Umfrage: Katholiken in Westeuropa denken islamkritischer als Protestanten

Katholiken in Westeuropa sind Muslimen gegenüber mehrheitlich skeptischer eingestellt als evangelische Christen. Das ergab die Studie „Christ sein in Westeuropa“, die das Pew Research Center (Washington) am 29. Mai veröffentlichte.

Katholiken neigen demnach eher dazu, negative Ansichten über religiöse Minderheiten zu äußern. So sind in Deutschland 16 Prozent der Protestanten nicht bereit, einen Muslim als Familienmitglied zu akzeptieren – unter den Katholiken ist es die knappe Mehrheit (51 Prozent).

Ebenso sprechen sich weniger evangelische Christen dafür aus, muslimischen Frauen religiöse Kleidung zu verbieten (16 Prozent). Nur 19 Prozent sagen, dass sie sich aufgrund der hohen Anzahl an Muslimen „wie ein Fremder im eigenen Land zu fühlen (19 Prozent)  –  unter den katholischen Christen sind es hingegen jeweils 31 Prozent.

Quelle und Fortsetzung der IDEA-Meldung hier: https://www.idea.de/gesellschaft/detail/umfrage-protestanten-sind-islamfreundlicher-eingestellt-als-katholiken-105472.html

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Jüdischer Repräsentant gegen den Reformationstag als gesetzlicher Feiertag

Der evangelische Reformationstag (31. Oktober) wird voraussichtlich in Norddeutschland ein gesetzlicher Feiertag sein – auch in Niedersachsen. Michael Fürst, der Präsident der Jüdischen Gemeinden dort, kritisiert diese Entscheidung sehr deutlich, da weder Juden noch Katholiken hiermit einverstanden sein könnten.   

In einem Interview mit dem Kölner „Domradio“ vom 23. Mai erklärt Fürst, Luther sei ein „bekennender Antisemit, zumindest in den letzten Jahrzehnten seines Lebens“ gewesen:

„Die protestantischen Christen können jederzeit ihren Reformationstag als Luthertag weiterfeiern, aber den Tag uns Juden und auch den Katholiken als Feiertag vorzuschreiben, für die ja der Reformationstag der Spalttag ist, das halte ich für unwürdig.“

Der jüdische Repräsentant fügt hinzu: „Der Reformationstag als christlicher Feiertag kann bleiben, aber nicht als gesetzlicher Feiertag…..Und mit der Feier zum 500. Jahrestag hat auch weder der Zentralrat etwas zu tun gehabt noch die katholische Kirche.“

Man solle, so Fürst, die Reformation nicht auf diesen Tag fixieren, denn „dafür gibt es 365 Tage, aber nicht den Tag, der uns alle anderen beleidigt – Katholiken, Juden und viele andere mehr.“

Auf die Frage, ob man den Tag des Grundgesetzes (23. Mai) als Feiertag einführen soll, reagierte der jüdische Vertreter positiv. 

Quelle für die Zitate: https://www.domradio.de/themen/judentum/2018-05-23/heute-wuerde-man-sagen-luther-war-ein-hassprediger-juden-gegen-reformationstag-als-gesetzlicher


Lippstadt: Firmung im traditionellen Ritus

Von Felizitas Küble

Am Samstag, dem 21. April, haben fünfzehn Katholiken – darunter Kinder, Jugendliche und Erwachsene  – im westfälischen Lippstadt das Sakrament der Firmung im früheren Ritus empfangen (siehe Fotos). 

Um halb elf Uhr begann der feierliche Firmgottesdienst in der Kapelle „Zum guten Hirten“ mit einer Predigt von Bischof Alfonso de Galarreta (er ist einer der vier Weihbischöfe der traditionsorientierten Priesterbruderschaft St. Pius X.),  die von einem Priester auf deutsch übersetzt wurde.

Er erläuterte, wie Christus seine Apostel mit dem Heiligen Geistes ausgestattet hat und wie sein Beistand zu Pfingsten auch den Gläubigen in Jerusalem zuteil wurden.

Die Firmung verleihe dem Katholiken drei wichtige Gaben, die zugleich seine Aufgaben seien:

1. Er soll ein Zeuge des Glaubens sein. – 2. Er ist als „Soldat Christi“ berufen und erwählt, für die Heilswahrheiten einzutreten und für Christi Reich zu kämpfen. – 3. Er ist ein Apostel der Kirche und soll sich zum Glauben bekennen und ihn verbreiten.

