen in Menschengestalt, die fast wie durchsichtige, glühende Kohlen aussahen.

Sie wurden innerhalb der Flammen in die Höhe geschleudert und fielen von allen Seiten herab wie Funken bei einer grossen Feuersbrunst, gewichtlos und doch nicht schwebend; dabei stiessen sie so entsetzliche Klagelaute, Schmerzens– und Verzweiflungsschreie aus, dass wir vor Grauen und Schrecken zitterten. Die Teufel hatten die schreckliche und widerliche Gestalt unbekannter Tiere, waren jedoch durchsichtig wie glühende Kohle.“   (Quelle: https://fatima.ch/2018/07/13-juli-hollenvision-in-fatima/1314)

Während diese Schweizer Fatima-Seite die Höllen-Vision vom 13. Juli 1917 ausführlich zitiert, hält sich das Fatima-Weltapostolat in Deutschland deutlich zurück und reduziert den „Vorgang“ auf etwa ein Drittel – der Original-Wortlaut wird zudem nur indirekt zitiert: https://www.fatima-weltapostolat.de/fatima-botschaften.html

Zum Sachverhalt ergeben sich folgende Fragen und Einwände: 

1. Ausgerechnet das „Strahlenbündel“ Mariens soll in die Hölle geführt bzw. diese gezeigt haben? Was hat die Gottesmutter mit der ewigen Gottesferne zu tun?  – Und dabei schienen ihre Strahlen „in die Erde einzudringen“ – als ob die Hölle sich im Erd-Inneren befinden würde. Dabei gehört die Hölle – die zudem eher ein Zustand als ein „Ort“ ist – eindeutig in die Dimension der Ewigkeit, also gerade nicht in unsere begrenzte raumzeitliche Welt. Mit anderen Worten: Die Hölle ist nicht den irdischen Naturgesetzen unterworfen.

2. Die Schauer-Darstellungen von Sr. Lucia sind völlig „sinnlich“ geprägt, komplett am vermeintlich äußeren Geschehen und Anschein orientiert – kein Wort davon, daß die Hölle im Zustand der GOTTESFERNE besteht, stattdessen fantasieanregende Panik-Schilderungen mit überflüssigen bis irreführenden Einzelheiten. Unklar ist auch, warum die Dämonen die „widerliche Gestalt unbekannter Tiere“ aufweisen sollen. Auch die gefallenen Engel – also die Teufel – sind nun einmal keine Tiere, sondern Geistwesen!

Einmal abgesehen davon, daß eine solche Panik-Attacke wohl nichts für kleine Kinder ist, was nicht nur psychologisch zu verstehen ist, sondern auch theologisch: Denn Kinder sollen früh genug lernen, in erster Linie aus Liebe zu Gott und den Menschen (und nicht aus einer sinnenhaften Schreckens-Angst vor der Hölle) gläubig und gerecht zu leben.

In formaler Hinsicht sei darauf hingewiesen, daß es sich bei dieser Höllen-Vision nicht um die „Botschaften“ von Fatima handelt (die 1930 bischöflich genehmigt wurden), sondern konkret um das „erste Geheimnis“, das Sr. Lucia aber erst über zwanzig Jahre nach jener Erscheinung erstmals niederschrieb bzw. ihrem Oberhirten brieflich mitteilte.

Da die Approbation (Billigung der Fatima-Botschaften) aber vorher erfolgte, ist die Höllenvision  – genau genommen – gar kein Bestandteil des „anerkannten“ Bereichs, denn die Kirche kann nur etwas erlauben, was ihr bekannt ist – nicht aber  vorwegnehmend etwas billigen, was sie erst hinterher erfährt.

Aber selbst wenn es anders wäre, wenn Lucia dieses „1. Geheimnis“ (Höllenvision) zeitnah  – nämlich Anfang der 20er Jahre  – der kirchlichen Untersuchungskommission mitgeteilt hätte, würde dies keinen Katholiken zum Glauben verpflichten, da auch die kirchlich genehmigten Privatoffenbarungen nicht verbindlich sind.

