„Kath.net“ warnt vor den Botschaften „Die Warnung“ und verkauft sie zugleich per „Kath.shop“ in sieben Bänden

Seit fast zwei Jahren kursieren Visionen einer „verborgenen Seherin“

Am 15. Februar dieses Jahres veröffentlichte die private katholische Nachrichtenseite „Kath.net“ eine klare Abrechnungmit jenen irrgeistigen Privatoffenbarungen, die unter dem Titel „Die Warnung“ seit fast zwei Jahren die erscheinungsbewegte Kreise in Erregung, zum Teil gar in Endzeit- und Alarmstimmung versetzen.

Der begrüßenswerte Beitrag von Johannes Graf hindert das charismatisch geprägte „Kath.net“ gleichwohl nicht daran, genau jene absonderlichen Botschaften „Die Warnung“ gleichsam in seiner Nebenabteilung, dem Internetbuchhandel „Kath.shop“ zu vertreiben  –  und dies geschäftstüchtig in sieben Bänden, ergänzt um einen Extrateil jener Kreuzzugsgebete“, die ebenfalls aus den Warnungs-Visionen stammen, die eine anonyme Seherin angeblich seit Jahr und Tag von Jesus und Maria erhält  – und vor deren Unsinns-„Prophetien“ wir von Anfang an gewarnt haben.  media-377708-2

Wir haben mit der Veröffentlichung dieses Artikels zunächst eine Woche zugewartet, um zu sehen, ob diese Botschafts-Bände aus dem Vertrieb verschwinden, nachdem auf „Kath.net“ ausführlich davor gewarnt wurde, zumal dieser kritische Artikel sich dort derzeit auf Platz 1 der meistkommentierten Beiträge befindet, also offenbar großes Interesse unter den Kathnet-Lesern hervorrief.

Doch allem Anschein nach nimmt „Kath.net“ auch weiterhin Defizite in puncto eigener Konsequenz und Glaubwürdigkeit in Kauf, damit das Verkaufsgeschäft mit den Botschaftsbänden weiter floriert.

Nun zum erwähnten Verriß mit dem Titel:  „Absurde ‚Warnung’ vor dem nächsten Papst“.   – Der Text beginnt mit den Worten: 

„Die Botschaften der ‚Warnung’ fordern dazu auf, den Nachfolger Benedikts XVI. nicht anzuerkennen. Dieser sei ‚falscher Prophet’ und mit dem Antichrist im Bunde. Ein Kommentar über diese und andere nicht ernst zu nehmende Botschaften von Johannes Graf.“

Geradzu drollig erscheint der nächste Satz:

„Seit März 2011 kursieren im Internet und mittlerweile auch in Buchform angebliche Privatoffenbarungen einer anonymen Seherin, die sich „Verborgene Prophetin“ nennt.“

Die „Buchform“ gibt es nicht erst „mittlerweile“, sondern schon seit über eineinhalb Jahren, noch dazu direkt vertrieben von der eigenen Nebenabteilung!

Über diese „Privatoffenbarung“ heißt es weiter: „Die Botschaften handeln meist von einer sogenannten „Warnung“, einem Moment, in dem alle Menschen durch einen gnadenhaften Akt Gottes den Heilszustand ihrer Seele sehen können. Dieses Ereignis soll in naher Zukunft stattfinden.“

Das „Ereignis“ wurde in Wirklichkeit für spätestens Dezember 2012 angekündigt, weil bis dahin bereits die „Trübsalszeit“ stattfinden solle, die nach der „Warnung“ eintreffe.

Die „Warnung“ behauptet: Papst-Nachfolger ist ein Betrüger

Nun schreibt der Autor, der bevorstehende Amtsverzicht des Papstes sei ein aktueller Anlaß, sich erneut zu diesen Visionen zu äußern:

„In den Botschaften der Warnung wird behauptet, Papst Benedikt XVI. sei der letzte „echte“ Papst, sein Nachfolger aber ein Betrüger, der mit dem Antichrist im Bunde sein werde. Die Botschaften fordern zum Schisma auf, sobald der Nachfolger Benedikts XVI. feststeht.“

Wahrlich herbe Kost für fromme Seelen, wobei dieser Aspekt im CHRISTLICHEN FORUM bereits seit Monaten von zahlreichen Kommentaren kritisch beleuchtet wird.