Als Beter und Kämpfer für den katholischen Glauben lebe der Gefirmte aus der Kraft der übernatürlichen Tugenden (Glaube, Hoffnung, Liebe), die Gott uns durch seine Gnade schenke. Berufen zur Heiligkeit, soll sich der Gläubige für das Königtum Christi einsetzen, obwohl – so der Bischof wörtlich – sich „Mutter Kirche in einer furchtbaren Krise“ befinde.

Der heutige Relativismus vertrete die Gleichheit der Religionen und die Irrlehre, wonach jeder seine „eigene Wahrheit“ finden könne. Verhängnisvoll sei auch die Ehrfurchtslosigkeit gegenüber dem Altarsakrament: Heute gehe bald jeder zur hl. Kommunion, ob er sich im „Stand der Gnade“ befinde oder nicht.

Es gelte, sich unter den Schutzmantel Mariens zu stellen und ihr Unbeflecktes Herz als Zuflucht vertrauensvoll zu verehren, erklärte der Bischof weiter. Die Gottesmutter führe sicher zu Christus, der wiederum unser Heilsweg zum himmlischen Vater sei. Maria könne für uns bei ihrem göttlichen Sohn die Gnade der Beharrlichkeit und Glaubenstreue erbitten, die in dieser verwirrenden Zeit so entscheidend sei.

Nach der Predigt erfolgte die Spendung der hl. Firmung nach dem überlieferten Ritus (wie er vor der Liturgiereform gespendet wurde). Der Bischof legte den Firmlingen die Hände auf und salbte sie mit Chrisamöl. 

Nach der Firmung, die ca. 45 Minuten dauerte, begann die hl. Messe bzw. das levitierte Amt mit dem Bischof und zwei Priestern. Neben den Ministranten war zudem eine gregorianische Männerschola zugegen; die Kapelle war mit Gläubigen aus nah und fern voll besetzt.

Nach den Feierlichkeiten gab es auf dem Platz vor der Kapelle noch viele anregende Gespräche zwischen Priestern und Kirchenbesuchern, zwischen Firmlingen, ihren Angehörigen und Gratulanten.

Erstveröffentlichung dieses Artikels hier: http://fsspx.de/de/news-events/news/firmung-lippstadt-mit-bischof-alfonso-de-galarreta-37125


Kardinal Burke leistet theologischen Widerstand gegenüber Papst Franziskus

Die katholische Wochenzeitung „Die Tagespost“ berichtet von  einer Art Rebellion, die sich in der katholischen Kirche gegen Franziskus abzeichnet. Einen Höhepunkt erlebte diese „Franziskus-muss-weg“-Bewegung vor einer Woche im römischen Tagungszentrum „The Church Village“. 

Etwa 400 besorgte Katholiken waren gekommen, unter ihnen auch die beiden bei überzeugten Katholiken als Helden geltenden Kardinäle Walter Brandmüller und Leo R. Burke (siehe Foto).

Zu einem Höhepunkt kam die Veranstaltung, als Kardinal Burke das Wort erhob. Guido Horts schildert in der „Tagespost“ was dann geschah:

„Kardinal Burke legte in seinem Vortrag über die Korrektur eines Papstes, der seine Vollmacht missbraucht habe, dar, dass man diesem keinen Prozess machen könne, aber die Situation entsprechend des Naturrechts, des Evangeliums und der kanonischen Tradition in zwei Schritten bereinigen müsse.

Als er vom ersten Schritt, der an den römischen Papst direkt gerichteten Aufforderung, den Fehler zu korrigieren, zum zweiten Schritt, der öffentlichen Verurteilung der päpstlichen Häresie, überleitete, explodierte der mit den Händen zu greifende Unmut… Nach einer Pause fuhr Burke fort und zitierte schließlich den heiligen Paulus: Und wenn wir selbst oder ein Engel vom Himmel etwas anderes als das verkünden würden, was euch verkündet worden ist, „anathema sit“.   –  Tobender Applaus.“

„Anathema sit“ heißt so viel wie: Papst Franziskus soll aus der Kirche ausgeschlossen werden.

Das dürfte es in der katholischen Kirche schon lange nicht mehr gegeben haben, dass ein Kardinal der Kirche, der zudem bei den einflussreichen US-Katholiken in sehr hohem Ansehen steht, im Schatten des Petersdoms dazu auffordert, den Papst wegen seiner Irrlehren aus der Kirche auszuschließen.