Eine Approbation „gestattet“ es den Gläubigen lediglich, den Botschaften und Geschehnissen ihre Zustimmung zu schenken – sie können auf diese Zustimmung aber ebenso gut verzichten.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt; ihre Mailanschrift: felizitas.kueble@web.de


Erscheint die „Madonna von Zaro“ seit 1994 auf der Insel Ischia bei Neapel?

Von Felizitas Küble

Es sind bereits 25 Jahre vergangen, seitdem die himmlische Mutter angeblich drei vorpubertären Kindern – alle unter zehn Jahre alt  – im Wald von Zaro erschienen sein soll. Diese Stätte befindet sich auf der Insel Zaro im Golf von Neapel.

Die Ereignisse von Medjugorje in der Herzegowina sind noch älter – dort soll sich die Madonna bereits am 24. Juni 1981 einer Gruppe von Jungen und Mädchen gezeigt haben.

In beiden Fällen dauern die Erscheinungen bis heute an, wobei sich „Maria“ stets an einen vorgegebenen Zeitplan hält:

Auf der Insel Ischia kommt sie pünktlich am 8. und 26. Tag eines jeden Monats, wobei der einstige Seherknabe Ciro Vespoli (er ist inzwischen Priester) keine Offenbarungen mehr erhält, jedoch die Visionärinnen Simona und Angela nach wie vor ihre Botschaften empfangen.

Die Verlautbarungen von „oben“ sind denen in Medjugorje im Sprachduktus und dem oft sentimentalem Inhalt zum Verwechseln ähnlich, lediglich das Prinzip „Zuckerbrot und Peitsche“ wird im Wald von Zaro gründlicher eingehalten, das heißt:

Dort gibt es mehr Katastrophen-Ankündigungen (Erdbeben, Vulkanausbrüche, Kriege, Massenterror), weshalb die Botschaften insgesamt etwas aufregender wirken als die flachen Allerweltssprüche aus der Herzegowina.

Auch das Erscheinungsbild der „Madonnen“ zeigt in beiden Fällen verwandschaftliche Merkmale: sie trägt einen Schleier, ein weißes oder graues Gewand, einen blauen Mantel und hat nackte  Füße, die Hände breitet sie fast wie ein Priester am Altar aus (Orante-Haltung). Im Falle der Ischia-Erscheinungen gibt es noch ein dornenumranktes Herz auf der Brust und einen goldenen Gürtel um die Hüften.

Nachdem die Zahl der Pilger und neugierigen Touristen ständig angewachsen ist, haben sich auch Medien für die dortigen Vorgänge interessiert. Die angesehene Schweizer „Weltwoche“ schrieb am 5. Juli 2017 sogar einen ausführlichen Bericht unter dem Titel „Wenn Maria spricht“: https://madonna-von-zaro.org/resources/weltwoche_zaro.pdf

BILD: Medjugorje-Madonna mit Schleier, grauem Gewand und blauem Mantel – ähnlich wie in Zaro

Aber auch der zuständige Bischof konnte die Ereignisse auf Dauer nicht ignorieren, so daß er eine Untersuchungskommission einschaltete, die aus mehreren Theologen, Kirchenrechtlern und einem Psychiater besteht. Ein abschließendes Urteil läßt noch auf sich warten, was aber für kirchliche Verhältnisse nicht ungewöhnlich ist. 

Eine Anerkennung der „Offenbarungen“ ist freilich äußerst unwahrscheinlich. Immerhin wurden in Italien seit 1930 über 100 Erscheinungsstätten gemeldet, von denen die Kirche keine einzige approbiert (genehmigt, gebilligt) hat.

Zudem hat der Ortsbischof bereits in kritischer Weise eingegriffen, als er vor einigen Jahren anordnete, daß die vermeintlichen Botschaften Mariens den Pilgern nicht mehr direkt nach ihrer „Erscheinung“ verkündet werden dürfen. Vielmehr müssen sie ihm zuerst vorgelegt werden – und dürfen allenfalls beim nächsten Stelldichein der „Madonna“ vorgelesen werden.

Laut Bericht der „Weltwoche“ sind die zuständigen kirchlichen Stellen vor allem von den Panik-Kundgaben wenig angetan.