Sodann nimmt der Verfasser auch jene Prophezeiung aus der „Warnung“ auseinander, wonach dunkle Kräfte im Vatikan „planen, den Heiligen Stellvertreter Christi, Papst Benedikt XVI. durch einen „Diktator der Lügen“ zu ersetzen. Er wird im Bunde mit dem Antichristen und seiner Gruppe eine neue Kirche erschaffen, um die Welt in die Irre zu führen.“ (Botschaft vom 18. Januar 2012)“

Wie man sieht, wurde diese absonderliche „Mitteilung“ bereits vor über einem Jahr von der „verborgenen Seherin“ zum Besten bzw. Schlechten gegeben, was „Kath.net“ allerdings nicht hindert, diesen offensichtlichen Unfug weiter per Kath.shop zu verbreiten.

Zudem stellt Johannes Graf fest, was aufmerksame Leserkommentare hier im CHRISTLICHEN FORUM bereits vorher erkannten:

„Die Umstände des Rücktritts Benedikts XVI. stimmen nicht mit den Botschaften der „Warnung“ überein. Dort wird behauptet, Benedikt XVI. würde „vom Heiligen Stuhl in Rom vertrieben werden.“ (11. Februar 2012). Ebenso wird vorausgesagt: „Er wird zerdrückt werden, als Haupt Meiner Kirche, und ihm wird keine Gnade gezeigt werden. Der Widerstand wird schnell zunehmen, wobei er für nicht mehr zuständig erklärt werden wird.“ (13. November 2012)“

In Wirklichkeit betonte der Papst mehrfach die Freiwilligkeit seiner Entscheidung zum Amtsverzicht – einmal abgesehen davon, daß er einen Rücktritt im Seewald-Buch „Licht der Welt“ indirekt ankündigte für den Fall, daß er gesundheitlich nicht mehr in der Lage sei, das Petrusamt angemessen auszuführen.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Nachträglicher HINWEIS: Wie uns ein Leser am heutigen 10. März mitteilte, hat „kath.shop“ die Botschaftsbände „Die Warnung“ inzwischen aus seinem Sortiment genommen  –  späte Einsicht, aber immerhin!


„kath.shop“ bietet Sammelsurium fraglicher Seher und Propheten

„Mystischer“ Kraut- und Rüben-Salat auf 336 Seiten: „Das steht der Welt noch bevor“

„Kath.shop“ aus Linz in Österreich ist ein Nebenzweig des Nachrichtendienstes „kath.net“ und ein Internet-Versandservice für Bücher und diverse Andachtsgegenstände. Viele der Angebote gehen auf Seher,  „begnadete Seelen“ und Erscheinungen zurück.

Unter „Privatoffenbarungen“ findet man z.B. folgende Ansammlung von Schriften, die sich meist auf kirchlich nicht anerkannte Visionen und Erscheinungen beziehen.

Dort wird etwa auch eine „Tochter der Sonne“ angepriesen, womit aber kein ruhmreiches Indianermädchen gemeint ist, sondern eine angeblich visionär erleuchtete Frau. Auch ansonsten enthält das Angebot von „kath.shop“ viel Seltsames und Unerleuchtetes:

http://www.kathshop.at/shop.php?open=58&kid=58

An zweitletzter Stelle wird dort für 18,70 € das Buch „Das steht der Welt noch bevor“ von Anton Angerer präsentiert, das im erscheinungsseligen Mediatrix-Verlag  „erschien“ (!).