Keiner hat der katholischen Kirche und damit dem christlich-jüdischen Abendland durch sein unüberlegtes, teilweise tatsächlich den Glauben verratendes Agieren seit dem Zweiten Vatikanum solchen Schaden zugefügt wie Franziskus.

Quelle und vollständiger Artikel von Dr. David Berger hier: https://philosophia-perennis.com/2018/04/15/franziskus-muss-weg-kardinaele-fordern-den-papst-aus-der-kirche-auszuschliessen/


Die Segensaktion auf der MEHR-Konferenz und das charismatische Umkehrungsprinzip

Von Felizitas Küble

Die katholische Wochenzeitung „Tagespost“ vom 11. Januar 2018 berichtet unter dem Titel „Missionarische Ökumene“ völlig unkritisch über die schwärmerische MEHR-Konferenz, die von dem katholischen Theologen Dr. Johannes Hartl geleitet und von seinem „Gebetshaus Augsburg“ organisiert wird.

Unter den 11.000 Besuchern befanden sich  – wie der Autor berichtet – auch tausende Protestanten. Hartls Aufruf „Betet für uns, damit der Aufbruch in dieser großen alten Kirche gelingt“ erscheint mir typisch für enthusiastische Bewegungen und zeugt zudem von einem ausgeprägten Sendungsbewußtsein, zumal er ausdrücklich eine „Erweckung“ des „Riesen katholische Kirche“ herbeiwünscht. Aber damit nicht genug, ruft eine protestantische Vertreterin auf der Bühne den Katholiken zu „Wir segnen euch“, wonach diese artig „in der Halle das Haupt neigen und sich segnen lassen“.

Nun setze ich mich seit Jahrzehnten für eine theologisch konservative Ökumene ein und bin mit vielen evangelischen Christen befreundet, wobei gegenseitige Segenswünsche selbstverständlich sind.

Was jedoch gezielt als tausendfache, quasi-rituelle Segenshandlung auf der MEHR-Konferenz stattfand, ist von anderem Kaliber. Hier wird nach meinem Eindruck das typisch charismatische Umkehrungsprinzip sichtbar, das die biblisch und kirchlich bewährte Ordnung auf den Kopf stellt.

Im Hebräerbrief wird der geheimnisvolle Priester-Königs Melchisedech erwähnt, der einst den Patriarchen Abraham segnete, wobei es dann heißt, daß der Höhergestellte den Segen erteilt (Hebr 7,7). Dieser Grundsatz ist auch (theo)logisch klar; er orientiert sich weniger an der persönlichen Frömmigkeit bzw. Heiligkeit der einzelnen Personen, sondern vor allem an der geistlich-amtlichen Stellung dessen, der segnet. Letztlich ist es immer Gott und damit der Höchste selbst, der den Segen spendet.

In der charismatischen Bewegung wird das biblische Prinzip, dass der Höhergestellte den Segen erteilt, fast unmerklich verdrängt und nicht selten geradezu umgedreht. Der Höhergestellte spendet dann nicht den Segen, sondern er empfängt ihn, beispielsweise Priester durch Laien bzw. Nicht-Kleriker.

Hierzu zwei Beispiele:

  1. Die irische Nonne Briege McKenna gibt seit langem ihre Exerzitien für „innere Heilung“ und dergleichen, an denen vor allem Priester teilnehmen. Auf Großveranstaltungen  – etwa bei den Priestertagen in Ars –  nahm sie über tausenden von Geistlichen eine Art „Geistausgießung“ vor.
  2. Die aus Indien stammende Ordensfrau Sr. Margaritha Valappila erteilt bei Gebetstagen in ihrem –  kirchlich nicht anerkannten  – „Haus Raphael“ auch dem jeweiligen Hausgeistlichen ihren speziellen Einzelsegen per Handauflegung. Daß diese Priester dabei bisweilen wie in Trance nach hinten umkippen, läßt den Vorgang aus meiner Sicht noch problematischer erscheinen.

Wenngleich bei der MEHR-Konferenz keine allgemeine „Geistausgießung“ über Priestern stattfand, wurde auch dort das charismatische Umkehrungsprinzip sichtbar: Protestanten segneten tausende Katholiken, die „ihr Haupt neigten“. Hier wurde zwischen den Konfessionen nicht einmal auf gleicher Augenhöhe gesegnet, es fand offenbar kein gegenseitiger Segen statt, sondern evangelische Christen spendeten katholischen Christen ihrerseits den Segen. 