Natürlich hat sich die erscheinungsbewegte Internetseite „Kath.net“ sehr wohlwollend über die Vorgänge im Wald von Zaro geäußert: www.kath.net/news/60204

Am 8. Juli 2017 verwies „Kath.net“ abschließend auf das Zeugnis von Pater Gabriele Amorth, dem verstorbenen Exorzisten aus Rom. Dieser habe sich kurz vor seinem Tod positiv über die Geschehnisse auf der Insel Ischia geäußert.

Dies erstaunt allerdings wenig, immerhin war der Geistliche nicht nur ein entschiedener Anhänger von Medjugorje, sondern verlangte sogar von den Gläubigen die Zustimmung zu den dortigen Phänomenen, was ganz dem kirchlichen Standpunkt zu Privatoffenbarungen zuwiderläuft.

Dies haben wir im CHRISTLICHEN FORUM bereits im Jahre 2011 – zu seinen Lebzeiten also – kritisiert: https://charismatismus.wordpress.com/2011/11/02/ex-exorzist-verlangt-den-glauben-an-medjugorje/

Wenn die Erscheinungs-„Madonna“ nicht gerade mit Katastrophenmeldungen und Warnungen vor göttlichen „Strafgerichten“ zugange ist, beschränkt sie sich in ihren Mitteilungen auf fromme Banalitäten ähnlich wie in Medjugorje.

So heißt es u.a. in ihrer nagelneuen „Botschaft“ vom 26. Februar 2019 an die Seherin Simona laut der deutschsprachigen Zaro-Werbe-Seite:

„Liebe Kinder, seht, ich komme zu euch, um euch Frieden, Liebe, Gelassenheit  und Gerechtigkeit zu bringen.

Meine geliebten Kinder, ich komme nochmals, um euch um Gebet zu bitten, Gebet für diese Welt, die sich immer mehr im Verfall befindet, immer mehr vereinnahmt vom Bösen, immer mehr erfüllt vom eigenen „Ich“ und immer weiter von Gott entfernt.

Nur in Gott ist Liebe, nur in Ihm ist Frieden, nur in Ihm ist die wahre Freude!

Ich liebe euch, meine Kinder, ich liebe euch. Jetzt gebe ich euch meinen heiligen Segen. Danke, dass ihr zu mir geeilt seid.“

Die Ähnlichkeit mit dem süßlichen Medjugorje-Gesäusele ist unverkennbar – bis hin zum Abschlußsatz: „Danke, dass ihr zu mir geeilt seid.“ – In Medju endet fast jede Botschaft mit der Floskel: „Danke, dass ihr meinen Ruf gefolgt seid.“


Die St.-Johannes-Gemeinschaft ist mit Sexaffären ihres Gründervaters belastet

Von Felizitas Küble

Anfang der 70er Jahre entstanden in Frankreich einige katholisch-charismatische Bewegungen und ordensähnliche Kongregationen, darunter die „Gemeinschaft der Seligspreisungen“, die Gemeinschaft Emmanuel und die Gemeinschaft vom Hl. Johannes (nicht zu verwechseln mit der „Johannesgemeinschaft“, einem Priesternetzwerk, das Kardinal Urs von Balthasar gründete).

Alle drei Vereinigungen haben Ableger in deutschsprachigen Ländern.  

Zwei von ihnen hängen in ihrer Gründungsphase eng zusammen mit der französischen „Stigmatisierten“ und Visionärin Marthe Robin, nämlich die „Gemeinschaft der Seligpreisungen“ und die St.-Johannes-Gemeinschaft bzw. die „Brüder vom Hl. Johannes“. 

Genau in diesen beiden Kongregationen sind sowohl der jeweilige Gründervater wie auch führende Ordensbrüder in Sex- und Missbrauchs-Skandale verstrickt, die von diesen Gemeinschaften auch mehr oder weniger reumütig eingeräumt werden.

Merkwürdige Rolle der „Seherin“ Marthe Robin

Man fragt sich, warum die angeblich so hochbegnadete „Seherin“ Marthe Robin, die doch vieles für die Zukunft „prophezeite“, beidesmal die jeweiligen Gründer gleichsam im Namen Gottes (da von ihrem visionären Jesus befohlen…) dazu aufforderte, eigene Gemeinschaften zu gründen.  

