Warum viele Enthusiasten auf ihre Weise selber Teil unserer „Spaßgesellschaft“ sind

Von Felizitas Küble

Die charismatische MEHR-Konferenz und das „Gebetshaus Augsburg“, das der katholische Theologen Dr. Johannes Hartl (siehe Foto) leitet, werden allenthalben gelobt und gepriesen:

Anscheinend sind sich darin fast alle einig: von konservativen Gruppen über das eher reformerische DBK-Portal „Katholisch.de“, die kath. „Tagespost“, evangelischen Redaktionen (z.B. PRO-Medienmagazin) und erst recht seitens der erscheinungsbewegten Nachrichtenseite „Kath.net“.

Auch ARD und „Tagesschau“ berichteten mehrfach wohlwollend über die MEHR-Konferenz – Herz, was willst du MEHR…?!

Als Kritiker dieses frommen Festivals steht man somit jenseits eines Jubelchores von „links bis rechts“ – das soll mich jedoch nicht weiter stören.

Was mir aber doch verwunderlich vorkommt: Wenn dann ausgerechnet dieses enthusiastische Spektakel als Kontrast zu unserer Spaßgesellschaft gewürdigt wird.

Dabei ist MEHR gerade der „spirituelle“ Ausdruck unserer Erlebnis- und Wohlstandsgesellschaft, die eben auch in puncto Religion MEHR sucht, will, begehrt – die das tolle Feeling wünscht, sich von rockiger Lobpreismusik, gruppendynamischen Prozessen, Lichtshow-Effekten und prominenter Besetzung faszinieren läßt: https://mehrkonferenz.org/

In einem solch erlebnisorientierten Umfeld werden dann auch „konservative“ Reden und Ansprachen gerne in Kauf genommen, sicherlich teils auch an-genommen. Die Frage bleibt, was davon auf Dauer hängen-bleibt  – und was sich als emotionales Strohfeuer erweisen wird. 

Sophia Kuby schrieb voriges Jahr auf „Katholisch.de“, dem amtlichen Portal der Deutschen Bischofskonferenz, ebenfalls ein warmes Lob auf die MEHR-Konferenz: http://www.katholisch.de/aktuelles/standpunkt/mal-ehrlich

Die katholische Publizistin erwähnt den spirituellen „Durst nach mehr“: „Mehr als dieses Leben, als unsere Konsum- und Spaßgesellschaft, mehr als unser nach Effizienz strebendes, aber oft sinnleeres Dasein zu bieten hat.“  – Für die Erneuerung in der Kirche sei die Hartl-Veranstaltung „ein beeindruckendes Beispiel“, erklärt Kuby ihren Lesern.

Das „Neue“ daran sei eine „kraftvolle Verkündigung, die zeigt, dass der Heilige Geist nicht alt, sondern jung, das Evangelium brandaktuell ist“.  –  Einmal abgesehen davon, daß der Heilige Geist nicht „jung“, sondern  e w i g   ist, schreibt die Verfasserin sodann, die MEHR biete noch mehr, denn sie gebe evangeliumsgemäße Antworten auf  „die innere Farb- und Geschmacklosigkeit unserer Wohlstandsgesellschaft“.

Manche Beobachtung trifft sicherlich zu, allerdings ist die MEHR  –  nur eben auf einer anderen Ebene als der üblichen  –  selber Bestandteil unserer Konsum-, Spaß und Wohlstandsgesellschaft – und nur auf den ersten Blick ein Kontrast dazu.

Mal ehrlich:

Der Glaube wird in schwärmerischen Kreisen und auch bei der MEHR vor allem als Event erlebt, Gottes „Sieg“ wird programmiert, ein Halleluja-Christentum präsentiert, in der Religion vor allem ekstatische Gefühle und Erlebnisse gesucht  –  und dabei durchaus tief in die Tasche gegriffen: Der MEHR-Eintrittspreis beträgt immerhin regulär 149 €  – Spendensammeleien während der Konferenz gibt es zusätzlich.

Natürlich kann ein solch rockiges und zugleich frommes Festival für den einen oder anderen erst einmal ein Impuls, ein Rippenstoß in Richtung Glaube sein – für manche weckt es aber dauerhaft schwarmgeistige Vorstellungen von einem religiösen Dauer-Trip, prägt eine ruhelose Suche oder gar Sucht nach enthusiastischen Erlebnissen – und das wäre durchaus ein Irrweg und kein „Aufbruch“.
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Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Italien: Katholische Kontroverse um ultralinke Massenabtreiberin Emma Bonino

Am 31. Juli 2017 veröffentlichte das Nachrichtenportal „kath.net“ folgende Meldung:

„Emma Bonino, eine italienische Linksaktivistin, die damit prahlt, über 10.000 illegale Abtreibung durchgeführt zu haben, trat vor wenigen Tagen in einer italienischen Pfarrei auf. 

Bonino, die bereits italienische Ministerin war, sprach in der Pfarrei San Defendeten über Immigration und Flüchtlinge. Bonino soll für ihr Engagment für Flüchtlinge auch von Papst Papst Franziskus gelobt worden sein.

Ihr Auftreten für Abtreibung, Drogen und gelebte Homosexualität stehen im Widerspruch zu Lehre der katholischen Kirche.“

Eingeladen wurde diese Massenabtreiberin von der italienischen Caritas. Katholiken, die gegen ihren Auftritt protestierten, durften laut Medienmeldungen nicht an dem Vortrag teilnehmen bzw. wurden sogar von der Polizei abgeführt.

Zum Hinweis in „kath.net“, die ultralinke „Flüchtlings-Engagierte“ sei von Papst Franziskus „gelobt“ worden, zitieren wir aus einem Bericht der internationalen katholischen Nachrichtenagentur ZENIT vom 8. November 2016:

„Papst Franziskus hat die ehem. italienische Außenministerin und EU-Kommissarin Emma Bonino in Privataudienz empfangen.

Es war die dritte Begegnung zwischen dem Papst und der Politikerin der ‪„Radikalen Partei“. Am 2. Mai 2015 hatte Franziskus Bonino sogar angerufen, um sich über ihre Gesundheit zu erkundigen; sie bezeichnete den Anruf damals als ‪„überraschend“ und ‪„angenehm“.

Die italienische Politikerin befürwortet Abtreibung und Euthanasie. Die Frauenrechtlerin ist zudem wegen ihren Einsatzes für die Rechte von Gefangenen bekannt.“

Kommentar überflüssig.

Ausführlicher Bericht über die Veranstaltung mit Frau Bonino hier: http://beiboot-petri.blogspot.de/2017/07/noch-einmal-der-bonino-skandal-in.html


Charismatisch-ökumenische MEHR-Konferenz mit Vatikanprediger Cantalamessa

Von Felizitas Küble

Der italienische Kapuzinerpater Raniero Cantalamessa wurde von Johannes Paul II. zum „Päpstlichen Hausprediger“ ernannt und hat seit über drei Jahrzehnten dieses Amt inne.Radio Vatikan

Er hat sich durch sein häufiges Lob für Martin Luther in protestantischen Kreisen ebenso beliebt gemacht wie durch seine charismatischen Aktivitäten in der Pfingstlerszene und bei katholischen Erneuerungsbewegten.

Derzeit läuft die charismatisch-ökumenische MEHR-Konferenz in Augsburg mit ca. 10.000 Teilnehmern. Das neo-konservative und erscheinungsbewegte Spektrum, wozu auch die katholische Nachrichtenseite „kath.net“ gehört, ist von diesem Kongreß seit Jahren sehr angetan.