Das erscheint mir objektiv sehr fragwürdig, wenngleich die wohlmeinenden Absichten der protestanischen Besucher unbestritten sind, zumal der katholische Leiter Dr. Hartl sie ausdrücklich um Gebetshilfe für einen „Aufbruch“ und eine „Erweckung“ der katholischen Kirche gebeten hatte.

„Aufbrüche“ sind natürlich immer wünschenswert, doch bei nüchterner Analyse bleibt festzuhalten, daß sich die geistliche und kirchliche Situation im evangelischen Bereich insgesamt noch unerfreulicher darstellt als katholischerseits, ob es um Austrittsdaten, Kirchgängerzahlen oder die öffentlichen Zeitgeist-Erklärungen ihrer amtlichen Vertreter und Gremien geht – siehe etwa die Zustimmung der EKD zugunsten einer „Ehe für alle“.

Diese Situation dürfte auch Dr. Hartl bekannt sein; ihm geht es aber offenbar um spezielle Erweckungs-Impulse aus dem pfingstlerisch-protestantischen Spektrum. Tatsächlich ist hier die Pfingstbewegung sozusagen die „Mutter“ (nämlich über sechzig Jahre älter), während die erst 1967 entstandene katholische „Charismatische Erneuerung“ quasi einen Ableger, eine „Tochter“ darstellt. So gesehen ergibt der Wunsch des Katholiken Hartl, von evangelischer Seite eine Gebets- und Segenshilfe für (s)einen „Aufbruch“ zu erhalten, wiederum doch einen Sinn – einen speziell charismatischen allerdings.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Haben wir heute zu kämpfen verlernt?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Das Wort „kämpfen“ in der Überschrift wird heute als völlig deplatziert angesehen. Wer will in einer Spaßgesellschaft noch kämpfen? Wer ein solches Wort noch in seinem Vokabular führt, verurteilt sich selbst zur Erfolglosigkeit. Er begeht gesellschaftlichen Selbstmord. Dabei ist mit „kämpfen“ immer an eine geistige Auseinandersetzung gedacht. 

Vielleicht würde noch das Wort „aufklären“ oder „verteidigen“ akzeptiert werden. Diesen Begriff haben wir noch im gängigen Sprachgebrauch, z.B. bei einem Fußballmatch, in dem einige Spieler das eigene Tor vor gegnerischen Bällen schützen. Doch der Kampf der 22  Kicker in der Fußballarena hat mit dem Lebensgefühl der Zuschauer nichts gemeinsam.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum deutscher Katholiken“

„Kämpfen“ beschreibt heute nur mehr die Lebensrealität einer kleinen Elite im Sport, Showgeschäft, in der Politik, in Unternehmen und großen Verbänden. Dort wird mit harten Bandagen gekämpft. Und dann gibt es noch die kleine Schar derer, die gegen die anthropologische Revolution in der Gesellschaft, konkret für das Leben und die Würde aller Menschen, gegen Abtreibung, Genderideologie etc. einen heroischen Kampf führt.

Verpönt ist das Wort „Kampf“ auch in der Kirche. Wo kämpfen das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, der Bund der Deutschen Katholischen Jugend oder die katholischen Frauenverbände, wenn der Glaube der Kirche zur Diskussion steht?

Die Kultur des Relativismus ist in diesen Gremien fest etabliert. Von ihr sagte Joseph Kardinal Ratzinger am 18. April 2015:

„Einen klaren Glauben nach dem Credo der Kirche zu haben, wird oft als Fundamentalismus abgestempelt, wohingegen der Relativismus, das sich ‚vom Windstoß irgendeiner Lehrmeinung Hin- und -Hertreiben Lassen‘ als die heutzutage einzige zeitgemäße Haltung erscheint.

Es entsteht eine Diktatur des Relativismus, die nichts als endgültig anerkennt und als letztes Maß nur das eigene Ich und seine Gelüste gelten lässt“.

Also segelt man lieber in den genannten Gremien mit dem Rückenwind des Zeitgeistes, als gegen den Wind der veröffentlichten Meinung anzukämpfen. Selbst bei den Hirten haben wir, abgesehen von den bekannten Ausnahmen, Zweifel, ob ihnen die massive Fahnenflucht der Gläubigen schlaflose Nächte bereitet.