Über einige ihrer endzeitschwärmerischen „Botschaften“ haben wir vor sieben Jahren berichtet: https://charismatismus.wordpress.com/2012/08/22/initiative-kinder-von-medjugorje-kundigt-phanomenale-geistausgiesung-fur-frankreich-an/

Derzeit ist die St.-Johannes-Gemeinschaft durch eine Film-Dokumentation in ARTE (Thema: missbrauchte Nonnen) wieder ins Gerede gekommen. Sogar die erscheinungsbewegte, charismatische Seite „Kath.net“ hat sich dazu entschlossen, jetzt zweimal über die Sexaffären des Gründerpaters Marie-Dominique Philippe (siehe Foto) zu berichten: http://www.kath.net/news/67185

Pater Philippe gehörte bis zu seinem Tod im Jahr 2006 dem Dominikanerorden an und war ein gelehrter Philosoph und Universitäts-Professor. Er gründete zugleich  – mit Erlaubnis seiner Oberen – besagte Kongregation „vom heiligen Johannes“, einen männlichen und zwei weibliche Zweige. Die Ordensbrüder sind mehrheitlich Priester. 

BILD: Französische Biographie über Marthe Robin

Papst Benedikt ermahnte die Kongregation allerdings bereits 2006 zu größerer Sorgfalt bei der Aufnahme neuer Mitglieder. Zehn Jahre später kritisierte der Vatikan die „verdächtige Nachsichtigkeit“ dieser Gemeinschaft bei sexuellen Übergriffen. Unlängst äußerte sich auch Papst Franziskus sehr kritisch über sie. (Näheres hier: https://bazonline.ch/ausland/europa/papst-wirft-ordensgemeinschaft-versklavung-von-frauen-vor/story/26852175)

Zu Lebzeiten des Gründervaters  – als von seinen missbräuchlichen Verhältnissen u. a. mit gottgeweihten Frauen noch nichts bekannt war  – wurde der Geistliche viel verehrt, Anhänger verlangten nach seinem Tod sogar die Seligsprechung.

„Kath.net“ führte ein Exklusiv-Interview mit ihm: http://www.kath.net/news/792

Darin betonte der Generalobere seine „marianische“ Frömmigkeit, was freilich zu seinem unsittlichen Lebenswandel nicht passen will.

Er kommt auch darauf zu sprechen, wie Marthe Robin (1901 – 1981) ihn zur Gründung seines Werks inspirierte, nachdem junge Männer ihn um geistliche Begleitung baten:

„Als diese Studenten mich gebeten haben, mich um sie zum kümmern, habe ich mit Marthe Robin, die ich sehr gut kannte, gesprochen und sie hat zu mir gesagt: „Sie müssen diesen Auftrag annehmen!“ Und ich habe zu Marthe gesagt: „Sagen Sie das, weil Sie mich gerne haben, oder sagen Sie das von Gott?“ Und nachdem sie gebetet hat, sagte sie, dass Jesus das von mir verlange. Und so ist die Gemeinschaft entstanden.“

Auf die Kath.net-Frage „Können Sie etwas über Marthe Robin erzählen?“ antwortete der Pater: „Marthe war wirklich eine große Charismatikerin.“ – Sie habe jahrzehntelang „das Leiden Jesu erlebt“. Wenn sie sich in Ekstase befunden „und ganz von Jesus ergriffen“ war, sei sie „nicht ansprechbar“ gewesen. 