Diesmal ist Pater Cantalamessa als prominenter Redner auf dieser Mega-Veranstaltung des „Gebetshauses Augsburg“ mit von der Partie. Am Dreikönigsfest predigte er dort in der hl. Messe über Lobpreis und Anbetung, worüber „kath.net“ berichtet: http://www.kath.net/news/58076

Vorigen Herbst trat der päpstliche Hausgeistliche auf dem  –  größtenteils von pfingstlerischen Protestanten geprägten  –  Kongreß „Pfingsten 21“ in Würzburg auf, ebenso Dr. Johannes Hartl (siehe Foto), katholischer Theologe und Leiter des bereits erwähnten Gebetshauses Augsburg: http://www.pfingsten21.de/

(Sehn-)Sucht nach einem neuen Pfingsten

Dabei ging es um die „Sehnsucht nach einem neuen Pfingsten im 21. Jahrhundert“  – also die typisch charismatische Erwartung einer allgemeinen Erweckung in der Christenheit als angeblicher Vorbote für die Wiederkunft Christi. mehr-tag-4-_2939_20160106

BILD: Dr. Johannes Hartl, Leiter des Augsburger Gebetshauses, hier auf der MEHR-Konferenz 2016 (Fotoquelle: HIER)

Bei seiner Karfreitagspredigt 2016 im Vatikan hatte der Kapuzinerpater wie so oft wieder ein Loblied auf die „Reformation“ gesungen. Zu den verheerenden Folgen der Glaubensspaltung (darunter ein von Luther selbst eingeräumter Sittenverfall oder auch der 30-jährige Krieg) hat sich der Prediger nicht geäußert.

Wie der kath. Nachrichtendienst ZENIT damals berichtete, erklärte Cantalamessa, Luther habe die „Wahrheit“ über Gottes „Gerechtigkeit“ erst wieder „ans Licht gebracht“: „Luther kommt der Verdienst zu, diese Wahrheit wieder ans Licht gebracht zu haben, nachdem die christliche Verkündigung jahrhundertelang den Sinn dafür verloren hatte. Das ist es im Wesentlichen, was die Christenheit der Reformation verdankt, deren Fünfhundertjahrfeier nun bald ansteht.“

P. Cantalamessa spielte damit auf die lutherische Rechtfertigungslehre an, wonach allein der Glaube selig und „gerecht“ mache; die Einhaltung der göttlichen Gebote und gute Werke seien zwar erfreulich, so Luther, aber nicht heilsnotwendig.

Angeblich habe die Kirche in den Jahrhunderten zuvor den Sinn für Gottes wahre Gerechtigkeit verloren, bedauerte Cantalamessa. Doch es sei der Reformation zu „verdanken“, daß sie wieder entdeckt worden sei.

Katholisches Lehramt gegen Werkgerechtigkeit

In Wirklichkeit hat die katholische Kirche schon in der Frühzeit des Christentums jede falsche Werkgerechtigkeit oder Leistungsfrömmigkeit abgelehnt, weshalb sie der Irrlehre des Pelagius entschieden widersprach. Dieser hatte erklärt, die Gnade Gottes sei zwar eine helfende Zugabe, aber nicht absolut notwendig, da ein nach Gerechtigkeit strebender Mensch die Gebote Gottes auch aus eigener Kraft einhalten könne. christus

Dem hat die katholische Kirche ihre biblisch begründete Gnadenlehre entgegengesetzt, wonach Gottes Huld und Hilfe den Menschen überhaupt erst zum Glauben und zur Nachfolge Christi befähigt.

Die Betonung der Gnade Gottes ist also keine „Entdeckung Luthers“, wie Pater Cantalamessa suggeriert, sondern seit jeher katholische Lehraufassung gewesen und geblieben; sie wurde von Thomas v. Aquin ebenso betont wie vom Trienter Konzil bestätigt. 

2015 erklärte der päpstliche Hofprediger laut „Livenet“-Bericht auf einem evangelisch-charismatischen Kongreß sogar, er habe sich auf einer pfingstlerischen Veranstaltung in Kansas City 1977 gleichsam zum zweiten Mal „bekehrt“, als er dort die „Geistestaufe“ empfangen habe. Cantalamessa weiter: „Wir werden Busse tun über alle unsere Abspaltungen. Der Herr giesst seinen Geist in allen Kirchen aus.“

Zudem erklärte er darüber: „Die Geisttaufe änderte meine Einstellung den anderen christlichen Kirchen gegenüber –  nicht aufgrund von theologischen Überlegungen, sondern ganz spontan, ohne dass ich es selbst wahrgenommen hatte. Gemeinsam mit der Gabe des Geistes war die Gnade der Einheit gekommen.“   (Quelle: http://www.leiterkreis.de/file/17.Einheit%20%20Erweckung.pdf  – dort auf S. 18 unten)

Erwartung einer weltweiten Erweckung

Zurück zur charismatischen Hoffnung auf ein „neuen Pfingsten“. Seit Jahrzehnten wollen „Geistbewegte“ eine Zeit großartiger weltweiter „Erweckung“ herbeireden, indem sie eine Art Neuauflage des Pfingstereignisses ankündigen. charismatiker_allg_606_pr13_02_ab36d7785e

Diese Endzeitschwärmerei stimmt allerdings mit der nüchternen biblischen Prophetie nicht überein. Aber das enthusiastische Wunschdenken ist hier offenbar stärker als der Sinn für die Wirklichkeit.

In seiner vierten Vatikan-Fastenpredigt im Jahre 2009 erklärte Pater Cantalamessa diesbezüglich:

„Dieselbe Spannung zwischen Verheißung und Erfüllung, die in der Schrift hinsichtlich der Person Christi zu bemerken ist, ist auch hinsichtlich der Person des Heiligen Geistes festzustellen.

Wie Jesus zunächst in der Schrift verheißen und dann im Fleisch offenbar war und schließlich in seiner endgültigen Wiederkunft erwartet wurde, so wurde auch der Geist, einst „Verheißung des Vaters“, an Pfingsten gegeben und wird jetzt erneut „mit unausdrückbarem Seufzen“ vom Menschen und von der ganzen Schöpfung erwartet und angerufen, die die Fülle seines Geschenkes erwarten, nachdem sie dessen Erstlingsfrucht gekostet haben.“

Pfingsten war also – wohlgemerkt – nur eine „Erstlingsfrucht“ des Heiligen Geistes, mit größeren Ereignissen ist erst in der Zukuft zu rechnen.

Theologischer Rückgriff auf Joachim von Fiore

Der Geistliche neigt zur Lehre von den „drei Zeitaltern“ des mittelalterlichen Mönches Joachim von Fiore, die von der Kirche nie anerkannt wurde, wenngleich er diese Thesen zu spiritualisieren versucht.

Dr. Bernd F. PelzVereinfacht gesagt bedeutet die Drei-Reiche-Lehre: Der Alte Bund war die Epoche des Vaters, der Neue Bund ist die Epoche des Sohnes – und in der Endzeit folgt die Epoche des Heiligen Geistes, das „Dritte Reich“ (wie die Joachimiten es damals nannten).

Pater Cantalamessa predigte weiter:

„Was meint Jesus, wenn er den Heiligen Geist „Verheißung des Vaters“ nennt? Wo hat der Vater diese Verheißung getan? Das gesamte Alte Testament ist, so könnte man sagen, eine Verheißung des Geistes. Das Werk des Messias ist ständig so präsentiert, daß es seinen Höhepunkt in einer neuen universalen Ausgießung des Geistes Gottes auf Erden findet.

Der Vergleich mit dem, was Petrus am Pfingsttag sagt, zeigt, daß Lukas insbesondere an die Prophezeiung Joels denkt: „In den letzten Tagen wird es geschehen, so spricht Gott: Ich werde von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch“ (Apg 2,17).“

Zur erwähnten AT-Prophezeiung Joels hierzu einige Klarstellungen: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/06/der-misbrauch-von-joel-3-durch-schwarmer/

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Hier drei weitere Artikel zur MEHR-Konferenz und einigen bisherigen Referenten:
ARNE ELSEN:
https://charismatismus.wordpress.com/2014/01/04/augsburg-gebetsheiler-dr-arne-elsen-bei-der-charismatischen-mehr-konferenz/
BOB FRASER: https://charismatismus.wordpress.com/2013/12/07/usa-charismatischer-starprediger-bob-fraser-kommt-nach-augsburg/
HEIDI BAKER: https://charismatismus.wordpress.com/2016/08/16/ekstatisches-pfingstlertum-pur-heidi-baker-auf-der-charismatischen-mehr-konferenz/

Fotos: Radio Vatikan, Dr. Bernd F. Pelz, Archiv


Kardinal Müller: Gläubige sollen kirchlichen Medjugorje-Entscheid abwarten

Wie das erscheinungsbewegte Nachrichtenportal „Kath.net“ am 17.11.2016 berichtet, hat Glaubenspräfekt Gerhard Müller die Gläubigen aufgefordert, in puncto Medjugorje auf eine Entscheidung der Weltkirche – also des Vatikan – zu warten.