Muss man sich darüber wundern?

Wir haben in der Bundesrepublik Deutschland 72 Friedensjahre hinter uns. Die Christen wurden – sieht man von Schikanen oder gesellschaftlicher Zurücksetzung ab – nicht verfolgt. Das letzte Mal wurden Katholiken hierzulande in den 12 Jahren der Naziherrschaft geprüft. Wir kennen nicht die genaue Zahl derer, die für ihren Glauben gekämpft, ihren Arbeitsplatz verloren haben, in KZ’s gesteckt oder zur „Frontbewährung“ abkommandiert wurden. Was uns bekannt ist, sind die rund 4000 polnischen, deutschen und französischen Priester, die in KZ’s umgebracht wurden.

72 Friedensjahre sind eine lange Zeit, die zur Bequemlichkeit, zur Anpassung an den jeweiligen Zeitgeist und auch dazu führt, zu „leben, als ob es Gott nicht gäbe“ (Joh. Paul II.).

Die Statistiken der Kirchenaustritte und der Gottesdienstbesuche sprechen eine beredte Sprache. Diese Erscheinung ist nicht auf unsere Zeit beschränkt. Das zeigt sich, wenn wir in der Kirchengeschichte zurückblättern.

Bis zum Mailänder Toleranzedikt Kaiser Konstantins im Jahr 313 wurden sieben, nach anderen Studien zehn Christenverfolgungen gezählt. Schon damals ging die Bereitschaft, für den Glauben einzustehen, zurück, wenn der Abstand zwischen zwei Verfolgungen groß war. Trotzdem stieg die Zahl der Gläubigen insgesamt an, weil das Beispiel der Märtyrer Faszination auslöste.

Das Leitwort des größten Missionars der Kirche, des heiligen Paulus, stand ihnen immer vor Augen: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet und den Glauben bewahrt“.

Auch die christdemokratischen Parteien haben sich in den letzten Jahrzehnten von dem getrennt, was der Machterhaltung im Weg steht. Kardinal Meisner hat einmal geäußert: „Eine christdemokratische Partei kann in der heutigen säkularisierten Gesellschaft keine Mehrheit mehr erringen“.

Die christlichen Parteien auf nationaler und auf EU-Ebene haben daraus ihre Konsequenzen gezogen, wie Vladimir Palko in seinem Buch „Die Löwen kommen“ schreibt: „Die christlichen Parteien und die christlichen Politiker des Westens haben sich bei der Wahl zwischen der Treue zu christlichen Prinzipien und einem größeren Anteil an Macht entschieden – und zwar für die Macht“. (S. 184)

Was bleibt also zu tun in dem Kampf „zwischen den Kräften der anthropologischen Revolution und dem Christentum, zwischen der Kultur des Lebens und der Kultur des Todes. Und gerade in diesem Kampf ist das christliche Engagement in eine Krise geraten“. (Vladimir Palko, Die Löwen kommen, S. 480).

Palko gibt „zehn Gebote bzw. Ratschläge“. Davor ist das Wort von Papst Leo XIII. gesetzt: „Christen sind zum Kampf geboren“.

Was steht in der heutigen Zeit dem „Kämpfen“ im Weg? Es sind Verunsicherung und die Frage, wofür man kämpfen soll.

Es heißt, wir leben in einer Zeit der Veränderungen. „Veränderung“ ist ein viel zu harmloses Wort. Tatsächlich erleben wir Revolutionen, Damm- und Kulturbrüche – und das bei gleichzeitiger Orientierungslosigkeit, Desinformation und einem Ansehensverlust der religiösen, staatlichen und rechtlichen Autoritäten.

Das muss näher erklärt werden:

Jeder erkennt die Veränderungen durch Computer und Smartphones, die Kinder, Jugendliche und auch Ältere faszinieren. Sie haben das Kommunikationsverhalten – bis in die Kinderzimmer hinein – revolutioniert.

Jeder hat schon von dem Fortschritt in der Medizin erfahren oder ihn an sich selber erlebt. Vielleicht aber kennt nicht jeder die gentechnologischen Möglichkeiten, die dazu führen, dass Designer-Babys mit den gewünschten Eigenschaften produziert werden und homosexuelle Partnerschaften per Samenspende und Leihmutterschaft ihr „Recht auf Kinder“ realisieren können.