Es wird von „kath.shop“ folgendermaßen vorgestellt:

„Ein großes schreckliches Ereignis wird die Welt erschüttern! Es wird mit einer Revolution in den Ländern Westeuropas beginnen. Ihr folgt der militärische Überfall der Sowjetunion auf den Westen. Diese kriegerischen Auseinandersetzungen enden mit dem Eingreifen Gottes durch ein göttliches Strafgericht, das weltweit über die ganze Menschheit kommen wird. Während der dreitägigen Finsternis wird die Welt gereinigt. Wann wird das geschehen? „Wenn die Menschen von Frieden und Sicherheit reden, dann bricht plötzlich Verderben über sie herein wie die Wehen über die hoffende Mutter, und sie werden ihm nicht entrinnnen …“ (1 Thess 5,3)“

Diese kurze Inhaltsangabe  bietet bereits ein kurioses Nebeneinander von Richtigem (die zuletzt erwähnte Bibelstelle) und Fragwürdigem oder Unsinnigem.

Zunächst scheint in diesem Buch, das im Jahr 2000 in erster und ein Jahr später in zweiter Auflage herauskam, die „Sowjetunion“ noch putzmunter präsent zu sein.

Sodann gab es zwar einst in Ägypten eine „dreitägige Finsternis“, eine Wiederholung derselben wird aber in der Bibel für die Endzeit nicht angekündigt  –  mögen diese auch diverse „Seher“ anders verkünden.

Die „bunte“ Mischung aus Richtigem, Falschem  und  Halbwahren wird in dem angepriesenen Buch selber noch viel breiter ausgewalzt.

Fast alles, was „Volksseher“, „Sühneseelen“ und vermeintlich begnadete Propheten in den letzten Jahrhunderten zum Besten gaben, wird nacheinander vorserviert, zum Teil durchaus mit Richtigem garniert (seitenlanger Wiedergabe der neutestamentlichen Apokalpyse).

Insgesamt entsteht der Eindruck eines Kraut- und Rübensalates, wenngleich er für kritische Leser immerhin von einem gewissen dokumentarischen Wert sein mag.

Das  kuriose Werk  bringt neben Zitaten aus einigen wenigen kirchlich anerkannten Erscheinungen eine Unzahl von „Visionen“ aus aller Herren Länder, Zeiten und Zonen  –  darunter viele sog. „Volksseher“ wie den unvermeidlichen Mühlhiasl, den noch berühmteren Irlmaier, den „Seher aus dem Waldviertel“, einen eher unbekannten „Sepp Wudy“, sodann die nebelhaften „Papstweissagungen des Malachias“ (wobei längst erwiesen ist, daß sie nicht von Malachias stammen, sondern weitaus später entstanden), außerdem Garabandal (kirchlich nicht anerkannte „Marienerscheinungen“) und La Salette.

Nun ist La Salette zwar anerkannt, aber nur bezogen auf die anfänglichen Aussagen von Melanie Calvat, nicht jedoch hinsichtlich der von ihr später ergänzten Ausführungen (meist bezeichnet als „Großes Geheimnis“); deren Verbreitung wurde vom Vatikan Anfang des 20. Jahrhunderts sogar ausdrücklich untersagt.

Das Kraut-und-Rüben-Buch enthält aber (wie das häufig auch bei speziellen La-Salette-Büchern der Fall ist) nicht nur den anerkannten ersten Teil der Privatoffenbarung aus Frankreich, wogegen nichts einzuwenden wäre  – sondern eben auch den unsinnigen späteren Teil.

Darin wird eine Endzeitschwärmerei offenkundig, die seitens der Kirche nie gelehrt, sondern immer wieder ausdrücklich abgelehnt wurde, wonach nämlich vor der Ankunft des Antichristen ein weltweiter „Triumph der Kirche“ zu erwarten sei, quasi ein katholisches Friedensreich der Endzeit (siehe hierzu S. 39 und 289 f in diesem Buch).

Auf S. 290 wird ausdrücklich erwähnt, daß dieser glorreiche und universale  „Triumph der Kirche“ chronologisch „vor dem Kommen des Antichristen“ stattfinden werde  – und eben dies widerspricht sowohl der Heiligen Schrift wie der kirchlichen Lehre, denn für die unmittelbare Zeit vor dem Antichristen kündigt das NT einen rasanten Glaubensabfall an, also genau das Gegenteil dessen, was viele „Seher“ prognostizieren.

Siehe hierzu außerdem unser Artikel über endzeitschwärmerische Thesen (Chiliasmus und Millenarismus): https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/10/millenarismus/

Felizitas Küble