Die erwähnte Erscheinungssstätte befindet sich in Bosnien-Herzegowina; dort ist seit 1981 von weit über 40.000 Marienvisionen die Rede, welche sich an ein halbes Dutzend Seher/innen gerichtet haben sollen. Bischof Gerhard Ludwig Müller Internet

Kurienkardinal Müller (siehe Foto) stellte kürzlich in einem Interview klar, daß die katholische Marienverehrung „nicht an Erscheinungen und Offenbarungen“ hänge. Vielmehr beruhe der kirchliche Marienglaube in ihrer Jungfräulichkeit und Gottesmutterschaft, ihrer makellosen Empfängnis und ihrer Aufnahme in den Himmel mit Leib und Seele.  

Wie man sich vorstellen kann, herrscht in den Leserkommentaren auf „kath.net“ nicht gerade eitel Freude über diese Aussagen des Präfekten der Glaubenskongregation, der sich bereits in der Vergangenheit eher skeptisch zur Causa Medjugorje geäußert hat.

Ein Leser schreibt dort ganz klar, seine Marienverehrung hänge sehr wohl an Medjugorje, weil er sich dort bekehrt habe – andere Leser bringen zwar Einwände gegen Müllers Feststellung, akzeptieren sie aber unterm Strich doch mehr oder weniger.

Ein Medjugorje-Pilger stimmt ihm freilich direkt zu: „Was Kardinal Müller meint, ist sicherlich auch, dass man seinen Glauben nicht (praktisch) nur an Medjugorje festmachen soll. Ich war selbst etwa 1987 dort und habe ambivalentes erlebt, ebenso ging es meiner Mutter. Seitdem freut es mich zwar, zu hören, wie viele dort zum Glauben gefunden haben, halte mich aber ansonsten an das Bewährte – gerade in diesen unruhigen Zeiten…“

Foto: Bistum Regensburg


Sind die Verheißungen von FATIMA erfüllt? – Hat sich Rußland bereits bekehrt?

Von Felizitas Küble

Die weltbekannten Erscheinungen von Fatima (Portugal) aus dem Jahre 1917 sind seit 1930 kirchlich approbiert (genehmigt, gebilligt). Diese Befürwortung des damaligen Bischofs von Leira-Fatima erlaubt es den Gläubigen, den Marienbotschaften ihre Zustimmung zu schenken, verpflichtet sie aber nicht dazu. 2732900420_68d28f8a20

Die Offenbarung Gottes ist laut kirchlicher Lehre mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen, weshalb sog. „Privatoffenbarungen“ – auch im Falle einer „Anerkennung“  –  für die Gläubigen nicht verbindlich sind; jene gebilligten Erscheinungen sind nicht nur kein Dogma, sie gehören auch nicht zum „Glaubensgut“ der Kirche, sind also kein integraler Bestandteil ihrer amtlichen Verkündigung.

Im Zusammenhang mit dem Fatima-Phänomen gibt es mittlerweile eine Reihe von Bittschriften und Petitionen, in welchen die Kirchenführung aufgefordert wird, die von Fatima geforderte Weihe Rußlands an das Unbefleckte Herz Mariens zu vollziehen, um damit eine Bekehrung Rußlands und ein Zeitalter des Friedens einzuleiten.

Vatikan: Rußlandweihe erfolgte 1984 durch Johannes Paul II.

Der Vatikan hingegen weist dieses Ansinnen zurück mit der Begründung, jene Weihe sei bereits vor über 20 Jahren von Papst Johannes Paul II. vorgenommen worden, weshalb die entsprechenden Forderungen gegenstandslos seien.

Zu diesem Streitpunkt folgen nun einige Infos von beiden Seiten:vierge_pellevoisin

Die Hauptseherin von Fatima ist die Ordensfrau Sr. Lucia, die hochbetagt im Jahre 2005 verstarb.

Schwester Lucia gab ab den 30er Jahren bekannt, daß sie auch nach den kirchlich approbierten Erscheinungen von Fatima weitere Botschaften des Himmels erhalten habe, darunter eine Marienvision vom 13. Juni 1929 mit u.a. folgendem Inhalt: „Die Zeit ist gekommen, wo GOTT den Heiligen Vater bittet, in Vereinigung mit allen Bischöfen der Welt die Weihe Rußlands an mein Unbeflecktes Herz vorzunehmen, wobei ER verspricht, es (Rußland) durch dieses Mittel zu retten.“   

In weiteren Äußerungen Lucias wurde zudem als Folge dieser Weihe „eine Zeit des Friedens“ angekündigt.

Das Thema Rußlandweihe spielt aktuell nach wie vor in vielen katholischen Veröffentlichungen eine beträchtliche Rolle.

„Kath.net“: Ankündigungen Fatimas bereits eingetroffen

So gibt z. B. die bekannte katholische Nachrichtenseite „Kath.net“ in einem Artikel mit dem Titel „Geistliche Luftbrücke Moskau-Fatima“ am 19. August 2016 zu verstehen, daß die Abschaffung des Kommunismus in der Sowjetunion eine Erfüllung der Fatima-Verheißung sei:

„Pater Werenfried van Straaten, viele Gläubige in Russland und weltweit waren davon überzeugt, dass die Geschehnisse der Wendejahre eng mit der Botschaft von Fatima in Verbindung stehen…

Der Moskauer Putsch am 19. August, der das Ende der Sowjetunion einleitete, fiel genau auf den Jahrestag der vierten Marienerscheinung in Fatima. Die Nachricht von der Zerschlagung des Putsches erreichte die Welt am 21. August, an dem die kirchliche Liturgie den Gedenktag „Maria Königin“ feiert.

Als Dank für die friedliche Revolution und den Fall des Kommunismus initiierte „Kirche in Not“ zusammen mit katholischen wie orthodoxen Kirchenvertretern und mehr als 150 russischen Fernseh- und Radiosendern am 13. Oktober 1991 eine Liveübertragung der Wallfahrtsfeierlichkeiten aus Fatima.“

Vielfache Kritik an „fehlender Weihe Rußlands“

Traditionell orientierte Gruppierungen denken häufig anders über diese angeblichen Zusammenhänge.

In diversen katholischen Internetseiten wird behauptet, die Weihe Rußlands sei in Wirklichkeit „immer noch nicht erfolgt“, beispielsweise hier: https://wegwahrheitleben.wordpress.com/2010/12/13/die-geheimnisse-von-fatima-iv-die-weihe-russlands-ist-noch-immer-nicht-erfolgt/

Die traditionalistische Webseite „Katholisches.info“ vom 14.10.2013 schreibt dazu in ähnlicher Weise Folgendes: picture-45

„Die 2005 in Coimbra verstorbene letzte Seherin von Fatima, die Karmelitin Schwester Maria Luzia vom Unbefleckten Herzen beharrte darauf, daß mit der Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens 1984 durch Johannes Paul II. der Wunsch der Gottesmutter noch nicht erfüllt worden sei, da Rußland nicht erwähnt wurde.“

(Es trifft zu, daß Rußland in jener Weiheformel von 1984 nicht namentlich erwähnt (sondern allenfalls angedeutet) wurde. Die Behauptung, Lucia habe diese Weihe nicht als gültig angesehen, wird in diesem Artikel allerdings nicht belegt.)