Sektiererische Tendenzen und geistlicher Missbrauch

Am 26. Mai 2014 veröffentlichte AVREF  – ein französischer „Verein für religiöses Leben und Familie“ aus Chaville – eine Pressemitteilung, worin bereits ausführlich über geistliche und sexuelle Übergriffe, Manipulation, schlimmste gesundheitliche Verwahrlosung und sektenhafte Strukturen in der St. Johannes-Gemeinschaft berichtet wurde: http://www.prevensectes.com/gris1.htm

Typisch für irrgeistige Tendenzen ist z.B. das vorschnelle Herbeireden angeblicher Besessenheit etwa bei Krankheiten, Lebenskonflikten oder sonstigen psychisch-sozialen Belastungen, um dann schleunigst durch ein charismatisches „Befreiungsgebet“ (einen Quasi-Exorzismus) „geheilt“ zu werden. Natürlich wird damit in Wirklichkeit das Gegenteil bewirkt: die Situation wird psychisch und spirituell für die Betroffenen solcher Panikmache noch verschlimmert.

Zum sexuellen Missbrauch gesellt sich der seelsorgliche, denn wie sollen leitende Personen, die ein Doppelleben führen, von dem die eigene Gemeinschaft nichts weiß, in angemessener Weise eine „geistliche Leitung“ und Begleitung ihrer Untergebenen ermöglichen? Diese fühlen sich zudem ihrem Oberen sowohl zum äußeren wie zum religiösen Gehorsam verpflichtet.

Genau dies ist der eigentlich unverständliche Punkt:

Wenn Gründer und Leiterfiguren schon in sittenloser Weise leben, warum geben sie dann nicht wenigstens die Führung ab – und sei es pro forma altersbedingt, aus gesundheitl. Gründen oder einfach, um einem jüngeren Nachfolger Platz zu machen.  –  Diese Oberen müßten deshalb noch nicht einmal ihr Sündenleben „outen“, sich aber wenigstens aus der 1. Reihe entfernen.

Das geschah weder hier noch bei den „Legionären Christi“ und auch nicht bei der „Gemeinschaft der Seligspreisungen“.

Diese Beispiele, die nicht vollständig sind, zeigen auf, daß in etlichen sog. „neuen geistlichen Gemeinschaften“ intensiv der Wurm drin ist – nicht „nur“ sexuell, sondern grundsätzlich spirituell.

Quelle des 1. Fotos: https://johannesgemeinschaft.at/gruender-der-johannesgemeinschaft/


Causa Doris Wagner: Zwischen Verharmlosung und reformkatholischer Agenda

Von Felizitas Küble

Doris Wagner gehörte einst der ordensähnlichen Gemeinschaft „Das Werk“ an, fühlte sich dort sexuell und geistlich manipuliert, trat nach vielen Jahren aus dem Kloster in Thalbach (Bregenz) aus und schrieb zwei Bücher über ihre Erfahrungen, das erste ein Erlebnisbericht, das zweite –  kürzlich erschienen – eher ein Sachbuch unter dem Titel „Spiritueller Missbrauch“.

Nun signalisiert schon das Vorwort durch den progressiven Jesuitenpater Klaus Mertes, daß die Autorin einen reformkatholischen Kurs verfolgt und auch ihre persönliche „Story“ mit dazu verwendet, um ihre kirchenpolitischen Vorstellungen und einige merkwürdige „spirituelle“ Ansichten zu untermauern.

Das ist freilich nicht weiter erstaunlich, wobei die Verfasserin bei ihren grundsätzlich berechtigten Ansagen gegen „geistlichen Missbrauch“ bisweilen übers Ziel hinausschießt, etwa wenn sie es im Falle einer geistlichen Begleitung sogar ablehnt, daß z.B. der Priester eine/n Ratsuchende/n auf die Lehre der Kirche hinweist, selbst wenn der Betreffende andere „spirituelle Ressourcen“ bevorzugt usw…

Daß Frau Wagner bei ihrem „Blick zurück im Zorn“ mitunter das Kind mit dem Bade ausschüttet, geht zumindest aus ihrem zweiten Buch, das ich von A – Z gelesen habe, klar hervor. (Eine ausführliche Besprechung ist noch vorgesehen.)

Nun ist diese Reaktionsweise zwar wenig souverän und nicht gerade sachorientert, aber angesichts ihrer Erfahrungen teilweise verständlich.