Künstliche Befruchtung ist bei uns ebenso wie die Samenspende erlaubt, wenn sie nicht anonym erfolgt. Die beiden Kirchen haben am 6. Mai 2017 die „Woche für das Leben“ unter das Thema gestellt „Kinderwunsch – Wunschkind – Designer-Baby“. Die medizinischen Wissenschaften ermöglichen neue technische Verfahren, aber „kein Orientierungswissen mit Blick auf ethische Grenzen und Fragen der Menschenwürde“ (AZ, 27.4.2017).

Mit dieser technischen Revolution stehen wir mitten in der anthropologischen Revolution, die damit Hand in Hand geht. Die bisherige verfassungsmäßig anerkannte, eine Gesellschaft tragende Institution der Ehe als einer Verbindung von Mann und Frau, die für den Fortbestand einer Gesellschaft unersetzlich ist und die deswegen den besonderen Schutz des Staates im Rücken hatte, ist seit dem Bundestagsbeschluss vom 30. Juni 2017 zur „Ehe für Alle“ ausgehebelt worden.

Das stellt einen Kultur- und Dammbruch dar, der in der Augsburger Allgemeinen Zeitung vom 28.6.2017 so kommentiert wurde:

„Wie Menschen zusammenleben, wer sich in wen verliebt und wer mit wem dauerhaft eine Beziehung eingeht, geht den Staat nichts an. Er hat nur dafür zu sorgen, dass alle tatsächlich gleich behandelt werden. Angela Merkel hat spät, aber nicht zu spät erkannt, dass das Nein der Union zur Homo-Ehe nicht mehr zeitgemäß und somit nicht länger zu halten ist“.

Journalisten haben offensichtlich aus ihrer Sicht nicht einen Informationsauftrag, sondern einen Meinungsbildungsauftrag.

Der Weg zur „Ehe für Alle“ ist durch die allmählich rechtliche Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe von Mann und Frau geebnet worden. Diese Kulturrevolution wurde durch die Genderideologie forciert. Die Genderideologie wurde durch die letzte Bundesregierung als Querschnittsaufgabe im Koalitionsvertrag – übrigens ohne eine Parlamentsdebatte – installiert und zieht inzwischen u.a. in der Sexualaufklärung an staatlichen Pflichtschulen unter der Bezeichnung der „sexuellen Vielfalt“ ihre Kreise.

Kernpunkt dieser Ideologie ist es, dass der Mensch autonom sein Geschlecht selbst bestimmt. Die Einebnung der Geschlechter macht Debatten, die auf Unterschiede der Geschlechter zurückzuführen sind, überholt, weil gegenstandslos.

Die anthropologischen Revolutionen werden lt. Umfragen von der Bevölkerung mehrheitlich akzeptiert. Was sind die Gründe dafür?

Ist es Resignation, weil das, was technisch möglich ist, ohnehin nicht zu verhindern sei und über kurz oder lang politisch und rechtlich abgesegnet würde. Ist es Kurzsicht, weil die Folgen solcher Dammbrüche gar nicht abzuschätzen sind? Ist es „hilflose Gleichgültigkeit“? Ist es das Resultat des Relativismus? Das ist das Credo unserer Zeit, wonach es keine absolute Wahrheit gibt, weil alle Meinungen als gleichwertig und gleichrangig anzusehen sind.

Wie kann sich aber ein gläubiger Christ in einer solchen Welt orientieren? Katholiken denken zunächst an das kirchliche Lehramt. Das üben in den Diözesen die Nachfolger der Apostel, d.h. die Bischöfe aus. Ihre Autorität ist aber beeinträchtigt.

Die Ursachen dieses Autoritätsverlusts reichen weit zurück. Zu nennen sind die sog. „Königsteiner Erklärung“ als Antwort auf das päpstliche Schreiben „Humanae Vitae“ Pauls VI., die Einbindung  –  außer einst Erzbischof Dyba  –  in die staatliche schwangeren Konfliktberatung zur rechtswidrigen, aber straffreien Abtreibung, das Schweigen zu Häresien an theologischen Fakultäten, zu einem defizitären Religionsunterricht, zur Genderideologie etc..

Diese Vorgänge lähmen das Engagement für die Kirche, weil sich viele „heimatlos“ in der Kirche sehen und fragen: was gilt noch?