Der seit Jahrzehnten Fatima-aktive Pater Nicolas Gruner schrieb am 1. Mai 2014 ebenfalls, die Weihe Rußlands sei noch nicht erfolgt. Näheres hier: https://poschenker.wordpress.com/2014/06/30/pater-nicolas-gruner-weihe-russlands-an-das-unbefleckte-herz-mariens-aktion-bittschrift-an-den-papst/

Rom: Sr. Lucia bestätigt die Rußlandweihe

Völlig anders äußert sich hingegen das offizielle Web-Portal des Vatikan hierzu. Dort heißt es: 

„Schwester Lucia bestätigte persönlich, daß dieser feierliche und universale Weiheakt dem entsprach, was Unsere Liebe Frau wollte („Sim, està feita, tal como Nossa Senhora a pediu, desde o dia 25 de Março de 1984“: „Ja, es ist so geschehen, wie es Unsere Liebe Frau am 25. März 1984 erbeten hatte“: Brief vom 8. November 1989)“

In Übereinstimmung damit berichtete vor drei Jahren der „Schweizer Fatima-Bote“ (Nr. 56) folgendes:Vat_Flagge

„Nach seiner Rückkehr von Rom wagte Pater Luis Kondor am 11.Mai 1984 Sr. Lucia im Karmel von Coimbra zu fra­gen: „Ist die Weihe wirklich vollzogen worden, wie dies Unsere Liebe Frau erbeten hatte?“. –  Sie antwortete: „Ja, diese Weihe wurde vom Himmel ange­nommen“. „Und wel­ches Zeichen werden wir dafür, Schwester, erhalten?“ – „Schauen sie in den Osten von dort wird die Antwort kommen“.

Und sie kam tatsächlich. Schwester Lucia bestätigte auch die Nachricht über die Bekehrung Russlands, die sie aus einer glaubwürdigen Quel­le erhalten hatte: Russland hat offiziell den Weg des gottlosen Kommunismus aufgegeben und ist zur Religionsfreiheit zurückgekehrt.“

Der in diesem Artikel erwähnte Pater Louis Kondor war der amtliche Leiter des Seligsprechungsverfahrens für die beiden anderen Fatima-Seher Jacinta und Francesco; zudem stand er jahrzehntelang im Kontakt mit Sr. Lucia und war zuständig für die Veröffentlichung ihrer Erinnerungen.

Rückschau der Fatima-Seherin: Verheißungen sind erfüllt

Im Jahre 2006 erschien von offiziöser Seite eine aufschlußreiche Buchbroschüre (siehe Foto): „Schwester Lucia –  Die Botschaft von Fatima“.  – Der Untertitel lautet: „Wie sehe ich die Botschaft durch die Zeit und durch die Ereignisse?“Titel

Nach einer Aufforderung ihres Ordensgenerals hatte Schwester Lucia noch im hohen Alter eine Art Rückschau auf die damaligen Ereignisse vorgenommen und dabei notiert, wie sie die Botschaft von Fatima durch die vergangene Zeitspanne hindurch beurteilt und aus ihrer jetzigen Sicht beleuchtet.

In dieser Veröffentlichung, die von ihrem Karmel-Kloster in Coimbra herausgegeben und mit Imprimatur ihres Bischofs von Leira-Fatima versehen wurde, geht es auch um das umstrittene Thema der Weihe und die damit verbundene Verheißung einer Bekehrung Rußlands und einer Zeitspanne des Friedens.

Dazu schreibt Sr. Lucia auf Seite 52 hinsichtlich der von ihr zitierten Erscheinungs-Botschaft „Der Heilige Vater wird mir Rußland weihen, das sich bekehren wird“ Folgendes:

„Das Wort „das sich bekehren wird“ kommt vom Wort „Bekehrung“. Das heißt, es wird einen Wechsel geben vom Bösen zum Guten. (…) Diese Weihe erfolgte öffentlich durch den Heiligen Vater Johannes Paul II. in Rom am 25. März 1984 vor dem Gnadenbild unserer Lieben Frau. (…)

Nachdem der Heilige Vater alle Bischöfe der Welt angeschrieben hatte mit der Bitte, sie mögen sich in diesem Weiheakt mit Seiner Heiligkeit vereinigen, ordnete er an, dass das Gnadenbild  eigens nach Rom gebracht werde, um zum Ausdruck zu bringen, dass er die Weihe vor diesem Bild vollziehe, weil Unsere Liebe Frau von Fatima darum gebeten hatte.“

Schwester Lucia: „Es gibt immer noch Blinde…“

Auf S. 54 bekräftigt Sr. Lucia ihre Sicht der Dinge, wonach der Weiheakt vollzogen und die Bekehrung Rußlands erfolgt sei, wobei sie etwas ungnädig über die Skeptiker bzw. „Blinden“ urteilt: P1020947 - Kopie

„Nach all dem gibt es immer noch Blinde, die nicht sehen oder nicht sehen wollen und sagen: Aber es gibt immer noch Kriege in dieser Welt und unsere Herrin hat doch den Frieden versprochen.“

Zu diesem Einwand äußert sich die Hauptseherin von Fatima folgendermaßen:

„Ja, unsere Herrin hat den Frieden versprochen im Blick auf alle Kriege in der Welt, die durch den gottlosen Kommunismus entfacht wurden, nicht aber im Blick auf die Bürgerkriege, die es immer gab und geben wird.“

Neue Definition: „Bekehrung bedeutet Umwandlung zum Guten“

Auf S. 55 geht Sr. Lucia erneut auf Ihre spezielle Deutung der Bekehrungs-Verheißung von Fatima ein:

„Das Wort „wird sich bekehren“ heißt: Es wird eine Umwandlung vom Bösen zum Guten erfolgen. Oder es wird eine Verwandlung geben.“

Damit dürfte klar sein: Schwester Lucia geht davon aus, daß die Verheißung einer Bekehrung Rußlands und einer Periode des Friedens bereits in Erfüllung gegangen ist.

Hierzu stellen sich aus meiner Sicht folgende Fragen bzw. Einwände:  131223-stern-von-bethlehem_b87bfae72c

  1. Unter Bekehrung wird unter gläubigen Katholiken zweifellos eine Umkehr bzw. Hinwendung zur katholischen Kirche verstanden. Dies würde bedeuten, daß Rußland  –  also zumindest die Mehrheit des Volkes bzw. der meisten Orthodoxen und sonstigen Christgläubigen  –  sich wieder der katholischen Kirche anschließt. Die bescheidenste Mindestanforderung wäre eine allgemeine Hinwendung der Bevölkerung zum christlichen Glauben (selbst wenn dies die schismatisch-orthodoxe Version wäre). Aber nicht einmal hiervon kann annähernd die Rede sein. Eher gewinnt man den Eindruck: In Rußland blüht weniger der Glaube als vielmehr der Aberglaube (Esoterik, Magie, Okkultismus, Geistheilertum, Schwärmerei)  –  von diversen politischen Problemen und verheerenden Mißständen ganz zu schweigen.
  2. Wenn Sr. Lucia erklärt, unter „Bekehrung“ sei eine „Umwandlung vom Bösen zum Guten“ zu verstehen, so ist dies bestenfalls an den Haaren herbeigezogen. Einen solchen Zustand  –  also auch den Fall des Kommunismus  –  kann man gewiß als deutliche politische Besserung einordnen, hat aber mit einer „Bekehrung“ im eigentlichen Sinne schlichtweg nichts zu tun. Niemand käme zum Beispiel auf die fantasievolle Idee, aus dem bloßen Ende des „DDR“-Kommunismus zu schlußfolgern, in den neuen Bundesländern habe dadurch zugleich eine „Bekehrung“ stattgefunden.  – Dazu kommt: Die „drei Geheimnisse“ sollen den Seherkindern am am 13. Juli 1917 mitgeteilt worden sein. Damals gab es noch kein kommunistisches System in Rußland (siehe Ausdruck „Oktoberrevolution“ 1917), die orthodoxe Konfession war noch Staatskirche. Eine „Bekehrung Rußlands“ konnte also zu jenem Zeitpunkt nur eine allgemeine Konversion des Volkes zur katholischen Kirche bedeuten.
  3. Aus der Fatima-Verheißung geht eindeutig hervor, Rußland werde sich bekehren und der Welt werde „eine Zeit des Friedens gewährt“. Die von Lucia erwähnte Einschränkung, dies beziehe sich allein auf jene Kriege, die der „gottlose Kommunismus“ verursache, ist im Wortlaut der Fatima-Botschaft nicht enthalten. (Zudem ist der Kommunismus  –  genau genommen  –  nicht nur „gottlos“ wie zB. der Atheismus, sondern antigöttlich – er bekämpft aktiv den Gottesglauben!)