Allerdings sollte das konservativ-katholische „Lager“ nun nicht in das andere Extrem verfallen und allein auf Doris Wagner ein kritisches Licht werfen, aber die Gemeinschaft „Das Werk“ allzu unbedacht verteidigen:

Auf dem charismatisch orientierten Webportal „Kath.net“ wurde gestern ein Artikel zur Causa Wagner veröffentlicht: http://www.kath.net/news/66809

Darin heißt es beispielweise, die Autorin sei „eine Ex-Schwester, die aus ihrem Leben einen Feldzug gegen die Kirche und gegen gottgeweihte Kongregationen gemacht hat“.

Dazu sei klargestellt, daß es keine „gottgeweihten“ Kongregationen gibt, auch nicht etwa „Das Werk“.

Gottgeweiht ist nicht die Organisation als solche, sondern das Leben, das die Mitglieder dort führen (sollen). Die Lebensform ist gottgeweiht, nicht etwa die ganze Organisation. Man sieht hier eine gewisse Neigung zur Glorifizierung und Übertreibung.

Danach wird zur Abschreckung der Leserschaft die kirchenpolitische Agenda und die persönliche Lebenssituation von Frau Wagner aufgelistet, wogegen an sich nichts einzuwenden ist.

Sodann heißt es: „Ihre Geschichte beginnt 2008, als sie als Schwester eine kurze sexuelle Beziehung mit einem Mitbruder, Pater B., hatte. Im Oktober 2011 verließ sie in freundschaftlicher Weise die Gemeinschaft.“

Dazu sei der Wahrheit halber klargestellt: Jener „Mitbruder“ gehörte zwar auch zum „Werk“, war aber nicht nur Klostermönch, sondern stand als Priester in der Hierarchie des „Werkes“ deutlich über ihr, erst recht als Hausoberer. Somit bestand ein Machtgefälle, das von „Kath.net“ aber nicht zur Sprache gebracht wird.  

Warum heißt es überhaupt, Frau Wagner „habe“ diese sexuelle Beziehung zu dem Mitbruder „gehabt“ –  und nicht umgekehrt? Der Pater war doch ein Verhältnis zu ihr eingegangen.

Wenngleich es sich nicht um eine Vergewaltigung handelte, was  juristisch feststeht, so trägt der Priester die größere moralische Verantwortung, zumal es naheliegend erscheint, daß er seine Stellung für diese Bettgeschichte ausgenutzt hat. (Es handelt sich hier – um das klarzustellen – nicht um Pater Geißler aus dem Vatikan  –  das ist wiederum eine andere Causa.)

Was sodann „Das Werk“ gegenüber dem ORF zu diesem Fall erklärte, wirkt nicht nur dürftig und befremdlich, sondern zeugt von einem mangelnden Bewußtsein für Schutzbefohlene, wozu eine junge Ordensfrau in der eigenen Gemeinschaft gehört.

In der Meldung heißt es:

„Pater Alois Felder bestätigt…, dass es damals eine sexuelle Beziehung zwischen den Ordensleuten gegeben habe, nicht aber den Vorwurf der Vergewaltigung…Das sexuelle Vergehen des Mitbruders habe die Gemeinschaft aber gut aufgenommen. Die Priestergemeinschaft sei zu ihrem Mitbruder gestanden. Er habe auch Buße getan, und eine kurze Behandlung auf sich genommen. Es sei ein Ausrutscher gewesen“.

Man fragt sich, was in diesem „Werk“ für ein Geist herrscht, wenn zu den schweren Sünden des Priesters, der eine junge Nonne verführte, solch eine verharmlosende Erklärung („Vergehen“ – „Ausrutscher“) abgegeben wird?!

Zudem hätte man gerne gewußt, warum Pater Felder von dieser sog. „geistlichen Familie“ (Das Werk) zwar mitteilt, man habe zu dem „Mitbruder“ gestanden, nicht jedoch zur „Mitschwester“. Warum werden Solidarität und Mitgefühl ausgerechnet  gegenüber dem „gefallenen“ Priester derart hervorgehoben?

Wobei durchaus klar ist, daß das Verhalten des Geistlichen rein strafrechtlich betrachtet nicht relevant ist (bei einem Psychologen wäre dies hingegen der Fall, wenn er sich mit einer Ratsuchenden einläßt, weil es sich dann juristisch um einen Schutzbefohlenen-Fall handelt.)