Aber: Für jeden Katholiken gibt es auch heute eine klare und verbindliche Orientierung im Katechismus der katholischen Kirche (KKK) vom 11. Oktober 1992, den Kardinal Ratzinger im Auftrag von Papst Johannes Paul II. geschaffen hat.

Niemand ist ohne Kompass! Es ist auch zu bedenken, wenn wir uns nicht mehr für den Glauben einsetzen, dann lassen wir auch jene Christen im Stich, die verfolgt werden und unser Beispiel brauchen, um durchzuhalten.

Es sind weltweit mehr als 220 Mio., die in Ländern leben, in denen ihnen grundlegende Rechte vorenthalten werden und die schlimme Formen von Diskriminierung erleiden. Wenn wir resignieren, entmutigen wir auch jene, welche sich für eine christlich geprägte humane Kultur auf Talkshows angiften lassen und die für ihre Überzeugung zu einer friedlichen Demo auf die Straße gehen, z.B. Gabriele Kuby, Birgit Kelle, Hedig von Beverfoerde oder Alexandra Linder.

Wir sollten uns schon fragen, was heute auf dem Spiel steht. Es sind unser christlicher Glaube, unser Verständnis von Ehe und von einer christlich geprägten humanen Kultur.

Es ist das, was der durchaus kirchenkritische Schriftsteller Heinrich Böll einmal so ausgedrückt hat:

„Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen Welt vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: Für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache; und mehr noch als Raum für sie: Liebe für die, die der heidnischen Welt nutzlos erschienen und erscheinen“.


MARIA in BRASILIEN: Broschüre über Herkunft und Legenden zu APARECIDA

Besprechung von Felizitas Küble

Das Marienheiligtum zu Aparecida ist das größte in Brasilien. Dort wird seit Jahrhunderten eine kleine schwarze Madonnenstatue verehrt. Voriges Jahr wurde in dem lateinamerikanischen Land mit großer Begeisterung die 300-Jahr-Feier der Wallfahrtsstätte begangen. 

Über die Herkunft dieser „schwarzen Madonna“ gehen die Meinungen auseinander. Am wahrscheinlichsten ist wohl jene Geschichte, wonach arme Fischer erst den Rumpf einer Marienstatue und dann ihren Kopf aus dem Wasser zogen, was sie noch mehr begeisterte als ein großer Fischfang – der dann hinterher ebenfalls eintrat. Das Ereignis soll sich am 17. Oktober 1717 zugetragen haben.

Die 50-seitige Broschüre „Maria in Brasilien: Aparecida“ von Paul Baldauf erzählt in bewegenden Worten und anschaulicher Weise diese Entstehungsgeschichte – und ergänzt sie danach mit einigen Legenden über Heilungen und wundersame Gebetserhörungen.

Vor allem die unterdrückte schwarze Bevölkerung nahm in großer Not seine Zuflucht zur Madonna von Aparecida. Dies zeigt auch das Titelbild: Ein schwarzer Sklave bittet die Gottesmutter verzeifelt um Hilfe – und seine Ketten fallen wunderbar auseinander.

Das Marienheiligtum wurde ab 1734 zunächst in einer kleinen Kapelle untergebracht  – und etwa hundert Jahre später, als die Volksverehrung weiter wuchs, ist eine Kirche errichtet worden, die später zur „Basilica minor“ (kleinen Basilika) ernannt wurde.

Prinzessin Isabella überreichte der Statue im Jahre 1888 einen blauen Mantel und eine schöne Krone. 1929 ernannte Papst Pius XI. die hl. Jungfrau (Senhora Aparecida) zur Schutzpatronin Brasiliens. 1884 erklärten die Bischöfe des Landes den Wallfahrtsort zum katholischen Nationalheiligtum.

Die Buchbroschüre schildert diverse Traditionen und Legenden um Aparecida sehr lebendig und spannend.  Auch die Zeichnungen der Künstlerin Manon Massari wirken recht ansprechend.

Statt der  – sicherlich ergreifenden  –  Wundererzählungen wäre eine stärkere historisch orientierte Darlegung allerdings insgesamt sinnvoller gewesen. Trotzdem mag die Publikation aus dem Mediatrix-Verlag als Einstieg zum Thema hilfreich sein.

Die Broschüre kostet 5,90 € und kann hier direkt bestellt werden: https://www.mediatrix-verlag.at/Buecher/Glaube—Heilige/APARECIDA—MARIA-IN-BRASILIEN.html