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag in Münster und das Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 

 

 


Naives von „Kath.net“: Vonwegen „klares Votum“ gegen Beihilfe zur Selbsttötung

Bischöflich assistierte Beihilfe zum Brand-Entwurf

Man reibt sich zunächst die Augen vor Freude und Erstaunen, wenn man auf dem katholischen Nachrichtenportal „Kath.net“ am heutigen Mittwoch die Jubelmeldung zu lesen bekommt: Sterbehilfe: DBK und EKD geben klares Votum für das Leben bis zum Ende.“

Welch (Zeichen und) Wunder, denkt man sich, daß nicht nur die DBK (Deutsche Bischofskonferenz), sondern sogar die EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) offenbar endlich die Kurve gekriegt hat und sich so deutlich positioniert, heißt es doch gleich eingangs bei „Kath.net“:

„Die katholischen Bischöfe und die Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland schließen die Legalisierung des assistierten Suizid in jeder nur denkbaren Form aus.“ marsch_2013_photo_dv_447_m

Lies man freilich die heute von Kardinal Reinhard Marx und dem Ratsvorsitzenden bzw. evangelischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm gemeinsam verabschiedete Erklärung, so stellt man ernüchtert fest, daß der redaktionelle Freudenruf des Herrn Winnemöller völlig in der Luft hängt, insbesondere seine drollige Behauptung, daß EKD und DBK (Deutsche Bischofskonferenz) sich „inhaltlich hinter den Gesetzentwurf von Sensburg/Dörflinger stellen“.

Davon kann in Wahrheit überhaupt keine Rede sein!

Das hätte dem Autor klar sein müssen, nachdem er selber schreibt, der „entscheidende Satz“ in jener bischöflichen Stellungnahme sei die folgende Aussage:

„Ein Verbot für die Beihilfe zur Selbsttötung müsse für alle Vereine, Organisationen sowie Einzelpersonen, aber auch für Ärzte gelten, die den assistierten Suizid als Behandlungsoption in geschäftsmäßiger Form anbieten.“

Damit, so Winnemöller weiter, würde „jede nur denkbare Form“ der Beihilfe zum Suizid abgelehnt.

Weiß denn der Verfasser nach wochenlanger öffentlicher Debatte um dieses Thema immer noch nicht, daß der springende Punkt darin besteht, auch die  p r i v a t e  Beihilfe zum Selbstmord unter Strafe zu stellen?!

In jener Erklärung ist aber nur von einer Ablehnung der organisierten Beihilfe die Rede bzw. bei den Ärzten eingeschränkt darauf, daß sie ihr todbringendes Verhalten „in geschäftsmäßiger Form“ anbieten. In anderer Form soll dies dann also erlaubt sein?!

Insgesamt entspricht die Stellungnahme der beiden Kirchenvertreter am stärksten dem problematischen Brand-Entwurf  – vom guten, konsequenten Sensburg-Entwurf ist er meilenweit entfernt!

Es handelt sich folglich um eine bischöflich assistierte Beihilfe zum Brand-Entwurf!

In dem irreführenden Augenwischerei-Artikel heißt es dann auch noch allen Ernstes:

„So bleiben die beiden großen Kirchen bei ihrer auch bislang sehr klaren Haltung und positionieren sich eindeutig gegen einen möglichen Dammbruch im Hinblick auf den Schutz des Lebens.“

Es darf gelacht werden – aber leider ist hierfür das Thema zu traurig!

 


Causa Limburg: Bernhard Meusers Irrtümer

Angepaßte Zerrbilder statt objektiver Analyse

Die Nachrichtenseite „kath.net“ veröffentlichte am 14. Oktober überraschend einen Gastkommentar von Bernhard Meuser (siehe Foto) unter dem Titel Die Tragödie des Tebartz-van Elst“.

Obwohl das konservative Internetportal sich ansonsten pro Limburger Bischof positionierte, wurde mit diesem Artikel ein scharfer Anti-Tebartz-Rundumschlag zum Besten (?) gegeben. 0030Denkbar wäre beispielsweise, daß dieser Abdruck von möglichen bischöflichen Unterstützern „verlangt“ wurde.

Meuser ist katholischer Publizist, Verleger (erst Pattloch, dann St.-Ulrichs-Verlag) und heute Leiter des YOUCAT-Instituts in Augsburg.

In seinem Gastkommentar pflegt er einen dramatisch erscheinenden Stil. So heißt es dort über den Limburger Oberhirten:

„In seiner Diözese kann er sich nicht mehr blicken lassen, ohne befürchten zu müssen, einen Volksaufstand auszulösen. Seine Residenz mit Philippe-Starck-Badewanne wird er nicht mehr bewohnen und gewiss auch nicht sein Nachfolger. Der Papst wird ihn des Amtes entheben, wenn Bischof Tebartz-van Elst nicht in allerletzter Minute Einsicht zeigt und selbst seinen Rücktritt erklärt.“

Anscheinend verfügt der Autor über höheres Wissen, das dem „(all)gemeinen Volke“  – bis hinein in oberste Vatikanränge  – noch verborgen ist:

1. Weder der Bischof noch sein Nachfolger werden die Residenz weiterhin „bewohnen“  –  wird sie etwa leerstehen oder abgerissen?

2. Der Papst „wird“ ihn amtsentheben, sofern er nicht selbst zurücktritt.

Vielleicht überläßt der Herr Verleger diese Entscheidung dem Oberhaupt der katholischen Kirche, statt sie verbal vorwegnehmen zu wollen?!

Sodann fährt der Verfasser fort:

„Lange, viel zu lange, habe ich, ein an Rom orientierter Katholik, daran geglaubt, dass es sich um einen Fall von Mobbing handelt: Ein aufrechter, mutiger Bischof, der sich dem liberalen Mainstream verweigert, wird von den üblichen Verdächtigen mit gezielt gestreuten Gerüchten und einer konzertierten Medienkampagne zur Strecke gebracht. Aber so war es nicht.“

Denn, so Meuser, „in Wahrheit“ sei der Limburger Oberhirte „ein Mensch, den ein enger Vertrauter des Bischofs mittlerweile für einen „raffinierten Betrüger“ oder für „krank“ hält.“

Na und?  –  Haben angeblich „enge Vertraute“ automatisch immer recht? 

Wie steht es mit wirklichem „Vertrauen“, wenn der „enge Vertraute“ den Betreffenden öffentlich in die Pfanne hauen, als potentiellen Kriminellen hinstellen bzw. gleichsam eine pseudo-psychiatrische „Diagnose“ abgeben?!

Sodann wird die neue Heldenfigur von Meuser wie folgt vorgestellt:

„Jochen Riebel, der als unbestechlich geltende ehemalige Leiter der hessischen Staatskanzlei und Träger des Päpstlichen Gregoriusordens, war vom Bischof persönlich zum Chef des Vermögensverwaltungsrates der Diözese Limburg gemacht worden. Das Material, das in den letzten Tagen von Riebel und anderen vorgelegt wurde, ist erschütternd.“

Der Autor vergißt zu erwähnen, daß dieser saubere Herr noch Ende Januar dieses Jahres jenen Gregoriusorden persönlich von Tebartz-van Elst angenommen hat  –  nachdem Riebel bereits 2011 gemeinsam mit zwei weiteren Fachleuten vom Bischof in den Vermögensverwaltungsrat berufen worden war.