Im konservativen Spektrum wurde früher auch der Medjugorje-gläubige neue Orden „Legionäre Christi“ vielfach hochgepriesen (leider auch von Johannes Paul II. selber), was sich erst änderte, als Papst Benedikt sich schon zu Beginn seiner Amtszeit den Missbrauchs-Gründer vorknöpfte: https://gloria.tv/article/RUBhykbBY4oU4JRzEdHPTKMoh

 


Warum Bolsonaro kein Hoffnungsträger ist

Von Felizitas Küble

Für manche Konservative sieht die Welt ganz einfach aus, nämlich schwarz und weiß. Wenn ein Politiker gegen Abtreibung, Homo-Ehe und Genderwahn auftritt, kann er nur gut sein – seine sonstigen Ansichten und Hintergründe spielen dann offenbar keine Rolle. Mit dieser simplen „Logik“ könnte man aber auch zum Islam überlaufen….

Derzeit wird viel über den Wahlzirkus in Brasilien geschrieben. Der erfolgreiche Kandidat Bolsonaro (er bekam kürzlich beim Rennen um die Präsidentschaft 46% der Stimmen) tritt am kommenden Sonntag zur Stichwahl gegen seinen linken Kontrahenten (oder eher Konkurrenten?) Haddad an, der 29% erhielt. Die Chancen für den sogenannten „rechtspopulistischen“ Jair Messias (!) Bolsonaro stehen entsprechend gut.

Doch das Links-Rechts-Schema aus Deutschland läßt sich nicht eins zu eins auf Brasilien übertragen. Die dortige „linke“ Arbeiterpartei regierte auch schon mit ultrarechten Gruppierungen, das Parteiensystem ist völlig zersplittert und fast unüberschaubar.

Korruption ist im größten Staat Lateinamerikas an der Tagesordnung, Lynchmorde gibt es zu tausenden. Die Arbeitslosigkeit ist gestiegen, die Wirtschaftslage unsicher – alles ein geeigneter Nährboden für selbsternannte „Hoffnungsträger“ wie Bolsonaro, der sich nicht ohne Grund in seinem zweiten Vornamen als „Messias“ bezeichnet.

Konservative Meiden sollten sich genauer informieren, bevor sie in einen voreiligen Bolsonaro-Jubel ausbrechen, zumal der 63-jährige Politiker ausdrücklich die frühere brasilianische Militärdiktatur samt ihren Folter-Praktiken befürwortet.

Mehr nüchterne Vorsicht wünscht man auch dem charismatisch orientierten Nachrichtenportal Kath.net, das den vermeintlich „konservativen“ Präsidentschaftskandidaten am 22.10.2018 gar nicht genug loben konnte: http://www.kath.net/news/65586

Vielleicht fühlt man sich Bolsonaro auch deshalb verbunden, weil es sich bei ihm um einen schwarmgeistigen Pfingstler handelt, einen aktiven Vertreter der „Universalkirche vom Königreich Gottes“ mit ihrer kruden Lehre vom „Wohlstandsevangelium“ und ihren extrem-charismatischen Praktiken.

Leider werden diese pentekostalen (pfingstlerischen) Mega-Sekten in deutschen Medien oft als „evangelikal“ oder als „Freikirchen“ verharmlost.

Dabei handelt es sich bei bibelorientierten Evangelikalen doch seit jeher um die klassischen Kritiker der Charismatischen Bewegung (siehe „Berliner Erklärung“ schon Anfang des 20. Jahrhunderts). Folglich sollte man Pfingstler und Evangelikale – wenngleich beide Richtungen zum Protestantismus gehören – fein säuberlich auseinanderhalten.

Das dokumentiert auch der kritische Artikel des evangelikalen PRO-Medienmagazins über diese extrem-charismatische „Universalkirche des Königreichs Gottes“ in Brasilien, die Bolsonaro mit ihren finanzkräftigen Kampagnen und ihren fanatischen Aktivisten politisch nach vorne brachte: https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/08/15/geld-macht-medien-das-imperium-des-selbsternannten-bischofs-der-universalkirche/