Unser CHRISTLICHES FORUM hat sich mehrfach und zudem bereits vor über einer Woche  –  am 10. Oktober  – kritisch mit dem unseriösen Treiben Riebels befaßt: https://charismatismus.wordpress.com/2013/10/10/medienverwirrspiel-um-limburger-bischof/

Diverse unrichtige Behauptungen und gezielte Halbwahrheiten des Ex-Politikers sind mittlerweile selbst in der Mainstreampresse bekannt – und sie treten immer deutlicher zutage; sicherlich sehr zum Leidwesen von FAZ und „Spiegel“…

Auch mit folgender Anschuldigung gegen den Limburger Bischof hat Meuser nur das übliche Pressegeheul nachgeplappert: „Er hat Riebel und viele andere getäuscht, belogen und falsch bezichtigt.“

Nach diesem Werfen schwerer Gesteinsbrocken schreibt der Autor beschwichtigend:

„Nun ist es leicht, die Steine in die Hand zu nehmen, um sie auf einen zu werfen, der ohnehin am Boden liegt. Uns steht ein Urteil nicht zu.“

Richtig, aber das hindert Meuser keineswegs, auch noch im letzten Satz eine dreiste Anmaßung („gestörter Mann“) durchklingen zu lassen:

„Vielleicht sieht Gott dann die Tragödie eines armen, einsamen und gestörten Mannes, der besser nie in das Amt gekommen wäre, das ihm nun zum öffentlichen Verhängnis wird.“

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

PS: Auch der WELT geht mittlerweile mal ein Lichtlein auf: http://www.welt.de/politik/deutschland/article121000232/Zweifel-am-Alleingang-von-Tebartz-van-Elst-wachsen.html


„Kath.net“ warnt vor den Botschaften „Die Warnung“ und verkauft sie zugleich per „Kath.shop“ in sieben Bänden

Seit fast zwei Jahren kursieren Visionen einer „verborgenen Seherin“

Am 15. Februar dieses Jahres veröffentlichte die private katholische Nachrichtenseite „Kath.net“ eine klare Abrechnungmit jenen irrgeistigen Privatoffenbarungen, die unter dem Titel „Die Warnung“ seit fast zwei Jahren die erscheinungsbewegte Kreise in Erregung, zum Teil gar in Endzeit- und Alarmstimmung versetzen.

Der begrüßenswerte Beitrag von Johannes Graf hindert das charismatisch geprägte „Kath.net“ gleichwohl nicht daran, genau jene absonderlichen Botschaften „Die Warnung“ gleichsam in seiner Nebenabteilung, dem Internetbuchhandel „Kath.shop“ zu vertreiben  –  und dies geschäftstüchtig in sieben Bänden, ergänzt um einen Extrateil jener Kreuzzugsgebete“, die ebenfalls aus den Warnungs-Visionen stammen, die eine anonyme Seherin angeblich seit Jahr und Tag von Jesus und Maria erhält  – und vor deren Unsinns-„Prophetien“ wir von Anfang an gewarnt haben.  media-377708-2

Wir haben mit der Veröffentlichung dieses Artikels zunächst eine Woche zugewartet, um zu sehen, ob diese Botschafts-Bände aus dem Vertrieb verschwinden, nachdem auf „Kath.net“ ausführlich davor gewarnt wurde, zumal dieser kritische Artikel sich dort derzeit auf Platz 1 der meistkommentierten Beiträge befindet, also offenbar großes Interesse unter den Kathnet-Lesern hervorrief.

Doch allem Anschein nach nimmt „Kath.net“ auch weiterhin Defizite in puncto eigener Konsequenz und Glaubwürdigkeit in Kauf, damit das Verkaufsgeschäft mit den Botschaftsbänden weiter floriert.

Nun zum erwähnten Verriß mit dem Titel:  „Absurde ‚Warnung’ vor dem nächsten Papst“.   – Der Text beginnt mit den Worten: 

„Die Botschaften der ‚Warnung’ fordern dazu auf, den Nachfolger Benedikts XVI. nicht anzuerkennen. Dieser sei ‚falscher Prophet’ und mit dem Antichrist im Bunde. Ein Kommentar über diese und andere nicht ernst zu nehmende Botschaften von Johannes Graf.“

Geradzu drollig erscheint der nächste Satz:

„Seit März 2011 kursieren im Internet und mittlerweile auch in Buchform angebliche Privatoffenbarungen einer anonymen Seherin, die sich „Verborgene Prophetin“ nennt.“

Die „Buchform“ gibt es nicht erst „mittlerweile“, sondern schon seit über eineinhalb Jahren, noch dazu direkt vertrieben von der eigenen Nebenabteilung!

Über diese „Privatoffenbarung“ heißt es weiter: „Die Botschaften handeln meist von einer sogenannten „Warnung“, einem Moment, in dem alle Menschen durch einen gnadenhaften Akt Gottes den Heilszustand ihrer Seele sehen können. Dieses Ereignis soll in naher Zukunft stattfinden.“

Das „Ereignis“ wurde in Wirklichkeit für spätestens Dezember 2012 angekündigt, weil bis dahin bereits die „Trübsalszeit“ stattfinden solle, die nach der „Warnung“ eintreffe.

Die „Warnung“ behauptet: Papst-Nachfolger ist ein Betrüger

Nun schreibt der Autor, der bevorstehende Amtsverzicht des Papstes sei ein aktueller Anlaß, sich erneut zu diesen Visionen zu äußern:

„In den Botschaften der Warnung wird behauptet, Papst Benedikt XVI. sei der letzte „echte“ Papst, sein Nachfolger aber ein Betrüger, der mit dem Antichrist im Bunde sein werde. Die Botschaften fordern zum Schisma auf, sobald der Nachfolger Benedikts XVI. feststeht.“

Wahrlich herbe Kost für fromme Seelen, wobei dieser Aspekt im CHRISTLICHEN FORUM bereits seit Monaten von zahlreichen Kommentaren kritisch beleuchtet wird.

Sodann nimmt der Verfasser auch jene Prophezeiung aus der „Warnung“ auseinander, wonach dunkle Kräfte im Vatikan „planen, den Heiligen Stellvertreter Christi, Papst Benedikt XVI. durch einen „Diktator der Lügen“ zu ersetzen. Er wird im Bunde mit dem Antichristen und seiner Gruppe eine neue Kirche erschaffen, um die Welt in die Irre zu führen.“ (Botschaft vom 18. Januar 2012)“

Wie man sieht, wurde diese absonderliche „Mitteilung“ bereits vor über einem Jahr von der „verborgenen Seherin“ zum Besten bzw. Schlechten gegeben, was „Kath.net“ allerdings nicht hindert, diesen offensichtlichen Unfug weiter per Kath.shop zu verbreiten.

Zudem stellt Johannes Graf fest, was aufmerksame Leserkommentare hier im CHRISTLICHEN FORUM bereits vorher erkannten:

„Die Umstände des Rücktritts Benedikts XVI. stimmen nicht mit den Botschaften der „Warnung“ überein. Dort wird behauptet, Benedikt XVI. würde „vom Heiligen Stuhl in Rom vertrieben werden.“ (11. Februar 2012). Ebenso wird vorausgesagt: „Er wird zerdrückt werden, als Haupt Meiner Kirche, und ihm wird keine Gnade gezeigt werden. Der Widerstand wird schnell zunehmen, wobei er für nicht mehr zuständig erklärt werden wird.“ (13. November 2012)“

In Wirklichkeit betonte der Papst mehrfach die Freiwilligkeit seiner Entscheidung zum Amtsverzicht – einmal abgesehen davon, daß er einen Rücktritt im Seewald-Buch „Licht der Welt“ indirekt ankündigte für den Fall, daß er gesundheitlich nicht mehr in der Lage sei, das Petrusamt angemessen auszuführen.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Nachträglicher HINWEIS: Wie uns ein Leser am heutigen 10. März mitteilte, hat „kath.shop“ die Botschaftsbände „Die Warnung“ inzwischen aus seinem Sortiment genommen  –  späte Einsicht, aber immerhin!


Martin Rhonheimer wirft katholischen Lebensrechtlern jene „Unklarheit“ vor, die von Kardinal Meisner selbst verursacht wurde

Katholischer Philosoph würdigt Meisners Pillen-Erklärung als „äusserst hilfreich“

Die katholische Nachrichtenseite „kath.net“ veröffentlichte am heutigen Sonntag, den 10.2.2013, einen Gastkommentar von Prof. Dr. Martin Rhonheimer zur Debatte um die „Pillen-Erklärung“ von Kardinal Joachim Meisner sowie dessen Presseamt, die in Lebensrechtskreisen größtenteils zu Verunsicherung führte und Zweifel an der Klarheit der „kirchlichen Linie“ in Deutschland hervorrief. 

Der Schweizer Geistliche, der seit 1974 dem Opus Dei angehört, verteidigt die innerkirchlich umstrittene Stellungnahme des Kölner Erzbischofs um jeden Preis.

Dabei geht Prof. Rhonheimer in seinem nimmermüden Bestreben soweit, den Spieß einfach umzudrehen und den Lebensrechtsverbänden genau das vorzuhalten, was in Wirklichkeit den Pillen-Erklärungen von Meisner und seinem Presseamt anzulasten ist, nämlich Unsicherheit und Unklarheit.

Dr. Rhonheimers Artikel wird mit folgenden Worten eingeleitet: 

„Lebensschutzorganisationen sollten nicht noch mehr Unsicherheit und Unklarheit schaffen, sondern die Kirche und den Kölner Erzbischof unterstützen, seine Position verständlich zu machen. „

Hierzu darf zunächst gefragt werden:

Warum wird dazu aufgefordert,  „die Kirche und den Kölner Erzbischof“ zu unterstützen, als ob „die“ Kirche und Kardinal Meisner identisch seien?   –  Warum sollte denn jede Sachkritik an Äußerungen Meisners pauschal mit Kritik an „der Kirche“  gleichgesetzt werden?

Damit wird bereits im Ansatz unzutreffend und letztlich unfair argumentiert.

Der Titel des Rhonheimer-Beitrags lautet bezeichnenderweise:  „Meisners ‚Pille-danach‘-Erklärung ist absolut klar und hilfreich.“

Wenn dies gar so glasklar der Fall ist, warum wird dann an Lebensrechtsverbände appelliert, sie mögen bittschön „den Kölner Erzbischof unterstützen, seine Position verständlich zu machen.“

Foto: M. von Gersdorff

Foto: M. von Gersdorff

Wäre das nötig, wenn dessen Standpunkt hinreichend verständlich wäre bzw. gar  – wie der Titel behauptet  – „absolut klar“?

Der in Rom lehrende Philosoph Rhonheimer widerspricht sodann Dr. Simón Castellví, dem Vorsitzenden des „Weltverbandes Katholischer Ärztevereinigungen“ und Mitglied im „Päpstlichen Rat für die Pastoral im Krankendienst“, weil dieser erklärt hatte, Kardinal Meisner sei betreff Pille-danach „mit ungenauen Informationen versorgt“ worden.

Dr. Rhonheimer schreibt hierzu wörtlich: „Dem ist zu entgegnen: Die Erklärung des Kölner Kardinals ist absolut klar und äusserst hilfreich.“

Weiß ein Dozent für politische Philosophie wirklich über ein medizinisch-chemisches Präparat besser Bescheid als der Präsident eines internationalen Ärzte-Dachverbands?

Es darf gestaunt werden!

Zudem hat zB. auch die kath. Ärztevereinigung St. Lukas erläutert, daß alle Präparate der „Pille danach“ potentiell frühabtreibend bzw. nidationshemmend wirken:  http://www.kathmed.de/images/bilddaten/wissenschaftliche_darlegung_wirkungsweise_postkoitalpille.pdf

Natürlich lehnt der Ethiker Rhonheimer die Einnahme einer nidationshemmenden „Pille danach“ durchaus ab, lobt aber jene Erklärungen von Erzbischof Meisner und dessen Pressestelle, die in Abrede stellt, daß diese frühabtreibende Wirkung allgemein der Fall sei.

Dr. Rhonheimer findet es sodann „sehr klug“, daß der Kardinal „die Abklärung, ob es sich tatsächlich um eine frühabtreibende Pille handelt, der Verantwortung der Ärzte bzw. des Krankenhauses überläßt“.

Der SCHWARZE PETER geht an die ÄRZTE

Ist es wirklich fair und korrekt, wenn ein Kirchenvertreter diese schwerwiegende Verantwortung im Einzelfall  –   es geht um Leben oder Tod  – letztlich den Medizinern in katholischen Kliniken zuschiebt?

Damit führt man die Ärzte in ein zermürbendes Dilemma, weil sie   – wie immer auch ihr Entschluß ausfällt  – so oder so  in eine Zwickmühle geraten:

Entscheiden sie für das Leben, dann haben sie feministische Frauenverbände, linke Medien, Modernisten usw. am Hals  –  entscheiden sie aber  gegen das Leben, dann hat dies für wirklich christliche Ärzte eine massive Gewissensbelastung zur Folge.

Bisher gab es eine klare Ansage für das medizinische Personal in kirchlichen Krankenhäusern: Die „Pille danach“ kommt nicht infrage, Ende der Durchsage.

Abgesehen davon sollten konsequente Christen selbst dann, wenn der Sachstand zweifelhaft wäre  –   falls also eine tödliche Wirkungsweise der „Pille danach“ wissenschaftlich umstritten wäre  –  grundsätzlich immer für das Lebensrecht entscheiden: im Zweifel für das Leben,  f ü r  die göttlichen Gebote!

Doch die Meisner-Erklärung schiebt letztlich der Ärzteschaft den „Schwarzen Peter“ zu   –  und präsentiert diese letztlich feige Haltung indirekt wie eine großzügige Geste, als müßten die betroffenen Mediziner dafür auch noch dankbar sein?!

Hauptsache, die Herren Bischöfe sind fein raus?!

Hierzu schreibt Dr. Rhonheimer, „die Kirche (…) überlässt die Verantwortung der Unterscheidung, ob dieser oder jener moralische Fall vorliegt, dem Gewissen des Arztes bzw. dem Krankenhaus. Damit kann man der Kirche nicht mehr vorwerfen, sie würde Vergewaltigungsopfer im Stich lassen.

Abgesehen davon, daß Rhonheimer erneut „die Kirche“ mit der Meisner-Position unsinnigerweise gleichsetzt,  so räumt er hier selber ein, daß damit die Verantwortung dem „Gewissen des Arztes überlassen“ wird   –   eben genau: soll der katholische Mediziner doch zusehen, wie er damit klarkommt!

Der springende Punkt ist offenbar für Rhonheimers Weltbild: „Damit kann man der Kirche nicht mehr vorwerfen, sie würde Vergewaltigungsopfer im Stich lassen.“ 

„Äußerst hilfreich“ für eine opportunistische Taktik

Gewiß doch, sehr „praktisch“: Selbst wenn katholische Mediziner die „Pille danach“ verweigern, dann liegt dies nicht  (wie zuvor) an einer verbindlichen kirchlichen Leitlinie, an die sie sich korrekt halten, sondern jetzt ist deren individuelles  „Gewissen“ die Ursache.

Wenn Ärzte jedoch umgekehrt die „Pille-danach“ verabreichen, dann ändert das   –  wie gemütlich  –  nichts daran,  so Rhonheimer, daß sich „die Kirche gleichzeitig ungebrochen für den Lebensschutz einsetzt“:  Sicher doch, wenngleich nur in luftigen Höhen, auf dem geduldigen Papier, in abstrakten Tönen und wolkigen Worten,  wobei die Ärzte den konkreten „Fall“ ausbaden dürfen. images (2)

Eine derart spitzfindige Strategie ist für einen gewieften Opportunismus gewiß „äußerst hilfreich“, wie Prof. Rhonheimer die Meisner-Erklärung gerne nennt. So sichert man sich geschickt gegenüber beiden Seiten ab  –  nur die katholischen Mediziner haben das Nachsehen  –  und erst recht die ungeborenen Kinder!

Mit Verantwortungsbewußtsein, Klarheit, Wahrheit und Fairneß hat eine derart unaufrichtige und scheinheilige Taktik allerdings nichts zu tun, viel jedoch mit jenem offenbar unausrottbaren Pilatus-Bedürfnis: Hauptsache, ich wasche meine Hände in Unschuld….

Am Schluß seiner Pro-Meisner-Stellungnahme räumt der geistliche (oder zeitgeistliche?) Ethiker allerdings ein:

„Freilich bleibt das Problem, dass eine differenzierte Position, wie sie der Kölner Oberhirte im Einklang mit der katholischen Lehre vertritt, nicht leicht in der Öffentlichkeit kommuniziert werden kann. Dass es in der Öffentlichkeit Missverständnisse und Fehlinformationen gibt, ist aber kein Grund, auf eine differenzierte Argumentation zu verzichten.“

Zunächst wurde doch behauptet, die Pillen-Erklärung des Herrn Kardinals sei „absolut klar“ und „äußerst hilfreich“, zudem noch „sehr klug“.  –  Na klasse!

Nun wird aber erwähnt, daß diese oberhirtliche Super-Stellungnahme „nicht leicht in der Öffentlichkeit kommuniziert werden kann“  und daß es gar „Missverständnisse“ in der Öffentlichkeit gäbe  –  oho? Wie kann dies wohl geschehen bei solch absoluter Klarheit?

Offenbar scheint doch nicht alles gar so glatt und „hilfreich“ zu sein, weshalb jetzt „katholischen Lebensschutzorganisationen“ sich möglichst selbst einen Maulkorb verpassen, zumindest aber keine unpassenden „Forderungen“ an Meisner stellen sollen, wobei der Kardinal erneut durchaus sachfremd mit „der Kirche“ gleichgestellt wird, als besäße er etwa das Charisma der Unfehlbarkeit.

Dr. Rhonheimer schreibt abschließend wörtlich:

„Katholische Lebensschutzorganisationen sollten jedenfalls durch öffentliche Forderungen an den Kardinal nach zusätzlichen Klarstellungen nicht noch mehr Unsicherheit und Unklarheit schaffen, sondern die Kirche und in diesem Falle den Kölner Erzbischof darin unterstützen, seine Position angemessen in der Öffentlichkeit zu kommunizieren und verständlich zu machen.“

Offenbar ist des Kardinals Erklärung nicht aus sich selber heraus „angemessen“ verständlich, weshalb kath. Lebensrechtler die klaffende Lücke füllen sollen, damit die „Position“ des Kölner Oberhirten in der Öffentlichkeit „verständlich“ rüberkommt, was freilich schon rein von der Sache her ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Für einen Ethiker und „politischen Philosophen“ wie Rhonheimer ist dieser auf „Kath.net“ veröffentlichte Eiertanz gewiß kein Gütesiegel; seine zum Teil verquere und verquaste Stellungnahme erweist sich vielmehr als fatale Infragestellung ethischer Prinzipien in dieser aktuellen Causa. Oder lassen sich Gerechtigkeit, Wahrheit und Klarheit, Verantwortung und Glaubwürdigkeit mit einem solch taktischen Verwirrspiel vereinbaren?

Der Kirche Christi wird damit jedenfalls kein Dienst erwiesen, dem Lebensrecht der ungeborenen Kinder aber ein schwerer Schaden zugefügt  – genauer: ein tödlicher.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


Die „Süddeutsche Zeitung“ agitiert mit der Fundi-Keule gegen katholische Konservative

Die als linkslastig seit Jahrzehnten bekannte „Süddeutsche Zeitung“ veröffentlichte am gestrigen Mittwochabend (26.12.) in ihrer online-Ausgabe wieder einen typisch faktenschwachen Rundumschlag.

Unter dem Titel „Folgen der kreuz.net-Abschaltung   –   Die Fundamentalisten-Meute zieht weiter“ werden reihenweise lächerliche Anschuldigungen und unbewiesene Unterstellungen dargeboten:

Rudolf Neumaier schreibt in dieser Tageszeitung aus München gleich eingangs: „Das Internetportal kreuz.net ist Geschichte“  –  schön wäre es, doch woher will der Journalist das wissen? Verfügt er über höhere Erleuchtungen oder gar hellseherische Talente?

Selbst der kirchenfeindlich geprägte Wortführer der Anti-kreuz.net-Kampagne, Dr. David Berger, äußerte mehrfach in Interviews, er halte es für wahrscheinlich, daß die Hintermänner des anonymen Schmuddelportals sich in einem anderen Gewand bzw. Webtitel neu präsentieren werden.

Gloria-TV und kath.net im Visier der SZ-Gesinnungsjäger

Sodann kommt der SZ-Autor gleich zur Sache mit seiner Verunglimpfung katholischer Konservativer:Diesmal werden die privat von Katholiken betriebenen Webseiten „kath.net“ und „Gloria-TV“ attackiert.  Man muß sicherlich nicht allem zustimmen, was in den beiden Internetpräsenzen veröffentlicht wird, doch vom Radauportal „kreuz.net“ sind sie gleichwohl um Lichtjahre entfernt.

Dennoch poltert die SZ munter drauflos: „Homophobe Hetzer haben längst andere Plattformen gefunden: Weil Webmaster keine klaren Grenzen setzen und die Kirche wieder nur zusieht, rütteln Extremisten weiter an den Normen.“

Nun wüßte man gerne, welche fürchterlich „homophoben“ und „extremistischen“ Hetz-Artikel denn auf den beiden attackierten Nachrichtenseiten bislang erschienen sind? Haben wir da vielleicht etwas Schlimmes übersehen?

Glatte Fehlanzeige: Der Herr Verfasser kann schlicht keinen einzigen Artikel vorweisen. Er präsentiert stattdessen für kath.net und Gloria-TV jeweils einen Leserkommentar (!)  als „Beleg“ –  vermutlich hat er lange danach suchen müssen.

Neumaier zeigt sich empört und schreibt: „Und auf kath.net, einem Portal, das sich betont seriös gibt, finden Katholiken mit solchen Meinungen Platz: „Die Homo-Gesetzgebung in Europa schadet zuerst den Homosexuellen selbst, weil sie sie in ihrer Verirrung noch einzementiert.“

Nicht auszudenken, daß solch eine schröckliche Lesermeinung bei kath.net das Licht der online-Welt erblicken durfte!

Sogar eine fromme Grußformel erregt den Argwohn der SZ

Betreff Gloria-TV macht sich der Autor gar noch lächerlicher: 

„Ihre Klientel, die in den täglichen Nachrichten mit dem Traditionalisten-Gruß „Laudetur Iesus Christus“ empfangen wird, hält sich für sehr katholisch, und von kirchlicher Seite gibt es dagegen noch keinen Widerspruch.“

Wogegen sollte denn die „kirchliche Seite“ protestieren? Etwa gegen den sogenannten „Traditionalisten-Gruß“, der keiner ist und der  lautet: „Laudetor Iesus Christus“ (= Gelobt sei Jesus Christus).

Dies ist ein seit Jahrhunderten bekannter katholischer Gruß, wie man sogar in „Wikipedia“ nachlesen kann („Gruß unter katholischen Christen“). Zudem handelt es sich seit jeher um den Wahlspruch von Radio Vatikan.   –  Was soll nun an diesem Gruß „traditionalistisch“ sein?  Die Lösung dieses Rätsels verrät uns die SZ leider nicht.

Nach dieser mehr als dünnen Faktenlage gibt sich der SZ-Redakteur freilich umso rabiater: „Der katholische Spuk geht weiter, und die Kirche schaut wieder zu, wie Extremisten an den Normen rütteln.“

An welchen „Normen“  –  denen der „political correctness“ bzw. jenen der „Süddeutschen Zeitung“? 

Gelten diese nicht näher definierten „Normen“ linker Gesinnungspolizisten jetzt als neues Superdogma von Zeitgeistes Gnaden bzw. Ungnaden?!  – Wer daran „rüttelt“, betreibt also „katholischen Spuk“?    – Sieht so etwa die vielgepriesene Toleranz aus, der gern zitierte „herrschaftsfreie Diskurs“?

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster
DIESER ARTIKEL wurde zudem veröffentlicht in den beiden medienkritischenWebseiten SÜDWATCH und JOURNALISTENWATCH:  http://www.suedwatch.de/blog/?p=9800
http://journalistenwatch.com/cms/2012/12/28/die-suddeutsche-zeitung-agitiert-mit-der-fundi-keule-gegen-katholische-konservative/
Zudem in Gloria-TV: http://de.gloria.tv/?media=377442